"Gerade alles zu viel?" ist eine Audio-Reihe von Pfalz gibt Halt für Menschen, die sich gestresst, erschöpft oder überfordert fühlen.
Hallo, mein Name ist Felicitas Heyne, ich bin Diplom-Psychologin. Schön, dass Sie hier sind — bei Pfalz gibt Halt.
Vielleicht hören Sie diesen Audio-Impuls, weil Ihnen gerade alles ein bisschen zu viel ist.
Vielleicht war es nur diese eine Frage: „Gerade alles zu viel?“ — und Sie haben gedacht: Ja. Genau so fühlt es sich an.
Dann nehmen Sie sich jetzt doch gern ein paar Minuten. Sie müssen nichts leisten. Sie müssen sich nicht konzentrieren wie in einem Vortrag. Hören Sie einfach zu. Vielleicht ist ja ein Gedanke dabei, der Ihnen hilft, das, was gerade los ist, ein kleines bisschen besser einzuordnen.
Wenn Menschen sagen: „Mir ist alles zu viel“, dann klingt das manchmal sehr allgemein. Ein bisschen vage. Aber in Wirklichkeit steckt oft viel dahinter.
Da ist vielleicht die Arbeit. Der Termindruck. Die Verantwortung. Das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen.
Da ist die Familie. Kinder, Partner, Eltern, vielleicht pflegebedürftige Angehörige. Menschen, um die man sich kümmert. Menschen, für die man mitdenkt.
Da sind Geldsorgen, Gesundheitsfragen, die allgemeine Weltlage, Krisen, Entscheidungen.
Und dann sind da noch all die kleinen Dinge, die für sich allein gar nicht dramatisch wären: ein voller Wäschekorb, ein unbeantworteter Anruf, ein Arzttermin, der organisiert werden muss, ein Formular, das seit Tagen auf dem Tisch liegt.
Das Problem ist selten eine einzige Sache.
Das Problem ist meistens die Summe.
Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man merkt: Ich kann nicht mehr alles gleichzeitig stemmen.
Dieses Gefühl von Überforderung ist erst einmal ein Signal. Ein Signal von Seele und Nervensystem: Da ist etwas zu viel, zu lange, zu dicht.
Unser Körper ist eigentlich ziemlich gut darin, mit Stress umzugehen. Für kurze Zeit kann er das sogar hervorragend. Wenn etwas Wichtiges ansteht, können wir enorme Kräfte mobilisieren. Wir werden wacher, schneller, angespannter. Wir schaffen sogar Dinge, die wir uns vorher vielleicht gar nicht zugetraut hätten.
Das ist also nicht das Problem.
Schwierig wird es, wenn die Anspannung nicht mehr richtig nachlässt. Wenn nach dem einen Stressmoment direkt der nächste kommt. Wenn man abends zwar auf dem Sofa sitzt, aber innerlich immer noch weiterläuft. Wenn der Körper müde ist, aber der Kopf nicht aufhört zu rattern.
Und viele Menschen merken erst spät, dass sie schon lange im roten Bereich unterwegs sind.
Am Anfang schläft man vielleicht schlechter. Man ist schneller gereizt. Man vergisst Kleinigkeiten. Man fühlt sich morgens nicht richtig erholt. Man denkt: Ach, das geht schon wieder vorbei.
Dann kämpft man weiter. Reißt sich zusammen. Macht noch ein bisschen mehr. Sagt weiter Ja, obwohl man Nein meint. Verschiebt die eigenen Bedürfnisse auf später.
Und irgendwann merkt man: Ich funktioniere nur noch.
Falls Sie dieses Gefühl kennen, nehmen Sie es ernst.
Denn dieses „Ich funktioniere nur noch“ ist oft ein Hinweis darauf, dass der Kontakt zu sich selbst gerade zu kurz kommt. Man erledigt. Man reagiert. Man hält durch. Aber man spürt kaum noch: Was brauche ich eigentlich? Was tut mir gut? Was ist mir zu viel? Wo ist meine Grenze?
Vielleicht ist deshalb genau das für den Moment die wichtigste Frage, die Sie sich stellen sollten: Nicht „Wie kriege ich noch mehr geschafft?“, sondern: „Was passiert hier gerade mit mir?“
Sie müssen darauf nicht sofort eine perfekte Antwort finden.
Es reicht, wenn Sie für einen Augenblick innehalten.
Vielleicht könnten Sie sich mal fragen:
Was fühlt sich für mich gerade am schwersten an?
Ist es die Menge der Aufgaben?
Ist es ein bestimmter Mensch?
Ist es eine Sorge, die immer wiederkommt?
Ist es die Verantwortung für jemanden, der Ihre Hilfe braucht?
Oder ist es das Gefühl, mit allem allein dazustehen?
Schon diese Unterscheidung kann helfen. Denn „alles“ ist ein großes Wort. Aber wenn wir genauer hinschauen, wird aus „alles“ vielleicht: diese eine Entscheidung. Dieses eine Gespräch. Diese eine Verpflichtung. Diese eine Angst. Dieser eine Punkt, an dem ich Unterstützung brauche.
Und damit wird es ein kleines bisschen greifbarer.
Bitte verstehen Sie diesen Audio-Impuls nicht als Aufforderung, jetzt sofort Ihr ganzes Leben umzukrempeln. Das ist er nicht.
Es geht erst einmal um einen kleinen Moment von Klarheit.
Vielleicht nur um die Erkenntnis:
Nein, ich muss mich nicht einfach nur noch mehr zusammenreißen. Ich darf erst einmal anerkennen: Es ist gerade zu viel.
Das ist ein Unterschied.
Denn wenn ich denke: „Ich müsste mich einfach nur mehr zusammenreißen“, werde ich hart mit mir. Dann mache ich mir Vorwürfe. Dann schäme ich mich vielleicht sogar dafür, dass ich nicht mehr kann.
Wenn ich aber denke: „Es ist gerade zu viel“, dann kann ich anfangen, die Situation anzuschauen. Nicht mit mir stimmt etwas nicht — sondern die Belastung ist gerade zu groß.
Und dann wird auch Hilfe möglich.
Vielleicht heißt Hilfe erst einmal ja nur: heute mal eine Sache weniger machen.
Vielleicht heißt es: jemandem sagen, dass es mir gerade nicht gut geht.
Vielleicht heißt es: einen Termin bei meiner Hausärztin oder meinem Hausarzt vereinbaren, wenn Schlaf, Erschöpfung oder innere Unruhe schon länger anhalten.
Vielleicht heißt es auch: mich zu informieren, welche Beratungs- oder Unterstützungsangebote es in meiner Nähe gibt.
Und falls Sie gerade in einer akuten Krise sind, wenn Sie Angst haben, sich selbst etwas anzutun, oder nicht mehr sicher sind, ob Sie die nächsten Stunden gut überstehen: Dann warten Sie bitte nicht ab. Bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie bitte den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge erreichen Sie kostenfrei rund um die Uhr unter 116 123. Und wenn Sie dringend ärztliche Hilfe brauchen, aber kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt, wählen Sie 116 117. Zögern Sie nicht. Dafür sind diese Angebote da.
Für den Moment, wenn es bei Ihnen noch nicht ganz so akut ist, aber doch schwer: Probieren Sie doch, wenn Sie mögen, mal etwas ganz Einfaches aus. Stellen Sie beide Füße auf den Boden. Spüren Sie kurz, dass der Boden Sie trägt. Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch oder locker auf Ihren Oberschenkel.
Atmen Sie durch die Nase ein und zählen Sie dabei innerlich bis drei. Dann atmen Sie langsam durch den Mund aus und zählen dabei bis fünf.
Gar nicht besonders tief. Nur etwas länger ausatmen als einatmen.
Noch mal: einatmen — zwei — drei. Ausatmen — zwei — drei — vier — fünf.
Und sagen Sie sich innerlich:
Ich muss jetzt nicht alles lösen. Ich darf jetzt erst einmal merken, dass es zu viel ist. Und ich darf mir den nächsten kleinen Schritt suchen.
Auf der Webseite zu diesem Audio finden Sie weitere Impulse und erste Anlaufstellen für Sie.
Denn genau darum geht es hier bei Pfalz gibt Halt.
Zuhören. Verstehen. Weiterfinden.