Der einzig wahre skeptische Podcast der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) mit dem legendären Blogger Onkel Michael.
Wir widmen uns vielen verschiedenen Themen aus dem Bereich der Parawissenschaften und berichten, was wirklich dahinter steckt. Egal ob die so genannte Alternativmedizin, Verschwörungstheorien oder andere Mythen: wir sagen euch Bescheid!
0:12 Heilversprechen im Wandel
5:21 Theriak und Gesundbeten
9:44 Show und Schwindel
13:05 Dr. Eisenbart und Gesetze
16:44 Homöopathie und Laienheiler
20:31 Kurierfreiheit und Aufklärung
25:10 Der neue Gesundheitsmarkt
26:03 Kampf gegen Kurpfuscherei
30:10 Das Heilpraktikergesetz
32:08 Heilpraktiker im Faktencheck
34:16 Was sich nie ändert
Transcript
[0:12]
Heilversprechen im Wandel
[0:07]Herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen im weiten Podcastland. Mein Name ist Michael Scholz und dies ist die 17. Folge des Skepti-Talks, des einzig wahren skeptischen Podcasts der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Wie immer gilt, wenn ihr Vorschläge, Anregungen, Wünsche, Lobkritik oder Beschimpfungen habt, Schickt sie mir an scappytalk.gwup.org oder meldet euch auf unseren Social-Media-Kanälen. Heute geht es um ein Thema, das so alt ist wie die Menschheit selbst.
[0:45]Sobald Menschen krank werden, gab es andere Menschen, die Heilung versprachen. Manche von ihnen waren erfahrene Heiler, andere waren ehrliche, aber irrende Enthusiasten und wieder andere waren schlichtweg Betrüger. Sie nannten sich Wundheiler, Theriak-Händler, Gesundbäder, Magnetisöre, Homöopathen oder Naturärzte. Ihre Kritiker nannten sie Kurpfuscher, Scharlatane oder Quacksalber. Aber wer waren diese Menschen eigentlich? Warum vertrauen ihnen Millionen? Und weshalb beschäftigen uns diese Fragen noch heute? Begleitet mich auf eine Reise durch fast 2000 Jahre Medizingeschichte. Eine Reise in eine Welt voller Wunderheilungen, Jahrmarktspektakel magischer Rituale und erstaunlich moderner Werbetricks. Kupfuscherei gibt es vermutlich so lange, wie es kranke Menschen gibt.
[1:44]Natürlich wissen wir nicht, was ein germanischer Stammesangehöriger dachte, wenn er sich vor 2000 Jahren ein Bein brach oder von einer schweren Krankheit heimgesucht wurde. Aber eins können wir mit Sicherheit annehmen. Wo immer es einen anerkannten Heiler gab, gab es wahrscheinlich auch jemanden, der behauptete, noch bessere Heilmethoden zu besitzen. Also schon immer. Selbst in jenen Tagen, als noch die alten Germanen durch die herzynischen Wälder streiften und bei Krankheit oder Verletzung dem Ortsdruiden aufsuchten, gab es sicherlich irgendwo am Waldrand einen Alternativdruiden, der für eine übel hohe Anzahl von Sesterzen irgendeinen Kokolores verkaufte. Historisch mag dieses Bild nicht ganz belegt sein, aber es verdeutlicht ein Prinzip, das sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht Menschen suchen Hoffnung.
[2:38]Vor allem dann, wenn Krankheit, Schmerz und Tod drohen. Und genau aus dieser Hoffnung entstand über Jahrhunderte ein riesiger Markt.
[2:47]Ein Markt für Heilversprechen. Dabei ist der Begriff Kurpfuscher überraschend jung. Er verbreitete sich erst im 19. Jahrhundert und verdrängte ältere Bezeichnungen wie Scharlatan, Medicaster oder Afterarzt. Ein Kurpfuscher ist zunächst einmal jemand, der Kranke behandelt, ohne über eine angemessene medizinische Ausbildung oder eine staatliche Zulassung zu verfügen. Der Begriff Quacksalber beschreibt dagegen eher jemanden, der Wundermittel verkauft. Natürlich verschwimmen diese Rollen häufig. Der klassische Quacksalber behandelt oft gleich selbst mit. Besonders interessant ist die Herkunft des Wortes. Quacksalber kommt aus dem Niederländischen und das Wort Quacksalber setzt sich aus Quaken und Salber zusammen. Gemeint ist also jemand, der seine Salben lautstark anpreist, ein Marktschreier der Medizin. Und genau so müssen wir uns viele dieser Gestalten auch vorstellen.
[3:47]Nicht als stille Kräuterkundige, sondern als geschickte Verkäufer, als Entertainer, als Meister der Inszenierung. Schon im Mittelalter erfreute sich eine Arzneimittel besonderer Beliebtheit. Ihr Name war Theriak. Theriak war ursprünglich als Gegengift entwickelt worden. Es bestand mitunter aus bis zu 70 verschiedenen Bestandteilen. Zu diesen Zutaten gehörten Kräuter, Gewürze und zahlreiche weitere Substanzen. Das Präparat wurde von Ärzten und Apothekern hergestellt.
[4:21]Wahrscheinlich wirkte es gegen Vergiftungen nicht ganz so richtig. Allerdings enthielt es häufig Opium und das dürfte bei vielen Patienten durchaus einen spürbaren Effekt hervorgerufen haben.
[4:35]Teriag war aber teuer, sehr teuer. Und wie immer, wenn sich mit einem Produkt gutes Geld verdienen lässt, erschienen bald Nachahmer. Reisende Händler begannen, ihre eigenen Versionen herzustellen. Natürlich deutlich billiger und häufig mit fragwürdigen Inhaltsstoffen. Doch die eigentliche Innovation bestand nicht in der Rezeptur, sondern im Marketing. Plötzlich war Teriag nicht mehr nur ein Antidot. Es wurde zum Universalheilmittel. Es sollte praktisch gegen alles helfen, von Zahnschmerzen bis zum Haarausfall, von Magenbeschwerden bis zu chronischer Schwäche. Die Ähnlichkeit zu heutigen Wundermitteln ist bemerkenswert.
[5:21]
Theriak und Gesundbeten
[5:16]Denn noch immer gilt, je größer das Heilversprechen, desto skeptischer sollte man werden. Eine besonders interessante Form historischer Pseudomedizin war das sogenannte Gesundbeten. Über viele Jahrhunderte glaubten Menschen, Krankheiten seien eine Folge von Sünden oder moralischen Fehlverhaltens.
[5:36]Wer krank wurde, galt nicht selten als jemand, der gegen göttliche Gebote verstoßen hatte. Die Aufgabe des Gesundbetens bestand deshalb nicht in erster Linie darin, den Körper zu behandeln. Es sollte die Schuld beseitigen. Durch Gebete, durch Rituale oder dadurch, dass er symbolische Schuldeskranken auf sich nahm. Aus heutiger Sicht erscheint das natürlich befremdlich und dennoch finden wir ähnliche Vorstellungen bis heute. Denn zahlreiche moderne pseudomedizinische Systeme vermitteln ihren Patienten indirekt dieselbe Botschaft. Du bist selbst verantwortlich für deine Krankheit. Du hast falsch gedacht, du hast falsch gelebt, du hast deine Krankheit gewissermaßen selbst erzeugt. Der religiöse Hintergrund mag verschwunden sein. Das Prinzip ist erstaunlich aktuell geblieben. Bereits in der Antike gab es Menschen, die sich über Scharlatane beklagten.
[6:30]Der Leibarzt des Kaisers Julian, Oraibasius von Pergamon, beschrieb im spätantiken Rom eine regelrechte Blüte der Kurpfuscherei. Auch der Schriftsteller Lukian von Samosata schilderte eine erstaunliche Vielfalt an Wunderheilern, Zauberern, Exorzisten, Schlangenbeschwörern, magischen Heilern. Mit anderen Worten, die antike Welt war keineswegs rationaler oder skeptischer als unsere eigene. Und manchmal waren die Methoden geradezu grotesk. Besonders eindrucksvoll ist ein Bericht aus dem mittelalterlichen Ägypten. Dort soll ein Scharlatan namens Yala al-Bosravi seinen Mitmenschen beweisen wollen, dass sie sich beliebig täuschen ließen. Er ließ Patienten getrockneten Kot in die Zähne reiben, anschließend roch er an ihrem Atem und diagnostizierte ein schweres Leiden. Danach beseitigte er den unangenehmen Geruch mit wohlriechenden Gewürzen.
[7:34]Die Patienten waren beeindruckt, sie zahlten und der Mann betrieb dieses Geschäft offenbar ein ganzes Jahr lang erfolgreich. Man könnte darüber lachen, doch die Geschichte wirft eine Frage auf. Wie unterscheiden wir eigentlich echte Medizin von bloßer Inszenierung? Wenn wir heute an einen Arztbesuch denken, stellen wir uns vermutlich einen nüchtern, eingerichteten Praxisraum vor. Schreibtisch, Computer, Wartezimmer, vielleicht ein paar Anatomie-Poster an der Wand.
[8:03]Ein Quacksalber des 17. oder 18. Jahrhunderts hätte über eine solche Nüchternheit vermutlich nur den Kopf geschüttelt. Denn ein erfolgreicher Quacksalber war vor allem eines, ein Showman. Er wusste genau, dass Menschen nicht nur Medikamente kaufen, sie kaufen Hoffnung, Vertrauen und nicht zuletzt auch eine gute Geschichte. Deshalb wurde nichts dem Zufall überlassen.
[8:29]Der Quacksalber erschien in prächtigen Gewändern. Er schmückte seinen Stand mit geheimnisvollen Flaschen, exotischen Tieren, Totenschädeln, seltsamen Instrumenten und allerlei mysteriös wirkenden Gegenständen. Alles sollte Eindruck machen, alles sollte Kompetenz suggerieren. Man könnte sagen, der weiße Arztkittel unserer Zeit wurde damals durch Bühnenrequisiten ersetzt. Viele dieser reisenden Highlights zogen mit einer ganzen Truppe durchs Land. Musiker begleiteten sie, Schauspieler traten auf, Tänzerinnen sorgten für Unterhaltung, Hans Würste und Postenreiser lockten das Publikum an und dann kam endlich der Höhepunkt. Der große Meister selbst betrat die Bühne unter lautem Beifall, begleitet von einer langen Liste angeblicher Titel und Ehrungen. Doktor hier, Professor dort, empfohlen von Fürsten, ausgebildet von berühmten Universitäten. Aber natürlich waren viele dieser Titel frei erfunden. Doch wer sollte das prüfen? Die meisten Zuhörer konnten weder lesen noch schreiben und selbst Gebildete hatten kaum Möglichkeiten, solche Behauptungen zu kontrollieren.
[9:44]
Show und Schwindel
[9:40]Die Voraussetzungen für erfolgreiche Täuschungen waren also hervorragend. Zu den beliebtesten Programmpunkten gehörten öffentliche Wunderheilungen. Besonders berühmt war ein Trick, der uns heute an moderne Fernsehshows erinnern könnte.
[9:56]Im Publikum befand sich ein scheinbar schwer kranker oder verkrübelter Mensch, er wurde auf die Bühne gebeten, unter großem Zeremoniell erhielt er ein Elixier, eine Pille oder eine geheimnisvolle Tinktur, nach einigen dramatischen Augenblicken geschah das Wunder. Der zuvor gebrechliche Alte richtete sich plötzlich auf, er bewegte sich wieder frei. Mitunter verwandelte er sich sogar symbolisch in einen kraftvollen, gesunden Menschen. Das Publikum war begeistert, die Menschen drängten nach vorn und die Wundarznei verkaufte sich in Windeseile. Natürlich handelte es sich bei dem Geheilten häufig um einen Komplizen.
[10:38]Doch bis die Käufer bemerkten, dass das Wundermittel nicht funktionierte, war die Truppe längst weitergezogen. Interessanterweise dürften einige Kunden tatsächlich Besserungen verspürt haben. Denn viele Beschwerden verschwinden auch ohne Behandlung. Andere reagieren auf das, was sie heute als Placebo oder Kontexteffekte bezeichnen. Wenn Menschen fest an eine Therapie glauben, kann allein diese Erwartung ihr Befinden beeinflussen. Dieser Mechanismus ist keineswegs neu, er begleitet die Medizin seit ihren Anfängen. Und genau deshalb waren geschickte Inszenierungen so wirkungsvoll. Ein weiterer Publikumsmagnet war die sogenannte Harnschau. Die Uroskopie gehörte damals durchaus zur regulären Medizin. Ärzte untersuchten Farbe, Geruch und Beschaffenheit des Urins.
[11:28]Quacksalber machten daraus allerdings ein regelrechtes Theater.
[11:33]Mit Ernsttermine wurde das Glas gegen das Licht gehalten. Es wurde geschwenkt betrachtet, beschnuppert, manchmal sogar feierlich beschworen. Anschließend verkündete der Meister seine Diagnose. Und die fiel selten harmlos aus. Der Patient litt natürlich an einer schweren Erkrankung. Vielleicht war die Leber befallen, vielleicht drohte die Schwindsucht oder gar ein baldiger Tod. Aber zum Glück verfügte der Quacksalber über genau das richtige Heilmittel. Ein glücklicher Zufall, für den Patienten natürlich weniger, für den Geldbeutel des Heilers und dagegen umso mehr. Auch hier begegnen uns erstaunlich moderne Muster. Wer Menschen zunächst Angst macht, kann ihnen anschließend leichtere Lösungen verkaufen.
[12:19]Viele Kurpfuscher beschränken sich nicht auf Arzneiverkäufe. Sie behandelten ihre Patienten direkt, und zwar öffentlich. Auf Jahrmärkten konnte jedermann dabei zusehen, wie Zähne gezogen, Katarakte operiert oder Blasensteine entfernt wurden. Aus heutiger Sicht wirkt das natürlich befremdlich, damals gehörte es zur Unterhaltung. Besonders beliebt war das Zahnziehen. Der Patient wurde auf die Bühne geführt, das Publikum drängte sich dicht heran, dann folgten häufig ein dramatisches Schauspiel. Schreie, Blut, Triumph und schließlich wurde der gezogene Zahn stolz in die Höhe gehalten. Das Publikum applaudierte.
[13:05]
Dr. Eisenbart und Gesetze
[13:00]Für die Zuschauer war dies zugleich Medizin, Theater und Volksfest. Nicht alle Reisenden, Operatörer waren allerdings Betrüger. Viele verfügten durchaus über praktische Fertigkeiten. Das eigentliche Problem bestand darin, seriöse Behandler von Scharlatanen zu unterscheiden.
[13:20]Für den einfachen Bauern war das nahezu unmöglich. Kaum eine historische Figur steht in Deutschland so sehr für Kurpfuscherei wie Dr. Eisenbart. Bis heute kennt jeder das Lied Ich bin der Dr. Eisenbart, kurier die Leute nach meiner Art. Die populäre Überlieferung zeichnete das Bild eines brutalen Pfuschers. Die historische Realität sieht allerdings anders aus. Johann Andreas Eisenbart war offenbar ein hochqualifizierter Chirurg und Augenoperateur. Er führte zahlreiche Eingriffe durch, insbesondere am grauen Starr. Zeitgenossen bescheinigten ihm erhebliche operative Fähigkeiten. Warum also sein schlechter Ruf? Vermutlich spielt seine spektakuläre Art der Selbstdarstellung eine Rolle. Auch Eisenbart reiste mit Musikern, Schaustellern und großem Aufwand durchs Land. Seine Auftritte wirkten auf viele Menschen unseriös. Später wurde daraus die Legende des berüchtigten Kurpfuschers. Das Beispiel zeigt sehr schön, nicht jede auffällige Selbstdarstellung bedeutet automatisch mangelnde Kompetenz. Aber ebenso wenig garantiert sie medizinische Qualität. Und genau dieses Problem beschäftigte die Obrigkeiten zunehmend. Denn die Frage lautete, wer darf eigentlich heilen und wer nicht? Den Landesherren gefiel die Situation keineswegs.
[14:44]Zum einen verloren ihre Untertanen Geld an umherziehende Scharlatane, zum anderen entstanden erhebliche gesundheitliche Risiken.
[14:53]Deshalb entstanden seit dem 16. Jahrhundert zahlreiche sogenannte Medizinalordnungen. Diese Gesetze regelten, wer Arzneimittel herstellen, verkaufen oder Kranke behandeln durfte. Ein frühes Beispiel findet sich bereits in der berühmten peinlichen Heilsgerichtsordnung Kaiser Karls V.
[15:15]Aus dem Jahr 1533. Darin wird ausdrücklich festgelegt, dass Ärzte für fahrlässige Tötungen zur Verantwortung gezogen werden können. Zugleich wird vor leichtfertigen Personen gewarnt, die sich ohne ausreichende Kenntnisse an Krankheiten versuchen. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte entstanden immer detailliertere Vorschriften. In Sachsen untersagte ein Erlass von 1730 bestimmten Personengruppen die Herstellung und Verabreichung starker als Nein. Später wurden innere Behandlungen sogar grundsätzlich den Ärzten vorbehalten. Auch Preußen erließ umfangreiche Regelwerke. Dort durften Operationen und die Verordnung von Arzneimitteln grundsätzlich nur abprobierte Ärzte durchführen. Hebammen, Bader und Apotheker mussten Prüfungen ablegen und staatlich zugelassen werden. Sogar Nachtwächtern, Abdeckern und wandernden Händlern wurde das Heilen ausdrücklich verboten. Die Idee dahinter war klar, Medizin sollte kontrolliert werden. Doch in der Praxis erwies sich das als ausgesprochen schwierig. Denn die Scharlatane waren mobil, das Land war groß und die Behörden häufig weit entfernt. Mit anderen Worten, die Gesetze existierten, aber ihre Durchsetzung blieb oft Wunschdenken. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren Kurpfuscher meist leicht zu erkennen.
[16:37]Es handelte sich häufig um umherziehende Händler, Jammerzeile oder selbsternannte Wunderdoktoren.
[16:44]
Homöopathie und Laienheiler
[16:45]Doch dann trat eine neue Bewegung auf den Plan. Eine Bewegung, die das Verhältnis zwischen akademischer Medizin und Leinheilern grundlegend verändern sollte. Die Rede ist von der Homöopathie. Ihr Begründer war Samuel Hahnemann, ein Arzt. Er entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts ein völlig neues medizinisches System. Eine zentrale Besonderheit dieser.
[17:12]Lehre bestand darin, dass sie vergleichsweise leicht erlärmbar war. Man musste kein Universitätsstudium absolvieren, um homöopathische Mittel einzuwenden. Und genau das hatte weitreichende Folgen. Denn plötzlich fühlten sich zahlreiche gebildete Bürger dazu berufen, selbst als Heiler tätig zu werden. Nicht mehr fahrende Gaukler, nicht mehr Jahrmarktsscharlatane, sondern Beamte, Lehrer, Pfarrer, Gutsbesitzer, Menschen aus der gesellschaftlichen Mitte. Die Grenzen zwischen medizinischer Leihenbehandlung und ärztlicher Tätigkeit begannen zu verschwimmen. Eine besonders interessante Figur dieser Zeit war Clemens von Böninghausen. Böninghausen war keineswegs Mediziner. Er war Jurist, Verwaltungsbeamter und zeitweise Landrat in Kösfeld. Trotz fehlender medizinischer Ausbildung wurde er Schüler Samuel Hahnemanns. Die Ausbildung erfolgte überwiegend per Briefwechsel. Heute würden wir vermutlich von einem Fernstudium sprechen. Hahnemann war von seinem Schüler so beeindruckt, dass er ihn später sogar als einen Lieblingsschüler bezeichnete. Bönninghausen veröffentlichte zahlreiche Werke zur Homöopathie und entwickelte die Lehre weiter. Doch irgendwann begann er, selbst Patienten zu behandeln.
[18:29]Und genau damit geriet er in Konflikt mit den Behörden. Denn nach damaligem Recht entsprach dies eindeutig der Definition eines Kurpfuschers. Die örtliche Ärzteschaft protestierte. 1836 wurde Bönninghausen angezeigt. Die Behörden reagierten schnell und untersagten ihm die Behandlung von Patienten. Doch Bönninghausen verfügte über ausgezeichnete Kontakte und dies zahlte sich aus. Im Jahr 1843 erhielt er durch eine Kabinettsorder des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV.
[19:03]Die offizielle Erlaubnis, eine homöopathische Praxis zu betreiben, und zwar ohne Medizinstudium. Manche Historiker bezeichnen ihn deshalb rückwirkend sogar als den ersten Heilpraktiker Deutschlands. Noch bemerkenswerter ist die Geschichte von Arthur Lutze. Lutze war ursprünglich Postinspektor, Medizin hatte er nie studiert. Dennoch behandelte er Patienten mit Homöopathie. Die Behörden verlangten schließlich von ihm, einen medizinischen Abschluss nachzuholen. Heute würden wir dabei vermutlich an ein mehrjähriges Universitätsstudium denken. Die Realität sah etwas anders aus. Lutze absolvierte einen kurzen Kurs zu Augenerkrankungen an der Universität Jena. Anschließend reichte er eine eher schmale Dissertation ein Und damit war die Angelegenheit weitgehend erledigt Solche Beispiele zeigen, dass die damaligen Kurierverbote zunehmend unterlaufen wurden, Hinzu kam ein weiteres Problem. Viele Gerichte neigten dazu, angeklagte Laienheiler freizusprechen, sofern ihnen kein konkreter Schaden nachgewiesen werden konnte. Die bestehenden Verbote wurden dadurch zu sogenannten Papiertigern. Sie existierten zwar auf dem Papier, in der Praxis verloren sie jedoch zunehmend ihre Wirkung. Und dann kam das Jahr 1869, ein Jahr, das die deutsche Medizingeschichte nachhaltig verändern sollte.
[20:31]
Kurierfreiheit und Aufklärung
[20:31]1869 trat nämlich im Norddeutschen Bund eine neue Gewerbeordnung in Kraft, Sie beruhte auf einem ausgesprochen liberalen Grundgedanken Der Staat sollte sich möglichst wenig in wirtschaftliche Tätigkeiten einmischen Und dieser Gedanke machte auch vor der Medizin nicht Halt Fortan durfte grundsätzlich jeder Mensch Heilkunde ausüben Ganz gleich, ob eine medizinische Ausbildung vorlag oder nicht Lediglich geschützte Berufsbezeichnungen wie Arzt, Zahnarzt oder Geburtshelfer durften nur von abprobierten Personen geführt werden. Die eigentliche Behandlung von Patienten jedoch stand nun nahezu jedem offen.
[21:11]Diese sogenannte Kurierfreiheit wurde nach der Reichsgründung von 1871 schrittweise auf ganz Deutschland ausgedehnt. Die Idee dahinter klingt zunächst plausibel. Eine aufgeklärte Bevölkerung, so glaubte man, werde schon selbst erkennen, wem sie vertrauen könne. Der Staat müsse die Bürger nicht bevormunden. Rückblickend erscheint diese Annahme bemerkenswert optimistisch. Denn sie setzte voraus, dass Patienten zwischen seriösen und unseriösen Angeboten zuverlässig unterscheiden können. Eine Annahme, die schon damals zweifelhaft war und vermutlich auch heute noch ist. Interessanterweise wurde die Kurierfreiheit nicht nur von Politikern unterstützt. Auch zahlreiche bedeutende Ärzte sprachen sich dafür aus. An erster Stelle ist hier Rudolf Virchow zu nennen. Virchow gilt heute als einer der bedeutendsten Mediziner des 19. Jahrhunderts.
[22:05]Ausgerechnet dieser Wissenschaftler verteidigte die Kurierfreiheit. Sein Argument war ebenso einfach wie ernüchternd. Menschen, so Virchow, lassen sich nicht durch Gesetze davon abhalten, Wunderheilern zu vertrauen. Selbst wenn man sämtliche Kurpfuscher verbiete, würden viele Menschen weiterhin deren Hilfe suchen. Mehr noch, die Bestrafung eines Wunderheilers könne dessen Ansehen sogar steigern. Der Verfolg der Außenseiter werde in den Augen vieler Menschen erst recht glaubwürdig. Wer sich mit heutigen Debatten über alternative Medizin beschäftigt, erkennt sofort, wie aktuell diese Überlegungen noch immer sind. Bis heute präsentieren sich zahlreiche Anbieter pseudomedizinischer Verfahren als mutige Kämpfer gegen ein angebliches medizinisches Establishment. Offensichtlich hat sich in den vergangenen 150 Jahren dazu nicht allzu viel geändert. Die Folgen der Kurierfreiheit ließen nicht lange auf sich warten. Die Zahl der nicht-approbierten Heile explodierte regelrecht. In Berlin gab es im Jahr 1879 lediglich 28 solcher Behandler.
[23:14]Nur wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1907, waren es bereits fast 1.350. Auch in anderen Regionen Deutschlands zeigte sich ein ähnliches Bild. Besonders Sachsen entwickelte sich zu einer Hochburg des Kurpfuschertums. Dort übertrafen die Zahlen der Laienheiler in manchen Regionen sogar die Zahl der approbierten Ärzte. Und die Vielfalt der angebotenen Verfahren war enorm. Es gab Magnetisöre, Elektrohomöopathen, Galvanisöre, Wasserheiler, Heilgymnasten, Hellseherinnen, Schönheitsspezialisten, Diät, Heiler, Kräuterkundige und zahllose Weiteranbieter. Wer damals krank wurde, hatte die Qual der Wahl, allerdings nicht unbedingt die Gewissheit, kompetent behandelt zu werden. Mit der Kurierfreiheit entstand zugleich ein völlig neuer Markt.
[24:06]Ein Gesundheitsmarkt, der in vieler Hinsicht bereits erstaunlich modern wirkte. Werbung spielte dabei eine zentrale Rolle. Die erfolgreichsten Heiler investierten enorme Summen in Reklame. Ein Berliner Kurpfuscher gab nach gerichtlichen Feststellungen monatlich rund 5000 Mark allein für Werbung aus. Zum Vergleich, ein Industriearbeiter verdiente um 1900 oft kaum mehr als 120 Mark im Monat. Die Gewinne konnten entsprechend gigantisch sein. Einige Behandler betreuten tausende Patienten, andere erzielten Jahreseinkommen, von denen selbst erfolgreiche Ärzte nur träumen konnten.
[24:46]Der Gesundheitsmarkt war endgültig zum Geschäft geworden, und zwar zu einem äußerst lukrativen. Man könnte sagen, das Zeitalter der professionellen Gesundheitswerbung hatte begonnen. Die Mechanismen, die wir heute aus sozialen Netzwerken, Fernsehsendungen oder Internetplattformen kennen, besitzen somit eine weit längere Geschichte,
[25:10]
Der neue Gesundheitsmarkt
[25:08]als man zunächst vermuten würde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer deutlicher, dass die Kurierfreiheit erhebliche Probleme mit sich brachte. Ärzte, Gesundheitsbehörden und Teile der Politik beobachteten die Entwicklung mit wachsender Sorge. Denn die Zahl der Beschwerden nahm zu. Immer häufiger wurden Patienten durch fragwürdige Behandlungen geschädigt. Besonders problematisch war dies bei Infektionskrankheiten. Tuberkulose, Diphtherie, Geschlechtskrankheiten, Erkrankungen also, die nicht nur den einzelnen Patienten betrafen, sondern die gesamte Bevölkerung gefährden konnten. Zunächst versuchten verschiedene Ärztevereinigungen, die Bevölkerung durch Aufklärung zu erreichen. Der Erfolg blieb begrenzt. Viele Menschen vertrauten weiterhin den Wunderheilern, nicht selten sogar mehr als den akademisch ausgebildeten Ärzten.
[26:03]
Kampf gegen Kurpfuscherei
[26:04]Doch im Jahr 1903 entstand eine Organisation, die dieses Problem systematisch anging, die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums. Allein ihr Name klingt heute bemerkenswert modern, denn letztlich handelte es sich um eine frühe Form wissenschaftsorientierter Verbraucheraufklärung. Gegründet wurde die Gesellschaft von Karl Alexander. Ihr Ziel war klar, Aufklärung, Information, Verbraucherschutz.
[26:33]Die Gesellschaft wandte sich gegen Kurpfuscherei, gegen Impfgegnerschaft und auch gegen die Homöopathie. Sie veröffentlichte Bücher, Broschüren und Flugblätter, sie organisierte Ausstellungen und sie versuchte, die Bevölkerung über fragwürdige Heilversprechen aufzuklären.
[26:51]Zeitweise zählte die Organisation bis zu 30.000 Mitglieder. Das ist selbst aus heutiger Sicht eine beeindruckende Zahl. Besonders interessant ist die Argumentation der Gesellschaft. Viele ihrer Aussagen konnten nahezu unverändert aus aktuellen Debatten stammen. Sie warnte davor, dass die öffentliche Herabsetzung wissenschaftlicher Medizin das Vertrauen der Bevölkerung untergrabe. Sie kritisierte organisierte Kampagnen gegen Impfungen und sie sah in pseudomedizinischen Angeboten eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Wer die Diskussionen der vergangenen Jahre verfolgt hat, dürfte sich an manchen Stellen unweigerlich an gegenwärtige Diskussionen erinnert fühlen. Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich gelegentlich erstaunlich stark. Trotz aller Bemühungen blieb die rechtliche Situation schwierig. Zahlreiche Kurpfuscher wurden wegen Betrugs oder unlauteren Wettbewerbs angeklagt. Doch nur die wenigsten Verfahren endeten mit einer Verurteilung. Das lag vor allem an einem juristischen Problem. Und um jemanden wegen Betrugs zu verurteilen, muss Vorsatz nachgewiesen werden. Mit anderen Worten, es musste gezeigt werden, dass der Angeklagte wusste, dass seine Behandlung wirkungslos war. Und genau das war häufig nicht möglich. Viele Wunderheiler glaubten vermutlich tatsächlich an ihre Methoden.
[28:19]Irrtum ist jedoch nicht automatisch Betrug. Besonders deutlich wird dies in einem berühmten Urteil des Reichsgerichts. Der Fall betraf einen Maurer, der seit Jahrzehnten als Leinenheiler tätig war. Er behandelte eine Diphtherieerkrankung homöopathisch, der Patient starb. Nach heutiger Sicht würde man vermutlich erwarten, dass dies erhebliche rechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Doch das Reichsgericht entschied anders. Die Richter argumentierten, man könne von einem medizinischen Laien nicht dieselben Kenntnisse erwarten wie von einem abprobierten Arzt.
[28:55]Da der Heiler nur über geringe Bildung verfügt habe, könne man ihm bestimmte Fehlentscheidungen nicht im gleichen Maße vorwerfen. Der Mann wurde letztlich weder strafrechtlich noch zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen. Diese Entscheidung zeigt ein grundlegendes Dilemma. Je geringer die Qualifikation eines Behandlers war, desto geringer waren unter Umständen auch die rechtlichen Anforderungen. Ein paradoxes Ereignis und eines, das bis heute nachwirkt. Die Politik versuchte durchaus, auf diese Probleme zu reagieren. 1910 lag ein Gesetzentwurf gegen Missstände im Heilgewerbe vor. Das Ziel war eindeutig, die ausufernde Kurpfuscherei sollte eingedämmt werden. Doch der Entwurf scheiterte. Es gab formale Mängel, es gab politische Widerstände. Und nicht zuletzt betrachteten viele Bürger die geplanten Einschränkungen als unzulässige staatliche Bevormundung.
[29:50]Auch das klingt erstaunlich vertraut. Schon damals standen sich zwei Positionen gegenüber. Auf der einen Seite jene, die stärkere Regulierung forderten, auf der anderen Seite diejenigen, die individuelle Freiheit höher bewerteten.
[30:10]
Das Heilpraktikergesetz
[30:06]Die Diskussion wurde nie endgültig entschieden, sie begleitet uns bis heute. Lediglich im Bereich der Geburtshilfe griff der Gesetzgeber später konsequent ein. 1923 schrieb das preußische Hebammengesetz vor, dass Geburtshilfe nur noch von approbierten Hebammen ausgeübt werden durfte, Die sogenannte Hebammenpfuscherei wurde sogar unter Strafe gestellt Hier hatte sich die Einsicht durchgesetzt, dass bestimmte Tätigkeiten eine verbindliche Qualifikation erfordern Die entscheidende Zäsur erfolgte schließlich während der Zeit des Nationalsozialismus 1933 wurde die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Kupfuschertums im Zuge der NS-Gleichschaltung aufgelöst. Ihre Zeitschrift wurde eingestellt, die Organisation verschwand. Doch gleichzeitig erfolgte ein Schritt, der die deutsche Gesundheitslandschaft bis heute prägt. 1939 wurde das sogenannte Heilpraktikergesetz verabschiedet. Dieses Gesetz beendete die nahezu uneingeschränkte Kurierfreiheit.
[31:09]Von nun an durfte Heilkunde nur noch mit staatlicher Genehmigung berufsmäßig ausgeübt werden. Interessanterweise war das ursprüngliche Ziel des Gesetzes keineswegs die Förderung des Heilpraktikerberufs. Vielmehr sollte die Zahl der nichtärztlichen Behandler langfristig reduziert werden. Das Gesetz führte deshalb eine staatliche Überprüfung ein. Wer berufsmäßig heilen wollte, musste fortan wenigstens nachweisen, dass von ihm keine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Gesundheit ausging. Diese Überprüfung ist bis heute die Grundlage des Heilpraktikerwesens und deswegen können Heilpraktiker rein formal auch nicht als Koopfuscher bezeichnet werden. Das ist falsch. Gleichzeitig blieb das Gesetz in vielerlei Hinsicht unvollständig.
[31:55]Es definiert vor allem, was Heilpraktiker nicht dürfen. Welche positiven Qualifikationen sie besitzen müssen, bleibt vergleichsweise offen. Diese Besonderheit führt
[32:08]
Heilpraktiker im Faktencheck
[32:05]bis heute regelmäßig zu Diskussionen. Schauen wir uns einmal 10 Fakten über Heilpraktiker an. Fakt 1. Um Heilpraktiker zu werden, muss man folgende Voraussetzungen erfüllen. Mindestalter ist 25 Jahre, man benötigt einen Hauptschulabschluss, keinen qualifizierten Hauptschulabschluss, einen Hauptschulabschluss. Einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, körperliche und geistige Gesundheit. Fakt 2. Wenn man diese vier Voraussetzungen erfüllt, braucht man keine weitere Ausbildung, um zur Gefahrenabwehrprüfung durch das Gesundheitsamt zugelassen zu werden.
[32:43]Fakt 3. Geprüft wird durch das zuständige Gesundheitsamt und die Prüfung kann beliebig oft wiederholt werden. Fakt 4. Der schriftliche Teil umfasst 60 Multiple-Choice-Fragen zum Ankreuzen. Für diese 60 Fragen hat man 120 Minuten Zeit, mindestens 75 Prozent, also 45 Fragen müssen richtig beantwortet sein. Fakt 5. Danach gibt es eine mündliche Prüfung von ca. 30-60 Minuten. Fakt 6. Ob schon das Niveau der Fragen übersichtlich ist, liegt die Durchfallquote bei 50-70%, je nachdem, welche Quelle man sich anschaut. Fakt 7. Eine vorhergehende Ausbildung ist nicht notwendig. Es gibt auch keine einheitliche Ausbildungsordnung.
[33:32]Fakt 8. Die angebotenen Vorbereitungskurse sind keine offiziellen Ausbildungen. Jeder Anbieter kann seine Lehrinhalte nach eigener Lust und Laune zusammenstellen.
[33:43]Fakt 9. Sinn der Prüfung ist lediglich festzustellen, ob von dem Prüfling eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung im Allgemeinen oder der Patientinnen und Patienten im Besonderen ausgehen kann.
[33:57]Fakt 10. Es ist nicht vorgesehen, dass Heilpraktiker Erfahrung in der Behandlung von Patienten sammeln müssen, bevor sie ihre Dienste anbieten. Diese 10 knallharten Fakten über Heilpraktiker könnt ihr euch übrigens auf meinem Blog herunterladen.
[34:16]
Was sich nie ändert
[34:14]Ich werde es in den Shownotes verlinken. Wenn wir auf die vergangenen Jahrhunderte zurückblicken, fällt eines besonders auf. Die Methoden ändern sich, die Mechanismen bleiben erstaunlich konstant. Menschen suchen Hoffnung, sie suchen Orientierung, sie wünschen sich einfache Erklärungen für komplexe Probleme und sie reagieren auf Geschichten, auf Autoritäten, auf persönliche Erfahrungen, auf eindrucksvolle Inszenierungen. Das galt für die Jahrmarke des 17. Jahrhunderts, das galt für die Wunderheiler des 19. Jahrhunderts und es gilt auch im Zeitalter von Internet, Podcasts und sozialen Medien. Natürlich hat sich die wissenschaftliche Medizin enorm weiterentwickelt. Noch nie in der Geschichte verfügten wir über ein vergleichbares medizinisches Wissen und Können. Doch gleichzeitig existiert weiterhin ein riesiger Markt für Heilversprechen außerhalb wissenschaftlich überprüfter Medizin. Vielleicht liegt darin eine wichtige Erkenntnis. Pseudomedizin verschwindet nicht alleine durch bessere Wissenschaft. Sie verschwindet auch nicht alleine durch Gesetze. Entscheidend sind Aufklärung.
[35:24]Bildung und kritisches Denken. Und vielleicht hilft gerade die Geschichte dabei, die Gegenwart besser zu verstehen. Denn viele der Fragen, die wir heute diskutieren, wurde bereits vor Jahrhunderten gestellt. Wenn ihr also nicht nur Kopfschütteln, sondern auch etwas gegen Pseudowissenschaft und Pseudomedizin tun wollt, tretet in die GWOP ein. Denn Skepsis ist Teamsport. Bis zum nächsten Mal, euer Onkel Michael.