Der Zeitnutzer Podcast - Strategisches Zeitmanagement für Menschen mit Verantwortung

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Auf jeder Aufgabenliste stehen Einträge, die schon lange dort stehen. Man liest sie nicht mehr richtig, man scrollt an ihnen vorbei, und trotzdem wandern sie Woche für Woche mit. Sie kosten keine Zeit, weil niemand sie anfasst. Sie kosten trotzdem etwas: Aufmerksamkeit und ein Stück Vertrauen in die eigene Liste.

In dieser Folge geht es darum, warum Streichen so schwerfällt und warum es trotzdem zu den wichtigsten Fähigkeiten im Zeitmanagement gehört. Der zentrale Gedanke: Du streichst längst, jeden Tag. Alles, was heute auf deiner Liste stand und heute nicht passiert ist, hast du faktisch gestrichen. Nur hast du es nicht entschieden, es ist dir passiert. Der Unterschied zwischen einer stillen und einer ausgesprochenen Streichung ist der, dass nur bei der zweiten das Nachdenken aufhört.

Dazu vier Gründe, warum das Streichen im Alltag ausbleibt (es fühlt sich nach Scheitern an, die Liste gilt als Gedächtnis, Streichen hat keinen festen Termin, die Vorarbeit will nicht umsonst gewesen sein) und fünf konkrete Ansätze, wie du dahin kommst: von unten lesen, drei Antworten statt vier, Trennung statt Löschung, echte Verpflichtungen vorher aussortieren und dem Streichen einen festen Platz geben.

Dazu zwei Einblicke in meine eigene Arbeitsweise: warum ich Aufgaben in Things verwerfe statt sie zu löschen, und warum ich das Aufräumen inzwischen nicht mehr in einem großen Wochenrückblick mache, sondern in der Tagesvorschau, mit ein paar fest zugeteilten Kategorien pro Wochentag. Zwei bis drei Minuten pro Kategorie reichen, und es sammelt sich gar nicht erst so viel an, dass ein großer Aufräumtag nötig wäre.

Die Mitnahme für diese Woche: Geh deine Liste einmal von unten durch und nimm dir jeden Eintrag vor, der älter als vier Wochen ist. Nicht verschieben, sondern entscheiden. Jetzt machen, neu formulieren oder streichen.

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What is Der Zeitnutzer Podcast - Strategisches Zeitmanagement für Menschen mit Verantwortung?

Du trägst Verantwortung, aber hast nie Zeit? Im Zeitnutzer Podcast erfährst du, wie du durch strategisches Zeitmanagement von reaktivem Abarbeiten zu bewusstem Gestalten kommst. Statt oberflächlicher Produktivitäts-Hacks bekommst du hier Impulse, die dir helfen, die Kontrolle über deine Zeit zurückzuerobern und gezielt voranzukommen.

Für Selbstständige, Unternehmer und Führungskräfte, die nicht noch mehr tun, sondern endlich das Richtige tun wollen.

Getreu meinem Motto: "Nutze deine Zeit, denn sie kommt nie wieder."

Hallo, hier ist Ivan Blatter, dein Begleiter für strategisches Zeitmanagement.

Hier findest du Klarheit, Fokus und Ruhe im Arbeitsalltag, damit du wiederführst,

statt getrieben zu sein.

Heute geht es um eine Fähigkeit, die auf kaum einer Liste steht und die trotzdem

eine der wirksamsten ist, die ich kenne. Es geht ums Streichen.

Nein, du sollst nicht dein Büro neu streichen oder sowas, sondern es gibt doch

beim Umziehen so ein Phänomen, vielleicht kennst du das. Du packst alles fröhlich

in Kisten, du ziehst um, du packst aus und ein paar Kisten bleiben zu.

Die stellst du dann in den Keller oder irgendwo ganz oben ins Regal,

aus den Augen, aus dem Sinn, weil jetzt gerade wirklich keine Zeit dafür ist.

Und beim nächsten Umzug, vielleicht so fünf Jahre später, beim nächsten Umzug

trägst du genau diese Kisten wieder runter, wieder in den Wagen,

wieder in den neuen Keller. Ungeöffnet.

Und irgendwann weisst du gar nicht mehr so genau, was drin ist.

Du schleppst sie aber trotzdem mit.

Und darum geht es mir. Denn deine Aufgabenliste hat auch solche Kisten.

Wenn du heute deine Liste mal ganz nach unten scrollst, also zu den ältesten

Einträgen gehst, dann findest du diese Kisten wahrscheinlich.

Einträge, die schon lange dort stehen, ein paar Wochen, ein paar Monate,

vielleicht sogar schon ein paar Jahre.

Und wahrscheinlich liest du sie gar nicht mehr richtig, weil sie sind dir ja schon so bekannt.

Dein Auge geht einfach darüber hinweg, weil es sie kennt.

Und dann machst du mit dem weiter, was oben steht.

Tja, das könnte man sagen, macht ja nichts.

Die sind einfach da, die sind einfach, sie sind irgendwie halt,

ja, sie stehen da einfach, aber die machen ja nicht weh.

Aber das stimmt nicht. Diese Einträge, die sind nicht neutral und die liegen

auch nicht einfach so still da herum,

sondern jedes Mal, wenn sie dir zufällig begegnen oder jedes Mal,

wenn du auf deine Liste schaust, hast du sie im Blick und im Fokus.

Und jedes Mal entsteht dieses ganz kleine, ach ja, das auch noch.

Das dauert keine halbe Sekunde und ist sofort wieder weg. Und deshalb nimmst

du das vielleicht nicht mal so wirklich bewusst wahr, aber es passiert eben

nicht einmal, sondern fünfmal am Tag, an fünf Tagen die Woche.

Klar, jetzt kann man sagen, macht ja nichts, ist ja nicht schlimm, stört ja niemanden.

Und das mag vielleicht sogar sein, wenn wir hier über einen einzigen Eintrag

sprechen. Aber das Problem ist die Summe.

20 solcher Zeilen sind 20 kleine, offenen Fragen, die du zwar nie beantwortest,

aber eben auch nie wirklich zumachst.

Und jetzt schau mal, was im Verhältnis zu deiner Liste passiert.

Eine Liste, auf der 20 Dinge stehen, die du sicher nicht machen wirst,

ist keine Liste mehr, der du glaubst.

Du schaust seltener hinein. Du fängst an, das wichtige Parallel irgendwie im

Kopf mitzuführen, weil du dir nicht mehr sicher bist, ob die Liste noch stimmt.

Und dann hast du wieder zwei Systeme statt einem. Eine auf Papier,

auf digitalem oder analogen Papier und eine im Kopf.

Und genau davon habe ich doch vor zwei Wochen hier in diesem Podcast gesprochen,

nämlich woran erkennst du, ob dich dein System trägt und der Massstab war nicht

Vollständigkeit, war nicht die perfekte App, war nicht schöne Kategorien und verschiedene Farben,

sondern der Massstab war und ist Vertrauen.

Die Frage ist also, traust du deinem System so weit, dass du nichts mehr zusätzlich

im Kopf mittragen musst?

Und wenn du jetzt viele dieser Kisten, viele dieser, ich nenne es mal,

toten Einträge hast, dann verlierst du dieses Vertrauen wieder.

Und zwar nicht von heute auf morgen. Es ist kein Zusammenbruch,

es ist nicht dramatisch, aber das Vertrauen schwindet und schwindet und die

Liste, die wird langsam ungenauer, weil du ihr eben nicht mehr vertraust.

Und hinzu kommt noch ein weiteres Problem. Jedes Mal, wenn du so einen alten

Eintrag siehst und denkst, ach, das auch noch, das kostet dich ein bisschen Energie.

Nicht viel. Und wie gesagt, bei einer Aufgabe ist das nichts,

aber bei 20 Aufgaben ist das ein unnötiger Energieverlust, so ein bisschen etwas,

was an dir nagt und ein ganz klein wenig etwas kaputt macht.

Und diese beiden Punkte, das verlorene Vertrauen oder das immer mehr zu verlierende

Vertrauen und dieser Energieverlust, den du da hast, das ist ein Problem.

Das Interessante ist ja, ich habe ja zu Beginn gesagt, es geht hier ums Streichen.

Und das ist ja nicht etwas, was du noch nie getan hast und überhaupt nie tust,

sondern das machst du jeden einzelnen Tag.

Schau dir doch nur mal an, was heute Morgen auf deiner Liste für heute stand,

oder vielleicht auch in deiner Inbox, und dann vergleich das mit dem Zustand am Ende des Tages.

Einige Dinge, die heute Morgen noch dastanden, unter heute oder in der Inbox,

und die nicht passiert sind, hast du einfach gestrichen, einfach gelöscht.

Der Tag ist vorbei, die Aufgabe ist nicht erledigt, das war's.

Du hast dann einfach gestrichen. Du hast dich entschieden, nein, das mache ich nicht.

Das will ich nicht, das bringt mich nicht weiter.

Also streichen kannst du, das musst du dir nicht zuerst aneignen,

wie andere Dinge, die ich hier in diesem Podcast anspreche oder andere Gewohnheiten,

sondern das machst du regelmässig.

Denk an deine E-Mails. Wie viele E-Mails löscht du, obwohl du etwas zurückschreiben

könntest und manchmal sogar zurückschreiben müsstest. Aber du denkst,

mag nicht mehr, dann wird sie gelöscht.

Diese Entscheidung, streichen oder nicht streichen, triffst du in deinem Alltag ständig.

Die Frage ist nur, ob es dir auch gelingt, die für deine Aufgabenliste konsequenter

zu treffen. Diese eine Entscheidung.

Was dir für einen einzelnen Tag vielleicht gelingt, gelingt dir vielleicht nicht,

wenn etwas schon sehr lange drauf ist. So bei den Ladenhütern,

also was seit einem halben Jahr auf deiner Liste steht und in diesem halben Jahr nicht dran war.

Das hast du faktisch nicht gestrichen, aber eigentlich ist es gestrichen.

Du hast es einfach noch nicht gemacht, du hast es noch nicht ausgesprochen.

Die Liste behauptet, du hast das noch vor, du wirst das irgendwann tun.

Aber dein Verhalten sagt seit sechs Monaten etwas anderes.

Und diese Lücke zwischen dem, was auf der Liste steht und dem,

was du wirklich tust, ist genau die Lücke, in der das Vertrauen verloren geht.

Und das mag, wie gesagt, das mag nicht so spektakulär klingen oder so.

Aber wenn ich einen Eintrag stillschweigend liegen lasse, bleibt er offen.

Ich denke morgen wieder darüber nach und übermorgen auch.

Wenn ich das aber ausspreche und den bewusst streiche, dann hört das Nachdenken auf.

Und das ist nur ein Mausklick oder eine Handbewegung und die Sache ist gestrichen.

Und das ist der ganze Gewinn. Es geht hier nicht darum, dass du weniger auf

der To-Do-Liste stehen hast, sondern es geht darum, dieses Nachdenken zu stoppen,

diese Gedankenschleife, die dich auch mitbegleitet, auch nach Feierabend und

vielleicht sogar in der Nacht.

Es geht um diese Gedankenschleife, die sich schliessen soll, muss, darf.

Streichen aber eigentlich so einfach ist ein Mausklick eine Handbewegung,

warum machen wir es dann nicht oder viel zu selten?

Lass uns da mal vier Gründe anschauen und ganz ehrlich, das sind ja nicht einfach

irgendwelche komischen Gründe, die überhaupt nicht nachvollziehbar sind.

Nein, das sind normale Gründe, die wahrscheinlich die meisten von uns haben.

Aber wenn du sie erkennst, dann kannst du die viel leichter überschreiben und

dann eben Dinge wirklich streichen.

Und diese vier Gründe wirst du jetzt kennenlernen und danach wirst du alles

mit anderen Augen anschauen.

Der erste Grund, streichen fühlt sich doch ein bisschen an wie scheitern.

Du hast dir ja diese Sache, diese Aufgabe mal vorgenommen. Es stand für etwas,

was dir wichtig war in dem Moment.

Und jetzt sollst du es einfach löschen, ohne dass es passiert ist?

Versuch das mal anders zu betrachten. Der Eintrag auf der Liste stammt von jemandem,

der vor drei Monaten in einer anderen Woche sass, mit anderen Zielen und anderen Möglichkeiten.

Natürlich war es das Du, aber es war eben das Du von vor drei Monaten.

Und damals hast du eine gute Entscheidung getroffen für damals.

Heute triffst du eine neue und vielleicht eine andere Entscheidung für heute.

Du widerrufst überhaupt nichts, sondern du hast dich verändert,

du bringst deine Liste auf den aktuellen Stand.

Mehr ist es nicht. Nichts scheitern oder so.

Es ist einfach eine neue Entscheidung.

Aus dem Heute für Heute.

Der zweite Grund, weshalb wir

das nicht so oft machen, die Liste ist ja irgendwo auch dein Gedächtnis.

Wenn du etwas streichst, ja dann ist es weg. Und dann fällt es dir vielleicht nie wieder ein.

Diese Sorge ist übrigens berechtigt und sie ist ja auch der Grund,

warum ich später nicht vom Löschen sprechen werde, sondern von etwas anderem.

Die Methode, die ich dir nachher vorstelle, passt für alle, egal welches Tool

du nutzt, aber vielleicht hast du auch ein Tool, was so eine Zwischenlösung

bietet, also nicht ganz gelöscht, aber eben auch nicht mehr da.

Mein Tool macht das zum Beispiel. Ich arbeite mit Things von Cultured Code.

Das ist eine Stuttgarter Software-Schmiede und die macht ausschliesslich diese

App für alle Apple-Plattformen, dafür wirklich für alle.

Also für macOS, für iOS, für iPadOS, für VisionOS und für watchOS.

Da gibt es überall dieses Ding mit dem Namen Things.

Und da kann ich eine Aufgabe löschen, mache ich aber nie, außer das war wirklich blöd oder falsch.

Ich kann eine Aufgabe erledigen, ganz normal abhaken, wie jedes andere Programm,

aber ich kann eine Aufgabe auch ablehnen. Ich glaube, es nennt sich ablehnen.

Das heisst, sie wird quasi wie gestrichen, aber eben nicht richtig gestrichen.

Verworfen heisst die Aktion. Sie kann eine Aufgabe verwerfen.

Sie bekommt dann nicht so ein Häkchen im Kästchen, sondern ein Kreuz.

Das heisst, ich will die nicht löschen, aber ich will sie auch nicht als erledigt

kennzeichnen, weil sie nicht erledigt wurde, weil sie plötzlich nicht mehr wichtig ist.

Und das Schöne ist, sie wird dann nicht mehr angezeigt, so wie erledigte Aufgaben

auch nicht, aber ich sehe sie noch im Logbuch.

Und dann kann ich ja später nachschauen, wenn ich plötzlich denke,

Moment, da war doch was, das habe ich doch gestrichen. Dann finde ich das noch.

Wenn das deine App nicht kann oder wenn du auf Papier arbeitest,

dann gibt es eine andere Methode. Und da komme ich dann später drauf zurück.

Wir sind aber noch bei den vier Gründen, weshalb wir eben nicht streichen.

Also, das war der zweite Grund. Die Liste ist ein Gedächtnis und wenn du streichst, ist es weg.

Der dritte Grund, den finde ich eigentlich fast am spannendsten,

weil er ist ein struktureller, wenn du so willst, so rein systembedingter.

Streichen hat keinen Termin.

Aufgaben erledigen hat ja in der Regel einen Platz in deinem Tag.

Entweder reservierst du dir Zeit dafür, also reservierst dir einen Block oder

sowas, oder es steht unter heute und dann versuchst du das ad hoc eben heute zu erledigen.

Aber es gibt keine halbe Stunde am Dienstagnachmittag, in der du Sachen wegwirfst oder streichst.

Deshalb passiert es nur, wenn es dir zufällig einfällt.

Und das ist meistens genau dann, wenn du sowieso keine Kapazität hast.

Du schaust hier auf deine To-Do-Liste, siehst hier die alten Kisten herumstehen

und denkst, oh ja, da müsste ich mich auch mal drum kümmern,

aber nicht jetzt. Jetzt muss ich doch dieses und jenes machen.

Und dann machst du es nicht.

Und der vierte Grund ist die Vorarbeit. Machen wir uns keine Illusionen.

Die Dinge, die das so schon lange lagern, das sind ja oftmals auch Dinge,

wo du schon etwas gemacht hast. Du hast schon recherchiert, du hast schon zwei

Telefonate geführt, drei E-Mails geschrieben, du hast das halbe Konzept schon im Kopf.

Und das jetzt wegzuwerfen, das fühlt sich an, als würdest du diese Arbeit irgendwie

entwerten oder so. Du hast schon etwas investiert und jetzt kommt dann nichts

mehr zurück, weil du es ja wegwirfst.

Und genau diese investierte Arbeit ist der Grund, warum wir an Dingen festhalten,

die längst nicht mehr passen.

Aber die Zeit und die Arbeit ist ohnehin schon investiert. Die kommt nicht zurück.

Das weisst du. Du weisst, dass die Zeit nicht zurückkommt.

Und diese Arbeit und diese Zeit

kommt nicht zurück, egal ob du den Eintrag stehen lässt oder eben nicht.

Gut, genug analysiert. Jetzt komm mit den Lösungen, denn das wollen wir.

Wir wollen da hingehen. Wir wollen diese alten Kisten ausräumen.

Wir wollen diese alten Aufgaben loswerden. Und zwar ein für alle Mal und immer

wieder, weil es kann ja sein, dass sich da wieder Dinge ansammeln.

Hier sind fünf Ansätze für dich, die sich alle ergänzen oder aufeinander aufbauen.

Erster Ansatz, lies mal deine Liste von unten, also von alt nach neu.

Meistens sind ja die Listen nach Fälligkeitsdatum sortiert oder nach wann du

den Eintrag halt aufgeschrieben hast oder sowas.

Schau dir mal bewusst die ältesten Aufgaben und Dinge zuerst an.

Also lies deine Liste quasi von unten.

Das klingt banal, aber ist wirklich super. Das ist übrigens auch etwas,

was ich gerne empfehle, wenn du vom Urlaub zurückkommst und in deiner E-Mail-Inbox

sind 387 E-Mails drin oder so.

Lies doch mal zuerst die ältesten und dann die neuesten. Zum Beispiel kann man machen.

Oder du kannst auch deine E-Mails nach Absender gruppieren und dann zuerst die

Ältesten und dann die Neueren lesen.

Wir lesen aber Listen immer von oben, weil oben steht ja das Neuste,

das Spannende. Manchmal auch das Dringendste und das Lauteste.

Und unten liegt ja eben das, was seit Monaten mitfährt. Eben die Kisten im Keller sind ja auch unten.

Wenn du immer von oben liest, dann kommst du nie unten an, weil vorher deine

Aufmerksamkeit durch ist. Die ist einfach weg, die ist alle.

Also dreh es einmal um, fang unten an und arbeite dich nach oben.

Wie bei der Karriere, fang unten an und arbeite dich nach oben.

Du wirst überrascht sein, wie schnell dir dabei Einträge auffallen,

bei denen du innerlich und spontan sofort weisst, da kommt nichts mehr.

Und das musst du auch nicht in einem Rutsch machen, je nachdem wie viele Einträge

du da hast. Nimm zuerst mal einfach 10 Einträge von unten, das reicht für den Anfang.

Das Muster überträgt sich dann meistens von selbst auf den Rest,

weil du nach ein paar Entscheidungen auch merkst, wie leicht sie dir fallen

und wie leicht dir die nächsten fallen werden.

Zweiter Ansatz. Drei Antworten statt vier.

Was heisst denn das wieder? Also, nimm dir jeden Eintrag vor,

der älter als vier Wochen ist.

Vier Wochen ist ein guter Richtwert, weil das ungefähr die Zeit ist,

nachdem etwas, das dir wirklich wichtig ist, normalerweise auch angefangen hat.

Natürlich gibt es Projekte, die vielleicht dann doch erst später starten,

so die Kampagne im Herbst, wo du schon mal ein paar Gedanken gemacht hast.

Davon spreche ich nicht, sondern von diesen Einträgen, ich sollte mal XY das

und das schicken, ich sollte mal den Z anrufen und nach dem aktuellen Stand

fragen oder, oder, oder.

Wenn es wirklich wichtig ist, dann hättest du es innerhalb von vier Wochen gemacht

oder zumindest damit angefangen.

Und jetzt liegt es da schon seit über vier Wochen. Also es sind gute Kandidaten.

Und jetzt kommt eben hier mein Spruch, drei Antworten statt vier.

Es gibt nämlich nur drei mögliche Antworten.

Erstens, ich mache das jetzt.

Es gilt natürlich für alles, was in ein paar Minuten erledigt ist.

Und da liegt oft mehr drin, als man denkt. Dann nimmst du dir halt Zeit und

arbeitest diese Dinge einfach mal schnell weg.

Zweitens, ich formuliere es neu.

Viele dieser alten Einträge, die bleiben nicht liegen, weil sie unwichtig wären

oder so, sondern weil sie unklar sind.

Da steht vielleicht ein Stichwort und du musst jedes Mal erst übersetzen,

was eigentlich zu tun ist und danach hast du schon gar keine Energie mehr, es wirklich zu tun.

Oder es ist gar keine Aufgabe, sondern ein ganzes Projekt, das sich als eine

kleine Zeile in deinem Tool tarnt.

In beiden Fällen schreibst du auf, was der konkrete Schritt ist.

Im zweiten Fall, was der erste konkrete Schritt ist.

Und dritte mögliche Antwort, streiche es.

Also, ich mache das jetzt, ich formuliere es neu oder ich streiche es.

Drei Antworten statt vier, weil die vierte Antwort, das schaue ich mir später

noch einmal an, gibt es nicht.

Die ist ausgeschlossen. Die ist gestrichen.

Die gibt es nicht. Denn genau diese Antwort hast du bei diesem einen Eintrag

schon mindestens 27 Mal gewählt und deshalb steht er noch da.

Ah, ja, das müsste ich mal erledigen. Ah, mache ich nicht jetzt.

Oh, ja, das ist ja genau diese Sache da. Ah, nein, das mache ich dann später und so.

Diese Antwort gibt es nicht. Es gibt nur, ich mache das jetzt,

ich formuliere es neu oder ich streiche es.

Dritter Lösungsansatz. Trennung statt Löschung.

Und hier kommt die Antwort auf die Sorge von vorhin.

Das war ja die Geschichte mit meinem Tool, wo ich eine Aufgabe verwerfen kann

und dann ist sie nicht ganz weg. Wenn man sie löscht, dann wäre sie ja weg und

so. Deshalb lieber trennen statt löschen.

Streichen heisst ja nicht, dass es komplett verschwinden muss,

sondern es heisst nur, dass es deine aktive Liste verlässt. Wie gesagt,

wenn dein Tool das unterstützt, super.

Wenn nicht, dann leg dir einfach einen zweiten Ort an.

Nenn ihn von mir aus irgendwann vielleicht, so wie in GTD. Oder nenn ihn Altlasten

oder Sondermüll oder irgend sowas.

Und dorthin wandert alles, was du nicht wegwerfen möchtest oder kannst,

aber jetzt sicher auch nicht machst.

Der entscheidende Punkt ist die Regel dazu. Nicht die Liste, sondern die Regel dazu.

Du schaust dort nur hinein, wenn du gezielt etwas suchst oder wenn du mal Raum für Neues hast.

Also nicht jede Woche, nicht einfach so zur Erinnerung. Sonst hast du dir eine

zweite aktive Liste gebaut und dann war der ganze Aufwand umsonst.

Das machst du jetzt schon. Die alten Einträge regelmässig anschauen und sagen,

müsste ich auch noch machen.

Nein, du schaust nur dort hinein, wenn du gezielt etwas suchst oder wenn du

Raum für etwas Neues hast.

Ja, allein das Wissen, dass es diesen Ort gibt, macht das Streichen leichter.

Es ist dann eben nicht weg, es ist nicht endgültig und deshalb triffst du die

Entscheidung, es zu streichen, vielleicht eher.

Vierter Ansatz, sortiere vorher unbedingt die echten Verpflichtungen aus.

Eigentlich hätte das der erste Ansatz sein müssen, aber dann wäre es weniger spannend gewesen.

Also es ist wirklich wichtig, dass du nicht plötzlich irgendwelches Zeugs streichst,

wo du nachher echte Konsequenzen zu tragen hast.

Es gibt Dinge auf deiner Liste, die schon lange dort stehen und die trotzdem

niemals gestrichen werden dürfen, sondern nur erledigt werden können.

Also Rechnungen, die noch offen sind. Oder vielleicht willst du auch mal eine

Zahlungserinnerung schreiben, weil eine Rechnung nicht bei dir offen ist,

sondern bei deinen Kunden.

Oder eine Mahnung, Behördenfristen, Steuertermine, Zusagen, die du einem Kunden

gegeben hast, aber noch nicht eingelöst hast, bestätigte Termine, alles solche Dinge.

Die haben oft die gleichen Merkmale wie diese alten Christen im Keller,

wie diese Toteneinträge. Sie sind alt, also älter als vier Wochen.

Du schaust nicht gern hin, du schiebst sie seit Wochen. Aber sie verschwinden

nicht dadurch, dass du sie von der Liste nimmst.

Sie verschwinden nur aus deinem Blick und das ist ja das Gegenteil von dem,

was wir hier in diesem Fall wollen.

Also, bevor du da die neue Liste füllst, bevor du mit dem Durchgehen anfängst,

geh einmal durch und markiere alles, wo eine echte Verpflichtung gegenüber jemand

anderem dranhängt und wenn du die nicht erfüllst,

dann hast du negative Konsequenzen zu tragen.

Das alles nimmst du natürlich aus der Streichrunde heraus.

Für die brauchst du keine Entscheidung, ob sie bleiben, sondern du brauchst

einen ganz konkreten Termin, an dem du sie machen willst und an dem du sie machen wirst.

Und dann der fünfte Lösungsansatz, gib dem Streichen einen festen Platz.

Erinnerst du dich noch an den dritten Grund von vorhin, warum wir eben so selten streichen?

Ja, weil wir eben kein Zeitfenster dafür haben. Ich weiss nicht mehr,

was ich gesagt habe, ich glaube Dienstagnachmittag um 15.30 Uhr,

da steht nicht drin, streichen.

Streichen hat keinen Termin, also gib ihm doch einen.

Das kann man zum Beispiel im Wochenrückblick machen. Und ich glaube,

das ist auch der natürlichste Ort dafür.

Einmal die Woche gehst du ja sowieso, hoffentlich, über deine Aufgaben und Projekte.

Ich sage dir nachher noch schnell eine Alternative, wie ich es inzwischen mache.

Und häng doch einfach das Streichen da dran. Das braucht ja nicht immer eine

eigene halbe Stunde zu sein.

Fünf Minuten reichen oft, wenn es regelmässig passiert.

Und wenn du keinen Wochenrückblick hast, dann ist das vielleicht der erste Schritt.

Also nicht das Streichen, sondern gewöhne dir einen Wochenrückblick an,

einen Rhythmus, wenn du dir deine

Liste regelmässig anschaust und dann veraltet sie auch nicht so sehr.

Wie ich das inzwischen mache, ich mache einen Wochenrückblick tatsächlich,

aber ich mache eben auch so einen Tagesrückblick oder Vorschau.

Also meistens mache ich das, was ich jetzt erzähle in der Tagesvorschau.

Bei mir ist es so, ich habe auf meiner To-Do-Liste zwei Bereiche.

Ich habe einen Bereich, der nennt sich Aufgaben.

Das ist so Zeugs, das fällt an, erledigt man und gut ist. Und dann habe ich

einen Bereich Projekte.

Zum Beispiel diese Podcast-Folge hier ist für mich ein kleines Projekt,

weil da habe ich eine Reihe an Aufgaben zu machen. Die mache ich meistens am

Stück und dann weiss ich genau, wo ich stehe, wenn ich mal unterbrochen werde, etc.

Der Bereich Aufgaben, der ist unterteilt in mehrere Bereiche,

es sind gar nicht mal so viele. Also die habe ich so ein bisschen thematisch

unterteilt, zum Beispiel Finanzen oder sonst irgendetwas.

Und an jedem Wochentag habe ich ein paar dieser Kategorien definiert, die ich dann durchgehe.

Also heute war zum Beispiel die Kategorie Reisen dran, sowohl beruflich wie auch privat.

Und dann nehme ich mir die Zeit und schaue die Aufgaben in diesen Kategorien

an und übrigens auch meine Notizen.

Das kostet mich pro Kategorie 2 Minuten, 3 Minuten, also viel mehr ist es nicht.

Und dann habe ich alles gestrichen, was weg muss, ich habe alles einsortiert,

was noch nicht einsortiert werden soll und so weiter.

Und pro Tag habe ich, je nachdem, nur eine Kategorie, manchmal habe ich auch

2-3 Kategorien, die ich so mache, das habe ich alles vorher definiert.

Und dann gehe ich die einfach durch, jede Woche. Und weil ich das jede Woche

mache, gibt es gar nicht so viel, dass ich da ansammeln kann.

Da gibt es gar nicht so viele Dinge, die ich endlich mal streichen müsste oder sowas.

Es ist alles tip top aufgeräumt. Und das ist mein Geheimnis.

Ich mache das nicht in einem riesigen Wochenrückblick, der schnell mal überlastet wird.

Ich mache das in einem Tagesrückblick oder bei mir sogar bei der Tagesvorschau,

also morgens als erstes.

Und dann gehe ich vorher definierte Kategorien durch.

Montag sind die Kategorien dran, Dienstag die, Mittwoch die und so weiter. So mache ich es.

Ja, was nimmst du mit? Streichen ist eine Kompetenz, die du bereits beherrschst.

Es ist einfach nur eine Entscheidung, die du jeden Tag x-mal triffst,

aber meistens nicht so bewusst oder unsichtbar sogar.

Wenn du sie bewusst triffst, dann hört dieses Nachdenken und diese Kisten im Keller auf.

Wenn du nichts streichst, dann entscheidest du dich dafür, alles mitzuschleppen.

Das ist auch eine Entscheidung, aber eine, die dich sehr viel kostet und die

du vielleicht nicht mal unbedingt bewusst getroffen hast.

Aber jede gestrichene Aufgabe macht die Verbleibenden wertvoller.

Dein Rucksack wird auch leichter, du hast weniger Ballast, den du da mitschleppst.

Wenn auf deiner Liste nur noch die Dinge stehen, die du tatsächlich vorhast,

dann bekommt jeder einzelne Eintrag auch wieder Gewicht.

Und du gewinnst das Vertrauen wieder zurück.

Tja, und damit schliesst sich so ein wenig der Bogen von diesem Monat.

Ich habe ja über Struktur gesprochen, dass sich Struktur oft wie ein Korsett

anfühlt. Dann ging es darum, woran du erkennst, ob dein System dich trägt.

Und heute ging es um das Weglassen.

Alles in allem geht es eben darum, dass Struktur zu Freiheit führt und nicht zu Einschränkung.

Es geht nicht um Ordnung in den Dingen, es geht um Freiheit.

Ich danke dir herzlich fürs Zuhören. Wenn dir diese Folge gefallen hat,

und ich hoffe, das hat sie, weil sonst wärst du schon längst weg,

dann freue ich mich über ein paar Sterne und oder eine kurze Rezension auf Apple

Podcasts und oder Spotify.

Damit hilfst du mir sehr, sehr weiter.

Und jetzt muss ich wirklich aufhören, weil hier stecke ich mittlerweile in einem

ziemlich heftigen Gewitter. Ich weiß nicht, ob du das hörst.

Deshalb sage ich noch ganz schnell, nutze deine Zeit, denn sie kommen nie wieder. Dein Ivan Blatter.