Leiwand gründen

Fachlich hervorragend – aber reicht das für den unternehmerischen Erfolg? In dieser Folge von „Leiwand gründen“ sprechen Günter Schmatzberger und Camillo Patzl darüber, warum fachliche Kompetenz zwar eine wichtige Grundlage für die Selbstständigkeit ist, aber allein noch kein erfolgreiches Unternehmen ausmacht.
  • Wer gründet, übernimmt neben der fachlichen Arbeit auch Aufgaben wie Vertrieb, Marketing, Buchhaltung, Organisation und Unternehmensführung.
  • Die Arbeit einer Unternehmerin oder eines Unternehmers ist oft weniger sichtbar, aber entscheidend: Kundenbeziehungen, Teams und funktionierende Abläufe entstehen nicht von selbst.
  • Selbstständige müssen zwischen drei Rollen wechseln können: Fachkraft, Manager und Unternehmer.
  • Wer dauerhaft in der Fachkraftrolle bleiben möchte, kann andere Aufgaben gezielt an Partner, Mitarbeitende oder externe Dienstleister abgeben.
  • Auch ein ausgezeichnetes Produkt verkauft sich nicht automatisch – gerade zu Beginn braucht es eine konkrete Strategie, um sichtbar zu werden und erste Kunden zu gewinnen.
  • Vertrieb bedeutet nicht zwangsläufig Kaltakquise oder tägliche Social-Media-Posts: Auch bestehende Kontakte, Kooperationen oder nicht bediente Marktchancen können ein sinnvoller Vertriebsweg sein.

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Was ist Leiwand gründen?

Der Podcast für Gründer und Solo-Selbständige mit Günter Schmatzberger und Camillo Patzl. Jede Woche: 1 Frage, 15 Minuten, 2 Sichtweisen.

140_Wenn ich fachlich gut bin werde ich unternehmerisch erfolgreich sein.mp3
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Speaker 1
00:18 - 00:30
Hallo liebe Hörerinnen, lieber Hörer, willkommen zu dieser wöchentlichen heutigen Podcast-Folge von Leiber & Gründen. An meiner Seite sitzt wie immer der liebe Günther Schwarzberger. Ja, hallo. Hallo lieber Camillo und Camillo Patzl.

Speaker 1
00:30 - 00:45
Wie immer an meiner Seite ebenfalls. Wir sind das Duo von Leiber & Gründen und sprechen in diesem Sommer 2026 über Gründungshalbwahrheiten. Und welche Gründungshalbwahrheit, Camillo, hast du uns denn mitbekommen? Naja, vielleicht ein bisschen ein Klassiker.

Speaker 1
00:45 - 01:01
Wenn ich fachlich gut bin, dann werde ich auch unternehmerisch erfolgreich sein. Ja, kenne ich diesen Ansatz. Gerade dann in einer klassischen Situation. Ich bin ein sehr wichtiger, guter Mitarbeiter beim Handwerksbetrieb.

Speaker 1
01:01 - 01:34
Ich bin Tischler. und sehe den Chef, wie der da sozusagen ein leibendes Leben hat und das Gefühl habe, okay, der sitzt den ganzen Tag im Büro und ich bin auf der Baustelle, ich hackle da und der Chef schreibt mir seine Rechnungen und kassiert ein und ich hackle sozusagen, ich mache die eigentliche Arbeit, mein Chef hat das leibende Leben. Ich will das auch, ich mache mich selbstständig und kann das durch meine fachliche Expertise, die ich zweifellos habe, jetzt in die Rolle meines Chefs schlüpfen und verdiene endlich das Geld selber, das mein Chef bis jetzt mit mir verdient hat.

Speaker 1
01:34 - 02:10
Das ist eine klassische Herangehensweise ans Gründen. Und basiert auf genau dieser Idee, dass wenn ich ja fachlich gut bin, dass ich eigentlich ja im Prinzip nur mehr mich selbstständig machen brauche, dann schreibe ich halt noch die Rechnung, aber das geht, das kriege ich hin und damit habe ich im Prinzip das gleiche, was mein Chef gehabt hat und im Prinzip die gleiche Arbeit, aber viel mehr Einkommen. Wir haben da so ein überlappendes Thema zu einer anderen Podcast-Folge, wo wir darüber gesprochen haben, dass der eigene Chef ist.

Speaker 1
02:10 - 03:00
Genau, die halbe Wahrheit, jetzt bin ich eigentlich der eigene Chef. Und auf was ich hinaus wollte ist, oder was du auch angedeutet hast, ist, wenn wir da beste Mitarbeiter sind oder die beste Fachexpertise im Betrieb haben, dann fehlen uns sozusagen für die Selbstständigkeit noch andere Felder, noch andere Kompetenzen, die es notwendig macht, dass sozusagen das gesamte Geschäftsmodell funktioniert. Ja, selbst wenn wir eine gute Idee haben oder sagen, wir sind handwerklich top, Wir haben genug Gründer und Gründerinnen gehabt, die waren super in Marketing unterwegs. Die waren super vielleicht was beim Grafikdesign oder sowas betrifft.

Speaker 1
03:00 - 03:25
Die waren top als Tischler, also von Handwerksbetrieben bis Dienstleistungsangeboten. Leute, die einfach so ein Menschengespür haben. Wirklich super Menschen. Aber genau denen haben wir sozusagen unsere Expertise mitgeben können und sie dabei unterstützen können, diesen Rahmen aufzubauen, den es braucht, damit eine Geschäftsidee auch funktioniert.

Speaker 1
03:25 - 04:07
Ja, also auch hinzuschauen und zu sagen, Wenn ich gut mit Menschen kann und ich gut sozusagen im Gespür bin, ich muss vielleicht trotzdem auch auf die Zahlen hinschauen und ein Zahlengespür bekommen. Oder wenn ich sage, ich bin super gut als Tischler und baue das Produkt dann fertig, ich muss mich halt auch vielleicht um den Vertrieb und den Verkauf kümmern. Wenn du das Gefühl hast, dein Chef ist ein Obezarrer und macht nicht viel, schau noch mal hin. Der Chef macht in der Regel mehr, als du glaubst.

Speaker 1
04:07 - 04:22
Anders. Also er macht andere Dinge als du, aber er macht wichtige Dinge. Oder, was auch sehr häufig ist, er hat die schon gemacht, damit er da hinkommt, wo er jetzt ist. Die Kunden kommen nicht von selber, sondern der Chef hat sich irgendwann um diese Kunden kümmern müssen.

Speaker 1
04:22 - 05:14
Dass es jetzt Stammkunden gibt, die jetzt von selber unter Anführungszeichen kommen, ist eine harte Arbeit über Jahre. Da hat sich ein Team aufgebaut, wo er sagt, da gibt es eine Person, die ist handwerklich begabt, da gibt es eine Person, die ist buchhalterisch begabt, dann gibt es jemanden, der ist im Verkauf tätig und dann gibt es jemanden, der in der Lagerhaltung gut ist und er hat sozusagen seine Kompetenzen das zu orchestrieren, also quasi zu organisieren, zu verwalten, zu führen, die Leute entsprechend zu motivieren, weiterzuentwickeln oder den Laden sozusagen in Schwung zu halten oder vielleicht ist eher dann die Marketing Er ist Marketing in Person, geht Netzwerken, geht Socializen, spricht über sein Unternehmen, trägt das Unternehmen sozusagen in den Markt oder nach außen, weil sonst würde es ja nicht sichtbar werden.

Speaker 1
05:14 - 05:24
Richtig. Und das ist alles keine Kleinigkeit. Ja, der Chef geht vielleicht jeden Freitag am Golfplatz. Aber vielleicht ist es genau der Akquisekanal, über den man seine Aufträge bekommt.

Speaker 1
05:24 - 05:42
Das ist jetzt nicht alles nur Vergnügen und Halligalli, sondern diese Aufgaben, die dein Chef bis jetzt gut gemacht hat, die musst du erst mal mindestens genauso gut machen. Und das ist keine Kleinigkeit. Also diese fachliche Expertise, ja das ist, ich würde sagen, das ist die Voraussetzung. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Speaker 1
05:42 - 06:25
Ich kann mich nicht selbstständig machen als Friseur, wenn ich nicht gut Haare schneiden kann. Ich meine, wie soll ich da am Markt Erfolg haben? Aber diese fachliche Expertise, dieses Gutsein in dem, was man macht, ist bestenfalls die Startrampe. Die Kehrseite, die ich auch schon in meinem beruflichen Leben erfahren durfte, und ich war live dabei und durfte es auch öfters beobachten, ist, wenn Personen, die wirklich eine hohe Expertise haben, Gute Programmierer zum Beispiel oder gute Handwerker, die haben meistens nicht so gute Betriebe aufgebaut oder die fallen

Speaker 1
06:25 - 06:45
immer wieder in den Modus zurück, das jetzt nicht falsch verstehen oder nicht negativ verstehen. des Facharbeiters. Stefan Mehrert schreibt in seinem Buch von diesem Dreiklang, den man in sich trägt. Man ist Fachkraft, man ist Manager und man ist sozusagen die Führungskraft oder der Unternehmer.

Speaker 1
06:45 - 07:24
Und wenn ich selbst gegründet habe und immer wieder in die Fachkraftrolle zurückfalle oder mich dort eigentlich wohlfühle und dort bleiben will, dann wird mir die Managerrolle fehlen, dann wird mir die Unternehmerrolle fehlen oder die zu kurz kommen und dann funktioniert der Betrieb nicht. Ich kann mich nicht entwickeln oder ich bleibe stehen oder ich werde am Markt vielleicht sogar gar nicht überleben können, langfristig betrachtet. Ja genau, also diese Beobachtung war auch gemacht und was halt auch dazu kommt ist, dass diese Fachkräfte, also wirklich sehr sehr gute fachliche ExpertInnen tatsächlich oft Hemmungen und Schwierigkeiten im Marketing haben. Marketing ist nicht deren Lieblingssport.

Speaker 1
07:24 - 07:57
die sind ja deswegen in einem Feld gut, weil sie sozusagen andere Felder bewusst oder unbewusst, aber meistens ist es bewusst, vernachlässigt haben, weil sie gesagt haben, mir ist das jetzt egal, aber ich fokussiere mich auf das, weil das ist mein Interessensgebiet und dort bin ich die Koryphäe, dort bin ich gut. Aber, und das soll jetzt nicht sozusagen demotivierend sein, was ich vorhin gesagt habe, Du hast immer noch die Möglichkeit, diese Expertise zu leben und zu sein und zu bleiben, in den Fällen in dieser Fachkraftrolle. Dann musst du dich nur anders strukturieren.

Speaker 1
07:57 - 08:19
Dann brauchst du vielleicht jemanden, der dir die Geschäftsführung abnimmt oder das Marketing abnimmt. Und dann hast du auch wieder so ein bisschen ein unternehmerisches Denken, eine Komponente dabei. Kannst in dem Feld bleiben, wo du dich wohlfühlst, hast aber einfach durch Das muss man sich durchdenken, wie man sich das geschickt aufbaut, vom Geschäftsmodell her, dass man da sozusagen gut aussteigen kann. Aber sowas gibt es auch.

Speaker 1
08:19 - 08:32
Genau. Wichtig ist nur zu wissen, dass sich dieses Marketing nicht von selber erledigt, weil ich gut bin. Also die Idee, dass sich das Gute durchsetzt. Ein Produkt verkauft sich auch nicht nur, weil es gut ist.

Speaker 1
08:32 - 08:52
Nein. Weil die besten Produkte, und das kann man lesen, da gibt es Studien drüber, die kennt niemand. oder die wurden aufgekauft oder nachgebaut und dann sind sie dreimal größer und dreimal besser geworden. Ja genau, also diese fachliche Expertise ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Gründung, aber nicht die einzige.

Speaker 1
08:52 - 09:17
Und das muss man einfach am Schirm haben, auch zu sagen, okay, mein Produkt ist so gut, dass es sich von selber verkauft, das stimmt auch nicht. Meine Idee ist so genial, dass jeder sie haben will. Das stimmt halt leider nicht. Und das ist nicht, weil wir beide alte Pessimisten sind, Camille und ich, sondern weil wir das in hunderten Gründungen schon erlebt haben, dass das gute Produkt, die gute Idee, die gute fachliche Kompetenz einfach nicht reichen.

Speaker 1
09:18 - 09:21
Es genügt. Nicht. Es braucht mehr. Es braucht die Kombination.

Speaker 1
09:21 - 09:40
Ein bisschen diese Balance. Ja, man hat in dem einen Feld mal eine Spitze und ein anderes rückt zurück. Das ist ganz normal. Aber genau diese Balance, skill-less, unternehmerisch zu bespielen, dass man sagt, Ich muss ein bisschen Vertrieb mehr machen, damit auch wieder Kunden kommen.

Speaker 1
09:40 - 10:11
Dann rutsche ich vielleicht wieder mehr in die Fachkraftrolle rein, weil ich muss sie auch bedienen und abarbeiten, das was bei mir bestellt wird. Aber ich muss dann sozusagen auch mich da ein Stück wieder rausnehmen und mich vielleicht um das Marketing oder um die Buchhaltung oder um meine Weiterbildung oder andere Themen zu kümmern. Und wenn du jetzt in der Lage bist, dir eine Gründung zu überlegen und dich ein bisschen ertappt fühlst bei der Beschreibung des Facharbeiters oder Facharbeiterinnen und du sagst, ja, eigentlich ist das das, was ich eigentlich gerne mache, dann geben wir dir, oder möchte ich dir mitgeben, die eine Frage.

Speaker 1
10:11 - 10:39
Wie wirst du den Vertrieb für dich lösen? Es gibt viele Möglichkeiten dafür, aber bevor du dich selbstständig machst, stell dir die Frage, wie komme ich zu meinen Kunden? Wenn du dafür eine Lösung hast, dann gründe, dann mach das. Aber wenn du das Gefühl hast, ich weiß es nicht, dann verlass dich nicht darauf, dass du nur Kraft deiner fachlichen Expertise, deiner Geschicklichkeit, deiner guten Arbeit automatisch zu Kunden kommst.

Speaker 1
10:39 - 11:02
So funktioniert es leider nicht. Vor allem der Startschuss nicht, weil man noch unsichtbar ist. Danach, wenn die Mundpropaganda vielleicht tatsächlich zu laufen beginnt, dann schaut das Spiel anders aus. Aber dass die Kugel sozusagen mal ins Rollen kommt und da Momentum entsteht, das passiert meistens nicht von alleine.

Speaker 1
11:03 - 11:38
Wobei, vielleicht muss ich das noch ein bisschen zur Beruhigung sagen, Vertrieb bedeutet jetzt nicht, dass du 100 Kunden anrufen musst und irgendwie Kaltakquise machen musst, sondern eine Vertriebsstrategie kann ja auch sein, keine Ahnung, ich bin jetzt seit fünf Jahren bei diesem Chef und ich merke immer wieder, dass diesem Chef Kunden verloren gehen, die irgendwie nicht zufrieden sind oder dieses Unternehmen kann nicht alle Kunden bedienen oder nimmt manche Aufträge nicht an, dann kann eine Vertriebsstrategie auch so sein, ich nehme das auf, was da abfällt. Ich versuche da Beziehungen aufzubauen. Das ist auch schon eine Strategie.

Speaker 1
11:38 - 11:54
Das heißt ja nicht, dass ich jetzt Werbung entschalten muss und irgendwie auf Social Media täglich posten muss. So eine Schlüsselperson kann durchaus hilfreich sein oder Schlüsselunternehmen. Das heißt, ich kann ja schlau sein. Ich kann ja meine Möglichkeiten, die jetzt schon da sind, einfach nutzen und so zu meinen ersten Kunden kommen.

Speaker 1
11:54 - 12:09
Nur muss ich mir was überlegen. Ich brauche einen Plan, ich brauche eine Strategie. Und Strategie bedeutet, dass es nicht auf Zufall passiert, sondern dass planvoll ein Schritt nach dem anderen gesetzt wird. Ja, ich glaube, man könnte noch viel mehr dazu sagen.

Speaker 1
12:09 - 12:24
Aber nicht heute. Aber nicht heute. Im Gegenteil, wir laden euch ein, wenn bei dir noch Fragen im Kopf sind, wenn du das Gefühl hast, du möchtest da mehr dazu wissen. Du kannst uns finden, du kannst uns buchen.

Speaker 1
12:24 - 12:42
Wir haben die Webseite leihwand.business und dort gibt es unseren Gründungs-Checkup, den du für dich nutzen kannst. Für dich nutzen kannst du auch unseren Newsletter. Einmal in der Woche gibt es leibernde Inputs zum Thema Selbstständigkeit. Gerade für Solo-Selbstständige eine sehr nützliche Ressource, finde ich, wenn du das haben möchtest.

Speaker 1
12:42 - 12:50
Der Link ist in den Show Notes. Kannst du jederzeit sehr gerne abonnieren. Wir freuen uns, wenn du auch da dabei bist. Und ansonsten dabei sein ist das Stichwort.

Speaker 1
12:50 - 12:59
Nächste Woche sind wir wieder da. Jeden Mittwoch. Und wir freuen uns, wenn du wieder einschaltest. Und bis dorthin, bleibts leibernd.