Agile Methoden sind in aller Munde. Doch lassen sich Methoden wie Kanban oder Scrum oder die darunter liegenden Prinzipien auch zum Selbstmanagement oder für ein besseres Miteinander in der Familie nutzen?
Herzlich willkommen zum Personal Agility Podcast. Selbstorganisation privat, beruflich und für die Familie. Ich bin Simon Kleiber. Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge des Personal Agility Podcasts. Schön, dass Du eingeschaltet hast.
Simon:Schön, dass Du wieder dabei bist. Heute möchte ich mit dir den letzten Teil unserer kleinen Serie über interessante japanische Konzepte, die wir dieses Jahr so ein bisschen durchgegangen sind, ja, machen, mit dir durchgehen. Und da geht es heute ein Prinzip, das vielleicht, dass gerade für uns, die so ein bisschen agiler denken, das Bekannteste und Verbreiteste ist. Was aber im Gegensatz zu seinem Zu dem sehr verwandten Prinzip, nämlich das Kaizen, über das wir ja schon geredet haben, als Begriff gar nicht so weit in der Bekanntheit verbreitet ist, allerdings durchaus in der Durchführung und das werden wir gleich sehen und das ist der Begriff des Hansei. Der Begriff Hansei ist relativ tief in der japanischen Kultur und auch in der japanischen Sprache verwurzelt.
Simon:Man kann den übersetzen als Selbsterkenntnis oder Selbstreflexion, aber sprachlich ist er und das ist ein bisschen überraschend, auch ein bisschen mit dem Begriff Schande, Scham, Englisch shame, verwandt, ist aber dabei deutlich weniger negativ konnotiert, wie man jetzt mit dieser Übersetzung Schande, Scham vermuten könnte. Was vielleicht den Begriff dem Begriff am nächsten kommt, ist ein deutsches Sprichwort, der lustigerweise sogar auf Deutsch in dem englischen Wikipedia Eintrag zu Hans Sei zitiert wird, ist, Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Nämlich, dass man erst mal selbst erkennen muss, dass etwas falsch gelaufen ist, dass etwas vielleicht nicht so gut war, dass man da vielleicht auch etwas nicht so gut gemacht hat, weiter lernen zu können. Und das ist ganz tief, wie gesagt, in die japanische Kultur, in die japanische Sprache integriert. Es ist zum Beispiel, wenn japanische Eltern schlechtes Verhalten ihrer Kinder missbilligen, also schimpfen, dann sagen Sie das und jetzt bitte ich wieder die total falsche Aussprache, weil ich kein Japanisch kann, zu entschuldigen.
Simon:“hansei shinasai” , was übersetzt heißt, mache Hansei. Das heißt also, sie sagen ihren Kindern, geh in die Selbstreflexion. Also nicht, das war schlimm, sondern man könnt's vielleicht auf Deutsch übersetzen, aber es ist natürlich weniger schön mit, denk mal drüber nach. Aber mehr hier, das war falsch, schau, dass Du's zukünftig besser machst. Und eine ehrliche Entschuldigung für schlechte Leistung oder Fehlverhalten kann im Japanischen auch heißen.
Simon:Das heißt, “Hansei Shimasu” Ich werde Hansei machen. Ich werde in die Selbstreflexion gehen. Ich werde darüber nachdenken. Ich werde mich hier verbessern. Und es gibt in der japanischen Kultur auch 'n ganz klares Verständnis, wie dieses Prinzip Hansei funktionieren soll.
Simon:Das geht in vier Schritten. Das Erste ist, man soll sich Man sollte einem ehrlich leid tun, was man getan hat, was nicht so gut war. Also man soll auch erst mal anerkennen, was dort passiert ist, was Wo ich entweder ein Fehlverhalten an den Tag gelegt habe oder wo ich vielleicht hinter dem, was ich hätte tun können, zurückgeblieben bin. Der zweite Schritt ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Und wenn wir so schauen, wie das in unserer deutschen Kultur aussieht, ist es ja Ist man ja da ganz schnell im Plaimed Game, man macht alles nur nicht die Verantwortung für was übernehmen.
Simon:Hier, die Umstände waren schuld, der hat nicht richtig geliefert, anstatt zu sagen, ja, ich war da zumindest dran beteiligt und ich übernehme dafür Verantwortung. Ganz egal, ob es jetzt meine aktive Tätigkeit war, die das hervorgerufen hat oder vielleicht auch nur, dass ich eben nicht reagiert hab, dass ich vielleicht einfach untätig geblieben bin, das zu verhindern. Der Schritt dritte Schritt ist dann erst mal zu versuchen, ne, da gehen wir jetzt dann in die Selbstreflexion, zu verstehen, was ist da eigentlich schiefgelaufen? Erst mal, was ist genau schiefgelaufen und dann auch, wie konnte es denn dazu kommen, dass da etwas schiefgelaufen ist? Und der dritte Schritt ist dann und ich finde es von der Formulierung ganz spannend, ist, verändere dein Denken, sodass das, was da passiert ist, noch nicht noch ein weiteres Mal passiert, also der der Wunsch, sich zu verbessern.
Simon:Aber was ich eben hier ganz spannend finde, ist, dass eben alles im Denken sozusagen beginnt. Dass ich eben nicht sag, ja, ich werd's das nächste Mal anders tun, sondern ich werde in Zukunft anders darüber denken. Zum Beispiel, wenn da was schiefläuft, dann ist das meine Verantwortung, dann sollte ich tun, dann sollte ich rechtzeitig einschreiten oder ich werde hier besser darauf Achtgeben, dass das gut läuft oder ich werde bestimmte Dinge, die ich vielleicht nicht bedacht hab, das nächste Mal mitbedenken. Und dieses Prinzip, das eben aus dieser ganz tiefen Verwurzelung in der japanischen Kultur kommt, hat es und daher kennen wir es dann auch häufig in Hat dieses Prinzip dann auch den Übergang in die Toyota Methodologie Schwieriges Wort, gefunden, also das Toyota Managementsystem und dort wurden die Schritte ein bisschen angepasst, weil natürlich auch das die exakte Anwendung ein bisschen eine spezifische ist, ist Und dort ist der erste Schritt, das Problem erst mal anzuerkennen, erst mal zu sagen, ja, das ist ein Problem, das fällt ja auch schon manchmal schwer, dass wir sagen, ach, das ist gar nicht alles so schlimm, sondern erst mal sagen, ja, da ist ein Problem und wir sollten da was zu tun.
Simon:Dann der zweite Schritt wieder, Verantwortung dafür zu übernehmen. Und zwar Verantwortung heißt es nicht Schuld, sondern Verantwortung heißt, ja, ich bin dafür verantwortlich, dass das zukünftig nicht mehr passiert. Das heißt nicht zwingend, dass ich schuld daran war, sondern ich fühle mich dafür verantwortlich. Und das führt dann auch zum dritten Schritt, nämlich einer emotionalen Ownership. Das heißt, dass es mir, dass das nicht etwas ist, ah, da hat mir jetzt mein Chef gesagt, ich soll danach gucken, sondern ja, ich habe ein persönliches emotionales Interesse daran, dass wir hier besser werden, dass das nicht mehr passiert, dass wir das besser machen.
Simon:Und viertens, dann eben das Commitment, sich auch zu verbessern, was dann daraus herrührt. Was der zweite große Unterschied ist, ist, dass in den im im Toyota Denken Hanzai nicht nur als Selbstreflexion über das, was schlecht oder suboptimal gelaufen ist, gesehen wird, sondern über alles. Und je nachdem, was ich dort sehe, reagiere ich unterschiedlich darauf. Das Erste ist, wenn ich über etwas reflektiere und feststelle, oh, das war sehr gut und da haben wir vielleicht was Positives gelernt, was man in Zukunft anders machen kann, dann werden wir es a selbst weitermachen und es auch weitertragen. Also es wird dann Wir schauen, okay, wenn wir in Zukunft in den Zone der Situation sind, machen wir es wieder so, weil das hat sehr gut funktioniert, aber eben es auch weiterzugeben.
Simon:Und da gibt's ja den Begriff des Jukoten, des Horizontalen Ausrollen, kann man das vielleicht sagen, also dass ich das nicht nur für mich behalte, sondern dass ich dann eben in meiner Organisation und vielleicht auch darüber hinaus anderen weitergebe, hier, diese Erfahrung habe ich gemacht. Wenn man das so und so macht, dann funktioniert das gut. Das ist eine Good Practice und die gebe ich weiter. Und eben, wenn es etwas Schlechtes war, über das wir reflektiert haben, wenn wir festgestellt haben, hier haben wir einen Fehler gemacht, hier waren wir vielleicht nicht so gut, wie wir hätten sein können, hier gibt's noch weitere Potenziale, dann nutzen wir eben dann das Prinzip des Kaizen, dass wir sagen, wir suchen uns eine dieser Themen aus und versuchen, das über einen gewissen Zeitraum zu verbessern. So viel zu handsay, aber was lernen wir daraus für uns?
Simon:Das Erste, was wir daraus lernen können, ist die Erkenntnis, Verbesserung braucht Selbstreflexion. Wenn wir nicht darüber reflektieren, was wir gemacht haben und was daran gut und was schlecht ist, können wir nicht in die Verbesserung kommen. Und dazu dazu braucht es Zeit und geeignete Orte, weil meine Erfahrung ist, natürlich kann es mal sein, dass wenn man da irgendwas passiert ist, man dann nebenbei darüber nachdenkt und sagt, okay, diesen Punkt, da müssen wir jetzt echt mal drüber nachdenken, wie wir das besser machen. Darüber sieht man aber sehr viel. Und nur, wenn ich mir wirklich die Zeit und den Raum nehme, entweder alleine für mich im Privaten oder eben im Beruflichen, auch in einer Gruppe, in einem Team, gezielt darüber nachzudenken und die Zeit für diese Reflexion zu lassen und auch wirklich mal in Ruhe außerhalb des Trubels, des Alltags darüber nachzudenken, was lief denn gut und was lief nicht so gut?
Simon:Nur dann werde ich auch wirklich die wichtigen und richtigen und guten Dinge finden. Und man nennt das dann landläufig, deswegen sage ich, das ist etwas, was uns eigentlich total vertraut ist, nennt man das dann eine Retrospektive. Ich gehe in die Selbstreflexion, entweder alleine oder mit einer Gruppe und mach das eben nicht nur mal nebenbei, sondern habe dort dafür dedizierte Zeitpunkte, die idealerweise auch regelmäßig sind, die automatisch kommen und nicht kommen, wenn ich mal dran denke, oh, wir konnten ja mal wieder eine Retrospektive machen. Der zweite Punkt ist, Verbesserung braucht Selbstverantwortung. Wenn ich in die Verbesserung gehen will, möchte ich natürlich weg vom Plame gehen.
Simon:Es geht nicht darum, wer ist schuld. Es geht nicht darum, jemand runterzumachen, oh Du böser, böser, Du hast was falsch gemacht, sondern es geht darum, dass ich mündige Menschen, Erwachsene habe und die Erwachsene können auch jünger sein, aber sich erwachsen verhalten, die sagen, ich übernehme für das, was ich je getan hab, die Verantwortung. Ich weiß, ich bin vielleicht daran nicht total schuld und es gibt vielleicht Rahmenbedingungen und so weiter und so fort, aber wenn sich etwas verbessern soll, dann muss ich etwas tun und nicht, die müssen was ändern. Oh, die Rahmenbedingungen müssen sich überändern. Dann komme ich eben in diese Hilflosigkeit, in diese erlernte Hilflosigkeit und das will ich nicht, sondern ich muss, wenn ich etwas verändern will, die Verantwortung dafür übernehmen.
Simon:Nur dann bekomme ich auch eine Selbstwirksamkeit und wir haben ja schon verschiedentlich darüber gesprochen, wie diese Selbstwirksamkeit, diese high agency, eine der größten, ja, Elemente ist, die bestimmt, wie erfolgreich ich in meinem Leben sein werde, meine persönlichen Ziele zu erreichen. Wenn ich immer nur auf die anderen schaue und auf die anderen zeige, passiert nichts. Wenn ich selbst schaue, was kann ich tun, dann werde ich weit kommen im Leben. Und last but not least, und das ist jetzt vielleicht nicht direkt aus dem Han Se geschuldet, sondern eher aus dem Kaizen, aber ich will's hier auch noch mal erwähnen, ist, Verbesserung braucht Fokus. Wenn ich versuche, es und wenn ich was zum ersten Mal mache, geht ja meistens ganz viel schief, sind ganz viele Dinge, die vielleicht auch nicht schief gegangen sind, aber zumindest verbesserungswürdig sind.
Simon:Und wenn ich dann versuch, alles gleichzeitig besser zu machen, dann verliere ich mich darin und die Wahrscheinlichkeit, dass ich messbare Fortschritte mache, ist eher gering. Sondern ich muss ganz klar sagen, wir haben diese Sache identifiziert, die verbesserungsmöglich ist und darauf konzentrieren wir uns. Und erst, wenn ich diese Verbesserung erzeugt habe, erst dann schauen wir uns das nächste Thema an. Und last, but not least, was ich auch ganz wichtig finde, ist, wir müssen viel stärker werden, Gutes weiterzumachen. Natürlich, das ist erst mal für uns selbst, da sind wir häufig vielleicht gar nicht so schlecht drin, auch wenn man manchmal vielleicht noch mal 'n bisschen besser, konsequenter das, was gut funktioniert hat, dann auch wiederholen könnte, aber eben auch vor allem weiterzugeben.
Simon:Also ich glaub, das ist auch Macht auch eine sehr positive Gesellschaft aus, wenn man sagt, hier, wenn ich was gelernt habe und das war gut, dann behalte ich das nicht für mich, einen Vorteil zu rauszuholen, sondern dann gebe ich das weiter. Und wenn das viele Menschen machen und glücklicherweise gibt es immer mehr Menschen, die das machen, dann kann man wirklich ganz viel Wissen und Erfahrung weitergeben und nicht jeder muss jeden Fehler selbst machen. So viel zum Prinzip Hansey, das uns wahrscheinlich allen im Grund sehr bekannt vorkommt, was aber als Begriff eben eher selten verwandt wird. Meine Frage an dich, wie betreibst Du Hanzai? Wie gehst Du in die Selbstreflexion?
Simon:Wie gibst Du das Gute weiter? Und welche Erfahrungen hast Du vielleicht auch genau mit diesem Unterschied, den das Übernehmen von Verantwortung für das, was passiert ist, was für Erfahrungen Was für eine Wirksamkeit es hat? Was für eine Erfahrung hast Du damit gemacht? Das würde mich total interessieren. Ansonsten freue ich mich, wenn Du das nächste Mal wieder dabei bist.
Simon:Wir hören uns bald wieder.