Ende August, Urbana-Champaign in Illinois. Eine 28-jährige Österreicherin hat zwei Jahre an einem Beweis gearbeitet und eine funktionierende Fassung in der Schublade. Dann hört sie ein Gerücht: OpenAI steht kurz davor, genau ihr Problem zu lösen. Am 31. August lädt sie hoch. Drei Tage später verkündet OpenAI dasselbe Ergebnis — und danach fällt die Zahl, auf die die Mathematik zwölf Jahre lang gestarrt hat, viermal in vier Tagen.
Sie heißt Julia Stadlmann, sie kommt aus Unzmarkt in der Obersteiermark, sie ist in Judenburg zur Schule gegangen — und sie hat für diesen Beweis keine einzige KI benutzt. Nicht für die Ideen, nicht für den Code, nicht fürs Schreiben. Diese Folge sieht aus, als ginge es um Primzahlen. Es geht um deinen Job.
In dieser Folge:
🔢
Die Zahl (
03:54) — was eine Primzahl ist, was eine Primzahllücke ist, und warum 2013 ein Mathematiker namens Yitang Zhang, den niemand kannte, alles verändert hat. Er hat keine bessere Fabrik gebaut. Er hat bewiesen, dass es eine geben
kann. Dann ging es 70 Millionen → 4.680 → Polymath 8B →
246. Und dann zwölf Jahre nichts.
✍️
Die Steirerin: zwei Jahre, null KI (
08:51) — Unzmarkt, Judenburg, Mathe-Olympiade 2015 und 2016, mit sechzehn ein Sommerprogramm in Oxford, dann das Doktorat in Oxford bei
James Maynard — dem Mann, der die Fields-Medaille im Wesentlichen für genau dieses Problem bekommen hat. 2023 nennt das Quanta Magazine sie als eine von drei Nachwuchsforscherinnen, die die Primzahlgrenzen knacken könnten.
🏁
240, und dann vier Tage (
12:47) — sie bringt die Zahl auf
240. OpenAI veröffentlicht dieselbe Zahl. Am 3. September drückt das KI-Startup
Axiom auf
212 und postet es auf LinkedIn; wenige Stunden später drückt OpenAI auf
186. Unten im PDF steht, wer das Paper geschrieben hat: GPT-6 Astra.
🚁
Terence Tao: das Rennen ist das Problem (
17:26) — der Berg, über den zwei Jahre lang niemand gekommen ist, und am nächsten Tag die Teams mit Helikoptern, Rennausrüstung und 3D-Kameras. Tao ist kein KI-Gegner — wir haben in
Folge 141 darüber geredet, wie ChatGPT ein achtzig Jahre altes Matheproblem gelöst hat. Genau deshalb solltest du zuhören, wenn ausgerechnet er warnt.
🎻
Hundert Mathematiker und das Agenten-Orchester (
22:30) — nicht einer, sondern hundert unterschreiben eine Petition. Und dann 1790: jemand sagt, wir haben jetzt Maschinen, die nähen können. Der Beruf ist nicht eine Ebene nach oben gewandert. Er ist siebzehn Ebenen nach oben gewandert.
🎯
Mein Einspruch — und das Urteil (
25:22) — eine Steirerin, ausgebildet in Judenburg, dann Oxford, dann Stanford, heute Professorin in Illinois. Die Regeln dafür gibt es noch nicht — die werden gerade in Washington und in Brüssel geschrieben.
Eine Sache für diese Woche: finde dein „246". Das Problem in deiner Firma, das seit Jahren feststeckt — und frag ehrlich, ob es an Einsicht fehlt oder an Rechenleistung. Ist es Rechenleistung, löst das eine Agentenflotte in diesem Quartal. Ist es Einsicht, löst es keine Flotte — aber vielleicht eine Spezialistin mit zwei ruhigen Jahren. Finanziere entsprechend.
Quellen: DER STANDARD — Reinhard Kleindl, „Junge steirische Mathematikerin sorgt mit Beweis über Primzahlen für Furore" (5. September 2026) und „Terence Tao: Beweise sind nicht mehr das Wichtigste in der Mathematik" (21. Mai 2026). OpenAI, „Improved short gaps between primes" (PDF vom 30. August 2026). Julia Stadlmann, „Bounded gaps between primes", arXiv 2608.31126 (31. August 2026). Terence Tao auf Mathstodon, 1., 3. und 5. September 2026.
📱 Schreib Malcolm auf WhatsApp/Telegram/Signal: +43 676 6144 904
Das KI-Kochbuch — ein Thema, richtig auseinandergenommen. Bleib neugierig.