Skeptitalk

Hier könnt ihr Mitglied der GWUP werden: https://www.gwup.org/infos/mitglied-werden/
Hier der Artikel zur Sonderaktion Rudolf Heß beim HPD: https://hpd.de/artikel/nazis-okkultisten-verhafteten-22816
Hier der Artikel zur Operation Siderisches Pendel beim HPD: https://hpd.de/artikel/nazis-pendeln-wollten-22974
Hier ein Artikel zu Rudolf Heß beim HPD: https://hpd.de/artikel/rudolf-hess-horoskop-und-hakenkreuz-22798

Creators and Guests

Host
Onkel Michael
Blogger und Podcaster

What is Skeptitalk?

Der einzig wahre skeptische Podcast der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) mit dem legendären Blogger Onkel Michael.
Wir widmen uns vielen verschiedenen Themen aus dem Bereich der Parawissenschaften und berichten, was wirklich dahinter steckt. Egal ob die so genannte Alternativmedizin, Verschwörungstheorien oder andere Mythen: wir sagen euch Bescheid!

Folge 5
Herzlich willkommen, liebe Zuhörinnen und Zuhörer da draußen im weiten Podcastland. Mein Name ist Michael Scholz und dies ist die fünfte Folge des Skeptitalks, des einzig wahren skeptischen Podcasts der GWP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Wie immer gilt, wenn ihr Vorschläge, Anregungen, Wünsche, Lobkritik oder Beschimpfungen habt, schickt sie mir an skeptitalk@gwup.org oder meldet euch auf unseren Social Media Kanälen.
Heute starten wir eine kleine unregelmäßige Serie, die sich mit Okkultismus und Esoterik im Dritten Reich beschäftigen wird. Denn eine der am weitesten verbreiteten Erzählungen über den Nationalsozialismus ist, dass der okkultistischen Führungsriege, die angeblich keinen Schritt hat, ohne sich vorher ein Horoskop erstellen zu lassen. Tatsächlich war es aber nur eine kleine Gruppe innerhalb der NS-Führung, die derartigen Ideen anhingen. Ihnen gegenüber stand eine Gruppe, die Okkultismus und Esoterik strikt ablehnte.
Als erstes müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass die NS Führungsriege eine homogene Einheit war, die zusammenarbeitete. Im Gegenteil, es herrschte ein großes Hauen und Stechen, in dem jeder von Hitlers Paladinen seine eigenen Interessen durchsetzen wollte und so viel Macht und Einfluss auf sich selbst vereinigen wollte, wie es nur ging. Hitler selbst nutzte dieses Konkurrieren oft genug und spielte auch seine Getreuen gegeneinander aus. Schauen wir uns aber einmal die oberste Führungsriege und ihr Verhältnis zum Okkultismus bzw. der Esoterik einmal genauer an.
Fangen wir ganz oben an und klären zuerst, wie das Verhältnis von Adolf Hitler zum Okkultismus bzw. der Esoterik war. Es war ambivalent. Er nutzte Okkultismus und Esoterik für seine Zwecke, nahm sie allerdings nicht zu ernst. So ist er zwar nicht als praktizierender Okkultist bekannt, jedoch war er ein Meister der Manipulation und wusste, wie er mystische und symbolische Elemente in seine politische Propaganda einfließen lassen konnte. Hitler hatte ein starkes Interesse an Symbolen und Mythen, die er für die nationale Identität und politische Mobilisierung einsetzte. Die Hakenkreuzsymbolik, die der Nationalsozialismus übernahm, ist hierfür ein gutes Beispiel. Das Hakenkreuz, auch Swastika genannt, war in vielen Kulten ein positives Symbol, ein Glückssymbol. Hitler verwendete es als Teil seiner rassistischen und nationalistischen Ideologie, um die, ich zitiere, Überlegenheit der arischen Rasse zu unterstreichen. Hitler verstand es, die Menschen emotional zu erreichen, indem er sie mit Ideen von Schicksal, Überlegenheit und einer göttlichen Mission ansprach. Diese Ideen grenzten an eine mystische Weltanschauung, auch wenn er sich selbst nie als gläubigen Okkultisten bezeichnete. Er stellte das Deutsche Reich als einen mystischen Hüter der Weltordnung dar, was zu einer fast religiösen Verehrung seiner Person und seiner Bewegung führte. Hitler wusste, dass das Erwecken eines mythischen Gefühls der Überlegenheit und einer spirituellen Bestimmung wichtig war, um die Bevölkerung zu mobilisieren. Doch im Gegensatz zu Himmler oder Heß war Hitler nicht an den praktischen Aspekten des Okkultismus interessiert. Stattdessen ließ er sich von den Ideen beeinflussen, dass die arische Rasse eine besondere fast göttliche Aufgabe habe. Es ist eher wahrscheinlich, dass er es als Werkzeug zur Schaffung eines religiösen Himmels quasi für seine politische Agenda nutzte.
Ganz anders verhielt es sich mit seinem Stellvertreter Rudolf Heß. Dieser hatte eine viel stärkere Verbindung zum Okkultismus und zur Esoterik als Hitler selbst. Heß war in verschiedenen esoterischen und völkischen Kreisen aktiv. So war er Mitglied der Tule Gesellschaft, die mit mystischen und okkulten Vorstellungen vom arischen Ursprung und der Überlegenheit der nordischen Völker arbeitete. Diese Gesellschaft war in frühen Jahren eine einflussreiche Gruppe, die in eine nationalistische und antisemitische Ideologie verbreitete, die sich später im Nationalsozialismus wiederfinden sollte. Heß war überzeugt, dass Deutschland eine besondere Bestimmung in der Weltgeschichte habe. Diese Vorstellung hatte sowohl mystische als auch politische Dimensionen. Ein markantes Beispiel hierfür ist sein geheimnisvoller Flug nach Schottland 1941, den er als eine spirituelle Mission interpretierte, um einen Frieden zwischen Großbritannien und dem Dritten Reich zu vermitteln. Einige Historiker spekulieren, dass Heß beeinflusst von okkulten Ideen diesen Schritt als Erfüllung einer geheimen Prophezeiung betrachtete. Heß Interesse an Esoterik war tiefer verwurzelt als das von vielen anderen führenden Nazis. Es gab Hinweise darauf, dass er an astrologischen und spiritistischen Praktiken interessiert war und möglicherweise spirituelle Führer in seinen Entscheidungsprozess mit einbezog. Besonders seine frühe Karriere war von einer gewissen Überzeugung durch mystische Weltanschauungen geprägt.
Auch Heinrich Himler, der Reichsführer SS, war fasziniert von Okkultismus und Esoterik. Er war eine der zentralen Figuren des Nationalsozialismus, die für die Verbindung von Okkultismus und Ideologie verantwortlich war. Himler hatte ein starkes Interesse an esoterischen und mystischen Ideen, die er systematisch in die Struktur und das Weltbild der SS integrierte. So gründete Himmler 1935 das Ahnenerbe, eine pseudowissenschaftliche Organisation, die sich mit der in Anführungszeichen Erforschung der arischen Geschichte beschäftigte. Dieses Ahnenerbe versuchte archäologische Beweise für die Überlegenheit der arischen Rasse zu finden, wobei okkulte Themen wie Runenmagie und nordische Müden einen zentralen Stellenwert einnahmen. Himmler sah die SS als einen esoterischen Orden, der nicht nur als paramilitärische Organisation, sondern als Träger einer mystischen arischen Erblast fungieren sollte. Die Rituale und Symbole der SS wie das schwarze Sonnenrad und die Verwendung von Runen sollten eine spirituelle Dimension verleihen, die die SS von gewöhnlichen Militärstrukturen abheben sollte. Himler war von der Vorstellung besessen, dass die germanischen Wurzeln des deutschen Volkes ein tiefes mystisches Wissen enthalten, dass er wiederbeleben wollte. Dieses Wissen sollte nicht nur zur geistigen Reinigung des Volkes, sondern auch zur Stärkung der SS dienen. Himmler wollte seine SS nicht nur als militärische Organisation, sondern auch als eine Art mystischen Kriegerorden etablieren, dessen Mitglieder mit einer besonderen göttlichen Aufgabe betraut waren. Diese mystische Vision war tief in seiner Weltanschauung verwurzelt und durchdrang alle Aspekte. der SS.
Interessant war, dass bereits Reinhard Heydrich sein Stellvertreter nicht allzu viel von Okkultismus Esoterik hielt. Heydrich war einer der berüchtigsten Männer im Naziregime, bekannt als der Henker von Prag und einer der Hauptarchitekten des Holocausts. Er war der Chef des Sicherheitsdienstes und wie gesagt Stellvertreter Himmlers sowie ein enger Vertrauter Hitlers. Heydrich selbst war bekannt dafür, dass er sich relativ rational und pragmatisch in politischen und administrativen Angelegenheiten verhielt und nicht in mystischen oder okkulten Strömungen der NS-Bewegung zugeneigt war. Seine Hauptinteressen lagen im Bereich der nationalsozialistischen Ideologie, der Überwachung und der Vernichtung der Feinde des Regimes. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er ein Interesse an Esoterik oder Okkultismus hatte. Indirekt könnte man sagen, dass Heydrich durch seine enge Zusammenarbeit mit Heinrich Himmler und der SS in gewissem Maße mit okkulten und esoterischen Ideen konfrontiert war, aber Heydrich selbst war weniger fasziniert von mystischen Überzeugungen. Es ist jedoch bekannt, dass er an einem streng hierarchischen und militärischen System interessiert war, das sich auch durch Rituale und Symbolik auszeichnete, die mit der SS und ihren esoterischen Einflüssen verbunden sind.
Der große Gegenspieler von Heß und Himler war zweifellos Josef Goebbels. Goebbels wurde 1933 von Adolf Hitler zum Reichsminister Volksaufklärung und Propaganda ernannt und übernahm somit die Verantwortung für alle öffentlichen Kommunikationskanäle des Dritten Reichs, einschließlich Film, Radio, Zeitungen und Massenveranstaltungen. Als in Anführungszeichen Meister der Propaganda hatte er einen enormen Einfluss auf die Wahrnehmung der Nazis in der Öffentlichkeit, sowohl in Deutschland als auch international. Goebbels nannte Heß gern den Yogi aus Alexandria, womit er natürlich auf dessen Interesse für Okkultismus und Esoterik und auch auf seinen Geburtsort Alexandria anspielte. Der Propagandaleiter war ja bekannt für seine spitze Zunge und seinen scharfen Witz über Rivalen und Mitstreiter. Der Spitzname Yogi aus Alexandria war eine Mischung aus Ironie und Geringschätzung, die sowohl auf eben jene spirituelle Seite von Heß als auch auf dessen manchmal eigenartige exaltierte Persönlichkeit anspielte. Für Goebbels war der Name eine Möglichkeit, Heß subtil lächerlich zu machen und sich selbst als überlegenen Machtstrategen darzustellen. Seine Tagebücher strotzen vor Verachtung gegenüber Heß und seinem Hang zum Okkultismus. Goebbels Haltung ist unmissverständlich. erhält Heß spiritistische Überzeugungen für hinderlich und unpraktisch, vor allem angesichts der realpolitischen Herausforderungen des Dritten Reichs. Er wusste, dass das nationalsozialistische Regime eine pragmatische autoritäre Politik erforderte, die auf der Unterstützung der breiten Masse beruhte und keine mystische, esoterische oder spirituelle Legitimierung brauchte. Goebbels, der als wichtigster Propagandist des Regimes galt, war ein Meister in der Inszenierung und Verwendung von Symbolen und Mythen, aber er bevorzugte eine klare politische Linie, die auf Machthalt und Kontrolle basierte, nicht auf spirituellen oder okkulten Konzept. Sein distanziertes Verhältnis zu Heß okkulten Neigungen zeigt, dass es innerhalb des NS Regimes Spannungen gab, was den Umgang mit esoterischen Ideen betrifft. Während Himmler und Heß eine tiefere Verbindung zu mystischen und esoterischen Vorstellungen hatten, war Goebbels mehr an der reinen politischen Propaganda interessiert, die auf Macht, Kontrolle und Massenmobilisierung abzählte.
Auf Goebbels Seite stand auch Martin Bormann, der persönliche Sekretär Hitlers und später Reichsleiter der NSDAP. Er war vor allem als pragmatischer Bürokrat und Machtstratege bekannt und hatte keine persönliche Affinität zu okkulten Praktiken. Wie gesagt, Bormann war ein pragmatischer Machtpolitiker, der sich jedoch der Bedeutung von Symbolik und der Mythologie bewusst war. Er förderte die nationalsozialistische Rhetorik von einer göttlichen Mission des deutschen Volkes, auch wenn er dies nicht durch okkulte Rituale oder Überzeugungen untermauerte. Burmann spielt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Himmlers Ideen zur kulturellen Reinheit und der Erhebung des arischen Volkes.
Die weiteren NS-Granden wie der Reichsjugendführer Baldur von Schirach, die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholz Klink, der Reichsminister für Bewaffnung und Munition Fritz Todt und sein Nachfolger Albert Speer standen dem ganzen Thema emotionslos gegenüber. Es interessierte sich einfach nicht, aber auch offizielle NS-Schriften wandten sich gegen alles Esoterische.
So hieß es in einem Aufsatz vom 4. Januar 1936 in den nationalsozialistischen Monatsheften zum Thema Astrologie, die es Heßer besonders angetan hatte. Ich zitiere: "Die Astrologie ist orientalischer Herkunft und mit keinen Mitteln zu germanisieren. Sie widerspricht grundlegend allen unseren Anschauungen und gehört zu den volksschädlichen Einrichtungen, mit denen wir so schnell wie möglich aufzuräumen haben. Wir können keine Lehre brauchen, die die Volksseele vergiftet und unseren Volksgenossen den eigenen Willen raubt. Wir können keine Mitläufer brauchen, die am Gängelband des Sterndeuters gehen, sondern nur Menschen mit offenem Blick und Zielbewussten handeln, die auf das Wort des Führers hören. Zitat Ende.
So verwundert es nicht, dass bereits 1933 okkultistische und esoterische Vereinigungen als staatsfeindliche Sekten eingestuft und teilweise vom SD, dem Sicherheitsdienst der SS, überwacht wurden. Auch verhängte man gegen einige Astrologen Berufsverbote. Am 1. November 1934 wurde die anthroposophische Gesellschaft verboten und bis 1938 wurden von acht existierenden Waldorfschulen fünf durch Verbot oder Selbstauflösung geschlossen. Allerdings wurden die anthroposophische Heilpädagogik und der biologisch-dynamische Landbau von Himmler persönlich geschützt. Weiterhin gab es dann am 20. Juli 1937 einen Befehl von Reinhard Heinrich zur Auflösung Freimaurerlogen ähnlicher Organisationen. Nach dem Englandflug von Rudolf Heß brachen allerdings wirklich harte Zeiten für Okkultisten, Mystiker oder Esoteriker an. Was war passiert? Rudolf Heß war tief beunruhigt darüber, dass zwei urgermanische, also in Anführungszeichen zu sehen, urgermanische Völker wie England und Deutschland im Krieg lagen. Gemeinsam mit Karl und Albrecht Haushofer entwickelte er einen Plan für eine Friedensmission. Heß wollte persönlich nach Schottland fliegen, um mit den Duke auf Hamilton über einen Friedensschluss zu verhandeln. Am 10. Mai 1941 war es dann soweit. Nach astrologischer Beratung. Sein persönlicher Astrologe und eine bekannte Astrologin hatten diesen Tag als besonders erfolgversprechend vorhergesagt, startete Heß mit einer Messerschmid10 Richtung Großbritannien. Vorher hinterließ er Hitler einen Brief, den sein Adjutant übergab. Die Reaktionen darauf waren heftig. Während Albert Speer von einem, ich zitiere, unartikulierten, fast tierischen Laut Hitlers berichtete, gibt es auch Stimmen, die behaupten, Hitler sei eingeweiht gewesen. Was wirklich stimmt, bleibt bis heute unklar. entscheidend ist, was danach geschah. Kurz nach dem Flug erklärte der großdeutsche Rundfunk, Heß sei vermutlich bei einem Flugzeug und Glück ums Leben gekommen. Hitler selbst rief die Parteiführung zusammen und bezeichnete Heß als Deserteur. Besonders interessant. Hitler machte den in Anführungszeichen astrologischen Klüngel um Heß für dessen Handeln mitverantwortlich und kündigte an mit diesem wieder in Anführungszeichen Sterndeuter Unfug radikal aufzuräumen. Auch Josef Goebbels legte nach. In seinem Tagebuch nannte er Heß einen Narren, dessen Briefe von unausgegorenen Okkultismus strotzen würden.
Noch am selben Tag wurde beschlossen mit aller Härte gegen Okkultisten, Astrologen und ähnliche Gruppen vorzugehen. Der offizielle Befehl kam dann am 15. Mai 1941. Goebbels erließ einen scharfen Erlass gegen Okkultismus, Hellseherei und Ch. Die wieder in Anführungszeichen Wundermänner sollten hinter Schloss und Riegel. Die Umsetzung übernahm Reinhard Heydrich. Am Juni startete er die Aktion gegen Geheimlehren und sogenannte Geheimwissenschaften, besser bekannt als Sonderaktion Rudolf Heß. Ziel war es, okkulte und esoterische Bewegungen im gesamten deutschen Reich und den besetzten Gebieten auszuschalten. Betroffen waren Anthroposophen, Theosophen, Astrologen, Parapsychologen, Wahrsager, Wunderheiler und viele mehr. Hunderte Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Beschlagnahmungen folgt. Die Strafen reichten von Verwarnungen bis zur Haft im Konzentrationslager. Einige bekannte Namen: Der Anthroposoph Emil Bock, der Astrologe Hubert Korsch, der Theosoph Johannes Maria Verwein. Ja, viele von ihnen wurden inhaftiert und einige kamen auch ums Leben.
Manche der Inhaftierten wurden später sogar für militärische Zwecke eingesetzt, etwa um mit siderischen Pendeln feindliche Schiffe zu ordnen. Goebbels notierte dazu ironisch in seinem Tagebuch, dass kein einziger Hellseher seine eigene Verhaftung vorausgesehen habe. Ein schlechtes Berufszeichen, wie der Propagandaminister fand. Auch nach dem Ende der Sonderaktion ging die Verfolgung weiter. Martin Bomann, der nach dem Englandflug von Heß dessen Nachfolge in der Partei übernahm, setzte die Maßnahmen fort. Selbst harmlose Bühnenmagier und Hypnotiseure gerieten ins Visier, wenn sie im Verdacht standen, okkulte Praktiken auszuüben.
Nach dem Krieg wurden viele der beschlagnahmten Materialien von den Alliierten untersucht. Sie prägten das Bild einer okkultistischen NS-Führung, das bis heute in populären Darstellungen nachwirkt. Aber kommen wir noch einmal auf die vorhin erwähnte Operation siderisches Pendel zurück. Das siderische Pendel stammt eigentlich aus der Esoterik. Es handelt sich um einen kleinen Körper, meist aus Metall oder Stein, der an einem Faden hängt. Manche Menschen behaupten, sie könnten damit Wasseradern, Menschen oder sogar verborgene Dinge aufspüren. Wissenschaftlich bewiesen ist es allerdings nie geworden.
Umso erstaunlicher ist es, dass gerade die deutsche Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs eine eigene Abteilung gründete, um genau diese Methode zu erforschen und militärisch zu nutzen. Diese Abteilung Siderisches Pendel sollte mit Hilfe des Pendels feindliche Schiffe aufspüren und zwar für die U-Bootflotte. Die Idee war, dass nicht nur besonders begabte Menschen diese Fähigkeiten besitzen, sondern dass jeder sie lernen konnte. Die Koordination dieser Versuche lag bei der Seekriegsleitung des Marinen Nachrichtendienstes. Auch das Marine Waffenhauptamt war beteiligt, insbesondere das Referat für Erfindungs- und Patentwesen. Die genaue Einordnung dieser Arbeitsgruppe ist heute schwer nachzuvollziehen, denn viele Unterlagen wurden im Kriege zerstört. Was wir wissen, stammt vor allem aus den Erinnerungen von Beteiligten wie dem Astrologen Willehelm Wolf und der Parapsychologin Geral. Geleitet wurde die Abteilung von Kapitän Hans A. Röder. Er war überzeugt, dass auch die britische Marine das Pendel nutzte, um deutsche U-Bote zu finden. In den Erinnerungen von Geral wird Röders Haltung so zusammengefasst. Er vermutete, dass die Engländer das Pendel einsetzten, um U-Bote zu ordnen. Er selbst habe damit Erfahrung und glaubte, dass das Pendel physikalische Schwingungen registriert. Deshalb wollte er möglichst viele Menschen als Pendler ausbilden und Kurse für die Matrosen einrichten, damit sie feindliche Schiffe aufspüren können. So seine Überzeugung sinngemäß zusammengefasst. Natürlich könnte auch der Umstand, dass die Briten kurz zuvor eine der Enigmamaschinen erbeutet hatten, zum Erfolg der Royal Navy beigetragen haben. Kann sein, man weiß es nicht. Für die Abteilung wurden sogar Okkultisten rekrutiert, die zuvor im Rahmen der vorhin erwähnten Aktion Rudolf Heß ähm verhaftet worden waren. So saßen Geral und Wilhelm Wolf im Konzentrationslager, bevor sie für die Abteilung Siderisches Pendel angeworben wurden, wobei angeworben eher ein Euphemismus ist. Die ganze Gruppe war bunt gemischt. spiritistische Medien, Pendelforscher, Studenten indischer Pendeltheorien, Astrologen, Astronomen, Ballistikexperten und Mathematiker arbeiteten zusammen. Wilhelm Wulf beschreibt den Arbeitsalltag so: Pendler saßen Tag für Tag mit ausgestreckten Armen über Seekarten. Die Ergebnisse waren, freundlich gesagt enttäuschend. Es war einfach unrealistisch zu glauben, dass man auf diese Weise militärisch verwertbare Informationen gewinnen könnte. Selbst wenn es mal Treffer gab, wurden die Ergebnisse nicht wissenschaftlich überprüft. So Wolfs sinngemäße Einschätzung. G Walder berichtet, dass sie zunächst Fotos auspendeln sollten. Die Ausschläge wurden notiert und mit anderen Ergebnissen verglichen. Dann bekam sie Bilder von Gebäuden, deren Standort sie auf einer Landkarte bestimmen sollte. Sie war skeptisch, tat aber ihr Bestes und die Verantwortlichen schienen zufrieden. Später sollte sie sogar die Position deutscher Schiffe auf Karten bestimmen. Sie hielt das für unmöglich, außer vielleicht für speziell trainierte Hellseher. Ob ihre Treffer mehr als Zufall waren, konnte sie selbst nicht sagen. In der Gruppe gab es auch Personen, die sich regelmäßig in Trans versetzten, um Vorhersagen zu treffen. Es gab also verschiedene Untergruppen mit verschiedenen Methoden. Röder sprach selbst von sieben Unterabteilungen. Auch technische Fragen wurden diskutiert, etwa die Beschaffenheit der Pendel. Ein Astronom untersuchte sogar den Einfluss von Sonne und Mond auf das Pendel. Die Zusammensetzung der Gruppe führte zu Konflikten. Techniker wie Röder hofften auf physikalische Erkenntnisse, während andere eher an paranormale Phänomene glaubten. Röder war überzeugt, dass es sich um einen rein physikalischen Vorgang handelte. Gata Walder hingegen meinte, die Schwingungen kämen aus dem Unterbewusstsein und die Engländer hätten speziell trainierte Hellseher. Röder wollte, dass jeder Matrose nach einem Kurs feindliche Schiffe orten kann. Walter wandte ein, dass ein Schiff mit unterschiedlicher Ladung auch unterschiedliche Ausstrahlungen haben müsste. Das leuchtete Röder ein. Am Ende konnte keine der Gruppen Erfolge vorweisen. Auch ein Umzug der Abteilung auf die Insel Sylt brachte keine besseren Ergebnisse. Im Gegenteil, die Versuche waren dort noch weniger erfolgreich. Im November 1942 wurde die Abteilung schließlich aufgelöst. Die Geschichte der Abteilung Siderisches Pendel zeigt, wie verzweifelt nach neuen Methoden gesucht wurde, selbst wenn sie aus heutiger Sicht abenteuerlich erscheinen. Am Ende blieb es bei kuriosen Experimenten ohne militärischen Nutzen.
Zu der Abteilung Siderisches Pendel habe ich beim humanistischen Pressedienst einen längeren Artikel geschrieben, auch zur Aktion Rudolf Heß und die verlinke ich euch dann in den Shownotes.
Wir sehen, das Verhältnis der Nazis zu Okkultismus und Esoterik war ambivalent. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Okkultismus und die Esoterik im Dritten Reich nicht als einheitliches Phänomen existierten, sondern stark von den individuellen Überzeugungen und Zielen der führenden Nazis beeinflusst wurden. Himmler und Heß waren die prominentesten Vertreter des Okkultismus, während Hitler, Goebbels und Bohrmann diese mystischen Elemente eher als Werkzeug der Macht und der Propaganda nutzen. Die Nazis waren also nicht alle esoterische Okkultisten im klassischen Sinne, aber sie waren Meister darin, mystische Ideen zu nutzen, um ihre politische Macht zu festigen und eine mythologische Weltanschauung zu verbreiten. Ein besonders interessantes Thema, das wir uns in einer der nächsten Folgen anschauen werden, ist die SS mit schwarzer Sonne und Ahnenerbe und dem ganzen Gedöns. Es bleibt also spannend. Aber um weder von Okkultisten, Esoterikern oder Nazis veralbert zu werden, solltet ihr Mitglied der GWUP werden. Den Link findet ihr ebenfalls in den Shownotes.
Bis zum nächsten Mal, euer Onkel Michael.