Willkommen beim RUHEKERN Podcast.
Dieser Podcast ist für Menschen, die spüren, dass das Leben lauter geworden ist, als sie es sich wünschen. Für Menschen, die nach außen funktionieren und innerlich leer sind.
Ich bin Benjamin Schmitt, Pädagoge und Gründer der RUHEKERN Methode. Seit 2009 arbeite ich mit Menschen in Übergängen und Überforderung — und ich kenne das von innen.
In diesem Podcast erfährst du:
— was hinter deinen Reaktionen wirklich steckt
— wie du deinen inneren Autopiloten erkennst und veränderst
— warum innere Ruhe kein Zaubertrick ist, sondern ein Weg
Keine Esoterik. Keine leeren Versprechen. Nur das, was sich im Alltag halten lässt.
Dein kostenloser Einstieg: 5-Minuten-Audio + Workbook + Morgenroutine auf ruhekern-methode.com
Dieser Podcast dient der persönlichen Entwicklung und ersetzt keine Psychotherapie.
Willkommen beim RUHEKERN Podcast.
Ich bin Benjamin Schmitt, und schön, dass du da bist.
Kennst du diesen Moment?
Du hast es verstanden.
Du könntest es sogar jemandem erklären: Zwischen dem Reiz und der Reaktion liegt ein Raum.
Du hast dir fest vorgenommen, ihn das nächste Mal zu betreten.
Kurz anhalten, nichts tun, atmen.
Und dann kommt das nächste Mal.
Und du merkst es erst, als der Satz längst draußen ist.
Darüber möchte ich heute mit dir sprechen.
Nicht über die Übung selbst — die ist in zwei Minuten erklärt.
Sondern darüber, warum sie ausgerechnet dann misslingt, wenn es darauf ankommt.
Und warum das nichts darüber aussagt, wie disziplinert du bist.
Kurz, damit wir vom Gleichen reden.
Der Gedanke ist alt, und er wird Viktor Frankl zugeschrieben: Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum, und in diesem Raum liegt eine Freiheit, die dir niemand nehmen kann.
Im Alltag ist dieser Raum nicht groß.
Er ist etwa drei Sekunden groß.
Wenn dich etwas trifft und du drei Sekunden lang gar nichts tust — nicht antwortest, dich nicht rechtfertigst,
nicht aus dem Raum gehst, sondern bleibst und ausatmest —, dann unterbrichst du die Kette.
Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig.
Das ist der ganze Drei-Sekunden-Stopp.
Das ist so einfach, dass man es sofort unterschätzt.
Und es scheitert so zuverlässig, dass viele Menschen nach zwei Wochen sagen: Bei mir funktioniert das nicht.
Dafür gibt es drei Gründe, und keiner davon ist dein Charakter.
Der erste Grund ist der häufigste: Du probierst es im größten Moment.
Das ist verständlich, denn der größte Moment ist der, der wehtut.
Dort willst du etwas verändern, also nimmst du dir dort etwas vor.
Nur ist das, als würdest du zum ersten Mal in deinem Leben schwimmen wollen, und zwar bei Welle und Gegenströmung.
Niemand würde das tun.
Bei innerer Arbeit tun wir es fast immer.
Der zweite Grund ist der interessantere.
In dem Moment, in dem du die drei Sekunden brauchst, ist genau der Teil von dir nicht da, der sie einsetzen müsste.
Wir haben vor zwei Folgen darüber gesprochen: Wenn dein Alarmsystem auslöst, geht der denkende Teil deines Gehirns für eine Weile offline.
Nicht ganz, aber genug.
Und der Vorsatz, drei Sekunden zu warten, liegt genau dort.
Er ist ein Gedanke.
Er ist im Kopf gespeichert — gebraucht wird er aber im Körper, in einer Lage, in der der Kopf gerade nicht gefragt ist.
Deshalb kommt der Vorsatz zu spät.
Nicht, weil er schwach ist.
Sondern weil er aus dem falschen Lager kommt.
Ein Bild dafür.
Du kommst abends nach Hause und machst Licht.
Deine Hand findet den Schalter, ohne dass du nachdenkst.
Du könntest nicht sagen, auf welcher Höhe er sitzt, wie weit er von der Tür entfernt ist, ob du ihn mit dem Daumen drückst oder mit den Fingern.
Du weißt es nicht.
Deine Hand weiß es.
Und wenn du in einer fremden Wohnung übernachtest und nachts aufstehst, passiert das Gegenteil.
Du tastest die Wand ab.
Dabei weißt du durchaus, wo Lichtschalter normalerweise sind: neben der Tür, etwa auf Hüfthöhe.
Nur hilft dir dieses Wissen gerade nicht, weil es im Kopf liegt und nicht in der Hand.
Genauso ist es mit den drei Sekunden.
Solange sie ein Vorsatz sind, tastest du.
Erst wenn sie an eine Stelle geknüpft sind, die dein Körper kennt, findet die Hand den Schalter.
Der dritte Grund ist der stillste, und er bringt die meisten Menschen zum Aufgeben: Du erwartest, dass die drei Sekunden das Gefühl wegmachen.
Das tun sie nicht.
Sie sind keine Beruhigungsmaßnahme.
Die Wut ist nach drei Sekunden noch da, die Hitze auch, der Magen genauso.
Was sich ändert, ist etwas anderes: Du hast nicht gehandelt.
Das ist der ganze Gewinn, und er sieht nach gar nichts aus.
Wer also erwartet, nach dem Zählen ruhig zu sein, hält die Übung für gescheitert — in dem Moment, in dem sie gerade funktioniert hat.
Ich spiele einmal eine Szene durch, damit das greifbar wird.
Abends, Küche, es ist spät.
Du räumst noch irgendetwas weg.
Und jemand, der dir nahe ist, sagt im Vorbeigehen: Hast du das immer noch nicht gemacht?
Vier Worte, kein Vorwurf im Ton, vielleicht nicht einmal gemeint.
Und bei dir geht sofort etwas hoch.
Die Hitze im Gesicht, oder der Magen, oder die Schultern.
Was danach kommt, kennst du: Der Satz ist schon halb gebaut.
Wann hätte ich das denn machen sollen.
Oder: Du siehst auch nur, was fehlt.
Jetzt die Variante mit den drei Sekunden.
Nicht die schöne Variante, die echte.
Du bemerkst die Hitze.
Du zählst innerlich einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig und atmest einmal lang aus.
In diesen drei Sekunden passiert gefühlt nichts.
Du bist nicht ruhig.
Du bist eher angespannter als vorher, weil du dich zurückhältst und das unangenehm ist.
Der Satz steht weiterhin bereit.
Und dann sagst du ihn trotzdem.
Nur eine Spur weniger scharf.
Oder du sagst stattdessen: Ich bin müde, lass uns morgen reden.
Das war es.
Das ist kein Durchbruch, das ist eine Nuance.
Und genau das ist der Punkt, den ich dir heute mitgeben will: Die Nuance ist das Ziel.
Nicht die Verwandlung.
Denn was hier wirklich passiert, passiert nicht in dieser einen Szene.
Es passiert über Wochen und es passiert in deinem Nervensystem.
Die Neurobiologin Carla Shatz hat das auf einen Satz gebracht: Neuronen, die gemeinsam feuern, vernetzen sich.
Jedes Mal, wenn auf den Reiz dieselbe Reaktion folgt, wird die Verbindung dazwischen ein Stück fester.
Du hast diese Strecke tausendmal befahren, deshalb ist sie breit und schnell.
Und das gilt in beide Richtungen.
Eine Verbindung, die du nicht mehr benutzt, wird schwächer.
Die breite Straße der Wut kannst du langsam zu einem Feldweg verkommen lassen — nicht, indem du dich bekämpfst, sondern indem du sie seltener nimmst.
Drei Sekunden sind für diesen Umbau genug.
Sie müssen nur häufig sein.
Das ist der eigentliche Grund, warum die Übung im großen Moment misslingt und im kleinen gelingt: Große Momente hast du selten.
Kleine hast du jeden Tag.
Ich will an dieser Stelle noch etwas gerade ziehen, weil es oft falsch verstanden wird.
Die drei Sekunden sind nicht dazu da, das Fühlen abzustellen.
Du hast jedes Recht, wütend zu sein.
Wut ist eine schützende Emotion, sie zeigt dir an, dass eine Grenze überschritten wurde.
Gefühle zu unterdrücken kostet enorme Kraft und führt am Ende entweder zu innerer Erstarrung oder zu einem heftigeren Ausbruch später.
Die Unterscheidung, um die es geht, ist eine andere.
Du kontrollierst nicht das Fühlen.
Du kontrollierst das Handeln.
Hör den Unterschied an zwei Sätzen.
Der eine lautet: Ich spüre eine enorme Wut in mir.
Der andere lautet: Du machst mich wahnsinnig.
Der erste Satz ist eine Beobachtung.
Der zweite ist eine Reaktion.
Zwischen den beiden liegen diese drei Sekunden, und sonst nichts.
Und noch eine Ehrlichkeit, die dazugehört.
An manchen Tagen gelingt es nicht.
Nicht einmal bei Kleinigkeiten.
Das sind in der Regel die Tage, an denen du zu wenig geschlafen hast, zu lange nichts gegessen hast oder seit Wochen keinen Abend für dich hattest.
Dein Fenster ist dann schmal, und ein schmales Fenster ist keine Charakterfrage, sondern ein Zustand.
An solchen Tagen ist die beste Übung keine Übung, sondern früher ins Bett.
Wenn du also die drei Sekunden schon einmal probiert hast und es nicht geklappt hat, dann hast du nicht versagt.
Du hast nur am schwersten Ort angefangen, mit dem falschen Werkzeug und mit der falschen Erwartung.
Das lässt sich alles ändern.
Und darum geht es in der nächsten Folge.
Wie du diesen Stopp übst, wenn gerade gar nichts los ist.
Wie du ihn an eine Stelle in deinem Tag hängst, die jeden Tag wiederkommt.
Und warum das Zählen dabei keine Spielerei ist, sondern den entscheidenden Teil der Arbeit macht.
Bis dahin lasse ich dich mit einer Frage.
Sie ist leichter, als sie klingt.
Wann hast du das letzte Mal gemerkt, dass du gleich etwas sagst, das du hinterher nicht gut findest — und hast es trotzdem gesagt?
Dieser Moment, in dem du es gemerkt hast: Der ist nicht dein Scheitern.
Das ist die Stelle, an der gearbeitet wird.
Wenn du an dieser Stelle tiefer gehen willst: Der Raum zwischen Reiz und Reaktion ist Modul 3 im Selbstlernkurs der RUHEKERN Methode, mit den geführten Übungen dazu.
Nur, damit du weißt, dass es das gibt.
Und der kostenlose Einstieg liegt wie immer auf ruhekern-methode.com.
Der 5-Minuten-Ruhekern, das Einstiegs-Workbook „Den Autopiloten verstehen" und die geführte Morgenroutine.
Kostenlos, ohne Bedingungen.
Schön, dass du da bist.
Bis zur nächsten Folge.