Stell dir vor, ein junger Mann mit Masterabschluss, so sagt er zumindest, sitzt im Zug. Er sagt, er könne keinen Job finden, außer im Detailhandel. Aber er könne doch nicht im Detailhandel arbeiten. Das wäre doch unter seiner Würde, so der junge Mann. Und ich frage mich, wann genau haben wir angefangen, ehrliche Arbeit zu verachten?
Der stoische Pirat:Und was passiert mit 1 Gesellschaft, wenn sich plötzlich jeder für Elite hält, aber keiner mehr den Boden aufwischen will? Darum geht es in der heutigen Episode des Podcasts, der stoische Pirat, ein uraltes Problem, brandaktuell die Elite über Produktion, also bleibt dran. Hua, liebe Piraten, Philosophen, Ketzerdenker und Humanisten. Herzlich willkommen auf dem Schiff des stoischen Piraten und auf unserer Suche nach dem Schatz des guten Lebens. Mein Name ist Matt und ich bin der Gastgeber des Podcasts der stoische Pirat.
Der stoische Pirat:In der heutigen Folge sprechen wir über ein Phänomen, das es in der Gesellschaft, in der Geschichte schon seit Tausenden von Jahren gibt. Ein Phänomen, das man unter dem Begriff Eliteüberproduktion kennt. Ein Phänomen, das sehr schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft haben kann. Bevor wir loslegen aber noch ein Aufruf. Besucht meine Webseite WWW Punkt Müller Matthias Punkt c h, Müller mit u e und Matthias mit einem t und h geschrieben.
Der stoische Pirat:Und abonniert den stoischen Piraten auf Spotify, Apple Podcast, Youtube oder wo immer ihr diesen hört. Und teilt diese Folge, wenn sie euch gefällt. Das hilft mir wirklich. In diesem Sinne, herzlichen Dank für eure Unterstützung, aber jetzt zum Thema, zum heutigen Thema. Ich saß neulich im Zug von Biel nach Sankt Gallen.
Der stoische Pirat:Erste Klasse, alles ruhig, sauber, pünktlich, so wie man es sich in der Schweiz gewöhnt ist. 2 Männer unweit von mir, ich würde sagen, Anfang bis Mitte 30, gepflegte Erscheinung, ich denke, ziemlich teuer gekleidet, coole, adidas Sneaker, Apple Airport, Mac Kopfhörer und Macbook natürlich. Und sie unterhielten sich. Nicht über das Wetter oder die Familie, nein, sie beschwerten sich über die Arbeitswelt, über den Markt, über die Gesellschaft. Und obwohl ich gerade eine Moderation am Vorbereiten war, konnte ich nicht anders als den beiden zuhören.
Der stoische Pirat:Sie kennen das sicher, man möchte gar nicht zuhören, doch man kann gar nicht anders. Vielleicht sollte ich mir auch mal Kopfhörer kaufen. Nun und dann kam der Teil der Diskussion, den mich nachdenklich stimmte. Der eine der beiden Herren sagte, ich habe einen Masterabschluss und trotzdem finde ich keine Stelle, die zu mir passt. Ich habe alles richtig gemacht.
Der stoische Pirat:Und jetzt, vielleicht muss ich sogar in den Verkauf arbeiten gehen. Er sagte es, als ob er in den Verkauf gehen müsste wie andere ins Gefängnis. Und dann kam der Hammer. Das wäre unter meiner Würde, so der Herr. Unter seiner Würde.
Der stoische Pirat:Und in diesem Moment wurde mir klar, hier sitzt nicht nur ein junger Mann ohne Job, hier sitzt das Symptom 1 ganzen Generation. Denn wir leben in 1 Zeit, in der Menschen glauben, sie seien Elite, nur weil sie es oft genug gehört haben. Weil weil sie ihnen gesagt hat. Nicht, weil sie etwas geleistet haben, nicht, weil sie Verantwortung getragen haben, sondern weil man ihnen versprochen hat, dass ein Diplom automatisch Würde, Einfluss und Bedeutung, also Status mit sich bringt. Man muss dazu sagen, dass die vorigen Generationen dieses ihren Kindern auch eingebläut haben, dass ein Studium der Schlüssel zum erfolgreichen, finanziell abgesicherten Leben ist, dass ein Studienabschluss Status mit sich bringt.
Der stoische Pirat:Aber so funktioniert die Welt nicht. Und je länger man diese Lüge aufrechterhält, desto größer wird der Frust, wenn die Realität zuschlägt. Das, was wir da erleben, ist kein Zufall. Es ist ein bekanntes Muster, ein wiederkehrender Zyklus, ein historisches Gesetz. Wenn eine Gesellschaft mehr Menschen hervorbringt, die führen wollen, als sie tatsächlich braucht, dann entsteht in dieser Gesellschaft Spannung und Konflikt.
Der stoische Pirat:Der Historiker Jack Goldstone hat das erforscht. Er sagt, Revolutionen brechen dann aus, wenn zu viele Menschen in der die Elite drängen, aber zu wenige Plätze verfügbar sind. Er nennt das Eliteüberproduktion. Und es sind nicht die Armen, die Entrechteten, die solche Umbrüche oder Innenrevolutionen auslösen. Nein, es sind die enttäuschten Aufsteiger, die Fasteliten.
Der stoische Pirat:Die, die sich ihrer Bedeutung sicher sind, aber vom System nicht gebraucht werden. Und was machen solche Menschen? Sie greifen nicht zur Schaufel, sie greifen zum Mikrofon, zur Parole, zur Empörung. Sie formieren sich ideologisch und sie benutzen die Masse als Werkzeug für ihren eigenen Frust. Sie werden Aktivistinnen und Aktivisten gegen die aus ihrer Sicht unfaire Welt.
Der stoische Pirat:Weil in ihrer Logik ist es die ungerechte Gesellschaft, nicht das mangelnde Bedürfnis, welche verantwortlich ist, dass die Gesellschaft sie nicht entsprechend honoriert und hofiert. Peter Turchin, ein brillant denkender Historiker und Systemforscher, hat diese Dynamik in seiner systematisch beschrieben. Turching zeigt, Gesellschaften verlaufen in Wellen von Stabilität über Aufstieg zu Überdehnung und Zerfall. Ein Schlüsselindikator für den Sinnfall, zu viele sich von sich selbst überzeugte Menschen und zu wenige Führungsrollen. Was passiert dann?
Der stoische Pirat:Dann beginnen die Eliten, sich gegenseitig zu zerfleischen, nicht mit Schwertern, sondern mit Narrativen, mit Moralismus, mit Spaltung. Und genau das erleben wir heute in Europa, auch in der Schweiz. Und wer glaubt, dass es diesmal anders ist, dass der moderne Mensch klüger sei als seine Vorfahren, der sollte sich die Geschichte noch einmal genau anschauen. Die französische Revolution, die begann nicht auf den Feldern, sondern in den Cafés und Gerichtssälen von Paris. Robèsvier war kein Bauer, er war ein Jurist, ein frustrierter Akademiker.
Der stoische Pirat:Das Römische Reich zerstört durch Senatoren, die mehr Macht wollten, nicht bloß durch Barbaren? Nehmen wir die Sowjetunion zugrunde gegangen, nicht nur an Mangel, sondern an zu vielen Parteikaden, die alle aufsteigen wollten in einem Apparat, der keine Luft mehr hatte. Immer das gleiche Muster, zu viele Häuptlinge, zu wenige Krieger. Und jetzt stehen wir wieder an diesem Punkt. Heute ist es etwas subtiler, etwas weicher, aber nicht weniger gefährlich.
Der stoische Pirat:Die westliche Welt, auch die Schweiz, hat ein System geschaffen, in dem geführte Bedeutung oft mehr zählt als reale Leistung. Eine geführte Bedeutung deshalb, weil wir eine Inflation an Studienabschlüssen haben und sich nicht weniger mit einem Bachelor CAS Master in irgendetwas als besonders fähig, besonders talentiert und überaus intelligent halten. Wir haben ein Überangebot an Menschen, die gelernt haben, über Strukturen zu klagen, aber nie gelernt haben, ein Fundament zu gießen. Und wenn der Arbeitsmarkt das nicht belohnt, wird nicht das eigene Studium hinterfragt, sondern das System angeklagt. Die Gesellschaft, der Kapitalismus, die Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit.
Der stoische Pirat:Und so fordern sie dann mehr Staat, mehr Eingriffe, mehr Programme und bekommen mehr Bürokratie, mehr Verwaltung, mehr Pseudoeliten. Es ist ein Kreislauf, der sich selbst füttert. Und im Zentrum dieses Kreislaufs steht ein gefährliches Gift, Anspruchsdenken oder im Englischen. Die Vorstellung, dass jemand mir etwas schuldet, nur weil ich mich für wichtig halte. Nicht das, was ich leiste, zählt, sondern das, was ich fühle, was ich verdiene, was ich sein sollte.
Der stoische Pirat:Und wenn jeder glaubt, er sei zur Führung bestimmt, wer bleibt dann, zu arbeiten? Die Antwort, man importiert eine Dienerschicht. Masseneinwanderung wird nicht nur aus Mitgefühl befürwortet, sondern auch, weil man jemanden braucht, der die Realität stemmt, die die eigene Elite verweigert oder niemand mehr Lust hat, zu reinigen, zu pflegen, zu bauen, dann braucht man eben jemanden, der das übernimmt. Und man kleidet das Ganze dann in noble Worte, Humanität, Integration, Vielfalt. Aber in Wahrheit ist es oft das alte Spiel.
Der stoische Pirat:Eliten brauchen ein Proletariat, sich als Elite zu fühlen. Die amerikanische Demokratin Jasmin Crocet, Mitglied des Repräsentantenhaus, sagte erst kürzlich während 1 Podiumsdiskussion. Wir brauchen illegale Einwanderer, unsere Felder zu bestellen und Hotelzimmer zu reinigen. Die Gebildeten machen es nämlich nicht, so die Frau Crocott. Es ist nicht Solidarität, es ist moderne Feudalherrschaft mit einem Diversity Sticker drauf.
Der stoische Pirat:Was also tun? Der Weg zurück führt nicht über noch mehr Programme, noch mehr Beauftragte, noch mehr leere Debatten, noch mehr terzäre Bildungsangebote, sondern über das, was früher ganz selbstverständlich war, Leistung, Verantwortung und Realität sind. Wir müssen wieder lernen, dass nicht jede und jeder zur Elite gehört. Und das ist auch gut so. Wir müssen auch aufhören, die Elite als etwas Besseres, etwas Wichtigeres anzusehen.
Der stoische Pirat:Wir brauchen Menschen, die bauen, die schützen, die Landwirtschaft betreiben, die pflegen und so weiter. Nicht nur Menschen, die nur noch analysieren und kritisieren und Experten sein wollen. Nicht jeder ist ein Häuptling. Wir brauchen auch Krieger. Wir müssen anfangen, jede Arbeit wertzuschätzen und aufhören, intellektuelle Berufe zu glorifizieren.
Der stoische Pirat:Und nur noch ein Wort an all jene, die schon führen. Meine Damen und Herren, wenn Sie eine Führungskraft sind, dann tut es mit Demut. Übernehmt Verantwortung, aber seid dankbar für jene, die mit euch arbeiten. Eine Führungskraft ist nur eine solche, wenn sie Menschen hat, die mit ihr ein gemeinsames Ziel verfolgen und deshalb eine bestimmte Rolle im Team oder der Organisation einnehmen. So einfach ist es.
Der stoische Pirat:Okay, das war's. Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig zum Nachdenken anregen oder vielleicht sogar ein klein wenig inspirieren. Es würde mich wirklich interessieren, was Sie darüber denken. Haben wir heute tatsächlich ein Problem mit Elite über Produktion? Oder sehe ich das alles viel zu schwarz?
Der stoische Pirat:Schreibt es mir, sagt es mir, geht auf meine Webseite WWW Punkt Müller Matthias Punkt c h, Müller mit u e und Matthias mit einem t und h geschrieben. Hinterlass einen Kommentar oder schreib mir eine E-Mail. Oder ganz einfach, geht auf die Instagram, Facebook oder Ex und such dort den stoischen Piraten und hinterlasst dort einen Kommentar. Abonniert mich auch und likt diese Folge oder teilt sie sogar, wenn sie euch wirklich gefallen hat. Und wenn ihr mir noch mehr helfen wollt, dann bewertet den stoischen Piraten auf Apple Podcast oder Spotify mit der Höchstnote, wenn es für euch stimmt natürlich nur, sonst lasst es einfach sein.
Der stoische Pirat:Und wenn ihr denkt, dem Match, bei dir ist noch ein Café, dann könnt ihr das. Und zwar über WWW Punkt bei me a Kaffee dot com Slash. An dieser Stelle herzlichen Dank an all die Spenderinnen und Spender, die das bereits getan haben. Das ist für mich eine riesige Motivation. Vielen, vielen Dank.
Der stoische Pirat:So, that's it. Bleib stoisch, bleibt kritisch, übernehmt Verantwortung und seid nett zueinander. Macht es gut. Bis bald.