Leiwand gründen

In dieser Folge von „Leiwand gründen“ sprechen die Gründungsberater Günter Schmatzberger und Camillo Patzl darüber, warum gerade im Online-Business oft übertrieben wird, wo die Grenze zwischen geschicktem Marketing und Irreführung liegt und wie du auch ohne falsche Versprechen Vertrauen aufbauen kannst.
  • Erfundenes Kundenfeedback, ein nicht vorhandenes Team oder übertriebene Angaben zur eigenen Erfahrung können nicht nur Vertrauen zerstören, sondern auch rechtliche Konsequenzen haben.
  • Gerade zu Beginn einer Selbstständigkeit ist es schwierig, Referenzen vorzuweisen. Statt sie zu erfinden, können erste Testprojekte oder Kooperationen dabei helfen, echte Erfahrungen und Kundenstimmen aufzubauen.
  • Im Online-Business konkurrieren ehrliche Angebote oft mit sehr großen Versprechen. Aussagen wie „sicher sechsstellig verdienen“ wirken zwar attraktiv, sind aber häufig unrealistisch und nicht seriös belegbar.
  • Besonders bei geschützten oder reglementierten Tätigkeiten sollte genau darauf geachtet werden, welche Leistungen und Qualifikationen tatsächlich angeboten und kommuniziert werden dürfen.
  • Gute Außendarstellung bedeutet nicht, langweilig zu kommunizieren: Mit professionellem Copywriting, Marketing und einer klaren Positionierung kannst du dein Angebot attraktiv präsentieren und trotzdem bei der Wahrheit bleiben.
Wie kannst du dein Angebot so überzeugend präsentieren, dass es Aufmerksamkeit bekommt, ohne dafür etwas versprechen zu müssen, das du nicht halten kannst?

Viel Inspiration beim Hören! 🎧

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Was ist Leiwand gründen?

Der Podcast für Gründer und Solo-Selbständige mit Günter Schmatzberger und Camillo Patzl. Jede Woche: 1 Frage, 15 Minuten, 2 Sichtweisen.

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Speaker 1
00:01 - 00:28
Muss ich lügen, um erfolgreich zu sein? Hallo liebe Hörerinnen, liebe Hörer. Herzlich willkommen zu dieser Folge von Leib und Gründen. An meiner Seite wie immer Camillo Arzel.

Speaker 1
00:28 - 01:02
Hallo liebe Hörerinnen, liebe Hörer. An meiner Seite sitzt wie immer der liebe Günther Schwarzberger, Gründungsberater Deluxe. Ich habe diesmal eine Frage für diese Folge mitgenommen, die aus einer Gründungsberatung kommt, von dieser Woche. Eine Gründerin von mir macht sich gerade selbstständig, und hat eine Kollegin, mit der sie auch gemeinsame Ausbildung gemacht hat, und von der hat sie letztens die Website gesehen, also beide sind erst am Anfang, und da hat sie die Website gesehen und der ist aufgefallen auf der Website von

Speaker 1
01:02 - 01:24
dieser Kollegin, da sind Kundenreferenzen drauf, also Kundenstimmen drauf. Dann steht drauf, dass sie und ihr Team das Ganze anbieten. Und dann hat sie die Kollegin gefragt und hat gesagt, hast du schon wirklich Kunden gehabt? Und die Kollegin hat den Kopf geschüttelt.

Speaker 1
01:24 - 01:31
Und wie ist das mit dem Team? Hast du wirklich ein Team? Nein, natürlich nicht. Aber das machen ja alle so.

Speaker 1
01:31 - 01:56
Man muss ja dicker auftragen, damit man überhaupt ernst genommen wird. Fake it and then reuse it. Fake it till you make it ist vielleicht die freundlichere Variante davon, aber man kann natürlich sagen, okay, wo ist jetzt die Grenze zwischen ein bisschen sich größer machen als man ist oder tatsächlich von der Irreführung oder vom Betrug im Sinn von meinen Kunden etwas vorspiegeln, das gar nicht der Fall ist.

Speaker 1
01:56 - 02:24
Wie zufällig eine Kunden, die nur erfunden sind, Referenzen, die nur erfunden sind, Ist ja auch kein Einzelfall. Man kann nicht alles glauben, was im Internet ist. Und da liegt das Problem, dass eben, das hat die Kollegin von meiner Gründerin ja auch gesagt, dass ja das alle machen. Und in dem Moment, wo es alle machen, ist man selber auch irgendwie vor der Entscheidung, muss ich jetzt auch so sein, damit ich überhaupt ernst genommen werde, oder kann ich sagen, ich bin erst am Anfang, ich bin allein, ich habe noch keine Kunden, deswegen kann ich dir auch

Speaker 1
02:24 - 02:55
noch keine Referenzen nennen, weil mir das einfach noch fehlt, klarerweise, wenn ich erst ganz am Anfang bin. Ich glaube, es gibt hier zwei Extreme. Meine Gründer und Gründerinnen habe ich immer davor gewarnt, etwas hinzuschreiben, was nicht stimmt, weil das eben auch rechtliche Folgen haben kann. Das klassische Beispiel ist, ich habe eine Webseite, bevor ich noch überhaupt irgendwie offiziell mich bei Sozialversicherung, Finanzamt oder Gewerbeanmeldung in eine Gründung gegangen bin.

Speaker 1
02:56 - 03:23
und schreibe dort hinein oder habe ein Angebot auf meiner Webseite und nicht mal ein vollständiges Impressum. Oder Leute, die so tun, als wenn sie ein Unternehmen sind, die eben noch offiziell gar nicht gegründet haben. Das ist so nicht in Ordnung, das ist strafbar. Wenn es blöd läuft und man kriegt sozusagen von der Konkurrenz eine Anzeige, dann ist das übel.

Speaker 1
03:26 - 04:12
Genauso wenn du jetzt hinschreibst, dass du ein großes Team bist, dass du gewisse Sachen bewerkstelligen kannst, fällt dir zeitversetzt am Kopf, wenn dich jetzt tatsächlich ein Unternehmen bucht, von deiner Expertise auf deiner Webseite ein Stück weit ausgeht und da vielleicht nicht genauer hinschaut, Du freust dich, dass du den Auftrag kriegst, aber dann plötzlich setzen sie dich ziemlich unter Druck, weil sie sagen, naja, aber sie haben ja auch ihr Team, sie haben die Expertise und wir wollen. Oder du steckst dann plötzlich in einem Vertrag drinnen, den du gar nicht mehr leisten kannst, wo du den Spieß dann umgedreht bekommst und dann vielleicht irgendwelche Schadensersatz oder sonstige Geschichten zu bezahlen hast. weil du sozusagen hier drügerisch oder im Schein oder wie auch immer gehandelt hast.

Speaker 1
04:12 - 04:29
Ja, absolut. Es ist so wahnsinnig schwierig geworden im Online-Business, sich Vertrauen aufzubauen, weil es schwierig geworden ist, überhaupt noch zu entscheiden, was überhaupt stimmt. Es wurde viel kaputt gemacht. Genau, es wurde viel kaputt gemacht.

Speaker 1
04:29 - 04:41
Es trifft leider auch die Ehrlichen. Es ist tatsächlich so, dass man mit ganz normalen Versprechen schwer durchkommt. Und mit Ehrlichkeit. Das ist das andere Extrem.

Speaker 1
04:41 - 05:12
Wenn ich noch keine Kundenreferenzen drauf habe, Und wirklich gerade Beginn. Es ist ja so, wie wenn ich sage, ich bewerbe mich wo und komme gerade aus der Schule, habe meinen Abschluss gerade fertig. Wahnsinnig schwierig, weil ich kann nicht hinschreiben, dass ich so und so viele Jahre Berufserfahrung habe, weil ich sie noch nicht habe. Und das Gleiche ist, wenn ich jetzt in die Selbstständigkeit reingehe und mich versuche dann quasi in meiner Online-Auslage, auf meiner Webseite entsprechend darzustellen, dann habe ich dort nichts.

Speaker 1
05:12 - 06:04
Dann könnte ich versuchen, irgendwelche Referenzen zu erfinden oder was hinzustellen, aber wem bringt es was? Da ist es eben auch die Challenge, habe ich so ein Angebot oder kann ich sozusagen über einen Kunden vielleicht sogar schon in die Gründung hineingehen, um schon meine ersten Expertisen oder Referenzen aufzubauen. Es gibt auch Gründer und Gründerinnen, die haben sozusagen sich ausprobiert. Die haben noch nicht offiziell gegründet, aber die haben halt schon, einfach um ihr Dienstleistungsangebot auch ein Stück weit zu testen, für andere Ein Personenunternehmen für andere, KMU oder wie auch immer, etwas getan, geleistet und die Gegenleistung war zum Beispiel die Referenz.

Speaker 1
06:04 - 06:25
Wo man sagt, ich mache es nicht komplett gratis, sondern ich gebe einen kleinen Teil, ich probiere und hätte eine Referenz, die ich dann auch verwenden darf. Also ich würde das auch vollkommen unterschreiben. Wir brauchen andere Wege als die Lüge. Es heißt nichts umsonst, Lügen haben kurze Beine.

Speaker 1
06:25 - 06:40
Und zwar auch deswegen, weil es eh so wahnsinnig schwierig ist, sich Vertrauen aufzubauen im Onlinespace. Aber wenn dir dann jemand mal draufkommt, dass du gelogen hast, Dieses Vertrauen ist sofort weg. Ist der gebrannt, Marc? Sowieso.

Speaker 1
06:40 - 07:18
In meiner Ausbildungswelt, wer mich kennt, wer das weiß, ich habe nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine systemische Ausbildung. Und da war ganz stark, gerade in Österreich, der Coachingbegriff ist nicht geschützt. Und da streiten sich im Hintergrund die Lebens- und Sozialberaterinnen mit den Unternehmensberaterinnen, wer jetzt wie Coaching anbieten darf, das auf seine Webseite schreiben darf und wo sozusagen da die exakte Grenze ist. Und wenn du jetzt hergehst und sagst, ja und ich bin jetzt Unternehmensberaterin, ist ein reglementiertes Gewerbe.

Speaker 1
07:19 - 07:42
Man muss halt aufpassen. Wenn dir jemand draufkommt und sagt, Sie haben ein freies Gewerbe, Sie haben ein Handelsgewerbe angemeldet, wieso verkaufen Sie immer Unternehmensberatung? Ein ganz krasses Beispiel. Beziehungsweise, ich habe jetzt Beratungen, Coachings etc. gemacht, die da hart an der Grenze Richtung Lebens- und Sozialberatung oder noch härter an der Grenze Richtung Psychotherapie gehen.

Speaker 1
07:43 - 07:58
Da muss ich aufpassen. Das fliegt mir dreimal am Kopf. Das stimmt und gleichzeitig muss man auch so ehrlich sein, wenn man jetzt unsere Branche, die Gründungsberater, als Beispiel hernimmt. Sind wir uns ehrlich, was wäre denn besser, Camillo?

Speaker 1
07:58 - 08:10
Wenn wir sagen könnten, wenn du beim nächsten Mal mit uns sprichst, geben wir dir einen Weg, wie du sicher 10.000 Euro im Monat verdienen wirst. Ja, das wäre sozusagen die Lüge, weil das haben wir nicht, das kann nicht sein. Also sechsstellig. Ja, sechsstellig.

Speaker 1
08:10 - 08:26
Sonst würde keiner kaufen. Richtig. Also wir zeigen dir den Weg, wie du innerhalb kürzester Zeit sicher sechsstellig verkaufen wirst. Das ist natürlich das bessere, im Sinne von attraktivere, verlockendere Angebot, als wenn man sagt, wir reden mal, wir schauen uns das an und dann schauen wir, was möglich ist.

Speaker 1
08:26 - 08:50
Aber das ist das Ehrlichere. Aber das Ehrliche wird es immer schwer haben gegenüber das Wünschenswerte, gegenüber das vielleicht auch übersteigerte, aber gegen das, wo die Sehnsucht am größten ist. Und deswegen arbeiten wir Du kennst ja keinen Gründer oder Gründerin, die sich jetzt im 100-Euro-Stundensatzbereich bewegt auf einen sechsstelligen Umsatz in kürzester Zeit. Ehe nicht.

Speaker 1
08:51 - 09:23
Weil das Kundensegment das ja gar nicht hergibt. Ehe nicht. Selbst wenn du 1000 Euro verlangst tagsatz oder 2000 Euro tagsatz, machst du auch keinen Sprung, dass du plötzlich einen sechsstelligen Umsatz in den nächsten Monaten generieren kannst, weil du als Soloselbstständige Person mit dem Kundenklientel, das du gerade hast, das einfach nicht da leistest. Da fehlt dir die Zeit, also vom Jahr, vom Monat und auch sozusagen das Geld, die Rechnung, die ich hier stellen müsste, um auf diese Werte zu kommen.

Speaker 1
09:23 - 09:30
Ja, gibt ja vollkommen recht. Und gleichzeitig wäre es trotzdem das Schöne an Versprechen. Das attraktivere. Das catcht.

Speaker 1
09:30 - 09:51
Genau. Also das, was am meisten Aufmerksamkeit bekommt, ist nicht das ehrliche, langweilige Versprechen, sondern das, was eben einschlägt, was übertrieben ist und so weiter. Und deswegen verstehe ich es, das ist die Eingangsfrage ja gewesen, muss ich lügen, um erfolgreich zu sein? Muss ich übertreiben, um wahrgenommen zu werden?

Speaker 1
09:51 - 10:36
Ehrlich gesagt, man hat den Eindruck, im Online-Space schon, gerade im Bereich der Beratung und Coaching und so weiter, dass das schon irgendwie zur Norm geworden ist, dass man, wenn man einfach nur normal und ehrlich ist, man völlig untergeht im Geschrei der Überbietungen der Möglichkeiten und Versprechen. Auch wenn natürlich substanziell nie was dahinter ist. Was ich jetzt aber schon mitgeben möchte, und das habe ich auch meinen Gründern und Gründerinnen mitgegeben, man kann an den Formulierungen schon feilen. Also man kann schon kreativ sein und an den Formulierungen auf der Webseite, an dem wie man vielleicht zu seinen Referenzen kommt oder wie man sich eben darstellt und präsentiert, schon ein Stück weit feilen.

Speaker 1
10:36 - 11:10
Da kann man sich auch helfen lassen, da gibt es Beratungen, da kann man sich vielleicht mal mit anderen Personen, anderen Unternehmen, UnternehmerInnen unterhalten oder sich ein bisschen was abschauen. Das heißt, man kann da schon ein bisschen in den Graubereich hineinarbeiten, auch halt mit Maß und Ziel und dass es auch zur eigenen Person oder zum Dienstleistungsangebot passt. Genau, also man kann sich schon im Bereich des Copywriting, das heißt des Texten mit Verkaufsabsicht im Verkauf, in der Darstellung, in der Präsentation schon optimieren. Ja, absolut.

Speaker 1
11:10 - 11:42
Dafür gibt es ja auch Marketingstrategie oder Markendesign, wo man sozusagen da vielleicht Personen findet, die einen genau bei dieser Außendarstellung vielleicht unterstützen können. Und trotzdem bei der Wahrheit bleiben. Richtig. Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, wenn dir diese Folge gefallen hat, wir freuen uns, dass uns das gelungen ist und würden uns noch mehr freuen, wenn du eine Person in deinem näheren Umfeld von diesem Podcast Leib und Gründen erzählst.

Speaker 1
11:42 - 12:04
Wenn du etwas von uns lesen möchtest, dann gibt es auch die Möglichkeit, sich einen Newsletter von uns zu gönnen. Lieber Günther schreibt ihn pro Woche, jeden Samstagvormittag kommt er raus. Und ja, ist, glaube ich, ein ganz guter Inhalt dabei. Wir treffen uns wieder nächste Woche, lieber Camillo.

Speaker 1
12:04 - 12:11
Auf das freue ich mich schon. Dann sprechen wir wieder über ein laberndes Gründungsthema. Und bis dahin, bleibt labernd.