Der einzig wahre skeptische Podcast der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) mit dem legendären Blogger Onkel Michael.
Wir widmen uns vielen verschiedenen Themen aus dem Bereich der Parawissenschaften und berichten, was wirklich dahinter steckt. Egal ob die so genannte Alternativmedizin, Verschwörungstheorien oder andere Mythen: wir sagen euch Bescheid!
Herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen im weiten Podcast-Land. Mein Name ist Michael Scholz und dies ist die zehnte Folge des Skepti-Talks, des einzig wahren skeptischen Podcasts der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Wie immer gilt, wenn ihr Vorschläge, Anregungen, Wünsche, Lob, Kritik oder Beschimpfungen habt, schickt sie mir an skeptitalk@gwup.org oder meldet euch auf unseren Social Media Kanälen. Kommen wir zum heutigen Thema, und zwar der heiligen Lanze oder der Lanze des Longinus. Ein Thema fast wie aus einem Indiana Jones Abenteuerfilm. Speer des Schicksals wird diese Lanze auch genannt. Sie gehört zu den berühmtesten christlichen Reliquien Europas. Der Legende nach ist sie die Waffe, mit der der römische Soldat Longinus Jesus am Kreuz in die Seite stach, um seinen Tod zu bestätigen, was nachzulesen ist bei, in der Bibel bei Johannes, äh, 19, 34. Über Jahrhunderte wurde ihr wundersame Macht, göttliche Autorität und sogar Einfluss auf das Weltgeschehen zugeschrieben, bis hin zu der Idee, sie könne über die Weltherrschaft entscheiden. Diese Vorstellung griff das NS-Regime propagandistisch auf. Doch der Mythos der Lanze ist deutlich älter und reicht weit über das Dritte Reich hinaus. Die frühesten Hinweise auf eine Lanze als Christusrelikquie erscheinen im sechsten Jahrhundert. Ein Pilger namens Antonius von Piacenza berichtet um das Jahr 570 nach Christus, er habe die Lanze, mit der Christus durchbohrt worden sei, in einer Kirche auf dem Zionsberg in Jerusalem gesehen, zusammen mit anderen Passionsreliquien. Spätere Quellen berichten, dass bei der persischen Eroberung Jerusalems im siebten Jahrhundert die Spitze der Lanze abgebrochen und nach Konstantinopel gebracht worden sein soll. Dort soll sie als kostbare Reliquie am kaiserlichen Hof verehrt worden sein. Schon hier zeigt sich ein Muster, das die Geschichte der Lanze bis heute prägt. Die Reliquie dient nicht nur der Frömmigkeit, sondern auch der Machtinszenierung als sichtbares Zeichen des göttlichen Schutzes für Kaiser und Reich. Im Frühmittelalter taucht in den Quellen eine Lanze auf, die mit der Reichsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches verknüpft ist, die spätere heilige Lanze von Wien. Die ersten ottonischen Chronisten bezeichnen sie schlicht als Lancea Sacra. Erst im elften Jahrhundert setzt sich die Deutung durch, dass es sich um die Lanze des heiligen Mauritius, des Anführers der Thebäischen Legion, handle. Unter Kaiser Heinrich dem Dritten erhielt sie eine Silbermanschette mit Mauritiusinschrift. So verband sich der Kult und um den Märtyrer mit dem Kult um das Herrschaftszeichen. Spätestens ab Otto dem Ersten, der 962 nach Christus zum Kaiser gekrönt wurde, wurde die Lanze zu einem der zentralen Reichskleinodien. Sie galt als Insignie der göttlich legitimierten Macht. Ein König, der mit dieser Lanze gekrönt wurde oder sie in der Hand trug, sollte als von Gott eingesetzter Herrscher erkennbar sein. Wie gesagt, Otto der Erste ließ sich 962 mit der Lanze zum Kaiser krönen. Friedrich Barbarossa führte sie in Schlachten mit, um den göttlichen Schutz zu demonstrieren und Kaiser Karl der Vierte behandelte sie wie einen Staatsschatz und bewahrte sie zeitweise in Prag auf. 1424 wurden die Reichskleinodien, darunter die heilige Lanze, auf Wunsch König Sigismunds auf ewige Zeiten, wie er sagte, nach Nürnberg überführt, wo sie in der Heilig-Geist-Kirche aufbewahrt und bei den sogenannten Heiltumsschauen öffentlich präsentiert werden sollte. Jährlich nach Ostern pilgerten Gläubige dorthin, um die Lanze zu sehen und ihren Schutz zu erflehen. Die Lanze war damit fest im Zeremoniell der Reichskrone verankert, als Schnittstelle von Politik, Religion und symbolische Herrschaft. Die Geschichte wird komplizierter, wenn man bedenkt, dass es nicht nur eine heilige Lanze gab. Schon im Mittelalter kursierten mehrere Reliquien, die jeweils für sich beanspruchten, der Speer des Longinus zu sein. Da haben wir einmal die sogenannte Antiochia Lanze, die während des ersten Kreuzzuges 1098 in der Kathedrale von Antiochia entdeckt wurde, die den erschöpften Kreuzfahrern als göttliches Zeichen galt und ihnen neuen Kampfesmut verlieh. Schon Zeitgenossen zweifelten an der Echtheit, doch als Feldzeichen hatte sie enorme psychologische Wirkung. Im Petersdom in Rom wird eine Lanze verehrt, die in der Renaissancezeit mit der Passion Christi in Verbindung gebracht wurde. Später behauptete man, ihre Spitze sei identisch mit derjenigen aus Konstantinopel. Und in der Kathedrale von Etchmiadsin wird ebenfalls eine Lanze als Speer des Longinus verehrt, deren Tradition bis in die Spätantike zurückgeführt wird. Die Wiener Lanze, um die es in diesem Podcast nun hauptsächlich geht, trägt seit dem vierzehnten Jahrhundert eine goldene Manschette mit der Inschrift Lancea et clavus domini, Lanze und Nagel des Herrn, woran man einen Hinweis hat auf die Vorstellungen, ihr sei auch ein Nagel des Kreuzes eingelassen. Moderne Untersuchungen datieren sie allerdings eher in das achte bis zehnte Jahrhundert. Mit der Reformation und den konfessionellen Konflikten löste sich die alte Reichsförmigkeit zunehmend auf. Aber der Symbolwert der Lanze blieb.Unter Kaiser Konrad dem Zweiten wurde sie in den Querbalken des neu geschaffenen Reichskreuzes eingelassen, um sie vor Zugriff und Profanierung zu schützen. Im 18. Jahrhundert, angesichts der französischen Revolution und der Gefahr durch Napoleon, wurden die Reichskleinodien 1796 aus Nürnberg nach Regensburg und später nach Wien gebracht, um sie vor Plünderung zu bewahren. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 verloren sie ihre politische Funktion, blieben aber als historische Zeugen der alten Ordnung im Habsburgerreich bedeutsam. Die Lanze war nun weniger Werkzeug aktueller Herrschaft, sondern mehr ein Museumsstück, das nostalgische Vorstellungen von mittelalterlicher Kaiserherrlichkeit wachhielt. Rund um die heilige Lanze haben sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Legenden und Prophezeiungen gebildet, in denen die Waffe nicht nur als historisches Objekt, sondern als Träger übernatürlicher Macht erscheint. Diese Geschichten reichen von der Bekehrung des Longinus über Versprechen von Unbesiegbarkeit bis hin zu Kreuzzugsvisionen und modernen Mythen vom Spear of Destiny. In der Longinus-Legende ist die Lanze nicht nur Werkzeug der Kreuzigung, sondern auch Instrument der Heilung. Longinus wird als römischer Hauptmann geschildert, der blind oder schwer sehbehindert ist, als er Jesus mit der Lanze in die Seite sticht und Blut und Wasser heraustreten. Hier trifft ihn ein Tropfen und seine Augen werden geheilt. Diese Szene markiert seinen Wendepunkt. Der Soldat erkennt in dem Gekreuzigten den Sohn Gottes, lässt sich bekehren und wird schließlich als Märtyrer verehrt. In dieser Lesart wirkt die Lanze nicht als verfluchtes Objekt, sondern als Werkzeug der Gnade, das Erkenntnis und innere Wandlung ermöglicht. Eine zweite sehr einflussreiche Motivlinie ist die Prophezeiung von Macht und Unbesiegbarkeit. In vielen Erzählungen heißt es, derjenige, der die Lanze besitze, sei unbesiegbar. Verliere er sie, droht ihm Untergang und Tod. Kaiser wie Karl der Große oder Otto der Große sollen sie in Schlachten mitgeführt haben. Manchmal wird auch kolportiert, Karls Tod habe sich kurz nach einem Sturz oder Verlust der Lanze ereignet. Später verdichten moderne Autoren dieses Motiv zur Formel: Wer die Lanze besitzt und ihre Kräfte versteht, halte das Schicksal von Reichen oder gar der ganzen Welt in Händen. Diese Idee, dass ein einzelnes Objekt über Aufstieg und Fall von Herrschern entscheidet, macht den Reiz des Schicksalsspeeres aus, auch wenn sie historisch nicht zu belegen ist. Eine besondere Rolle spielt die Lanze auch in der Geschichte der Kreuzzüge. Während des ersten Kreuzzuges 1098 behauptete der Mönch Peter Bartholomäus in Antiochia, er habe in einer Vision erfahren, dass die Lanze, mit der Christus durchbohrt wurde, unter dem Fußboden der Kathedrale verborgen liege. Nach einer dramatischen Grabung wurde tatsächlich eine Lanze gefunden. Für viele Kreuzfahrer galt dies als göttliches Zeichen, dass Gott ihre Sache unterstütze und ihnen den Sieg verheißen habe. In den Berichten wird deutlich, wie stark solche Zeichen auf die Moral wirkten. Die ausgehungerten, eingeschlossenen Kreuzfahrer erhielten neuen Mut, Ausdauer und Opferbereitschaft, weil sie glaubten, mit der Lanze ziehe Gottes unmittelbare Gegenwart in ihr Heer ein. Als Bartholomäus später eine Feuerprobe bestehen wollte und dabei schwer verletzt starb, sahen nicht wenige darin wiederum ein Gegenzeichen. Die Prophezeiung und Authentizität der Lanze geriet in Zweifel. So wurde die Lanze in den Kreuzzugserzählungen zum Prüfstein für Glauben, Selbsttäuschung und den Umgang mit angeblichen Wundern. Deshalb war Hitler in seiner Wiener Zeit, 1908 bis 1913 war das, von der Lanze fasziniert und hat sie später gezielt in seinen Herrschaftsmythos eingebaut. Die populärste Quelle hierfür ist Trevor Ravenscrofts Buch "The Spear of Destiny" von 1973, das Hitler eine Art magische Anziehung zur Lanze zuschreibt und behauptet, er habe in ihr ein Symbol seiner Bestimmung zur Weltherrschaft gesehen. Historisch ist diese Darstellung umstritten. Ravenscrofts Buch gilt in der Forschung eher als spekulativ bis esoterisch. Gesichert ist allerdings, dass Hitler großen Wert auf Symbolik, germanische Mythologie und mittelalterliche Machtsymbole legte, was die ideologische Aufladung der Lanze in der NS-Zeit zumindest plausibel macht. Heinrich Himmler und seine Führungskreise in der SS bedienten sich intensiv okkult-esoterischer Motive, um die SS als Orden der neuen Art zu inszenieren. Die Wewelsburg fungierte als ideologisches Zentrum, in dem keltische, germanische und mittelalterliche Symbole zu einem pseudoreligiösen Weltbild verschmolzen. Die heilige Lanze fügte sich in dieses Bild als archaisches Herrschaftssymbol, auch wenn sie physisch in Wien verblieb. Sie stand ideell für den Anspruch, in einer Traditionslinie von römisch-deutschen Kaisern, Kreuzfahrern und anderen Auserwählten zu stehen. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurden die Reichskleinodien einschließlich der Lanze auf persönlichen Wunsch Hitlers von Wien nach Nürnberg verbracht. Nürnberg war für die NSDAP die Stadt der Reichsparteitage und sollte als geistiges Zentrum des Regimes inszeniert werden. Da passte die Rückführung der alten Reichsinsignien perfekt in das Bild einer Wiederbelebung des Reiches.Die Lanze wurde in Nürnberg ausgestellt und propagandistisch als Schicksalsspeer inszeniert. Die Botschaft: Die Nationalsozialisten präsentierten sich als legitime Erben der Kaiser, als neue weltliche Ordnung mit quasi religiösem Auftrag. Der alte mittelalterliche Gedanke, der Träger der Lanze sei unbesiegbar, wurde in populären Darstellungen wiederbelebt und mit Hitlers Person verknüpft. Der Nationalsozialismus nutzte die Mythen um die heilige Lanze auch indirekt. Die Erhöhung von Führerfigur und Reichsideologie, der Glaube an Vorsehung und Schicksal, die Inszenierung einer Sendung, all dies ließ sich hervorragend mit einem mythischen Objekt wie der heiligen Lanze verknüpfen. Dabei verschwammen historische Fakten, mittelalterliche Legenden und moderne Verschwörungstheorien zu einem schwer entwirrbaren Ideengemisch. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Lanze in einem Nürnberger Bunker von US-Truppen entdeckt. Nach kurzer Zwischenlagerung überstellte man sie 1946 nach diplomatischen Verhandlungen zurück nach Wien. Seither befindet sie sich wieder in der weltlichen Schatzkammer der Hofburg und ist als Teil der Reichsinsignien öffentlich zugänglich. Was sagt aber die moderne Wissenschaft zu der Lanze? Im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert ist die heilige Lanze mehrfach archäometallurgisch untersucht worden, um ihre Entstehungszeit und ihren Aufbau genauer zu bestimmen. Bereits 1914 kam eine Untersuchung der Montanuniversität Leoben zu dem Ergebnis, dass es sich um eine karolingische Flügellanze handelt, die frühestens im achten Jahrhundert entstanden sein kann. Damit ist die Identifikation mit der originalen Lanze des Longinus aus dem ersten Jahrhundert faktisch ausgeschlossen, auch wenn die mittelalterliche Tradition diese Gleichsetzung vehement behauptet. In den 2000er Jahren wurden die Ergebnisse mit modernen, zerstörungsfreien Methoden wie Röntgen, Materialanalysen und detaillierten Befundungen der Gold- und Silbermanschetten überprüft. Dabei zeigte sich, dass die Lanze aus mehreren Teilen besteht, die in unterschiedlichen Epochen verändert, ergänzt oder umgearbeitet wurden, etwa durch das Einsetzen des angeblichen Kreuznagels, die Silbermanschette des elften Jahrhunderts und die Goldmanschette des vierzehnten Jahrhunderts. Spuren wie Abmeißelungen, Pfeilspuren und sekundäre Drahtwicklungen deuten darauf hin, dass die Lanze immer wieder rituell und politisch optimiert wurde, um ihrer Bedeutung als Reichsinsignie gerecht zu werden. Die Quintessenzen der Forschungen lauten: Erstens, die Lanze ist ein authentisches frühmittelalterliches Objekt mit hoher Kunst und reichsgeschichtlicher Bedeutung. Zweitens, ihre Verbindung zu Longinus und zum Kreuz Christi ist eine spätere legendäre Überhöhung, nicht historisch nachweisbar. Drittens, ihre Heiligkeit beruht daher weniger auf archäologischer Echtheit als auf der langen Tradition der Verehrung und der Macht, die Menschen ihr symbolisch zugeschrieben haben. Trotz dieser Entzauberung blieb die Lanze ein Magnet für Esoteriker und Okkultisten, die in ihr weiterhin ein machtvolles Instrument sehen, für Verschwörungstheoretiker, die insbesondere die NS-Episode mit Mordritualen und Geheimorden ausschmücken, und Historiker, die das Zusammenspiel von Relikt, Herrschaftslegitimation und politischer Symbolik analysieren. Heute steht die Lanze in Wien weniger für göttliche Macht als für die Macht von Mythen selbst, für die Bereitschaft von Menschen, in ein Objekt Bedeutung hineinzulesen, die über seine materielle Realität weit hinausgeht. Die Geschichte der heiligen Lanze lässt sich kaum erzählen, ohne den größeren Kontext des Reliquienhandels seit dem Mittelalter zumindest kritisch anzuschneiden. Offiziell verbot die Kirche zwar den Handel mit besonders bedeutenden Reliquien. Erlaubt war nur Tausch, Schenkung oder der freikaufende Erwerb von Ungläubigen. In der Praxis wurde dieses Verbot jedoch systematisch unterlaufen. Reliquien wurden als Geschenke deklariert, als Diebstahl inszeniert oder mit frommen Legenden verbrämt, obwohl es sich oft um handfeste Geschäfte handelte. Zeitgenössische Kritiker sparten nicht mit Spott. Der heilige Bernhard von Siena meinte im fünfzehnten Jahrhundert, es seien so viele Stücke des Kreuzes Christi im Umlauf, dass zwölf Ochsen sie nicht tragen könnten. Ähnlich kursierten gleich mehrere Originalgegenstände von den Krügen der Hochzeit zu Kanaan bis hin zu verschiedenen Vorhäuten Christi, was selbst gläubigen Beobachtern übertrieben vorkam. Die heilige Lanze nimmt in diesem System eine besondere Stellung ein. Sie war weniger Handelsware als Machtpfand, das zwischen Königen, Kaisern und Städten wie Nürnberg und Wien getauscht wurde. Offiziell als fromme Stiftung, faktisch aber oft als politisches Faustpfand. Gerade diese Verquickung von Spiritualität, Ökonomie und Politik ist es, die die moderne Sicht auf Reliquien ambivalent macht. Einerseits sind sie Ausdruck einer tiefen Volksfrömmigkeit und einer jahrhundertelangen religiösen Praxis. Andererseits zeigen sie, wie leicht sich religiöse Gefühle ökonomisch ausbeuten und politisch instrumentalisieren lassen, bis hin zur NS-Propaganda, die die Lanze als Schicksalsspeer in Dienst nahm. In der Gegenwart lebt der Mythos der Lanze vor allem in Esoterik, Verschwörungstheorien und der Popkultur weiter. Romane, Dokumentationen und Internetmythen erzählen von einem Spear of Destiny, der angeblich Weltkriege entschieden, Diktatoren unverwundbar gemacht oder geheime Orden mit kosmischer Energie versorgt habe.Besonders beliebt ist die Vorstellung, dass der Verlust der Lanze den abrupten Untergang ihrer Träger besiegelt. Eine Idee, die rückwirkend mit Kaisern, Kreuzfahrern oder modernen Machthabern verknüpft wird. Comics und Filmreihen wie im, äh, DC-Universum oder in Abwandlungen à la Indiana Jones steigern die Lanze zum nahezu allmächtigen Artefakt, das Dämonen bannt, Realitäten verändert oder ganze Armeen kontrolliert. Historisch gesichert ist davon natürlich nichts. Interessant ist jedoch, wie sich ein ursprünglich religiöses Passionsinstrument in eine Projektionsfläche für moderne Ängste und Hoffnungen verwandelt. Vom Werkzeug der Heilung des Longinus über das Herrschaftsinsignium mittelalterlicher Kaiser bis zum mythischen Schicksalobjekt in Fantasy und Verschwörungsnarrativen. Als Fazit kann man sagen: Die heilige Lanze ist ein Lehrstück dafür, wie sich über Jahrhunderte religiöse Relikte, mittelalterliche Machtinsignien und politische Mythen überlagern. Vom Pilgerobjekt im spätantiken Jerusalem über die Reichskleinodie der Kaiser bis zur okkult aufgeladenen Requisite im Symboluniversum des Nationalsozialismus. Stets wurde sie benutzt, um Herrschaft zu deuten, zu legitimieren oder zu verklären. Ob Hitler persönlich an ihre mystische Kraft glaubte oder sie eher zynisch als Propagandainstrument nutzte, lässt sich nicht endgültig klären. Klar ist jedoch: Die Geschichte der Lanze ist selbst zu einem Mythos geworden, in dem historische Fakten, Legenden und moderne Fantasien unauflöslich ineinandergreifen. Und gerade darin liegt ihre bis heute ungebrochene Faszination. Und damit ihr nicht modernen Reliquienhändlern oder anderen Scharlatanen auf den Leim geht, solltet ihr dringend in die GWUP eintreten. Wie ihr das machen könnt, erfahrt ihr in den Show Notes. Und so verbleibe ich bis zum nächsten Mal als euer Onkel Michael. Bis bald.