Der Zeitnutzer Podcast - Strategisches Zeitmanagement für Menschen mit Verantwortung

Brauche ich mehr Struktur oder weniger? Diese Frage hat keine universelle Antwort. Denn Struktur ist nicht für jeden gleich: Was dem einen Halt gibt, schnürt dem anderen die Luft ab.

Martin Sänger ist Vertriebsprofi für Nicht-Verkäufer, Buchautor und Sparringpartner für den Vertriebsalltag und in puncto Struktur ziemlich genau das Gegenteil von mir. Wir sprechen darüber, woran man erkennt, ob man zu viel oder zu wenig Struktur hat, warum Verständnis und Spaß oft bessere Treiber sind als pure Disziplin und wie Martin ein ganzes Buch in wenigen Wochen fertiggestellt hat, ohne es je zu tippen.
Das Gespräch fand im Januar 2026 live auf YouTube statt, im Rahmen meines Zeitnutzer Clubs.

Links und Bücher aus dieser Episode:

Was ist Der Zeitnutzer Podcast - Strategisches Zeitmanagement für Menschen mit Verantwortung?

Du trägst Verantwortung, aber hast nie Zeit? Im Zeitnutzer Podcast erfährst du, wie du durch strategisches Zeitmanagement von reaktivem Abarbeiten zu bewusstem Gestalten kommst. Statt oberflächlicher Produktivitäts-Hacks bekommst du hier Impulse, die dir helfen, die Kontrolle über deine Zeit zurückzuerobern und gezielt voranzukommen.

Für Selbstständige, Unternehmer und Führungskräfte, die nicht noch mehr tun, sondern endlich das Richtige tun wollen.

Getreu meinem Motto: "Nutze deine Zeit, denn sie kommt nie wieder."

Hallo, ich bin Ivan Blatter, dein Mentor für strategisches Zeitmanagement.

Heute habe ich ein Interview für dich, nämlich eines, das im Januar 2026 live

auf YouTube im Rahmen meines Zeitnutzer-Clubs stattgefunden hat.

Das Thema des Monats war, wie viel Struktur brauche ich eigentlich?

Mein heutiger Gast ist Vertriebsprofi für Nichtverkäufer, Buchautor,

sein aktuelles Werk heisst Ich hasse verkaufen, Link in den Shownotes,

und Sparing-Partner für den Vertriebsalltag.

Er ist der Freigeist in diesem Gespräch. Ich bin eher der Strukturierte.

Was für eine Überraschung.

Es gibt aber auch sonst noch ein paar Unterschiede zwischen uns.

Er ist ein Hundetyp mit amerikanischem Pickup.

Ich bin ein Katzenmensch ohne Führerschein. Und doch verstehen wir uns bestens.

Wenn du das Gespräch lieber sehen als hören möchtest, die Aufzeichnung gibt

es auch auf YouTube, eben das Live, das im Januar da stattgefunden hat.

Den Link dazu findest du auch in den Shownotes. Doch das reicht schon als Vorrede,

denn jetzt begrüsse ich ganz herzlich meinen Gast Martin Sänger.

Lieber Martin, ich freue mich, dass du dir Zeit für uns genommen hast.

Ja, hallo und ganz, ganz lieben Dank für die Einladung. Ich freue mich auf die halbe Stunde jetzt.

Genau. Und du bist, glaube ich, genauso gespannt wie ich, was passieren wird,

weil, wie gesagt, in gewissen Belangen ticken wir vielleicht ein bisschen anders.

Also, wenn ich mir so eine Skala vorstellen würde, sagen wir mal ganz links,

da wo ich jetzt bin, das sind die ganz, ganz, ganz Strukturierten.

Da wäre ich, also das ist eigentlich falsch geschrieben, da müsste ich eigentlich

den Namen. Hier wäre der Ivan. Wo wäre der Martin?

Ja, tatsächlich ziemlich genau am anderen Ende. Also das ist leider etwas, was ich zugeben muss.

So in Strukturen kann ich mich irgendwie bewegen, aber selber Strukturen aufzubauen

oder zu organisieren, an die ich mich dann drei Tage später noch erinnere,

das ist wirklich für mich richtig schwierig.

Ist das ein Problem?

Manchmal schon. Also ich will mal ein ganz praktisches Beispiel machen.

Ich mache heute irgendeine Datei am Computer, benenne die auch irgendwie und

dann überlege ich mir heute, wo speichere ich die sinnvollerweise in meiner Ordnerstruktur ab?

Und dann fällt mir auch was ein, was total logisch ist.

Und wenn ich die in einer Woche suche, dann kann ich das, was mir heute logisch

erschien, in einer Woche nicht mehr nachvollziehen.

Da denke ich dann schon irgendwie, naja, das könnte ich ja dahin gespeichert

haben oder vielleicht dort.

Und deswegen muss ich mich sehr disziplinieren, einen Dateinamen zu finden,

den ich über die Suche wiederfinde.

Weil unter Umständen finde ich ihn über meine Denkstruktur nicht mehr wieder.

Ja, zum Glück können wir heute auch die Dateien selber durchsuchen.

Also das hat sich ein bisschen entschärft mit dem Dateinamen,

aber es ist doch ein sehr schönes Beispiel, wie eine unfertige Struktur manchmal

einem Stein in den Weg legen kann. Das ist bei mir natürlich genauso.

Also auch viel Struktur kann manchmal zu viel sein. Ich bin zum Beispiel einer,

der plant mindestens drei Wochen im Voraus seine Spontanität. Das bin ich.

Und das kann natürlich auch zu Problemen und Missverständnissen führen.

Wie entscheidest denn du zum Beispiel morgens, was du machst?

Ist denn das alles spontan?

Natürlich nicht alles. Wenn man im Business unterwegs ist, gibt es ja auch,

man hat Termine ausgemacht oder gewisse Dinge, wo man weiß, bis dann und dann

habe ich jemandem das Angebot zugesagt oder ich habe einen Rückruf versprochen.

All diese Sachen, die planen natürlich schon so ein Gerüst eines Tages,

einer Woche oder manchmal auch eines Monats.

Und wenn ich dann noch unterwegs bin und irgendwie zum Kunden muss,

dann muss das natürlich auch geplant und organisiert sein.

Aber wenn ich, sollte ich mal einen Tag haben, wo gar nichts ist,

dann stehe ich schon wirklich da und muss dann zugeben, ich gehe dann so ein

bisschen nach dem Lustprinzip.

Also da überlege ich mir schon, hey, worauf habe ich heute Lust?

Was macht mir heute Spaß?

Und natürlich, klar, kommt immer auch die Frage, was ist denn sinnvoll?

Ja, aber da ist dann wenig, ja, wenig, wo ich sage, oh, ich muss aber die To-Do-Liste

abarbeiten, sondern wenn ich wirklich mal, es kommt leider nicht vor,

aber wenn ich wirklich keinen Termin im Kalender habe,

dann nehme ich mir schon auch manchmal die Freiheit und sage,

woran habe ich heute Spaß?

Das ist ja nicht mal unbedingt etwas Schlechtes, das klingt sogar nach einem

sehr schönen und zufriedenen Leben und ich habe es ja in der Ausschreibung oder

bei LinkedIn auch immer wieder geschrieben,

nicht dass der Eindruck entsteht, ich hole jetzt hier einen Chaoten,

der überhaupt nichts auf die Reihe bekommt, das ist ja bei dir ausgesprochen nicht der Fall,

sondern du bekommst einiges auf die Reihe und du machst auch nicht einen so

wahnsinnig unglücklichen Eindruck, wenn ich dir das so direkt widerspiegeln kann.

Für mich ist ein schönes Sinnbild ich weiss ja ein wenig wie dieses Buch hier

entstanden ist, das ist ein aktuelles Buch ich glaube 23, 24 ist das erschienen,

erzähl doch mal die Geschichte für uns.

Ja tatsächlich ist es Februar 24, Februar 25 ich müsste jetzt echt nochmal nachschauen

also in meiner Widmung steht der 15.

Februar 24, also dann muss es ja schon, oh dann ist es 24 erschienen,

diese Jahre ist gar nichts für mich,

Ja, das Buch ist so, Schienen, ich habe mit einem guten Freund,

mit dem ich auch viel zusammenarbeite, mit Mike Fingsten, den du ja auch kennst, der, wir haben am 23.

Dezember, also einen Tag vor

Weihnachten, noch einfach miteinander ein bisschen geplaudert über Zoom.

Und dann hat er gesagt, er wird sich oder er überarbeitet gerade einige Kapitel

von seinem Buch und dann sag ich, wie viele?

Ja, zwei und dann sag ich, ah, und wann kommt dann die Neuauflage raus?

Dann hat er gesagt, ja, im Februar und ich hab halt manchmal so ein paar dumme

Sprüche auf der Zunge und ich hab ihm dann gesagt, wie, zwei Kapitel bis Februar,

bis dahin schreibe ich dir ein ganzes Buch.

Und Mike guckte dann in die Kamera und sagte, Challenge accepted.

Und dann dachte ich mir auch, was mache ich denn jetzt?

Jetzt habe ich hier eine große Klappe gehabt und muss aber irgendwie auch liefern.

Also die Blöße will ich mir dann doch nicht geben, zu sagen, nee, geht nicht oder so.

Und dann habe ich einfach überlegt, wie kriege ich das hin?

Und ich weiß, mit hier meinem Einfingersuchsystem An der Tastatur habe ich keine

Chance, aber ich kann reden, ich kann diktieren und es gibt inzwischen gute

Software, die transkribiert.

Und dann habe ich einfach den Test gemacht, wie viele Minuten muss ich reden,

um eine Seite Papier zu füllen, sodass ich weiß, wenn ich 160,

170 Seiten haben will, muss ich so und so viele Minuten, Stunden aufnehmen.

Und so habe ich mich dann dahin gearbeitet und dann einfach relativ konsequent

gesagt, jeden Tag nehme ich eine Stunde auf, woraus dann so und so viele Seiten werden.

Und dann habe ich bis dann und dann das Buch fertig. Dann geht es ins Lektorat.

Die brauchen 14 Tage. Und so habe ich dann einfach zurückgerechnet und habe

das dann gemacht, dieses Buch. Ja, ja.

Wenn ich dir jetzt so zugehört habe, habe ich so gedacht, habe ich den Falschen eingeladen?

Das klingt jetzt überhaupt nicht unstrukturiert, sondern du hattest ein Ziel.

Du hast dir überlegt, was sind die sozusagen, was sind die Bautsteine?

Ich habe das Ziel, so und so viele Seiten.

Du hast getestet, so und so viel muss ich dann aufsprechen, eine Stunde pro Woche.

Du hast einen Plan gemacht, du hast sogar das Lektorat eingeplant,

was nicht nach einem Unstrukturierten klingt und vermutlich hast du auch kurz

in den Kalender geschaut, um zu schauen, ob du bis Februar überhaupt Zeit hast,

das Ganze zu machen und so weiter.

Ja, der Punkt ist, meine Frau arbeitet im medizinischen Bereich und weil wir

keine Kinder haben, geht sie gerade über Weihnachten und Neujahr immer her und

übernimmt so viele Dienste, wie sie kann,

damit die Kolleginnen und Kollegen, die Kinder haben, halt Weihnachten feiern

können und Silvester und so.

Also bei uns ist es aufgrund der kleinen Kinder, die wir haben,

dann nicht so wahnsinnig schlimm.

Und da wusste ich, meine Frau ist sowieso in der Arbeit, dann kann ich ja eigentlich auch was tun.

Und ich gebe zu, es ist halt schon mein viertes Buch, sodass eine gewisse Erfahrung

reingeflossen ist, mit der ich dann die Umsetzung einigermaßen schnell planen konnte.

Aber das Unstrukturierte oder sagen wir mal so, das Impulsive war ja meine große

Klappe, die ich hatte, dass ich gesagt habe, bis dahin schreibe ich dir ein ganzes Buch.

Und das war weit weg von jeglicher Planung, das war einfach nur ein spontaner Satz. Ja, ja.

Also ich finde das noch interessant, wie eben beides zusammenkommt.

Ja, es war so eine spontane Sache.

Aber andererseits, wenn es dann mal feststeht, dann hast du ja wirklich auch

versucht, das so wenigstens ein bisschen zu strukturieren, damit du die Deadline

dann auch einhältst, auch so um den Mike zu zeigen, hey, ich schaffe das.

Der war übrigens auch mal hier in diesem Interview zum Thema Prozesse,

genau, für diejenigen, die sich noch erinnern können im Club.

Vielleicht gibt es auch nicht so diese Antwort, wie viel Struktur brauche ich.

Vielleicht sind es ja auch verschiedene Phasen. Manchmal braucht man ein bisschen

mehr Struktur, damit man sich wohlfühlt und manchmal wird es erdrückend oder zu viel.

Und gewisse Projekte brauchen etwas mehr Struktur. Wenn du ein grosses Projekt

hast mit verschiedenen Beteiligten oder sowas, hast du bestimmt sicher auch

mehr Struktur, als wenn es um etwas anderes geht, um deine neue Webseite oder irgend so etwas.

Wie ist denn das, wie siehst du das? Wenn sich jetzt jemand,

der hier zuschaut, überlegt, wann merke ich eigentlich oder habe ich zu viel oder zu wenig Struktur?

Was sind denn vielleicht so typische Anzeichen für das eine und das andere?

Ja, also tatsächlich ist eines der Anzeichen bei mir immer, dass ich viel mehr

Ideen im Kopf habe oder auch Möglichkeiten, was ich wie machen könnte,

als ich in irgendeiner Form verarbeiten oder umsetzen kann.

Und das führt dann manchmal dazu, dass mir zum Beispiel Dinge in dem Moment

schon keinen Spaß mehr machen, wenn ich weiß, ich erreiche mein Ziel.

Und dann muss ich mich wahnsinnig dazu zwingen, die letzten 20 Prozent einfach

noch fertig zu machen, weil eigentlich ist es schon uninteressant,

weil die Herausforderung schon abgehakt ist.

Also ich weiß, das funktioniert, das läuft, wir können gar nicht mehr am Ziel vorbeigehen.

Und in dem Moment habe ich schon wieder tausend neue Gedanken.

Und was halt echt so ein Punkt ist, weil du auch sagst, ja, aber du bist doch strukturiert.

Ich glaube, wenn ich meine Persönlichkeitsstruktur nehme, da gibt es ja verschiedene Modelle.

Ich habe irgendwann mal die Zertifizierung für das DISC-Modell gemacht.

Und ich weiß, dass ich ein hochinitiativer Typ bin, der also immer kreativ,

viele Ideen, es muss Spaß machen und wenn ich,

Das aber komplett ausleben würde im geschäftlichen Alltag, dann würde ich nie

irgendwie Fuß fassen, beruflich gesehen.

Also musste ich mir zum Beispiel von einem gewissenhaften Typen durchaus Dinge

aneignen, von denen ich ja weiß, dass sie wichtig sind.

Wenn wir waren hier einfach zu einem bestimmten Zeitpunkt verabredet,

dann ist es für mich ein ganz hohes Gut, dass ich super pünktlich bin.

Das kann man sich antrainieren, aber ich merke, wenn das Überhorn handnimmt,

dass ich nur noch trainierte Sachen mache, dann bin ich sehr viel schneller

auch ausgelaugt und wirklich K.O., als wenn ich,

viele Leute sagen, wenn ich im Flow bin.

Und der Flow ist bei mir halt nicht Struktur abarbeiten, der Flow ist bei mir

Ideen spinnen, Dinge ausprobieren, ein bisschen gucken, Neues mal irgendwie erkunden und sowas.

Da merke ich, dass ich in so eine Art Flow komme und nicht, wenn ich einfach

strukturiert meine Sachen abarbeiten muss.

Vielleicht kann man sich da selber so ein bisschen beobachten,

um das zu unterscheiden oder unterscheiden zu können. Mhm.

Also sicher mal dieses Unwohlsein ist ja definitiv ein Zeichen, das ist klar.

Bei einem fühlt es sich an, wie ich mich eingezwängt fühle, beim anderen ist

es, ich bin zu frei, free floating sozusagen.

Das wäre es bei mir, wenn ich zu wenig Struktur habe, dann ist es so,

ich schwimme so herum und ich gehe ein bisschen unter.

Ich muss den Wasserrand sehen, den Schwimmbadrand muss ich sehen,

sonst habe ich Angst, dass ich untergehe.

Und bei dir ist es eben dieses Flow-Gefühl, dass du, wenn du das nicht bekommst

oder keinen Spass hast, dann wird es schwierig, auch eine Struktur durchzuziehen tatsächlich.

Und ich fand es spannend, dass du gesagt hast, eben das mit dem Antrainieren.

Es kommt ja doch auf die Balance drauf an, weil du kannst nicht einfach nur

von morgens bis abends im Flow sein, sondern man muss natürlich auch einen Kompromiss

eingehen und irgendwo eine gute Balance finden.

Wenn es aber zu viel wird, zu viel antrainiert, dann bist du ja auch nicht mehr

authentisch. Dann bist du nicht mehr der Martin, sondern du bist irgendein KI-Martin

oder sowas, ein Klon von dir als KI oder sowas.

Etwas ist mir aufgefallen, also das Stichwort Spass ist schon ein paar Mal gefallen,

aber das Stichwort Ziel auch tatsächlich.

Also du hast immer wieder, das war das Ziel, das wollte ich und dann habe ich das Ziel erreicht.

Bist du sehr über Ziele dann angetrieben oder motiviert, getriggert?

Ich glaube schon, wobei das inzwischen ein bisschen nachgelassen hat.

Also zu Beginn meiner Selbstständigkeit, ich kam aus einem Vertrieb, ich war im Außendienst,

da war man es gewohnt, dass jeden Tag getrackt wurde, was hast du gemacht,

wie viel von dem, wie viel von jenem, wie viele Aufträge hast du geschrieben und, und, und.

Und das habe ich natürlich am Anfang mit rübergenommen und natürlich habe ich

mir teilweise auch sehr kleinteilig Ziele gesetzt, Dass ich gesagt habe,

hier, das ist mein Wochenziel, das ist mein Monatsziel und das ist generell

mein Quartalsziel und dann mein Jahresziel.

Und selbstverständlich musste in jedem Jahr das Vorjahresziel übertroffen werden.

Ich habe dann allerdings lernen müssen, dass das auch seinen Preis hat,

weil ich dann mit 42 einen Herzinfarkt hatte.

Und das war sicherlich nicht, weil ich irgendwie geraucht habe.

Ich bin Nichtraucher oder zu viel Alkohol getrunken habe. Ich trinke keinen Alkohol.

Das war tatsächlich, wie ich inzwischen weiß, weil ich einfach überhaupt nicht

mehr auf mich geachtet habe, weil ich nur noch getrieben war durch Ziele,

durch das, was ich einfach erreichen wollte.

Und jetzt kommt aber das Spannende. meine Ziele haben mir immer Spaß bereitet.

Jetzt sind wir nämlich wieder bei dem Faktor Spaß, der für mich einfach eine große Rolle spielt.

Also ich hatte Spaß daran, mich mit mir selber zu messen.

Ich hatte einfach Freude daran zu sehen, jetzt habe ich noch den nächsten Auftrag

bekommen mit dem Volumen, das zahlt jetzt wieder auf das und das Ziel ein und so.

Das hat mir wirklich Freude bereitet. Und da so einen Denkzettel verpasst zu

bekommen, war schon sehr, sehr spannend.

Und ich habe lernen müssen, ein bisschen von diesem Rad zurückzudrehen und nicht

nur noch so zielgetrieben durch die Gegend zu laufen.

Hast du da nicht auch ein Buch geschrieben mit dem Ben Schulz?

Genau, unbesiegbar mit Vollgas in den Crash.

Ben hat das auch in einem ganz anderen Bereich erlebt und lustigerweise,

als wir uns unterhalten haben, haben wir beide gemerkt, wir sind von allen möglichen

Menschen, die es gut mit uns gemeint haben, gewarnt worden.

Also viele haben mich darauf angesprochen, viele haben auch Ben darauf angesprochen,

pass hier auf und achte da drauf.

Und wir waren aber so mit Begeisterung und Antrieb bei der Sache,

und das war so eine Gemeinsamkeit, die wir dann bemerkt haben im Gespräch,

dass wir beide gesagt haben, ja, super, vielen Dank, dass du mir das sagst.

Und im Hinterkopf kam dann sofort, aber mir passiert das ja nicht.

Und das war so eine ganz trügerische Geschichte, weil uns beiden ist es passiert.

Also er hat geschäftlich eine Bruchlandung hingelegt, ich gesundheitlich und

dann haben wir gesagt, Mensch, also das ist doch interessant,

darüber ein Buch zu schreiben. Aber auch da das Projekt sehr schön gemacht.

Wir haben uns einen Kameramann geschnappt und sind eine Woche nach Amerika geflogen

und sind von Las Vegas über die Route 66 zum Grand Canyon und dann eben wieder zurück nach Las Vegas.

Und diese Reise haben wir als Metapher in dem Buch dann verarbeitet.

Ja, sehr schön, dass wir da einen kleinen Exkurs machen durften.

Vielen Dank dafür, eben wie man von Zielen und Flow plötzlich auf das Thema

unbesiegbar und Crash und Las Vegas kommt. So ist ja das Leben.

Du hast ja eben schon gesagt, gewisse Dinge hast du dir auch antrainiert,

aber hast du auch schon mal so versucht, so richtig strukturiert zu werden, so wie ich.

Das klingt jetzt so blöd. Wie andere?

Hast du das schon mal probiert und hat das funktioniert?

Ja, ich habe es probiert. Nein, es hat nicht funktioniert. So muss ich ehrlich

sein, weil genau das Beispiel, was ich vorher mit der Computerdatei gebracht

habe, das ist dann das ganz, ganz große Problem.

Das Interessante ist, ich kann in einer vorgegebenen Struktur,

an die kann ich mich wunderbar halten. Ich hatte mal eine Zeit lang mit einem

Kollegen eine gemeinsame Firma, der war super strukturiert.

Also das wäre so, wie wenn wir beide miteinander eine Firma machen.

Ich habe noch nie so strukturiert alles gehabt wie in dieser Firma.

Und er wiederum hat gesagt, er hat noch nie so eine Speed und so eine nach vorne

gerichtete Energie gehabt in seiner Firma, wo wir das zusammen gemacht haben.

Also ich kann mich an vorgegebene Strukturen halten.

Jetzt kommt eine kleine Einschränkung bei mir persönlich, wenn ich sie verstehe.

Also wenn etwas für mich Sinn macht, dann kann ich mich wunderbar da zurechtfinden

in der Organisation, in der Struktur oder so.

Wenn ich es nicht verstehe, ist es wirklich ein Riesenkampf für mich nachzuvollziehen,

wie mache ich jetzt was, sodass es in diese Struktur passt.

Und das ist genau der Punkt, wenn ich selber versuche, irgendwas zu strukturieren.

Ich würde mal sagen, so mit 15 Prozent Erfolgswahrscheinlichkeit kriege ich das hin.

Also, dass ich immer weiß, wo mein Autoschlüssel ist oder solche Banalitäten.

Das ist ja auch eine Art Struktur.

Aber wenn es größer wird und komplexer wird, bin ich zum Glück mit einer Prozessmanagerin

verheiratet, die mich dann strukturiert.

Das ist ja witzig, dass du gerade wirklich eine Prozessmanagerin hast als Frau.

Das ist ja sehr witzig.

Wenn du sagst, wenn du die Struktur verstehst, meinst du damit inhaltlich,

dass du weisst, das kommt da oder geht es eher um das Verständnis,

warum muss ich jetzt das so machen?

Also, wenn ich es inhaltlich verstehe, dann kann ich mich daran halten.

Wenn ich verstehe, warum, dann fällt es mir sehr leicht.

Das war schon in der Schule so. Wenn ich irgendwas gelernt habe,

wo ich verstanden habe, okay, das lerne ich jetzt wegen dem und dem.

Okay, wenn ich aber verstanden habe, was ich da lerne, dann war es super einfach.

Also wenn ich auf einmal irgendwo in Mathematik die zweite Ableitung von irgendwas

oder so und ich hatte keine Ahnung, was das ist,

wenn der Lehrer gesagt hat, damit kannst du berechnen, wie bei einem Flugzeug,

wie viel Kraft über die Tragfläche, damit es abhebt und so weiter,

dann war bei mir so dieses Klick.

Ah, und dann war es kein Problem. Also ich war nie gut in Mathematik,

was vielleicht mit Struktur auch zu tun hat.

Also Mathematik war für mich ein ganz, ganz schlimmes Fach. Als ich aber meinen

Bootsführerschein gemacht habe und Navigation, und das ist ja nichts anderes

als Geometrie, gelernt habe.

Da war ich super schnell, habe das im Kopf gerechnet und war dann total verunsichert,

weil ich mir immer dachte, jetzt habe ich einen Fehler gemacht,

weil ich schon fertig bin und alle anderen noch nicht.

Aber ich habe einen handfesten Punkt gehabt, wo ich gesagt habe,

deswegen mache ich das und das ist sinnvoll und das ist wichtig,

weil ich diesen Bootsführerschein will und wenn ich dann mit einem Boot unterwegs

bin, auch gerne dort ankommen möchte, wo ich hin will.

Und dann funktioniert es am allerbesten bei mir. Ja, spannend.

Da hört man ja wieder den Spass raus. Du wolltest ja Boot fahren,

das ist nicht etwas, was du musstest.

Du hattest dein Ziel, du willst selber Boot fahren können.

Du kommst in den, ja, auf Blau weiss ich jetzt nicht, aber das Verständnis.

Plötzlich hat es einen Sinn, weil wenn du in der Schule Mathematik lernst,

das sind ja einfach nur so Zahlen und dann kann ich es, aber wozu?

Aber hier wusstest du genau wozu und so weiter und dann plötzlich funktioniert es.

Also könnte man sagen, wenn das so gegeben ist, der Spass, das Ziel,

das Verständnis, die Antwort auf die Warum oder Wozu-Frage, das ist dann quasi

der Ersatz für die Struktur. Schon fast.

Ja, oder es ist vielleicht auch mein...

Vielleicht ist es sogar der Antrieb, mich an gewisse Regularien zu halten.

Und wenn der Antrieb überhaupt nicht da ist, dann scheint mein Kopf das nicht

richtig zu verarbeiten.

Oder in mir sitzt so ein kleines, trotziges Kind und sagt, nein,

ich will mich da jetzt noch dran halten, weil ich es nicht verstehe oder so.

Vielleicht ist es auch so. Aber Fakt ist schon, das weiß ich und das kenne ich auch von mir,

ich muss da irgendwie ein bisschen verstehen, warum, was, wie gemacht wird und

dann fällt es mir relativ leicht.

Und wenn dann noch Spaß dazu kommt, dann ist es gelaufen.

Ja, genau. Und wenn jetzt jemand merkt, so wie ich jetzt arbeite,

mein System, das funktioniert nicht.

Hast du eine Idee, wie er herausfinden könnte, ob er mehr oder weniger Struktur braucht?

Oh, das ist eine Challenge.

Mensch, also es kommt jetzt so ein bisschen darauf an, was man macht,

ob man das, worum es geht, irgendwie zerlegen kann und dann schauen kann.

Ob man es vielleicht gegebenenfalls irgendwie anders zusammensetzen kann oder

ob es generell an sich was Falsches ist.

Aber wie man da relativ schnell rausfindet, ob es zu viel oder zu wenig strukturiert, Struktur ist,

also ich könnte natürlich beim Draufschauen meine persönliche Einschätzung geben,

wenn ich also schon sehe Kapitel 1, 1.1.1.3.5.7.9,

dann sage ich vielleicht eher zu viel Struktur,

wenn ich sehe Kapitel 1, 3 und 5 und das soll ein Buch sein,

könnte es zu wenig Struktur sein,

aber das jetzt so als da so ein generelles Ding, also den würde ich zu dir schicken.

Das ist schon mal eine sehr gute Idee. Richtige Antwort.

Worauf ich auch ziele, denkst du, dass so ein Persönlichkeitstest,

das kann ja DISC sein, das kann sonst irgendein Stärkentest sein oder irgendetwas,

denkst du, dass sowas auch einen Hinweis geben könnte?

So wie du ja gesagt hast, Hochinitiativ, das ist dein Profil.

Das heisst, dass du wahrscheinlich Struktur brauchst, um dich etwas zu erden,

aber es darf nicht zu viel sein, weil du dich dann sofort eingeschränkt fühlst.

Und ein anderer hat vielleicht ein anderes Ergebnis Und das gibt dem vielleicht

einen Hinweis, hey, ich bin hier komplett auf dem Holzweg.

Jetzt habe ich jahrelang versucht, eine super Struktur aufzubauen.

Satir funktioniert. Vielleicht ist es ja deswegen.

Das ist ein super, super Tool, weil es einfach zum Verständnis von sich selber führt.

Also wo ich diese Zertifizierung gemacht habe,

ich habe so oft schmunzeln und lachen müssen bei diesen verschiedenen Beispielen,

die dann genannt wurden, zu einem hochinitiativen Menschen, weil ich mir wirklich

dachte, mein Gott, die haben mich jetzt irgendwie ein Jahr lang in meinem Alltag

verfolgt, um diese Beispiele zu erinnern.

Dort hinzubekommen, weil ich mich so wiedergefunden habe darin.

Und gleichzeitig kann ich natürlich auch ein gewisses Verständnis für einen

Menschen, der mehr Struktur braucht, aufbringen.

Ich nehme nochmal das Beispiel von der Firma, die ich mit meinem Kollegen hatte.

Der war hochgewissenhaft, also ein Hochinitiativer mit einem hochgewissenhaften,

passt eigentlich überhaupt nicht zusammen, außer beide kennen dieses Thema und

können das auch akzeptieren.

Und dann merkt man relativ schnell, ja,

die Struktur auf unserem gemeinsamen Server war für mich vielleicht ein bisschen

arg kleinteilig, aber ich wusste ganz genau, mein Partner braucht genau diese

Struktur, um eben sehr produktiv arbeiten zu können.

Und dann kann man das auch gut miteinander akzeptieren.

Ich habe es ja auch gesagt, Als meine Frau noch in ihrem Prozessmanager-Job

war, da wusste ich, dass sie gewisse Routinen einfach braucht.

Jetzt arbeitet sie wieder im Krankenhaus, weil sie kam aus der Medizin,

ist kurz in die Wirtschaft, hat Prozessmanagement gemacht und ist jetzt wieder

in der Medizin, wo sie beides vereinen kann.

Jetzt muss sie sich an irgendwelche Schichten halten. Das ist auch eine gewisse

Struktur, aber halt eine Struktur, die sich immer wieder ändert.

Und das Gute mit so einem Persönlichkeitsprofil ist einfach,

dass du dich selber auch ein Stück weit kennenlernst und dann auch an manchen

Stellen etwas entspannter sein kannst.

Also wenn ich dann gewisse Dinge, ich bleibe jetzt mal bei meiner Frau,

wenn meine Frau gewisse Dinge in einer bestimmten Art und Weise haben will,

dann denke ich nicht, das nervt mich jetzt oder die will mich damit ärgern oder

sowas, sondern ich verstehe, das ist für sie wichtig aus dem und dem Grund.

Und ich sage dann ja und für mich ist es letztlich egal,

in welcher Struktur ich mich zurecht finde und kann mich da dann auch ganz gut

drauf einlassen und von daher ist so ein Persönlichkeitsprofil aus meiner Sicht

immer wirklich sinnvoll.

Ich glaube, da hört man den Verkäufer

raus, nicht, weil du jetzt uns das Persönlichkeitsprofil verkauft hast,

sondern weil im Verkauf versuchst du ja auch, dich auf dein Gegenüber einzulassen

und zu spüren, wie tickt der, was ist dem wichtig.

Weil wenn du ihm irgendwas verkaufst, was für ihn völlig egal ist,

du hast irgendeine Software und du sprichst da stundenlang, wie man da wunderbare

Reports printen kann, aber das interessiert den Null, dann hast du schon von Anfang an verloren.

Wenn er aber wissen will, wie er dann seine Kundendaten da verwalten kann und

du merkst das nicht, dass ihm das wichtig ist, dann hast du ja verloren.

Also eigentlich das Eingehen auf das Gegenüber oder jetzt hier auch das Eingehen auf sich selber.

Moment mal, wie ticke ich? Ah ja, Ziele, Spass, Flow, so, das sind jetzt Stichworte, so ticke ich.

Bei mir ist es was anderes, eher Struktur, ein gewisser Rahmen, Routinen und so.

Und dann kann man daraus viel ableiten. Wie viel brauche ich denn jetzt tatsächlich?

Und vor allem, wenn ich irgendwo diese Reibung spüre, irgendetwas passt nicht.

Ja, warum ist das jetzt eben? Ich habe im Moment zu viele Dinge antrainiert

und zu wenig Spass und Flow, dann muss ich etwas korrigieren und so weiter.

Und so wird dann eigentlich das trockene Thema Struktur und Arbeitsorganisation

und Zeitmanagement wird dann echt zu einem Selbstmanagement,

zur Selbsterkenntnis und so weiter. Und das finde ich doch sehr, sehr spannend.

Absolut, ja. Also du hast gerade die perfekte Kurzbeschreibung gegeben,

wie man einen guten von einem schlechten Verkäufer unterscheidet.

Der gute Verkäufer hört mehr zu, als er redet.

Der schlechte Verkäufer versucht ganz viel zu reden.

Okay, das war ein etwas abrupter Schluss unseres Gesprächs.

Doch danach folgten nur noch die allgemeinen Danksagungen und das Abschlussgeplänkel,

das ich hier im Podcast weggeschnitten habe.

Was mir aber auch an dieser Stelle ganz wichtig ist, ist ganz herzlichen Dank

an Martin für dieses Gespräch.

Die Mitglieder meines Zeitnutzer-Clubs konnten übrigens die Diskussion mit Martin

nach dem Interview noch in einer privaten Q&A fortsetzen.

Dort sind wir noch tiefer in das Thema eingetaucht und wir konnten auch unsere

persönlichen Gedanken und Herausforderungen mit ihm besprechen.

Dieses Gespräch war exklusiv für die Mitglieder meines Zeitnutzer-Clubs und

wurde auch nur für die aufgezeichnet.

Falls du noch nicht Mitglied im Zeitnutzer-Club bist, dann informiere dich jetzt über diesen Club.

Alle Infos findest du unter www.ivanblatter.link-club. Auch diesen Link findest du in den Shownotes.

So oder so wünsche ich dir viel Spass beim Nachdenken über all die Inspirationen von Martin.

Überleg dir doch noch kurz, was davon du jetzt sofort umsetzen wirst.

Denn die schlechteste Lösung ist immer, und vor allem hier, verdrängen und nix tun.

So schliesse ich mit, nutze deine Zeit, denn sie kommt nie wieder. Dein Ivan Blatter.