Schwarze Erde, weisses Licht

Lanzarotes Ureinwohner kamen übers Meer, verloren dann die Seefahrt und lebten über tausend Jahre in Lavaröhren und Steinhütten. Was Knochen, Keramik und eine unlesbare Schrift über die Majos verraten – und warum schon der Name der Insel vom Vergessen erzählt.

Show Notes

Los Majos · Menschen ohne Boote

Episode 5 • Erinnerung vom 2026-07-05 Duration: 14:50

Lanzarotes Ureinwohner kamen übers Meer, verloren dann die Seefahrt und lebten über tausend Jahre in Lavaröhren und Steinhütten. Was Knochen, Keramik und eine unlesbare Schrift über die Majos verraten – und warum schon der Name der Insel vom Vergessen erzählt.

Warum diese Folge hängen bleibt

Ein Inselvolk, das seit Jahrhunderten hier lebt – aber kein einziges seetüchtiges Boot besitzt. Wer die Majos waren, woher sie kamen, warum sie das Meer vergaßen – und was der Boden bis heute preisgibt und verschweigt.

Drei Dinge, die bleiben

  • Eine ganze Kultur verlor die Fähigkeit, die sie überhaupt erst auf die Insel gebracht hatte – und niemand weiß warum.
  • Die fehlende Töpferscheibe ist kein Rückstand, sondern ein Maß für die totale Isolation.
  • Der Name Lanzarote stammt von einem vorbeisegelnden Genuesen, nicht von den Ureinwohnern – der Name selbst erzählt vom Vergessen.

Das Bild, das bleibt

  • Abend über Zonzamas, Wind über karge Weiden, eine Höhle mit einem kleinen Feuer – so wie seit fast zweitausend Jahren.
  • Emotionaler Bogen: Von der Faszination einer rätselhaften Kultur zum leisen Erschrecken, dass schon der Name der Insel vom Verschwinden erzählt.

Ein Satz aus der Folge

  • "Ich will zum Schluss noch eine Frage stellen, die man sich seltsamerweise fast nie stellt."

Über den Podcast

Geschichten mit Bernd ist ein von Matthias kuratierter und produzierter Podcast über Erinnerungen, Handwerk, Reisen, Familie und Lebensgeschichten rund um Bernd. Jede Folge beginnt bei einem konkreten Moment und öffnet daraus ein größeres Fenster in Geschichte, Kultur, Orte und verschwindende Welten.

What is Schwarze Erde, weisses Licht?

Schwarze Erde, weisses Licht ist ein Reise-Podcast über Lanzarote, für Matthias, Waltraud, Marie und Julia. Vom 2. bis 16. Juli 2026 wohnen sie im Centro Antroposófico im Norden der Insel und nähern sich der Vulkaninsel Folge für Folge: dem Feuer von Timanfaya, dem Werk von César Manrique, den Pflanzen und Tieren der Lava, dem Wein von La Geria, der Geschichte der Insel, dem Tourismus und dem Wasser. Jede Folge ein Thema, dicht, überraschend und voller Vorfreude.

Los Majos · Menschen ohne Boote
Folge 5 | Erinnerung vom 2026-07-05
Schwarze Erde, weisses Licht – der Lanzarote-Podcast

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[00:08] Erzähler: Stell dir vor, du gehst im vierzehnten Jahrhundert an einer Atlantikinsel an Land. Du findest Menschen. Hunderte. Sie sprechen eine eigene Sprache, sie hüten Ziegen, sie begraben ihre Toten in Höhlen. Sie leben hier seit Jahrhunderten. Aber sie haben kein einziges Boot.

[00:26] Gesa: Kein Boot. Auf einer Insel. Hundertfünfundzwanzig Kilometer offenes Wasser bis zur afrikanischen Küste.

[00:33] Erzähler: Und die Inseln untereinander – in Sichtweite. Du stehst auf der Nordspitze von Lanzarote und siehst Fuerteventura am Horizont. Aber diese Menschen fahren nicht rüber. Sie können es nicht.

[00:46] Gesa: Also müssen sie irgendwann übers Meer gekommen sein. Anders geht es nicht. Aber danach – Stille. Kein Segel, kein Ruder, nichts.

[00:55] Erzähler: Und genau mit diesem Widerspruch fängt die Geschichte der Majos an. Der Ureinwohner von Lanzarote. Ein Volk, das wir vor allem durch die Augen seiner Eroberer kennen und durch das, was der Boden bewahrt hat. Heute graben wir.

[01:11] Gesa: Okay, bevor wir erzählen, wer diese Menschen waren – ich will erst mal klären, wie man so etwas überhaupt herausfindet. Wir reden über eine Kultur ohne eigene Geschichtsschreibung. Keine Chronik, kein Archiv. Die einzigen schriftlichen Quellen stammen von den Eroberern, und die hatten ihre eigene Agenda.

[01:31] Erzähler: Ein Volk, das keine Zeile über sich selbst hinterlassen hat. Bleibt der Boden.

[01:37] Gesa: Aus dem Boden und aus Knochen. Man gräbt sich durch Schichten, findet Holzkohle aus alten Feuerstellen, Ziegenknochen, Napfschneckenschalen. Und dann kommt die Radiokarbonmethode: Man misst den Zerfall von Kohlenstoff-vierzehn in organischem Material. Die erste Radiokarbon-Serie an menschlichen Knochen von Lanzarote – aus Fundstellen wie La Chifletera und den Jameos del Agua – liefert Werte um das dritte Jahrhundert nach Christus.

[02:06] Erzähler: Also vor ungefähr eintausendsiebenhundert Jahren.

[02:09] Gesa: Ja, aber Vorsicht. Das ist die gesicherte Untergrenze für eine dauerhafte Besiedlung. Eine Studie von zweitausendeinundzwanzig setzt das früheste belastbare Intervall zwischen das zweite und das dritte Jahrhundert nach Christus. Dann gibt es aber einzelne Funde von der Stelle Buenavista, deren Kohlenstoffwerte bis um neunhundertsechzig vor Christus zurückreichen.

[02:34] Erzähler: Das wären fast dreitausend Jahre.

[02:36] Gesa: Die Werte stehen isoliert. Die Fachwelt behandelt sie vorsichtig. Ehrlich gesagt: Wir kennen das Ankunftsjahr der ersten Lanzaroteños nicht. Es ist völlig offen. Die Spanne, über die gestritten wird, umfasst über tausend Jahre.

[02:52] Erzähler: Okay, das Wann ist ein offenes Loch. Aber das Woher – das ist klarer. Und es liegt eigentlich auf der Hand, wenn man auf die Karte schaut. Hundertfünfundzwanzig Kilometer östlich liegt Nordafrika. Die Küste der Berber. Der Amazigh.

[03:08] Gesa: Und das ist keine Vermutung mehr. Es gibt inzwischen drei unabhängige Belegstränge, die in dieselbe Richtung zeigen. Erstens: DNA-Analysen an alten und heutigen Bevölkerungen verbinden die Ureinwohner eindeutig mit nordafrikanischen Amazigh-Populationen. Zweitens: Fels-Inschriften in einer Schrift, die mit dem Libyco-Berber-Alphabet des antiken Numidien verwandt ist. Und drittens: die materielle Kultur – Keramik, Grabsitten, Hirtenwirtschaft – passt ins selbe Bild.

[03:40] Erzähler: Kein geheimnisvolles Urvolk aus dem Nichts.

[03:43] Gesa: Nordafrikanische Hirten, die über ein Stück Meer kamen. Was mich dabei fasziniert: Rund fünfundzwanzig Prozent des Erbguts heutiger Lanzaroteños gehen auf diese Ureinwohner zurück. Nach Eroberung, Versklavung, Kolonialisierung – ein Viertel der Gene hat überlebt.

[04:01] Erzähler: Das heißt, wenn ihr auf Lanzarote einem Menschen begegnet – statistisch gesehen trägt jeder Vierte ein Stück Majo-Erbe in sich.

[04:09] Erzähler: Jetzt kommen wir zum Rätsel, das mich nicht loslässt. Sie kamen übers Meer – das ist Fakt, sonst wären sie nicht da. Aber irgendwann, über die Jahrhunderte auf dieser Insel, ging die Seefahrt verloren. Komplett.

[04:24] Gesa: Das ist tatsächlich eines der großen ungelösten Rätsel der kanarischen Vorgeschichte.

[04:30] Erzähler: Und es gibt Theorien. Fehlte brauchbares Holz? Lanzarote ist karg, fast baumlos, das war damals vermutlich ähnlich. Oder riss der Kontakt zur Heimatküste ab, Generation für Generation, bis das Können einfach vergessen wurde? Bootsbau ist Wissen, das lückenlos weitergegeben werden muss – bricht die Kette für zwei, drei Generationen ab, ist die Technik weg. War die Überfahrt eine Einbahnstraße?

[04:57] Gesa: Es gibt noch eine härtere Variante: Die Majos kamen vielleicht gar nicht aus eigener Kraft. Phönizier, Karthager, später die Römer – die waren alle in diesen Gewässern unterwegs. Die Hypothese lautet, dass antike Seefahrer Menschen auf den Inseln absetzten, gezielt oder als Deportation. Als dann die römische Aktivität im Mittelmeer und Atlantik abbrach, im dritten, vierten Jahrhundert, blieben die Inselgemeinschaften einfach zurück. Abgeschnitten.

[05:27] Erzähler: Möglicherweise nie freiwillig hier.

[05:30] Gesa: Möglicherweise. Aber auch das ist Hypothese. Wir wissen es schlicht nicht. Eine ganze Kultur verlor die Fähigkeit, die sie überhaupt erst hierhergebracht hat. Und der Grund liegt im Dunkeln.

[05:43] Erzähler: Die Insel als Heimat und als Falle zugleich.

[05:46] Erzähler: Aber sie haben hier gelebt. Und zwar richtig. Also schauen wir uns an, wie. Wie wohnt man auf einer Insel ohne Wald, ohne Fluss, mit diesem ständigen Passatwind?

[05:57] Gesa: Man nutzt, was der Vulkan gebaut hat. Die Lavaröhren im Norden, rund um die Gegend, in der ihr unterkommt – dieselben Röhren, die heute als Jameos del Agua beleuchtet werden, waren für die Majos schlicht das Zuhause. Kühl im Sommer, windgeschützt, trocken im seltenen Regen.

[06:16] Erzähler: Wohnzimmer aus erstarrtem Feuer.

[06:18] Gesa: Dazu natürliche Höhlen und sogenannte casas hondas, tiefe Häuser: halb in den Boden eingelassene Steinbauten aus Trockenmauern. Man grub eine Vertiefung, setzte Mauern drauf, fertig. In den Fundschichten findet man genau das, was du erwartest – Keramikscherben, Ziegenknochen und haufenweise Napfschneckenschalen.

[06:39] Erzähler: Und dann gab es ein Tier, das auf dieser Insel über Leben und Tod entschied. Die Ziege. Stellt euch das so vor: Die Ziege war das komplette Warenhaus der Majos. Milch und Fleisch zum Essen. Felle für die Kleidung und für die Schuhe – die sogenannten mahos, die Fellschuhe, von denen sich vielleicht sogar der Name Majo ableitet.

[07:02] Gesa: Und Knochen für Werkzeuge. Das wird oft unterschätzt. Die Majos hatten kein Metall. Kein Eisen, kein Kupfer, kein Bronze. Werkzeuge aus Stein, Obsidian, Basalt und eben Knochen. Wer die Ziegen verlor, verlor buchstäblich alles.

[07:18] Erzähler: Dazu etwas Gerste – das geröstete Mehl daraus ist der Vorläufer von gofio, das auf den Kanaren bis heute gegessen wird. Und die Küste als Vorratskammer: Napfschnecken, Muscheln, Fisch aus dem Flachwasser.

[07:31] Gesa: Sogar die Mönchsrobbe haben sie gejagt. Die ist heute fast ausgestorben, aber damals gab es sie an den Küsten. Kein Überfluss. Aber ein funktionierendes System auf erschreckend wenig.

[07:44] Gesa: Ich will noch mal bei den Funden bleiben, weil die Geschichte, die Scherben und Knochen erzählen, manchmal spannender ist als jede Chronik. Nehmt die Keramik. Die Majos formten ihre Gefäße aus Tonwülsten, Ring auf Ring, mit der Hand aufgebaut und geglättet. Die Töpferscheibe – im Mittelmeerraum seit der Antike Standard – war ihnen unbekannt.

[08:08] Erzähler: Und das klingt erst mal nach Rückstand.

[08:11] Gesa: Ist es aber nicht. Es ist ein Messgerät. Die fehlende Töpferscheibe zeigt, wie komplett der Kontakt zur Außenwelt abgerissen war. Neue Techniken verbreiten sich durch Austausch – wenn keiner kommt und keiner fährt, lernt man nichts Neues dazu. Die Keramik ist quasi ein Isolationsmesser.

[08:30] Erzähler: Das hab ich so noch nie gehört. Die Scherbe als Beweisstück für die Einsamkeit.

[08:36] Gesa: Und an Knochen liest man noch mehr: Ernährung, Krankheiten, Alter. Was man nicht lesen kann – und das muss man ehrlicherweise sagen – ist die Bedeutung hinter den Dingen. Körperbemalung mit geriebenen Erdfarben ist überliefert. Aber ob das Schmuck war, ein Rangzeichen, ein Ritual – das holt man aus dem Boden nicht mehr raus.

[08:58] Erzähler: Die Grenze zwischen dem, was der Boden sagt, und dem, was er verschweigt.

[09:03] Erzähler: Jetzt kommt ein Ort, der mich nicht loslässt. Wir fahren in die Inselmitte, in das Grenzgebiet zwischen Teguise, Arrecife und San Bartolomé. Und da liegt Zonzamas. Die bedeutendste Fundstätte der Majo-Kultur – und der einzige kanarische Fundort, der den Beinamen Palacio trägt. Palast.

[09:23] Gesa: Wobei Palast – vergiss Mauern und Türme. Der Kern ist ein Felsvorsprung, die Peña de Zonzamas, mit einer natürlichen Höhle, der Cueva del Majo. Drum herum eine zyklopische Mauer aus Basaltblöcken, einzelne Steine zwischen eintausenddreihundert und eintausendachthundert Kilogramm schwer.

[09:42] Erzähler: Eineinhalb Tonnen pro Stein. Ohne Metall, ohne Rad.

[09:46] Gesa: Vermutlich die größte Anlage dieser Art auf den gesamten Kanaren. Dazu casas hondas und eine gut erhaltene Quesera – eine in den Basalt gehauene Anlage mit fünf parallelen Rinnen, rund vier Meter im Durchmesser, ausgerichtet nach Nordwesten. Und jetzt kommt das Paradox.

[10:04] Gesa: Der Ort heißt nach König Zonzamas, der im vierzehnten Jahrhundert lebte. Aber die archäologischen Schichten zeigen: Die Kernanlage wurde im fünften Jahrhundert gebaut und ab dem achten Jahrhundert aufgegeben. Dann wurde sie von Sedimenten und Asche begraben. Als König Zonzamas lebte, lag sein eigener Palast längst unter der Erde.

[10:27] Erzähler: Moment – der König hat seinen eigenen Palast nie gesehen?

[10:31] Gesa: Wahrscheinlich nicht. Der Archäologe Marco Moreno hat das so formuliert: Der Name ist jünger als die Ruine. Im zwölften Jahrhundert wurde die Stelle zwar wieder besiedelt, aber da war der ursprüngliche Bau längst verschüttet. Seit zweitausend ist Zonzamas ein Bien de Interés Cultural, und nach zwanzig Jahren Pause gab es zweitausendachtzehn und zweitausendneunzehn neue Grabungen. Es gibt Pläne, die Stätte als archäologisches Museum zu erschließen.

[11:02] Erzähler: In der Nähe von Zonzamas liegt noch etwas im Fels. An der Piedra del Majo sind rund vierzehn Fußsohlen-Silhouetten in den Stein graviert. Podomorphe nennt man das.

[11:13] Gesa: Ähnliche Fußgravuren finden sich am heiligen Berg Tindaya auf Fuerteventura. Grenzmarke, Ritual, Verehrung, die Präsenz eines Menschen oder einer Gottheit? Alles Deutung. Zusammen mit der Quesera bilden sie so etwas wie einen rituellen Landschaftskomplex.

[11:30] Erzähler: Und dann die Frage, die am schwersten wiegt: Woran glaubten diese Menschen? Was passierte, wenn jemand starb?

[11:38] Gesa: Da bewegen wir uns auf sehr dünnem Boden. Es gibt Hinweise auf ein höchstes Wesen, auf Ahnen- und Gestirnsverehrung. In den Quellen taucht dafür sogar ein Name auf, Althos – aber der steht auf so dünnem Grund, dass man ihn kaum ohne Fragezeichen aussprechen sollte. Für Lanzarote direkt ist fast nichts gesichert.

[11:59] Erzähler: Die Toten wurden in Ziegenfelle gewickelt und in Höhlen beigesetzt. Aber anders als auf Teneriffa haben die Majos ihre Toten offenbar nicht mumifiziert. Und Bestattungsfunde sind auf Lanzarote extrem selten.

[12:13] Gesa: Bei den neuen Grabungen in Zonzamas hat man zwei Skelette von Neugeborenen gefunden, datiert ins späte siebte, frühe achte Jahrhundert. Für Lanzarote, wo Bestattungen fast nie auftauchen, ist das ein außergewöhnlicher Fund. Und dann gibt es die Felsinschriften. Zeichen, verwandt mit dem berberischen Libyco-Berber-Alphabet.

[12:36] Erzähler: Man kann sie fotografieren, abzeichnen. Man weiß, dass es Schrift ist. Aber was dort steht – das kann bis heute niemand vollständig lesen. Die Majos haben uns Worte in den Stein geschrieben, und wir stehen davor und verstehen sie nicht.

[12:52] Gesa: Und dann wird es ganz still.

[12:54] Erzähler: Ich will zum Schluss noch eine Frage stellen, die man sich seltsamerweise fast nie stellt. Woher hat diese Insel eigentlich ihren Namen?

[13:04] Gesa: Nicht von den Menschen, die hier über tausend Jahre gelebt haben. So viel steht fest.

[13:09] Erzähler: Der Name geht auf einen genuesischen Seefahrer zurück. Lancelotto Malocello, geboren um zwölfhundertsiebzig in Varazze. Ihm wird die europäische Wiederentdeckung der Kanaren um dreizehnhundertzwölf zugeschrieben. Er soll fast zwei Jahrzehnte auf der Insel geblieben sein, bis ihn ein Aufstand der Ureinwohner vertrieb.

[13:31] Gesa: Auf der Portolankarte des Angelino Dulcert von dreizehnhundertneununddreißig steht die Insel als Insula de Lançarote Mallucellus. Und daraus wurde über die Zeit: Lanzarote.

[13:43] Erzähler: Die Insel heißt nach einem Europäer, der kurz vorbeisegelte. Nicht nach einem einzigen Wort ihrer Ureinwohner. Schon der Name erzählt vom Verschwinden der Majos.

[13:54] Gesa: Wobei – etwas hat überlebt. Teguise, Yaiza, Timanfaya, Tinajo, Tahíche, Máguez. Alles Ortsnamen aus der Majo-Sprache. Ihr werdet zwei Wochen lang ständig Majo-Wörter aussprechen, ohne es zu wissen.

[14:08] Erzähler: Máguez. Der Ort, in dem ihr wohnt. Ein Majo-Wort.

[14:11] Erzähler: Abend über der Inselmitte. Wind über karge Weiden, irgendwo eine Ziege, eine Höhle mit einem kleinen Feuer. Sie ahnen nicht, dass ihre Zeit gezählt ist. In neunzig Jahren taucht am Horizont ein anderes Segel auf.

[14:26] Gesa: Und diesmal fahren sie nicht vorbei.

[14:28] Erzähler: Was wir von den Majos haben, sind Scherben, Knochen, Zeichen im Stein – und der Wind, der noch immer über dieselben Weiden geht. Wer da kam, was aus den Majos wurde und warum diese Insel jahrhundertelang das Meer fürchten sollte – das ist die nächste Folge.

[14:46] Gesa: Piratas.

[14:47] Erzähler: Bis dahin – passt auf euch auf, ihr vier.

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Ende der Folge. Laufzeit 14:50.