GOLDRAUSCH

Wie führt man ein Unternehmen durch Krisen?
Und was passiert, wenn plötzlich das eigene Leben aus der Bahn gerät?

In dieser Folge von GOLDRAUSCH spricht Katharina Naumann mit Unternehmer Thomas Dörr über Verantwortung, Ehrgeiz, Krankheit und Vertrauen.

Thomas erzählt offen von der Übernahme eines fast insolventen Familienunternehmens, seiner schweren Krebsdiagnose wenige Wochen nach seinem 50. Geburtstag und der Zeit, in der sein Sohn mit nur 23 Jahren plötzlich Verantwortung übernehmen musste.

Es geht um Führung im Mittelstand, Generationenwechsel, Fehlerkultur, Sportmentalität und die Frage, wie man weitermacht, wenn das Leben plötzlich „von vorn kommt“.

Eine ehrliche und inspirierende Folge über Mut, Haltung und Menschlichkeit.

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Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen der Inspiration und persönlichen Reflexion und ersetzen keine individuelle Beratung oder Therapie.

What is GOLDRAUSCH?

In Goldrausch sprechen wir mit Menschen aus Spitzensport, Business und dem echten Leben über das, was hinter Leistung wirklich passiert: Fokus, Zweifel, Rückschläge – und die Frage, was Erfolg jenseits von Medaillen, Titeln und Zahlen bedeutet.

Wir glauben an hohe Ansprüche, ehrliche Gespräche und daran, dass man leistungsfähig sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Goldrausch ist kein Motivationstheater, sondern ein Raum für Klarheit, Tiefe und neue Perspektiven.

Für alle, die etwas erreichen wollen – und dabei ein andersglücklichleben suchen.

Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine individuelle Beratung.

Intro/Outro:

Willkommen bei GOLDRAUSCH - AN DAS GLÜCKLICH LEBEN. Der Podcast von Katharina Naumann und Sebastian Hess über die Balance zwischen Leistung, Leben und Leidenschaft.

Katharina:

Heute zu Gast Thomas Dörr im GOLDRAUSCH Podcast. Schön, Du da bist.

Thomas:

Hallo.

Katharina:

Wir haben uns kennengelernt ungefähr vor 11, 12 Jahren, würde ich sagen. Auf jeden Fall in meiner Erinnerung ist dein fünfzigster Geburtstag in sehr, sehr guter Erinnerung. Da wurde viel gefeiert, viel getanzt, lange gesungen durch die ganze Nacht hindurch. Und damals war noch alles anders, als es heute ist tatsächlich. Jetzt haben wir aber gerade auch deinen sechzigsten Geburtstag wieder gefeiert, ein kleines Revival so ungefähr an gleicher Ort und Stelle.

Katharina:

Und gleichzeitig ist dieses Jahr das sechzigste Jubiläum deiner Firma, eurer Firma. Ja. Dazu kommen wir gleich. Also genügend Anlässe, dich heute als Gast da zu haben und deine Geschichte hier zu erzählen.

Thomas:

Sehr

Katharina:

schön. Thomas, ich hab dich damals kennengelernt als 1, wo man denkt, ach Gott, da kann eigentlich kaum es einem besser gehen, muss ich sagen, war mein Eindruck. Du hast so viele Hobbys gehabt, ja, vom Tennis über Eishockey, so viele Freunde dich herum. Eine so schöne Familie, ein Unternehmen, was Du im Familiengenerationsbetrieb übernommen hast von deinem Vater Max Dörr. Und da dachte man einfach, es läuft auf allen Ebenen.

Thomas:

Es lief auch. Das war ja hervorragend alles, ja.

Katharina:

Du hast aber auch damals schon einiges hinter dich gehabt, weil Du hast das Unternehmen übernommen, wo es schon eher in Schieflage lag.

Thomas:

Ja, in krasser Schieflage. Eigentlich waren wir insolvent. Ich kam ausm Studium und für mich war dann klar, nicht von Anfang an, aber dann war klar, ich übernehm das Unternehmen meines Vaters. Aber mir war nicht klar, in welcher finanziellen Situation wir waren. Da war ich einfach naiv.

Thomas:

Da war ich noch zu sehr Sportler und zu wenig Unternehmer. Und das hat sich aber dann ganz schnell gezeigt. Und nur dank 1 Wechsels, also es war die erste große Aktion, die ich gemacht hab. Ich hab unseren Steuerberater gewechselt, bin zu ganz tollen Steuerberater, der mich auch bis jetzt noch begleitet. Und der hat es mit mir geschafft oder durch ihn haben wir es geschafft, die Firma in ganz neue Richtung zu lenken.

Thomas:

Und heut geht's uns hervorragend. Aber ja, wir waren eigentlich insolvent, als ich übernommen habe.

Katharina:

Wusstest Du das vor deiner Entscheidung? Nein. Zum

Thomas:

Glück wusste ich's nicht, denn da, wenn man's jetzt heute sieht und wie erfolgreich wir heute sind, es hätte bestimmt oder sehr gut dazu führen können, dass ich gesagt hab, nee, das mach ich nicht. Ich geh ja nicht nicht in die insolvente Firma. Das ich gut war es war gut, dass ich da so naiv war und dass ich's nicht gewusst hab, ja.

Katharina:

Gab es denn Momente dann am Anfang, wo Du dachtest, was hat mich geritten oder auch was hat mein Vater geritten, mir so etwas aufzubürgen? Und kommt man da nicht schon auch bisschen rein emotional in den Gedanken rein, wo ja, ist das jetzt fair? Ist das richtig? Nein. Ist das

Thomas:

Nein, überhaupt nicht. Denn erstens hat's mein Vater ganz sicher nicht mit Absicht getan. Mein Vater hat 8 Jahre Volksschule gehabt. Der ist in der in den späten Krieg Kriegszeiten groß geworden. Neunzehnhundertdreißig geboren, hat erst Schreiner gelernt, dann Metallbauer.

Thomas:

Und der hat halt nie kaufmännisches Wissen gehabt, aber er war Unternehmer. Er hat was gemacht, er hat was unternommen, er hat gesagt, irgendwann, wo er vorher war bei Fördertechnikfirma, ging's nicht weiter. Und er hat gesagt, ich mach das jetzt selbst. Und am Ende ist es doch so, ich hab ihm die Chance zu verdanken, dass ich selbst Unternehmer werden konnte mit ganz anderen Bildung. Und er hat es mir nicht mit Absicht unter diesen schlechten Umständen übergeben.

Thomas:

Er wusste das gar nicht. Und es wurde dann erst festgestellt, nachdem ich Steuerberater gewechselt hab und der neue Steuerberater festgestellt hab, na ja, so können wir nicht weitermachen. Wir müssen von der alten Firma, das war eine Einzelfirma von meinem Vater, noch Dinge richtig umbuchen, wie sie richtig waren, sonst gehst Du gleich mit mit Schulden in das erste Jahr und dann bist Du theoretisch sofort verpflichtet, als Geschäftsführer zum Amtsgericht zu gehen, Insolvenz anzumelden. Und ja, aber trotzdem hab ich die Chance von ihm gekriegt, ein Unternehmen zu übernehmen und was draus zu machen und so wie wir heute dastehen, ist es mir auch gutes Stück weit gelungen, ja.

Katharina:

Hast Du damals schon gemerkt, okay, ich bin jetzt motiviert, das Ruder rumzureißen?

Thomas:

Ja, eindeutig, ja. Also ich war lange, lange Sportler, Tennisspieler, nur Tennis im Kopf gehabt, auch noch Anfangszeit Studium und es war auch schön für mich mit dem die Studienzeit mitfeiern und das hab ich auch bisschen von meinem Vater, der feiert ja auch sehr gern. Und Sport und Feiern, das war mein Leben und ja, aber irgendwann hab ich dann doch gemerkt, hier ist Unternehmen, hier waren damals schon knapp 50 Arbeitsplätze und ich bekomme jetzt eine Chance, son Unternehmen zu übernehmen. Auch wenn die vielleicht nicht so nicht gut dastand, die Firma und das alles bisschen schwierig war, das hab ich ja gar nicht so gesehen. Aber im Nachhinein sehe ich das so und hab die Chance gekriegt und ohne den Mut meines Vaters hätte ich sie nie gehabt, die Chance.

Thomas:

Und ja und dann ist der Unternehmergeist in mir aber rausgekommen. Also ab dann war ich Vollblutunternehmer. Also wirklich, ich hab Dinge unternommen, ich hab die Firma komplett von links auf rechts gedreht irgendwann und sonst wird's uns heute nicht mehr geben, aber das da da hab ich dann gespürt, ja.

Katharina:

Erzähl doch mal ganz kurz auch, wie sich das, wenn man jetzt den Namen Thomas Dörr GMBH nicht zuordnen kann, Könnte ja passieren.

Thomas:

Also ist doch geil, natürlich.

Katharina:

Was es war und was es heute ist?

Thomas:

Also mein Vater hat die Firma Max Dörr Förderanlagen gegründet. Der hat ausschließlich Förderanlagen und für 95 Prozent der Kunden waren Automobilindustrie. Und wiederum da 90 Prozent der Kunden war Mercedes oder Daimler. Und ja, er hat sich da durchgeboxt. Er hat top Qualität geliefert und war dann beliebt als Lieferant.

Thomas:

Leider hat er nie bemerkt, dass er eigentlich gar kein Geld damit verdient. Er hat mal Geld verdient, er hat aber auch manchmal Minus gemacht. Und es war, so hab ich's auch wahrgenommen, die ganze Zeit war ich sogar noch Kind, hab ich wahrgenommen, wie der hat. Der Kampf war jedes Jahr ums Überleben, dass die Banken, damals waren's noch Schecks, tatsächlich auch einlösen und es war immer Kampf von meinen Eltern. Und in meinen ersten 10 Jahren war bei mir der gleiche Kampf, ja, weil da musste ich ja erst mal mit nichts und ohne Liquidität versuchen, die Firma zu retten.

Katharina:

Wenn Du jetzt sagst, und dann wurde der Unternehmergeist entfacht, wodurch meinst Du, ist das passiert?

Thomas:

Ich glaube, mein natürlicher Ehrgeiz. Ich bin, glaube ich, sehr ehrgeiziger Mensch. Hatte ich früher als Sportler manchmal eigentlich negativ gesehen, aber ich glaub, das ist extrem positiv. Man muss ehrgeizig sein, irgendwelche Dinge zu erreichen. Man darf nur Ehrgeiz nicht mit Unfairness verwechseln.

Thomas:

So lange man fair bleibt und ehrgeizig ist, kann man sehr viel Positives bewegen.

Katharina:

Warum dachtest Du beim Sport des Ehrgeizes bisschen

Thomas:

Mir hat mal Mannschaftskamerad gesagt in der von der Tennismannschaft, hat noch Thomas, ich hab noch nie ehrgeizigen Mensch kennengelernt wie dich. Und das war für mich irgendwie negativ behaftet. Das war das kam nicht positiv rüber. Da war ich jung, da hatte ich keine Erfahrung. Da hab ich gedacht, was, bin ich so ehrgeizig?

Thomas:

Bin ich werd ich so schlecht wahrgenommen? Und da war mir noch nicht bewusst, dass Ehrgeiz eigentlich eine positive Eigenschaft ist. Aber ja, das das war der Grund. Das war bei mir was ausgelöst und heute weiß ich ganz genau, man muss ehrgeizig sein, Ziele zu erreichen, voranzukommen. Man darf's nur nicht in Betrügerei oder Bescheißerei ausarten lassen beim Sport jetzt.

Thomas:

Am Aber so wie man im Sport ist, so ist man auch im Geschäft. Also der Charakter ändert sich ja nicht. Und ich bin ehrgeizig. Ich war früh sehr ehrgeizig im Sport, jetzt bin ich sehr ehrgeizig in der Firma. Aber ohne Ehrgeiz geht's nicht.

Katharina:

Vielleicht hat dein Kollege damals so dich als verbissen vielleicht wahrgenommen.

Thomas:

Vielleicht, ja, vielleicht waren wir ein Stück verbissen. Ich ich war auch 1, ich konnte gut verlieren. Ja. Hab mich dann auch geärgert.

Katharina:

Ja. Ist das heute noch so?

Thomas:

Nee, ist jetzt nach meiner Erkrankung, da hat sich sehr viel relativiert für mich. Kurioserweise ja, wenn ich jetzt schlecht Tennis spiel, ich spiel wieder bisschen Tennis oder ich spiel Golf, wenn ich da schlechte Schläge hab, ärger ich mich. Obwohl rein rational müsste ich ja sagen, sag mal, was soll das Ganze? Ich leb, ich darf Golf spielen. Ich hab eine schwere Krebserkrankung überlebt.

Thomas:

Aber trotzdem, ich bin ärger jetzt. Ich bin Sportler und ich will gut spielen. Ich will auch gewinnen, aber ich viel viel, wie soll ich sagen, viel achtsamer als früher. Also wenn's dann nicht klappt, dann ärger ich mich kurz, aber nicht mehr so lang wie früher, ja.

Katharina:

Sehr gut. Du hast es gerade schon angesprochen und damals war es ja ziemlich plötzlich auch knapp nach deinem fünfzigsten Geburtstag.

Thomas:

Richtig, ja.

Katharina:

Wo Du welche Diagnose erhalten hast und wie vor allem ging's dir dir ging es ja eigentlich nicht schlecht, oder?

Thomas:

Jein, also mir ging's lange sehr gut, obwohl die Krankheit wahrscheinlich schon da war. Also die Diagnose war ein T-Zellen-Lymphom, also Lymphknotenkrebs. Und ja, ich bin ich bin im September im September noch Berlinmarathon gerannt. Da hatte ich das Ding aber schon, aber es hat mich noch nicht beeinflusst. Und dann hab ich meinen Fünfzigen gefeiert, wo das wo Du auch Gast zu Gast warst und eben davon gesprochen hast.

Thomas:

Und ja, da ging's mir auch noch gut, aber ganz kurz danach, also ich sag mal, 3 Wochen danach ging's mir plötzlich schlecht und ich hatte große, ja, so wie wie starke Grippesymptome, also echte Grippe, Fieber, kraftlos, Schwäche. Und so so ging's dann eigentlich los mit der Krankheit und es war am Ende dieses Lymphom. Und da war ich dann für 15 Monate komplett außer Gefecht mit viel, viel Chemo. Chemo hat auch einige Spuren hinterlassen bei mir und am Ende noch eine Stammzellentransplantation. Die war kein Muss.

Thomas:

Ich hatte keine Leukämie. Bei akuten und schweren Leukämie muss man eine Stammzellentransplantation machen, bei meinem T-Zellennymphoben lassen kann. Mir wurde es aber von dem Chefarzt von der Klinik sehr ans Herz gelegt, weil damit das Rezidivrisiko extrem minimiert wurde. Und ich bin heute sehr froh, dass ich's gemacht hab.

Katharina:

Der Moment der Diagnose, kannst Du den überhaupt noch in Erinnerung rufen

Thomas:

Ja, ja, den hab ich sehr, sehr gut in Erinnerung. Ich hatte meinen Freund und Arzt angerufen, der war damals noch im Urlaub in Südafrika und hab gesagt, Du Holger, ich hab da Riesenproblem. Ich hab seit 4 Wochen Fieber. Ich hab seit 4 Wochen körperliche Schwäche. Die war ganz krass.

Thomas:

Ich war auf Messe und konnte von 1 Messehalle kaum in die andere laufen, also zu Fuß gehen. Und hab ich den angerufen, hab ich schon gesagt, nein, kann man untersuchen, nicht, dass ich sone Herzmuskelentzündung hab. Ich will bei meinem nächsten Marathon nicht wie so mancher im Zieltod umfallen und dann wird festgestellt, er hat eine verschleppte Herzmuskelentzündung. Er sagt ausm Urlaub, aus Südafrika, das kann man, hat mir noch gleich in den nächsten Tagen Termin bei sich in der Praxis beim Kardiologen gemacht. Und da hat er schon was entdeckt, mir aber noch nichts gesagt, hat mich direkt fußläufig, also es war Der hat es dort zum Notfall gemacht, in eine, ja, wie nennt man das, in ein radiologisches Zentrum geschickt.

Thomas:

Und dort bekam ich, also er hat mir gesagt, er will sichergehen, dass ich keine Lungenentzündung hab, so als Fake, dass ich mir nicht so viel Sorgen mach. Der hat aber schon Verdacht und dort wurde dann gesagt, nee, das haben keine Lungenentzündung, aber Sie haben was in der Lunge, was da nicht hingehört. Und ja, ich weiß es noch ganz genau, ab dem Moment hab ich, ich würd das Gefühl so beschreiben, ich hat keinen Boden mehr unter den Füßen. Ich ich war geschockt, ich hat keinen Boden mehr unter den Füßen. Ich bin wieder alleine zurück in die Praxis gelaufen.

Thomas:

Das sind, es war vielleicht Kilometer. Und ich hab die ganze Zeit das Gefühl gehabt, ich bin im freien Fall. Und ja, und ab dann ging eigentlich dann die Therapie los, wurd natürlich viel Trost auch von dem Arzt, der mich da der Diagnose schon den Verdacht hatte. Und da wusste ich schon, es ist was ganz was Schlimmes. Und dann ja.

Thomas:

Also dann war ich in 4 Wochen in einem Zustand, den kann ich schwer beschreiben. Das war so im luftleeren Raum. Und ich konnte, ich hab schon, ich hab nie gefragt, warum gerade ich, aber ich hab nie verstanden, dass ich so was hab. Ich war immer ganz sicher, ich leb gesund, ich mach viel Sport, ich ess gesund, ich rauch nicht. Es passiert so was passiert mir nicht und dann war's plötzlich da.

Katharina:

Ich glaub, das hast nicht nur Du selbst gedacht. Also wenn man dich vorher gesehen hat, dann dachte man, das passt gar nicht zu dir, ne. Also nicht nur wegen dem gesunden Lebensstil, aber es war unvorstellbar tatsächlich. Es passte einfach nicht zusammen, ja, im in dem in dem Bild.

Thomas:

Ja, der Holger, also der Arzt sagte, er schleust jedes Quartal, wenn ich mich richtig erinnere, 10000 Patienten durch. Und wenn er auf einen hätte tippen sollen, der so was nicht kriegt, dann wär's ich gewesen. Der war auch völlig aus dem Häuschen, ja.

Katharina:

Du bist dann ja auch tatsächlich nicht nicht mehr einen Tag zurück in die Firma gegangen. Ist das richtig, sondern

Thomas:

Das das ist genau richtig. Also na ja, zunächst musste ich in in Heidelberg in die Thorax und dort wurd eine Biopsie genommen und dann hab ich natürlich gewartet. Aber natürlich war er dann nicht in der Firma. Ich war ja ich war wirklich extrem krank wie bei ganz, ganz schweren Grippe. Fieber und und dann hat's aber noch mal 2 Wochen oder 3 Wochen gedauert, bis das Ergebnis der Biopsie da war.

Thomas:

Und dann hab ich die Nachricht an einem Freitag gegen Mittag erhalten, was ich hab. Und dann wurde gar nicht mehr weitergesprochen. Und da hat die die Ärztin, eine Onkologin, auch eine Bekannte von Holger und ich kannte die auch, die in Uniklinik Heidelberg dort arbeitete, hat dann gesagt, Du hat mich angerufen und gesagt, Thomas, ich hab für morgen früh, Samstag, 'n Bett im Krankenhaus für dich organisiert. Es muss jetzt schnell gehen. Erklär allen wichtigen Personen heute, was ist, denn dann bist Du ganz lange raus.

Thomas:

Und da hab ich meine Eltern informiert, hab meinen Sohn informiert, meine Frau wusste dann natürlich Bescheid und hab die 3 wichtigsten Mitarbeiter in meiner Firma informiert und dann bin ich am nächsten Morgen, Samstagmorgen ins Krankenhaus. Und ab dem Moment war ich 15 Monate aus der Firma raus.

Katharina:

Das Informieren stell ich mir gar nicht so einfach vor.

Thomas:

Das hab ich jetzt gar nicht so schlimm in Erinnerung. Nee, nee, puh. Mein ganzer Zustand war ja schlimm. Ja. Und dies informieren der Leute, dass ich ins Krankenhaus suche, eine schwere Behandlung.

Thomas:

Das war jetzt nicht noch schlimmer. Das war war alles schlimm. Okay.

Katharina:

Ist dann, ich mein, dann packt man die Tasche und geht da rein und weiß ja irgendwie nicht ganz sicher, wie und ob man rauskommt.

Thomas:

Richtig, ja.

Katharina:

Wurden dir deine Chancen mitgeteilt? Also wie war die

Thomas:

Leider ja. Leider ja. Also es war so, dass die die Vorhersage von eben der befreundeten Onkologin, die mit mir auch sogar ihren freien Tag genutzt hat, mich ins Krankenhaus einzuweifen und da drin zu bringen, die sagte Thomas, Du bist jetzt erst mal für eine ganz, ganz lange Zeit in der Behandlung. Dir wird schwer, da werden auch Zeiten kommen, wo Du gar nicht ansprechbar bist. Rechne damit, sorg für alles in der Firma und aber Du schaffst das.

Thomas:

Die hat mir also sofort Mut zugesprochen. Und ja, und dann dann war's eigentlich so, dass ich rein bin und gleich am Anfang eine Ärztin zu mir gesagt, na na ja, Ihre Chancen sind ja bei 50 50. Immerhin 50 Prozent Chance, dass es klappt. Und das wollt ich überhaupt nicht hören, weil vorher war nach meiner Erkundung, nach dem Besuch in der Thorax und der Biopsie hieß es, wenn's ein Lymphom ist, ist es relativ gut heilbar. Und plötzlich war das gut heilbar nur noch 50 50.

Thomas:

Das wollt ich eigentlich gar nicht wissen. Aber egal, es war so, wie's war. Und bei mir ging's dann, ich ich sag mal, nach Zeit von ungefähr 4 Wochen ab Diagnose. Da war der Punkt da, dass ich wie in wie ich als Sportler war, dass ich gekämpft hab. Dass ich wusste, so, ich tu jetzt alles.

Thomas:

Ich geborene meinen Körper ab, der Schulmedizin. Ich ertrag die Chemo. Ich wusste, Chemo ist nichts Gutes. Aber ich gebe meinen Körper ab. Die Chemo muss sein und wenn alles rum ist, dann bau ich mich wieder auf, mach ich wieder Sport, ernähr ich mich wieder gesund.

Thomas:

Und da also ab dann begann mein Kampf Und ich hab da sehr viel dazu beigetragen, das sagen sagten auch die Ärzte, dass ich quasi ein vorbildlicher Patient war, weil Patienten, die sich da hängen lassen, haben deutlich schlechtere Überlebenschancen als Patienten, die anpacken und sagen, was kann ich tun, dass ich wieder gesund werd.

Katharina:

Hast Du nach handfesten Dingen gefragt? Was kann ich tun, rein ernährungstechnisch zum Beispiel oder war das eher auf der mentalen Schiene?

Thomas:

Nee, auch handfeste Sachen. Also sehr guter Freund, Peter Geige, der ist Chef Physio bei der TSG Hoffenheim. Und der hat mich angerufen und dann der der den kann ich noch gar nicht lang, den kannte ich 4 Wochen. Und dann hat er mich aber angerufen, dass er davon gehört hat. Und der hat gesagt, Du Thomas, wenn Du hier andere Hilfe brauchst als jetzt von den Medizinern im Krankenhaus, sprich mich an.

Thomas:

Ich hab durch meine Arbeit bei der TSG Hoffmann unglaublich großes Netzwerk und da helfe ich dir gern. Und der hat mich zu Arzt in am Bodensee gebracht, der viel über Ernährung arbeitet. Und das hat mir schon sehr gut geholfen. Also ich hab dann versucht, mich sehr zuckerarm zu ernähren, was dann zur Folge hat, dass ich im Krankenhaus gar nichts zu mir genommen hab, außer das, was ich selbst mitgebracht hab. Das Essen im Krankenhaus war quasi Körperverletzung fürn Krebspatienten.

Thomas:

Und also aber bei dem Arzt hab ich sehr viel andere Dinge gemacht. Der hat noch nicht zu viel gemacht. Er hat auch gesagt, wenn ich jetzt in der Chemophase bin und im Krankenhaus bin, dann will er auch nicht zu viel machen. Also dass ich irgendwas von ihm mit dem beiß, was die Schulmedizin da mit mir macht. Aber son bisschen hab ich schon was gemacht.

Thomas:

Er hat mir Galaktose gegeben, was viel Energie bringt und einfach Zucker, der aber kein nicht wie 'n Zucker verdaut wird. Also energiebringendes Nahrungsergänzungsmittel. Und ja, und dann hab ich das schon gemacht. Ich bin jeden Tag, auch wenn's mir noch so schlecht ging, ausm Krankenhaus raus ins Freie und bin entweder 500 Meter spazieren gegangen oder auch mal 4, 5 Kilometer, je nachdem, wie ging. Ich hab immer was gemacht.

Katharina:

Da kam der Ehrgeiz wieder durch?

Thomas:

Da kam er wieder durch. Dann war er positiv.

Katharina:

Ja. Ich bin mir immer nicht ganz sicher zwischen Akzeptanz und Kampf. Weil ich glaube, es ist, man muss da irgendwie einen Weg für sich finden, dass man es erst annimmt und nicht nur von Anfang an bekämpfen möchte. Weißt Du, was ich meine? Also in der rein in der mentalen Schiene, wo ich herkomme, sagt man, Du kannst es erst loswerden, wenn Du es akzeptiert hast.

Katharina:

Ja, also wenn Du den Stress akzeptierst, den Druck akzeptierst, dann kannst Du auch anfangen damit umzugehen und dann kannst Du ihn auch loswerden.

Thomas:

Ja. Also es ist genau richtig. Ich war früher schon Mensch, der bei irgendwelchen Dingen, die schief liefen, übrigens das das Motto während der ganzen Behandlung war eine Textzeile von Herbert Grönemeyer, das ich davor gehört hab, das auch in mich reingeschossen ist, nämlich der Satz, das Leben kommt von vorn. Das ist in dem Lied bleibt alles anders. Und dieses das Leben kommt von vorn hab ich dann kapiert.

Thomas:

Ich war ich für mich war ich unantastbar in meiner Gesundheit. Plötzlich kommt das, plötzlich war das. Wie vorhin schon gesagt, es waren so 4 Wochen, wo ich morgens aufgewacht bin, dachte, hab ich geträumt, hab ich schlecht geträumt. Dann hab ich mich umgeschaut, lag im Krankenhaus, da wusste ich, nee, es ist Realität. Und nach 4 Wochen schätze ich, weiß, ist jetzt schon lange her, Gott sei Dank, aber da hab ich dann wirklich auch akzeptiert, ja, ich hab's, ich hab Krebs.

Thomas:

Es ist, wie's ist. Jetzt, was kann ich tun, dass ich wieder gesund werde? Und für mich ist es dann schon Stück Kampf, aber jetzt nicht negativ ausgedrückt, aber einfach unter dem Motto, was kann ich jetzt dazu beitragen, dass ich gesund werde? Und da hab ich alles getan. Ich erinner mich ganz genau, es gab schon im Krankenhaus während der Chemozeit im Krankenhaus Raum, wo so kleine Fitnessgeräte stand, son kleines Laufband, eine kleine Beinpresse, also Kraftmaschine.

Thomas:

Und mit mir im Zimmer lag ein Leukämiepatient und ich hab gesagt, komm, Willi, wir gehen jetzt in Kraftraum. Wir haben jetzt die Chance, eine Stunde Sport zu machen. Und da hat er gesagt, nein, nein, ich krieg doch heut noch eine Chemo. Ich hab ich bin mit Chemoständer. Ich hatte Chemonadel in meinem Arm, bin mit Chemoständer dorthin, einfach die Chance, dieses dieses kleine Zeitfenster zu nutzen, aktiv zu sein.

Thomas:

Und der Sportler heute, der musste erst in der Station anrufen, ob ich das darf. Und hab durft ich und dann hab ich da mal bin spazieren gegangen aufm Laufband und hab da mich bisschen bewegt und dann bin ich wieder zurück. Wie soll ich sagen? Ich glaub, das ist der die Art von Kampf. Ich glaub, das ist der die Art von Beitrag, den man selbst leisten kann, einfach zu agieren.

Thomas:

Der Willi, der das nicht gemacht hat, der hatte vor allem Angst und der hat's auch leider nicht geschafft. Das heißt jetzt gar nicht, dass es nur an dem fehlenden Willen lag. Der hatte auch eine Leukämie, das ist was ganz was anderes. Aber irgendwie ist es bisschen symbolisch, dass der, der dann in dem Fall wenig oder nichts gemacht hat, es nicht geschafft hat. Ich bin sehr überzeugt, dass mein Aktionismus da viel zur Heilung beigetragen hat.

Katharina:

Wie würdest Du denn, ja, einen Rat formulieren ist, glaube ich, nicht einfach, wie man in diese Akzeptanz und in diesen positiven Aktionismus kommt. Also wie ist dir das gelungen? Wenn Du sagst, okay, da waren erst 4 Wochen, wo Du eher im im freien Fall warst, bis zu dem Moment, wo Du gesagt hast, okay, so ist es. Und jetzt, was kann ich alles dagegen tun?

Thomas:

Ich kann nur das raten, was ich erlebt hab. Der Rat ist aber natürlich bisschen schwierig, weil der Rat hat nur dann Sinn, wenn's auf jemanden trifft, der das annehmen und umsetzen kann. Also mein Rat wäre tatsächlich, man erstens, man muss man muss sich Zeit lassen. Man kann nicht von heute auf morgen sagen, ja gut, dann hab ich halt Krebs. Also mach ich jetzt was, sondern das dauert.

Thomas:

Man muss es auch zulassen, dass es dauert und dass man sich verloren fühlt. Aber dann irgendwann, es war eben schon immer son bis mein Motto, ja, jetzt ist es, wie es ist. Was was mach ich jetzt am besten daraus? Es waren eigentlich oft banale und einfache Sachen. Schlechtes Tennisspiel ist natürlich einfacher, dann beim nächsten Mal besser zu machen.

Thomas:

Sone Erkrankung ist natürlich was Schwerwegendes. Ich wusste auch immer, ich kann das, aber ich wusste nie, kann ich das auch in schweren Erkrankung. Jetzt weiß ich, ich konnte es da. Aber Rat zu geben, wie man das macht, das fällt mir schwer. Man muss es lernen zu akzeptieren, dass es ist, wie es ist.

Thomas:

Und dann muss man einfach positiv an das Schlechte herangehen und sagen, ich dreh das jetzt ich kämpf und ich versuch, dass ich wieder gesund werde.

Katharina:

Hat dir irgendwas im mentalen Bereich geholfen in der Zeit, dass Du irgendwie gedacht hast, okay, wenn ich's geschafft habe, dann gehe ich oder gönne mir das und das oder also hast Du mit so Zielbildern gearbeitet oder irgendwie eine eigene Technik entwickelt? Ich meine, es ist ja wahrscheinlich ein Hoch und Tief in der Behandlung, ein Auf und Das ist da gibt's ja bessere und schlechtere Tage, wo das eher oder weniger gelingt.

Thomas:

Ja, ja, das ist so. Also es ist Auf und Ab. Ich kann nur sagen, also es es wurden Dinge angeboten wie wie autogenes Training oder ich glaub, so heißt es. Da muss ich sagen, da bin ich der Typ nicht so dafür. Das das ging bei mir nicht so gut.

Thomas:

Letztendlich hat mich a Musik durch die Zeit getragen, eben dieses Lied von Grönemeyer, wo's heißt, das Leben kommt von vorn. Da wusst ich, was er damit meint oder ich hab zumindest für mich gespürt, was der Satz aussagt. Dann gab's ganz tolles Lied von Undo Lindenberg. Ich muss da durch oder es heißt, glaub ich, nur Muster durch. Das hab ich dann auch tagein, tagaus mir angehört und das hat mir das hat mir geholfen, ja.

Thomas:

Und ja, letztendlich muss man jeder seinen eigenen Weg finden. Für mich war das sich bewegen, aktiv zu sein und die Musik, die hat mir sehr geholfen. Und das waren meine mentale meine mentale Unterstützung. Und beim Anhören dieser Musik hab ich dann auch irgendwann für mich fest beschlossen, wenn ich das hier überlebe, dann lass ich mir Elefant tätowieren. Warum?

Thomas:

Weil mein Arzt, bei der die erst mich zur Erstdiagnose gebracht hat ausm Urlaub in Südafrika, hat mir ausm Urlaub von Südafrika ins Krankenhaus einen Blechelefant von den afrikanischen Kindern mitgebracht. Und Elefant war mich war mein Maskottchen in der Zeit. Und dann hab ich mir in in der Zeit, also als ich da so mental die Musik hörte, geschworen, In in in dem Lied von Udo Lindenberg heißt, die Narben trage ich stolz wie ein Tattoo. Und dann ist bei mir der Entschluss gefallen, wenn ich's überleb, lass ich mich tätowieren.

Katharina:

Und jetzt trägst Du irgendwo einen Elefant am Körper tatsächlich?

Thomas:

Ja, tatsächlich. Ein Elefant am Körper,

Katharina:

ja. Ja. Wunderbar. Ja. Okay.

Katharina:

Und da blickst Du dann drauf wahrscheinlich mit auch stolz, das geschafft zu haben, oder? Ja. Oder Demut oder was ist das Gefühl, wenn Du denkst,

Thomas:

da ist Stolz. Ich würd sagen stolz, ja. Der sitzt hier an meinem Port, wo der Port drin war. Und ja, also stolz. Bin ich echt stolz, wenn ich morgens im Bad stehe.

Thomas:

Also ich trage ihn nicht so offen, dass man jeder sieht, aber wenn ich im Bad stehen sehe, den Elefant, ja, bin ich stolz.

Katharina:

Sehr gut. Das Leben kommt von vorn. Wie würdest Du denn diese Zeile erklären? Weil also tatsächlich, ich kenn jetzt auch nicht den den anderen Text drum herum. Ja.

Katharina:

Ich mir ist da nicht gleich einleuchtend, dieser Satz. Ich Nein. Wenn Du sagst, dann in dem Moment hast Du's verstanden, was gemeint ist. Ja. Wie würdest Du das sagen?

Thomas:

Das Pendant heißt ja, man macht 1000, ich weiß nicht genau den Spruch, aber man plant das ganze Leben, man plant und plant und während man plant, passiert das Leben. Also genau das ist es ja. Also ich ich war gut aufgestellt. Ich ich hab dann die Firma ja schon übernommen gehabt und dann irgendwann kommt diese Krebsdiagnose. Die kann man von vorne, also sprich frontal, wie Frontalzusammenstoß und nicht schleichend, sondern das war wirklich batsch und ich hatte Krebs.

Thomas:

Und das ist für mich die Interpretation von das Leben kommt von vorne.

Katharina:

Okay. Ja. In dem Moment musstest Du ja auch rein unternehmerisch Entscheidungen sehr schnell treffen. Es war dann klar, okay, Du warst derjenige, der vorher die alleinige Entscheidungsgewalt und Unterschriftenbefugnis hatte von der Firma. Wie geht's jetzt weiter?

Katharina:

Du hattest Gott sei Dank einen Sohn, der parat stand mehr oder weniger, aber das muss ja auch erst mal zusammenkommen und dann muss ja auch erst mal das Commitment gegenseitig passen. Da wieder, so wie Du damals auch sehr mutig warst, die Firma zu übernehmen, ist das Schicksal hat sich da ja irgendwie ja

Thomas:

Fortgesetzt.

Katharina:

Fortgesetzt, genau. Weil die gleiche Entscheidung musste dein Sohn in dem Moment machen.

Thomas:

Richtig, richtig. Es es war also es war hochleichtsinnig von mir, dass ich

Katharina:

der

Thomas:

einzige Geschäftsführer, der unterschriftsberechtigt ist, in der Firma war. Ich hätte auch gegen 'n Baum fahren können mitm Auto und tot Da wär die Firma irgendwann in irgend eine staatliche Hände gefallen und keine keiner von der Familie hätte mehr Zugriff gehabt für Entscheidungen. Als die Diagnose da war, hatte ich eigentlich ein super Netzwerk. Sehr 1 meiner besten Freunde ist Rechtsanwalt. Und 1 meiner anderen beste Freunde war eben der Steuerberater.

Thomas:

Und die 2 zusammen haben in kürzester Zeit meinen Sohn, der zu dem Zeitpunkt noch Student war, zum Geschäftsführer berufen. Und wir haben uns gegenseitig und da ging's halt drum, dass ich ihm eine Generalvollmacht übertrage. Also die gilt auch heute noch. Da brauchen wir natürlich auch viel Vertrauen. Aber mit mit diesen Instrumenten war dann plötzlich die Firma wieder gesichert.

Thomas:

Dann war mein Sohn Geschäftsführer zusätzlich zu mir. Wär mir also, hätt ich's nicht überlebt und die Chancen waren sehr wohl da, wär die Firma nicht irgendwie von Fremden betreut worden, sondern von meinem Sohn. Mein Sohn ist dann auch tatsächlich, das war das letzte Praxissemester von seinem Studium für den Bachelor. Und da hat er, da war sein Alltag so, dass er tagsüber bei der Audi in Halbron oder Neckars Ulm zu seinem gearbeitet hat, Praxissemester. Dann hat er dabei noch seine Bachelorarbeit geschrieben und ist dann nachm Studium nach nach Audi hier in die Firma gefahren, hat die Leute gefragt, ob sie ob ob ob sie Nachrichten oder Neuigkeiten haben.

Thomas:

Er fährt jetzt auch zu mir. Dann ist er fast jeden Tag oder jeden zweiten Tag mir ins Krankenhaus gekommen, hat die Dinge mit mir besprochen. Zum Glück ist bei mir nie der Fallpunkt eingetreten, dass ich nicht ansprechbar war, was mir prophezeit wurde sogar von der guten Bekannten Bettina, die Onkologin. Und na, das ist Gott sei Dank nicht passiert. Und dann ist mein Sohn sehr oft ins Krankenhaus gekommen, hat mich Dinge gefragt.

Thomas:

Und ich hab ihm dann Antwort geben können. Und der Mut von meinem Sohn, der war noch größer als meiner. Mir war's ja gar nicht bewusst, dass die Firma so schlecht dasteht. Meinem Sohn war bewusst, er ist nur Student und ist jetzt Geschäftsführer von Firma. Er hat auch kam dann zu mir ins Krankenhaus, hat gesagt, Du Papa, ich ich setz jetzt erst mal mach eine Pause im Studium.

Thomas:

Also den Master wollte er noch machen. Er sagt, den kann ich immer noch machen, wenn Du wieder da ist bist. Auch da hat er mir unerschütterlich klargemacht, dass er nur davon ausgeht, dass ich wiederkomme, was ja überhaupt nicht so klar war, aber das war einfach klasse von ihm. Und dann ist er wirklich ins kalte Wasser gesprungen, Und ja, es gab da eine Situation, wo er von Konstruktionsleiter gefragt wurde, er hätte gern Gespräch mit mit ihm als Geschäftsführer. Und dann kam er zu mir und hat gesagt, ja, Du, was soll ich dem sagen?

Thomas:

Ich hab ja 0 Ahnung. Ich bin ja eigentlich noch Student. Ich bin ja Ich kann doch dem gar nichts sagen. Und da war mein Tipp und das war, glaub ich, recht guter Tipp, so war das auch selbst schon gesagt, Patrick, ich konnt ja auch nie jemand, ich konnt nie Konstrukteur sagen, was er machen soll. Ich hab mir's immer angehört und das machst Du auch und sag und der soll der Konstrukteur, der das Problem bringt, auch gleich sein Lösungs-, wie er's Problem lösen wird, vortragen.

Thomas:

Und wenn sich das für dich schlüssig anhört, das hab ich's jahrelang gemacht, dann sagst Du, ja, so machen wir's. Der die Leute, die Problem haben, die haben meistens schon eine Idee, wie man's Problem lösen kann im Kopf, die brauchen nur die Rückendeckung. Und nichts anderes konnt ich tun, weil ich wusste auch nicht mehr. Ich konnte nicht konstruieren. Ich hab's zwar studiert, aber es war, ich konnt's nicht, ja.

Thomas:

Und genauso hab ich die Firma geführt.

Katharina:

Ist ja auch nicht die Verantwortung der Führungskraft, jeden einzelnen Expertenjob abdecken zu Ganz

Thomas:

genau, ganz genau.

Katharina:

Kann, glaube ich, kein Mensch. Hast Du das damals als Doppelbelastung dann in der Klinik wahrgenommen oder tat es gut, einfach noch am Leben daran teilzunehmen, dass am Unternehmen dabei zu sein, mitzudenken?

Thomas:

Es war nur gut. Also es hat extrem gutgetan, dass ich aktiv sein konnte. Dass ich auch das Gefühl hatte, ich kann meinem Sohn bisschen helfen am Anfang. Das meiste hat er sich selbst beigebracht. Klar, er ist eine Firma, springt ins eiskalte Wasser, muss schwimmen lernen.

Thomas:

Aber natürlich tat's mir gut, mit meiner Erfahrung ich ab und zu den einen einen Tipp zu geben und dabei zu sein und mir anzuhören, was ist gut in der Firma, was läuft schlecht in der Firma und darüber zu reden. Und ja, es tat extrem gut, war 0 Belastung.

Katharina:

Patrick war in dem in wie alt war er in dem Moment?

Thomas:

Der Patrick dürfte da gewesen sein, 23.

Katharina:

23. Ja. Wie kam denn das? Wie habt ihr das kommuniziert auch unter den Mitarbeitern, dass er jetzt akzeptiert wird Und ja, jetzt Nummer 1 Anlaufstelle auch plötzlich von heut auf morgen und vorher ja gar nicht präsent im Unternehmen war. Er hat ja studiert woanders.

Katharina:

Richtig. Wie habt ihr das geschafft, dass das so gut, ja, angenommen wurde?

Thomas:

Also sagen wir mal so, wir haben wir haben meine Krankheit nie, also in der Zeit, wo ich wirklich im Krankenhaus war und behandelt wurde, nie offen in der Firma gesagt, dass ich Krebs hab. Da hatte ich Angst, wenn wenn ich erzähle, dass ich Krebs habe, dass dann Mitarbeiter sagen, 000, da such ich mir mal lieber neuen Job. Mhm. Wir haben gesagt, ich bin immer schwer erkrankt. Erst mein mein unser Kommunikation war, ich bin schwer erkrankt an der Lunge, aber es ist heilbar und es dauert nur lange.

Thomas:

Und erst, als ich zurückkam, nach es waren, glaub ich, ungefähr 15 Monate bei meinem ersten Besuch wieder in der Firma. Und da hab ich erst gesagt, was es wirklich war und dass ich halt jetzt wieder da bin. Und vorher haben wir das nicht kommuniziert. Mein Sohn hat da in der Richtung wahrscheinlich auch nicht viel, das weiß ich ja nicht, aber kommuniziert. Aber er hat halt gesagt, ja, mein Vater kann jetzt so schnell nicht kommen.

Thomas:

Jetzt bin ich offiziell Geschäftsführer. Er hat aber auch wirklich das geschafft, die Leute sofort hinter sich zu bringen. Die haben ihn sofort akzeptiert, weil er eben gekommen ist und die Leute gefragt hat, was macht ihr da? Wie macht ihr das? Warum macht ihr das so?

Thomas:

Und ist nie gekommen, sagen, hier, ich bin der neue Chef. Ich sag jetzt, wie's gemacht wird, sondern genau umgekehrt. Er hat sich schulen lassen von den Mitarbeitern, die schon hier waren. Und das wurd ihm, glaub ich, hoch angerechnet. Und er wurd ganz schnell hoch angesehen ist es heute noch.

Thomas:

Und ja, jetzt ist er 10 Jahre dabei.

Katharina:

Hat er noch seinen Master gemacht?

Thomas:

Nein.

Katharina:

Dacht ich

Thomas:

Hat er nicht mehr gemacht.

Katharina:

Warum auch?

Thomas:

Also Ja, genau. Ja. Das war dann auch die Kommunikation mit unserem Steuerberater. Ja, da war klar die Aussage, wenn er's für sein Ego bräuchte, soll er's noch machen. Aber er ist jetzt schon, da war er schon, wo dann das überlegt wurde, war er schon 2 Jahre Geschäftsführer von einem mittelständischen Unternehmen.

Thomas:

Da braucht er keinen Master mehr.

Katharina:

Jetzt arbeitet ihr Hand in Hand, seid beide in der Geschäftsführung. Ja. Ihr blickt ja oder Du vor allem hast ja dann in deinem Leben in dieser ganzen Firmengeschichte auch 3 Arten von Führung in den unterschiedlichen Generationen miterleben durften. Also dein Vater war bestimmt eine andere Führungskraft, als Du es warst bist und dein Sohn ist noch mal eine andere Generation und bestimmt auch eine andere Art von Führungskraft. Wie würdest Du diese Unterschiede sehen?

Thomas:

Mein Vater war Handwerker, macht sich selbstständig in ganz harten und schweren Zeit. Eigentlich dann ja, nicht kurz nachm Krieg, aber er ist ja noch Kriegskind. Und er ist sehr autoritär erzogen worden, auch noch mit bisschen Schläge, glaub ich, ohne es genau zu wissen. Und mein Vater war sehr autoritär. Und mein Vater konnte auch mal wirklich Leute anschreien.

Thomas:

Und viele Leute, die er auch angeschrien hat, die haben's trotzdem toleriert, weil er war halt damals war war der Unternehmer und da war das so. Da war's sehr autoritärer Führungsstil. Bei mir überhaupt nicht. A bin ich nicht so der Typ. Also ich hab das schon mal komplett gedreht und ich kann auch nicht hier in die Firma kommen als junger Mensch und dann die Leute anschreien.

Thomas:

Das war mir bewusst beziehungsweise vielleicht auch im Unterbewusstsein, ich hab da ganz anderen Führungsschiene gemacht. Ich wollte sofort mit den Mitarbeitern zusammenarbeiten. Ich wollte verstehen, was die machen. Wenn sie's nicht verstanden haben, mussten sie mir's erklären. Aber es war ganz anders, also nicht so autoritär.

Thomas:

Schon auch, wenn's mal kritisch wurde, wenn wenn wenn was personell oder wenn was kritisch wurde, konnt ich auch schon sehr dominant sein und bestimmend oder bestimmt sein, aber nicht nicht so autoritär wie mein Vater. Der hat auch eine falsche Entscheidung durchgeboxt und hat die Leute angeschrien. Das das so war ich da nicht. Und mein Sohn macht's noch mal besser, weil er sich noch mehr als ich aus dem Tagesgeschäft rausnimmt.

Katharina:

Mhm.

Thomas:

Also wir wir besuchen dafür auch eine Seminarreihe. Dort hab ich das schon auch gelernt, anders zu führen. Und mein Sohn macht's eben noch besser. Der Ich war noch mehr in den einzelnen Aufträgen und mit Kunden zugange, weil's mir auch Spaß gemacht hat und auch heute noch Spaß macht. Aber er nimmt sich da schon mehr raus und bespricht mehr mit den Leuten und gibt Aufgaben raus und führt hier tolle Dinge ein, macht zum Beispiel einen Strategietag.

Thomas:

Ja, wir arbeiten hier einen Tag im Monat nicht an den Aufträgen, an der Sache, sondern an der Entwicklung der Firma, an an Strategie. Also es gibt einen, wir nennen's 30 plus 1. 30 Tage werden wird an den Aufträgen gearbeitet, ein Tag wird an der Firma gearbeitet. Und das macht mein Sohn sehr, sehr gut. Er er er nimmt sich ausm Tagesgeschäft raus und führt die Firma so, dass die Mitarbeiter die die Hauptarbeit machen und die Leistung bringen.

Thomas:

Und das ist super. Also es Ich hab ihm auch, man muss es ganz klar sagen, mein Sohn ist auch schon besser als ich. Und ich hab ihn an der Weihnachtsfeier vor 2 Jahren überrascht. Das wusste niemand, wusste auch nicht meine Frau und hab ihn symbolisch zur Nummer 1 gemacht. Mhm.

Thomas:

Und hab gesagt, ich bin jetzt nur noch die Nummer 2. Weil ich merkte, er ist besser als ich. Er ist schon aufnahmefähiger als ich. Die Dinge, die man mit Erfahrung lernen muss und auch über die Technik wissen muss, die hat er sich ganz schnell angeeignet. Der kann genauso mit den Technikern sprechen wie ich.

Thomas:

Und insgesamt macht er es schon besser, weil's eben mehr rausnimmt und nicht so im Tagesgeschäft sich verbuddelt. Und da war mir klar, wenn er besser ist, dann kann ich ihm doch jetzt schon zur Nummer 1 machen und nicht erst, wenn die Mitarbeiter denken, das wär mal gut, wenn der alte aber irgendwann wieder geht. Ja, da hab ich ihn mit 59 hab ich ihn überrascht und zur Nummer 1 gemacht.

Katharina:

Was würdest Du denn sagen, macht eine gute Führungskraft aus?

Thomas:

Eine gute Führungskraft muss klare Ziele haben und muss muss eine eine klare Arbeitsmoral und Haltung vorleben. Es ist eigentlich nichts anderes wie bei der Kindererziehung. Ich hab mir viel gemacht, viel Gedanken gemacht, als ich der Patrick auf die Welt kam. Wie erzieh ich denn? Was kann da nicht da viel falsch machen?

Thomas:

Und heute weiß ich, man kann nicht viel falsch machen. Man muss einfach die Werte vorleben, für die man steht. Und es, wenn man das vorlebt, die Kinder machen das nach und dann kann schon gar nicht so viel passieren. Und genauso würd ich's jetzt auch in der Firma sagen. Also einfach vorleben, dass man Ich war immer begeistert von dem, was wir tun.

Thomas:

Die tollen Maschinen, die wir die wir bauen und entwickeln und entwickelt haben, die dann den Menschen dort, wo wir die Maschinen hinliefern, das Arbeiten erleichtern. Das hat mich begeistert. Und und wenn man die Begeisterung hat und wenn man für die Sache brennt, die man hier tut, da kann man gar nicht viel falsch machen. Das das würd ich ihm raten beziehungsweise das muss ich ihm nimmer raten, weil der macht's genauso.

Katharina:

Ist er genauso begeistert und angefacht und leidenschaftlich dabei wie Du.

Thomas:

Ja, so, dass ich ihn manchmal, wo ich denke, Mensch, ich muss ihn manchmal 'n bisschen bremsen, sonst läuft er vielleicht auch Also bei mir bei mir ist meine Interpretation, das kann kein Mensch beweisen, aber diese diese lange Zeit, die 10, 15 Jahre, wo ich hier in der Firma nur ums Überleben gekämpft hab und dass die Firma keine Insolvenz an muss und dann plötzlich 50 Leute mit ihren Familien auf der Straße stehen. Diese Verantwortung, die ist schon sehr groß und in schlechten Seiten sehr belastend. Und ich wollt da bisschen, ich versuch, ihn bisschen zu bremsen. Geht aber gar nicht. Also er er brennt ja auch dafür, so wie ich auch dafür gebrannt hab.

Thomas:

Er hat jetzt nur den Vorteil, dass es uns wirklich jetzt gut geht und er macht aus dem Gutgehen, dass es uns noch besser geht. Also er lebt wirklich die Leidenschaft vor und der Firma geht's gut. Also die die Leute sind motiviert. Also natürlich gibt's Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen haben wir ganz tolle Mitarbeiter, mit denen man hier wirklich mit Spaß sone Firma leiten kann.

Katharina:

War denn von Anfang an klar, jetzt auch vor deiner Erkrankung, dass er ins Unternehmen mit einsteigt? Also war das geplant oder war das damals tatsächlich so dann ad hoc entschieden?

Thomas:

Ich ich hab ihn nie gefragt. Mein Vater hatte mich ja gefragt. Also ich war ja wirklich auch Nachkömmling. Meine Schwester ist 14 Jahre älter und das Ziel meines Vaters war, er braucht noch Sohn, der die Firma übernimmt. Und ja, und beim Patrick war's war's so, nee, hab ich nie drüber nachgedacht.

Thomas:

Ich hab nie das Gefühl gehabt, der muss jetzt in die Firma. Wenn der was anderes gemacht hätte, wo er glücklich wäre, hätte ich da sehr gut mit leben können. Und von daher auch, glaube ich, für ihn war's auch nicht von Anfang an klar, aber da sind wir wieder genau dann dem Punkt, wenn man das vorlebt. Er kriegt das mit. Er merkt ja, wie die unter die Firma geführt wird.

Thomas:

Irgendwann dann, als er dann BWL angefangen hat zu studieren, ich glaube in der Zeit, das müssten wir ihn jetzt fragen, aber ich glaube in der Zeit ist ihm das schon klar geworden, hat er mir nie drüber gesprochen. Er hat mir tatsächlich erst dann gesagt, als ich im Krankenhaus lag und mit meiner Erkrankung. Da hat er gesagt, also ich werd die Firma übernehmen. Und bis Du wiederkommst, mach ich jetzt eine Pause in meinem Studium.

Katharina:

Wenn man das Also wie fühlt sich das an, wenn der Sohn so etwas zu einem sagt? Ist natürlich

Thomas:

Ich bin kein guter Mensch, der Gefühle gut beschreiben kann, aber es ist aberartig. Es ist toll.

Katharina:

Ja, glaub ich.

Thomas:

Schöner geht's gar nicht. Ja. Ja und und auch jetzt die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, ist fantastisch. Es macht einfach nur Spaß. Und ich glaub, es Da log ich mich jetzt mal bisschen selbst.

Thomas:

Ich glaub, das liegt damit dadran, dass ich sehr leicht abgeben kann, dass ich ihm die zur Nummer 1 gemacht hat. Und das das bringt ihn halt auch in die Position, wo es ihm Spaß macht. Er hat jetzt die Fäden in der Hand und macht es gut, macht es voll in meinem Sinne. Und bespricht aber trotzdem noch viele Dinge mit mir und das tut mir auch gut. Und es funktioniert hervorragend bei uns, ja.

Katharina:

Ist Vertrauen die Grundlage dafür oder

Thomas:

was würd ich sagen.

Katharina:

Was noch würdest Du sagen?

Thomas:

Vertrauen, aber auch darauf vertrauen, dass, wenn er Fehler macht, dass es trotzdem gut wird und dass die Firma deswegen nicht untergeht. Das hab ich ihm auch gesagt. Also wenn ich drüber nachdenke, wie viel Fehler ich gemacht habe und die Firma steht heut super da. Also dann darf er auch Fehler machen. Ja, und und dann hat sich noch 1 rausgestellt, wir haben schon manchmal eine Diskussion gehabt, wo er gesagt hat, er würde das jetzt so und so machen.

Thomas:

Und ich gesagt hab, nee, auf gar keinen Fall. Das das klappt nicht. Das meine Erfahrung zeigt, das klappt nicht. Das kannst Du so nicht machen. Und wir haben da eine Diskussion gehabt, konnte ich irgendwann relativ zügig sagen, okay, Patrick, komm, wir probieren's jetzt aus.

Thomas:

Mach, wie Du denkst. Ich hab meine Fehler auch gemacht. Und in 8 von 10 solcher Fälle musst ich hinterher zugeben, dass sein Weg der Bessere war. Hat sich als der Bessere herausgestellt. Das war hervorragend.

Katharina:

Und in den anderen 2 Fällen, wie hast Du dann reagiert?

Thomas:

Nicht besser revisorisch, sondern da hat er's halt vielleicht irgendwann selbst bemerkt und aber dafür der Firma hat's keinen Abbruch getan. Also der die die 8 Entscheidungen jetzt, wenn man's jetzt wirklich so in Zahlen ausdrückt, also die Mehrheit der Entscheidungen, die er anders getroffen hat, haben die Firma so derartig nach vorne gebracht, dass die 2 anderen Dinge gar nicht so ins Gewicht gefallen sind. Ja, also es ist wirklich so.

Katharina:

Grad in Deutschland ist ja Fehlerkultur ein großes Thema und großes Leid leider auch Ja. Bei in vielen Unternehmen. Ja. Anscheinend hier nicht. Habt ihr, ich mein, vorhin hast Du von einem Seminar Thema Führungsstrategie vielleicht so eher gesprochen.

Katharina:

Ja. Habt ihr euch wirklich mal über die Fehlerkultur Gedanken gemacht und für euch expliziten Weg auserkoren oder ist das liegt das einfach an eurem Charakter?

Thomas:

Also es gab mal grad von dem Seminar gab's die Idee, haben wir hab ich rausgezogen, dass man einen Fehler des Monats prämiert. Das haben wir aber nicht gemacht. Also prämiert haben wir's nicht und wir haben auch dieses Instrument nicht eingesetzt. Aber die Idee, die dahintersteht, die haben wir, glaub ich, schon umgesetzt. Also uns ist wichtig, wenn hier 1 Fehler macht, dass er den versucht zu vertuschen, sondern dass er sagt, ich hab da Fehler gemacht und das war nix und man muss aus den Fehlern lernen.

Thomas:

Und so denken wir und versuchen das auch vorzuleben. Trotzdem passiert's, dass Mitarbeiter Fehler nicht zugeben wollen, dann ertappt man vielleicht Fehler. Aber am liebsten ist uns 'n Mitarbeiter kommt und sagt, ich hab da und da Fehler gemacht. Und das lassen wir dann auch zu. Dann ist das so und dann versucht man, die Schlüsse draus zu ziehen, wie man's nächste Mal besser macht.

Thomas:

Aber die Idee find ich schon mal sehr gut, sogar einen Fehler des Monats zu prämieren.

Katharina:

Warum habt ihr's dann nicht gemacht?

Thomas:

Da braucht man da braucht man, glaub ich, auch die richtigen Leute dazu. Und da wir ein ein Fertigungsbetrieb sind, haben wir in der Fertigung sicherlich viele Leute, die die verstehen das. Die sind unter sich sehr hart, streng und autoritär. Und da die die die bestrafen sich praktisch gegenseitig oder bestrafen ist vielleicht der falsche Ausdruck, aber die sind dann schon hart im Umgang, wenn 1 Fehler macht. Und dann wär das, glaub ich, zu krass gewesen, wenn man jetzt plötzlich Fehler prämiert.

Thomas:

Also der der Sprung wär zu groß gewesen, glaube ich. Vielleicht hätt's geklappt, ja, in anderen Firmen klappt's auch. Aber ich glaube jetzt, eine eine Kanzlei, ein ein Büro, also irgendwie Handel oder so was, wo keine Fertigung ist, da könnt ich's mir eher vorstellen, dass so was funktioniert. Aber in dem Moment, wo wir hier Ingenieure haben, Konstruktion, kaufmännische Mitarbeiter und Fertigung, da ist da sind schon gewisse Neidfaktoren da per se. Und dann auch noch Fehler zu prämieren, weiß ich nicht.

Thomas:

Vielleicht hätt's geklappt, aber wir haben's nicht gemacht.

Katharina:

Ja. Bist Du denn als Führungskraft ein anderer geworden durch die Erkrankung? Erleben die Mitarbeiter dich als, aha, das war Führungskraft Thomas vorher und nachher? Mhm. Oder meinst Du, bist Du die Führungskraft, der die Du vorher auch warst?

Thomas:

Für mich schwer zu beurteilen. Ich glaube aber, hier in der Firma bin ich die gleiche Führungskraft. Aber man müsste vielleicht die Mitarbeiter befragen.

Katharina:

Wär spannend. Ja, ja. Und im Alltag gibt es da etwas, was Du jetzt anders siehst, tust oder Ja. Bewusster machst als vorher?

Thomas:

Ja, eindeutig. Also es gibt wirklich eindeutige Veränderungen bei mir privat, auch was den Freundeskreis anbetrifft. Ich sag mal, für mich ist Oberflächlichkeit furchtbar. Ich weiß, dass es ganz schnell zu Ende sein kann. Ich möchte mein Leben mit Menschen verbringen, die mehr Energie bringen und nicht mit Und da hab ich auch schon die eine andere Konsequenz gezogen.

Thomas:

Wenn ich merke, dass 1 immer nur mir Energie entzieht und Dinge macht, die ich überhaupt nicht kann, dann dann möchte ich so jemanden nicht mehr als Freund haben. Ja, und da bin ich, da hab ich schon, denk ich anders, leb ich anders und ja.

Katharina:

Was wünschst Du dir für die Zukunft?

Thomas:

Für meine oder für

Katharina:

Insgesamt, ja, für deine Zukunft, für deine, ja, für Patreks Zukunft, fürs für die Zukunft des Unternehmens Für

Thomas:

die Zukunft des Unternehmens möchte ich, dass wir unser Leitbild durchleben können. Wir haben schon in Zeitungen getroffen, die Produkte hätten wir für jemand bauen können, die aber nicht unserem Leitbild entsprechen. Zum Beispiel ist ein ein großer Punkt unseres Leitbilds Nachhaltigkeit. Und dann haben wir die Finger weggelassen. Und ich möchte, dass es gelingt, dass unser Unternehmen so weiter wächst und gesund bleibt, dass wir unser Leitbild leben können.

Thomas:

Und nicht plötzlich, bloß weil irgendwo viele Kriege herrschen, anfangen, Munition oder Waffen zu bauen. Das wär nicht meins. Ja.

Katharina:

Wir stellen all unseren Gästen am Ende eine Frage.

Thomas:

Ui.

Katharina:

Ja. Und zwar stell dir doch vor, Du hast ein Mikrofon in der Hand und die ganze Welt hört dich und hat Du hast 20 Sekunden Zeit, etwas durch dieses Mikrofon der Welt zu sagen und jeder Mensch erfährt es. Was würdest Du sagen? Das

Thomas:

Erste, was mir einfällt, das Leben kommt von vorn. Habt Spaß am Leben, sucht euch einen Beruf, der euch Spaß macht. Die meiste Zeit im Leben verbringt man mit der Arbeit. Und es ist gar nicht so schlimm, wenn man Arbeit hat, die einem Spaß macht. Lebt eure Träume.

Thomas:

Habt Mut, eure Träume zu leben und setzt auch was dafür ein, dass ihr sie leben könnt und seid nicht ängstlich. Tut was, entscheidet, keine Entscheidung, ist meist schlechter wie eine falsche Entscheidung.

Katharina:

Thomas, vielen Dank für das tolle Gespräch. Es war sehr inspirierend. Schön, dass Du zu Gast warst.

Thomas:

Danke auch. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Intro/Outro:

Das war GOLDRAUSCH. Anders glücklich leben. Danke, dass Du dabei warst. Katharina, Sebastian und ihre Gäste freuen sich, wenn Du den Podcast abonnierst und die Reise weiter mitgehst.