A bavarian Stranded in Ireland - Tips und Tricks fuer Deutschsprachige zum Leben in Irland

Irland verändert sich gerade massiv.

Innerhalb weniger Jahrzehnte geht das Land von Torf, Kohle und Öl hin zu Windparks, Offshore-Projekten, Solarenergie und energiehungrigen Data Centres von Google, Amazon & Co.

In dieser Folge spreche ich darüber:
- warum Energie in Irland so ein emotionales Thema ist,
- weshalb Turf für viele Menschen weit mehr als nur Brennstoff war,
- wie der Celtic Tiger Irlands Energiebedarf explodieren ließ,
- warum Strom in Irland oft extrem teuer ist,
- weshalb Windenergie gleichzeitig Hoffnung und Streitpunkt ist,
- und warum manche Politiker glauben, dass Irland langfristig Europas „grüne Batterie“ werden könnte.

Außerdem geht es um:
⚡ Offshore-Wind  
⚡ Data Centres & Housing Crisis  
⚡ Gasimporte über Großbritannien  
⚡ kalte irische Wohnungen  
⚡ typisch irische Infrastrukturprobleme  
⚡ und den ewigen Konflikt zwischen modernem Tech-Irland und ländlicher Tradition.

Wie immer geht es dabei nicht nur um Fakten, sondern auch um das Lebensgefühl in Irland – zwischen Innovation, Improvisation und „Ah sure look“.


———

📚 Quellen & weiterführende Links:

- SEAI – Energy in Ireland Reports  
https://www.seai.ie/data-and-insights/seai-statistics/key-publications/energy-in-ireland

- EirGrid – Real Time System Information  
https://www.eirgrid.ie/grid/real-time-system-information

- Irish Government – Climate Action Plan  
https://www.gov.ie/en/department-of-climate-energy-and-the-environment/publications/climate-action-plan-2024/

- Wind Energy Ireland  
https://windenergyireland.com

- Bord na Móna  
https://www.bordnamona.ie

- International Energy Agency – Ireland  
https://www.iea.org/countries/ireland

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What is A bavarian Stranded in Ireland - Tips und Tricks fuer Deutschsprachige zum Leben in Irland?

Weil man immer wieder von Deutschen und anderen Deutsch-Muttersprachlern liest die sich fuer die Grüne Insel sehr faszinieren und sich einen Ausgedehnten Urlaub, einen Studienaufenthalt oder ein Ganz neues Leben in Irland vorstellen können aber oft nur schwer oder teilweise Infos finden, möchte ich hier fuer alle Interessierten Einblicke zur Vorbereitung und zum Start hier in Irland (Arbeits- und Wohnungsmarkt, Sozialversicherung, Infrastruktur etc) sowie zum Alltagsleben bieten - Genauso möchte ich euch aber in meine eigenen Einblicke und Eindrücke mitnehmen, Land, Leute, Kultur und Ausflugsziele (inklusive und über die weltbekannten Attraktionen) und vieles weitere, eventuell finden wir ja auch im weiteren Verlauf fuer die ein oder andere Episode eine(n) Gesprächspartner/in. Wenn Ihr also Fans des Landes von Joyce und Connolly, des schwarzen Biers und der Grünen Wiesen seid, würde ich mich freuen wenn Ihr einschaltet und den Podcast euren Freunden und Bekannten weiterempfehlt

Speaker 1:

Hallo, servus und guten Tag, liebe Irlandfreunde. Ich begrüße euch auch heute wieder ganz herzlich zu 1 neuen Folge, A Beverians trendet in Irland und werde euch in den nächsten Minuten mitnehmen auf eine kleine Reise rund die Insel von grünen Wiesen, steilen Klippen und schwarzem Bier. Und damit noch mal ein herzliches Servus an alle an alle beim Podcast für alle, die Irland lieben, dort lieben, dorthin auswandern wollen oder einfach verstehen möchten, warum dieses Land manchmal gleichzeitig so unglaublich modern und komplett improvisiert wirkt. Und heute reden wir über etwas, das auf den ersten Blick einfach ein bisschen trocken klingen mag, aber doch sich mit vielen anderen Themen so sehr verbindet, dass das Ganze mit Sicherheit sehr, sehr spannend für euch wird. Energie, Ganz ehrlich, wird wohl kaum ein Thema besser Irland erklären, als es Energie tut.

Speaker 1:

Denn wenn man verstehen will, wie Irland am Ende des Tages wirklich funktioniert, muss man sich eigentlich nur anschauen. Woher kommt der Strom? Und warum ist die Energie hier so teuer? Warum stehen plötzlich, also gerade in den letzten Jahren kommend, überall Windnänder, Windräder, Entschuldigung. Warum reden Politiker ständig über Data Centers?

Speaker 1:

Und auch in der öffentlichen Wahrnehmung werden sie immer größeres Thema. Warum importiert Irland trotz Windenergie immer noch so viel Strom und andere Energieformen? Und warum riecht es in vielen Ecken immer noch so stark nach Torff? Zeig wahrscheinlich in 1 Minute öfter warum gefragt, als es mancher Dreijähriger an einem ganzen Tag tut. Aber man soll ja die wichtigen Fragen zu Beginn stellen und deswegen lasst uns zu den Antworten übergehen.

Speaker 1:

Warum den Dingen, die ich gerade ins Spiel gebracht hab, so ist, ist, dass sich Irland aktuell in 1 ganz dramatischen Transformation befindet. Innerhalb weniger Jahrzehnte geht das Land von Turffiers, Kohle und Öl hin zu Offshore Windn, Solarparks, Elektroautos und AI Datenzentren. Damit wären wir eben bei dem beschriebenen Status quo. Und wie immer läuft in Irland das Ganze gleichzeitig ambitioniert, beeindruckend, chaotisch und ein bisschen nach dem Motto. Genau deswegen passt dieses Thema in so viele Schnittstellen, die erfüllen möchte.

Speaker 1:

Denn Energie ist in Irland nicht einfach nur Strom. Es gibt immer Berührungspunkte zur Geschichte, Identität, dem ländlichen Raum, Globalisierung, Techkonzernen, Klimawandel, Wohnungsproblemen und Infrastruktur im Allgemeinen. Und aus all dem ergibt sich die Frage, was für ein Land denn Irland in Zukunft sein möchte. Mit dem Thema Energie, glaube ich, hat sich jeder, der länger in Irland lebt, das erste Mal beschäftigt, als die erste fette Stromrechnung ins ins Haus geflattert ist. Oder bei Zeitpunkt, wo man in irischen Altbau saß und sich entweder im Sommer fragte, warum ist es hier drinnen eigentlich genauso knallheiß wie draußen, wobei knallheiß ja immer eine Sache des Betrachtungswinkels ist im irischen Sommer, Klammer zu.

Speaker 1:

Oder umgekehrt im Winter, warum ist es hier draußen eigentlich eher hier drinnen eigentlich so klärend kalt? Da hätt ich genauso gut draußen vor der Tür bleiben können. Oder wenn man irgendwo in den Midlands plötzlich riesige Windparks wahrnimmt, bei denen man schwören kann, dass man sich entweder gewaltig täuscht oder die beim letzten Mal, als man da vorbeikam, noch nicht gesehen hat. Und dann mal wieder zum Schluss kommt, oha, dieses Land ist massiv in 1 Veränderungsphase. Wir haben jetzt viele Fragen gestellt und viele Szenarien gezeichnet, also machen wir uns gemeinsam auf die weitere Reise vom Turffeuer zur Windnation.

Speaker 1:

Wenn man heute in Dublin durch die läuft, vorbei an den Büros von Google, Meta und Tiktok, dann vergisst man schnell, wie arm Irland eigentlich noch vor wenigen Jahrzehnten war. Denn Irland industrialisierte sich viel später als zum Beispiel Deutschland oder Großbritannien. Während in Bayern oder im Ruhrgebiet riesige Fabriken entstanden, war Irland relativ lang ein armes agrarisches Land. Und das spiegelt sich natürlich auch in der Energieversorgung wider. Das wichtigste Symbol dafür war TERF oder auf Deutsch Torff.

Speaker 1:

Und wenn ganz ehrlich man ein paar Winter in Irland erlebt hat, dann versteht man plötzlich, warum das alles so wichtig ist. Denn irische Häuser waren historisch oft richtig schlecht isoliert. Manche sind es auch heute noch. Ich glaub, jeder, der einmal in einem alten Mietshaus in Doublin, Cork glaube ich gewohnt hat, kennt dieses Gefühl. Draußen hat es vielleicht 8 Grad, aber drinnen fühlt es sich irgendwie an wie minus 3.

Speaker 1:

Und die Fenster bewegen sich leicht im Wind, als würden sie aktiv mit der Außenwelt kooperieren. Ich habe in Irland Wohnungen gesehen, da hätte man mit etwas Kreativität wahrscheinlich direkt im Wohnzimmer Drachen steigen lassen können. Und trotzdem zahlt man dann Strom- oder Heizkosten, bei denen man kurz denkt, ja, okay, also ich finanziere gerade vermutlich das gesamte nationale Stromnetz persönlich mit. Das ist ein sehr authentisches irisches Wintererlebnis. Deshalb war Wärme in Irland lange etwas extrem Wertvolles.

Speaker 1:

Nicht wenige Familien haben ihren eigenen Torff in den Mooren geschnitten. Dann wurde er getrocknet, gestapelt und im Winter verbrannt. Dieser Geruch von pränientem Torf, den man heute besonders im Westen Irlands oft noch wahrnimmt, stellt für viele Menschen absolute Nostalgiegefühle dar. Wenn man durch Mayo, Donegal oder Connamara fährt und irgendwo Rauch aus einem Kamin aufsteigt, dann hat das fast etwas Zeitloses. Für viele ältere hier ist das emotional fast vergleichbar mit Biergartengefühl oder Sonntagsbraten bei uns in Bayern.

Speaker 1:

Und das macht das Thema so spannend. Torff war nicht einfach nur Energie. Torff war und ist auch noch ein Stück weit Kultur. Viele Familien verbinden damit Kindheit, Familienleben, das ländliche Irland, hartes harte Arbeit, wie man sie selbst oft erlebt hat, auch wenn man mit dem Torfbau direkt nichts zu tun hat. Und sofern man seinen eigenen Torf stach, auch ein Stück weit Selbstversorgung.

Speaker 1:

Gerade in abgelegeneren Gegenden bedeutete eigener Torf auch Unabhängigkeit. Ab den Neunzehnhundertvierziger- und Fünfzigerjahren entstand daraus sogar eine ganze Industrie. Die staatliche Firma BORD NAMONA wurde riesengroß, indem sie den Torfabbau gewissermaßen industrialisierte. Daraus entstanden auch Bahnlinien, Kraftwerke, Werkstätten, kleine abhängige Industriezweige und in vielen Regionen, die ansonsten eher strukturschwach waren, auch ganz eigene Wirtschaftskreisläufe, die unzählige Arbeitsplätze schafften. Und das erklärt später auch einen der großen Konflikte der irischen Energiewende.

Speaker 1:

Denn wenn Dublin heute sagt, wir müssen klimaneutral werden, dann hören manche Leute in den Eure Lebensrealität ist uns scheißegal. Und genau deshalb sind Energiedebatten in Irland oft emotionaler, als man von außen vielleicht erwarten würde. Denn für viele Menschen geht es dabei nicht nur Strom, sondern Stück weit Identität. Und das ist übrigens was, das ich in Irland generell relativ faszinierend finde. Viele politische Diskussionen laufen hier emotionaler und persönlicher ab als etwa in Deutschland, sagen wir mal.

Speaker 1:

Liegt vielleicht auch daran, dass das Land kleiner ist. Vielleicht, weil Communities enger verbunden sind. Vielleicht, weil viele Entwicklungen noch relativ neu sind. Damit zurück zur Energie. Wenn man in Irland darüber spricht, redet man automatisch auch über regionale Identitäten, über Arbeitsplätze und über die Frage, wer profitiert eigentlich vom modernen Irland?

Speaker 1:

Und passend zu dieser Frage kam dann Anfang der Neunzigerjahre der Caltic Tiger. Und ehrlich gesagt, kann man kaum über ein modernes Irland sprechen, ohne diesen Wahnsinn mit einzubeziehen. Zwischen den Neunzehnhundertneunzigerjahren und den frühen Zweitausendern explodierte das Land wirtschaftlich komplett. Plötzlich kamen Intel, Dell, Microsoft, Pfizer, Google, Facebook. Und Dublin, speziell Dublin verwandelte sich teilweise innerhalb von 10 Jahren komplett.

Speaker 1:

Neue Büros, neue Wohngebäude, neue Autobahnen, neue Einkaufszentren, damit verbunden mehr Konsum, mehr Autos. Und wenn man sich auf die demografische Entwicklung schaut, auch mehr Menschen. Und plötzlich brauchte Irland massiv mehr Energie. Das Problem war, das Land war darauf eigentlich überhaupt nicht vorbereitet. Irland hatte nie die massive industrielle Infrastruktur wie, sagen wir, Deutschland.

Speaker 1:

Das Stromnetz war kleiner, die Reservekapazitäten deutlich begrenzter und viele Systeme waren auf ein viel kleineres Land ausgelegt. Und genau hier beginnt eigentlich das moderne Energie Irland. Denn plötzlich musste das Land schnell reagieren. Deshalb wurde Erdgas extrem wichtig. Gas war flexibler und sauberer als Kohle und man konnte relativ schnell moderne Gaskraftwerke bauen.

Speaker 1:

Heutsch heute stammen je nach Jahr und Wetterlage ungefähr 40 Prozent des irischen Stroms weiter aus Gas. Das bedeutet, trotz aller Windnelräder läuft Energie im im Kern weiterhin stark mit fossilen Quellen ab. Was direkt in ein neues Problemfeld führt. Woher kommt dieses Gas eigentlich? Historisch hat die Irland eigene Produktion, vor allem durch das vor der Westküste.

Speaker 1:

Aber diese Produktion geht langsam aber sicher zurück. Deshalb importiert Irland heute einen Großteil seines Gases über Großbritannien. Und plötzlich merkt man, eine Insel zu sein, klingt romantisch, bis man eben über die Energieversorgung spricht. Das macht Irland zwangsläufig extrem abhängig. Spätestens nach Brexit und dem Ukrainekrieg wurde vielen langsam klar, Energiesicherheit ist zunehmend ein riesiges Thema.

Speaker 1:

Und das war für viele Menschen fast ein kleiner Schock, denn Irland hatte sich über Jahre daran gewöhnt, dass Energie einfach irgendwie vorhanden ist. Plötzlich ging es Versorgungssicherheit, Preissteigerungen, die eben zu der Zeit exponentiell waren. Inflation, zum Teil dadurch bedingt, geopolitische Risiken, wie wir sie die letzten Jahre überall sehen und die Angst vor vor möglichen Engpässen, also dass die Energie nicht einfach nur mehr da ist. Und genau hier merkt man wieder, wie verwundbar kleine Inselstaaten sein können. Deutschland hat viele Nachbarländer.

Speaker 1:

Irland hat den Atlantik und das macht Energiepolitik automatisch komplizierter. Dazu kommt, Irland verbraucht heute natürlich viel mehr Energie als früher. Da wären wir wieder bei der Aufzählung von vorher und neben Autos kommen mehr Wohnungen, mehr Büros, mehr Datenzentren und natürlich auch der vorhin angesprochene Konsum, der immer irgendwo durch Energie am Laufen gehalten wird. Das moderne Irland ist energiehungrig geworden. Und gleichzeitig versucht das Land, klimafreundlicher zu werden, was nicht selten ein Balanceakt ist, der, einem grad einem Tanz auf der Rasierklinik gleicht.

Speaker 1:

Und oft zeigt sich das auch bisschen im Alltag. Einerseits möchte Irland modern und auch grün wirken, auf der anderen Seite fährt außerhalb Dublins und zum Teil auch irrsinnigerweise innerhalb gefühlt jeder zweite Mensch einen Diesel SUV. Und ganz ehrlich, wenn man einmal versucht hat, irgendwo am Land ohne Auto zu zu leben, versteht man es auch. Klar, Land muss man hier eingeschränkt sehen. Als Großstädter ist wahrscheinlich gefühlt alles außerhalb, trouble ins Land.

Speaker 1:

Aber es gibt doch auch, ja, viele größere und mittelgroße Städte, die ausreichend gut angebunden wären, dass man nicht tagtäglich aufs Auto angewiesen ist. Aber das ist wieder anderes Thema. Mit dieser Aussage, die Sie jetzt vielleicht für den aufmerksamen Zuhörer bisschen wie Widerspruch angehört hat, möchte ich einfach nur die Komplexität der Situation etwas näher veranschaulichen. Was aber definitiv bestehen bleibt, ist die Schwierigkeit, dass außerhalb der größeren Städte es mit dem öffentlichen Verkehr oft schnell schwierig wird, sei es durch die Direktheit der Verbindungen, die oft nur sehr indirekt vorhanden ist oder durch extrem dünne Fahrpläne. Jetzt kommen wir aber zu dem Bereich, wo Irland fast perfekte Voraussetzungen hat, Wind.

Speaker 1:

Und ehrlich, jeder, der schon mal an dem Novemberabend in Garway fast von 1 Böe Richtung Atlantik getragen worden wäre, weiß, wovon ich hier spreche und ist von der Aussage auch nicht überrascht. Teilweise hat man dort das Gefühl, dass selbst die Schafe leicht schräg im Wind stehen. Irland besitzt einige der besten Windbedingungen Europas, vor allem an der Westküste in den vorhin schon angesprochenen Midlands, in den Atlantikregionen, okay, die liegen natürlich auch an der Westküste und ja die Offshoreinseln zum Teil sind präsistent als Standorte Windenergie zu gewinnen deswegen hat Irland schon vor langer Zeit mit dem Ausbau von Windparks gewonnen und inzwischen liefert regelmäßig, also man muss sagen, es gibt natürlich saisonale und jährliche Schwankungen, aber in Summe Irland zwischen 30 und Prozent und 40 Prozent des gesamten Strommixes über den Wind. An besonders windigen Tagen ist es in kurzfristigen Spitzen oft sogar noch mal deutlich mehr. Aber auch dieses runde Drittel, von dem wir gesprochen haben, ist international extrem bemerkenswert.

Speaker 1:

Damit gehört die Republik Irland zu den Ländern mit dem höchsten Windenergieanteil aufm Globus. Und darin zeigt sich etwas ziemlich Interessantes. Irland hatte nie riesige Kohle, geschweige denn Atomindustrie. Dadurch kann sich das Land aber auf der anderen Seite auch besser und flexibler auf erneuerbare Energien einstellen. Das Land muss keine gigantischen alten Strukturen, die sich aus den genannten Energie Industrien ergeben hätten können, verteidigen.

Speaker 1:

Das einzige Thema war dann nur über die letzten Jahrzehnte der Torffeuer und diese Gesamtkonstellation passt irgendwie auch zu Irland. Entwicklungsschritte, die andere Länder machen, werden in manchen Bereichen einfach übersprungen. Man sieht's zum Teil auch in anderen Bereichen. Wenn man jetzt wieder nach Doublin schaut, sieht man dort in manchen Teilen der Hauptstadt eine futuristische Techstadt. Ich sag da nur Silicon Docs.

Speaker 1:

Und gleichzeitig gibt es selbst in der Hauptstadt, aber im Land des Gesamten auch Gegenden, wo die Energieversorgung, hätt ich fast gesagt, die Internetversorgung mein ich in dem Fall, auf dem Stand von 2007 s. Und Energie habe ich jetzt nicht ganz aus Versehen gesagt, weil bei der sieht es zum Teil ähnlich aus, gerade was eben die Versorgungsabsicherung angeht. So begrüßenswert der Fortschritt in Sachen alternativer Energien und Wind im Besonderen ist, gehen damit auch Konflikte einher, denn nicht jeder möchte Windräder neben seinem Cottage haben. Vor allem in ländlichen Regionen, die von Windparks betroffen sind, gibt es da Widerstand. Und ich für mich muss sagen, ich verstehe da irgendwo beide Seiten, denn einerseits führt an erneuerbaren Energien kein Weg vorbei.

Speaker 1:

Andererseits, wenn plötzlich 20 riesige Turbinen neben deinem Storf stehen, verändert das natürlich die Landschaft. Und Irland lebt halt auch emotional extrem von der Landschaft. Und nicht nur emotional, sondern eben auch wirtschaftlich. Irland verkauft sich international über die Natur, über Küsten, weil der Atlantic Way wär dann mal son Stichwort, über grüne Landschaften, über wilde Regionen. Deshalb sind Windparks oft emotional aufgeladene Themen.

Speaker 1:

Teil der Debatte sind dabei auch Lärm, Natur, Vogelschutz, Landschaftsschutz und Immobilienpreise. Auf der anderen Seite verdienen manche Bauern inzwischen gutes Geld mit Windrädern auf ihrem Land und das verändert ganze Regionen wirtschaftlich. Teilweise ist Windenergie inzwischen nicht nur Klimapolitik, sondern ein echter Wirtschaftsfaktor. Und hier merkt man auch wieder den typisch irischen Pragmatismus. Viele Leute sagen nicht unbedingt, ich liebe Windenergie, sondern eher, na ja, solang's Jobs bringt.

Speaker 1:

Und das beschreibt Irland oft ziemlich gut. Viele Entwicklungen werden hier nicht unbedingt ideologisch gesehen, sondern eher praktisch. Funktioniert es, bringt es Geld, hilft es der Region im Ganzen? Dann sind viele Leute grundsätzlich offen dafür. Wir haben ja vorhin schon mal kurz über Stromrechnungen gesprochen.

Speaker 1:

Daraus ergibt sich die Frage, warum ist Strom in Irland eigentlich im internationalen Vergleich so teuer? Die Antwort darauf ist keine einfache. Ich versuch's aber trotzdem mal, euch aufzuschlüsseln. Das eine ist, Irland ist als Land mit ungefähr fünfeinhalb Millionen Einwohnern ein recht kleiner Markt. Kleinere Märkte haben oft vergleichsweise höhere Kosten verglichen mit größeren, nicht zuletzt infrastrukturell, aber eben auch absatztaktisch bei den Anbietern so bedingt.

Speaker 1:

Zum anderen ist Irland geografisch isoliert. Da sprechen wir wieder von der Insellage. Deutschland kann Strom aus Frankreich, Österreich oder den Niederlanden beziehen, ohne dabei Nähere durchqueren zu müssen. Irland hat diese Möglichkeit eben bedingt dadurch, dass es eine Insel ist, nur sehr begrenzt. Dadurch braucht das Land zudem mehr eigene Reservekapazitäten, relativ gesprochen.

Speaker 1:

Nicht zuletzt ist das Netz aber auch nicht das Modernste, heißt, die Transportverluste sind vergleichsweise auch ziemlich hoch. Technologie, Infrastruktur und alle weiteren Investitionen, die dabei anfallen, kosten Milliarden von Euro. Was zusätzlich die Kasse des Einzelnen belastet, ist einfach der Punkt, dass viele Häuser ineffizient sind. Wir hatten vorhin schon den netten Temperaturvergleich. Was halt damit auch dazukommt, ist, diese Verluste auszugleichen, muss halt im Zweifelsfall deutlich mehr, deutlich länger geheizt werden, was die Energierechnungen zusätzlich in die Höhe treibt.

Speaker 1:

Und nicht wenige Menschen in Irland heizen gerade in Altbauten nach wie vor mit elektrischen Heizungsanlagen. Und diese sind naturgemäß weniger effizient als eine moderne Gasheizung. Durch die Importsituation und den Verlust in der Transportinfrastruktur entsteht eine Situation, durch die Irland zeitweise mit die höchsten Haushaltsstrompreise in Europa hat. Und daraus ergeben sich natürlich Spannungsfelder. Nicht wenige Menschen sagen aufgrund der Situation nämlich, wie soll die Energiewende funktionieren, wenn normale Haushalte jetzt schon Probleme mit den Kosten haben und dann noch Milliarden von Investitionen umgelegt werden müssen?

Speaker 1:

Und das ist ein wichtiger Punkt, denn Klimapolitik klingt für viele oft so lange gut, solange sie theoretisch bleibt. Aber sobald Menschen das Gefühl haben, dass sie sich heizen, Autofahren oder Strom kaum noch leisten können, wird die Debatte schnell emotional. Und genau das sieht man aktuell in vielen europäischen Ländern und genau zu diesem zählt eben auch Irland. Gerade in ländlichen Regionen fühlen sich viele Menschen teilweise abgehängt, denn diese brauchen noch deutlich öfter als die urbanische Bevölkerung ein Auto. Die Bausubstanz ist oft älter und damit schlechter isoliert.

Speaker 1:

Und viele Menschen haben das Gefühl, dass Entscheidungen hauptsächlich in und für getroffen wird. Und damit einhergehend das Gefühl, dass man dort den Rest des Landes nicht wirklich versteht und sich der Probleme in den ländlichen Regionen auch enthält. Etwas, das nicht nur in der Energiedebatte, sondern in vielen, vielen anderen Themen natürlich genauso ist. Ein weiteres Thema, das eine gewichtige und immer größer werdende Rolle spielt, sind Datacenters. Denn wenn man verstehen will, wie absurd, modern und gleichzeitig über überfordert Irland in manchen Belangen ist, muss man nur auf die Stromverbrauchszahlen schauen, die damit einhergeht.

Speaker 1:

Jetzt kommen wir zu Namen, die man die wir zum Teil vorhin schon gehört haben. Google, Amazon, Meta, Microsoft, TikTok. Alle betreiben riesige Datenzentren in Irland. Warum? Sind zum Teil einfach ähnliche Gründe wie auch die für die Präsenz im Land.

Speaker 1:

Niedrige Unternehmenssteuern, Englisch als Alltagssprache, EU Mitgliedschaft. Und ein Thema, das über die letzten Jahrzehnte dazugekommen ist, ist einfach, dass ein etablierter Techsektor vorhanden ist. Das Problem kommt nun, die die Zentren verbrauchen unfassbar viel Strom. Teilweise gehen inzwischen 20 und mehr Prozent des gesamten irischen Stromverbrauchs auf Datacenters zurück. Und da sind wir an dem Punkt, wo das Ganze ziemlich explosiv wird.

Speaker 1:

Auf der einen Seite bestehen Versorgungsengpässe und Wohnungen und andere kritische Infrastrukturelemente und deren Bedürfnisse fehlt der Raum. Aber für große Konzerne und deren Datenzentren ist immer Raum, dass deren Befindlichkeiten gefüllt werden. Wenn nicht wenig Menschen im Land kommen da die Fragen auf, warum steigen Strompreise, während diese Großkonzerne mehr und mehr Energie verbrauchen können? Und warum entstehen Kraftwerke, damit AI noch schneller Werbung personalisieren kann und die wahren Bedürfnisse der kleinen Leute bleiben auf der Strecke? Fragen, die für viele Leute durch die Polemik fast lustig wirken und dem geneigten Kapitalisten nicht immer ernsthaft erscheinen, aber eben mehr und mehr in der politischen Debatte Einzug halten.

Speaker 1:

Und ehrlich gesagt, der Konflikt, der damit einhergeht, ist Stück weit wirklich Sinnbild fürs moderne Irland. Auf der einen Seite stehen große Erfolgsmeldungen, auf der anderen Seite wird das Land durch seinen eigenen Erfolg gebremst. Etwas, das wie eine Art Überforderung des Landes und seiner Regierung gesehen wird und dass Expats genau wie Einheimischen zunehmend in die Augen fällt. Du siehst auf der einen Seite eben diese internationalen Firmen, damit einhergehend hohe Gehälter und luxuriöse Büros, aber auf der anderen Seite fährt der Bus nicht. Zigtausende Wohnungen fehlen, die Stromrechnungen explodieren und aus all diesen Gründen und der steigenden Bevölkerung kommen essenzielle infrastrukturelle Entwicklungen nicht hinterher.

Speaker 1:

Und das sind nur einige wenige von vielen Beispielen, welchen zentralen Stellenwert die Energiepolitik in der gesamten gesellschaftspolitischen Debatte inzwischen hat. Damit aber zum wohl spannendsten Teil des Ganzen. Es handelt sich da eine mögliche Lösung oder zumindest teilweise Lösung der gerade aufgeworfenen Probleme. Es geht ums Thema Offshorewind, denn hier wird es wirklich gigantisch. Ich hab ja schon gesagt, einen gigantischen Anteil am gesamten Stromhaushalt Irlands nimmt die Windenergie bereits jetzt ein, aber der steigende Energiebedarf zum einen und ambitionierte Ziele zum anderen bedingen, dass die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen.

Speaker 1:

Und so plant die irische Regierung bis 2030 ungefähr 5 Gigawatt an Offshore Windneistung. Langfristig spricht man sogar von über 30 Gigawatt an Potenzial. Und das ist eine absolut irrsinnige Zahl, wenn man bedenkt, dass Irland nur etwas über 5000000 Einwohner hat. Was man da als Schluss draus ziehen kann, ist, dass das Land inzwischen nicht mehr an die eigene Versorgung nur dabei denkt, sondern auch an einen perspektivischen Energieexport nach Europa. Und genau deshalb sprechen manche Politiker vom vielleicht größten Infrastrukturprojekt in der Geschichte des modernen Irland.

Speaker 1:

Besonders wichtig sind Projekte an der Ostküste, zum Beispiel das Dublin Array, genauso wie Planungen vor Wicklow und vor der Küste von und auf lange Sicht auch große offshorepläne im Atlantik. Teilweise sollen dort Hunderte von Turbinen entstehen und moderne offshore Windräder sind wahrlich gigantisch. Eine einzelne Turbine kann heute über zweihundertundfünfzig Meter hoch sein, also höher als die höheren der Gebäude, die man in Dublin findet. Und dafür braucht man natürlich riesige Infrastruktur, beginnend mit Häfen und Stromleitungen, Spezialschiffe, Ausbildungsplattformen und natürlich Milliarden an Kapital. Mit diesen ambitionierten Zielen geht in manchen Küstenregionen die Ambition oder die Hoffnung einher, dass der Offshore Wind langfristig wirtschaftlich ähnlich wichtig werden könnte wie früher Werften oder die Schwerindustrie.

Speaker 1:

Und ehrlich gesagt, das klingt auf die irische Historie bezogen erst mal verrückt, denn jahrzehntelang war Irland energieabhängig, also in Bezug auf Energieimporte. Und plötzlich träumt dasselbe Land davon, Stromexporteur zu werden. Aber ob das alles so reibungslos funktioniert, ist ein großes Fragezeichen. Die Visionen sind da, aber wie man's unter anderem eben auch aus Irland kennt, ist von 1 perfekten Umsetzung nicht auszugehen. Beginnen tut das Ganze bei Planungsproblemen, ellenlangen Genehmigungsverfahren, natürlich auch von Anwohnerwiderstand in manchen Fällen auszugehen.

Speaker 1:

Zumal die Frage nicht geklärt ist, wie sich das Ganze auf das Thema der Fischerei und weitere Umweltthemen auswirkt, die also da werden wir von Vögeln bis zum klimatischen und dem Fischbestand bei unzähligen Themen, die allein da in diesen Stichpunkt fallen, genauso vor 1 ungeklärten Fragestellung, wie's dann wirklich mit der Netzanwendung und Einspeisung aussieht. Und ich mein auch, mitteleuropäische Länder sind da natürlich kein Vorreiter, was Infrastrukturausbau angeht. Aber wer die Verhältnisse in Irland schon mal gesehen hat und eben die Baugeschwindigkeit genauso wie die Genehmigungsverfahren beleuchtet hat, hat da eben wirklich noch mal mehr Zweifel bezüglich dessen, wie reibungslos das Ganze vonstattengeht. Und ein Kreisverkehr ist am Ende des Tages immer noch schneller genehmigt als eine neue Stromleitung. Insofern, wie lang sich das Ganze wirklich hinzieht, ist eine große Frage.

Speaker 1:

Wir liegen da auf alle Fälle irgendwo zwischen 20 30 und dem Ende der Menschheit, so viel kann ich schon mal sagen. Die ambitionierten Ziele der irischen Regierung enden nicht bei der Windenergie. Insgesamt sollen bis 20 30 ungefähr 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Das klingt erst mal beeindruckend und teilweise macht Irland tatsächlich enorme Fortschritte. Aber gleichzeitig warnen auch viele Experten vor dem, was wir gerade schon genannt haben, dass zum einen das bestehende Energienetz deutlich zu langsam ist, dass auf der anderen Seite eben dieser Rückstau, was Genehmigungen angeht, viele Dinge ausbremsen dürfte.

Speaker 1:

Auch die Speicherkapazität ist dem zum aktuellen Zeitpunkt nicht gewachsen. Zum anderen, wenn man von 80 Prozent auf dem aktuellen Stand ausgeht, wie realistisch das dann bei einem immer weiter steigenden Energiebedarf bleibt. Dieser Bedarf steigt eben dadurch auch noch wesentlich weiter und vor allem auch schneller, weil eben die Bevölkerung weiterhin wächst, zugleich Bedarfslagen nicht nur durch immer mehr Datacenters aufkommt, sondern auch durch die Entwicklung, was Elektromobilität angeht. Man sieht auch auf der grünen Insel immer und immer mehr E-Mobile umherbrausen. Und in Bezug auf Energieverbesserungen, was Eigenheime angeht, wird der Umstieg auf Wärmepumpen immer attraktiver und häufiger praktiziert.

Speaker 1:

Heißt also in Summe, das Ziel ist nicht damit erreicht, dass man mit dem, was man aktuell an Energie produziert, grüner wird. Es wird auch laufend mehr Strom produziert werden müssen, die Ziele einzuhalten. Und genau das ist halt auch wieder son Fragezeichen, wo man sagt, inwieweit ist das vor allem kurzfristig wirklich realistisch? Möglich ist es natürlich, dass Irland Europas grüne Batterie wird. Vielleicht entwickelt sich offshore Windn zu 1 riesigen neuen Industrie.

Speaker 1:

Vielleicht entstehen Tausende neue Jobs oder die Infrastruktur hier kommt nicht hinterher. Die Bevölkerung verliert langsam oder aber sicher an Geduld. Und vielleicht verzögern sich viele Projekte deutlich. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, typisch irisch eben. Denn Irland ist oft ein Land, das gleichzeitig unglaublich ambitioniert und komplett improvisiert wirkt.

Speaker 1:

Und genau deshalb lebt man hier ja irgendwie gerne, zumindest ich, weil das Land manchmal chaotisch ist, aber gleichzeitig unglaublich spannend. Und genau deshalb eignet sich Energie eigentlich perfekt als Thema für Irland. Denn in diesem Thema steckt irgendwie das ganze Land drin, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Ich glaub, das war ein würdiges Schlusswort für die heutige Episode. Ich hoffe, ich konnte für etwas Information und kurzweilige Unterhaltung sorgen.

Speaker 1:

Und noch wieder hoffe ich, dass wir uns bald wieder hören bei. Damit wären wir auch schon wieder am Ende 1 Folge angelangt. Ich hoffe, diese Episode hat euch gefallen. Wenn ja, lasst bitte auf dem Streamingdienst, über den ihr den Podcast hört, eine positive Bewertung da und abonniert den Kanal. Erzählt auch gern anderen Irlandbegeisterten in eurem Umfeld von.

Speaker 1:

Bei Fragen oder Anregungen könnt ihr mich gern jederzeit über die sozialen Netzwerke oder per E-Mail kontaktieren oder auch gern über das Kontaktformular auf der Webseite. Lasst's euch gut gehen, bleibt gesund und wir hören oder sehen uns bald auf der grünen Insel oder bei Irland. Bis dahin, tschau, servus und auf Wiedersehen. Sagt euer Bayer auf der grünen Insel.