Am 30. Juli 2009 geht Bernd mit Matthias, Iohann und Lara in die Aareschlucht. Ein Familienausflug zwischen gesicherten Stegen, sehr altem Fels, gelben Regencapes und dem ziemlich direkten Gefühl, wie klein man in so einer Schlucht wird.
Episode 2 • Erinnerung vom 2009-07-30 Duration: 3:53
Am 30. Juli 2009 geht Bernd mit Matthias, Iohann und Lara in die Aareschlucht. Ein Familienausflug zwischen gesicherten Stegen, sehr altem Fels, gelben Regencapes und dem ziemlich direkten Gefühl, wie klein man in so einer Schlucht wird.
Erst hörst du nur Wasser. Dann merkst du, wie eng es wird, obwohl der Weg ganz ordentlich gebaut ist. Die Aareschlucht zeigt auf kleinem Raum, wie Schweizer Ordnung und rohe Natur nebeneinanderstehen – und warum Kinder so einen Ort oft schneller kapieren als Erwachsene.
Geschichten mit Bernd ist ein von Matthias kuratierter und produzierter Podcast über Erinnerungen, Handwerk, Reisen, Familie und Lebensgeschichten rund um Bernd. Jede Folge beginnt bei einem konkreten Moment und öffnet daraus ein größeres Fenster in Geschichte, Kultur, Orte und verschwindende Welten.
Dieser Podcast ist für Bernd. Es gibt immer wieder Folgen zu Themen, die ihn interessieren.
Aareschlucht: kalter Fels, Holzstege, zwei Kinder vorneweg
Folge 2 | Erinnerung vom 2009-07-30
Geschichten mit Bernd | Ein Podcast von Matthias
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[00:10] Erzähler: Du hörst das Wasser zuerst. Nicht schön plätschernd, eher so, als würde es irgendwo unten gegen Stein gedrückt. Und dann gehst du um die Kurve und merkst: Aha. Hier wird es eng. Juli 2009, Bernd mit Matthias, Iohann und Lara, sieben und fünf Jahre alt, kurz vor der Aareschlucht.
[00:33] Gesa: Mit Kindern klingt das erst mal mutig.
[00:36] Erzähler: Sie laufen ja nicht frei über Geröll. Da sind Stege, Tunnel, Geländer, alles ordentlich. Aber genau das macht den Ort gut: Du gehst sehr gesichert durch etwas, das komplett ungezähmt aussieht.
[00:52] Erzähler: Auf einem Foto geht Bernd mit einem Kind an der Hand auf den Eingang zu. Dunkles Holzhaus, Felswand, ganz normaler Ausflug. Zwei Minuten später ist es kühl, laut und ziemlich beeindruckend.
[01:08] Erzähler: Die Aareschlucht liegt bei Meiringen, ist rund anderthalb Kilometer lang und seit dem späten 19. Jahrhundert begehbar. Irgendwann hat also jemand beschlossen: Da bauen wir einen Weg rein. In diesen Fels. Für normale Leute.
[01:27] Gesa: Was sehr schweizerisch ist.
[01:29] Erzähler: Ja. Das Schild "Aareschlucht Ost" steht da ganz sachlich mit Richtungen zur Bahn und nach Meiringen. Und daneben hängt schon die Feuchtigkeit in der Luft. Für Erwachsene ist das Geologie. Für Kinder ist das erst mal: Höhle. Abenteuer. Mal anfassen.
[01:50] Gesa: Und die gelben Capes?
[01:51] Erzähler: Die sind super auf den Fotos. Leuchtend gelb in dieser graün, nassen Passage. Wahrscheinlich Schutzwesten oder Regencapes. Jedenfalls sehen die Kinder damit aus, als würden sie gleich in einen Berg hineinmarschieren.
[02:10] Erzähler: Geologisch ist der Ort ziemlich klar: Nach der letzten Eiszeit hat sich Schmelzwasser mit enormer Kraft durch den Kalkstein gearbeitet. Sehr langsam, sehr gründlich. Deshalb ist das unten so schmal und oben so hoch.
[02:28] Gesa: Nur ein Meter an der engsten Stelle. Das ist schon absurd.
[02:32] Erzähler: Und du spürst es körperlich. Selbst Ende Juli ist es da drin kühl. Nicht symbolisch kühl. Wirklich kühl. Die Sonne kommt kaum runter, das Wasser hallt, und der Fels ist so nah, dass man automatisch langsamer läuft.
[02:50] Gesa: Und ein paar Kilometer weiter stirbt Sherlock Holmes.
[02:55] Erzähler: Genau. Reichenbachfälle, Conan Doyle, Moriarty, alles gleich in der Gegend. Völlig andere Geschichte, aber so ein Detail bleibt natürlich hängen, wenn du da mit der Familie unterwegs bist.
[03:11] Gesa: Was bleibt Bernd da eher im Kopf – die Naturgewalt oder dieses Familienbild davor?
[03:18] Erzähler: Eher das Zusammenbringen von beidem. Der große Fels ist da, klar. Aber auf den Fotos sieht man auch, wie Bernd ein Kind an der Hand hält, ruhig, ohne großes Getü. Das passt erstaunlich gut zu so einem Ort.
[03:35] Gesa: Nicht heroisch. Einfach verlässlich.
[03:38] Erzähler: Ja. Und am Ende sehe ich nicht zuerst die 200 Meter Wand. Ich sehe einen nassen Holzsteg, gelbe Capes und eine kleine Hand, die kurz ans Geländer fasst, bevor es weitergeht.
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Ende der Folge. Laufzeit 03:53.