Der einzig wahre skeptische Podcast der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) mit dem legendären Blogger Onkel Michael.
Wir widmen uns vielen verschiedenen Themen aus dem Bereich der Parawissenschaften und berichten, was wirklich dahinter steckt. Egal ob die so genannte Alternativmedizin, Verschwörungstheorien oder andere Mythen: wir sagen euch Bescheid!
Herzlich willkommen liebe Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen im weiten Podcastland. Mein
Name ist Michael Scholz und dies ist die 15. Folge des Skeptitalks, des einzig wahren
skeptischen Podcasts der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften. Wie immer gilt, wenn ihr Vorschläge, Anregungen, Wünsche, Lob, Kritik
oder Beschimpfungen habt, schickt sie mir an skeptitalk@gwup.org oder meldet euch auf
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Die sogenannte "Alternativmedizin" fand während des nationalsozialistischen Regimes eine bemerkenswerte Förderung und Unterstützung. Führende Persönlichkeiten der NS-Diktatur, wie Rudolf Heß, Heinrich Himmler und Baldur von Schirach, engagierten sich aktiv für pseudomedizinische Verfahren, darunter Homöopathie, Schüßler-Salze und andere unkonventionelle Therapieansätze. Besonders hervorzuheben ist die "Neue Deutsche Heilkunde", ein von den Nationalsozialisten angestrebtes Konzept, das die medizinische Praxis nach den ideologischen Vorgaben des Regimes umgestalten sollte. Diese Medizin verstand sich nicht nur als Therapieform, sondern als ein Instrument zur Schaffung eines "gesunden Volkskörpers", das den nationalsozialistischen Glaubenssätzen von Rassenhygiene und völkischer Gesundheit diente.
Im Kontext dieser Ideologisierung der Medizin spielte die Förderung alternativer Heilmethoden eine zentrale Rolle, da sie als Teil einer größeren Bestrebung zur "Arisierung" und "Entjudung" des medizinischen Sektors betrachtet wurde. Der Einfluss der nationalsozialistischen Führung auf die Medizin erstreckte sich von der Förderung von Heilverfahren, die als unkonventionell galten, bis hin zur Schaffung eines klimatisch günstigen Umfelds für solche Ansätze.
Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Entwicklung war, dass viele Ärzte und Funktionäre, die die nationalsozialistische Medizinpolitik aktiv unterstützten und vorantrieben, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unbehelligt blieben. Zahlreiche dieser Akteure konnten ihre Praxis für Alternativmedizin im Nachkriegsdeutschland fortsetzen – in einigen Fällen sogar in denselben Positionen wie zuvor. Diese Kontinuität stellt ein bedeutsames Phänomen dar, das die tief verwurzelte Verflechtung von ideologischen, politischen und medizinischen Strukturen während des Nationalsozialismus und ihre nachhaltigen Auswirkungen auf die Nachkriegszeit aufzeigt.
Schauen wir uns doch einmal die Neue Deutsche Heilkunde etwas genauer an. Diese lässt sich auf eine Debatte innerhalb der deutschen Ärzteschaft zurückführen, die in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre geführt wurde und sich um eine als "Krise der Medizin" bezeichnete Problematik drehte. Diese wurde maßgeblich vom Arzt und Publizisten Erwin Liek formuliert.
Kernpunkte seiner Kritik waren zunächst die "Entseelung der Medizin", die durch die zunehmende Technisierung und Mechanisierung des medizinischen Sektors befürchtet wurde, sowie die existierenden Krankenkassen und die damit verbundene, seiner Ansicht nach unzureichende Versorgung der Patienten. Ein weiterer zentraler Kritikpunkt war eine angebliche Vertrauenskrise zwischen Arzt und Patient, die seiner Meinung nach das Vertrauen in die medizinische Profession erschütterte. Zudem strebte Liek eine Annäherung zwischen der evidenzbasierten "Schulmedizin" und der Alternativmedizin an. In diesem Zusammenhang schrieb er: "Es ist mein Glaube, dass das deutsche Volk berufen ist, nach und nach eine ganz neue, rein deutsche Heilkunst zu entwickeln. Diese deutsche Heilkunst der Zukunft wird dann Tatsache geworden sein, wenn das Heilwissen der Heilpraktiker und das Heilwissen der Schulmediziner eine neue Synthese eingegangen sind."
Die von Liek formulierten Kritikpunkte werden teilweise bis heute kolportiert. Die sogenannte "Entseelung der Medizin" wird in der modernen Debatte oft als "Apparatemedizin" bezeichnet und weiterhin negativ bewertet. Auch die Kritik an den Krankenkassen ist nicht von der Hand zu weisen, da immer noch Vorwürfe erhoben werden, dass die Kassen unverhältnismäßig viel Geld in Infrastruktur investieren, während die Patientenversorgung leidet. Darüber hinaus finden sich auch heute noch Klagen über unzureichende ärztliche Betreuung, die teils das Vertrauen in alternative Heilmethoden stärken. Insofern sind viele der von Liek aufgebrachten Probleme in der heutigen medizinischen und gesundheitspolitischen Diskussion nach wie vor präsent.
Diese kritischen Positionen wurden von den Nationalsozialisten aufgegriffen und ideologisch erweitert. Insbesondere die Vorstellung, dass die Schulmedizin "jüdisch-marxistisch durchsetzt" sei, wurde vehement propagiert. Weitere Vorwürfe betrafen die Überbetonung sozialmedizinischer Aspekte und eine vermeintlich übermäßige "Therapiefreudigkeit". In der Folge wurde das bestehende System der medizinischen Versorgung durch die "Neue Deutsche Heilkunde" ersetzt, die sich stark auf alternative Heilmethoden stützte. Ein zentrales Anliegen der Nationalsozialisten war es, die medizinische Praxis nicht nur aus einer individuellen Perspektive, sondern vielmehr aus einer kollektivistischen und volksgesundheitlichen Sicht zu gestalten. In diesem Kontext sollte der Arzt als "Gesundheitsführer des deutschen Volkes" agieren und als "biologischer Soldat seines Standes um die Gesundheit seines Volkes kämpfen." Dabei spielten auch rassenhygienische und erbbiologische Aspekte eine bedeutende Rolle.
Ein wesentliches Ziel der nationalsozialistischen Medizinpolitik war es, die medizinische Praxis durch eine Synthese von evidenzbasierter Medizin und alternativen Heilmethoden zu erneuern. Ab 1933 wurde die "Reichsarbeitsgemeinschaft der biologischen und Naturheilärzte" ins Leben gerufen, die jedoch erst am 25. Mai 1935 in Nürnberg ihre endgültige Gründung erlebte. Der Name der Arbeitsgemeinschaft lautete fortan "Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde".
In dieser Arbeitsgemeinschaft war eine Reihe von Organisationen vertreten, darunter:
• Die Deutsche Allgemeine Gesellschaft für Psychotherapie,
• Die Deutsche Gesellschaft für Bäder- und Klimakunde,
• Der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte,
• Der Kneipp-Ärztebund,
• Der Reichsverband der Naturärzte,
• Der Reichsverband Deutscher Privatkrankenanstalten,
• Die Vereinigung anthroposophischer Ärzte.
Die Leitung oblag Karl Kötschau als Vorsitzendem und Oskar Väth als Geschäftsführer. Trotz dieser breiten Basis und ambitionierten Ziele war der Erfolg der Arbeitsgemeinschaft eher begrenzt. Bereits 1937 wurde sie wieder aufgelöst. Ein Hauptgrund für das Scheitern war die ideologische Uneinigkeit innerhalb der Vereinigung, da die beteiligten Gesellschaften und Verbände in ihren Zielsetzungen und Methoden zu unterschiedlich waren. Zudem gelang es nicht, eine breite ideologische Durchdringung unter den Ärzten zu erreichen.
Zunächst jedoch führte die Gründung dieser Arbeitsgemeinschaft zu intensiven und teilweise kontroversen Diskussionen über den Wert alternativer Heilmethoden. Besonders in Fachzeitschriften wie dem Organ der Reichsarbeitsgemeinschaft, „Hippokrates“, entbrannten hitzige Debatten. Die Auseinandersetzungen betrafen sowohl die Serumtherapie der Diphtherie als auch die Notwendigkeit, eine Appendizitis chirurgisch zu behandeln. Diese Diskussionen waren jedoch häufig von einer monomanischen und sektiererischen Haltung der Naturheilkundler geprägt, die weniger an einer Veränderung der medizinischen Ideologie als vielmehr an der Verbreitung ihrer eigenen Heilmethoden interessiert waren. Die Reichsarbeitsgemeinschaft trug daher nicht zur angestrebten „ideologischen Durchdringung“ der Ärzteschaft bei, was vermutlich zu ihrer frühen Auflösung im Jahr 1937 führte.
Die Ärzte wurden zunehmend dazu gedrängt, nicht mehr über Heilmethoden zu streiten, sondern als Gesundheitsführer der Nation die nationalsozialistische Gesundheitspolitik umzusetzen.
Indes blieb der Zusammenschluss der Laienverbände bis 1941 bestehen. Dieser war 1935 unter dem Namen „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweisen“ gegründet worden und wurde von Georg Gustav Wegener geleitet. Hier fand eine weitgehend reibungslose Gleichschaltung der Laienbewegungen statt. Der Dachverband wurde jedoch 1941 aufgelöst und durch den „Deutschen Volksgesundheitsbund“ ersetzt, der fortan als zentrale Organisation zur Förderung der „Volksgesundheit“ fungierte.
Das Hauptaugenmerk dieses neuen Verbandes lag auf der Durchsetzung der „Pflicht zur Volksgesundheit“, die durch die nationalsozialistische Propaganda als zentrale Aufgabe der Volksgemeinschaft propagiert wurde. Besonders wichtig war dabei die Einbindung der „volksheilkundlichen Laienbewegung“, die zu Beginn der 1930er Jahre zwischen sechs und zehn Millionen Mitglieder und Sympathisanten zählte. Diese breite Unterstützung wollte die nationalsozialistische Führung gezielt nutzen, um das Volk zu einer naturgemäßen Lebensweise zu erziehen und das Verständnis für die nationalsozialistische Gesundheitspolitik zu fördern. So erklärte Reichsärzteführer Gerhard Wagner bereits 1933, die Volksgesundheitsbewegung sei „berufen, das Volk zu einer naturgemäßen Lebensweise und Lebensführung zu erziehen“. Dieser Prozess der Gleichschaltung verlief jedoch erst 1935 vollständig, als unter Wagners Führung die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweisen“ gegründet wurde. Ihr Ziel war es, alle wichtigen Laienbünde zu vereinen und unter einer einheitlichen Führung zu einer „gemeinsamen Arbeit und gleichberechtigten Vertretung“ zu bringen.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gewann der Begriff der „Pflicht zur Volksgesundheit“ noch weiter an Bedeutung. Mitglieder der Volksgesundheitsbewegung wurden zunehmend als „Sturmmannschaften der Volksgesundheit“ oder „Soldaten der Gesundheitsführung“ bezeichnet. Diese Entwicklung trug dazu bei, pseudomedizinische Konzepte wie die Homöopathie und die „Biochemie nach Schüßler“ in den nationalsozialistischen Gesundheitsdiskurs zu integrieren. Besonders bemerkenswert war, dass die für diese Praktiken benötigten Zutaten problemlos innerhalb Deutschlands beschafft werden konnten, was die Nazis von der Sorge um wirtschaftliche Boykotte bei einem drohenden Krieg befreite. Ideologisch passten diese pseudomedizinischen Ansätze zudem gut in das nationalsozialistische Weltbild, da prominente Vertreter wie Samuel Hahnemann und Wilhelm Heinrich Schüßler als „arische“ Wissenschaftler galten. Auch die Naturmedizin spielte eine zentrale Rolle in der Vorstellung des „gesunden Volkes“, das im Einklang mit der Natur lebte.
Die Frage nach der Wirksamkeit dieser alternativen Heilmethoden wurde ebenfalls intensiv untersucht. Schon zwischen 1936 und 1939 wurden Studien zu Verfahren wie der „Biochemie nach Schüßler“ durchgeführt, die jedoch mit dem Beginn des Krieges abgebrochen werden mussten. Der Arzt und Homöopath Fritz Donner war maßgeblich an diesen Untersuchungen beteiligt und verfasste einen Bericht über die damaligen Prüfungen, der 1966 abgeschlossen, jedoch erst 1995 in der Zeitschrift Perfusion veröffentlicht wurde.
Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches folgte die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen, wobei auch die Ärzteschaft ins Visier der Militärgerichtsbarkeit geriet. Am bekanntesten dürfte sicherlich der Nürnberger Ärzteprozess sein, der unter Vereinigte Staaten vs. Karl Brandt et al. am 9. Dezember 1946 begann. Die alternativmedizinischen Ärzte und Funktionäre, die ebenfalls schwere Schuld auf sich geladen hatten, wurden allerdings weitgehend übersehen. So konnten sie ihre Lobbyarbeit für die pseudowissenschaftliche „Alternativmedizin“ weiterführen.
Stellvertretend sollen hier vier Ärzte vorgestellt werden, die während des Dritten Reiches schuldig wurden und trotzdem nach 1945 ihren Berufsweg fortsetzen konnten. Ausgewählt wurde ein Arzt aus der DDR, zwei aus der Bundesrepublik und einer aus Österreich. Für die beiden bundesdeutschen Alternativmediziner wurde die Verleihung der „Hufeland-Medaille“ des „Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin“ als Grundlage gewählt, da diese eine Auszeichnung für Ärzte ist, die sich besonders um die Alternativmedizin verdient gemacht hatten. Träger dieser Medaille dürften in ihrer Szene eine herausgehobene Position einnehmen.
Rudolf Kießwetter aus Burg (heute Sachsen-Anhalt) wurde bekannt durch seine Mitarbeit an den Menschenversuchen im Konzentrationslager Dachau, bei denen untersucht werden sollte, ob Schüßler-Salze Sulfonamide ersetzen könnten.
Ab dem Jahr 1920 begann Rudolf Kießwetter ein Medizinstudium, welches er 1929 mit der Approbation als „biochemischer“ Arzt (also nach der Lehre von Wilhelm Heinrich Schüßler) abschloss. In der Folge gelang es ihm, schnell eine Position im homöopathischen Umfeld zu etablieren. Besonders bekannt wurde er durch sein Werk „Biochemie – Eine natürliche Heilmethode“, in dem er die Hypothese aufstellte, dass Infektionskrankheiten mit „ferrum phosphoricum“ behandelt werden könnten. Ab 1942 versuchte er, diese These mit Unterstützung von Heinrich Himmler am Beispiel von KZ-Insassen im Konzentrationslager Dachau zu überprüfen. 1939 trat Kießwetter der NSDAP bei, wodurch er im nationalsozialistischen Apparat eine herausgehobene Stellung erlangte. Der Eintritt in die Partei erwies sich als entscheidend für Kießwetters Karriere, da er ihm Zugang zu Ressourcen verschaffte, die eine solche Untersuchung am Menschen erst ermöglichten.
Ab Sommer 1942 konnte er dann seine Versuche in Dachau durchführen. Kießwetter setzte sich dafür ein, dass die Experimente positive Ergebnisse liefern sollten. Trotz der Expertise des „biochemischen“ Arztes Kießwetter erzielten jedoch alle Testreihen negative Resultate. Diese negativen Ergebnisse hielten weder Kießwetter noch Himmler davon ab, die Experimente fortzusetzen. Häftlinge beschrieben ihn [Kießwetter] spöttisch als „kleines nervöses Männchen“. Er injizierte vorrangig inhaftierten polnischen Priestern Eiter in den Oberschenkel und behandelte sie anschließend mit Kalium phosphoricum D6, Ferrum phosphoricum D6 und D12, Silicea D6, Natrium phosphoricum D6, Magnesium phosphoricum D6 und Calcium phosphoricum D6. Der österreichische Häftling Rudolf Kalmar erinnerte sich, die unter großen Schmerzen leidenden Probanden seien „Träger schwer eiternder Wunden“ gewesen, die man „mit allen möglichen buntfarbigen Pillen aus irgendeinem homöopathischen Laboratorium“ abgefüllt habe.
Auch das Auftreten der Ärzte blieb ihm in Erinnerung: „Sie stapften gelegentlich gestiefelt und gespornt durch die Krankensäle, um dort herumzubrüllen, weil zu spät ‚Achtung!‘ gerufen worden war oder weil sich einer der Patienten nicht vorschriftmäßig Bett aufgerichtet hatte. Wenn sie gerade besoffen waren, unterblieb die Visite überhaupt.“ 56 Versuchspersonen starben während der Studien, 30 weitere erlagen später den Folgen der biochemischen Experimente. Mehrere Personen konnten durch das beherzte Eingreifen eines Krankenpflegers gerettet werden, der Sulfonamide an anderer Stelle entwendet und den Priestern injiziert hatte.
Als auch die nächste Testreihe nicht zum gewünschten Erfolg führte, wurde Himmler schließlich klar, dass seine „biochemischen“ Konzepte gescheitert waren. Dennoch entschied man sich, die „biochemischen“ Präparate nun im Vergleich zu den in der Kriegsindustrie eingesetzten Antibiotika wie Sulfonamiden zu testen. Auch nach Abschluss dieser Tests und der Bestätigung, dass die biochemischen Mittel keine Wirksamkeit zeigten, beharrte Kießwetter in einer verklärten Stellungnahme auf der ursprünglichen Annahme, dass „ferrum phosphoricum“ eine heilende Wirkung besitze.
Nach der Beendigung der Versuche wurde er 1943 zur Wehrmacht eingezogen, bald aber wieder entlassen und nach Burg in Sachsen-Anhalt versetzt, um die dortige medizinische Versorgung sicherzustellen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Kießwetter und sein Assistent Heinrich Schütz von der Münchener Staatsanwaltschaft angeklagt. Schütz wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, konnte diese Strafe jedoch durch Denunziation von Mitbeteiligten umgehen und sein Verfahren wurde eingestellt. Kießwetter setzte seine ärztliche Tätigkeit in Burg (Sachsen-Anhalt) fort. Die Gründe dafür, dass er seine Approbation in der DDR behalten konnte, dürfte wohl im damals bestehenden Ärztemangel begründet sein. Weiterhin unbehelligt durch juristische Verfolgung lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod 1992.
Alfred Brauchle wurde am 22. März 1898 in Schopfheim (Baden) geboren und promovierte 1924 zum Dr. med. Im Jahr 1929 übernahm er die Leitung des Prießnitz-Krankenhauses in Mahlow, das vom Deutschen Naturheilbund betrieben wurde und als erstes Lehrkrankenhaus für Naturheilkunde fungierte. 1934 wechselte er als Leiter der Naturheilabteilung an das Rudolf-Heß-Krankenhaus in Dresden, wo er gleichzeitig als Dozent an der medizinischen Akademie für ärztliche Fortbildung tätig war. Während seiner Tätigkeit an der Dresdner Klinik trug Brauchle zur Anpassung der Naturheilkunde an die nationalsozialistische Diktatur bei, bis die Klinik 1943 aufgelöst wurde. Auch war er eines der Gründungsmitglieder der „Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde“, deren Ziel, wie er am 25. Mai 1935 definierte, die Erziehung zu einem gesunden, naturnahen Leben war. In diesem Zusammenhang propagierte er, dass die Behandlung stets präventiven Charakter haben müsse und auf die Abwehrkräfte sowie die Selbstregulation des Körpers abziele. Zur Förderung dieser Ziele wurde am 1. Juni 1935 in Alt-Rhese die „Reichsschule der Deutschen Ärzteschaft“ eröffnet. 1939 habilitierte Brauchle, und 1942 ernannte ihn Adolf Hitler zum Professor. Nach der Schließung der Dresdner Naturheilklinik (1943) arbeitete Brauchle von 1943 bis 1946 als Chefarzt in der „Schwarzwaldklinik“ im Sanatorium Glotterbad bei Freiburg im Breisgau.
Obwohl Brauchle eine zentrale Rolle bei der Integration der Naturheilkunde in die nationalsozialistische Ideologie spielte, wurde er im Zuge eines Entnazifizierungsverfahrens lediglich als Mitläufer eingestuft, ohne dass Sühneauflagen gegen ihn verhängt wurden. Er zog sich vorübergehend aus der ärztlichen Praxis zurück und war von 1946 bis 1949 als Landwirt und Ponyzüchter tätig. 1949 kehrte er jedoch in den medizinischen Bereich zurück und wurde Chefarzt des Parksanatoriums Schönau im Schwarzwald, wo er bis 1960 tätig war.
Trotz des Endes des nationalsozialistischen Regimes blieb Brauchle weiterhin aktiv in der Naturheilkunde. Ab 1951 bekleidete er das Amt des Vorsitzenden des „Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin“, eine Position, die ihm 1958 die Verleihung der Hufeland-Medaille für besondere Verdienste einbrachte. Alfred Brauchle verstarb 1964.
Brauchle setzte sich vehement für eine Gesundheitsideologie ein, die stark von völkischen und rassistischen Konzepten geprägt war. Er vertrat die Ansicht, dass Naturheilkunde nicht nur dem physischen Wohl des Einzelnen diene, sondern auch zur Stärkung des "arischen Volkes" beitrage. In Übereinstimmung mit der nationalsozialistischen Ideologie, die den Körper und die „Rasse“ als wesentliche Bestandteile der Volksgesundheit betrachtete, propagierte er einen Körperkult, der gesunde Ernährung, Bewegung und naturheilkundliche Behandlungen miteinander verband. Dieser Körperkult sollte die körperliche „Überlegenheit“ der „arischen Rasse“ sichern und wurde als Grundlage für das „gesunde Volk“ verstanden. Er lehnte die moderne Schulmedizin als „entartet“ ab und favorisierte stattdessen Heilmethoden, die „im Einklang mit der Natur“ standen. Er förderte die Pflanzenheilkunde, die Ernährungstherapie und energetische Heilverfahren, die er als natürliche Wege zur Förderung der „Volksgesundheit“ verstand. Diese Haltung passte zu der nationalsozialistischen Ablehnung moderner Wissenschaften, die als „undeutsch“ und „jüdisch“ galten, sowie zu der Betonung von „arischen“ Traditionen und Werten. Durch seine Aktivitäten und seine ideologische Ausrichtung war Brauchle aktiv an der Förderung von Gesundheitszentren beteiligt, die naturheilkundliche Methoden anwendeten. Diese wurden in einem politischen Kontext betrieben, in dem das NS-Regime versuchte, einen „Volkskörper“ zu formen, der frei von als „entartet“ geltenden Einflüssen war.
Neben seiner ärztlichen Tätigkeit war Brauchle auch politisch aktiv. Als Mitglied der NSDAP und in Zusammenarbeit mit verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen, die sich mit Gesundheit, Rassenhygiene und Erziehung beschäftigten, trugen seine naturheilkundlichen Konzepte zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie im Gesundheitswesen bei. Die Verbindung von Naturheilkunde und Rassenhygiene wurde von den Nationalsozialisten als eine Möglichkeit angesehen, die „Volksgesundheit“ im Einklang mit rassistischen Vorstellungen von „Gesundheit“ und „Reinheit“ zu fördern. Brauchle sah in der Naturheilkunde einen Beitrag zur Erhaltung und Stärkung der „arischen Rasse“, und seine Ideen flossen in staatlich geförderte Programme ein, die die nationalsozialistische Rassenpolitik unterstützten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Sturz des NS-Regimes blieben viele der naturheilkundlichen Praktiken, die während des Nationalsozialismus populär wurden, in der westdeutschen Gesellschaft verbreitet. Auch wenn viele dieser Praktiken nicht mehr explizit mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wurden, setzten Brauchle und andere Vertreter der Bewegung ihre Tätigkeit fort. Ihre Ideen und Konzepte hatten langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung alternativer Gesundheitsbewegungen in Deutschland, die in den folgenden Jahrzehnten eine gewisse Popularität erlangten.
Alfred Brauchle war eine prägende Figur in der Entwicklung der Naturheilkunde im Kontext des Nationalsozialismus. Durch seine Arbeit und seine ideologische Ausrichtung trug er zur Verbreitung nationalsozialistischer Gesundheits- und Rassenideologien bei. Seine Vorstellungen von einem gesunden, „reinen“ Körper, der mit der Natur im Einklang steht, sowie seine Ablehnung der „modernen Schulmedizin“ passten in das nationalsozialistische Weltbild von Körper und Volksgesundheit. Trotz der Verbindungen zu rassistischen und völkischen Ideen überdauerte sein Einfluss die Zeit des Nationalsozialismus und hinterließ Spuren in der Entwicklung alternativer Gesundheitsbewegungen in der Nachkriegszeit.
Karl Kötschau wurde am 19. Januar 1892 in Apolda geboren. Er absolvierte ein Medizinstudium in Berlin, Freiburg und Kiel und promovierte 1921. Ab 1923 begann er seine Facharztausbildung für Innere Medizin an der Medizinischen Universitätsklinik Jena. Bereits zu Beginn der 1920er Jahre setzte sich Kötschau intensiv mit der Homöopathie auseinander und arbeitete für einige Monate am homöopathischen Krankenhaus in Stuttgart. Ab Herbst 1927 war er Assistent an der 1. Medizinischen Klinik der Charité in Berlin unter der Leitung von Wilhelm His. Ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie ein anschließendes Privatdozentenstudium ermöglichten ihm Forschungsaufenthalte am Homöopathischen Krankenhaus in Stuttgart sowie am Pharmakologischen und Radiologischen Institut der Universität Berlin. Im Rahmen dieser Tätigkeiten beschäftigte er sich mit der „wissenschaftlichen Begründung der Homöopathie“.
Zum 1. April 1932 trat Kötschau der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.068.407) und wurde zudem Mitglied der SA sowie des NS-Ärztebundes. 1933 übernahm er kurzfristig die Funktion des Ortsgruppenleiters von Beelitz, wo er in den örtlichen Heilstätten tätig war. Im selben Jahr habilitierte er sich und übernahm die Leitung der Inneren Abteilung des Krankenhauses Berlin-Reinickendorf. Im Jahr 1934 erhielt Kötschau den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Jena, nachdem sein Vorgänger Emil Klein aufgrund seiner jüdischen Abstammung aus dem Amt entlassen worden war. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand in der Umbenennung des Lehrstuhls in „Ordinariat für Biologische Medizin“. Seine Antrittsvorlesung mit dem Titel „Die nationalsozialistische Idee in der Biologischen Medizin“ verdeutlichte bereits die ideologische Ausrichtung seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. In seiner Rede vom 2. Juni 1934 postulierte Kötschau: „Der heroische Mensch des Nationalsozialismus und der biologisch vollwertige Rassenmensch, das ist ein und derselbe“.
Seine zahlreichen Publikationen, die 1936 in dem Sammelband „Zum Nationalsozialistischen Umbruch in der Medizin“ erschienen, belegen seine rassenhygienische und sozialdarwinistische Haltung. Kötschaus Konzepte der Alternativmedizin waren eng mit der nationalsozialistischen Ideologie verknüpft. Er argumentierte, dass „artfremde“ Heilmethoden – womit er insbesondere moderne pharmazeutische und chirurgische Verfahren meinte – dem „arischen Körper“ schadeten. Stattdessen propagierte er eine Rückbesinnung auf „germanische Heilweisen“, die er mit der völkischen Bewegung in Verbindung brachte. Seine medizinischen Theorien standen zudem in engem Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Rassenpolitik. So befürwortete er Maßnahmen zur „Reinhaltung der arischen Rasse“ und forderte die Entfernung von Personen, die nicht in das Konzept eines „gesunden Volkskörpers“ passten – entweder durch Zwangssterilisation oder durch Euthanasie.
Am 25. Mai 1935 ernannte ihn der Reichsärzteführer Gerhard Wagner zum Leiter der neugegründeten „Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde“. 1937 profitierte Kötschau erneut von der Arisierung des Medizinsektors, als er die Chefarztstelle der I. Medizinischen Klinik in Nürnberg übernahm. Sein Vorgänger, Karl Bingold, war aufgrund seiner Ehe mit einer Jüdin aus dem Amt gedrängt worden. Nach der Übernahme wurde die Einrichtung in „II. Klinik für Innere Krankheiten und Naturheilverfahren“ umbenannt. Die Berufung Kötschaus erfolgte auf Empfehlung des Gauleiters Julius Streicher. Zeitgleich wurde er zum Gauhauptstellenleiter des „Hauptamtes für Volksgesundheit der NSDAP“ in Franken sowie zum Stadtobermedizinalrat in Nürnberg ernannt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Kötschau in amerikanische Gefangenschaft und wurde in ein Internierungslager für NSDAP-Mitglieder überführt, wo er bis 1948 verblieb. Trotz seiner ideologischen Verstrickungen konnte Kötschau nach seiner Entlassung seine medizinische Karriere weitgehend unbehelligt fortsetzen. 1951 trat er dem „Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren“ bei und übernahm 1956 die Leitung eines Sanatoriums in Bad Harzburg. Zudem wurde er Dozent an der „Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft“. Darüber hinaus war er Mitglied des „wissenschaftlichen Beirates“ der rechtsextremen „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung“. 1958 wurde ihm die Hufeland-Medaille des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren verliehen.
In der Nachkriegszeit präsentierte sich Kötschau als reiner Naturheilkundler, dessen Interesse ausschließlich einer ganzheitlichen Medizin gegolten habe. Seine zentrale Rolle in der NS-Rassenmedizin und Euthanasiepolitik wurde nicht kritisch hinterfragt. Wie zahlreiche andere Mediziner des Dritten Reiches profitierte er von der Amnestiepolitik der westdeutschen Behörden, die nur eine geringe Anzahl von Medizinern für ihre Beteiligung an NS-Verbrechen zur Rechenschaft zog. Kötschau passte seine Argumentation lediglich terminologisch an die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an: So wurde die „Biologische Medizin“ zur „Ganzheitsmedizin“. Viele seiner rassenhygienischen Argumentationsmuster fanden in abgeschwächter Form weiterhin Verwendung, beispielsweise in der Betonung einer „arteigenen Medizin“ oder in einer kritischen Haltung gegenüber „chemischen“ Medikamenten und Impfungen.
Zudem engagierte sich Kötschau in der Nachkriegszeit für die Anerkennung alternativer Heilmethoden in der gesetzlichen Krankenversicherung. Karl Kötschau war nicht nur einer der führenden Vertreter der Naturheilkunde im Nationalsozialismus, sondern zugleich ein überzeugter Rassenhygieniker, der die Konzepte der „arteigenen Medizin“ mit der NS-Ideologie verband. Er beteiligte sich aktiv an der Diskriminierung jüdischer Ärzte und legitimierte die nationalsozialistische Euthanasiepolitik mit seinen medizinischen Theorien.
Nach 1945 konnte er trotz seiner ideologischen Prägung erneut eine bedeutende Rolle im Bereich der Alternativmedizin in der Bundesrepublik Deutschland einnehmen. Eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Rolle im Nationalsozialismus setzte erst in jüngerer Zeit ein. Sein Fall illustriert eindrücklich, in welchem Maße nationalsozialistische Mediziner nach 1945 wieder Einfluss gewinnen konnten – oft, ohne sich für ihre Vergangenheit verantworten zu müssen.
Alfred Pischinger wurde in Urfahr bei Linz geboren. Er diente im 1. Weltkrieg und studierte sodann Medizin in Graz, wo er 1923 auch promovierte. 1924 habilitierte er sich an der Universität Graz für Histologie und Embryologie und avancierte 1933 zum Titularprofessor, 1937 zum außerordentlichen Universitätsprofessor, und 1941 zum Ordinarius. Von 1936 bis 1945 fungierte er als Vorstand des Instituts für Histologie und Embryologie in Graz.
Im September 1938, also kurz nach dem Anschluss, brüstete sich Pischinger in einem Ansuchen: „Ich habe mich seit 1933 in der Parteileitung als Leiter der Fachschaft „Wissenschaft“ des NS-Kulturbundes betätigt, als solcher Schulungen abgehalten und Schulungsbriefe (Rassenhygiene) verfasst. Als Obmann des Assistentenvereins der Hochschulen sorgte ich für die nationalsozialistische Leitung des Vereins…“
Pischinger wurde 1933 NSDAP-Mitglied, trat 1938 in die SA ein, und fungierte als Sachverständiger für Rassenhygiene und Richter am Erbgesundheitsgericht in Graz. Zudem war er förderndes Mitglied der SS, Mitglied in der SA, dem NSDDB, NSV, diente als SA-Sanitätsobersturmführer sowie als Präsident des Gauehrengerichts. Als überzeugter Anhänger der NS-Rassenhygiene brüstete er sich sogar damit, sein eigenes hirngeschädigtes Kind getötet zu haben.
Pischinger war Teil einer Arbeitsgruppe an der Universität Graz, die ab 1939 unter der Leitung des Gynäkologen Karl Ehrhardt an den Körpern von schwangeren Frauen und ihren Föten experimentierte, ohne deren Einverständnis eingeholt zu haben. Die Forscher gehörten zu jenen, die sich aktiv an der vollständigen Ausbeutung und physischen Vernichtung der vom NS-Regime als Feinde betrachteten Menschen beteiligten. Sie führten Schwangerschaftsunterbrechungen durch, um an den so erhaltenen Föten Experimente durchführen zu können.
Nach dem Krieg wurde Pischinger von der Grazer Universität entlassen und verbrachte eineinhalb Jahre in britischen Lagern. 1947 musste er sich dann auch vor dem Volksgericht für seine frühe SS-Mitgliedschaft verantworten. Anschließend arbeitete er als niedergelassener Arzt. 1958 wurde er zum Leiter des Histologischen Embryologischen Instituts an der Universität Wien berufen.
Pischinger wurde auch international bekannt durch seine Arbeiten zur ‚Grundregulation‘, die eine (pseudo-) wissenschaftliche Fundierung alternativer Ansätze der Medizin darstellten. Hierfür erhielt er 1967 die ‚Hufeland Medaille des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren‘. Ferner hat die ‚Österreichische Gesellschaft für Akupunktur‘ mehrere Jahre einen wissenschaftlichen Preis in seinem Namen ausgelobt. Seine NS-Vergangenheit und seine Versuche an zwangsweise abgetriebenen Föten waren zu diesem Zeitpunkt längst aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.
Alfred Pischinger starb am 7. Juli 1983 in Wien.
Die hier vorgestellten Beispiele sind nur einige von vielen und die Liste könnte lange fortgesetzt werden. Dies zeigt nicht nur, dass es eine ganz besondere Beziehung der so genannten „Alternativmedizin“ und ihren Funktionären zum nationalsozialistischen Regime gab, sondern auch, dass sich die alternativmedizinischen Ärzte auf zwei Ebenen schuldig gemacht hatten. Einmal als ganz konkrete Täter bei barbarischen Versuchen an wehrlosen Menschen und einmal als ideologische Täter, die den Geist der nationalsozialistischen Medizin verinnerlicht hatten, diesen verbreiteten und so festigten, weit über den Untergang des Dritten Reiches hinaus.
Nehmen wir etwa Karl Kötschau, dessen Bücher zum Teil nach einer oberflächlichen Bereinigung größtenteils unverändert auch nach 1945 erschienen. Zu nennen ist hier vor allem sein Machwerk „Kämpferische Vorsorge statt karitativer Fürsorge“, das 1954 unter dem Titel „Vorsorge oder Fürsorge?“ wieder erschien. Dazu kommt, dass Kötschau ab 1951 Dozent an der „Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft“ war, auch hier eine Position, wo er sein Gedankengut verbreiten konnte. Natürlich blieb er auch weiterhin Funktionär und Lobbyist für die Alternativmedizin, wofür er 1958 mit der Hufeland-Medaille geehrt wurde. Im gleichen Jahr erhielt übrigens auch Alfred Brauchle die Hufeland-Medaille, nachdem auch er seine Tätigkeit als Funktionär und Lobbyist für die Alternativmedizin ungebrochen fortsetzen konnte.
Unsere Übersicht zeigt, dass das Interesse an der Alternativmedizin keineswegs ein neues Phänomen darstellt. Im Dritten Reich wurde sie intensiv gefördert, beforscht und zur ideologisch angepassten Heilkunde erklärt. Mit dem Ende des ‚Tausendjährigen Reichs‘ riss diese Entwicklung nicht abrupt ab, sondern die NS-Ideologie lebte in den Lehren von Brauchle, Kötschau et al sowie in der Existenz des Heilpraktiker-Berufs weiter.