In Goldrausch sprechen wir mit Menschen aus Spitzensport, Business und dem echten Leben über das, was hinter Leistung wirklich passiert: Fokus, Zweifel, Rückschläge – und die Frage, was Erfolg jenseits von Medaillen, Titeln und Zahlen bedeutet.
Wir glauben an hohe Ansprüche, ehrliche Gespräche und daran, dass man leistungsfähig sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Goldrausch ist kein Motivationstheater, sondern ein Raum für Klarheit, Tiefe und neue Perspektiven.
Für alle, die etwas erreichen wollen – und dabei ein andersglücklichleben suchen.
Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine individuelle Beratung.
Willkommen bei GOLDRAUSCH - Anders glücklich leben. Der Podcast von Katharina Naumann und Sebastian Hess über die Balance zwischen Leistung, Leben und Leidenschaft.
Sebastian:Herzlich willkommen zu 1 neuen Folge von GOLDRAUSCH. Heute freu ich mich auf einen Gast, dessen Lebensweg mich schon bei der Vorbereitung unglaublich neugierig gemacht hat. Er ist Diplombetriebswirt, hat sein duales Studium bei Bosch Siemens absolviert, später Theologie studiert, war Pastor, Geschäftsführer, Unternehmer und begleitet heute Führungskräfte, Menschen in herausfordernden Lebenssituationen als Coach. Viele kennen ihn als Resilienz Guide. Mich interessiert heute aber vor allem der Mensch hinter diesen Begriffen.
Sebastian:Wie wird aus einem Betriebswirt eigentlich ein Pastor? Wie prägen Glaube, Verantwortung und Krisen einen Menschen? Und warum suchen heute so viele erfolgreiche Unternehmer auch nach Orientierung? Was trägt eigentlich, wenn Erfolg einmal keine Antwort mehr gibt? Ich freue mich sehr auf dieses Gespräch heute Morgen.
Sebastian:Herzlich willkommen bei Goldrausch, Stefan Schmid.
Stefan:Vielen Dank.
Sebastian:Ich hoff, es war alles in Ordnung. Wir haben grad schon son bisschen im Vorfeld gesprochen. Ich hoff, es waren ein paar Sachen dabei aus deinem Lebensweg.
Stefan:Absolut. Ich hab mich fast zu 100 Prozent wiedergefunden. Wir bilden Resilienzguides aus, aber so landläufig bin ich als der Resilienzcoach bekannt. Also nicht als Guide, aber als Coach. Genau, das war das Einzige, was mir auffiel.
Stefan:Ja, spannend, dir da zuzuhören, was meine Biografie zeichnet.
Sebastian:Ich hab mal als Einstieg vielleicht eine Frage, die wir sonst als Einstieg nicht nehmen, aber unabhängig von allen diesen Rollen und Berufsbezeichnungen, wer ist eigentlich Stefan Schmid?
Stefan:Wow, ein 1 Mensch, der ständig neue Herausforderungen braucht, der die Abwechslung liebt Und vielleicht auch deshalb so verschiedene Stationen, berufliche Stationen im Leben, verschiedene Ausbildungsgänge. Und ich liebe es einfach, immer wieder Neues kennenzulernen. Und auch nicht nur Neues, also Aufgaben, Herausforderungen, sondern vor allen Dingen Menschen.
Sebastian:Ich hab auf deiner oder auf eurer Homepage einen Satz gelesen, lass nicht zu, dass dir das Wesentliche entgeht. Wann hast Du in deinem Leben oder gab's ein Punkt in deinem Leben, wo genau dir das passiert ist? Dass dir das Wesentliche entgangen ist? Oder wie seid ihr zu diesem Satz gekommen? Ich bin drüber gestolpert.
Sebastian:Es steht auf der Homepage relativ prägnant. Also Ja. Man kann's eigentlich nicht übersehen.
Stefan:Das ist eine ganz spannende Geschichte. Wir waren grade als Familie mal wieder umgezogen, haben viele Umzüge auch erlebt, also neue Orte, neue Menschen, neue berufliche Herausforderungen. Er war nach Kassel aufgebrochen, als mich ganz überraschend die Todesnachricht von meinem Vater erreicht hat über Nacht. Also keine Chance, irgendwo sich noch zu verabschieden. Und er war Unternehmer und war leidenschaftlich gern bei den Menschen als Maler.
Stefan:Malermeister hat die Wohnungen schön und neu gemacht und gestaltet. Büro war nicht so sein Ding und dementsprechend sah zu Hause auch sein Schreibtisch aus. Und dann haben wir uns erst mal da durch viele, viele Notizen und Unterlagen durchgewühlt. Und dann war handschriftlich dieser diese Notiz zu finden. Es war, ich hatte den Eindruck in dem Augenblick, es war wie ein Vermächtnis von ihm an mich.
Stefan:Also man kann das ja unterschiedlich erleben, aber mich persönlich als 1 der Söhne hat mich das so angesprungen. Und ich kann mich noch erinnern, wenn ich als Kind mit ihm unterwegs war, sone Malerhose, die hat vorne sone sone Tasche, wo man, also er hatte da son Notizzettel drinne. Und meistens, das war einfach geschickt, wenn er auf der Leiter irgendwas machte, hatte er den Bleistift überm Ohr liegen, also griffbereit. Und dann gab's immer wieder Situationen, wenn wir im Gespräch waren, dass er sagte, oh, das muss ich mir notieren. Und er hat nachm Notizzettel gegriffen und seinen Bleistift gezückt und irgendetwas notiert.
Stefan:Und das war auch 1 solcher Notizzettel, die ich da fand. Und ich dachte, wow, ich glaube, wenn wir noch die Chance gehabt hätten, am Ende seines Lebens miteinander im Gespräch zu sein, hätte er mir das wie son Vermächtnis auch mit auf den Weg gegeben. Lass nicht zu, dass dir das Wesentliche entgeht. So kam es zu diesem Satz und deshalb sehr prägnant und plakativ auch auf unserer Homepage. Und das ist was, wo ich mich immer wieder dran erinnere.
Stefan:Natürlich auch mit entsprechenden Emotionen. Da werden Erinnerungen wach, auch an die Zeit, wo ich als Kind mit ihm unterwegs war und, und, und. Aber wenn Du fragst, wo wo mir das auch mehr oder weniger weggerutscht ist, sagen würde, ja, das gab's immer wieder im Leben. Also das, heute spricht man gern von fokussiert unterwegs sein. Und ich glaube, das ist was, wo immer wieder die Herausforderung ist, sich da neu, vielleicht auch in' ner im Aufbruch in eine neue Lebensphase auch sich zu fragen, bin ich noch wesentlich unterwegs?
Stefan:Also die Dinge, mit die mir wichtig sind, meine Kernwerte und so weiter. Gelingt es mir, die aktuell wieder zu leben?
Sebastian:Ja. Wenn wir son bisschen, Du hast grad von schon Kassel angesprochen. Ja. Wo bist Du denn eigentlich aufgewachsen? In Kassel?
Sebastian:Nein.
Stefan:Nein. Ich bin Badener, ich bin der badische Teil unserer Ehe. Meine Frau ist Schwäbin und aufgewachsen in Kreichtal, Kreichtalbahnbrücken. Das kennt im Prinzip niemand. Ist ein kleines Dorf, wenn also die Bundesstraße fährt dran, führt dran vorbei.
Stefan:Das heißt, wenn man nicht rein will, kommt man auch nicht rein. Also eine Straße, die reingeht und eine, die wieder rausgeht, so 2 Verbindungsstraßen. Kleiner Ort im Landkreis Karlsruhe, Brettenbruchsaal sind so die nächstgrößeren Städte. Genau. Bis 25 sehr bodenständig dort.
Stefan:Und ich dachte immer, ja, hier bin ich geboren, aufgewachsen und hier gestalt ich mein Leben. Und dann ging's ging's los, also mittlerweile schon über 10 Umzüge. Hätte ich damals als Jugendlicher nie gedacht.
Sebastian:Also Du hast immer so die Vorstellung gehabt, Du bleibst dort in diesem in dieser Region, in diesem Umkreis, dort wo Du Ja,
Stefan:sehr, sehr engagiert. Verein, Gemeinde und so weiter war so verwurzelt wirklich. Und dann ging plötzlich die Reise, das Vagabundenleben los.
Sebastian:Kannst Du dich noch dran erinnern, damals, als Du noch dort warst und das Vagabundenleben noch nicht so losgegangen ist? Du hast grad schon son bisschen angeschnitten, aber vielleicht frag ich noch mal bisschen konkreter. Ja. Gab's irgendwas, von was Du damals als Jugendlicher geträumt hast?
Stefan:Ja. Und zwar ich bin als Kind, als Jugendlicher, also mein Vater war selbstständig, hatte ich ja angedeutet, als als Handwerker, als Malermeister. Und das Leben sah normalerweise bei uns so aus. Er war unter der Woche, also so wie jetzt grade Sommermonate, die Tage lange und also abends lange hell, warm. Und dann ist er nach dem Abendessen auch noch mal auf die Baustellen.
Stefan:Also da gab's Feierabend, kann ich mich nicht dran erinnern. Samstags hat er meistens doch so gegen 16 Uhr schon Feierabend gemacht und dann war der Rest des Tages nach Arbeit, Vorbereitung für die nächste Woche, also zu Hause in der Werkstatt. War sehr engagiert in der Kirchengemeinde als Kirchengemeinderat. Sonntagfrüh war Gottesdienst, das war gesetzt. Aber dann, weil er niemanden fürs Büro hatte, war dann ab nach dem Mittagessen war Bürozeit.
Stefan:Also das war so unser Leben, unser Alltag. Und das heißt, auch Familienausflüge, das war sehr, sehr dünn gesät. Also was ich damit sagen will, ich als Kind die Erfahrung, mal irgendwohin zu fliegen oder als Jugendlicher, das tatsächlich, das war ein Traum, egal wohin. Innerhalb Deutschlands, aber wenn ich andere Klassenkameraden gehört hab, die mit den Eltern, die sind irgendwo hingeflogen nach Spanien. Wo ich dachte, wow, wie cool wäre das mal.
Stefan:Also abzuheben und dieses Erlebnis mal über dem dem dem Alltag zu schweben und da auch Neues kennenzulernen außerhalb des bisherigen Radiuses. Hast
Sebastian:Du denn damals als Kind, Jugendlicher schon son bisschen auch die Ahnung gehabt, dass es mal irgendwas Richtung Neugier, Leistungsorientiertheit, Verantwortung übernehmen, Führung gehen könnte? Oder waren die Vorstellungen eigentlich ganz andere? Wenn der Vater auch so klassischer Handwerker ist Ja. Und viel einfach schafft. Ja.
Sebastian:Oder hast Du gesagt, nee, bei mir wird's irgendwann anders?
Stefan:Das fand ich immer toll bei meinem Vater. Er hat sein Unternehmen selbst gegründet. Also nicht 2., 3. Hand und so weiter oder Generation. Und er hat uns, also mein Bruder und ich, 2 Söhne immer freigestellt.
Stefan:Er hat schon früh gesagt, da sind wir grad in die weiterführende Schule gegangen, ich hab nicht den Anspruch, dass ihr mein Unternehmen weiterführt. Also es hat uns natürlich auch große Freiheit gegeben. Wir sind beide nachher in den kaufmännischen Bereich gestartet. Und hilf mir noch mal ganz kurz die Ursprungsfrage.
Sebastian:Ob Du damals schon so Leistung. Die die die Ahnung gehabt hast, dass Du vielleicht eher was so auch mit Leistung, mit Führen, mit Verantwortung später machen möchtest oder
Stefan:Ah, okay. Genau.
Sebastian:Du eher so, weil Du geprägt warst vom Vater eher auch eher klassisch gedacht hast, sag ich jetzt einfach mal.
Stefan:Weder noch. Also ganz naiv unterwegs, aber spannend. Also es hat mich weder weder gereizt, ich will auch mal selbstständig, noch hat's mich abgeschreckt abgeschreckt. Nie. Also
Sebastian:Es hätte auch sein können.
Stefan:Von leben will ich nie.
Sebastian:Wenn der Vater, sag ich mal, fünfeinhalb Tage
Stefan:Ja.
Sebastian:Die Woche von morgens bis abends arbeitet, dann könnte es ja auch für andere Söhne oder Töchter sein, dass man sagt, also ich will alles machen, aber das will ich nicht machen, weil er ist nie zu Hause, wir gehen nicht in Urlaub, alle anderen fliegen, wir tun's nicht. Also es könnt ja auch sein.
Stefan:Absolut. Ich wollt immer Sport- und Mathelehrer werden. Das war mein Ziel. Also ich war sportlich, also jede Freiminute, Hausis oder so was. Nach der Schule so schnell wie möglich durchziehen und dann raus aufn Bolzplatz.
Stefan:Und Mathe liebte ich. Wir hatten einen in der Klasse, das war in der Grundschule, der war grundsätzlich, also wenn's Rechenaufgaben ging, die in die Klasse geworfen wurde von unserer Lehrerin, war er der Rechenkaiser. Und mit' Klassenkameradin zusammen hab ich mir immer den Titel Rechenkönig. Also in den Kaiser sind wir nie rangekommen. Ist übrigens hat bis heute noch 1 meiner besten Freunde.
Stefan:Wir scherzen da immer wieder. Okay, also Mathe und Sport, das hat mich gereizt und einfach die Investition in in Menschen. Was ich aber rückblickend sage, ich hatte ganz schnell Verantwortung und Führungsaufgaben. Ich war in der Grundschule, ich weiß nicht mehr, wie oft war ich Klassensprecher. In der weiterführenden Schule genauso.
Stefan:Ich war im im Ehrenamt, wenn ich irgendwo dazukam, relativ schnell hatte ich eine 1 Leitungs- oder Führungsposition. Aber hab das nie irgendwie damals bewusst wahrgenommen, sondern das hat irgendwie, war halt normal für mich. Und das würd ich sagen, rückblickend, da hat schon vieles in mir geschlummert, was einfach leben durfte, aber nicht so dieses Ziel und jetzt muss ich hier und ich will hier der der Anführer sein, sondern ganz natürlich, dass mir dass mir Menschen wohl auch gerne gefolgt sind. Oder wenn ich Ideen hatte im Freundeskreis, ja, tschakka, komm, das machen wir.
Sebastian:Und jetzt musst Du uns ein bissel mitnehmen. Hast grad schon gesagt, Mathe und Sport. Ja. Und jetzt nimm uns mit zu diesem Switch, duales Studium bei Bosch Siemens. Absolut.
Stefan:Ist ganz einfach zu erklären. Aus dem Dorf gab's keine Chance, am irgendwo in aufs Gummi zu gehen. Also öffentliche Verkehrsmittel, Schulbus und so weiter gab's nicht. Es gab eine 1 Bahnhaltestelle, die war aber anderthalb Kilometer außerhalb. Also das heißt, Du musstest als Fünftklässler schon früh morgens die, keine Ahnung, später haben wir das in, war genau getaktet, haben wir das in 16 Minuten zurückgelegt.
Stefan:Also wir waren dann richtig straight, morgens 6 Uhr 15 ausm Haus, 6 Uhr 33 die Bahn zu bekommen. Aber das mutest Du in der Regel als Eltern deinen Fünftklässlern noch nicht zu. Und dass dich immer jemand fährt und abholt und so weiter, das war aufm Dorf nicht üblich. Also Schulwege zu Fuß. Okay.
Stefan:Also das heißt, es gab Busunternehmen, die haben 2 Orte angefahren für weiterführende Schule, nämlich Realschule. Die hab ich absolviert und hab dann nach der Realschule gemerkt, hey, ich will irgendwas weitermachen mit Zahlen. Bin dann in die weiterführende Schule, in unserem Fall nach Bruchsal, also mit der Bahn als Fünfzehn-, Sechzehnjähriger. Da bist Du ja straight und diese paar Kilometer morgens zu laufen, alles gut im Freundeskreis. Und Wirtschaftsgymnasium gemacht und dann hat unser Klassenlehrer damals gesagt, hey Leute, wenn ihr nicht wisst, was ihr machen wollt, dann werdet Betriebswirt, die werden händeringend gesucht.
Stefan:Das ist son sicherer Job. Also Beamte haben normalerweise einigermaßen sichere Jobs, aber als Betriebswirte, ihr werdet also mit Handkuss genommen in der Industrie. Und viele aus meiner Klasse, auch mein bester Freund, wir haben gesagt, ja, komm, das machen wir. So kam das zustande. Duales Studium war ja dann die Herausforderung, okay, Du musst einen Betrieb finden, der dich ausbildet.
Stefan:Und dann bin ich ganz in der Nähe in' also Teil des Bosch Siemens Konzerns NEF Küchengeräte in Bretten gelandet. Und das war eine richtig coole Zeit.
Sebastian:Mhm. War damals Leistung schon irgendwie wichtig für dich oder vielleicht auch schon son Teil von Identität? Also ich könnt mir vorstellen, wenn man jetzt so aus diesem dörflichen Umfeld und jetzt hat man's geschafft Ja. Zumindest mal nach Bretten in ein Studium. Ja.
Sebastian:Und jetzt studiert man ja auch nicht irgendwie was Soziales, sondern tatsächlich ja in' in' Wirtschaftsbetrieb, wo es da schon auch auf Zahlen ankommt Ja. Und natürlich auch auf Leistung. Hat das was mit dir gemacht oder bist Du da zum ersten Mal so in Berührung gekommen, auch was es bedeuten könnte? Oder war's
Stefan:ganz vieles in mir geweckt, was davor schon schlummerte. Ich kann mich noch erinnern, Realschule, eben mein bester Freund hat mir das kürzlich mal wieder erzählt, wie amüsant für Sie als Klasse das war. Es war üblich in vielen Fächern, dass man spontan abgefragt wurde zum Inhalt der letzten Unterrichtsstunden, also halt das Ziel der Lehrer, damit Du einigermaßen auf dem Laufenden bleibst. Und wie's halt der Zufall so wollte, ich kam dran, war 0 vorbereitet. Also ich hab einigermaßen in anderen Fächern ist mir's gelungen, aufm Laufenden zu bleiben.
Stefan:Aber es war eine Biostunde und das war, so miserabel ist das gelaufen, dass ich nachher mit' mündlichen 5 da raus bin. Aber es war wohl superamüsant für die Klasse. Und also auch bei Klassentreffen, die erzählen mir immer wieder, aber es hat mich getriggert, wo ich gemäht hab. Also es hat mir schon auch Spaß gemacht, die die Meute zu unterhalten, weil ich wusste, okay, punkten kann ich nicht beim Lehrer. Aber
Sebastian:Bei Publikum.
Stefan:Beim Publikum. Dann drehen wir das Ding Ich glaub, er hat sich tierisch genervt auch über meine Antworten. Und hab dann aber entschieden, okay, Bio an für sich interessiert mich nicht. Aber das lass ich nicht auf mir sitzen. Und ich hab in dem Schuljahr mit' 1 0 abgeschlossen.
Stefan:Also ich hab das noch irgendwie schriftlich und weiteren mündlichen Noten so ausgeglichen. Und wo ich merkte oder wusste, wenn's drauf ankommt und es gilt, ich kann. Ich kann Leistung und ich will und hab dann auch die Realschule als Klassenwester abgeschlossen. Und also das war irgendwie schon in mich hineingelegt. Und dann natürlich in der Industrie, wo ganz vieles auch Zahlen, Absatzzahlen und so weiter natürlich ging.
Stefan:Aber ich merkte immer wieder, das, was mich noch mehr gereizt hat, war der Invest in Menschen. Also war auch im Schwerpunkt im Personalbereich unterwegs. Also nicht in erster Linie das Optimum rauszuholen, was Umsätze betrifft, sondern das Optimum aus Menschen. Also das Potenzial, was im Menschen ist, das zu heben, vielleicht in diesem Bild des Abhebens, dass sie aufs Rollfeld gehen und dann abheben und und es noch eine viel weitere nachher auch umsatztechnisch Absatz und so weiter ja noch eine viel größere Reichweite hat, wenn Menschen in ihrem Element arbeiten. Und nicht nur Zahlen liefern müssen, sondern Zahlen liefern wollen, weil sie wie der Fisch im Wasser sind.
Sebastian:Mhm. War das damals auch so, wenn Du wenn Du sagst, damals waren die auch schon Menschen wichtiger als Zahlen.
Stefan:Ja.
Sebastian:War das auch dann son Punkt, wo Du vielleicht auch gezweifelt hast irgendwann? Ist das so das richtige Umfeld? Das ging ja danach nicht in der Wirtschaft gleich weiter. Also kannst Du dich noch erinnern an an diesen Punkt, wo Du zum ersten Mal vielleicht einmal gesagt hast, na, ob ich jetzt ganz hier so einhundert Prozent richtig bin, weiß ich nicht.
Stefan:Also war relativ schnell klar für mich, dass ich das nicht mein ganzes Berufsleben lang über machen möchte. War also ehrenamtlich sehr engagiert bei uns am Ort in der Kirchengemeinde und hab auch gemerkt, wie viel wirklich wie viel Bock es mir bereitet, in Menschen zu investieren. Und immer wieder so diese Frage, könnte das vielleicht nicht sogar etwas sein, was was mich beruflich noch mehr erfüllt, der Invest in Menschen und nicht in erster Linie in Produktion von irgendwelchen Produkten. Ich glaub, das war so der Schlüssel. Und auch schon das Anliegen, einfach auch so das kirchliche Engagement, wo ich den Eindruck hatte und es verdichtete sich dann immer mehr, es folgt dem dem kaufmännischen Studium noch mal irgendwas anderes.
Stefan:Es war noch nicht so ganz klar, wo ich so den Eindruck hatte, es ist noch nicht ganz, heute spricht man so von Kernberufung oder ureigene Berufung, nenn ich's auch gerne, wie wenn ich die noch nicht im Konzern gefunden hätte oder auch ich mich gefragt habe, werd ich die hier tatsächlich finden? Und so innerlich manchmal hat man ja schon eine gewisse Vorahnung, aber noch nicht ganz die Klarheit. Und dann es sich in den nächsten anderthalb Jahren etwa auch herauskristallisiert hat, dass es noch mal son kompletter Switch in eine ganz andere berufliche Richtung gibt.
Sebastian:Du hast dein Studium abgeschlossen dort, also bist Betriebswirt.
Stefan:Genau.
Sebastian:Hättest also auch gut diesen Weg weitergehen können.
Stefan:Genau.
Sebastian:Mit Kusshand haben wir vorher gehört, hat der Lehrer damals gesagt. Das war ja tatsächlich so, dass die Menschen gesucht waren und Du hast dann diesen Switch gemacht und sicherlich 1 der ungewöhnlicheren Abschnitte in einem Lebenslauf hast gesagt, jetzt studier ich noch Theologie. Jetzt musst Du mich da so mal ein bissel mitnehmen. Wie kommt man denn auf diese Idee? Oder gab's irgend einen konkreten Auslöser, dass gesagt hat, jawoll, das muss es sein?
Stefan:Es ist spannend im grad in diesem gemeindlichen Kontext, kirchlichen Kontext haben mich immer wieder Leute angesprochen und gesagt, hey, hast Du mit dir darüber schon mal Gedanken gemacht? Also so wie dir wir dich erleben, auch Leute, die mich noch gar nicht lang kannten auf Freizeiten oder so was, sagt einem, hey, könnt es, also in dir schlummert so was wie ein Pastor. Nimm doch diesen Impuls einfach mal mit. Auch unser Pastor, der selbst sagte, hey, prüf das mal für dich. Und das waren meistens so Impulse von außen.
Stefan:Und ich merkte, es machte mir einfach gigantisch Spaß, so in diesem Kontext ehrenamtlich. Ich hab gefühlt ehrenamtlich sicher so viel Stunden gerissen wie im Job. Und also bei' round about 40 Stunden Woche oder was das damals war, als im im Studium hast Du ja noch nicht viele Überstunden. Und dann noch mal ehrenamtlich gefühlt noch mal 40 Stunden, da ist die Woche relativ voll. Genau, also auch zu Hause.
Stefan:Meine Eltern haben mir oft auch später gesagt, solang Du noch zu Hause gewohnt hast, da war ein Kommen und Gehen. Also fast wie so in' nem Gemeindehaus. Also halt ja, offenes Haus und viele, viele Kontakte, jeden Abend unterwegs zu irgendwelchen Events. Und das hat sich so in mir auch verdichtet. Den Eindruck hatte, doch, da gibt's noch mal sone sone komplette Neuorientierung.
Stefan:Aber mir war auch klar als Kaufmann, also ich wusste ausgelernt oder am Ende des Studiums, ich werd richtig gut Kohle machen. Ich hab schon einen sicheren Job, weil das Unternehmen sagt, wir haben dich ja ausgebildet, wir wollen dich. Du hast deine Diplomarbeit hier geschrieben, spannende Weise über ein Thema Fehlzeiten, was ja auch schon in in dieses auch, wie geht's Menschen? Also wie können wir auch als Unternehmen uns so noch stärker ausrichten und aufstellen, dass Menschen bei uns gesund bleiben? Und also dieser ja, dann doch dieser dieser Switch hin in Richtung Theologie, also oft später bei Vorstellungsgesprächen, kam diese Frage, Herr Schmid, das müssen Sie uns erst mal erklären.
Stefan:Weil das ist ja nicht jetzt eine logische Folge als Betriebswirt. Heut würd man sagen, Du hast den Bachelor, dann ist es logisch, dass Du noch den Master machst. Jetzt so was ganz anderes. Das waren einfach diese Impulse von außen, dass es sich innerlich immer mehr verstärkt hat. Aber als Betriebswirt konnte ich rechnen.
Stefan:Ich wusste, ich werde 4 Jahre Schulgeld zahlen müssen, nicht wenig. Also es war für damalige Verhältnisse, wenn Du nicht wirklich was auf der Seite hast, 10000 D-Mark Schulgeld pro Jahr, also round about mit Wohnung und so weiter, aber doch, also 4 Jahre 40000. Wie willst Du das aufbringen? Wie willst Du das finanzieren? Jetzt könntest Du einerseits richtig gut Geld verdienen, einiges mehr als 40000 in 4 Jahren verdienen und willst so einen Weg einschlagen.
Stefan:Ich weiß noch, wie mich 1 meiner Vorgesetzten damals im im Konzern gefragt hat oder gesagt, der Schmid, das ist ja ein ziemlich gewagtes Ding hier. Also Sie können ja rechnen. Also wenn das Ding in die Hose geht, Sie kommen dann wieder. Also wir ich stell Sie sofort wieder ein, weil das auch wirtschaftlich... Ich ich wusste, ich hatte für das 1.
Stefan:Jahr hatte Erspartes über ein Betrag von etwa 10000 D-Mark. Ich wusste, das 1. Jahr komm ich durch. Aber ich hab noch keinen Plan, wie's 2., 3. Und 4.
Stefan:Studienjahr Theologie, wie ich das finanzieren sollte.
Sebastian:War das gut, damals son Backup auch zu haben? Also grad diesen Chef, der sagt, ich nehm Sie wieder zurück. Also wenn alle Stricke reißen, sag ich mal, dann könnten wir ja wieder auch zurückgehen. War das
Stefan:Absolut. Also es war, ich fand es supernett, aber im Herzen wusst ich, das wird nicht passieren.
Sebastian:Und Du hast, und es ist ja auch nicht passiert. Nö. Du hast, genau, nö. Du hast dein Studium beendet. Wie bist Du denn dann also das 1.
Sebastian:Jahr hast Du gesagt, hast finanziert? Wie war's mit den anderen 3 Jahren?
Stefan:War echt crazy. Und also ich weiß, es war ein Sonntagnachmittag. Ich war mit' Freund unterwegs, der auch Kaufmann ist und hab ihm vorgerechnet, warum das eigentlich gar nicht geht, das, was ich da vorhab. Also rein rechnerisch haut das Ding nicht hin. Also abm zweiten Jahr, keine Ahnung, ob die mich dann rausschmeißen.
Stefan:Also es war jetzt nicht ein 1 Studium an der Uni, sondern es war an' theologischen Seminar, noch dazu in der Schweiz. Also auch da die Lebenshaltungskosten etwas höher. Aber es war für mich klar, das ist mein Platz, die pastorale Ausbildung, das Studium zu absolvieren. Und eben wie ich ihm vorgerechnet hab, also eigentlich geht das nicht, da hab ich mir bin mir völlig klar, das ist mein Weg. Jetzt gucken wir mal, was wird.
Stefan:Ich mein, für ein Jahr ist gesorgt. Also ist ja schon mal eine gewisse Sicherheit, Vorlauf und so weiter. Und dann weiß ich noch, ist wirklich kurios. Ich kann's überschreiben mit meine Tante aus Amerika. Also meine Oma hatte eine Schwester, die ist im im oder nachm Zweiten Weltkrieg ausgewandert, Tante Louis.
Stefan:Die hat uns als Familie so alle 7, 8 Jahre mal besucht. Ich kannte sie nicht wirklich. Wusste nur, da gibt's diese Großtante. Wir haben mal Tante zu ihr gesagt. Und meine Oma hat mir irgendwann erzählt, ha, ich hab meiner Schwester, der Tante Louis, hab ich mitgeteilt, dass Du noch ein weiteres Studium anschließt, Theologie.
Stefan:Und dann kam postwendend, damals gab's noch Schecks, was heute nicht mehr so üblich ist, kam postwendenden Scheck von Tante Louis. Stand drauf for education, also zur Ausbildung, for Stefan for education, 8500 Dollar.
Sebastian:Da guck mal,
Stefan:die TANDS Nee, 5000 Dollar, es waren 8500 D-Mark, weiß ich noch. Sehr gut, weil das natürlich für mich als junger Erwachsenerbetrag war, wo ich dachte, wie crazy ist das denn? Und keine Ahnung, ob diese Tante Louis irgendeinen Bezug zum christlichen Glauben hatte. Wusste ich nicht. Aber irgendwie hatte sie das so aufm Herzen und wir wussten aus der Entfernung, die Tante Louis hat richtig gut Geld verdient, haben sich selbstständig gemacht.
Stefan:Also das war sozusagen der Vorläufer von McDonald's, haben sich mit Kartoffelsalat und Imbisch Imbischbude und und Schwäbische sagt man Fleischküchle, wie heißt's auf Hochdeutsch Bouletten, selbstständig gemacht und haben da so was von Kohle gemacht. Also Tante Luis hat es wahrscheinlich ja aus der Portokasse vor Stefan for Education. Und dann wusste ich, okay, das 2. Jahr ist dadurch auch gesichert. Und das berührt mich immer wieder, wenn ich das so erzähle, drüber nachdenke.
Stefan:Und ich hab das im Lauf der Lauf der nächsten 2 Jahre noch 2 weitere Mal erlebt. Also in Summe hat hat Tante Louis mit 25000 D-Mark mich und mein meine 2. Ausbildung supportet. Aber das war am Anfang nicht an an keiner Stelle am Horizont zu sehen, sondern es war einfach son innere Klarheit, Überzeugung, das ist mein Weg und dann das Losgehen. Okay, im Vertrauen, dass es irgendwie geht.
Sebastian:Hast Du mit ihr später noch mal Kontakt
Stefan:Ja, klar.
Sebastian:Gehabt? Weil also wenn so was passiert Ja,
Stefan:ja, klar. Also natürlich mich mit seitenlangen Briefen, damals gab's ja nicht noch nicht E-Mail und Whatsapp und sonst was, bedankt bei ihr. Und ich glaub, sie kam dann auch im Verlauf ihres Lebens, sie wurde sehr alt, an die 100 und kam noch ein- oder zweimal dann auch zu also uns, die Großfamilieverwandtschaft zu Besuch und hab's ihr immer wieder zum Ausdruck gebracht, wie wie hammer das für mich ist, dieses Erlebnis mit ihr. Also wirklich, das war für mich sone son Händedruck Gottes, obwohl ihr das gar nicht bewusst war.
Sebastian:Du hast nach deinem Studium zur Theologie, was Du auch abgeschlossen hast, Du wurdest hast noch, wir wir müssen ein bisschen springen. Ja. Warst Du Pastor Geschäftsführer, bist heute Coach. Wenn Du so auf all diese Jahre zurückblickst, dein Studium Ja. Bei Bosch Siemens beziehungsweise Nef.
Sebastian:Mhm. Dann Studium zur Theologie, Job als Pastor, einige andere Jobs, warst Bereichsleiter, warst Geschäftsführer, heute Coach. Was hast Du in all diesen Jahren über Menschen gelernt?
Stefan:In jedem Einzelnen schlummert zum einen enorm viel Potenzial. Also das lieb ich bis heute. Potenzial in Menschen zu sehen, das ist ja auch nicht jedem gegeben, aber dann sone natürliche Begabung auch zu haben, Potenzial zu sehen und dann Menschen darin zu begleiten, dieses Potenzial auch für sich selbst zu entdecken, zu heben, einzusetzen. Und auch wir sind so von unserer Persönlichkeit so unterschiedlich geprägt, also so einzigartig, so einmalig. Und und das lieb ich.
Stefan:Also Menschen zu begleiten, das war immer, wenn ich Mitarbeiterverantwortung habe. Natürlich, am Ende müssen die Zahlen stimmen, aber wie ich's vorhin angedeutet habe, wenn Du wenn Du Menschen einen einen Raum schaffst oder hilfst zu schaffen, in dem sie wie der Fisch im Wasser sind, ihr Potenzial entdecken, sich weiterentwickeln, das ist unglaublich erfüllend für mich persönlich.
Sebastian:Ja. Was glaubst Du, warum gute Fachleute öfters auch scheitern, wenn's darum geht, gute Führungskräfte zu sein? Also das ist ja oft so der klassische Aufstieg. Also man macht einen Job richtig gut dann wird man befördert und vielleicht noch mal befördert und noch mal und irgendwann hat man erst kleine Personalverantwortung vielleicht auch und später größere. Und oftmals sehen wir ja grad im Unternehmertum, dass genau das manchmal nicht funktioniert.
Stefan:Also mittlerweile ist meine Überzeugung, ich ich coache heute selber viele Führungskräfte. Ich ich ich stocke im Moment und schmunzele, weil ich es selber immer wieder erlebt habe, aus heutiger Sicht würde ich sagen, suboptimal geführt zu werden als Mitarbeiter. Und das hat mich motiviert zu sagen, ich ich weiß noch nicht so ganz genau, wie es dann gehen könnte, aber ich probier es für mich selber aus. Ich will es anders leben, hab da viel selber viel Erfahrung gemacht. Und heute auch, dass ich sage, ja, es gibt auch die Möglichkeit.
Stefan:Also der Punkt war für mich immer dieser Aspekt auf deine Frage, fachlich sind die Leute top. Sie entwickeln sich weiter, werden auf alle möglichen Fortbildungen geschickt und so weiter. Fachlich zieht man an, erklimmt die nächste Karrierestufe und, und, und. Aber persönlich bleiben Führungskräfte oft zurück in ihrer in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Und wenn wenn der Gap groß wird oder entsteht und immer größer wird mit mit der nächst höheren Stufe, dann ist man fachlich noch gut, aber nicht mehr als Führungskraft.
Stefan:Also ich ich kann mich an Führungskräfte erinnern, die ich begleite, die sagen, okay, ich hab tatsächlich alles erreicht, aber ich mäge, ich bin nicht mehr, ich performe nicht mehr wirklich gut. Und die dann den Mut haben, sogar wieder eine 1 Sprosse oder eine Stufe zurück und sagen, und da bin ich wirklich in meinem Optimum sozusagen. Und meine Überzeugung ist heute, Du führst als Führungskraft über Vertrauen. Also Kompetenz wird vorausgesetzt. Ich mein, wenn Du fachlich nicht gut bist, dann dann macht's sowieso keinen Sinn, dass Du Führungskraft bist.
Stefan:Und aber wenn Du menschlich, also auf der Führungsebene auch nachlegst und sagst, okay, jetzt will ich auch meine eigenen Triggerpunkte angucken und nicht davon ausgehen, ich kann schon alles als Führungskraft, sondern ich muss und will mich da auch selber weiterentwickeln. Und dann dann fangen auch Teams an zu fliegen. Weil die Führungskraft auch, das hat für mich auch was mit auch Schwächen eingestehen und so weiter, auch zu eigenen Fehlern zu stehen, sehr authentisch unterwegs zu sein. Und dann dann gehst Du mit mit Teams durch dick und dünn.
Sebastian:So spannend, dass Du sagst, jetzt am Ende auch eigene Fehler einzugestehen, auch vielleicht mal vor anderen einzugestehen, nicht nur sich selber, sondern das auch mal den anderen mitzuteilen, dass man was falsch gemacht
Stefan:hat. Woran
Sebastian:liegt es, dass das genau vielen Führungskräften genau dieser Punkt so unglaublich schwerfällt? Wir sehen's in der Politik. Da werden so gut wie gar keine Fehler zugegeben, obwohl ständig welche gemacht werden und so ist es in Großkonzernen oft auch. Es werden und das ist ja auch völlig menschlich, dass Fehler passieren, aber es wird nie zugegeben. Woran liegt das?
Stefan:Es ist spannend. Es gibt einen Kongress, einen christlichen Führungskräftekongress. Der findet alle 2 Jahre statt. Und aus meiner Sicht die dichteste Veranstaltung ist ein an einem Abend. Also grundsätzlich ein Abend wird dafür genutzt, Führungskräfte zu interviewen über ihre ihre Scheitergeschichten.
Stefan:Und da ist Totenstille im Raum. Das das ist die dichteste Einheit. Du kannst also Seminare besuchen und so weiter über alle möglichen Dinge und neue Tools kennenlernen und so weiter, aber da wird's am dichtesten. Und in unserer Gesellschaft, wir wir sind da noch wirklich unterentwickelt, die Kultur auch dieser Authentizität des Ehrlich auch Werdens, das wonach, glaub ich, viele sich sehnen bei sonem Führungskräftekongress. Es ist am dichtesten, weil die Leute sagen, wow, der hat son Crash erlebt, ist trotzdem heute so erfolgreich, aber er verheimlicht das nicht, sondern er sagt, und das waren meine Learnings.
Stefan:Leute, es gibt Unternehmen, wir wir begleiten Unternehmer in Israel. Wir unsere wir haben eine Ausbildung zum Resilienz Guy, da haben wir ein israelischen Unternehmer mit drinnen, der sagt, Israel, wir müssen uns ständig neu erfinden. Also wir sind immer wieder neu als als Land, als als als ganze Bevölkerung, ganzes Unternehmertum in unserem Land herausgefordert. Wir können nicht lange beim Status quo bleiben, sondern ständig gibt's neue Herausforderungen. Wir müssen uns ständig neu entwickeln oder ja, neu neu erfinden.
Stefan:Und er sagt, in Israel ist ist es üblich, wenn Du im Unternehmen einen Fehler machst, das wird gefeiert, weil es klar ist, dient diesen Fehler. Machst Du nicht noch mal. Wenn Du ein Projekt mit viel Geld in Sand setzt, das ist son Learning. Und bei uns ist die Krise. Also da sind wir, da haben wir absolut noch Luft nach oben, uns auch weiterzuentwickeln.
Sebastian:Jetzt haben wir grad schon son bisschen gesprochen über Führungs Führungskräfte. Du hast grad selber auch angesprochen, Unternehmer, Unternehmertum. Ja. Das ist ja son bisschen auch, wo dein Herz schlägt. Ja.
Sebastian:Was fasziniert dich denn an Unternehmern?
Stefan:Schlichtweg, Unternehmer sind die Entscheider. Also ich liebe es wirklich auch im Coaching, die Ebene also so weit wie möglich oben zu erreichen. Hab jetzt ein 1 Unternehmer vor Augen. Unternehmen, also so ausm Mittelstand heraus, der hat jedes Jahr 10 Prozent mehr Mitarbeiter eingestellt. Also da da ging echt was.
Stefan:Und er hat uns angefragt, seine, also er als CEO, als Unternehmer, als Gründer, als Eigentümer des Unternehmens, alleinige Spitze, aber er möchte gern die nächste Ebene, seine Bereichsleiter, 16, 17 Leute, die möchte er gern durch son Führungskräfte Coaching durch uns begleiten lassen. Und so was macht so Bock. Also er dann mittendrin, er sagt nicht, ich nehm mich raus und jetzt guckt mal nach denen, sondern ich mittendrin. 1 unter, er hat es wirklich, er ist ihm es ist ihm gelungen, untergleichen, obwohl natürlich die letzten Entscheidungen er getroffen hat, aber son Vertrauensverhältnis auch zu seinen leitenden Mitarbeitern. Und so was liebe ich, weil das sind die Entscheider.
Stefan:Er ist der Entscheider und dann die nächste Ebene mit dabei. Also auch egal, in welche Richtung es geht, nachher sich weiterzuentwickeln. Ja, jede Ebene, das sind die Entscheider. Ich muss an der Stelle nicht an die Auszubildenden, die sagen, und jetzt muss ich mich an 7 Stellen erst rückversichern, sondern an die, die nachher auch die manchmal auch die Flaschenhälse sind im Unternehmen. Mhm.
Stefan:Als Entscheider auch Innovation nicht zulassen. Und das liebe ich Führungskräfte, die bereit sind, sich selber weiterzuentwickeln, selber auch hinzuschauen, die zu begleiten. Und weil da so viel dranhängt, auch das Wohl der der Mitarbeiterschaft der der ganzen Mannschaft.
Sebastian:Du Du hast in deinem Leben jetzt viele Unternehmer, auch unterschiedliche Unternehmer kennengelernt und begleiten dürfen. Gibt's denn eine Gemeinsamkeit, die Du bei allen erkennst? Und vielleicht noch eine Anschlussfrage, was macht denn ein guten oder außergewöhnlichen Unternehmer aus? Ist es dieses Vertrauen? Ist es dieses Entscheiden?
Sebastian:Ja. Was was ist es?
Stefan:Einen guten, außergewöhnlichen Unternehmer? Ich finde tatsächlich so authentisch wie möglich, so integer wie möglich. Und natürlich, also ich würde vielleicht mit einem weiteren Begriff noch beschreiben, natürlich fokussiert, der weiß, wo er hinwill, also Visionen hat. Aber nicht nur Vision, ich hatte mal selber ein Vorgesetzten, der hat gesagt, ich bin so der der der ich bin der Speedboot Führungskraft. Und hat dann auch dazu gesagt, also meine Mitarbeitermannschaft, die verliert mich meistens ausm Blick.
Stefan:Also ich verschwinde dann irgendwann am Horizont, wo ich sag, so kannst Du nicht führen. So kannst Du als Alleinunterhalter unterwegs sein, deine Ziele erreichen. Also den Kontakt zu halten, tatsächlich Vertrauen ist für mich da ein Schlüssel, weil Du hast vorhin angesprochen, auch in unserer Gesellschaft, wir sind auch in Deutschland, da gibt's Studien, eher sone Misstrauensgesellschaft. Und dann den Aspekt des Vertrauens nicht nur plakativ irgendwo rauszuhauen oder so was wie Wertschätzung dann ins ins Treppenhaus mit in großen Lettern zu schreiben, jede Führungskraft ist überzeugt, ich wertschätze meine Mitarbeiter, sonst wär ich ja eine Pfeife. Also keiner würde sagen, nee, also in Wertschätzung, da bin ich echt eine Niete.
Stefan:Jeder geht davon aus. Nur ich geh den Schritt, dass ich sag, okay, ich frag einfach auch mal die Mitarbeiter, wie sie's empfinden, ob die Wertschätzung auch ankommt. Und das ist unterschiedlich. Aber wo wo ich sage, gute Führungskraft dem gelingt oder der es gelingt, Mann, Frau genauso Wertschätzung zu leben. Und da gehört, ich vertraue, ich schaff eine Vertrauenskultur und das sind natürlich immer wieder neue Herausforderungen.
Stefan:Genau, jetzt ist mir die 1. Frage weg.
Sebastian:Alles gut. Ich glaub, wir wir wir können's zusammenfassen. Ich hatte das son bisschen, ob ob's eine Gemeinsamkeit gibt. Das war vielleicht noch so von von von allen Unternehmern oder was ein Unternehmer auszeichnet. Aber Ja.
Sebastian:Ich ich ich stell mal eine andere Frage noch.
Stefan:Doch, mir fällt 1 noch ein, nur mit einem Satz. Und zwar, was mir auffällt, ist, Leitwölfe sind oft sehr einsam. Und ich hab mich die Tage dran erinnert, jetzt sind's doch 3 Sätze, dass selbst ich als Student, als dualer Student damals, dass mich sich mir eine Führungskraft mal, die anderen hatten schon Feierabend gemacht, ich bin noch kurz in seinem Büro, sich mir auch mal persönlich anvertraut hat. Und so vorgezeichnet, er sagte, Herr Schmid, in Ihnen steckt echt viel. Also Sie können's weit bringen, aber es muss Ihnen klar sein, die Luft nach oben wird immer dünner.
Stefan:Und ich aus heutiger Sicht sage, krass, dass der sich mir als Student damals so anvertraut hat, er als Top Führungskraft. Aber es hat mir rückblickend auch schon oder zeigt es mir auch oft sone gewisse Not durch, es es ist sind oft sehr einsame Positionen, die Du belegst. Ja.
Sebastian:Du hast grad gesagt, jetzt hab ich doch noch ein paar Sätze mehr gesagt. Jetzt bei der nächsten Frage, die ich stell, geht zum einen Satz. Wenn heute ein ganz junger Unternehmer vor dir sitzt, welchen einen Rat würdest Du ihm geben?
Stefan:Such dir ein Netzwerk.
Sebastian:Sehr gut.
Stefan:Ja, ein Netzwerk von Führungskräften.
Sebastian:Ja. Ja. Jetzt haben wir gerade so sind wir so ein bisschen in in deinen man hat's auch gemerkt, da schlägt das Herz, da geht das Herz irgendwie auf. Das machst Du einfach gern, dafür stehst Du auch. Unternehmertum, Führungskräfte, Mitarbeiter, das das liegt dir total am Herzen.
Sebastian:Wir wollen mal noch so einen Schritt zurückgehen wieder in deine Biografie. Wenn man das jetzt so hört, dann könnte man auch den Eindruck bekommen, das ist ja eigentlich Bilderbuchkarriere und Bilderbuchleben, was der Herr Schmid da lebt. Also aus' kleinen Ort vielleicht auch gar nicht perfekte Bedingungen, trotzdem was Gutes gemacht, ein außergewöhnliches Studium noch draufgesetzt, ganz viele verschiedene Sachen und jetzt heute ist er erfolgreicher Coach, macht was mit Resilienz, mit Führungskräften, mit Entscheidern, mit na ja, da ist ja auch viel Geld und Macht und was da alles reinkopiert wird, aber es war nicht immer so. Es gab auch bei dir Phasen im Leben, wo es nicht so gut lief.
Stefan:Oh ja und nicht wenige. Und ich vergleiche es gern mit, weiß nicht, ob Du ADAC Sicherheitstraining kennst. Ich hab das an meiner letzten Stelle im Angestelltenverhältnis, war ich im Außendienst unterwegs. Ich musste das regelmäßig absolvieren, son Fahrsicherheitstraining. Waren tagsüber coole Übungen und am Ende, das hat jeder gefürchtet, musste man auf die die Schleuderplatte nannte sich das.
Stefan:Und da verlierst Du sämtliche Kontrolle über das Fahrzeug. Es dreht dich, Du hast gar keine andere Chance. Und dann ganz am Ende wieder in die Spur zu kommen, wieder die Richtung zu gewinnen. Und so hab ich manche Schleuderplatten im Job vor allen Dingen auch erlebt. Eine mit Vollgas an die Wand, es war zu unserer Kasseler Zeit, war, ich hatte ein guten Schlaf.
Stefan:Also Schlaf war für mich nie ein Thema, wo ich dachte, ja, wenn andere von Schlafstörungen und so weiter geredet haben. Und dann gab's eine Nacht im Stundentakt wach und hatte den Eindruck, irgendetwas zieht aus meinem Körper Energie. Von Stunde zu Stunde mehr und morgens hatte ich den Eindruck, mein Körper ist leer gepumpt, auch die Reserven aufgebraucht. Wusste, mein Chef fängt früh an 7 im Büro, hab irgendwann war 4 Uhr fühlte ich mich leer gepumpt, hab gedacht, okay, ruf ihn gleich an, halb 7 oder wann. Erstmals versucht, ihn zu erreichen.
Stefan:Schilder ihm die Situation. Er sagte, es mach heute frei und morgen sieht die Welt schon wieder anders aus. Und ich merkte, nein, morgen wird die Welt nicht schon wieder anders aussehen. Und es folgte über ein halbes Jahr Krankenstand, ein 1 Handwässer Burn out mit Klinikaufenthalt, ambulanter Gesprächstherapie, Wiedereingliederung, also wirklich so das volle Programm. Und ich dachte bis dato immer, also ich so Unternehmer, Vollgastyp, leistungsorientiert, ich kann Vollgas, Burn out, wenn dann betrifft es die anderen.
Stefan:Und das war ein Crash, da hat's mich völlig zusammengefaltet. Und halt auch über ein längeren Zeitraum, ich war noch keine 40, waren verschiedene Dinge, die da zusammenkamen. Heute weiß ich, Burnout hat nicht nur einen Auslöser, sondern oft viele, also viele Lebensbereiche davon betroffen. Und dann vor allen Dingen die Frage in der in der Klinik, werd ich noch mal wieder so leistungsfähig und so fit, dass ich zurückkehren kann in ein normales normalen Berufsalltag. Ich hab gar nicht noch mal davon zu träumen gewagt wieder in diese Leitungsaufgabe, die ich kurz vorher erst gewechselt hab, sondern überhaupt so wieder, dass ich mal wieder eine Vierzigstundenwoche schaffe.
Stefan:Also ja, das war 1 der der krassesten Crashs. Und einige Jahre später, ich war bereits Geschäftsführer, auch ein beruflichen Crash erlebt, dass ich, ich war eigentlich angetreten für eine längere Zeit dort für ein Generationenwechsel und der ist nicht gelungen. Und ich war nach 8 Monaten per Aufhebungsvertrag wieder raus. Und das hat, ich weiß nicht, ob ich sagen kann, uns mit uns Männern macht das noch mehr, wahrscheinlich mit Frauen genauso, aber dieser Aspekt auch wieder der der Leistungsfähigkeit, des Scheiterns an der Stelle, Burn out hat sich nicht wie Scheitern angefühlt, sondern einfach wie leer gepumpt. Aber das hat sich wirklich wie wie Scheitern angefühlt.
Stefan:Weil ich angetreten war, das Ding wirklich... Irgendjemand sagte, so, die nächsten 20 Jahre haben wir hier ein Geschäftsführer, das wird richtig gut. Der Generationenwechsel wird sicher gelingen. Und dann waren verschiedene Elemente, die da zusammenkamen und dann nach 8 Monaten wieder raus. Und in dem Fall hing auch die Familie mit dran.
Stefan:Wir hatten eine Dienstwohnung aufm Gelände. Also haben ein Blogartikel mal dazu geschrieben, Job weg, Wohnung weg, Würde weg, Fragezeichen. Das hat das war so bisher der krasseste Crash und weshalb erzähl ich das? Ich hab da konnt ich nicht mehr schlafen. Nee, da war nix mehr mit erholsamer Schlaf.
Stefan:Und dann bin ich nachts so, hab so durch verschiedene Programme gezepmt im und bin bei' christlichen Sender hängen geblieben. Und dann wurde, es war vielleicht mitten in der Nacht 2 und dann wurde ein der Leiter der christlichen Führungskräfteakademie, so heißt das, glaub ich, interviewt. Und ich glaube, aus heutiger Sicht sag ich, ich musste diese paar Minuten, ich musste da landen. Er hat nämlich angesetzt, er wurde gefragt, Herr soundso, was kennzeichnet Führungskräfte, gute Führungskräfte für Sie? Mit welchen arbeiten Sie am liebsten?
Stefan:Und er sagte, mit denen, die gescheitert sind. Und das ist das ist, ich hab das aufgenommen, das ging mir runter wie wie Honig, weil ich innerlich so völlig zerlegt und und und angeschossen war aufgrund dieser Scheitererfahrung. Und dann gibt's da einen, der sagt, und mit Führungskräften, die gescheitert sind, mit denen arbeite ich am liebsten. Und dann war für mich natürlich die Frage spannend, weshalb? Und dann sagt der, weil die wissen, worum's geht.
Stefan:Die die wissen, was das Wesentliche ist. Und dann sind wir wieder beim Zettel von ganz am Anfang. Lass nicht zu, dass dir das Wesentliche entgeht. Also die, wo nicht so alles aalglatt ist, die heut gebrauchen wir gern dieses Bild, Hinfallen, Aufstehen, Krone richten. Das find ich gut, aber das für mich Wichtigste ist, das endet, also Krone richten, weitergehen.
Stefan:Also nicht nur sich wieder aufrichten, so steh auf männchenmäßig, sondern dann auch wieder ins Handeln, ins Gehen zu kommen und wieder ins Gestalten. Und das lieb ich heute beispielsweise auch als Resilienztrainer, dass es nicht nur ein Wiederaufrichten gibt im Idealfall, dann auch ein Weitergehen.
Sebastian:Was hilft in diesen Krisen und was hat dir geholfen?
Stefan:Zuallererst auch wieder ein Netzwerk, einfach Freunde. Wirklich Freunde, wo ich ja, ich war nicht so der der Heultyp schon nie im Leben, aber wo ich mich einfach da mal ausheulen konnte, wo Tränen geflossen sind, wo ich mich ausgekotzt hab und die einfach da waren. Freunde, also Netzwerk, man sagt heute auch unter Resilienzgesichtspunkten, der wichtigste Resilienzfaktor ever ist sind tragfähige Beziehungen, also Netzwerk. Braucht in der Regel gar nicht viele, aber tragfähig. Und was hat mir geholfen?
Stefan:Natürlich nicht nur als Pastor, sondern weil weil das meine das ist mein Lebenselixier, als Christ zu leben, zu wissen, es gibt eine Instanz außerhalb von mir selbst, die die jetzt, wo ich mich so so angeschossen und innerlich zerlegt fühle, so auch perspektivlos, da gibt's eine Instanz, die die hat noch mal andere Ressourcen als ich. Da gibt's einen Gott, der mich auch jetzt sieht. Und es gibt so in in der Bibel gibt's eine einen Vers, der heißt, Du bist ein Gott, der mich sieht und an dem habe ich festgehalten. Ich habe zu Gott gesagt, ich verstehe im Moment vieles nicht, aber ich entscheide mich immer wieder neu, ich vertraue dir trotzdem.
Sebastian:Jetzt hast Du grad gesagt, Du verstehst vielleicht vieles noch nicht. Ja. Gab's denn auch Momente in diesen Krisen, wo Du diesem Gott Vorwürfe gemacht hast?
Stefan:Klar. Also grade dieser Crash, der 2. Crash, so Geschäftsführer und dann Aufhebungsvertrag und so weiter. Ich bin in der Zeit, also gefühlt Tag und Nacht war ich aufm Fahrrad unterwegs, weil ich gemerkt hab, ich muss auch den ganzen Frust, da muss ich irgendwelche Ventile auch finden. Das war für mich also im Schwarzwald über Stock und Stein, über den Wald gepest.
Stefan:Und und da war alles dabei. Ich hab geheult, Rotz und Wasser geheult. Ich hab, weil es hing ja auch meine Familie mit dran. Wir waren grade von Kassel wieder zurück nach Baden Württemberg gezogen, also hieß aber auch für unsere Kinder Schulwechsel. Und also jetzt auch dann in dem Augenblick die Frage, im laufenden Schuljahr möglicherweise unsere Kinder wieder aus der Schule in eine neue Schule, für mich neuer Job an' neuen Ort und so weiter.
Stefan:Also was das auch für uns als Familie bedeutet, ja, das hat uns ja geschüttelt und gerüttelt fast ohne Ende. Und dann unterwegs, ich hab geflucht, ich hab geheult, ich hab bin auch immer wieder ins Danken gekommen und Gott gedankt, dass dass er trotzdem noch da ist. Also es war alles dabei, die ganze Palette an Gefühlen und Gedanken.
Sebastian:Welche Rolle spielt denn dieser christliche Glaube heute ganz konkret als Unternehmer Ja. Oder jetzt für dich als Coach?
Stefan:Also ich mäge so im Erzählen, das war mir bisher so nicht bewusst, wenn ich sage Führungskräfte führen heute über Vertrauen. Also Vertrauen scheint in meinem Leben irgendwie auch so eine Schlüsselfrage zu sein. Als wir uns selbstständig gemacht haben, meine Frau und ich, das war mein letzter Tag im Angestelltenverhältnis war der Tag vorm ersten Lockdown. Und Freunde haben uns damals gesagt, entweder ihr seid bekloppt, wie kann man in soner Phase, da wussten wir ja noch nicht, wie lang uns Corona in Atem halten wird, entweder ihr seid bekloppt jetzt in eine gemeinsame Selbstständigkeit. Also gemeinsam heißt ja Arbeitgeber zahlt keine Sozialversicherungsbeiträge und und und.
Stefan:Was es halt halt im Einzelnen bedeutet. Entweder ihr seid bekloppt oder ihr habt zum Gott vertrauen. Also es haben x Freunde von uns gesamt gesagt, irgendwann haben wir irgend nur noch geantwortet, ja. Also ein bisschen verrückt musst Du sein für so einen Schritt. Aber wir haben über vor allen Dingen die Schleuderbewegungen unseres Lebens, so nennen es unser Mentorenehepaar, die Schleuderbewegung des Lebens immer mehr Vertrauen in diesen Gott auch gefasst.
Stefan:Und haben dann oft auch geantwortet den Freunden, ja, ein Stück verrückt, ja, aber über die Jahre haben wir, ja, ist unser Vertrauen in diesen Gott immer tiefer und immer fester geworden. Und wir gehen diesen Schritt auch im Vertrauen auf ihn. Und natürlich, nicht jeder Monat ist gleich als Selbstständiger. Du hast da jetzt nicht ein festes Gehalt, jeden Monat unterschiedlich. Aber es ist son weiterer Weg für uns, im Vertrauen zu wachsen diesem Gott gegenüber.
Stefan:Und es gibt end gäbe endlose Geschichten, die ich erzählen könnte, warum es sich lohnt in das Vertrauen in diesen Gott, dem einfach zu bleiben.
Sebastian:Erzähl eine.
Stefan:Also wir sitzen hier in einem Haus, das wir seit zweieinhalb Jahr Jahren bewohnen. Wir haben bisher immer zur Miete gewohnt, als Pastor auch zur Miete. Und wir haben uns irgendwann, vielleicht vor 20 Jahren auch schon den den Traum abgeschminkt, jemals ein eigenes Haus zu besitzen. Und weil in dem Kontext, in dem wir dann als Person unterwegs waren, nicht jetzt kirchlich bezahlt, sondern auch in in den Bergen, wo Spenden also Spenden finanziert. Und da sind einfach auch die Gehälter nicht so hoch.
Stefan:Und dann war uns rechnerisch, mir als Betriebswirt sowieso klar, da wird keine Bank ein Darlehen gewähren und und und. Also wir leben zeitlebens in Miete. Dann ist es so. Und in diesem Haus, das wir jetzt bewohnen und unser Eigen nennen dürfen, ging übernatürlich, das war schon auf Immoscut ausgeschrieben, wühlester Besitzer, wie wir mit dem ins Gespräch kommen. Er sagt, wollt ihr euch das mal anschauen.
Stefan:Wir kamen hier rein und hatten den Eindruck, oh, das ist wie für uns gebaut. Der Zuschnitt dieser Räume, Büroräume, Seminarraum und, und, und. Auch verkehrsgünstig gelegen. Wir sind ja viel im Land unterwegs. Und ich kann's wirklich so sagen, übernatürlich.
Stefan:Also er sagte, okay, wenn ihr wollt, ich verkauf's euch. Also ihr seid für für mich die Favoriten für dieses Haus. Und die Finanzierung auf übernatürliche Art und Weise stand innerhalb von 6 Tagen. Im September haben wir das Haus angeschaut. Kurz vor Weihnachten sind wir eingezogen.
Stefan:Und das Haus gehörte uns. Also das ja, das ist made by Gott. Das ist nur so ein Beispiel von ganz, ganz vielen. Also dieses, ich weiß noch nicht so ganz genau, wohin die Reise geht, aber Gott, ich vertrau dir.
Sebastian:Wenn wir das Beispiel jetzt hören, da fällt mir die Tante aus Amerika wieder ein. Da denkst Du, meinst Du das war damals auch schon Gott, der hier einfach hineingewirkt hat und gesagt hat, der Stefan for education soll dieses Theologiestudium auch bekommen und fertig machen können? Absolut.
Stefan:Und ich bin überzeugt, keine Ahnung, ich's vorhin sagte, ob sie mit diesem Gott in irgend' Form in Beziehung stand. Aber ich bin überzeugt aus heutiger Sicht, er hat es ihr aufs Herz gelegt. Und aus heutiger Sicht kann ich sagen, die ganzen beruflichen Stationen und auch Ausbildungen, die... Ich seh's wie son Puzzlestück, was alles dazu dient oder gedient hat, heute genau in dieser Tätigkeit, in dieser Form Unternehmer sein und Coach für vor allen Dingen Führungskräfte oder Ausbilder, Resilienzguide Ausbilder zu sein. Da hat jede berufliche Station auch ihren Teil dazu beigetragen.
Stefan:Also manchmal gibt's ja auch Leute, die sagen, ja, das ist vergeudete Zeit und so, wo ich sag, nee, nicht mal Scheitersituationen sind vergeudete Zeit, sondern es sind Dinge, wir im Idealfall etwas daraus lernen, uns weiterentwickeln und das Puzzlestück immer oder das Puzzle immer kompletter wird. Genau. So sehe ich auch meine berufliche Vita.
Sebastian:Jetzt gibst Du heute vielen Menschen, ich sag einfach mal jetzt im Coaching auch ein Stück weit Hilfestellung, begleitest sie. Wer coacht eigentlich Stefan Schmid?
Stefan:Also wir sind ja als als Ehepaar unterwegs. Das ist schon mal gut, weil wir da ganz viel im Austausch sind. Natürlich auch die Herausforderung, dass wir manchmal sagen, so, jetzt lass uns mal wieder ein Geschäftsführermeeting einberufen. Und aber auch andererseits so cut, jetzt sind wir Ehepaar oder auch wir haben 2 Töchter. Jetzt sind wir Eltern.
Stefan:Und also dass wir da nicht ständig in der Businessrolle sind. Deshalb lieben wir es zum Beispiel auch, Unternehmerehepaare zu begleiten und zu coachen aus der eigenen Erfahrung. Aber das ist nicht immer nur nur gut und empfehlenswert, sich gegenseitig zu coachen. Wir sehen da natürlich vieles, können uns supervedieren gegenseitig und so weiter. Aber wir haben auch ein Ehepaar, die also unsere Coaches sind, die die in unser Unternehmertum, aber auch manchmal sind die Grenzen auch fließend, die auch als Unternehmerehepaar arbeiten.
Stefan:Das heißt, die wissen auch, wie sich's anfühlt als Unternehmerehepaar. Wo sind da die besonderen Herausforderungen? Und ich würde sagen, ohne geht es nicht. Weil Du willst dich oder das ist das liegt einfach auch in mir drinne, wenn ich andere nicht nur ermutige, sondern auch herausfordere, sich weiterzuentwickeln, wär's fatal, selber stehen zu bleiben.
Sebastian:Ich hab's einfach nur angesprochen, weil viele denken ja auch grad bei uns Coaches, bei uns ist alles super Wir wissen ja Bescheid.
Stefan:Wissen immer wie's geht.
Sebastian:Genau und dem ist nicht so, sondern auch wir glaube ich brauchen tatsächlich auch ein Stück weit Begleitung. Wir kommen so langsam auf die Zielgerade von unserem Podcast. Ich ich hätt noch eine Frage, die mich tatsächlich auch persönlich interessiert. Wo holst Du dir in dieser heutigen doch sehr komplexen Zeit in 1 ja Zeit auch von ganz großen Problemen auch, die auf Gesellschaft, auf dieser Erde auch lasten, wo wir auch gar keine schnellen Antworten parat haben. Wo holst Du dir die Orientierung für dich ganz persönlich?
Stefan:Indem, dass wir regelmäßig Resilienz Guides ausbilden, bleiben wir an dem Thema dran. Es gibt verschiedene Resilienzfaktoren, zum Beispiel Optimismus. Wir haben einen christlichen Ansatz. Also das gibt's so bislang im deutschsprachigen Raum nicht Resilienzausbildungen, die den christlichen Glauben mitberücksichtigen. Und wir haben diesen Resilienzfaktor, den so in der Allgemeinliteratur gibt, Optimismus ergänzt Zuversicht.
Stefan:Das ist son son biblischer Begriff. Der wird auch landläufig gebraucht, aber eigentlich ein biblischer Begriff. Zuversicht und Hoffnung, das sind so, ist im Prinzip so eine Blickrichtung. Und Hoffnung heißt in der Bibel im Neuen Testament, also ist im Griechischen geschrieben, aber wenn man es zurück übersetzt ins Deutsche, das Gute erwarten. Also Hoffnung, ich beziehe meine Hoffnung aus meiner Beziehung zu diesem Gott.
Stefan:Und also der für mich auch der Ursprung ist von Hoffnung über aktuelle Situationen, Umstände hinaus. Der also das Gute, die Blickrichtung nach vorne, die optimistische Blickrichtung, aber nicht nur jetzt son bisschen, jetzt zieh dich so am eigenen Schopf hier ausm Sumpf, sondern setze auf mich, diesen Gott. Es gibt im Alten Testament einen Hinweis, wo es heißt, und diesem Gott bereitet es Freude, uns Menschen Gutes zu tun. Okay, wenn das stimmt und das ist meine Erfahrung, er gebraucht dann solche Tante Luisons und so weiter, aber dass von ihm her wir Gutes empfangen, das ist meine Blickrichtung, das Gute erwarten von diesem Gott.
Sebastian:Resilienz, das Thema haben wir jetzt nur gestreift. Ich habe es tatsächlich die Seiten, die ich dazu an Fragen hatte, kurz weggelegt, weil es war so spannend über die anderen Zahlen zu sprechen. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, wenn ich darf, ich gerne noch einmal wiederkommen und dann vielleicht tatsächlich so auch ein bisschen Steckenpferd von dir an das Thema Resilienz dann in dieses Gespräch in den Mittelpunkt stellen. Wir stellen unseren Gästen immer eine ganz konkrete Frage zum Schluss. Stell dir vor, Du hast ein Mikrofon, so wie's jetzt vor dir steht.
Sebastian:Und dieses Mikrofon ist verknüpft mit der ganzen Welt. Das heißt, wenn Du jetzt was in dieses Mikrofon reinsprichst, dann hört es jeder auf dieser Erde. Also Du hast einmal 30 Sekunden lang die Aufmerksamkeit von der ganzen Welt. Was würdest Du denn gerne dieser Welt einmal mitteilen?
Stefan:Zum einen, das ist auch ein Resilienzaspekt, wir Menschen sind angelegt, zu gestalten. Manchmal fühlt sich das Leben an wie Opfer. Wir sind den Umständen ausgeliefert und da könnte man depressiv und entmutigt werden. Also wir haben, jeder hat in sich Potenzial, zu gestalten, auch Zukunft zu gestalten. Und dann gibt es, und ich kann nicht anders als leidenschaftlicher Christ, auch an der Stelle auf Gott zu zu verweisen, der sagt, ich der Herr, da gibt's eine Bibelstelle im Alten Testament, ich der Herr gebe dir und euch Zukunft und Hoffnung.
Stefan:Also wir müssen nicht mal, wenn wir im Blick auf unsere Zukunft nach vorne schauen, erst irgendwie selber meistern, sondern da ist ein Gott, der sagt, und das hab ich bereit für dich. Hoffnung, das Gute und Zukunft. Das will ich der Welt so gerne mitteilen.
Sebastian:Vielen herzlichen Dank für dieses wundervolle Gespräch.
Stefan:Sehr gerne.
Intro/Outro:Das war Goldrausch. Anders glücklich leben. Danke, dass Du dabei warst. Katharina, Sebastian und ihre Gäste freuen sich, wenn Du den Podcast abonnierst und die Reise weiter mitgehst.