Du trägst Verantwortung, aber hast nie Zeit? Im Zeitnutzer Podcast erfährst du, wie du durch strategisches Zeitmanagement von reaktivem Abarbeiten zu bewusstem Gestalten kommst. Statt oberflächlicher Produktivitäts-Hacks bekommst du hier Impulse, die dir helfen, die Kontrolle über deine Zeit zurückzuerobern und gezielt voranzukommen.
Für Selbstständige, Unternehmer und Führungskräfte, die nicht noch mehr tun, sondern endlich das Richtige tun wollen.
Getreu meinem Motto: "Nutze deine Zeit, denn sie kommt nie wieder."
Hallo, ich bin Ivan Blatter. Ich begleite Menschen mit Verantwortung dabei,
ihre Zeit bewusster zu gestalten, damit Arbeit wieder Sinn ergibt und Platz
für das Wesentliche bleibt.
Heute möchte ich über eine Entscheidung sprechen, die fast niemand trifft.
Sie ist nicht besonders schwer übrigens, aber sie fühlt sich nach nichts an.
Und so merkt man gar nicht, dass man gerade etwas entschieden hat.
Okay, die Einleitung war ein wenig kryptisch. Deshalb möchte ich gerne mit einem
Bild starten. Und zwar mit einem Bild von einem Frachtschiff.
Da hat es ja aussen am Rumpf immer einen Strich aufgemalt. So einen waagerechten
Balken mit so ein paar kleineren Markierungen.
Das ist die sogenannte Ladelinie.
Und das Spannende an dieser Linie ist, was sie nicht sagt. Sie sagt nämlich
nicht, wie viel das Schiff tragen kann.
Sie sagt, bis wohin es beladen werden darf, damit es auch bei schwerem Wetter noch trägt.
Und das ist ein Unterschied. Ein Schiff kann meistens deutlich mehr aufnehmen, als die Linie erlaubt.
Bei ruhiger See, alles kein Problem, das funktioniert super.
Die Linie rechnet aber nicht mit der ruhigen See. Sie rechnet mit dem Sturm, der irgendwann kommt.
Mit den Jahren, die dieses Schiff noch fahren soll. All das ist da mit eingerechnet, sozusagen.
Übrigens waren das nicht mal besonders vorsichtige Leute, die diese Linie erfunden
haben, sondern sie wurde erfunden oder entwickelt, weil Schiffe überladen wurden.
Und das Blöde ist, diese Schiffe, die wurden alle mit guten Gründen beladen,
jedes Mal. Es war einfach lukrativ.
Die Linie war dann die Antwort darauf, dass sich im Einzelfall immer ein Grund
findet, noch etwas draufzulegen.
Und du siehst schon die Parallele zur Arbeit, gell? Es kommt aber noch was dazu.
Kein einzelner Sack bringt dein Chef in Schwierigkeiten.
Es ist immer die Summe. Jeder einzelne Sack war für sich betrachtet ja vernünftig,
sinnvoll, gibt Geld, ist gut bezahlt und in dem Moment absolut richtig.
Jetzt werden heute natürlich keine Säcke mehr auf Schiffe geladen,
sondern ihr Container, nehme ich mal an. Aber das Prinzip bleibt.
Und vor allem bei unserer Arbeit ist es doch genauso.
Ein Problem, das ist ja, das Problem ist doch selten, dass jemand zu wenig vorhat.
Sondern wer schon eine Weile dabei ist, also sprich den Job macht,
den er macht, der arbeitet in einer Art Struktur, die aus ganz vielen Ja-Entscheidungen
zusammengewachsen ist.
Ein Kommunikationskanal hier, ein Format da, ein Projekt, ein Gremium,
eine Zusammenarbeit, eine Routine und so weiter.
Und nichts, nichts davon ist an einem Tag entstanden.
Und das ist ja das Tückische. Wenn jetzt etwas Neues kommt, dann kommt es ja
nicht als grosser Block.
Ja gut, gewisse Projekte mögen ein bisschen grösser sein, aber trotzdem,
das sind selten so Riesenblöcke, als was sie sich dann später empuppen.
Weil du sagst doch nicht Ja zu etwas, das ab morgen zwei Tage pro Woche kostet.
Solche Anfragen lehnst du doch ab, das fällt dir auch leicht.
Was man aber annimmt, sind die kleinen Sachen. Eine Stunde im Monat,
ein kurzer Termin alle zwei Wochen, ein Format, das man ja auch mal aussetzen
kann, wenn es eng wird, so wie ein Podcast, ein YouTube-Video oder sowas.
Jedes davon als Kleines passt problemlos, aber jedes bleibt.
Und genau das macht dir das Ganze so verzwickt. Keine dieser Entscheidungen
ist an und für sich falsch, weil jede ist zu ihrer Zeit gut begründet und jede hat etwas gebracht.
Bei den meisten würdest du heute sogar wieder so entscheiden,
wenn du nur diese eine Entscheidung vor dir hättest.
Aber eben, der Preis fällt nicht in der Woche an, in der du zusagst.
In dieser Woche ist es meistens gut zu schaffen.
Du siehst, ich will einen Podcast starten. Ach komm, diese Woche kann ich das
gut machen. Ich habe ja hier noch zwei Stunden Zeit.
Aber der Preis, der fällt über die Laufzeit an. Verteilt auf viele Monate in
kleinen Stücken, die einzeln gar nicht mal so auffallen.
Und über ein Jahr ist das immer noch kein Problem. Über fünf, ja vielleicht auch.
Aber über zehn, 15 oder 20 Jahre entscheidet genau die Summe dieser Kleinigkeiten
darüber, ob du das, was du machst, noch gerne machst und überhaupt noch tragen kannst.
Und das ist doch der eigentliche Massstab. Also nicht die Frage,
wie viel in eine Woche passt, sondern ob die Art, wie du arbeitest,
dich über die Jahre trägt.
Ob du in 10 oder 15 Jahren noch mit derselben Neugier an den Schreibtisch gehst wie heute.
Darüber entscheidet nicht die Motivation, sondern die Zuladung oder Beladung.
Und wir haben im Gegensatz zum Schiff vom Anfang keine dieser Linien,
die uns zeigt, wann genug ist. Beim Schiff sieht man das.
Da sieht man, jetzt ist die Linie nicht mehr sichtbar, jetzt ist Schluss.
Da steht ein Strich und wenn das Wasser über den Strich steigt,
dann ist das kein Ermessen mehr oder die Frage, ja, vielleicht passt noch ein
Sack oder vielleicht so ein kleiner Container oder so. Nein,
dann wird einfach nicht mehr geladen.
Und bei uns gibt es diesen Strich nicht. Es gibt keine Stelle,
an der du ablesen könntest, dass die nächste Zusage eine zu viel ist.
Und weil es diesen Strich nicht gibt, wird jede einzelne Entscheidung für sich getroffen.
Passt das noch rein? Kriege ich das hin? Ja, vermutlich schon.
Ich will ja alles möglich machen. Also machen wir es.
Ja, und das ist fatal. Ich spreche hier natürlich häufig vom Beispiel des Podcasts,
weil erstens hörst du einen und das passt natürlich sehr gut.
Aber es gibt unzählige Projekte, die du auch hast, Gremien, Versprechen für
irgendwelche Unterstützung und so weiter.
Also lass dich nicht zu sehr von dieser Podcast-Geschichte hier aufhalten,
aber ich kann dir das einfach gut an meinem Podcast auch erzählen.
Und nachher sage ich da noch ein anderes Beispiel.
Weil das Ganze, was dahinter steckt, ist ja, das Ja, das gilt ja unbefristet.
Du sagst ja Ja zu diesem Projekt, zu diesem einen Kommunikationskanal,
zu einem Format, zu einem Termin, der sich wiederholt. Ja, und dann läuft es.
Es läuft nicht bis zu einem Enddatum, denn es gibt kein Enddatum.
Es läuft, bis du es aktiv widerrufst.
Und du kennst das. Ein Widerruf ist eine ganz eigene, eine
eher unangenehme Handlung, die du irgendwann aktiv einleiten musst,
gegen die Erwartungen von vielen anderen, gegen Gewohnheit, gegen Menschen, die daran hängen.
Wenn du aber Ja sagst, dann rechnest du mit dem Anfangen.
Du überlegst, ob du die Zeit für den Aufbau hast, ob es reinpasst, ob du es kannst.
Bezahlt führt aber der Unterhalt. Und der taucht in keiner dieser Überlegungen
auf, weil er zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht existiert.
Daraus folgt nochmal ein noch unbequemerer Teil.
Weil das Nein am Anfang ist der beste und günstigste Zeitpunkt,
den dieses Thema jemals haben wird.
Danach wird es nur noch teurer. Jeder Monat, den eine Sache läuft,
macht das Beenden aufwendiger, schwieriger und unwahrscheinlicher.
Und das liegt nicht nur an der ganzen Arbeit, die du inzwischen schon reingesteckt hast. Nein.
Ein Nein vor dem Start braucht keine Begründung gegenüber anderen.
Es fällt niemandem auf, weil es existiert ja noch nichts.
Wenn ich für mich entscheide, ich mache keinen Podcast, merkt das niemand.
Wenn ich einen Podcast mache und nach 15 Folgen merke, das ist zu viel und ich
muss jetzt da irgendwie raus, das muss ich erklären, das muss ich rechtfertigen.
Ein paar Leute sind vielleicht enttäuscht oder hoffentlich sind sie enttäuscht,
wenn sie einen Podcast gehört haben und dann gibt es plötzlich nicht mehr.
Aber genau das Gleiche gilt, wenn du sagst, ab heute nutze ich WhatsApp-Business
als einen meiner Kanäle und nach einem halben Jahr merkst du,
meine Güte, bekomme ich da viel Zeugs auf dieses WhatsApp-Business,
das kann ich gar nicht mehr händeln.
Dann ist es natürlich schwierig.
Also dieselbe Entscheidung mit zwei sehr verschiedenen Preisen und der Unterschied
entsteht allein durch den Zeitpunkt.
Sagst du am Anfang Nein oder erst, wenn die Sache schon läuft?
Und genau dazu habe ich was Spezielles, nämlich das Nicht-Ziel.
Also lass uns doch mal von der anderen Richtung hier denken,
also die bewusste Feststellung, was in den kommenden Wochen oder Monaten nicht
stattfindet, weil du es so entschieden hast und nicht, weil am Ende die Zeit gefehlt hat.
Warum setzt denn eigentlich kaum jemand mal ein Nicht-Ziel?
Es gibt mehrere Gründe dafür, ich habe mal vier herausgeschrieben und übrigens
ist keiner irgendwie Bequemlichkeit oder sowas.
Der erste Grund ist, ein Ziel, also ein echtes Ziel zu setzen,
das fühlt sich doch nach Aufbruch an.
Ein Nicht-Ziel, das fühlt sich nach Rückzug an, vielleicht sogar ein bisschen nach Versagen.
Dabei ist es eigentlich dieselbe Entscheidung, nur von der anderen Seite betrachtet.
Wer sagt, worauf er sich konzentriert, sagt ja automatisch mit, worauf nicht.
Wenn ich sage, in diesem Quartal ist mein Ziel XY, sage ich damit automatisch,
und es ist nicht ein Ziel, jenes und dieses und das auch noch zu machen.
Wir sprechen einfach nur den ersten Teil aus.
Zweiter Grund. Es gibt keinen Anlass dafür.
Ziele haben Termine. Also zum Beispiel Jahreswechsel, ganz klassisch.
Oder die Quartalsplanung. Oder du hast ein Gespräch mit deinem Coach oder Mentor oder so.
Du hast einen Anlass, jetzt Ziele zu setzen. Du setzt dich hin und formulierst.
Aber für das Weglassen, da gibt es keinen Anlass. Da gibt es keinen natürlichen
Zeitpunkt. Es gibt keinen Kalendereintrag, der heisst, jetzt entscheiden,
was nicht geschieht oder nicht kommt.
Der dritte Grund, offen halten fühlt sich irgendwie so gut an und leider auch gratis.
Ein, ja, vielleicht später mal, kostet scheinbar nichts. Du musst nichts tun,
du musst nichts absagen, du musst niemanden enttäuschen. Du lässt eben alles so schön offen.
Aber es bindet trotzdem Aufmerksamkeit, weil die Frage nie zur Ruhe kommt.
Sie taucht immer wieder auf, sie schwebt so mit, du hast sie im Hinterkopf.
Jedes Mal, wenn das Thema irgendwo vorbeikommt, fällt sie dir wieder ein.
Und jedes Mal wird die Frage neu gewälzt. Und ja, soll ich, soll ich nicht?
Nein, vielleicht doch nicht. Und so, und dann wird doch nicht entschieden.
Und der vierte Grund ist folgender. Wer irgendwas offen hält,
irgendein Vorhaben oder sowas, hat ja meistens einen guten Grund.
Du bist dir nicht sicher, ob du es später bereust.
Vielleicht ist das die Chance, die du dann verpasst hast.
Also, wenn ich jetzt Nein sage, dann kommt es ja nie wieder.
Wenn mich jemand zu einem Gremium einlädt oder zu einer interessanten Gruppe
zum Austausch, zu einer Mastermind und ich sage Nein, dann bin ich raus und
komme auch nicht mehr rein.
Aber wenn ich sage, ich weiss nicht und mal schauen und vielleicht später und
sowas, dann sage ich doch lieber so ein bisschen, ich weiss nicht und so.
Das ist ja irgendwo auch normal und das kann man ja auch nicht wegdiskutieren.
Man entscheidet hier wirklich unter Unsicherheit und wer das unangenehm findet,
ja, der hat halt Recht damit, das auch ein Stück weit offen zu lassen.
Aber auch beim Offenhalten entscheidest du. Ein Vorhaben, das seit zwei Jahren
einfach so als Möglichkeit herumliegt und nie startet, das ist ja schon entschieden.
Es wurde einfach nie ausgesprochen.
Im Ergebnis unterscheidet sich das kaum noch von einem Nicht-Ziel,
Sondern der Unterschied liegt darin, ob es sich weiter beschäftigt oder nicht.
Du weisst ja, ich denke gerne in Kosten und damit meine ich nicht nur monetäre
Kosten, das habe ich natürlich als Unternehmer und Selbstständiger auch ständig
im Blick, aber es gibt ja noch viele andere Kosten, die auftauchen können.
Und genauso hier, ein Ziel zu setzen, das kostet ja nichts.
Du schreibst es auf, du fühlst dich gut, du bist motiviert und in dem Moment
hast du ja noch nichts bezahlt.
Keine Zeit, kein Geld, keine Aufmerksamkeit, nichts.
Ein Nicht-Ziel aber, das kostet, weil du etwas aufgibst, und zwar sofort und
spürbar. Und darum wirkt es ja auch.
Das ist ja der Sinn von einem Nicht-Ziel.
Eine Entscheidung, die nichts kostet, die verändert auch nichts.
Was heisst das jetzt eigentlich alles konkret? Ziel, Nicht-Ziel und Kosten am
Anfang, am Ende, überhaupt und sowieso. Was heisst das eigentlich ganz konkret?
Also, erstens, formuliere mal ein Nicht-Ziel und zwar genauso konkret wie ein Ziel.
Ich will weniger neue Sachen anfangen. Das ist kein Nicht-Ziel.
Das ist eine Stimmung, vielleicht sogar eine Laune.
Ein Nicht-Ziel hat aber einen Namen.
Das eine Vorhaben, das eine Angebot, dieser eine Kanal, diese eine Anfrage.
So konkret, dass du es in einem Satz benennen kannst, ohne nachzudenken.
Der Test dafür ist einfach. Wenn du es aufschreibst und jemand anderes könnte
es lesen und wüsste genau, was gemeint ist, dann passt es.
Was dabei hilft, nimm nicht die Kategorie, nimm den Einzelfall.
Also nicht keine Kooperationen mehr, sondern die eine Kooperation,
die gerade auf dem Tisch liegt und über die du seit Wochen nachdenkst.
Kategorien sind zu gross und zu schwammig, um sie ehrlich zu entscheiden.
Einzelfälle sind entscheidbar. Also dann würde halt das Nicht-Ziel heissen,
in den nächsten drei Monaten werde ich keine Kooperation mit XY eingehen,
auch wenn es lukrativ wäre, auch wenn es interessant wäre. So,
das wäre ein Nicht-Ziel.
Zweitens, und ich habe es eigentlich schon ein bisschen vorgenommen,
schreibe es als Satz, den du wörtlich sagen kannst.
Also ein Nicht-Ziel muss ja auch irgendwie handhabbar sein und nicht einfach
nur eine Stimmung oder sowas, sondern wenn du gefragt wirst,
musst du ja auch den Satz parat haben und in dem Moment hast du selten Zeit zum Nachdenken.
Da steht ja dann jemand vor dir, das Angebot klingt gut, du willst nicht unhöflich
sein und dann rutscht ein, schau mal heraus.
Deshalb überleg dir vorher, wie du das Nicht-Ziel auch formulieren würdest.
Also nicht für dich notiert, sondern so formuliert, dass es natürlich über deine
Lippen kommt, wenn es darauf ankommt.
Also zum Beispiel, das mache ich bis ins Frühjahr nicht, ich habe mich schon
für andere Dinge entschieden.
Oder sowas, irgend sowas. Der Satz ist schnell gesagt, wenn er schon existiert.
Das ist ein blöder Satz, niemand sagt das so, aber du weisst,
was ich meine. Das muss dann einfach in deine Sprache übersetzt werden.
Zum Beispiel habe ich mir ja angewöhnt, dass wenn ich einen Blocker in meinem
Kalender habe, für mich einen Termin mit mir selber und jemand möchte mich da
treffen oder sehen, dann sage ich nicht, ah, ist jetzt blöd und da habe ich
eigentlich eine Stunde reserviert, um am Podcast zu arbeiten,
könnten wir nicht sonst.
Sondern ich sage, nein, dann habe ich leider keine Zeit. Ich habe da schon eine andere Verpflichtung.
Das ist mein Satz, um solche Dinge dann eben abzulehnen.
Und das kannst du nicht improvisieren, das musst du dir vorher einmal überlegen
und vielleicht sogar auch aufschreiben.
Drittens, setze lieber eine Frist anstatt ein nie.
Nie hält meistens nicht, weil es dir auch zu viel wegnimmt. Das ist so definitiv.
Das klingt nur nach Verbot und nie.
Und Verbote wecken immer Widerstand, vor allem für Menschen,
die ihre Freiheit lieben. Und ich bin sicher, du bist einer davon.
Und deshalb willst du das nicht. Aber bis Ende März nicht ist etwas ganz anderes.
Damit gibst du es nicht endgültig auf.
Du vertagst es nur. Und das ist übrigens ein grosser Unterschied zum Fall vorher.
Vor ein paar Minuten habe ich ja gesagt, wir schleppen die Dinge mit und entscheiden
sie nicht, dann sind sie in der Schwebe.
Aber wenn du sagst, nein, sicher nicht bis Ende März, dann hast du eine Entscheidung.
Und bis Ende März musst du nicht mehr darüber nachdenken.
Wenn du es offen lässt, dann wirst du bis Ende März noch x-mal daran herumstudieren
und daran denken. Also das ist ein wichtiger Unterschied, der hier ist.
Und bis Ende März, nicht bis Ende März oder sowas, das kannst du auch leichter
aussprechen, das ist leichter zu tragen, es ist belastbarer.
Und wenn im April dann das Interesse weg ist, dann hast du ja deine Antwort auch ohne nie Verbot.
Viertens, nimm beim nächsten Ja die Laufzeit in die Frage auf.
Und das ist eigentlich das Entscheidende. Die übliche Frage beim Ja-Sagen ist ja, schaffe ich das?
Und die Antwort darauf ist fast immer Ja, weil wir mit dem Anfangen rechnen.
Aber die bessere Frage wäre doch, will ich das in drei Jahren noch jede Woche tun?
Das ist eine ganz andere Frage. Und jetzt, spätestens jetzt,
solltet ihr auch klar sein, dass es hier nicht um Nein-Sagen geht in dieser Folge.
Es geht nicht darum, einem Kunden zu sagen, nein, dieses Angebot schreibe ich
nicht, weil es nicht zu meiner Positionierung passt oder sowas.
Sondern es geht um Dinge, die eben etwas längerfristiger laufen.
Und ja, viele davon wirken ja am Start harmlos, es ist ja vielleicht nur ein
Stündlein diese Woche oder vielleicht zwei Stunden, aber wir sehen nicht,
dass dann dauerhaft Kapazitäten gebunden sind.
Und wenn du die Frage dann eben stellst, will ich das in drei Jahren noch jede
Woche tun und du sagst nein, dann ist ja gut, dann hat dich das auch noch nichts
gekostet, du hast noch keine Zeit investiert.
Also nochmal, echte Verpflichtungen, die fallen nicht unter diese Frage.
Also Rechnungen, Fristen, Steuertermine, Zusagen an Kunden, bereits getätigte
Zusagen an Kunden, bestätigte Termine.
Das ist alles entschieden, das steht nicht mehr zur Abstimmung.
Die Frage gilt für das, was eben noch offen ist.
Und ich habe dir hier auch ein schönes Beispiel dafür, was ich im Moment gerade
erlebe und weshalb mich dieses Thema auch so umtreibt.
Ich weiss zum Beispiel seit vielen Jahren, dass es ganz geschickt wäre für meine
Unternehmensentwicklung, wenn ich bei YouTube aktiver wäre. Aus ganz vielen Gründen.
Einer davon ist, bei YouTube werden dir ja immer andere Videos angezeigt.
Das heisst, Menschen, die dich nicht kennen, entdecken dich plötzlich.
Das ist bei einem Podcast fast nicht gegeben und bei einem Newsletter zum Beispiel
überhaupt nicht. Da musst du schon die Leute aktiv angehen, die müssen auf dich
aufmerksam werden und dann abonnieren sie vielleicht den Newsletter oder den Podcast.
Deshalb versuche ich schon seit längerem einen Weg zu finden,
wie ich YouTube in meinem Alltag unterbringen kann, sodass ich,
Achtung, dass ich YouTube auch in drei Jahren noch jede Woche tun kann.
Ich habe da noch keine Lösung. Im Moment gibt es das eine oder andere Video,
ein paar von früher, ein paar aus meinem Zeitnutzer-Club und ein paar eigene
Videos, die ich in den letzten Wochen und Monaten gedreht habe, auch Shorts etc.
Aber ich habe mich noch nicht entschieden, ich habe noch nichts versprochen,
sondern man darf ja auch experimentieren, um zu schauen, ob es überhaupt passt.
Also wenn du auch so irgendeine Sache hast, die dann Kapazität bindet für die nächsten paar Jahre.
Da musst du ja nicht einfach ins blaue Ja oder Nein sagen. Du darfst das natürlich ausprobieren.
Aber ich würde noch nicht das Commitment eingehen. Ich habe zum Beispiel noch,
nirgendwo gesagt, ab jetzt gibt es alle zwei Wochen von mir noch ein YouTube-Video oder irgend sowas.
Nein, ich experimentiere einfach ein bisschen. Ich mache das auch nicht wahnsinnig
bekannt, dass es dann ein paar Videos gibt und so weiter.
Ich experimentiere, um mir die Entscheidung zu erleichtern.
Weil wenn ich mich jetzt entscheiden würde, dann merke ich, das ist ja blöd.
Ich habe ja die Technik nicht, ich habe das Wissen nicht. und dann fehlen noch
die Lampen und eine neue Kamera, muss ich auch noch kaufen und so weiter.
Dann habe ich mich schon zu etwas committed, aber habe gar nicht gesehen,
was das alles heisst. Also experimentieren geht durchaus auch.
Aber dann ist eben dann die Frage wichtig, will ich das in drei Jahren noch
jede Woche tun? Und beim Beispiel YouTube habe ich die Frage bis jetzt noch nicht beantwortet.
Kann sein, kann nicht sein. Da bin ich mir echt noch nicht sicher.
Das ist ein konkretes Beispiel, wie man mit dieser Frage umgehen kann.
Ich habe aber noch mehr. Ich habe noch einen fünften Punkt, nämlich gibt dem
Nicht-Ziel denselben Platz wie den Zielen.
Bei mir steht es in der Quartalsplanung direkt neben den Schwerpunkten,
die ich mir dann eben für die nächsten Monate setze.
Also nicht in einer Nebennotiz, sondern im Gedanken, sondern auf derselben Seite
oder in derselben Notiz, in derselben Schriftgrösse, nicht irgendwie als Fussnote oder so etwas.
Und das macht etwas mit der Entscheidung, weil was neben den Zielen steht,
für die ich mich bewusst entschieden habe, das wird eben auch gelesen,
wenn die Ziele gelesen werden.
Und das ist genau der Moment, in dem man es braucht.
Und wenn du mit anderen zusammenarbeitest, dann sag dein Nicht-Ziel durchaus auch mal laut.
Nicht als Ankündigung, sondern damit es jemand außer dir auch noch kennt.
Ein Nicht-Ziel, das nur in deinem Kopf existiert, wird bei der ersten guten
Gelegenheit leise zurückgenommen und du merkst es nicht.
Ja, lasst uns nochmal zurück zu dieser Ladelinie bei diesen Frachtschiffen da gehen.
Die Frage, die ist ja nie, was du noch schaffst. Was du schaffst,
ist erstaunlich viel, gerade wenn du gut organisiert bist.
Die entscheidende Frage ist doch eher, was du dauerhaft tragen kannst,
über Jahre, auch wenn das Wetter mal nicht mitspielt, auch wenn du dich nicht
gut fühlst, auch wenn du gestresst bist, auch wenn du viel zu tun hast,
auch wenn du zu Hause Sorge hast, auch wenn du mal krank bist und so weiter.
Ein Ziel zu setzen kostet nichts. Ein Nicht-Ziel kostet etwas.
Und der Preis ist der Grund, warum es überhaupt etwas verändert und warum es
eben häufig auch nicht geschieht.
Deshalb schreib dir heute ein Nicht-Ziel auf. Ein einziges reicht.
Mit Namen, mit Frist und in einer Form, die du beim nächsten Anlass wirklich sagen kannst.
Und wenn du magst, dann leg noch einen Gedanken dazu.
Was du nicht anfängst, entscheidet mit darüber, ob du das, was du gerade tust,
in 15 Jahren noch gern machst.
Das klingt nach einem sehr weiten Horizont für eine so kleine Entscheidung.
Aber so, genau so werden diese Entscheidungen getroffen.
Klein, einzeln und in der Summe dann eben doch nicht so klein.
Vielen Dank, dass du mir zugehört hast und bis wir uns wiederhören,
nutze deine Zeit, denn sie kommt nie wieder. Dein Ivan Blatter.