Hoi zusammen, ich bin Larissa und ich bin 18 Jahre und komme von Beinwil am See. Also die Frage, was Kunst für mich bedeutet, das finde ich eine sehr schwierige Frage. Weil Kunst bedeutet für mich sehr viel, eigentlich fast das ganze Leben. Weil ich will später, nach dem Gymnasium, möchte ich auch etwas in Kunst machen, ich möchte Kunstgeschichte studieren. Und sie gibt mir sehr viel Energie. Und es ist wie ein Geschenk an die Menschheit, würde ich sagen. Heute habe ich eine Begegnung mit einem Kunstwerk vom Aargauer Kunsthaus. Habt ihr auch Lust mitzukommen? LARISSA: Grüessech, ich würde gerne das Werk Handlauf Kürbis von Christoph Rütimann anschauen. Wo befindet sich das? EMPFANG DES MUSEUMS: Hoi, das ist im Untergeschoss, einfach da vorne die Treppe hinunter. Viel Spass! LARISSA: Danke vielmals! Also wir gehen jetzt ins Untergeschoss, da müssen wir zuerst eine spiralenartige, schwarze Treppe hinunter. Also wir sind jetzt gerade in den Raum eingetreten, wo sich das Werk befindet. Und der ganze Raum ist nur diesem Werk gewidmet. Es füllt aber nicht den ganzen Raum aus. Und das erste was man sieht, an einer Wand hat es einen Bildschirm, das ein Video zeigt, von einer Bodenperspektive, wo immer von Kürbis zu Kürbis wird man durch eine Röhre geleitet. Und von dem Video, kommt so ein Gummirohr, was auch Orange ist, in den Raum hinaus und was ich cool finde, ist halt die Farbe Orange, das sich das so als Motiv durch das ganze Video durchzieht. Also ich finde es noch spannend, am Anfang sieht man im Videos ein Feld. Man wird dann aber vom Feld in ein Dorf geführt. Also über die Strassen hin zu einem Haus. Und dann wieder ins Feld. Das Werk heisst Handlauf Kürbis und ist von Christoph Rütimann. Und es ist 2004/05 realisiert worden. Es ist eine Videoinstallation. Es hat einen Monitor, es hat ein Kunststoffrohr. Das Video ist in einem Loop aufgezeichnet oder bearbeitet worden. Diese Videoinstallation dauert 2:35. Ich habe noch einige Fragen an Christoph Rütimann. Und zwar wäre die erste Frage, warum Kürbisse gewählt worden sind, und nicht ein anderes Gemüse, wie zum Beispiel Zucchetti. Ob vielleicht die Farbe die Wahl beeinflusst hat, ob vielleicht die Farbe eine Bedeutung hat? Dann eine andere Frage wäre, was eigentlich die tiefere Bedeutung ist des Werkes. Für mich ist es eher so, dass es diese Verbindung aufzeigt, zwischen diesen Kürbissen so als ein System – ein Feld wo alles zusammengehört, die einzelnen, ich möchte nicht sagen Individuen, aber die einzelnen Objekte, die alle so verbunden sind auch mit den Wurzeln, und sie wachsen alle zusammen, und sie werden alle zusammen geerntet. Eine weitere Frage wäre, warum das Werk genau Handlauf Kürbis heisst. Der Kürbis macht sehr viel Sinn, weil es das Wichtigste ist am Werk und man wird von Kürbis zu Kürbis geführt. Der Handlauf könnte etwas mit dem Schlauch zu tun haben, dass man eben durch den Schlauch geleitet wird, so wie bei einem Handlauf bei einer Treppe. Also ich finde es spannend, dass ein ganzer Raum dem Werk gewidmet ist, das Werk ist aber nicht eingemittet im Raum, sondern ist eher auf der rechten Seite zu finden. Warum hat man sich dazu entschieden dies genau so auszustellen und nicht den ganzen Raum einzunehmen? CHRISTOPH RÜTIMANN: Hallo Larissa, es hat mich sehr gefreut, dass du diese Arbeit von mir ausgewählt hast, der Handlauf Kürbis. Es ist eine Arbeit, die wirklich für mich auch einen ziemlich wichtigen Punkt hat. Und zwar ist es eine Arbeit, die sowohl eine klare Struktur hat und auf der anderen Seite auch sehr spontan ist. Ich möchte auf deine Fragen eingehen, die ich sehr gut finde. Und möchte aber mit der Frage 3 anfangen, weil dort vermutlich der Schlüssel drin ist. Du hast mich gefragt nach dem Titel, warum der Handlauf Kürbis heisst. Es geht ja vor allem darum warum es Handlauf heisst. Handlauf ist eine grosse Serie von Videoarbeiten, die ich gemacht habe und immer noch dran bin. Es gibt Handläufe über die ganze Welt, und das ganze Projekt heisst Geländer – also gehen durch die Länder. Und das Geländer hat obendrauf den Handlauf. Ursprünglich die ersten Arbeiten sind effektiv so entstanden, dass ich mit einer Kamera einfach die Handläufe abgefahren bin, von A nach B, irgendwo an einem Ort, habe ich mir gesagt, jetzt gehe ich einfach den Handläufen nach, die die Architektur, die Häuser, und die Brücken begleitet. Und die Kamera ist dem nachgefahren. Die Bedeutung von dieser Arbeit, das ist der zweite Teil deiner Frage, den möchte ich eigentlich nicht weiter ausführen. Du warst da auf einer guten Spur mit deiner Aufzählung von Sachen, was diese Pflanze auslöst bei uns selbst. Wir haben auf der einen Seite ein PVC Rohr, also ein Plastikrohr, dass früher für elektrische Leitungen zum Verlegen gebraucht worden ist. Und wir haben zufällig fast das gleiche Orange der Kürbisse. Diese Kürbisse sind in verschiedenen Zuständen. Es gibt solche, die schön reif sind, dann solche die schon fast verfault sind. Es ist eine interessante Welt von verschiedenen Zuständen, und verschiedenen Gruppierungen. Die Farbe ist eine toller Kontrast auch zum Grün, was vielleicht auch eine Hilfe ist, warum ich keine Zucchetti genommen habe. Zucchetti in einem Zucchettifeld hätte man wohl kaum gesehen. Jetzt sind wir also bei der ersten Fragen, warum ich ausgerechnet ein Kürbisfeld verwendet habe, und nicht ein Gemüse- oder Zucchettifeld, und wie kommt es zu dieser orangen Farbe. Also dies habe ich eigentlich schon im ersten Teil beantwortet. Der Ort ist vielleicht auch noch wichtig. Der Ort, wo ich das Kürbisfeld entdeckt habe, der ist ganz in der Nähe von meinem Wohnort. Den habe ich zufällig gesehen und bin oft daran vorbeigefahren. Und irgendwann habe ich realisiert, etwas muss ich damit machen. Und dort habe ich auch relativ zufällig, bei einem Elektriker in einem Unterstand solche Plastikrohre liegen gesehen, und ich habe ihn gefragt, ob ich einige davon haben könnte. Und dann bin ich dann an einem Tag – das Wetter sieht man ja im Film, es war ein halbtrüber Herbsttag – losgefahren, ich habe ein Bündel der Rohre unter den Arm genommen und habe immer wieder von Neuem eine Strecke ausgelegt und bin diese mit der Kamera nachgefahren. Dann kommmen wir zur vierten Fragen, die du gestellt hast. Warum das Werk so und so ausgestellt ist, wie es jetzt in dem Raum ist. Also für mich soll diese Installation leicht und locker sein. Sie soll nicht prätentiös sein. Also zum Beispiel den Monitor in die Mitte zu setzen wäre nicht gut. Und die Rohre müssen auch so locker in den Raum fahren, eben nicht fahren, sondern liegen. Und das ganze soll eine gewisse Leichtigkeit haben. Und das würde ich sagen hat diese Installation, so wie sie gemacht ist. Ich danke dir sehr viel mal für deine intensive Beschäftigung mit dieser Arbeit und dass du so genau hingeschaut hast. Und es würde mich freuen, wenn es auch für dich, wenn deine Reise in die Kunst so interessant bleibt wie für mich. Ich wünsche dir alles Gute. Ciao Larissa. °° ART’S COOL… oder ART IS COOL… Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgenössischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die Künstlerin oder der Künstler auf seine Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht? Heute ging es um “Handlauf Kürbis”, ein Kunstwerk von Christoph Rütimann, untersucht vom neugierigen Blick von Larissa. Verpasse nicht das Kunstwerk in Wirklichkeit selber zu entdecken, im Aargauer Kunsthaus noch bis zum 24. April. Und sammle zeitgenössische Kunst mit deinen Ohren! Triff fast jede Woche auf eine neue Episode um deine eigene Sammlung zu komplettieren – jedes Mal mit einem anderen Fokus zu einem Kunstwerk in der Schweiz. Du findest alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgenössischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten Künstlerinnen und Künstler und die Bilder der Werke auf der Webseite www.artscool.ch. Falls du zur Verbreitung des Podcasts ART’S COOL beitragen möchtest, zögere nicht… in deinem Umfeld darüber zu sprechen den Podcast auf deiner bevorzugten Plattform zu abonnieren und mit fünf Sternen zu bewerten Du kannst uns auch auf Instagram folgen unter dem Account young_pods. Der Podcast ART’S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grosszügigen Unterstützung der Loterie Romande, Pro Helvetia, der Fondation Gandur pour la Jeunesse, der Ernst Göhner Stiftung, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung und dem Migros-Kulturprozent. Mit der Stimme von Florence Grivel in der französischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version. Musik and Sounddesign von Christophe Gonet. Dies ist eine Produktion Young Pods (www.youngpods.ch).