Die OphthalNews kompakt versorgen Sie regelmäßig in nur 5 Minuten mit aktuellen Nachrichten aus der Augenheilkunde. Wir berichten über Interessantes aus der Wissenschaft, innovative Behandlungsmethoden, Produktneuheiten und Berufspolitik.
Eine neue, in Ophthalmology publizierte Studie liefert starke Argumente für die selektive Laser-Trabekuloplastik (SLT) als First-Line-Therapie beim Glaukom. Professor Gus Gazzard vom Institut für Augenheilkunde des University College London zeigt mit seinem Team nach sechs Jahren Beobachtungszeit, dass SLT das Gesichtsfeld besser erhält als der initiale Einsatz von Augentropfen – bei Patienten mit neu diagnostizierter okulärer Hypertension oder Offenwinkelglaukom.
Die Ergebnisse stützen, was viele bereits vermuten: SLT ist nicht nur sicher und effektiv beim Senken des Augeninnendrucks, sondern scheint als primäre Intervention langfristig überlegen zu sein. Damit erhält eine Behandlungsstrategie weiteren Rückenwind, die in der klinischen Praxis noch längst kein flächendeckender Standard ist.
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Erste Daten aus der globalen Real-World-Studie SPECTRUM deuten darauf hin, dass Aflibercept 8 mg bei der neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration früh deutliche anatomische Effekte zeigt. SPECTRUM ist eine prospektive Beobachtungsstudie, die den Einsatz von Aflibercept 8 mg unter Routinebedingungen in rund 20 Ländern untersucht. Eingeschlossen wurden sowohl therapienaive als auch vorbehandelte Augen von Patienten ab 50 Jahren.
In den ersten acht Wochen nahm die zentrale Netzhautdicke in der therapienaiven Gruppe um durchschnittlich 115 Mikrometer ab, in der behandelten Gruppe um 39 Mikrometer. In beiden Gruppen zeigte sich zudem ein deutlicher Rückgang der intraretinalen und subretinalen Flüssigkeit. Während sich die Sehschärfe in der vorbehandelten Kohorte stabilisierte, verbesserte sie sich in der therapienaiven Kohorte um durchschnittlich 3,2 Buchstaben. Schwerwiegende behandlungsbedingte Ereignisse oder intraokulare Entzündungen traten in keiner der beiden Kohorten auf.
Die frühen Daten belegen, dass Aflibercept 8 mg auch außerhalb kontrollierter Studien robuste anatomische Resultate erzielen kann. Zudem deuten sie auf das Potenzial für längere Behandlungsintervalle im Vergleich zu Aflibercept 2 mg hin.
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Neu in der Eyefox Webakademie: FIT IN IVOM – ein strukturierter Online-Kurs zur intravitrealen Therapie retinaler Erkrankungen. Der Kurs ist als IVOM-Aufbaukurs der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und der Retinologischen Gesellschaft zertifiziert und gibt 5 CME-Punkte. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Alireza Mirshahi.
Die IVOM-Therapie gehört zum klinischen Alltag – doch die Datenlage entwickelt sich rasant weiter. Neue Klassifikationssysteme, langwirksame Substanzen, KI-gestützte Diagnostik: Was davon verändert wirklich Ihre therapeutischen Entscheidungen? In fünf Modulen erhalten Sie einen prägnanten Überblick – von der sicheren OCT-Interpretation bis zu innovativen Ansätzen wie Gentherapie und Sustained-Delivery-Systemen.
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Ein Team unter der Leitung von Botond Roska am Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel (IOB) hat MitoCatch entwickelt – eine Technologie, die es ermöglicht, Mitochondrien gezielt in jene Zellen einzubringen, die am stärksten von Krankheiten betroffen sind. Damit rückt die gezielte Behandlung mitochondrialer Erkrankungen in greifbare Nähe.
Funktionsstörungen der Mitochondrien liegen vielen bislang unheilbaren Krankheiten zugrunde – etwa neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder der Degeneration des Sehnervs. Bisherige Versuche, gesunde Mitochondrien in geschädigte Zellen einzubringen, scheiterten häufig an mangelnder Zielgenauigkeit. MitoCatch löst dieses Problem.
Das Verfahren basiert auf gentechnisch entwickelten Proteinbindern, die als zelluläres GPS fungieren und Mitochondrien gezielt in die richtigen Zellen lotsen. Experimente zeigen, dass MitoCatch Mitochondrien zuverlässig in Neuronen sowie in Netzhaut-, Herz-, Endothel- und Immunzellen bringt. Einmal in der Zelle angekommen, bleiben die Mitochondrien funktionsfähig: Sie bewegen sich, fusionieren und teilen sich – alles entscheidend für das zelluläre Energiemanagement.
Zudem zeigte das Team, dass Spender-Mitochondrien das Überleben von Neuronen verbessern, die aus Patienten mit Sehnervenatrophie stammen, und gleichzeitig die Regeneration retinaler Ganglienzellen nach Verletzungen fördern. In Tiermodellen wird die Methode bisher gut vertragen, ohne nachweisbare Immunreaktion.
MitoCatch überwindet damit eine langjährige Hürde der mitochondrialen Medizin und könnte die Behandlung entsprechender Erkrankungen grundlegend verändern.
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Ein weiteres Forschungsprojekt am IOB hat genetische Signalwege und Wirkstoffe identifiziert, die Zapfen-Photorezeptoren vor der Degeneration schützen – wie sie etwa bei der altersbedingten Makuladegeneration auftritt.
Das Absterben der Zapfen führt zum Verlust des zentralen Sehens. Trotz jahrzehntelanger Forschung gibt es bislang keine zugelassenen Therapien, die diesen Prozess aufhalten . Die neue Studie adressiert diesen ungedeckten Bedarf mit einem humanbasierten Experimentiersystem.
Getestet wurden mehr als 2.700 Wirkstoffe in 20.000 menschlichen retinalen Organoiden . Einige Wirkstoffklassen stellten sich als schädlich für Zapfen heraus und deuten auf Sicherheitsrisiken hin. Außerdem wurden mehrere Substanzen identifiziert, die Zapfen vor Degeneration schützen. Die Hemmung der Casein-Kinase 1 erwies sich als zentraler Schutzmechanismus über längere Zeiträume. Die positiven Effekte bestätigten sich unter verschiedenen Stressbedingungen und wurden in einem Mausmodell der Netzhautdegeneration validiert.
Die Kombination aus retinaler Biologie, Organoid-Technologie und breitem Wirkstoff-Screening verschafft der Forschung einen echten Vorsprung. Im Fokus: der Schutz jener Zellen, die unser Sehen erst ermöglichen.
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Aurion Biotech hat die ersten Patienten in die ASTRA-Phase-3-Studie eingeschlossen – eine regenerative Zelltherapie bei kornealer Endothel-Dysfunktion, einschließlich Fuchs-Dystrophie, wird damit in den USA klinisch erprobt. Die Therapie kombiniert unmodifizierte humane Hornhautendothelzellen mit einem ROCK-Inhibitor und wird intrakameral injiziert. Der wesentliche Vorteil: Eine einzige Spenderlinie könnte bis zu 1.000 Therapiedosen liefern – ein entscheidender Faktor angesichts knappem Spendergewebe. In Japan ist eine vergleichbare Therapie bereits seit 2023 zugelassen. Langfristiges Ziel laut Hersteller: die Keratoplastik zu ersetzen.
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Der Breakthrough Prize in Life Sciences 2026 geht an Jean Bennett, Albert Maguire und Katherine A. High – für die Entwicklung von Luxturna. Bennett und Maguire entwickelten die Therapie bis zum Wirksamkeitsnachweis im Tiermodell; Katherine A. High vom Children's Hospital of Philadelphia brachte 2005 ihre klinische Expertise ein und ebnete den Weg in die humane Phase.
Luxturna, FDA-zugelassen 2017, EMA-zugelassen 2018, ist die weltweit erste Gentherapie für RPE65-assoziierte Netzhautdystrophien – bei Patienten mit biallelischen RPE65-Mutationen, die bei etwa 5 % der Retinitis-pigmentosa- und 16 % der Leber'sche kongenitale Amaurose-Patienten auftreten. Die Therapie wird als einmalige subretinale Injektion appliziert – und ihre Wirkung hält an: Patienten, die vor über zehn Jahren behandelt wurden, zeigen weiterhin stabile Sehverbesserungen.
Die Bedeutung liegt vor allem darin, dass diese Arbeit den Proof of Concept für die gesamte retinale Gentherapie lieferte. Seither wurden über 100 klinische Studien zur retinalen Gentherapie initiiert – mehr als ein halbes Dutzend befindet sich derzeit in der Spätphase der klinischen Prüfung. Der Breakthrough Prize ist mit 3 Millionen US-Dollar dotiert und wird oft als die „Oscars der Wissenschaft" bezeichnet.
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Am 4. und 5. Juli trifft sich die junge ophthalmologische Community Europas in Berlin – zum 6. European Meeting of Young Ophthalmologists. Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress richtet sich gezielt an Kolleginnen und Kollegen unter 40 Jahren und wird von der European Society of Ophthalmology organisiert. Das Programm umfasst aktuelle klinische Herausforderungen, technologische Entwicklungen und Zukunftsthemen der Ophthalmologie. Auf Eyefox finden Sie ein Interview mit EMYO-Präsidentin Dr. Leonie Menghesha, die das besondere Profil des Meetings und seine inhaltlichen Schwerpunkte vorstellt.
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Zwei neue Fachgespräche in der Eyefox Mediathek und Audiothek: Prof. Dr. Philipp Steven über okuläre Nebenwirkungen neuer Krebstherapien und Prof. Dr. Uwe Pleyer zum Thema okuläre Lues.
Moderne Krebsmedikamente wie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate können massive toxische Veränderungen an der Hornhaut hervorrufen – augenärztliche Kontrollen vor und während der Therapie sind daher essenziell. Prof. Dr. Philipp Steven, Experte für Erkrankungen der Augenoberfläche an der Uniklinik Köln, erklärt, welche präventiven und therapeutischen Optionen zur Verfügung stehen und wie Ophthalmologen in die interdisziplinäre Betreuung dieser Patienten integriert werden sollten.
Die Zahl der gemeldeten Lues-Infektionen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen und erreichte 2024 einen neuen Höchststand. Aufgrund des vielgestaltigen klinischen Erscheinungsbildes gilt die okuläre Lues als „Chamäleon der Augenheilkunde" und wird nicht selten erst verzögert diagnostiziert. Prof. Dr. Uwe Pleyer, Oberarzt an der Berliner Charité und ausgewiesener Experte für infektiöse Augenerkrankungen, erläutert, in welchen klinischen Situationen eine Lues-Serologie indiziert ist, welche Differenzialdiagnosen berücksichtigt werden sollten und welche Risikofaktoren ophthalmologische Komplikationen begünstigen. Beide Interviews wurden im Rahmen der DOG in Berlin aufgezeichnet.