In Raidsthemen spreche ich mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die Ecken und Kanten haben. Wir sprechen über Reizthemen in unserer Gesellschaft: Integration und Migration, über politische Parteien, Außen- und Sicherheitspolitik sowie über den Nahen und Mittleren Osten.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Raidsthemen . Heute zu Gast ist Shane Ayman. Wir haben uns vor einigen Wochen zufällig im Urlaub wiedergesehen, sind uns immer mal wieder seit 20 Jahren begegnet und über den Weg gelaufen und daraus ist die Idee zu diesem Podcast entstanden. Wir reden über Selbstverwirklichung, über Heimat, Familie und Werte. Herzlich willkommen, Shane.
Shane:Dankeschön, Raid.
Raid:Die Idee zu dieser Folge ist ja entstanden, als wir uns dem Tur Abdin begegnet sind. Für die Zuschauer, der Tur Abdin ist eine Region im Südosten der Türkei. Das ist sozusagen das Stammland der syrisch-orthodoxen Christen, da, wo sie bis vor einigen Jahrzehnten am stärksten vertreten waren, dort, in Syrien, im Irak. Ich war mit der Familie dort und Du auch.
Raid:Dann waren wir an Pfingsten, war ich in der Kirche und ich bin ja Subdiakon, bin vor an den Dienst und hab gesehen, da gibt's einen Kirchenchor, der besteht aus 2 Personen. Und dann drehe ich mich und sehe, Shane, wir kennen uns schon seit, ich glaub, zwei Jahrzehnten oder so, also wir sind uns im am Flughafen in in Stuttgart haben wir beide, ich hab den Nebenjob gehabt und Du hast da, glaub ich, Vollzeit gearbeitet. Und wir haben danach festgestellt, oder ich hab danach festgestellt, wow, die Shane, die hat einige richtig verrückte Sachen gemacht. Vielleicht kannst Du uns mal kurz über dein Leben führen, wo Du jetzt stehst und dann steigen wir in die interessanten Themen ein, was Du nämlich als Creatorin gerade machst.
Shane:Okay, danke schön. Erst mal Scharbil.
Raid:Ja genau.
Shane:Darf ich sagen, okay. 2004 habe ich am Flughafen in Stuttgart tatsächlich angefangen zu arbeiten: Luftsicherheitsassistentin und dort haben wir uns dann kennengelernt und auch nebenbei in der Kirche waren wir ja sehr oft aktiv. Daher kennen wir uns schon sehr, sehr lange und ich hab mich auch wahnsinnig gefreut, wo ich dich an Pfingsten bei uns im Dorf in Arbo (Anm. im Südosten der Türkei) gesehen habe, weil das war für uns ein ganz, ganz besonderer Tag natürlich. Pfingsten selber in der Kirche in Arbo mit zu feiern war für uns ein Megaereignis und einen Bekannten dann da auch noch zu treffen, der mitwirkt in dem ganzen Gottesdienst, war es einfach einmalig. Zu mir: ich bin 47 Jahre alt, zweifache Mama, seit 26 Jahren verheiratet und hab schon verschiedene Berufe erlernt.
Shane:Also mein Hauptberuf war Arzthelferin, ich hab beim Kinderarzt gelernt. Jahre später hab ich dann in der Radiologie gearbeitet und dann bin ich umgeswitcht zum Flughafen und vom Flughafen dann in die Selbstständigkeit als Brautmodenverkäuferin und das hab ich 15 Jahre lang jetzt gemacht gehabt. Seit dem ersten 01.01.26 nicht mehr, weil ich einfach all die Jahre bemerkt habe, dass ich... Ich hab meinen Job geliebt, so ist es nicht. Ich hab's wahnsinnig geliebt, weil ich hab auch am Tag der Hochzeit bin ich zu den Bräuten und hab sie sogar an dem Tag ihrer Hochzeit noch angezogen und begleitet.
Shane:Das waren für mich einfach emotionale Momente, wo ich nicht mit dem Verkauf eher verbunden habe, sondern eher mit einer Verbindung mit dieser Braut, weil ich hab sie begleitet bis zu diesem wunderschönen Tag und hab den Mädels auch immer wieder son paar Sätze mitgegeben, was wichtig auch natürlich in der Ehe ist. Und nach 15 Jahren hab ich einfach gemerkt, ich hab mich selbst in dem Ganzen so ein bisschen verloren. Und auch als Frau meine Werte hab ich nicht mehr so für mich selber wertgeschätzt. Also Du warst immer präsent für andere und hast immer andere unterstützt und deine Energie anderen gegeben und irgendwann kam der Punkt, wo ich gesagt habe und das leider auch natürlich durch viele Todesfälle, die in der Familie und im Bekanntenkreis auch passiert sind, plötzliche Schicksalsschläge, wo einen dann auch noch mal so ein bisschen wachgerüttelt haben und gesagt haben, okay stopp, ich mein bis wohin willst Du eigentlich? Und jetzt ist das Thema für mich selbst so die Selbstverwirklichung, Wertschätzung natürlich, Ehe, Kinder, Selbstliebe. Ja, das sind so jetzt die Themen, die mich vor allem wirklich prägen und ich da mich hinein versetze und da momentan aufbaue.
Raid:Ich hab viele Fragen. Ja. Aber dies Wichtigste ist, wie sieht dein Alltag grade aus?
Shane:Also mein Alltag ist total stressfrei. Also ich hab zwar noch ein bisschen Arbeit, 15 Jahre Brautmoden kann man wirklich von heut auf morgen gar nicht so wirklich aufgeben, da so viel Background noch da ist, so viele Mädels, die auf gut Deutsch gesagt mich nicht in Ruhe lassen. Also ich krieg ständig, immer noch Anfragen, kannst Du nicht bitte. Du hast meine Schwester, meine Cousine, meine Freundin glücklich gemacht und ich möchte auch unbedingt... Oder wir hatten letztes Jahr halt unseren Ausverkauf gehabt, da haben viele Damen natürlich ihre Kleider bei mir eingekauft und wollten jetzt im Nachgang noch die ganzen Änderungen von mir gemacht haben, wo ich auch versprochen habe, dass ich sie son bisschen noch mit begleiten werde.
Shane:Also ein bisschen Arbeit ist noch da, aber mein Alltag ist so, ich steh ganz normal morgens auf, ich weck meine Kinder, ich bring meine Kinder zur Schule und dann komm ich erst mal so ein bisschen zur Ruhe, entweder les ich was oder ich schau mir irgendwie ein paar Videos an, einfach so wirklich mental den Tag positiv zu starten. Und ja und dann kommen die Kinder schon mittags von der Schule, dann wird gegessen, Hausaufgaben und ja so ein bisschen die Hobbys wird nachgegangen. Also ich bin Mutter, Ehefrau, aber ich hab noch Zeit für mich und das ist halt ganz wichtig.
Raid:Also wenn ich mal - ich bin Unternehmer und da frage ich immer sozusagen: wie finanziert man so was? - Bist Du jetzt Ehefrau, das heißt, ihr habt Du also Entschuldigung für die Frage, du musst auch nicht antworten. Es geht um den schnöden Mammon. Leistest Du dir das? Verdienst Du mit dem, was Du machst, Geld? Ist ja eine bewusste Entscheidung gewesen.
Shane:Ganz genau . Also mein Mann ist ja Gott sei Dank berufstätig, er hat seinen Job und er ist auch nebenbei hat er sich schon was aufgebaut. Natürlich hat man ja irgendwo auch finanziell sich so ein bisschen abgesichert, aber ich hab eins gemerkt. ich hab vor Jahren ein Buch gelesen gehabt und dieses Buch hat mich dann mit der Zeit so geprägt, dass ich gesagt hab: Hey, ich bin Christin und eigentlich als Christ verlässt Du dich ja voll und ganz auf Gott oder man sollte sich auch wirklich voll und ganz auf Gott verlassen. Ich vergleich's immer so, ich bin Mutter und ich versuche ja auch alles meinen Kindern zu ermöglichen. Ich versuche, dass meine Kinder nicht hinfallen, dass sie nicht in falsche Wege geraten und und und und und.
Shane:Und ich sorge auch für meine Kinder, dass es denen immer gut geht, dass sie zu essen und zu trinken haben. Wie viel mehr macht eigentlich Gott für uns? Und wir vergessen sehr oft, wir sehen ihn nicht, viele spüren ihn, aber nehmen das Ganze nicht wirklich wahr, weil sie so gefangen sind in dieser Welt, also in dieser materiellen Welt. Und in diesem Buch ging's darum einfach, sich wirklich mal wirklich mal voll und ganz Gott zu widmen. Und ich hab letztes Jahr hab ich auf dem Weg zur Arbeit, es gab viele viele Punkte, wo mich einfach in dieser ganzen Zeit sehr, wie soll ich sagen, beschäftigt haben, wo ich immer gesagt hab soll ich soll ich nicht.
Shane:Und ich bin ein Mensch, ich höre mittlerweile so ein bisschen auf meine innere Stimme. Und auf dem Weg nach Stuttgart zur Arbeit hab ich so ein Video laufen lassen und dann schau ich kurz so rauf in den Himmel und sag jetzt wirst Du mir aber die Antwort sagen. Soll ich weitermachen oder nicht? Und ob Du mir glaubst oder nicht, also ich kann's nur für mich bezeugen. Ich hab nur ganz kurz meine Augen geschlossen.
Shane:Ich hab in mir einfach eine Stimme gehört: "Komm zur Ruhe", Dann hab ich gesagt, okay, aber dann wirst Du meine Rechnungen bezahlen. Egal was ist, wirst Du das machen. Und nur ganz kurz als so kleine Geschichte, das Ganze vielleicht zu verstehen, warum das alles so ist. Wir waren letztes Jahr im Sommerurlaub und meine Kinder, denen waren langweilig und da hab ich gesagt, so Mama hört am Ende des Jahres auf zu arbeiten.
Shane:Und das Auto gebe ich dann auch noch ab, also werdet ihr zur Schule dann jeden Tag laufen. Gesagt, getan. Am 1.1.2026 , Motorleuchte Motorschaden. Und ich so, okay, ich hab's nicht so ernst gemeint, aber ja, dreieinhalbtausend Euro Schaden. Und ich hab mir dann gedacht, okay, klar hast Du irgendwo deine Ersparnis, aber Du möchtest nicht an die Ersparnis ran.
Shane:Ich hab die Rechnung genommen, hab sie zur Seite gelegt und hab gesagt, Du musst sie bezahlen. Und dann hab ich so paar Tage später eine sehr gute Freundin von mir, die nach 20 Jahren jetzt heiraten wollte- kirchlich. Davor waren sie standesamtlich verheiratet und die haben einfach nie so... Also die wollten doch den Segen einfach haben nach 20 Jahren. Die haben schon mittelalterliche Kinder sag ich jetzt mal, hat mich angerufen und hat gesagt Du würdest Du mir noch mein Brautkleid schneiden und dann hab ich gesagt ja okay, wann ist die Hochzeit?
Shane:Ja 14.02. Okay, sportlich, aber wir kriegen's hin. Da noch ein bisschen was verkauft, hier noch ein bisschen was gemacht und dreieinhalbtausend Euro war die Rechnung und der Endbetrag, was ich von diesen ganzen Sachen bekommen habe, waren 3600 Euro. Und ich hab dann gesagt, okay, ich muss mich wirklich auf ihn verlassen, weil er wird sich dann schon mich kümmern, also komm ich jetzt zur Ruhe und ich möchte auch zur Ruhe kommen, denn ich bin ein Mensch, ich bin Mutter und als Mutter brauchen mich meine Kinder.
Raid:Ich mein, ich hab ja ein Podcast, der explizit politisch ist. Und als Du das so nonchalant dahin gesagt hast, ich bin jetzt Mutter,
Shane:Ja.
Raid:Da gibt's viele Frauen so, die sich Feministinnen verstehen. Die würden es da total ablehnen zu sagen, ja, also ich ich hab auch mein eigenes Leben. Was sagst Du denen?
Shane:Feminismus immer ist immer so ein bisschen zu weit herausgeholt. Also ich sag immer Frauen, die vergessen haben, Frau zu sein, sind in meinen Augen Mannsfrauen. Also es gibt natürlich es gibt natürlich wirklich Situationen, zum Beispiel alleinerziehende Frauen, die müssen arbeiten gehen. Die müssen sich natürlich ihr Haushalt kümmern, ihre Kinder kümmern, ihre finanziellen Mitteln da irgendwie zu kriegen. Das ist ja auch alles selbstverständlich und das ist ja auch normal.
Shane:Aber ich meine jetzt die Art von Frau, die sich abhebt und sagt, ich kann alles, ich mach alles, ich brauch keinen Mann und ich bin schon Frau genug. Das ist für mich so, sie übernimmt die Rolle auch eines Mannes und hat einfach eigentlich ihre wahren Werte vergessen. Und die wahren Werte einer Frau sind eigentlich so wundervoll, wenn jeder, auch der Mann, wenn der Mann seine Aufgabe wissen würde und auch das wirklich annehmen würde, dann würde es diese ganzen auch gar nicht geben. Also eine Frau ist jetzt nicht unterdrückt, dass sie sagt, ich bin eine Frau, ich muss jetzt eine Hausfrau sein, ich muss hinter der Küche stehen. Nein, also eine Frau ist für mich was Wundervolles, ganz Besonderes, weil warum hat mich Gott erschaffen?
Shane:Er hat mich als Wegbegleiter für meinen Mann erschaffen, aber nicht als Dienerin oder nicht als Knecht oder nicht als ja, also als Frau, die Hausfrau, die nur daheim für die Kinder und für den Haushalt da ist. Nein, eine Frau trägt auch natürlich das Kind, sie gebärt die Kinder. Warum heißt es Mutter und nicht Vatersprache? Warum heißt es Mutter Natur und nicht Vaternatur? Weil einfach die Frau etwas ganz ganz Besonderes und ist und das ist auch das, was ich eigentlich jetzt so durch durch diese ganze Erneuerung von mir so auch den Frauen bissel vermitteln möchte, dass sie sich wertschätzen sollen, dass sie auch son bisschen diese Selbstliebe einfach für sich entdecken sollen und nicht nur als Person zweiter Wahl zu sehen.
Raid:Vielen Dank. Wir haben uns ja im Tur Abin kennengelernt. Für die Zuschauer: Scharbil ist mein aramäischer Taufname.
Shane:Genau.
Raid:Ich verwende im Deutschen nur Raid, weil ich festgestellt habe, wenn ich Scharbil sage, ist das noch komplizierter als Raid. Also bin ich bei Raid geblieben. Ja. Und Du hast denn ein Du und deine Familie habt den ganz besonderen Bezug auch zu diesem Heimatdorf deiner Eltern.
Raid:Was ist das für dich jetzt auch, nachdem Du selber zur Ruhe kommst? Du hast da auch gesagt, Du willst auch zu dir selbst finden.
Raid:Wo ist für dich deine Heimat?
Shane:Meine Heimat ist eigentlich Deutschland. Also ich bin hier geboren aufgewachsen natürlich. Ich hab mit der Heimat nie irgendwas zu tun gehabt als eben Tur Abdin. Es waren eigentlich die Geschichtenerzählungen meiner Urgroßeltern. Ich hatte das große Glück und den Segen, dass ich meine Urgroßeltern auch kennenlernen durfte.
Shane:Drei meiner Uromas waren noch bis bis ich geheiratet habe eigentlich am Leben. Und ich hab früher gab's kein Netflix, keine Handys. Man saß einfach da und man hat den älteren Leuten zugehört. Und diese Geschichten haben mich dann mit der Zeit so geprägt, ich trag auch den Namen meiner Uroma, also von meinem Vater die Oma. Sie ist, bevor ich auf die Welt gekommen bin, verstorben und deswegen trag ich und hab das große Glück und den Segen, dass ich ihren ehrwürdigen Namen tragen darf.
Shane:Das war für mich eine, also nach den Geschichtenerzählungen eine sehr sehr besondere Frau. Wie gesagt: Deutschland natürlich als Heimat, aber und jetzt kommt das große Aber. Nachdem ich 2006 das erste Mal dann im Tur Abdin war, weil ich einfach sehr interessiert war. Also ich wollte den Ursprung meiner Vorfahren einfach sehen. Ich hab zu meinem Vater gesagt, ich arbeite am Flughafen, ich nehme mir 2 Wochen Zeit, ich buch dir dein Ticket und Du gehst mit als Reiseführer.
Shane:Und zwei meiner Schwestern, ich muss sagen, bin die älteste von 7 Kindern, also wir sind 5 Schwestern, 2 Jungs. Und zwei meiner Schwestern, die wollten dann auch unbedingt mit und wir sind eine Woche hin. Und es war für mich, obwohl ich nichts mit der Heimat zu tun hatte, wirklich absolut nichts, aber so wie wir in unser Dorf reingefahren sind und ich merkte so ein bisschen, dass mein Vater sehr ruhig wurde, sehr emotional und ich hab dann nur gefragt, Papa, ist alles in Ordnung? Und er meinte dann nur ja jedes Mal, wenn ich hierher komme werde ich sehr sehr emotional, weil ich natürlich so ein bisschen an die Vergangenheit denke und okay, ich hab mir dann nichts dabei gedacht und wir kommen immer näher und näher in unser Dorf rein und ich dir nicht sagen, was passiert ist, aber es überkam mich und ich hab nur noch geweint. Ich hab nur noch geweint, ich wusste nicht warum. Wir saßen dann auf der auf dem Dach von Mor Dimet (Anm.: die Dorfkirche von Arbo), wo wir jetzt am Pfingsten gemeinsam Gottesdienst hatten.
Shane:Das war ja noch damals gar nichts. Also es wurde ja wieder quasi neu aufgebaut alles. Und wir saßen oben aufm Dach und diese ganzen Geschichten von meinen Urgroßeltern, hab meine Augen geschlossen und wie son Film ging alles an mir vorbei und da hab ich richtig gespürt, was eigentlich Heimat wirklich bedeutet und das sind meine Wurzeln. Ob ich es annehme oder nicht, ich spüre es und seitdem hab ich mich so geerdet in meiner wirklichen Heimat: Tur Abdin. Also Deutschland ist die Heimat, in der ich geboren bin, aber Tur Abdin ist einfach meine Seele.
Shane:Tur Abdin ist meine Seele und das, was mich auch ausmacht und deswegen fühle ich mich zu Tur Abdin noch näher herangezogen wie jetzt in Deutschland, obwohl ich hier bin, ja.
Raid:Ich bin jetzt mal böse. Also wenn ich jetzt ein AfD Politiker wäre,
Raid:dann würde ich sagen, wenn es deine Heimat ist, dann kannst Du doch da hingehen.
Shane:Ja und ich würde dem AfD Politiker sagen, gut, ich habe hier seit meinem 14. Lebensjahr auch meine Steuern bezahlt. Ich habe gearbeitet, wie jeder andere auch. Ich hab Migrationshintergrund, ich habe keinen Fehler gemacht, aber warum nicht als Zweitheimat?
Raid:Das ist aber das rationale Argument. Aber Du hast vorher gesagt, als ich dich nach der Heimat gefragt hab, hast Du gesagt Ja. Wie aus der Pistole geschossen
Shane:Ja, in Deutschland, weil ich hier geboren aufgewachsen bin, aber das Innere, das ist, man kann es gar nicht beschreiben oder man kann auch nicht sagen, das ist jetzt Heimat und das nicht. Also das, was ich fühle, mein Herz ist dort und das, was ich eigentlich bin, ist hier. Also ja. Verstehst du?
Raid:Ja, ich frag deshalb so genau nach, weil ich ja meine eigene Hypothese und ich hab die auch entwickelt aus Erfahrung, aber auch von dem, wie ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Es gibt verschiedene Ebenen von Heimat und von Identität. Und die Antwort darauf ist, das sind verschiedene Ebenen.
Raid:Also die weil Identität und auch Heimat manchmal kontextbezogen ist. Also wenn wenn wir beide uns begegnen als Aramäer oder Assyrer oder syrisch orthodoxe Christen wir uns fragen würden, woher kommst Du?
Raid:Ja, dann wäre die Frage immer, aus welchem Ort hier in Deutschland. Und woher kommen deine Vorfahren?
Shane:Ganz genau.
Raid:Wenn wir aber in Schweden wären, ja, Und die uns fragen würden, woher kommt ihr, dann würden wir beide sagen: "Aus Deutschland."
Raid:Ja. Und oder wenn ein Bayer nach Schleswig Holstein geht und da dort gefragt wird, woher kommst Du? Sagt er auch nicht, ich bin Deutscher, sondern er sagt, ich bin Bayer. Das sind verschiedene Ebenen. Ich glaube, diese verschiedenen Ebenen, die zusammenzubringen. Ich persönlich finde es als eine Bereicherung. Es ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen zum Beispiel, die zweisprachig aufwachsen, es viel leichter haben, eine dritte oder eine vierte
Raid:Sprache zu lernen und es auch positiv sich auswirkt. Aber ich hab deswegen genau nachgefragt, weil ich weiß, dies ist kein Widerspruch. Es zerreißt einen manchmal, aber das lebt in einem.
Shane:Es ist auch schwierig für uns Südländer in Deutschland, wenn wir auch in der Türkei sind oder im Tur Abdin . Also ich merk das sehr oft auch im Freundeskreis. Türkische Freunde, die jetzt in die Türkei fliegen, in ihre Heimat fliegen, dann heißt es dort, ihr seid aus Deutschland und ihr seid Ausländer hier. Also wir mögen keine Deutschtürken. So und dann kommen
Raid:Ich glaub Almaniler heißt es.
Shane:Ja, das heißt übersetzt, wir lieben die türkischen Deutschen nicht, ja. Und dann ein Kumpel von meinem Bruder hat damals gesagt: "Ja Bruder, Du gehst in die Türkei, es heißt, die Türken mögen wir nicht, dann kommst Du nach Deutschland zurück und dann heißt es Ausländer raus. Also wo bin ich jetzt eigentlich hier? Wo ist meine Heimat?" Also es ist tatsächlich für uns schwierig auch, wir sind integriert, wir sind Deutsche.
Shane:Keine Frage, weil wir auch das ganze System hier schon von Geburt an einfach erlernt haben und gelernt haben.
Raid:Kehrwoche?
Shane:Kehrwoche, genau. Auch Doppelgarage. Alles- auch Nachbarsstreitigkeiten hier, alles abgestimmt, Bürokratie, weiß ja und System, Uhrzeit, hier alles auf die Uhr. Übrigens ich trag keine Uhr mehr, seitdem ich aus dem Tur Abdin zurück bin, weil ich einfach so ein bisschen diese Zeitding abschalten möchte. Es ist schwierig, weil auch wenn in Tur Abdin sind.
Shane:Ich mein jetzt, wo wir gemeinsam im Tur Abdin waren, haben wir auch über das Thema gesprochen. Es sind so viele Sachen, wo man auch dort verändern kann, weil die Menschen von ihrer Mentalität her dort auch wiederum anders sind. Also es sind, es ist unser Volk, es sind unsere Wurzeln, aber die haben auch wiederum ein ganz anderes System erlernt. Und als Deutsch-Aramäer oder Aramäischer Deutscher oder aramäischer Schwarbe, sag ich jetzt mal, geh ich dahin und dann denkst Du dir, allein Häuserbau, also die Du schaust dir alles an und denkst dir, Elektrik, hier das, was ist das? Ja.
Raid:Das ist ein noch mal ein wichtiger Aspekt. Wir waren 2008, ich bin in Syrien geboren.
Raid:Und wir sind 2008 mit der ganzen Familie, Entschuldigung 2009. 2008 haben wir geheiratet, 2009 waren wir mit der ganzen Familie und meiner Frau dort und dann waren wir am Heimatort meiner Eltern. Ich sag bewusst Heimatort meiner Eltern. Meinem Geburtsort.
Raid:Da saßen wir an einem Abend zusammen, also meine Geschwister und meine Frau und meine Eltern haben irgendwelche bekannten Verwandten besucht. Und dann saßen wir so da und gesagt, also irgendwie ja, aber so können wir uns vorstellen, hier zu leben? Nein. Es ist, ist also ich weiß nicht, ob man das noch mit dem Begriff Heimat... Also wir wir haben das Gefühl gehabt, wir passen da gar nicht mehr hin.
Raid:Also wir sind so integriert, Mhm. Ohne diesen also diesen Hintergrund oder diese Herkunft abstreifen zu können, geht ja auch gar nicht.
Raid:Also Raid Gharib wird immer Raid Gharib heißen, Shane Ayman wird immer, also man wird schon am Namen und auch am Äußeren erkennen. Aber dieses Thema neue Heimat, das ist für uns abgehakt damit eigentlich gewesen. Und jetzt zum Tur Abdin ironischerweise erkennt man vieles von dem im Positiven. Weil und jetzt kommt's, dass da wollte ich dich jetzt noch als nächstes drauf ansprechen. Es gibt einen Grund, warum deine Eltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, geflohen sind und warum meine Eltern aus Syrien nach Deutschland geflohen sind.
Raid:Es gab 1915 und den Jahren darauf den Völkermord, dann in den Sechziger im Rahmen der Zypernkrise gesellschaftlicher Druck, ab den Achtzigerjahren dann das Problem mit der PKK, Anfang der Neunziger, die Morde an christlichen Notabeln im Tur Abdin , die Christen dort wegzudrängen. Und was mir aufgefallen ist und was wir beide festgestellt haben im Tur Abdin, ob jetzt Midyat oder Mardin ist das aramäische oder das assyrische Erbe ist einfach mit was ganz Positives. Also was man früher haben sich unsere Vorfahren darüber beschwert, dass sie diskriminiert wurden, ob im Militärdienst oder im Alltag sozusagen als Ungläubige.
Raid:Und jetzt auf einmal wird überall aramäischer Wein angeboten. Aramäische Süßwaren, über die man sich streiten kann, über deren Qualität, ja. Aber ist auf einmal etwas Positives.
Raid:Weil das Christliche, das aramäische Erbe auf einmal als etwas positiv gelabelt wird.
Raid:Wie hast Du das wahrgenommen?
Shane:Ja, auf jeden Fall. Also 2006, als ich das 1. Mal da war, war's noch nicht so so extrem verbreitet. Aber ich denke auch, dass natürlich durch diese ganzen türkischen Serien und Filme, die jetzt dort gedreht werden in verschiedenen Dörfern, dass halt natürlich durch das Fernsehen auch viel publik gemacht wird. Also ich hab selbst, wo ich vor 15 Jahren angefangen habe, haben mich teilweise türkische Kunden, die haben gedacht, ich bin Türkin und ich hab halt Türkisch hier in Deutschland gelernt.
Shane:Wenn sie das Kreuz an meinem Hals gesehen haben, ja was bist Du? Wenn ich gesagt habe, ich bin Aramäerin, also "Süryani", wie was ist das? Also selbst Türken wussten nicht, dass es Christen in der Türkei gibt oder dass das aramäische Volk, das assyrische Volk aus Mardin, Midyat, aus Mesopotamien, also geschichtlich Null, wirklich, da hast Du dich so... Du musstest dich noch mal erklären und Du musstest deine Vorgeschichte und alles noch mal erzählen und dann haben sie erst mal so, okay, alles klar, da ist dann noch mal irgendwas und haben sich so ein bisschen alles recherchiert und jetzt mit den Jahren... Also für mich, ich verbinde das natürlich alles immer so ein bisschen mit dem Glauben.
Shane:40 Jahre lang war unsere Heimat komplett leer seit den Achtzigerjahren. Also seit den Achtzigerjahren, wo es wirklich diese extremen Reibereien gab zwischen Kurden und Türken und wir natürlich mittendrin, sind viele aus Angst geflohen, ist ja klar. 40 Jahre lang war Mose in der Wüste, 40 Tage war Jesus in der in der Wüste und Mose natürlich auch in der Wüste, aber bis er ins verheißene Land gekommen ist. Und nach 40 Jahren, nach 40 Jahren darf unser Volk wieder in die Heimat und dank Ecevit (Anm. der ehem. türkische Ministerpräsident), also Ecevits Zeit wars ja dann damals so, dass er ja auch gesagt hat, die Aramäer und Assyrer sollen wieder zurück, sie dürfen wieder halt ihre Grundstücke und so weiter bebauen, haben sich die Ersten wieder getraut, da den ersten Schritt zu machen. Und als mein Vater mich gefragt hat: XKind meinst Du, ich hab das richtig gemacht", hab ich gesagt: "Ja natürlich!"
Shane:Nach 40 Jahren hast Du den ersten Samen gesetzt und Du wirst sehen, es wird die nächsten Jahre dann so fruchten, weil es ist unseres. Wir mussten fliehen. Also es ist ja nicht so gewesen, dass wir gesagt haben, wir gehen einfach. Klar, jetzt mein Großvater ist in den sechziger Jahren als Gastarbeiter hergekommen, vielleicht für die Arbeit, aber die Jahre danach mussten die Menschen fliehen. In anderen Kriegsgebieten, wie es heute auch hunderte Jahre später ist fliehen ja die Menschen genauso aus ihren Heimatdörfern und die müssen ie für ihr Leben, für das Leben ihrer Kinder und es ist einfach an der Zeit, dass wir dass wir wieder zurückkehren.
Shane:Das ist unseres, es ist einfach unseres. Wir können's nicht abstreiten.
Raid:Wenn Du sagst, es ist Zeit, wir wieder zurückkehren, wirst Du irgendwann mal auswandern oder zurückwandern oder siehst Du dich und deine Familie hier in Deutschland?
Shane:Also mein Vater hatte ja schon seine Vision, als ich klein war. Er hat ja damals schon ausgesprochen gehabt, das ist jetzt bestimmt schon über 35 Jahre her, dass unsere Dörfer wieder aufgebaut werden und alle haben ihn ausgelacht. Die haben so, oh, wie kannst Du nur wieder zurück in diese Steinhäuser und wie kannst Du nur dein ganzes Geld da investieren? Und jetzt sieht man ja, wie alles gefruchtet hat und meine... Also für mich hab ich vor 3 Jahren wirklich innerlich einfach das Verlangen danach gehabt und irgendwo ist in meinem Herzen etwas passiert, dass ich gesagt hab, meine Zukunft ist Tur Abdin.
Shane:Ja, aber wann welche Zukunft, nahe Zukunft, entfernt die Zukunft, dass da bin ich... Möchte nicht mehr, wie soll ich dir sagen, Raid, ich möchte nicht mehr, dass man so sich verkrampft in eine Sache und sagt, ich plane, tack, tack, tack, tack! ich plane nicht mehr. Also ich warte auf den Moment. Es ist auch nicht so, dass ich jetzt nur dasitze und warte und sag okay, der Moment wird schon kommen, aber man arbeitet sich langsam drauf hin.
Raid:Das ist jetzt eine ganz unpolitische Frage, aber irgendwie doch politisch. Aber fühlst Du dich nicht deswegen auch privilegiert, dass Du diese Option hast?
Shane:Ja doch, auf jeden Fall. Also wenn ich die Möglichkeit doch habe zu entscheiden... Ich bin hier geboren, aufgewachsen, es ist trotzdem für mich, wenn es in der Heimat nicht funktionieren würde, hab ich immer noch einen Plan B, wie man so schön sagt und dass ich sag, ich kann wieder zurück. Ja und das ist das Schöne einfach, dass ich zwischen zwei Heimatländern auch natürlich entscheiden kann. Ich kann meine Vorfahren oder das, was ich bin, kann ich nicht abstreiten.
Shane:Wenn man mich anschaut, ich bin Südländerin, ich bin keine Deutsche in dem Fall, aber ja.
Raid:Hast Du auch die türkische Staatsangehörigkeit noch?
Shane:Ich bin deutsch, also wir haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Man kann ja diese Mavicard dann machen.
Raid:Wie eine Greencard.
Shane:Ähnlich wie eine Greencard, dass man dann quasi in der Heimat, wenn man sich was aufbauen möchte, dass man immer noch die Rechte hat. Weil natürlich bist Du ja, also Du bist ja trotzdem dort auch eingetragen. Also auch wenn Du hier geboren aufgewachsen bist, deine Eltern sind ja drüben geboren aufgewachsen und ich glaub im Grundbuch stehen immer noch die Namen drin. Ja. Genau.
Raid:Und jetzt machst Du... seit wann machst Du Podcasts, also so wie das, was wir heute machen, machst Du auch. Du hast aber einen interessanten Ansatz. Ja. So, nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Gruppen oder Du hast vorhin noch mal angetönt,
Shane:also ich hab angefangen seit dem ersten 1.1., seitdem ich wirklich meine Arbeit abgelegt habe und das auch wirklich schon Jahre bevor mir immer und immer wieder ja vorgesagt wurde mach mach mach mach, hab ich gesagt okay, Isi ist ein Videograf von mir. Wir starten einfach. Wir starten einfach und der 1. Startschuss war eine Niete. Es hat irgendwie gar nicht funktioniert, weil ich mich so gar nicht irgendwie drauf vorbereitet hatte, so ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt.
Shane:Ich konnte mit Podcasten hier irgendwas anfangen und dann beim zweiten Anlauf haben wir dann die Kurzvideos gemacht, einfach nur wirklich so kurze Trailer, so was will ich in Zukunft alles ansprechen? Werte, Familie, Kinder, Selbstverwirklichung und so weiter und ich hab das Interessante ist vor 5 Jahren, also so zur Coronazeit hat mich eine junge Aramäerin interviewt gehabt übers Telefon. Sie hat für ihr Studium hat sie ein Interview gebracht von' Selbstständigen und hat natürlich mehrere so ein bisschen interviewt gehabt und sie hat mich damals am Telefon gefragt, ist Samaras Brautmoden, so hieß mein Laden, in 5 Jahren oder in 10 Jahren noch präsent? Wirklich wie aus der Pistole geschossen. Nein, ich seh mich ganz woanders.
Shane:Ja, wo siehst Du dich? Ich hab gesagt, eigentlich kann ich mich so richtig mit Oprah Winfrey identifizieren. So eine Talkshow.
Raid:Das ist eine sehr zumindest ein sehr hoher Anspruch
Shane:. Ja, aber so eine Talkshow, so wie wir's jetzt grad machen, das ist auch schon eine Talkshow. Heute ist es so ein bisschen modernisiert alles durch natürlich Social Media. Früher gab's kein Social Media, deswegen hat man die ganzen Talkshows halt über die Fernsehsendungen gemacht und also ich hab wirklich gesagt, irgendwann sehe ich mich so richtig auf der Bühne so eine Art Mentor und ich möchte auch gerne nicht nur einzelne Personen interviewen, ich würde gern wirklich so eine Talkrunde machen, verschiedene Menschen nicht zu interviewen, sondern dass wir einfach eine schöne Runde haben, uns auszutauschen. Jeder Mensch hat so seinen Charakter, jeder hat natürlich seine Meinung und es ist interessant, wenn vor allem Frauen, also ich möchte ja, weil ich ja selber eine Frau bin, möchte ich in erster Linie also grad diese Selbstliebe, Selbstverwirklichung bei den Frauen erst mal anfangen und ja und dann schauen wir mal, was daraus passiert.
Raid:Weil Du sagst Werte und Familie. Was sind denn die Werte, die in unserer Gesellschaft fehlen? Wir reden derzeit viel über Leistung. Die deutsche Nationalmannschaft ist sehr früh aus der WM ausgeschieden. Da kam auch dieses Thema Leistung und Anspruch.
Raid:Was sind die Themen, wo Du sagst, da ist was im Argen hier in Deutschland?
Shane:Also wenn ich jetzt das Thema Familie und Ehe nehme, ich hab immer einen Satz meinen Bräuten mitgegeben, ob's jetzt deutsche Bräute oder südländische Bräute waren. Für mich war immer eins wichtig: Respekt, Liebe und Geduld. Diese 3 Worte. Im türkischen, im Aramäischen oder einfach, ja. Es ist...
Shane:Diese 3 Wörter sind nicht nur jetzt für die Ehe oder für die Familie. Ich find allgemein für für das ganze Leben, wenn man sich immer wieder diese 3 Wörter vor den Augen hält, wenn Du Respekt vor einer Person hast, egal aus welchem Land sie kommt, egal von welcher Religion, welcher Art von Mensch, wenn Du respektvoll zu diesem Menschen bist, ob klein oder groß, spielt auch keine Rolle, dann bist Du schon mal Mensch, Mensch. Also Du siehst nur den Menschen, Du siehst nicht die Herkunft, Du siehst den Menschen. Geduld, wie oft wie oft ist es so, dass wir nicht geduldig sind, wir wollen etwas erreichen oder wir wollen etwas machen und es muss jetzt passieren, aber es funktioniert nicht, es passiert nicht. Und weil er das vielleicht nicht möchte oder weil es einfach nicht der richtige Zeitpunkt ist.
Shane:Geduld ist eine Tugend. Das ist schon mal sehr sehr wichtig. Liebe, also wir vergessen erst mal, uns natürlich zu lieben. Es heißt ja nicht umsonst liebe deinen Nächsten wie dich selber. Er hat nicht gesagt, liebe nur deine Nächsten, opfer dich nur für die Menschen, sondern liebe deinen Nächsten wie dich selber.
Shane:Wie viele Menschen sind da draußen, die sich gar nicht lieben? Die sich ständig kritisieren. Vielleicht weil der Druck von draußen kommt. Das kann natürlich sein oder vielleicht wurde es dir von klein auf immer eingetrichtert, Du bist nichts. Wenn wir anfangen im Spiegel uns anzuschauen und zu sagen: "Hey, Du bist so gut, man."
Shane:Warum hat dich Gott erschaffen? Warum Raid hat dich genau dich Gott erschaffen? Hast Du dir mal diese Frage gestellt? Warum? Warum bist Du hier?
Raid:Hat ein schlechten Tag gehabt bei ihr.
Shane:Aus einem bestimmten Grund. Er hat natürlich etwas vor mit jedem von uns. Wir sind alles Puzzleteile für den anderen. Wir ergänzen uns gegenseitig und es ist einfach, wenn Du in jedem positiven Buch dir etwas herausholen möchtest, steht in jedem positiven Buch: Hast Du die Liebe nicht, hast Du gar nichts. Die Liebe steht über alles.
Shane:Es ist aber eine andere Art von Liebe. Es ist einfach hier drin, also die Selbstverwirklichung, mich wertzuschätzen, dann schätze ich mein Gegenüber noch viel viel mehr. Wenn ich mich nicht selber wertschätze, wie soll ich das weitergeben? Und das möchte ich einfach die diese Werte... Ich würde mir wünschen, wenn jeder nur einen Bruchteil von dem Ganzen wirklich an sich nehmen würde, es würde keine Streitigkeiten geben, es würde auch weniger Krieg geben.
Shane:Krieg ist nur Macht. Krieg ist nur Macht unter Menschen, die sich einfach, ja, ich will gar nicht in das Thema so richtig reingehen, aber für mich ist einfach Neid Neid ist für mich ein ganz großer Faktor oder Konkurrenz. Für mich gibt's das Wort Konkurrenz eigentlich gar nicht in meinem Wortschatz. Warum? Weil jeder hat seine Geschäftsphilosophie und jeder hat auch hat auch seine Persönlichkeit.
Shane:Du verkaufst heute etwas, ich verkaufe heute vielleicht das Gleiche, aber vielleicht kommen die Kunden zu dir, weil sie dich einfach mehr annehmen, weil sie sich zu dir mehr hinzugezogen fühlen von der Art her, von der Aura her und bei mir genauso. Also warum sind wir dann Konkurrenten? Wir sind keine Konkurrenten. Jeder hat doch irgendwo ein Stück von seinem Kuchen abbekommen. Aber die Gesellschaft und das ist das, die Gesellschaft hat dieses Wort herausgeholt und Du bist jetzt Konkurrent und dann ist Neid mit natürlich dazu und dann kommt eins nach dem anderen.
Raid:Also der Unternehmer in mir hätte jetzt viele Fragen und viele Kommentare zum Thema Konkurrenz. Ja. Aber ich find also der die Frage war ja nach dem nach der gesellschaftlichen Diskussion. Ich glaub schon, dass wir das Thema Neid, also Liebe auf einer individuellen Ebene, aber ich glaub, Neid ist ein ganz großes Problem bei uns in Deutschland. Also wir gönnen's niemandem, der erfolgreich ist.
Raid:Wenn er erfolgreich war, dann vermuten wir irgendwie, der hat geschummelt oder er hat seine Mitarbeiter ausgebeutet oder oder oder. Oder warum warum hat er geerbt? Ja, Entschuldigung, aber das Erbe hat auch jemand erarbeitet. Ja, natürlich hat er selber individuell nichts dafür getan, aber er hat es als Wert mitbekommen. Manche bekommen's so, manche bekommen ganz wenig oder gar nicht mit.
Raid:Aber ich glaub, dass Neid schon auf der auf der gesellschaftlichen Ebene ein ganz, ganz großes Problem ist. Wir könnten viele Themen streifen. Ich werde auf jeden Fall in deinem Podcast mal reinschauen und ab und zu mal vielleicht ein paar Themen mal rausnehmen. Ja. Oder wir sehen uns noch mal hier und reden vertieft noch mal über das Thema.
Raid:Mich wird's extrem reizen. Find, Du bist auf dem Weg auf' ganz spannenden Reise und ich hoffe, dass einige Stationen noch mal hier vorbeiführen.
Shane:Wer weiß. Vielen lieben Dank. Danke dir.