8. August 1991: Die letzte große Etappe. Verpasste Radwege, die schöne Meiningenbrücke, ein endloser abgestellter Güterzug, sandige Abkürzung, Regen — und ein Bushäuschen, das kurze Schutz bietet. Abends in Ribnitz-Damgarten: Zimmer, Abendessen, Eis am Jachthafen. Fahrkarten in der Tasche. Der Zug geht um 5:25 Uhr.
Dieser Podcast ist für Bernd. Es gibt immer wieder Folgen zu Themen, die ihn interessieren.
Regenzeug bis Ribnitz
Folge 9 | Erinnerung vom 1991-08-08
Geschichten mit Bernd | Ein Podcast von Matthias
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[00:08] Erzähler: Ein Bushäuschen. Regenzeug. Draußen regnet es, und die Gruppe hat noch zwanzig Kilometer vor sich. Das ist nicht der romantische Schlusspunkt einer Ostseetour. Aber es ist der echte.
[00:20] Gesa: Abenteuer enden selten mit Sonnenuntergang.
[00:23] Erzähler: Selten. 8. August 1991, zehnter Tag. Die Gruppe verlässt Wieck auf dem Darß. Es ist die letzte große Etappe — nach Ribnitz-Damgarten. Verpasste Radwege, ein endloser Güterzug, sandige Abkürzung, dann Regen. Und trotzdem gibt es an diesem Tag noch zwei Bilder, die hängen bleiben.
[00:42] Gesa: Das Bushäuschen ist das eine — was ist das andere?
[00:45] Erzähler: Ein Abend in Ribnitz mit Zimmer, Abendessen und Eis am Jachthafen. Diese beiden Bilder sind kaum weiter auseinander — zusammen ergeben sie die Folge.
[00:55] Erzähler: Die erste Stunde der Etappe hat es in sich. Verpasste Radwege — man fährt zu weit, muss zurück. Dann die Meiningenbrücke: ein schöner Übergang, aber davor liegt ein Güterzug. Endlos. Abgestellt. Man wartet.
[01:09] Gesa: Ein abgestellter Güterzug als Reisehindernis.
[01:12] Erzähler: Das Tagebuch erwähnt ihn. Wer etwas im Tagebuch erwähnt, hat darauf gewartet. Das dauert manchmal.
[01:18] Gesa: Und die sandige Abkürzung — funktioniert das?
[01:21] Erzähler: Meistens nicht so gut wie erhofft. Man sieht auf der Karte einen Weg, der direkter ist. Man fährt rein — und er wird zum Sandweg, der das Rad bremst und die Füße nass macht. Aber man hat sich entschieden und fährt durch. So war das öfter auf dieser Tour.
[01:38] Gesa: Improvisation als Reisestil.
[01:40] Erzähler: Nicht als Stil. Als Konseqünz. Man plant, die Tour korrigiert, man folgt. Das ist der Takt einer mehrtägigen Radtour ohne Navigation.
[01:49] Gesa: Und dann der Regen.
[01:50] Erzähler: Dann der Regen. Erstmal das Regenzeug anlegen — das hatten sie dabei, gut. Dann weiterfahren. Und irgendwann das Bushäuschen: kurze Rast, Schutz für die letzten Vorräte, dann raus. Man schützt sich kurz und zieht dann weiter. Das ist alles.
[02:07] Erzähler: Ribnitz-Damgarten ist dann ein echter Wechsel: Zimmer. Nicht Zelt. Vier Wände, ein Dach, das nicht in Bewegung gerät. Das klingt selbstverständlich — nach zehn Tagen Zelt ist es das nicht.
[02:19] Gesa: Wie fühlt sich das an — nach so vielen Tagen draußen?
[02:23] Erzähler: Still. Sehr still. Keine Geräusche von anderen Zelten, kein Wind gegen Nylon. Man legt sich hin und weiß: Das hier bewegt sich nicht. Das ist ein kleiner Luxus, der sehr groß wirkt.
[02:35] Gesa: Und davor: Abendessen und Eis am Jachthafen.
[02:38] Erzähler: Genau. Abendessen, dann Eis am Jachthafen von Ribnitz-Damgarten. Die Fahrkarten für den nächsten Morgen sind schon in der Tasche. Das ist ein ruhiger Moment zwischen Etappe und Aufbruch. Man ist angekommen — aber nur für eine Nacht.
[02:54] Gesa: Eine kleine Feier ohne großes Aufhebens.
[02:57] Erzähler: So schließen sich die besten Reisen: nicht mit einem großen Finale, sondern mit einem ruhigen Abend, an dem man merkt, dass es genug war. Jetzt kann man wieder nach Hause.
[03:08] Gesa: Und der Zug um 5:25 Uhr — ist das ein guter Schlussakkord?
[03:12] Erzähler: Der beste. Kein romantisches Ausschleichen. Der Zug fährt um 5:25 Uhr, fertig. Man schläft ein paar Stunden, steht im Dunkeln auf, und fährt nach Hamburg. Das ist eine nüchterne Wahrheit über das Ende von Abenteuern: Sie enden nicht mit Stimmung, sie enden mit Fahrkarten und frühem Aufstehen.
[03:32] Gesa: Und das fühlt sich verdient an.
[03:34] Erzähler: Ribnitz-Damgarten, 9. August 1991, 5:25 Uhr. Zwölf Tage, Ostsee, vier Männer, eine Menge nasses Zeug. Zug nach Hamburg.
[03:43] Erzähler: Das war Geschichten mit Bernd. Wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert den Podcast — und wir hören uns beim nächsten Mal.
[03:51] Erzähler: Geschichten mit Bernd. Leben, Handwerk und Geschichten aus vielen Jahrzehnten.
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Ende der Folge. Ca. 03:56 geschätzt.