Der Podcast für Gründer und Solo-Selbständige mit Günter Schmatzberger und Camillo Patzl. Jede Woche: 1 Frage, 15 Minuten, 2 Sichtweisen.
Wie behalte ich den Überblick im GRÜNDUNGSPROZESS.mp3
=========================================
Speaker 1
00:01 - 00:32
Wie behalte ich den Überblick im Gründungsprozess? Hallo, liebe Hörerinnen, liebe Hörer. Herzlich willkommen zu dieser Folge von Live und Gründen. An meiner Seite ist wie jede Woche der Gründungsberater Deluxe Camillo Patzl.
Speaker 1
00:32 - 00:50
Hallo, lieber Camillo. Ja, hallo, liebe Hörerinnen, liebe Hörer. Willkommen zu der heutigen Podcast-Folge. Ja, und die heutige Podcast-Folge dreht sich um das Thema Was tue ich, wenn ich im Gründungsprozess den Überblick verliere und nicht mehr weiß, was ich zuerst machen soll?
Speaker 1
00:50 - 01:22
Diese Frage ist mir erst diese Woche wieder gestellt worden von zwei meiner GründerInnen. Das ist ein brennendes Thema, weil nämlich im Gründungsprozess wahrscheinlich Folgendes passiert. Wenn man die Möglichkeit hat, sich wirklich in die Gründung einzulassen, wenn man jetzt wirklich sagt, okay, ich will da jetzt was umsetzen und ich will jetzt sozusagen die Schritte zur Gründung angehen, ich baue mir mein Geschäftsmodell und meine Geschäftsidee, dann kommt man sehr schnell darauf, dass das eine Menge Dinge sind, an die man denken muss, die man machen muss, die man sich überlegen muss und die man sich kümmern muss.
Speaker 1
01:22 - 01:37
Das ist wirklich ein komplexes Projekt. Also das meine ich jetzt wirklich völlig ironiefrei. Das ist ein hochkomplexes Projekt, so eine Gründung zu machen. Vor allem dann, wenn man alleine ist und als Solopreneur, als Ein-Personen-Unternehmen startet.
Speaker 1
01:37 - 02:01
Und das sind ja die meisten Gründer und Gründerinnen. Und so ist es mir gegangen bei meinen zwei GründerInnen, die gesagt haben, ich habe so viele Bälle in der Luft, es ist gerade so viel los, ich mache das und das und das und ich weiß oft in der Früh nicht, was soll ich zuerst machen. Wie kann ich herausfinden, was wichtig ist? Wie kann ich herausfinden, was zuerst gemacht wird?
Speaker 1
02:01 - 02:15
Was kann ich später machen? Oder auch die Frage, wie finde ich heraus, was ist für mich relevant? Was ist wichtig? Was ist nicht wichtig?
Speaker 1
02:15 - 02:32
Was betrifft mich und was kann ich auch einfach weglassen und ignorieren? Und diese Frage möchte ich gerne mal beantworten, ein für alle Mal. Kamilo, was machen wir, wenn wir uns nicht mehr auskennen, nicht mehr wissen, was wir tun sollen? Willkommen im Club, willkommen in der Selbstständigkeit.
Speaker 1
02:32 - 02:51
Es wird auch später so gehen. Also ich will damit sagen, cool down. Es ist alles in Ordnung. Das ist ein Prozess und dass man sozusagen, gerade wenn man alleine gründen möchte, in solche Situationen kommt, ist normal.
Speaker 1
02:51 - 03:24
Und drum gibt es eben auch die Möglichkeit, wie dich, lieber Günther, dass es da Begleitung gibt, vielleicht mit einem Gründungsberater, dass es die Möglichkeit gibt, vielleicht über sein kleines Netzwerk einen anderen Unternehmer, Unternehmerin zu kontaktieren, darüber zu sprechen, zu schauen, zu reflektieren. Also einfach, um sich auch ein bisschen abzuholen, um zu lernen. Das ist die erste Gründung. Wenn wir schon viele Gründungen hinter uns hätten, dann würden wir das Gefühl oder diese Situation kennen und damit besser umgehen können.
Speaker 1
03:24 - 03:55
Dadurch, dass uns das jetzt quasi das erste Mal begegnet, müssen wir einfach schauen, was ist unser Weg, wie können wir mit diesem Probleme oder mit dieser Situation, mit diesen Herausforderungen umgehen, was ist für uns da geschickt, was funktioniert. Also ich könnte jetzt unterschiedliche Strategien und Zugänge nennen. Die Frage ist, was funktioniert für dich? Hilfst du irgendwelche Listen zu schreiben, was zu visualisieren, dir einen Plan zu machen?
Speaker 1
03:55 - 04:06
Bist du jemand, der sich an den Plan hält oder in den Plan hineinlebt? Was hast du generell für einen Zeithorizont? Müssen Dinge schnell gehen? Hast du irgendwelche Fristen?
Speaker 1
04:06 - 04:26
Also da gibt es ja unterschiedliche Dinge, die da vielleicht reinfließen können und da hilft es vielleicht, einfach darüber zu sprechen. um das nicht mit sich alleine ausmachen zu müssen, um vielleicht die blinden Flecke, Möglichkeiten und Chancen zu erkennen. Genau. Also die zwei Dinge, die du genannt hast schon.
Speaker 1
04:26 - 04:47
Selbstorganisation, Zeitmanagement ist ein Skill, das in der Selbstständigkeit ganz wichtig ist und das muss man in der Ergründungsphase, wenn man es nicht schon kann, dann spätestens lernen. Das heißt, man muss es schaffen, sich irgendwie selber zu strukturieren und zu organisieren. Das ist das eine. Das andere, was du gesagt hast, Austauschen, drüber reden, oft hilft ja der Dialog an und für sich schon.
Speaker 1
04:47 - 05:05
Dinge zu ordnen. Manchmal tut es einfach gut, darüber gesprochen zu haben und dann erkennt man im Sprechen ja schon, was eigentlich die Lösung sein könnte. Also manchmal ist das Reden allein schon eine gute Idee. Und ein drittes, was ich ergänzen möchte, was aus meiner Sicht ausgesprochen hilfreich ist, ausgesprochen nützlich ist, ist folgendes.
Speaker 1
05:05 - 05:33
Wenn ich nicht weiß, was ich zuerst machen soll, dann ist immer die Frage, was würden meine Kunden dazu sagen. In Wirklichkeit, die Wichtigkeit der Dinge bestimmen ja nicht wir Gründer, sondern in Wirklichkeit tun wir ja alles für unsere Kunden. Wir wollen denen ja helfen und wir wollen am Ende des Tages ja auch deren Geld als Umsatz bekommen. Das heißt, die wichtige Frage ist ja nicht, was ist aus meiner Sicht wichtig, sondern die wichtige Frage ist, was ist aus Sicht der Kunden wichtig.
Speaker 1
05:33 - 05:57
Das heißt, wenn ich mich entscheiden kann zwischen drei Dingen, die ich machen könnte, dann wäre die richtige Frage zu sagen, was von diesen drei Dingen würden bei meinen Kunden am meisten Impact haben? Was würden meine Kunden sagen, dass sie besonders gut finden würden? Was hat die größte Auswirkung auf den Umsatz von mir? Das sind alles nur Formulierungen der selben Frage.
Speaker 1
05:57 - 06:59
Die Perspektive zu wechseln und aus dem eigenen Blickwinkel rauszugehen und eigentlich in die Kundenperspektive zu gehen, weil die Kundenperspektive die verlässliche Perspektive ist, was die eigentliche Wichtigkeit für den Auftritt und für den Erfolg des Unternehmens eigentlich wäre. Du kannst es auch so formulieren, dass du sagst, wo kann ich jetzt den Nutzen für meine potenziellen Kunden und Kundinnen stellen, oder wo bin ich nützlich. Das heißt, wenn du jetzt vor dem Problem stehst, dass du sagst, boah, ich müsste jetzt eigentlich noch die Webseite vorantreiben, da soll ich jetzt noch irgendein Angebot schreiben, dann habe ich da vielleicht noch irgendwie einfach ein paar Behördenwege oder sonstige Sachen zu erledigen, weil ich da ein paar Briefe bekommen habe und einen Haufen an E-Mails, die ich da vielleicht noch irgendwie verschicken möchte oder beantworten soll, dann muss man das sozusagen aufdröseln und sagen, Moment mal, steckt hinter dem Angebot die Möglichkeit, dass ich da vielleicht wirklich zu einem Zug komme, einen Auftrag, einen Kunden, der braucht
Speaker 1
06:59 - 07:56
vielleicht nur mehr das Angebot und dann kann es schon losgehen? Oder sind einfach irgendwelche Fristen da jetzt im Hintergrund versteckt bei den Behörden wegen, wo ich sage, wenn es mich nicht mehr gibt, bin ich auch nicht mehr nützlich, muss ich das halt vorziehen. Also ihr merkt die Frage nach dem Kunden, nach dem Was kann ich für wen anderen tun, um sozusagen hier einen Auftrag abzuschließen, um hier vielleicht wieder eine Kundenzufriedenheit zu erreichen und Umsatz zu generieren, dass es weitergehen kann? Das ist, glaube ich, immer die beste Orientierung, nicht sich in Selbstorganisation zu verlieren oder in irgendwelchen perfekten Ausgestaltungen, dass die Webseite super hübsch und super toll ist und da vielleicht noch irgendein Design-Element Stunden an Zeit frisst, sondern bringt mir sozusagen am Ende des Tages mehr Kunden oder den
Speaker 1
07:56 - 08:18
Kunden sozusagen wirklich, dass wir zusammenarbeiten können. Genau, absolut. Follow the money ist das Motto. Also schau dir an, wo das Geld zu holen ist, nicht weil wir geldgierig sind, sondern weil man einfach mit Geld am besten messen kann, wann wir wertvoll sind in der Selbstständigkeit.
Speaker 1
08:18 - 09:02
Das heißt, da wo wir tatsächlich die Chance haben, an Umsatz zu kommen, ist tatsächlich, wenn man sich das Ganze anschaut, also emotionslos anschauen würde, das sind die wertvollen Aufgaben und damit sollten wir beginnen. Also alles, was mit dem Kunden zu tun hat, hat eigentlich mal Vorrang und alles andere, was dem Kunden gar nicht auffällt, das können wir auch gerne machen, wenn es uns Spaß macht, aber die Wichtigkeit hat es nicht. drinstecken sollte und nicht links und rechts sehen sollte, dann empfehle ich immer, rauszugehen und mit potenziellen Kunden zu sprechen. Also eine halbe Stunde mit einem echten potenziellen Kunden zu telefonieren, schärft den Blick wieder so immens auf das eigentlich Wichtige.
Speaker 1
09:02 - 09:27
Und das kann man aber selber, wenn man, keine Ahnung, gerade bei Solo-Selbstständigen, gerade bei Ein-Personen-Unternehmen, das passiert so oft, dass wir zu Hause sind und kämmerlein und uns da Konzepte überlegen. Es wäre viel gescheiter zu sagen, ich gehe raus, gehe zu den Menschen hin, denen ich eigentlich helfen will. Red mit denen ein bisschen, krieg wieder ein Gefühl, verbinde mich da wieder mit den Menschen, die für mich relevant sind. Und dann weiß ich auch viel, viel besser, was eigentlich wichtig ist.
Speaker 1
09:27 - 09:49
Dann weiß ich viel, viel besser, womit ich helfen kann. Und dann weiß ich auch viel, viel besser, wie ich mich nützlich mache. Da fällt mir gerade eine Story ein, das zu Corona-Zeiten passiert, hat für mich aber sehr gut funktioniert. Wenn dieses Rausgehen, so wie du es beschreibst, Günther, nicht funktioniert, wenn man sagt, ja, ich habe aber jetzt gerade keine Kunden oder ich wüsste nicht, wo ich hingehen soll, ich weiß nicht, wo sie sind, ja, so mehr oder weniger.
Speaker 1
09:49 - 09:57
Manchmal hilft es vielleicht auch, ehemalige Kunden zu kontaktieren. Einfach mal zu fragen, wie geht's euch? Was gibt's Neues? Was tut sich so bei euch?
Speaker 1
09:57 - 10:32
Einfach so ein bisschen das Gespräch suchen, unverbindlich. Aber das kann helfen, dass man sich wieder auf den Kunden fokussiert, dass man vielleicht etwas raushört, was einem hilft. Oder einfach nur eine gewisse Beziehung pflegt, sich wieder in Erinnerung ruft. Auch wenn nichts dabei rauskommt im Sinne von einer neuen Beauftragung oder ich habe jetzt gerade keine Zeit, aber man sucht zumindest den Weg zum Kunden, man möchte sich mit dem Kunden beschäftigen und das klappt genauso gut, wie wenn ich den Hörer in die Hand nehme und vielleicht einen
Speaker 1
10:32 - 11:08
potenziellen Kunden anrufe oder es einfach mal probiere, wo ich sage, die wollte ich schon immer mal anrufen, dann ist vielleicht genau jetzt der richtige Zeitpunkt. Genau, genau. So wie du sagst, es geht nicht darum, dass ich jetzt einen Kunden anrufe und irgendwas pitche oder verkaufe, sondern es geht einfach um den Kontakt, dass ich wieder mit meiner Zielgruppe einfach mich verbinde, dass ich doch näher bin. Aber das kann einfach bedeuten, keine Ahnung, ich will, keine Ahnung, Freizeitpädagogik machen, selbstständig und gehe einfach, keine Ahnung, zu einer Schule oder zum Spielplatz und gehe mich in die Umgebung von Kindern und beobachte das ein bisschen.
Speaker 1
11:08 - 11:23
Das ist immer noch gescheiter. Und keine Ahnung, nehme den Laptop mit, um was zu konzipieren. Das ist immer noch besser, als ich sitze zu Hause und versuche dann irgendwie das Ganze zu entwickeln. Es ist viel besser, ich bin da, wo ich eigentlich arbeiten will.
Speaker 1
11:23 - 11:38
Ich bin da, wo die Menschen sind, weil das fürs Hirn ja auch was tut, wenn ich sehe, okay, ich umgehe mich mit den Menschen, die da sind. Das heißt, den Kontakt suchen, wie auch immer. Das können Gespräche sein, das kann einfach ein Ortswechsel sein. Das kann auch eine Netzwerkveranstaltung sein.
Speaker 1
11:38 - 12:02
Ja, genau. Richtig. Kann auch sein, dass man sagt, ich gebe eine Netzwerkveranstaltung, wo es zu meinem Thema passt, wo vielleicht auch potenzielle Kunden, Kundinnen sein könnte und versuche mich dort einfach unter das Volk zu mischen, um vielleicht mit dem einen oder anderen in ein Gespräch zu kommen, um einfach diese Atmosphäre auf mich wirken zu lassen, weil dann kommen die Ideen von alleine, dann kommt der Fokus auch von alleine und man verliert sich nicht.
Speaker 1
12:02 - 12:51
Wie gesagt, ich beobachte Ich beobachte auch größere Unternehmen oder durfte auch Konzerne, KMUs und so weiter auf meinem Weg beobachten und begleiten. Und es gibt einfach wirklich manchmal das Problem, man ist dann so in der Prozess- und Selbstorganisation und Selbstoptimierung drinnen, dass man sich echt manchmal die Frage stellen muss, was hat denn der Kunde davon? Oder habt ihr den Kunden überhaupt noch im Fokus oder bricht der euch eigentlich eh schon Stück für Stück weg? Und wenn man das als kleiner Solopreneur recht früh schafft, diesen Richtungswechsel würde man im Fußball sagen, dann glaube ich kann man sich ganz gut einordnen oder ausrichten.
Speaker 1
12:52 - 13:16
Genau. So wie du sagst, Camilo, das passiert nicht nur kleinen Selbstständigen, sondern auch großen Unternehmen, dass sie die verlieren und dass sie einfach nicht mehr wissen, was sie zuerst tun sollen. Aber wir Kleinen haben heute die Möglichkeit, dass wir wirklich für unsere Kunden da sind und wirklich sagen, wir stellen die in den Fokus. Und meine Erfahrung ist auch, irgendwann wird es zur zweiten Natur, dass man sich die Frage stellt, was würden die Kunden dazu sagen?
Speaker 1
13:17 - 13:43
Was würden meine Kunden davon machen? Und wenn man das in der Gründungsphase schon übt und sich bewusst diese Frage stellt, dann hat man irgendwann irgendwie ein Gespür, dass man sagt, naja, das mach ich jetzt nicht, das merken die Kunden nicht einmal, das bringt nichts. Und zwar deswegen, weil es den Kunden nichts bringt. Am Anfang bewusst die Frage stellen, die Kunden sortieren sozusagen unsere To-Do-Liste, die Kunden setzen die Prioritäten, die Kunden sagen, was gut und was wertvoll ist, nicht wir.
Speaker 1
13:43 - 14:05
Am Anfang übt man das bewusst und später kriegt man das Hoffentlich, wenn man gut ist, wenn man sich für seine Zielgruppe interessiert, wenn einem die Menschen wichtig sind, denen man helfen will, dann kriegt man das wieder ins Gefühl. Super Schlusssatz, lieber Günther. Ich glaube, wir haben das recht gut auf den Punkt gebracht. Wir sind sogar noch vor unserer Zeit.
Speaker 1
14:06 - 14:21
Hoffentlich. Hoffentlich. Ich hoffe, dass wir das gut auf den Punkt gebracht haben. Also wenn du jetzt erwartet hast, dass wir irgendwelche Pomodoro-Techniken und Zeitmanagement-Tools, Getting-Things-Done nehmen, dann nein, das bringt es halt nicht.
Speaker 1
14:21 - 14:45
Genau, weil es das nicht bringt. Wir setzen die Kunden in den Fokus, weil es ist ein unternehmerischer Zugang. Wenn du jetzt eine Frage dazu hast oder wenn du Unterstützung brauchst bei deiner Frage, was ist wichtig, was kann warten, melde dich gern bei uns. Wir bieten kostenlose Gründungs-Check-Ups an, wo du einfach ganz unverbindlich eine halbe Stunde mit uns reden kannst und wir dir einfach sagen, was wir uns denken über deine Gründungsidee.
Speaker 1
14:45 - 15:02
Wenn es passt, würden wir auch Promodor-Techniken teilen. Sowieso machen wir das, sowieso. Ansonsten sind wir nächste Woche wieder für euch da mit einer weiteren Folge von Leihwand Gründen. Herzlichen Dank, Camillo, fürs Überlegen, fürs gemeinsame Plaudern und Diskutieren.
Speaker 1
15:04 - 15:11
Ja, dann wünsche ich euch alles Gute, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, und bis nächste Woche. Bleibt leihwand.