Schön & Wider.

S/W031 Ein Gastronom mit über 200 Mitarbeitern kauft eine kleine Druckerei in Brandenburg – jemand von außen, ohne familiäre Bande, was in dieser Branche fast nie vorkommt. Für Thomas und Veit ist das der Anlass für ein Gedankenexperiment: Wenn wir beide heute auf der grünen Wiese eine T-Shirt-Fabrik gründen würden – in welcher Reihenfolge gingen wir vor? Erst den Markt abstecken, dann einen Prototypen bauen und ihn bei echten Firmen testen, dann das Pricing verifizieren, dann die Vertriebsstrategie – und ganz zuletzt die Maschine kaufen. Also genau andersherum als die Branche es tut. Veit nennt das ihre große Krankheit und legt nach: Du kaufst Emotionen und rechtfertigst sie hinterher mit Zahlen. Außerdem: warum Positionierung nicht heißt, unpassende Aufträge abzulehnen, und wie frei man mit Bankraten und Wartungsverträgen überhaupt noch entscheidet.

Hosts:
Veit Rudolph
https://www.linkedin.com/in/veit-rudolph-407622292/
https://www.rudolphdruck.de/

Thomas Karcher
https://www.linkedin.com/in/thomas-karcher/
https://bittebesonders.de/


What is Schön & Wider.?

Schön & Wider. - der Podcast über die deutsche Druckindustrie. Alle zwei Wochen sprechen Veit Rudolph (Rudolph Druck) und Thomas Karcher (Butz & Bürker) über den State of the Print Industry: Digitaldruck und Inkjet, Papierpreise und -beschaffung, Online-Print, Automatisierung und KI, M&A und Branchennews, Mitarbeiterführung, Prozesse und Kalkulation. Meinungsstark und praxisnah - aus der Branche für die Branche.

Guten Morgen und herzlich willkommen zu Schön & Wider deinem Podcast für die Printindustrie und auch dir guten Morgen, lieber Veit.

Servus, Thomas.

Schön, dass wir wieder zusammen sitzen.

Ich freue mich wahnsinnig.

Wie ist es bei dir so? Bei uns ist gerade ein bisschen ein Sommerloch.

Es gibt nicht viel Neues zu berichten.

Hast du was?

Ich bin in Betriebsferien eigentlich und hab mich jetzt heute Morgen aus dem Bett gequält, weil das der einzige Termin ist, den ich in dieser Woche...

tatsächlich nicht nur wahrnehmen muss, sondern auch wahrnehmen will. Wir sind bei Folge Nummer 31 und zwar ohne eine Unterbrechung Urlaub.

Abwesenheiten, Trips in andere Städte haben uns alle nicht davon abgehalten. Deswegen habe ich gesagt, fahre ich auch heute. Du hast nur dankenswerterweise zugestimmt, dass wir nicht um 6.30 Uhr, sondern um 7 Uhr anfangen.

Die halbe Stunde gönne ich dir in deinem Urlaub, Thomas.

Toll.

Tausend Dank.

Viele Bewegungen, wie immer.

Ähm...

Markt ist viel in Bewegung und ich glaube, du hast...

ein besonderes Schwankerl gefunden.

Ich war ein bisschen auf Instagram unterwegs, weil...

Ähm...

Ja, einfach so. Und habe einen neuen Kollegen gefunden, den ich dir gestern Abend schon zugeschickt habe.

Und zwar Redo XXL Schnitzel, man hat sich eine kleine Druckerei gekauft.

René Dorst, mit Sicherheit ein polarisierender Typ, wenn du Social Media...

benutzt, dann musst du dem schon mal über den Wege laufen sein. Gastronom.

Eine Gruppe mittlerweile mit über 200 Mitarbeitern, jenseits der 20 Millionen Umsatz, hat jetzt eine Trugerei in Brandenburg gekauft.

Ja.

Wir haben einen echten Promi als Druckereibesitzer, als Kollegen.

Da kann man aber sagen, herzlich willkommen bei uns in der Branche.

passiert ja nicht allzu oft, dass Branchenfremde zu uns reinkommen, die dann auch noch eine gewisse Reichweite mitbringen.

Ja, und...

Wie verrückt muss man sein?

um eine Druckerei zu kaufen, Thomas?

Weiß ich nicht, wir haben die Diskussion schon relativ häufig. Ich habe auch...

ein bisschen drüber nachgedacht.

Wie viele neue Druckereien machen auf? Also so komplett neu auf? Da ist ein Unternehmen, das gab es vorher nicht. Dann wird eine leere Halle angemietet und dann wird diese Halle mit Leben und Maschinen befüllt.

Weiß ich.

Sollten wir mal einen Verband fragen, ob es da Zahlen gibt?

Das ist wahrscheinlich einstellig, die Zahl.

Ja.

im Bundesgebiet.

Ja.

Und da muss ich immer an unseren Kumpel André denken.

Er ist die einzige Person...

die mir bekannt ist.

Die...

in den letzten fünf Jahren eine Trugerei aufgemacht oder übernommen hat und keine familiäre Bande hat. Ich meine, wenn wir bei den Druckmachern mit reinschauen.

Das sind...

Alle?

Ich meine alle.

Irgendeine Art und Weise familiäre Nachfolger.

Ja, nee.

Der Martin ist auch reingeschmeckt, wie man in Franken sagt.

Der kommt, glaube ich, auch

nicht aus der Familie und hat den Laden jetzt übernommen.

Okay.

Weißt du, was du meinst? Das ist schon sehr selten, dass jemand...

ohne familiäre Verpflichtungen freiwillig in die Druckbranche ein.

Wir haben das ja irgendwie mit der Muttermilch aufgesogen, kann man nicht anders sagen. Ich mache das in der dritten Generation, du machst das in der zweiten Generation.

Wir haben wenig anderes gesehen und ich wollte auch wenig anderes sehen.

Deswegen war der Weg für mich immer ganz klar, aber...

Außerhalb von diesem...

Kann man schon sagen, typischen Weg sieht man das nicht so arg oft, dass quasi...

frisches Personal von außen kommt. Kann man das so sagen?

Ja.

Das kann man so sagen.

Allein das ist schon bemerkenswert.

Erkenntnis?

Ja.

A sua...

Eine Ahnung, was Rido...

Duff.

vorhat?

Also...

Ich habe das Instagram-Video gesehen und verkaufte jetzt...

So Leinwandbilder mit...

so Motivationssprüchen und

Die Zeit.

Alles ziemlich verrückt, so in seinem Style.

Ja.

Nicht unbedingt mein Geschmack, aber ich kann mir vorstellen, bei dem Publikum

Kann das schon gut ankommen?

Und er hat natürlich, was du ja auch gemeint hattest,

auch eigene Firmen mit dir gut mit dem Thema Werbetechnik.

Ja, total. Ich meine, guck mal, er ist Gastronom.

Mit nur...

Was hast du für einen

Werbe...

Bedarf!

Allein schon über die ganzen Restaurants, die er da betreibt, überall Schaufensterbeklebung, Fahrzeugbeklebung, das ganze Thema Workwear ist mit Sicherheit interessant. Ich habe so ein bisschen recherchiert auch, was ist das für eine Firma, die er da gekauft hat.

Es ist in Brandenburg auf dem Land. Das heißt, es gab nicht so arg viele Kandidaten, die da in Frage kommen, was er da übernommen hat. Ich gehe davon aus, dass er da eine Werbewerkstatt aus der Insolvenz rausgekauft hat. Großformat, Drogpiste, Textilgeschichten und so weiter. Also ich glaube, rein neben diesem neuen Geschäftsfeld, was er da...

aufbauen kann mit seinen

Das ist ein Burge im Prinzip.

Äh...

hat er im Prinzip interne Kapazitäten geschaffen, um...

den Werbedruck, den er erzeugen muss, auch

tatsächlich im Haus umsetzen zu können.

Ja, ich frag mich...

Also ich würde da gerne mal reinschnuppern und mal schauen, was der wirklich so macht und wie er das Ganze angeht.

Aber was ich mir bei dem Gedanken...

überlegt habe ist

Können wir ihm überhaupt irgendwas sagen und Tipps geben für die Druckbranche oder ist es vielleicht sogar andersrum?

Weil wenn jemand jetzt so von...

extern kommt.

und komplett frisch an die Sache rangeht.

geht er ja komplett auch anders ran

Ja.

Und ist so natürlich auch erstens vielleicht...

ganz anders auffindbar.

hat ein ganz anderes Konzept und eine ganz andere Philosophie als die eingefahrenen.

Kollegen.

Nee, ich glaub...

was er zumindest schon mal macht, was

die meisten Drucker ja per Definition nicht machen. Er denkt vom Produkt her. Er hat ja einen Bedarf.

Er möchte diese Kunstwerke erzeugen.

äh,

die Werbetechnik.

Und...

Ganz ohne Romantik wird er ja erstmal schauen, wo kriege ich...

Also wie kriege ich das...

Umgesetzt so, um meine Produkte umsetzen zu können. Wir als Drucker...

Wir denken ja immer ein bisschen anders. Wir sind eine Druckerei und es ist wichtig, dass wir als kleine Akzidenzdruckerei auch noch vom Markt wahrgenommen werden und die Produkte. Daher machen wir halt, was der Kunde von uns fordert. Das ist ja hier...

Er sucht ja...

Ich würde mich gerne auch mal tatsächlich mit ihm unterhalten, um zu verstehen, was so die Beweggründe sind. Aber so von der Seitenlinie aus betrachtet, sieht es ja schon wie ein logischer, strategischer Schritt aus. Es ist keine große Firma, ich schätze, dass da irgendwie keine Ahnung...

Ein bis fünf Leute irgendwie mit dranhängen oder so. Viel größer wird das nicht sein.

Und...

Da hast du ja lakuder Bedarf.

zu erfüllen.

Ja.

Das ist ja anders, also die Tipps, die wir ihm geben könnten, ist ja eigentlich...

Ja, die...

Wie positionierst du dich am Markt? Aber das ist die große Frage. Will er überhaupt eine Druckdienstleistung am Markt positionieren oder braucht er Druckkapazität, um seinen Eigenbedarf auch für das Merch-Thema im Prinzip zu decken?

Ja.

Also ich glaube schon, dass es eher aus der Richtung kommt.

Ich glaube nicht, dass er sich gedacht hat, ich...

mache jetzt eine Druckerei auf und greife den Markt an, der...

Markt ist ja im Endeffekt

sagen wir mal, umkämpft, ist nett umschrieben, aber

Ich glaube...

So verrückt ist er jetzt nicht, dass er sich gedacht hat, ich kann den Druckmarkt aufmischen.

Er ist ein verrückter Typ, aber ich habe nicht das Gefühl, dass er ein verrückter Kaufmann ist.

Vielleicht...

Ne, das Gefühl habe ich wirklich nicht. Also ich glaube...

Der hat schon auch finanziellen Erfolg.

Sieht man ja.

Und...

Er fand es fast skurril, wie er da mit seinem Maybach...

vor dieser Hinterhofwerkstatt dann stand.

Und dann?

Ja, so...

Maybachs von Druckereien siehst du nicht so oft.

Ja.

Und das war eigentlich nur so ein Garagentürchen.

Ja.

Ja, also wir verlinken das Video auch mal. Es geht noch ganz kurz, glaube ich, 15 Sekunden oder sowas.

Ist schon erstaunlich, wie viel Aufmerksamkeit sowas zieht.

Und ich glaube...

Das ist glaube ich auch ein großer Unterschied zu den...

Kollegen und auch zur Branche, dass man

gar nicht so sehr guckt.

wie man nach außen wirkt, sondern mehr einfach möglichst...

aufmerksam stark in die Öffentlichkeit geht, um dann...

Das abzugreifen, damit man einfach...

Erfolg hat.

Ja, und ich meine, so verrückt wie er ist, das ist seine Persönlichkeit, die er da auch nach außen trägt.

Ich verfolge ihn ja schon eine ganze Weile. Es gibt das ja...

unterschiedliche Meinungen auch zu dem Charakter. Auch ich sage...

Ist es meine Art, wie ich Social Media machen würde?

Vermutlich, also nein, nicht vermutlich nicht, sondern

Nein, aber...

Ja.

Was man...

sehen muss, dass er seinen Charakter nach außen trägt und polarisiert. Und diese Polarisation sorgt dafür,

dass es Leute gibt, die ihn total geil finden und Leute auch gibt, die ihn halt nicht mögen. Aber das ist egal, weil wenn du erstmal in dieser Breite bekannt bist...

Ja, wenn dich irgendwie 15 Leute kennen und die finden dich alle okay, dann kennen dich 15 Leute. Wenn dich halt 5 Millionen kennen und davon findet dich die Hälfte scheiße, dann finden dich immer noch 2,5 Millionen cool. Weißt du, wie ich meine? Also da ist die Rechnung auch relativ einfach.

Ja.

Und...

Das ist glaube ich auch das was generell bei Social Media immer falsch gedacht wird.

Immer dieses, oh nein, ich kann das nicht, ich will das nicht, ich will nicht.

negativ auffallen. Ich glaube,

desto in der Regel sogar mehr negative

Oder zumindest in der...

Viele negative Kommentare, 50-50.

Du bekommst...

und da eigentlich durch muss damit die andere Hälfte die übrig bleibt

die auch

Dass die positiv zu dir gestimmt ist.

Tatsache ist, wenn du Reichweite aufbaust...

Und ich kann nur jedem raten, eigentlich weiter aufzubauen, weil es für jedes Geschäft gut ist, wenn man dich kennt.

Also dazu noch.

So.

Ein Podcast vom...

Vom JP Performance beim OMR, in dem er gesagt hat...

Gibt es den Gründer, den Geschäftsmann?

nicht als Marke

gibt es auf Dauer auch die Marke nicht mehr.

Da wird sich einiges verschieben, vor allem weil die Brands halt immer austauschbarer werden. Ich meine, das ist ja schon auch ein Thema, mit dem wir beide uns sehr intensiv beschäftigen.

Ich finde es...

Auf der einen Seite, wenn ich auch so meinen Instagram-Kanal angucke, dann sehe ich da...

Ganz...

oft oder überwiegend irgendwie mein Gesicht und

Mich nervt das fast schon ein bisschen, weil ich gern wieder mehr das Produkt in den Vordergrund stellen würde.

Auf der anderen Seite...

hilft es doch wahnsinnig auch

auch in Kontakt mit Leuten zu kommen.

Ja?

Ja.

Ich...

Weiß nicht, ob du es zukünftig noch schaffst als anonyme Marke.

ohne auch so ein bisschen Ecken und Kanten zu haben.

dich in einem Markt, der ja...

relativ gleich ist.

Ähm...

da herauszustechen und irgendwie Verbindungen mit Kunden aufzubauen, die über das reine, ich habe einen Bedarf und du kannst den Decken irgendwie hinweggehen.

Verständlich, was ich da meine.

Ja, ich glaube halt...

Wie willst du Aufmerksamkeit schaffen in dieser Welt? Gerade in Social Media ist es ja so, dass du

Dass du austauschbar bist und das nächste Bild, das ein bisschen interessanter ist.

wird dann wieder geklickt und geliked und

gefollowt und

desto mehr du auffällst.

Und desto mehr Ecken und Kanten du auch hast, desto besser...

ist es, um im Gedächtnis zu bleiben und dann zu sagen,

Ich wollte Visitenkarten drucken, gehe ich doch zum Thomas oder A?

Ich wollte mal wieder einen XXL-Schnitt essen, dann gehe ich mal zum René Redo.

Ja.

Ja.

Und ich glaube, das ist...

eigentlich, wenn ich so drüber nachdenke, wieder...

Die...

Gleiche Positionierungsfrage.

Jetzt vielleicht in der Personenmarke, die wir aber auch schon in der Druckerei besprochen hatten. Also Positionierung bedeutet ja...

dass du für irgendwas stehen möchtest. Und wenn du für irgendwas stehst, dann bedeutet das ja aber auch, dass du für ganz viel anderes nicht mehr stehst.

Und da haben ja viele Leute, auch ich kenne diese Angst zu sagen, wo wir angefangen haben mit

Bitte besonders, das auch im Logo zu tragen und zu sagen, wir machen die tollen Sachen.

Aber wie reagieren denn jetzt plötzlich die Leute, die keine tollen Sachen von uns wollen, die SD-Sätze wollen, die...

Wurstzettel, sagst du, immer gedruckt haben wollen. Hauptsache günstig, Hauptsache bunt.

Verschrecke ich die nicht auch ein Stück weit damit?

Und das ist wahrscheinlich auch zum Stück weit so, aber so funktioniert halt Positionierung. Du kannst nur...

scharf in deinem Bereich wahrgenommen werden, wenn du gleichzeitig auch die anderen Bereiche damit ein Stück weit hinter dir lässt. Das heißt jetzt nicht, dass ein Kunde, der seit 20 Jahren bei dir SD-Sätze drucken lässt, dass der sagt, oh.

Das ist ja gar nicht mehr...

Der, der...

der dafür Spezialist ist oder der bleibt dann immer noch. Es kann nur passieren, dass bei der nächsten Preiserhöhung, wenn du auch mal wieder eine Papierpreiserhöhung drin hattest oder selber mal anziehen musstest, dass er dann sagt, oh, jetzt klingt es mir aber langsam ein bisschen hoch, ich gehe mal ein bisschen gucken, ob der mit seinem Bitte besonders, ob der nicht vielleicht langsam ein bisschen weit weg ist von dem, was ich eigentlich brauche.

Bitte besonders günstig zum Beispiel.

Ja.

Sicher ist es also...

Ich gebe dir auf jeden Fall recht, dass man mehr abschneiden muss, als man wirklich anbietet.

Es fällt halt dann trotzdem aber auch immer schwer, wenn du in irgendwelchen Nöten oder Abhängigkeiten geraten bist.

die Entscheidung so zu treffen, dass du wirklich Nein sagst.

Weil...

Ja.

Du hast dich ja irgendwann mal entschieden zu sagen...

Ich mache dies, das, kaufe dafür diese Maschine.

Und...

bis dann Abhängigkeiten von Bankraten oder Verpflichtungen, finanziellen Verpflichtungen.

die du nicht einfach so ablehnen kannst, um zu sagen, ich mache jetzt gar keinen Job mehr, der das und das ist.

Es geht ja nicht ums Ablehnen.