In Goldrausch sprechen wir mit Menschen aus Spitzensport, Business und dem echten Leben über das, was hinter Leistung wirklich passiert: Fokus, Zweifel, Rückschläge – und die Frage, was Erfolg jenseits von Medaillen, Titeln und Zahlen bedeutet.
Wir glauben an hohe Ansprüche, ehrliche Gespräche und daran, dass man leistungsfähig sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Goldrausch ist kein Motivationstheater, sondern ein Raum für Klarheit, Tiefe und neue Perspektiven.
Für alle, die etwas erreichen wollen – und dabei ein andersglücklichleben suchen.
Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine individuelle Beratung.
Willkommen bei Goldrausch - Anders glücklich leben. Der Podcast von Katharina Naumann und Sebastian Hess über die Balance zwischen Leistung, Leben und Leidenschaft.
Sebastian:Manchmal wohnen die spannendsten Geschichten näher als man denkt. Heute sitze ich nicht nur mit einem außergewöhnlichen Musiker, sondern auch mit meinem Nachbarn zusammen. Jemand, dem ich immer wieder begegnet bin und bei dem man schnell merkt, Musik ist für ihn nicht einfach Beruf oder Hobby. Musik ist Sprache, Ausdruck und ein ganz großer Teil seiner Persönlichkeit. Wir wollen heute gemeinsam auf eine Reise gehen, zurück zu den Anfängen, zu den Sängerknaben, über die Jahre mit der Gruppe 5 über große und vielleicht auch kleine Bühnen besondere Begegnungen und die Frage, was einen Menschen über Jahrzehnte antreibt, seiner Leidenschaft treu zu bleiben.
Sebastian:Und wir wollen auch darüber sprechen, wie Musik uns in unterschiedlichen Lebensphasen begleiten, tragen und vielleicht manchmal sogar verändern kann. Herzlich willkommen bei GOLDRAUSCH, Kai Podack.
Kai:Freut mich, hallo.
Sebastian:Hallo Kai. Ja, jetzt habe ich schon so ein bisschen was angeteasert über dich, wenn Du einfach mal dir vorstellst, Du kommst so in ein Hotel und bist an der Bar abends und da ist irgendjemand, der dich nicht kennt und den Du nicht kennst und der fragt auf einmal, hör mal, wer bist Du eigentlich? Wer ist eigentlich Kai Podack? Was würdest Du antworten?
Kai:Ich bin natürlich viel mehr als das, was ich mache. Nur, ja, die meisten definieren mich oder ich definier mich ja auch selber als als Sänger und Gesangslehrer. Und es macht ein riesigen Teil von mir aus, aber natürlich bin ich wie Du auch Vater. Ich bin selbstständig. Ich bin quasi ein Kämpfer des Alltags, so wie wir alle.
Kai:Und ja, so seh ich mich. Ich bin Hyperaktiver, eine 1 Frohnatur meistens jedenfalls. Ja, und ich hab meine Unzulänglichkeiten für mich eingeordnet und bin mit mir ganz gut im Reinen, würd ich sagen. So das...
Sebastian:Wenn Du so an die aktuelle Situation denkst, an dein Jetzt, was Du gerade machst, was erfüllt dich denn momentan besonders?
Kai:Na ja, was mich ganz besonders erfüllt, ist natürlich mit ganz vielen unterschiedlichen Menschen Kontakt zu haben. Sei es übers Unterrichten, meine meine Gesangsschüler, aber vor allem natürlich auch in den ganzen Bands, in denen ich singen darf oder mit denen ich sing. Ich sing ganz viel mit Big Bands, mit schon bestehenden Big Bands. Ich hab auch meine eigene, aber das ist schon richtig toll, wenn Du da in sonen gewachsenen Haufen von, was weiß ich, 20 Leuten ungefähr kommst und die immer wieder triffst, dann sind das irgendwann mal alles deine gefühlt besten Freunde. Du hast ja wahnsinnig viele ja Erinnerungen dann auch gemeinsam geschaffen und sowieso ganz viele ähnliche Bezugspunkte jedenfalls, was die Musik betrifft.
Kai:Und ja, und grad dieses diese Abwechslung mit Menschen, mit denen man auf' ner Ebene ist, mit denen man hängen kann nach' Konzert oder vorm Konzert. Aber mit denen halt einfach auch richtig tolle Musik machen kann, was mich grundsätzlich ja schon etwas erfüllt.
Sebastian:Das würd ich auch sagen. Bevor wir zu den Anfängen deiner musikalischen Karriere kommen, ich hab ganz aktuell hast Du ein paar paar Videoausschnitte von deinem, ich weiß nicht, ob's dein letztes Konzert war, aber es war jetzt letzte Woche glaub ich, da hast Du Michael Jackson gesungen, auch mit' Big Band zusammen. Nimm uns da vielleicht mal rein, wie darf ich mir das vorstellen? Ich hab mich so gefragt, verdammt noch mal, Kai und Michael Jackson, das hätte ich jetzt gar nicht so in Verbindung gebracht. Und dann habe ich diese Ausschnitte gesehen und hab gedacht, boah, das klingt richtig richtig gut.
Sebastian:Wie wie lang hast Du dafür geprobt und wie funktioniert das auch mit der Band, so dieses Zusammenspiel? Ist da viel Improvisation am Ende auch dabei oder ist das alles hermetisch geplant? Wie war das jetzt grad bei diesem Auftritt Michael Jackson? Das war glaub ich über 2 Tage sogar 2 2 Konzerte.
Kai:Also das ist jetzt schwierig zu beantworten, weil da jetzt einige Fragen dann drinstecken. Starten wir mal mit, wie wie so was vorbereitet wird oder ob ich dafür viel geprobt hab. Das also das war jetzt ein Programm mit der Lambberjack Big Band. Und die Lambberjack Big Band, ich muss mal das Mikrofon wieder grad machen. Das Projekt mit der Lumberjack Big Band ist in der Regel so, dass es irgend ein Überthema gibt.
Kai:In dem Fall war's jetzt Michael Jackson. Wir haben auch schon ABBA gemacht. Wir haben Beatles Programm gemacht. Auch mal ein Queen Programm oder auch ein 80s Programm mit so Coolen the Gang, Earthhmen't In Fire, Chicago, solchen Geschichten. Und da haben wir halt, da sind wir 4 Sänger in der Regel, ne.
Kai:Und dann ist dann meine Aufgabe, die Vokalenrangements zu schreiben oder aufzunehmen, dass die anderen Sänger sich einfach nur die Songs anhören müssen und wissen, was sie singen müssen. Denn das ist ja dann auch harmonisch ausgesetzt. Da hast Du dann Background Geschichten, die Du singst, aber bist auch Frontsänger. Manchmal bist Du Frontsänger und musst dann auch noch irgendwelche Satzgeschichten dann den Background übernehmen. Und ja, weil das natürlich bildlich über Noten ist es ganz schön, aber viele Sänger...
Kai:Also 1 kam mal zu mir her und hat gesagt, Kai, Du musst verstehen, wir kommen von der Straße, ja?
Sebastian:Wir haben das
Kai:nicht stimmt hier, wir kommen von der Straße. Das mit den Noten ist nicht so cool für uns. Und ja, dann fing das halt irgendwann mal an, dass ich diese Aufnahmen hier aufgenommen hab, dass dass die das lernen können. Das heißt, am Anfang hab ich echt richtig viel zu tun, muss diese ganzen Songs, ja, muss da Arrangements für machen und und das einsehen, einzeln und dann für die abmischen, dass dass die die... Das läuft dann so, alle anderen Stimmen sind auf der rechten Seite, wenn sie's über ein Kopfhörer hören und ihre Stimme ist auf der linken Seite.
Kai:Und dann können sie das immer schön abnehmen.
Sebastian:Und also Wie lang habt ihr geprobt jetzt für so für so 2 Tage?
Kai:Für son Ding, das musst Du dir dann halt einfach selber erst mal ein paarmal geben, ne. Dass Du dich so halbwegs sicher fühlst und dann triffst Du dich mit denen und übst es mal ein Tag. Und dann hast Du noch noch mal ein Tag Probe mit in dem Fall mit dem Big Bandleiter Alexander Eisele. Und dann hast Du noch die Big Band Probe. Dann gibt's am nächsten Tag noch eine Anspielprobe vor dem Gig, ein ausgedehnter Soundcheck quasi.
Sebastian:Und
Kai:dann geht's los. Und danach sagst Du, ah, hätten wir noch ein Tag mehr geprobt. Aber es wird Dann wär dann wär das alles ein bisschen safer gewesen, ja? Irgendwie von... Aber so ist es in der Regel immer.
Kai:Wahrscheinlich, wenn Du den einen Tag mehr geprobt hättest, würdest Du trotzdem sagen,
Sebastian:ja... Ich wollt grad sagen, dann würd
Kai:man vielleicht andere Sachen finden. Du findest immer Sachen. Oder? Also Du findest immer Sachen. Und wenn sich das 1.
Kai:Konzert gut verkauft, dann gibt's auch noch einen zweiten Job am nächsten Tag in dem Fall. Und deswegen gab's da 2 Konzerte hintereinander.
Sebastian:Na gut, es war ja ein heißes Wochenende.
Kai:Also ein heißes Wochenende.
Sebastian:Von Temperaturen auch. Und ist das jetzt, dass ihr sagt, okay, jetzt haben wir Michael Jackson gemacht, das wars oder holt man sowas nochmal für ein anderes Konzert aus der Tasche und sagt, ach, machen wir nochmal, das war war cool? Also das
Kai:ist ein explizites Lumber Jack Big Band Programm und der Leiter, hab's schon gesagt, Alexander Eisele, der ist jetzt mittlerweile in Lüneburg eine ziemlich große Nummer, hat das seine Big Band Programme in Lüneburg mit dem Orchester, mit dem Symphonieorchester, in dem er auch Klarinette spielt, umsetzen dürfen. Und das ging so seinen Weg. Und jetzt füllt er dort die große Allzweck Arena, LKH Arena mit, ne, knapp 4000 Leuten und macht es da jedes Jahr. Das heißt also, das Michael Jackson Programm haben wir jetzt, diesmal andersrum, haben wir dort mitm Symphonieorchester in diesem Mehrzweckarena gesungen, haben das jetzt mit der Lumberjack - Big Band noch mal gesungen zweimal. Und nächstes Jahr ist geplant, dass wir das mit den Nürnberger Symphonikern noch an' Wochenende machen und ja.
Sebastian:Also ich hab nächstes Jahr vielleicht die Möglichkeit, dich noch mal als Michael Jackson zu erleben.
Kai:Na ja, ich versuche jetzt keine Michael Jackson Kopie zu sein. Es ist jetzt auch... Ich versuche nur die Songs gut genug zu interpretieren.
Sebastian:Gerade wollte ich sagen, aber... Würde auch, wenn ich die Ausschnitte gesehen hab, gar nicht sagen, dass Du ein perfekter Michael Jackson Interpret bist, sondern Du hast deine eigene Art und Weise, glaube ich, diese Songs rüberzubringen und diese Interpretation finde ich, gelingt dir wirklich, wirklich gut.
Kai:Danke. Ja, wenn wenn Du son Programm machst, bist Du natürlich ja mit deinen Unzulänglichkeiten immer immer am Machen. Na,
Sebastian:wenn Du auf deine Unzulänglichkeiten ein kurzen Blick drauf werft, wo haderst Du son bisschen mit dir, wo Du sagst, ah...
Kai:Bei Michael Jackson explizit.
Sebastian:Genau oder oder auch mal Na
Kai:ja, wenn Michael Jackson da oben, also wenn er Bad singt zum Beispiel. Ja, dann dann schafft er das. Es ist viel höher, ja. Ich versuch... Diesem Fall Z Sound zu sein und da gleichzeitig Distortion draufzugeben.
Kai:Und das Fall Z, das das krieg ich ganz gut hin, aber das mit der Distortion eben so, das ist meine Herausforderung. Und das kann ich manchmal ansatzweise ja, kopieren oder oder bedienen, sag mal so. Aber nicht zu meiner Zufriedenheit. Und grundsätzlich ist es ja bei Michael Jackson auch so, er singt nicht so laut, wie es wirkt. Mhm.
Kai:Ne, er hat sehr viel Attack in in seiner Aussprache und also ist nicht so laut. Aber wenn Du mit' mit' nem son Riesenklangkörper da performst, willst Du da auch drüberkommen. Mhm. Und das machst Du in der Regel oder mach ich über Lautstärke. Weil ich halt auch die Lautstärke bedienen kann.
Kai:Und die kann ich auch im Fall Z bedienen, aber halt ohne Distortion. Also zieh ich da halt einfach die Distortion raus, mach halt, was ich kann, versuch das musikalisch halt anständig. Und auch seine Energie zu matchen, ne. Und in dem Fall irgendwie so nah wie möglich ranzukommen. Bei manchen Künstlern klappt es besser.
Kai:Und bei wenigen, also bei manchen dann halt, ja, Michael Jackson ist schon ein Extrembeispiel. Oder so. Die anderen die anderen klappen deutlich besser. Ja, aber ob jetzt irgendwie oder Udo Jürgens oder ist ja eigentlich voll vollkommen egal. Ich sitz hier manchmal da und und check mir die ganzen Sänger aus, die ich so kenn in meinem Studio.
Kai:Hör mir die laut an und versuche, ihre Sounds zu matchen. Und so guck mal, guck mal da, da holt ihr das her. Grad hier Brust- und Kopfstimmen Mix quasi. Was ist da jetzt bisschen präsenter, was ist weniger? Wie nasal ist es?
Kai:Oder auch nicht nasal. Witzigerweise ist es ist oft so, dass etwas extrem nasal ist, was Du dir selber niemals überstülpen würdest. Aber dann so als als Produkt gefällt's dann doch.
Sebastian:Wenn wir so jetzt von Michael Jackson, das ist ganz aktuell, mal so zurückblicken, wie so dein Wachstum vielleicht auch als Sänger und Musiker war. Es hat hier ganz in der Nähe angefangen in Kalf bei den Aurelius Sängerknaben. Kannst Du dich noch dran erinnern, wie Du dort gelandet bist? Also gab's da irgendjemand, der gesagt hat, ach, probier's mal aus? Also ich war auch bei Neurelius Sängerknaben.
Sebastian:Im allerersten Konzert hab ich mitgesungen, danach hab ich dann irgendwann aufgehört. Bei unserem Sohn war's so, da kam jemand in die Schule und die haben einfach geschaut, wer kann halbwegs singen und so ist er dort gelandet. Wie war's bei dir?
Kai:Bei uns kamen die auch in die Schule und haben alle mal ausprobiert und die besonders Talentierten haben dann einen Zettel mit nach Hause bekommen.
Sebastian:So ist es heut noch.
Kai:So ist es heute noch, ja. Das ist aber auch ein 1 gutes Tool, diesen Chor auf' gewissen Niveau zu halten, ne. Wenn Du nur mit unbegabten Leuten arbeitest, kommst Du am Schluss nicht da an, wo Du in dem Fall hinwillst. Und bei mir fing das ein bisschen früher an. Ich war schon ja positiv verrückt, wenn's ums Singen ging.
Kai:Also ich hab immer gesungen, überall. Ich war der Typ, der halt überall gesungen hat, schon als minikleiner Steppke. Und über Vitamin b würd ich's mal sagen, weil meine Eltern mit dem Chorleiterehepaar eng befreundet waren und das ganz offensichtlich war, wo mein Talent liegt, bin ich schon, ich glaube in meinem zweiten Kindergartenjahr da eingestiegen und hab dann auch direkt Stimmbildung gekriegt. Was? Das heißt also ich war sehr sehr früh maximal gefördert.
Sebastian:Ja, grad würde ich sagen, also zweites Kindergartenjahr, das ist ja dann irgendwie so mit mit 4, 5, sag ich mal ganz grob vom Alter her.
Kai:Also ich bin der Meinung, ich war 5, Ja. Wo ich in den Aurelius Chor gekommen bin. Allerdings war ich davor schon bei der Kinderkanturei, hab mit 4 dann auch schon in' anderen Kinderchor gesungen gehabt.
Sebastian:Erinnerst Du dich noch an deinen ersten Auftritt? Ich hab grad von meinem ersten Auftritt, ich war auch gleichzeitig der letzte, aber ich kann mich noch dran erinnern. Kannst Du dich noch an deinen allerersten Auftritt mit denen erinnern?
Kai:Ich kann mich dran erinnern, total. Und jetzt komm ich meine 1. Ambivalenz, denn offensichtlich war ich da in der ersten Klasse. Heißt, dann war ich vielleicht in meinem dritten Kindergartenjahr dann erst im Orgienius Chor. Das war das Jahreskonzert beziehungsweise war das in der Weihnachtszeit.
Kai:Und ich hab einen Soloteil zugewiesen bekommen. Und zwar ging es ein Stück, das die 4 Advent ab abzählt quasi. Und ich hab den vierten Advent bekommen. Und es hieß damals dann im Stimmbildungsunterricht, Kai, das musst Du dann auswendig lernen. Das hab ich allerdings mit meinem, ja, manchmal etwas nachlässigen Gehirn dann irgendwie vergessen und hab mich nicht drauf vorbereitet.
Kai:Und dann standen wir bei diesem Konzert und dann hieß es, ja, und dann singst Du ja nachher dann den vierten Advent. Oh je. Ja, das weiß ich ja gar nicht, wie der geht. Na ja, egal. Die anderen Kinder bleiben ja alle...
Kai:Also es waren 4 Adventte, das heißt also 4 Jungs, die nacheinander dann einen Advent haben singen dürfen. Und alle anderen saßen dann hinten an der Bühne am Bühnenrand. Und dann dacht ich, ja komm, setz dich einfach zu den anderen hin. Das wird schon nicht auffallen, wenn der 4. Advent fehlt.
Kai:Ja, es ist aufgefallen. Und dann wurd ich dann doch vehement nach vorne geholt und der Chorleiter hat's dann mit mit mit dem Mund so gut mitgemacht, dass es dann für mich doch kein Problem war, das abzunehmen und hab's dann gut überstanden, würde ich sagen.
Sebastian:Wann hast Du denn so gemerkt oder ich weiß gar nicht, ob Du's gemerkt hast, dass Musik vielleicht so mehr sein könnte als ein Hobby oder hat's vielleicht jemand anderes dein Talent gesehen, entdeckt, gefördert? Wie wie war das so dieser dieser nächste Step oder war das eher son fließender Übergang? Du hast eigentlich gar nicht so mitbekommen, auf einmal war's einfach so, dass Du auch auf großen Bühnen letztendlich dann gesungen hast und hoffentlich dann den Text auch konntest?
Kai:Jetzt muss ich muss ich natürlich vorsichtig sein, wie ich das formuliere. Es war das war gar keine Frage. Das war nie eine Frage. Es war ganz klar, wo mein Talent liegt, wo ich auch mich konzentrieren kann. Ich bin ADHSler und hab immer das Problem gehabt, dass ich immer ein bisschen Schwierigkeiten damit hatte, mich länger zu konzentrieren.
Kai:Aber beim Singen und mit der Musik ging das wahnsinnig gut. Und ja, wie gesagt, mein Talent war dann war da. Und ich war auch im Aurelius Chor der absolute Überflieger. Hab da dann ganz viel tolle Projekte auch solistisch machen dürfen. War viel unterwegs auch neben der Schule.
Kai:Was nicht immer leicht war von der Kommunikation mit der Schule, denn die geben natürlich' sehr guten Schüler lieber frei als einem, der sich ein bisschen schwerer tut.
Sebastian:Wenn Du so auch sagst, das ist vielleicht für die die Hörerinnen und Hörer draußen auch ganz interessant, dass man so auch von der Schule dann irgendwie mal freigestellt wird. Das ist ja auch heute noch so, dass dann einfach ausgewählte Sängerknaben von den Aurelios große Rollen auch zum Teil in in Opern und Opernhäusern bekommen und die Aufführungen sind nicht immer am Samstagabend, sodass man da freitags hin und sonntags wieder heim kann, sondern das ist auch ganz normal unter der Woche.
Kai:Ja, Extrembeispiel war bei mir, als ich in Nizza an der alten Oper Zauberflöte gesungen hab. Und da fährst Du nicht hin und machst das einfach, sondern fährst dahin und wohnst da erst mal 2 Wochen und hast dann da jeden Tag deine deine Probenchoreografie und ja, dass Du weißt, wohin Du laufen musst, wie Du's zu singen hast, Orchesterproben, Bühnenproben, Ankleideproben, was auch immer. Und also so schlimm war's eigentlich später nicht mehr. Das war mehr oder weniger zweimal ein Einzelfall. Zweimal, weil's zweimal 2 Wochen waren.
Kai:Und oder einmal 2 Wochen, einmal 3 Wochen oder so ausm Gedächtnis. Ich war da 8 Jahre. Da hab ich meine 1. Zauberflöte gesungen. Und da hatt ich dann auch einen Privatlehrer dabei oder hatten wir als Sängerknaben dann Privatlehrer dabei.
Kai:Der ist auch mein Mentor geblieben viele, viele Jahre. Auch über die Pubertät hinaus. Also war ein ganz, ganz enger Mensch für mich. Und na ja, die Aufgaben, die ich damals hab bewältigen müssen, das war dann eher schreiben Tagebuch. Und wenn ein Achtjähriger ein Tagebuch schreibt, ist das jeden Tag irgendwie genau gleich.
Kai:Gleich. Es ist nicht sehr sehr interessant damals, als ich das, das weiß ich noch, wie ich das in der Schule vorlesen müssen. Es war irgendwie komm, das können wir auch überspringen. Das können wir auch überspringen. Ja.
Kai:Aber ja, gutes Beispiel war, als wir Zauberflöte in Berlin gesungen haben, da ist es dann schon so, dass Du dann morgens 6 Uhr dann zum Flughafen fährst, anstatt in die Schule zu fahren. Dann fliegst Du dahin, hast dann da am Abend dann deine deine Vorstellung und am nächsten Tag fliegst Du wieder zurück.
Sebastian:Ich finde ich finde das ganz spannend, wenn Du das so erzählst. Wie wie darf ich mir das so vorstellen? Da ist 1 in' Klasse, der ist hochtalentiert, der kann supergut singen, ist vielleicht nicht der absolute Überflieger, was die Schulnoten angeht, ist vielleicht durch ja eine 1 ADHS Geschichte auch ein bisschen anders vielleicht als andere. Jetzt steigt der, statt dass er mit den anderen in die Schule geht, morgens 6 in Stuttgart in Flieger und fliegt irgendwohin. Hast Du das irgendwie gemerkt, dass Du irgendwie anders behandelt wurdest damals, dass irgendwie Freundschaften schwieriger waren?
Sebastian:Das gab's sowas wie Hänselei oder ist ja oft so auch grad bei denen, die vielleicht ein bisschen
Kai:Na, da muss ich direkt unterbrechen, war immer ein geiler Typ. Das heißt, die konnten mir alle nix. Ja, also wenn da, also ich weiß, im Gymnasium gab's irgendwie in' höheren Klasse gab's irgendwie einen Typen, der hat mir immer die die Käppi geklaut. Das aber ich mein, so was kennt glaub ich jeder aus der Schule, dass es halt irgendwelche Vollidioten gibt. Nee, aber ich bin einfach mit genügend Selbstbewusstsein rumgelaufen.
Kai:Da brauchte keiner kommen und sagen, Du bist ja volle voll der Spacko. Da hatte ich dem dann sicherlich auch was zu sagen. Also deswegen war das war das weniger das Problem. Und ob da jemand neidisch war oder nicht, da waren sicherlich einige neidisch. Bei den Kindern hab ich das weniger mitgekriegt.
Kai:Ich hab das eher über die Eltern mitgekriegt. Hab das über meine Eltern und über andere gespiegelt gekriegt, wie da über mich gesprochen wird von elterlicher Seite. Und ja, das macht was mit einem. In meinem Fall, ja, hatte ich mir aber auch nie nie was vorzuwerfen. Also ich mach meinen Job so gut ich kann.
Kai:Und ich hab da Spaß dran und bloß weil ich... Also es war ja auch immer das Ziel irgendwie das so gut zu machen, wie es nur irgendwie möglich ist. Und dafür braucht mich keiner irgendwie niedermachen wollen, bloß weil ich einfach besser bin als die anderen in dem Fall.
Sebastian:Ich hab mal noch eine Frage, bevor wir dann auch weitergehen und den Lebensabschnitt son bisschen, na, vielleicht nicht abschließen, aber zumindest mal zum Nächsten übergehen. Gibt's denn irgendwas, wo Du heute sagen würdest, das habe ich in dieser Zeit ganz extrem vielleicht auch gelernt und das hilft mir auch heute noch? Du hast es vorher kurz angesprochen, Du unterrichtest ja selber heutzutage auch ja Kinder, die vielleicht ein bisschen Auch Erwachsene. Auch Erwachsene, aber auch Kinder 70. Die vielleicht ja in' ähnlichen Situation stecken wie der Kai damals, aber gibt's irgendwas, was Du selber persönlich von damals mitgenommen hast, wo Du sagst, das hilft mir heute noch ab und zu?
Sebastian:Wenns was ganz Einfaches ist.
Kai:Ach, das ist doch alles. Es ist dieses Teamwork Ding, ne, grad im Chor, ne? Du musst einfach oder auch in' kleinen Besetzung musst natürlich wissen, wie Du mit deiner Präsenz und mit deiner Herangehensweise an Sachen halt umgehst, dass es für alle kompatibel ist. Ne, und ob das jetzt in' Chorkontext ist, wo Du dich dann unterzuordnen hast, ja, oder wenn's in' ganz kleinen Besetzung ist, wo deine Stimme mehr Gewicht hat. Vor allem auch, wenn Du was Sinnvolles zu sagen hast.
Kai:Ja, und grundsätzlich Kritikfähigkeit einfach. Und Kritik anzunehmen genauso gut wie auch Komplimente anzunehmen. Das ist genau sone Herausforderung, glaub ich, so aufm Weg des Lebens,
Sebastian:Mhm.
Kai:Dass da jetzt irgendwie für mich... Aber das es sind natürlich wahnsinnig viele Erinnerungen, die da die ganzen Konzerttourneen und ja, die Zusammenarbeit mit wirklichen Koryphäen in ihren also wirklichen Weltstars, ja, das prägt einen. Und wenn die gerne mit dir zusammenarbeiten und dir, ich sag's mal so, so lapidar genügend Zucker in ausblasen, dann dann geht's dir ganz gut.
Sebastian:Wir wir springen mal ein bisschen nach vorne irgendwann, das ist bei uns Jungs so, dann kommt man so in den Stimmbruch und irgendwann ist auch die Schulzeit vorbei. Dann hat man vielleicht ein Schulabschluss, wenn's richtig gut gelaufen ist, in der Tasche. Du hast das auch. Ist das denn mit dem Hobby der Weg klar, dass man einfach sagt, na ja, jetzt muss ich aber irgendwas in die Richtung studieren oder wie war das so damals? Wie...
Sebastian:Was haben auch vielleicht deine Eltern für eine Rolle gespielt? Du hast ja ganz am Anfang sie schon mal angesprochen Und Sie waren ja auch immer wieder Begleiter deines Wegs und haben diesen Weg ja auch ein Stück weit gefördert.
Kai:Total gefördert. Also ich alles, was ich bin, bin ich, weil meine Eltern mich dazu gebracht haben, weil die mich so unterstützt haben. Grad mit meinem ADHS Profil hätt ich ein ganz anderen Weg einschlagen können. Und da bin ich schon sehr, sehr dankbar drüber.
Sebastian:Wie war das so beim Abitur? Was hast Du gedacht? Was was kommt danach?
Kai:Ich hab ein Diplom, aber hab kein Abitur. Ah, okay. Okay. Ja. Also das ist eine 1 tolle Sache, die mir extrem viel Ruhe gegeben hat.
Kai:Und zwar zu wissen, ich brauch kein Abitur, ich kann's auch über eine Begabtenprüfung machen. Mhm. Begabtenprüfung heißt nicht, dass Du begabter sein musst als die anderen. Eine, das muss Du musst einfach nur besser sein in der Aufnahmeprüfung, dass Du überhaupt den Platz kriegst. Das ist eher die Herausforderung, weil's ich hab dann Jazz- und Popularmusik studiert und da gibt's dann halt nur einen Platz, maximal vielleicht 2 im ganzen Jahr.
Kai:Und dann musst Du halt besser sein als die anderen 70, die sich auf dem Platz bewerben, ja. Also die die Begabtenprüfung steht dann auf' anderen Blatt, die ist dann eher so, Du bekommst ein musisches Thema oder auch 3 musische Themen. Das ist in jeder Musikhochschule unterschiedlich. Und dann musst Du da ein 1 Aufsatz drüber schreiben, schön gegliedert, sodass die sehen, alles klar, der ist nicht vollkommen verblödet. Der der ist vielleicht auch intellektuell stark genug, da überhaupt dieses Studium durchzustehen.
Kai:Na, das ist eher der Punkt. Und auch weil Du nicht im Gymnasium warst und dir da vielleicht ein paar Jahre Musikunterricht fehlen, ob Du da jetzt große Lücken hast oder so. Und dann nach dem schriftlichen Teil gibt's dann noch ein mündlichen Teil, wo dann noch mal ein paar Sachen abgefragt werden. In Stuttgart extrem detailliert in Mannheim, wahnsinnig oberflächlich. Das ist dann halt wie's...
Kai:Wie die Leute es dann halt machen wollen.
Sebastian:Dann hast Du... Hast Du gesagt, Du hast studiert. Ja. Und war das dann irgendwie schon während dem Studium dann mal klar, in die und die Richtung geht's oder war das ganz offen oder war das dann eher so alles zufällig? Du bist ja dann, ja jetzt Ja.
Sebastian:Erzähl Du, ich ich...
Kai:Ja, also ich dachte halt immer grad, weil ich auch im Aurelius Chor war und als Solist in Opernhäusern und Konzerthäusern mit Orchestern und was weiß ich, allem gesungen hab, dacht ich auch, ich werd ein klassischer Tenor. Oder nee, Tenor war ja nicht klar, aber ich werd ein klassischer Sänger. Und dadrauf war auch alles vorbereitet. Allerdings in der Pubertät hab ich dann angefangen Hip Hop aufzulegen, Beats zu bauen für meine Kumpels. Die haben dann drauf gerappt, ich hab die Hooklines gesungen.
Kai:Und so ging das alles in eine andere Richtung. Und ich hab auch über CD Aufnahmen früher eine Affinität für technische Aufnahmen entwickelt. Und also wie funktionieren Mikrofone? Welches Mikrofon ist für was besonders gut? Und warum klingt diese Aufnahme so besonders toll?
Kai:Und hab damals auch mein Praktikum in der Schule bei' Toningenieur gemacht, bei dem ich oder mit dem ich auch häufiger zusammengearbeitet hatte zu dem Zeitpunkt. Und na ja, dann ging das alles irgendwie in eine andere Richtung. Und dann hatte ich ein Aushilfs Klavierlehrer, der mich eigentlich auf mein klassisches Studium vorbereiten sollte. Und der fragte dann so, warum willst ein Klassik studieren? Studier doch Jazz und Pop.
Kai:Wie? Bin ich denn auch Sänger? Ja, dann bist Du auch Sänger. Ja, nee, das war für mich total abwegig. Total abwegig.
Sebastian:Und dann bist Du ein anderer Sänger am Ende geworden, als Du es damals Und dann bin ich
Kai:nach Hause und grad noch mal wegen diesen Elternförderungsding, was hat das bedeutet? Meine, musste ich zu meiner Mutter hin oder zu meinen Eltern, da hat gesagt, ey, ich glaub, ich studier Jazz- Popularmusik. Und das war für die gar kein Thema. Das war für die genauso wenig ein Thema wie zu dem Zeitpunkt, als ich gesagt hab, ich würd gern vom Gymnasium abgehen, freiwillig. Mhm.
Kai:Ich möcht nicht mehr diesen extrem harten Kampf täglich kämpfen. Ich möcht muss dazu sagen, ich hatte einen einen Schulwechsel nach Stuttgart auf eine Privatschule und hab mich ja blöderweise für Latein entschieden gehabt, vorher schon. Und die hatten da ein anderes Buch. Und da ich mich mit den Vokabeln wahnsinnig schwergetan hab im Gegensatz zum Englischen, war das wirklich ein riesengroßer Kampf. Und dann hatte ich da irgendwann mal so diesen Moment, wo ich gesagt hab, nee, ich geborene jetzt auf.
Kai:Das will ich nicht mehr.
Sebastian:Wie ging's dann nach deinem Studium weiter?
Kai:Nachm Studium in Mannheim bin ich ziemlich bald nach Köln gezogen. Ich war zu der Zeit im Bundesjugend Jazzorchester und hab deutschlandweit, eigentlich europaweit tolle Musiker in meinem Alter gekannt, die quasi, ja, man sagt mal so plakativ, die Elite von morgen war. Und da waren einige halt auch in Köln. Und dann dachte ich, geh ich nach Köln. Dann hab ich eine schöne Wohnung in Köln gefunden und direkt über der Wohnung von kolumbianischen Kumpels von mir, mit denen ich auch ganz viel Musik und Zeit verbracht hab.
Kai:Und dann hab mir ein Unterrichtsjob in Neues gesucht und hab meine 1. Bigbandplatte geschrieben, so ungefähr. Hab die dann umgesetzt, hab dann eine Tour dazu gemacht, das größte Minus meines Lebens eingefahren.
Sebastian:Aber nur finanziell das größte
Kai:Minus Finanziell, oder? Natürlich, aber das da davon lebt mein meine Karriere, muss ich ganz ehrlich sagen. Also es war eine super Entscheidung. Aber das war halt einfach zu dem Zeitpunkt war es jetzt oder nie. Ich hatte, war nicht nur in diesem Bundesjugend Jazzorchester, sondern auch noch in sonem europäischen Pendant von Peter Herbolsheimer.
Kai:Und ja, dann, wenn Du da viele Jahre in diesen ganzen Projekten bist, dann kennst Du einfach richtig viele sehr, sehr gute Leute. Und die sind dir dann alle wohlgesonnen und Du magst die alle. So, das ist so Win Win Situation. Kriegst Du alle für ein Apfel und ein Ei, weil sie alles noch Studenten oder grad fertig sind. Und dann haben wir das gemacht und trotzdem war das minus exorbitant.
Kai:Aber danach kam ich dann direkt danach in die A-Cappella-Comedygruppe 5, die mir dann ein anständiges Gehalt quasi ermöglicht hat. Und da hab ich dann von dem großen Minus, das ich vorher eingefahren hab, hab ich dann einige Jahre lang steuerlich profitieren dürfen.
Sebastian:Du Du ihr wart lang zusammen oder die Gruppe 5 gibt's mittlerweile nicht mehr. Ihr habt euch aufgelöst, aber wie viel Jahre habt ihr zusammen oder wie viel Jahre warst Du dabei? Die Gruppe gab's ja schon davor.
Kai:Die Band gab's, glaub ich, 30 Jahre knapp. Mhm. Und ich war davon 12 Jahre Mitglied oder Teil oder Sänger oder wie man's auch nennen will.
Sebastian:Hat hättest Du damals ganz am Anfang gedacht, dass da 12 Jahre draus werden? Oder hast Du gedacht, na ja, das mach ich jetzt mal und dann gucken wir mal?
Kai:Die waren schon ziemlich erfolgreich. Mhm. Zu dem Zeitpunkt, als ich da eingestiegen bin und zu dem Zeitpunkt schien es, dass es da kein Ende geben wird und das... Ja, man geht da auch wahnsinnig naiv ran. Also ich hab nicht gedacht, dass das sich jemals irgendwann mal wieder trennt.
Kai:Vor allem, weil's auch schon ein bisschen Fluktuation in der Besetzung in den letzten Jahren gegeben hat. Das heißt also, warum soll's die Band dann irgendwann mal nicht mehr geben? Aber es gibt Gründe, warum es Fluktuation vorher gegeben hat und über diese Gründe stolpert man dann zwangsläufig auch. Und die werden dann natürlich dann auch irgendwann mal so akut, dass man sich dann wirklich dann auch mit mit dem Ende der Band dann auseinandersetzen muss, vielleicht auch.
Sebastian:Bevor wir zum Ende der Band kommen, gehen wir erst mal mit dieser Band. Genau, hast schon grad son bisschen angesprochen, ganz erfolgreiche Band. Ihr habt selber Konzerte gegeben, aber ihr wart auch immer wieder in Vorprogrammen bei namhaften Künstlern unterwegs. Was war denn so vielleicht der der schönste Auftritt mit der A-Capella-Band, wenn Du so einen rauspicken musst?
Kai:Boah, einen?
Sebastian:Ja. Oder Du darfst Nein. 2 2 rauspicken, wenn Du sagst, mir fallen gleich 2 1.
Kai:2 ist lächerlich. Also wenn wenn wenn dann können wir gleich irgendwie 30 sagen oder... Wir haben 100 Konzerte im Jahr gespielt. Also hab ich wahrscheinlich so die 1000 bis 200 Konzerte mit denen gespielt. Wahrscheinlich ein bisschen weniger als 1200.
Kai:Also aber es also viele. Es waren auf jeden Fall genügend und auch da sind da hängen dann auch genügend Geschichten, erzählenswerte Geschichten dran sicherlich. Aber wenn's so das eine Highlight geht, dann war das... Ich ich schwank. Aber ich ich würd sagen, so der Highlightmoment war für mich Berlin.
Kai:Was ist das? Waldbühne? Waldbühne heißt die, glaub ich. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie die aussieht. Und Du kommst dann da, Du fährst da erst mal durch ein Wald backstage mäßig hin, kommst dann von hinten ran und dann läufst Du den Weg dann da hinten hoch, läufst zu der Bühne rüber und siehst dann den Zuschauerraum, diesen enorm krassen Nazibau.
Kai:Also einfach für eine riesen-, riesenmächtiges Ding. Wo halt keine Ahnung, 30000 Leute irgendwie sitzen. Und die saßen dann auch am Abend da und das ja, so was macht schon Spaß. Interessiert mich. Aber der der Moment grad des Hinlaufens irgendwie und dann dieses noch leere Stadion quasi zu sehen oder am Fitheater schon fast.
Kai:Das ist schon, das war schon echt ein beeindruckender Moment. Und da gab's natürlich viele beeindruckende Momente. In dem Fall waren wir Vorgruppe von pur.
Sebastian:Wie ist so diese diese Welt? Vielleicht kannst Du uns da mal so mit hineinnehmen, das kennen ja die wenigsten, wenn Du so sagst Backstage und man fährt so von hinten ran und dann gibt's bestimmt auch irgendwelche Räumlichkeiten, wo ihr dann sein könnt und euch vorbereiten.
Kai:Das stellt man sich alles so spektakulär vor. Völlig unspektakulär. Sitzt Du in irgend' Umkleidekabine von' von' Fußballverein, ne. Also quasi sone ganz normale Umkleidekabine mit irgendwelchen Bänken und wo Du dann deine Jacke hinhängst. Und manchmal stellen sie dir ein schönen Tisch noch rein, auf dem ein paar Süßigkeiten, paar Schnittchen liegen.
Kai:Und manchmal ist ein schönerer Raum. Es ist es geht ja wirklich bloß ums Funktionelle. Du brauchst ein Platz, wo Du irgendwie deine Ruhe haben kannst, wo Du dein Zeug abstellst, wo Du ein bisschen was zum Trinken kriegst und und was knabbern kannst. Auf deinen Soundcheck wartest oder sonst irgendwas vorbereiten kannst. Man denkt da immer, da da ist irgendwie, da laufen auch nur Leute rum.
Kai:Ja. Also das, ob ich jetzt an an die Turnhalle von vorne oder von hinten ranfahr, ändert an der Turnhalle nix. Und das ganze Jahr kannst Du die Turnhalle rum drum rumlaufen, nur an dem Tag halt vielleicht nicht. Aber das bedeutet nicht, dass die Turnhalle an dem Tag anders aussieht da hinten. Also das ist total unspektakulär.
Kai:Klar, wenn Du jetzt irgendwie Vorgruppe von pur bist, dann hängst Du natürlich dann auch mit denen rum. Und das ist natürlich für so richtig eingefleischte Fans natürlich der heilige Kral, was Du da jetzt grad machen darfst oder für was für dich dann in dem Fall normal ist. Weil es sind ja alles normale Menschen, mit denen Du über normale Dinge sprichst und normal umgehst. Natürlich hat jeder seine Eigenheiten, aber das haben auch normal in Anführungsstrichen Menschen, nicht nur die die erfolgreichen bekannten Künstler.
Sebastian:Ich finde das schön, dass Du das so sagst. Das deckt sich mit dem, was ich auch im Hochleistungssport immer wieder erlebe. Es geht Funktion. Es ist viel unspektakulärer, als sich's alle vorstellen. Es ist viel weniger Prunk auch dabei.
Sebastian:Man stellt sich ja alles so, ja prunkvoll und alles in golden und marmor gehalten und es ist ganz einfach oft und das
Kai:Jeder hat einen Job da irgendwie zu machen. Jeder geht dahin, seinen Job zu machen und hat noch das das Glück, dass es dann da noch Catering gibt. Und dann kannst Du dich dann noch hinzocken und so, hey, wie war eure Anfahrt? Boah, hey. Wir saßen in unserer S-Klasse, wurden einzeln gefahren und wir im Busle und selber abwechselnd, wer fährt jetzt die nächsten anderthalb Stunden?
Kai:Okay, ich mach's.
Sebastian:Gab's denn auch... Ich mein, ihr wart ja auch eine A-Cappella-Band, die auch viel ja lustige Sachen auch gesungen hat Klar. Spaß gemacht hat einfach. Gab's denn auch irgendwie total kuriosen Moment oder ein ganz lustigen Moment? Vielleicht auch mit dem Publikum zusammen in der Aktion oder oder war das immer so, wir singen, wir sind zwar lustig auf der Bühne, aber eigentlich ist es
Kai:Ja, wir waren natürlich' ne A-Cappella-Comedy Gruppe und da war natürlich alles auf Comedy ausgelegt. Natürlich wollten wir das gut genug singen, dass das auch nicht hinten runterfällt. Aber der Fokus war ganz klar. Die die 5 waren aus meiner Sicht wahrscheinlich die die unterhaltsamste, lustigste A-Capella-Formation in Deutschland. Allerdings gab es aus meiner Sicht auch die ein oder andere A-Capella-Gruppe, die dafür einfach sauberer gesungen hat, ne.
Kai:Und wenn's jetzt einen Moment geht mit' Publikum, na, ist na, besonders kurios würd ich jetzt nicht sagen. Das Schöne ist zu sehen, dass wenn Du Fehler machst, dass das nicht schlimm ist. Sondern dass das Publikum dich dann plötzlich auf Augenhöhe wahrnimmt. Da bist Du nicht mehr der Typ da auf der Bühne, die Figur, sondern da bist Du plötzlich 1 von denen. Bist Du ganz normal.
Kai:Du machst auch Fehler. Und damit souverän umzugehen, konnte ich eigentlich schon immer ganz gut. Aber das hab ich dann schon sehr genossen. Aber jetzt noch den Bogen zu finden zu' lustigen Situation, das ist natürlich immer, wenn's Publikum vor dir wegrennt. Mein Vater hat es immer gesagt, okay, was wenn ich der singen wird?
Kai:Ah, die wären schneller draußen als ein Kuckucka. Ja, so ungefähr. Aber ich, ja, wenn dir das dann wirklich passiert, dann ist das schon wahnsinnig lustig. Da gab's 2 2 Situationen. Das eine war beim Abschlussgottesdienst vom Kirchentag in Stuttgart aufm Kanstetter Wasen waren so, ach, keine Ahnung, 120000 Leute da oder so.
Kai:Jetzt ruft mich nachher wahrscheinlich mein Bandkollege von damals an und sagt, ey, das waren bloß 70000. Nee, also ich denk, es war irgendwie ein Die Menschen. Also es waren viele Leute. Und wir waren geplant als Puffer genau nach Abschluss des des Gottesdienstes, dass wir dann auf die Bühne stürmen und dann singen und dass nicht alle gleichzeitig zu den Öffis rennen, ne. Und ja, dann ist der Gottesdienst vorbei.
Kai:Du hast grad noch geguckt, siehst da 120000 Leute. Und dann wartest Du 30 Sekunden, bis Du das Go kriegst und Du auf die Bühne stürmst. Und dann rennst Du auf die Bühne 30 Sekunden später und sind nur noch 70000 da. So, also das ist dann erst mal so extrem viel weniger, ne. Und dann fängst Du an zu singen.
Kai:Und während Du singst, strömen die Massen von dir weg. In Massen strömen sie weg. Das ist so wie wie son Komet, der son ganz langen Schweif hinter sich herzieht, ja. Das ist so diese in Wellenform, das ist ah. Und die rennen von dir weg, alle weg.
Kai:Und am Anfang fängst, also ich weiß nicht mehr, haben wir ja vielleicht eine halbe Stunde gesungen oder so. Und dann haben wir gestartet mit 70000. Und ich glaub, am Ende waren vielleicht noch 20000 da. Und wenn dann während deines Auftritts 50000 Leute vor dir weglaufen, Also ich hab mir da während des Auftritts schon die ganze Zeit ein Arsch abgeladen. Das war sehr witzig.
Kai:Ah, jetzt fällt mir grad noch auf ein, direkt vor dem Auftritt hab ich mir, glaub ich, mit' Apfel einen Zahn aus rausgerissen oder abgebrochen. Bei' anderen Auftritt hat mir ein 1 Vogel auf die Hose gekackt, direkt beim Auftreten. Und ich so, hey stopp, ich muss mir schnell eine andere Hose anziehen. Das geht so nicht. Ja und so ähnlich wie den Moment jetzt grad beim Kirchentag, den hatten wir dann auch schon mal, als wir beim Mercedes.
Kai:Die haben sich selbst gefeiert, weil die E-Klasse so erfolgreich war. Und dann dann haben wir da gesungen und die Moderatorin sagte dann da, also ja, das Buffet ist eröffnet und jetzt viel Spaß mit den 5. Und diese 1500 Leute in dem Moment in der Halle treten sich und sind alle nach hinten gelaufen zum Buffet, dem Moment, wo wir auf die Bühne kamen und angefangen haben zu singen. Und das sind halt, ja, das ist schon wahnsinnig witzig für mich. Vor allem, wenn dann da dieser eine Stehtisch da vorne noch mit den Vorständlern steht, die so, okay, wir müssen jetzt hier noch stehen bleiben.
Kai:Ja, was nehm ich damit Humor? Also ja, Geschichten gibt's genug.
Sebastian:Wir wollen ein bisschen noch auf auf dich auch schauen als als Mensch. Bist Du denn ein Perfektionist, was so Musik und Singen angeht oder bist Du eher so 1, der sagt, ja, also bis zu' bestimmten Grad bin ich Perfektionist, aber der Rest, das muss man dann halt mal gucken und dann muss ich auch ein bisschen improvisieren oder was was würdest Du sagen?
Kai:Also natürlich bin ich Perfektionist. Ich will das alles, was ich mach, will ich so gut wie möglich umsetzen und zwar auf Plattenniveau. Ich will alles, was ich mach, soll so gut sein wie das Pendant auf Platte. Ob das jetzt ein Cover ist oder ob das ein Original ist, also ob das was von mir Geschriebenes ist, egal in welcher Stilistik, ich erwart von mir absolute Exzellenz in dem Fall. Natürlich ist es so, dass Du Jobs hast, für die Du nicht ausreichend vorbereitet bist.
Kai:Das, glaub ich, kennt jeder von uns, dass mal irgendwo ein bisschen was hinten runterfällt. Und ja, dann musst Du dir halt deine Wege finden, so was zu kompensieren, dass es trotzdem klappt. Aber ja, der Fokus ist schon ganz klar, das muss geil sein.
Sebastian:Was ist, wenn Menschen also Kritik anwenden? Du hast grad gesagt, also
Kai:der Anspruch steh auf positive Kritik oder oder konstruktive Kritik, Also wenn wenn mir jemand was sagt, wo ich denk... Also in der Regel sagt mir keiner was, über das ich überrascht bin. So, also ich denk, ich hab da schon eine ziemlich genaue Wahrnehmung von dem, was was ich kann und was ich nicht kann und was ich bediene und was ich nicht bediene. Aber ja, also wenn mal was Überraschendes kommt, bin ich total dankbar. Die Frage ist natürlich, kommt so was ausschließlich konstruktiv oder kommt es mit ein paar Befindlichkeiten und mit Emotionen?
Kai:Und da muss ich ganz ehrlich sagen, komm mit komm mir mit Emotionen und dann sag ich dir meine. Aber gib mir konstruktive Kritik und ich bin dir dankbar aus Blut.
Sebastian:Gibt's irgendwas, wenn wir auch so auf die Musik schauen, auch wo Du sagen würdest, da hab ich Respekt davor? Also das muss ich vielleicht ab und zu auch machen oder bedienen, aber eigentlich hab ich da schon auch echt Respekt davor?
Kai:Ein Programm, das ich gemacht hab oder wie?
Sebastian:Ja oder irgend irgend irgend' Detail aus deinem Alltag mit der Musik, wo Du sagst, boah ey, also da bin ich immer ganz froh, wenn ich das so hinter mir hab und wenn das gut geklappt hat, weil ich da echt son bisschen...
Kai:Alles, was mit administrativem Zeug zu tun hat. Ich bin ADHSler, heißt, ich kann einen Hypofokus entwickeln, allerdings auf solchen sinnnehmenden Tätigkeiten, würd ich mal sagen. Nee, es stimmt ja nicht. Das ist aber... Es sind ja sehr sinnhafte und und sehr wichtige Sachen, die da anfallen.
Kai:Aber damit hab ich mich immer schwergetan und tu ich mich sehr schwer. Und da muss ich mir dann auch wirklich explizit Zeit für nehmen. Und dann kann ich das auch an' Stück durchziehen und dann muss das abgehandelt haben. Also ob's jetzt Booking ist oder Steuer oder sonst irgendwas. Aber im musikalischen Sinn, na ja, war für mich jetzt die größte Herausforderung, jetzt das Michael Jackson Programm zu singen.
Kai:Definitiv. Aber ansonsten, na ja, der die Herausforderung des Alltags generell.
Sebastian:Du hast grad schon auch und vorhin auch schon dieses Thema ADHS auch angesprochen, ganz bewusst angesprochen. Jetzt kommt man auf die auf diese Welt als Kind und merkt ja vielleicht dann irgendwann an sonem Punkt, Mensch, irgendwas ist anders mit mir oder vielleicht auch so, ist denn das alles so stimmig? Kannst Du dich noch so dran erinnern, an diese Phase, wo vielleicht zum ersten Mal auch Du selber, also gar außen unbedingt gesagt wurde, Mensch, was ist mit dem Kind los, sondern wo Du selber gemacht hast, ah irgendwie...
Kai:Na ja, als Kindergartenkind und auch davor und auch würd sagen die ersten Grundschuljahre, also mindestens 1. Und 2. Klasse war ich ein richtig aggressiver Typ. Also da musste man mich einfach nur dumm angucken und dann hab ich dir eine gegeben quasi, ja. Meine Mutter hat das sehr, sehr schwer genommen.
Kai:Und von ihr, also damals gab's halt diesen diesen Ausdruck ADHS nicht, ADS gab's zwar, aber war auch alles andere als populär. Ich kann mich noch dran erinnern, dass meine Mutter ein Buch hatte, das quasi son, was ist was ist mit meinem Kind oder oder bin ich falsch oder irgendwie solche... Es war so Selbsthilfedinger und war schon klar, dass das mit der Aggressivität, dass das nicht normal ist. Aber es war auch da schon klar, dass ich da diesen Hyperfokus entwickeln kann, wo ich mich extrem auf Sachen einlassen kann, wo dann alles andere dann unwichtig wird. Ich würd sagen, aus der Zeit hab ich das sehr gespiegelt gekriegt.
Kai:Und natürlich, wenn Du dann als ADHSler... Also ich in der zweiten Klasse ungefähr wurde es dann als ADS diagnostiziert. Das Haar gab's damals noch nicht. Das kam dann erst später auf. Ich war immer ein Sonderling in der Form.
Kai:Und das Tolle ist, dass ganz viele ADSler oder ADHSler das irgendwie erst im Erwachsenenalter checken. Aber ich bin mit diesem Bewusstsein komplett aufgewachsen. Das heißt, ich wusste, ich bin... Ich hab meine Baustellen oder ich hab meine Problemfelder, aber ich bin jetzt auch nicht bescheuert oder deswegen besonders dumm, bloß weil ich meine Noten quasi nicht aufs Blatt Papier bringen kann, ne. Oder meine Qualitäten in der Schule nicht so ausspielen kann und dass ich da andere Baustellen hab als andere, aber dafür auch ja, ein paar andere Qualitäten, an denen andere zu knabbern haben.
Sebastian:Ja, definitiv. Was war denn vielleicht damals für dich die größte Herausforderung? Also man weiß es ja oft von Kindern, dass dann Schule ein wahnsinnig schwieriger Teil einfach ist. Du hast grad so gesagt, Noten aufs Papier bringen. Das heißt, das, man eigentlich kann und auch in sich trägt, tatsächlich auch in dem Moment in dieser, ja, Druck Stress Situation auf ein Blatt Papier zu schreiben, dass da auch viele scheitern Oder gab's irgendwas anderes, wo Du gedacht hast, boah, das war damals wirklich sehr herausfordernd für mich?
Kai:Na ja, grundsätzlich still zu sein, würd ich mal sagen, ja. Im richtigen Moment zuzuhören und nicht mit den Füßen zu klappern oder mit den Händen irgendwas rumzuspielen oder halt einfach wirklich einen Fokus zu zeigen, wenn er angebracht ist. Also ganz normales soziales Verhalten, würd ich mal sagen, war die Herausforderung.
Sebastian:Und jetzt wissen wir auch, dass gerade Musik und vor allem Singen auch ADHSlern helfen kann und Du bist nicht der Einzige, der das dann auch ein Stück weit praktiziert. War das dann quasi eine Selbsttherapie, ohne es zu wissen? Wenn Du so zurückblickst, weil Du gesagt hast, ich hab eigentlich schon immer gesungen, egal wann und wo den ganzen Tag, ohne dass Du jetzt vielleicht bewusst gesagt hast, ah ja, ich hab da auch was und deswegen muss ich jetzt singen. So ist es ja nicht.
Kai:Also dass Musik grundsätzlich therapeutische Fähigkeiten besitzt, das ist ja jetzt nix Neues. Aber es ich würd's nicht als Therapie sehen, sondern ich hab einfach starke Felder und Musik hat für mich einfach immer direkt funktioniert. Da das Lied geht los und irgendwann hab ich meinen Einsatz. Und da bin ich dann plötzlich voll im Hyperfokus, voll im Fokus, kann mich da voll drauf einlassen. Und auch über lange Zeit, meine Eltern haben das anfangs noch versucht über Bewegung.
Kai:So von wegen, ja, lass den Jungen ganz viel Sport machen, dass er am Abend müde ist. So ungefähr. Und dann hat er auch nicht mehr die Aggression und dann ist er nicht mehr so hibbelig. Aber das, ja, das ist ja quasi nicht das Ziel oder beziehungsweise kommt dadurch nicht das zutage, was man gerne irgendwie dann da sehen würde. Aber mit der Musik hat's immer immer direkt funktioniert.
Kai:Und deswegen war's war's klar, okay, Sport gehört dazu, macht mir viel Spaß, hab ich auch einen Fokus. Aber das ist jetzt nix, was mich jetzt in meinem ADS Alltag irgendwie nach vorne bringt. Ich hab auch nicht das Gefühl, dass die Musik mich in meinem ADS Alltag oder ADHS Alltag nach vorne gebracht hat. Es zeigt sich halt nur, dass gewisse Felder für mich einfach besser funktioniert haben als andere. Und überall, wo ich ruhig dasitzen musste und gut zuhören, das war immer schwierig.
Kai:Denn einfach, wenn Du's so ausgeprägt hast wie bei mir, dann kann ich dir die ganze Zeit folgen. Ich kann die ganze Zeit dir an Lippen hängen. Und trotzdem hab ich bestimmt die Hälfte nicht mitgekriegt. Nicht mal gehört, dass Du's gesagt hast. Weil ich zwischendrin mich immer an irgendwelchen kleinen Aussagen von dir festgehalten hab und dann irgendwelche anderen Brücken gebaut hab.
Kai:Ah, stimmt, das war ja damals und so. Und dann, was weiß Du sprichst von der dritten Klasse und dann denk ich, ah stimmt, da hatte ich ja die Lehrerin da. Was denn waren das? So ganz viele Abzweigungen, die man dann hat, auch die mir gar nicht mehr auffallen. Ich denk, ich war da zu 100 Prozent dabei und frag mich danach, warum hab ich's nicht mitgekriegt?
Kai:Und da fragen sich natürlich dann einige, wie bescheuert bin ich eigentlich? Und ich wusst zum Glück immer einzuordnen, zu sagen, ja, das liegt halt an meinem ADHS.
Sebastian:Du hast grad schon angesprochen, ja, es ist interessant, dass Musik auf jeden Fall auch therapeutische Wirkung haben kann. Wirst Du so weit gehen und sagen, jawoll, mit Musik kann man auch ein Stück weit heilende Wirkung entfalten? Und hast Du das schon mal an irgend' Stelle gesehen, erfahren, dir Gedanken darüber gemacht, was Musik auch vielleicht auslöst bei' Zuhörer?
Kai:Musik ist Emotion. Ob Du Musik machst oder auch konsumierst, Musik ist pure Emotion und transportiert viel mehr als nur die Worte, wenn man irgendwas singt, ne. Also ganz subjektiv würd ich sagen, wenn ich ein Lied hör, das besonders musikalisch geschmackvoll interpretiert wurde mit' harmonischen Kontext, der bei mir irgendwelche Knöpfe drückt, dann kann das passieren, dass ich einfach nur, weil ich da zuhör und mich da so wiederfinde auf irgend' Art und Weise, dass ich anfang zu weinen. Das passiert nicht häufig, aber es kann passieren. Und ich denk, das ist ein ganz guter gutes Beispiel dafür.
Kai:Anderes Beispiel ist, dir kannst Du scheiße gehen wie nur irgendwie möglich. Du musst nur das richtige Lied hören. Und plötzlich tanzt Du durch die Bude und hast Bock, ein Großputz zu machen. Ne, das so was hatte ich vor Kurzem auch. Es gibt son Lied, über das ich vor Kurzem mal gestolpert bin.
Kai:Und das fand ich von der ersten Sekunde an voll gut. Ich hab mich gefragt, warum ich's so gut find. Es es bedient unfassbar viele Klischees, unendlich viele Klischees. Also ich kann, glaub ich, am Schluss von dem Song kann ich dir eine Liste von bestimmt 30 Sachen sagen, was ich da in diesem Stück wiederfinde, worauf ich im Original irgendwo stehe oder was... Ach.
Kai:Und ich bin mal nachts aufgewacht, also seh ich 2 Uhr, halb 3, so die Uhrzeit, wo man dann halt nachts mal aufwacht, wo man dann denkt, ah, jetzt kann ich nicht wieder einschlafen. Und das ist ja auch in der Regel die Uhrzeit, wo man sich gerne etwas schwerfälligere Gedanken macht. Und ja, dann hab ich mir das Lied angehört und ich hab Krosputz gemacht und die Zimmer der Kinder aufgeräumt und ja. Also das hast Du Wie nichts mit' mit' Lächeln auf den erst... Ja, Musik ist Emotion.
Kai:Du musst nur das Richtige finden für dich. Und dann und es ist ja auch grad dieses, wenn's dir schlecht geht und Du traurig bist, dann genau das Lied zu finden, das deine Traurigkeit genau widerspiegelt, in der Du dich suhlen kannst. Und sag, ah ja, genau so. Ja? Und es ist das ist wundervoll.
Kai:Also Musik schüttet so viele Glückshormone aus oder grundsätzlich Hormone aus. Es wär sträflich, das zu unterschätzen.
Sebastian:Also ich bin total interessiert an diesem Lied, was Großputz einfach macht. Ich bin selber auch 1, der das eigentlich hasst. Ich geb's dem Namen Gib mir mal das Namen mit. Das letzte
Kai:Mal, als Du da warst, hab ich's dir zum Probehören gegeben, als ich gesagt hab, hör dir die Boxen an. Das war genau der Song.
Sebastian:Ja, ich nehm
Kai:Danach kam Lale Lou und da hast gelacht.
Sebastian:Wenn wir jetzt auch so sagen, ja okay, Musik, das das das verändert, ja? Das kann jemanden verändern. Das sind Emotionen, wenn Du so draufschaust auf diese Zeitspanne auch, wo Du jetzt auch Musik machst, Hat sich denn was verändert von früher zu heute? Also Gesellschaft verändert sich, die Menschen verändern sich ein Stück weit ihren Interessen. Bleibt Musik immer gleich oder ist heute die Musik ganz anders als noch vor 15 Jahren?
Kai:Grundsätzlich kannst Du ja sagen, dass die Musik sich immer mit' technischen Fortschritt verändert hat und weiterentwickelt hat. Das fing an mit mit' kleinen Anlage, die sich Frank Sinatra damals gekauft hat, besser hörbar zu sein, wenn dann mit' Big Bands singt. Ne, davor mussten die Sänger immer wahnsinnig laute Organe haben, technisch das dann auch umsetzen. Deswegen auch dieser klassische Ansatz, aus dem er extrem viel Lautstärke gewinnt und Volumen. Aber ja, dadurch, dass er diese Anlage hatte, konnte er halt halt nur in' leiseren Lautstärke halt auch singen und trotzdem gehört werden.
Kai:Hat ihn zu' Alleinstellungsmerkmal gemacht oder das hatte er als Alleinstellungsmerkmal. Und so hat er seine Jobs gekriegt. Jedenfalls anfangs. Später durch die Mafia, aber ist ein anderes Thema. Ja.
Kai:Ja, und dann später dann natürlich mit den mit den größeren Anlagen oder auch mit mit der Entwicklung von der E-Gitarre oder von den Synthesizern. Es geht ja immer weiter. Und das mit der mit dem Gebrauch von' Kompressor oder so wie der Geschmack oder auch mit dem, was auch extrem ist, ist die Erfindung von Autotune. Ein Tool, das damals Chair ganz berühmt gemacht hat und das war dieser Chair Effekt. Das heißt, ich ich dreh den ganz ganz scharf quasi.
Kai:Und der zieht meinen Ton auf die richtige Intonation beziehungsweise auf den Ton und bügelt den ganz glatt. Und dann bekommt es son metallischen, ganz geraden Sound. Und daraus entwickelt es sich dann halt, dass man grundsätzlich die Stimme etwas nachtunet, nachpitcht, dass das alles ein bisschen sauberer ist, etwas perfekter als in Wirklichkeit. So produziert man ja grundsätzlich, ja, dass ich einfach das Optimum versucht da draufzubringen. Und's Optimum ist, dass es halt auch ein bisschen sauberer ist.
Kai:Und davor hast Du halt irgendwie vielleicht mal einen Ton nehmen können und den vielleicht irgendwie ein bisschen pitchen können, aber das war wirklich alles schwierig. Und da draus entwickelt sich dann Melodyne oder Melodine, ein Programm, wo Du quasi wie sone Art Stempel siehst, wie lange wurde der Ton gesungen? Auf welcher Tonhöhe hat war der? Wie viel Vibrato hat der? Das kannst Du alles glatt bügeln, ne?
Kai:Jeden Ton sauber hinziehen. Der wackelt, alles klar, zieh ich grad und so weiter. Und da entwickelt sich natürlich auch ein 1 Geschmack für den Zuhörer von wegen, das klingt erst ab jetzt perfekt. Mhm. Ne, so klingt's erst auf Platte.
Kai:So erwarte ich das. Das heißt Und
Sebastian:die Erwartungen die Erwartungen steigen auch
Kai:total, Total, ja, die Erwartungen steigen einfach aufgrund dessen, was Du kennst, ja. Und das willst Du dann live auch haben. Und dann fängt's natürlich an, dass die Ersten dann anfangen, sich live dann auch zu tunen, ne. Und das ist nicht ganz so unkompliziert, deswegen machen es nicht so viele, aber dann machst Du es dann halt über Playback.
Sebastian:Okay. Würdest Du sagen, so heute mit dem Stand der Technik, die wir heute haben, wenn ich jetzt zu dir kommen würde und würd sagen, ich brauch ein Lied, wo ich mich sehr gut anhöre und Du würdest hier einfach mal ein paar Nächte investieren. Würden wir das technisch so hinkriegen, dass dann nachher Leute sagen würden, boah, das hört sich richtig toll an?
Kai:Dass Leute sagen, das hört sich richtig toll an, kriegen wir hin. Also Du musst müssen das... Also korrigieren können wir alles, aber wir können nicht aus Scheiße Gold machen. Na, das muss schon alles auf' gewissen Niveau rein, wenn Du's auf' gewissen Niveau quasi auch wieder raus ausm Computer exportieren willst. Ja, das ist schon, es gibt son Satz, der immer so belächelt wird.
Kai:Heißt, Du bist in' Aufnahmesituation und dann sagst gehst Du da drüber weg, ja, das ist nicht so schlimm, das können wir im im Mix reparieren. Und ja, Du kannst im Mix einfach viel reparieren. Und auch wenn Du nix kannst, können wir das so hindrehen, dass es deine Stimme ist. Und das so klingt, wie halt son moderner Popsong oder was weiß ich, EDM Song funktionieren muss. Aber natürlich klingst Du dann nicht wie ein richtig geiler Sänger.
Kai:Aber das wird die Masse sowieso nicht interessieren. Also da geht's nur den Song und oh, das klingt ja richtig cool. Und dass wir dich cool klingen lassen, das auf jeden Fall. Aber dass wir dich richtig geil klingen lassen, es geht nur, wenn Du auch geil klingst.
Sebastian:Sind viele Sänger draußen aufm Markt, die vielleicht auch bekannt sind, Du jetzt auch sagen würdest, also so richtig gut singen können die eigentlich nicht. Da hat halt 1 1 gute gut produziert, ein geiles Marketing drüber gelegt und die Masse, die nimmt's einfach so an.
Kai:Also mir springt gerade direkt ein 1 Name im Kopf. Aber das sag ich jetzt nicht laut. Natürlich gibt's Sänger... Ah, die die öffentliche Wahrnehmung von in der Regel allen Sängern ist etwas beschönigend, würde ich mal sagen. Jeden Sänger, den Du kennst, den kennst Du, weil er etwas besonders gut macht.
Kai:Die Frage ist nicht, was er nicht kann. Die Frage ist nur, wie kriegst Du das sichtbar, was der gut kann und das unsichtbare, was er nicht gut kann. Ne, und das ist natürlich bei jedem Sänger und bei jedem Künstler immer das gleiche Prozedere.
Sebastian:Ja. Wenn wir zum Schluss noch mal ein bisschen auf die Zukunft schauen und zwar auf deine Zukunft. Gibt's denn noch irgendwie Träume, wo Du sagst, boah, das würde ich gern noch irgendwie auch vielleicht als Sänger oder Musiker verwirklichen oder gibt's irgendwie eine große Bühne, wo Du sagst, boah, da würde ich gern mal auftreten Oder gibt's irgendwas, wo Du sagst, das würd ich gern musikalisch mal noch ausprobieren in den nächsten Jahren? Das reizt mich?
Kai:Ich möcht eigentlich nur Musik machen dürfen. Ich möcht weiterhin das Privileg haben dürfen mit mit einfach richtig vielen unterschiedlichen Musikern spielen zu können, unterschiedliche Programme zu machen. Und am ideal im Idealfall nichts davon organisieren zu müssen. Das das ist... Aber ob das jetzt jedes Jahr hab ich eine andere Idee, welches Programm jetzt ganz toll wär oder was ich jetzt gern noch machen würd.
Kai:Das ist das ja nichts, was was Du greifen kannst. Auch auch morgen oder übermorgen noch. Das ist so... Auch in den Ideen und Wünschen gibt's eine Fluktuation. Und heute ist es halt, ja, das letzte Projekt war halt irgendwie Michael Jackson oder Cicero.
Kai:Und jetzt mach ich ein wahrscheinlich ein Michael Bouplet Programm. Ich ich seh ein BGs Programm. Vielleicht irgendwann mal wieder so halbwegs zeitnah ein Album schreiben mit Musik, die wirklich aus mir kommt. Mich jetzt total verwirklicht mit' nem Solomusikcomedyprogramm. Das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, aber es war halt auch wahnsinnig viel Arbeit.
Kai:Und da hab ich auch richtig viel, viele Songs geschrieben und die mich sehr, sehr glücklich gemacht haben. Und ja, ich glaub einfach nur, dass dieser kreative Prozess nicht aufhört und dass ich so weiter weitermachen kann.
Sebastian:Ja, das ist so total schön und ich bin ganz gespannt. Und das Schöne ist, ich bin ja Steinwurfweite weg, werd's mitkriegen, was alles so noch kommt. Wir stellen jedem Gast eine abschließende, immer die gleiche Frage zum Schluss des Podcastes und die Frage ist folgenden, nehmen wir an, Du hättest ein Mikrofon und damit wär die ganze Welt verbunden. Du könntest in dieses Mikrofon etwas hinein sagen, vielleicht auch gleich hinein singen und die ganze Welt würde es hören. Was würdest Du dieser Welt gerne einmal mitteilen?
Kai:Liebt euch wie ihr seid. Ihr seid alle was Besonderes.
Sebastian:Vielen herzlichen Dank für dieses offene, ehrliche und wunderbare Gespräch.
Kai:Danke auch.
Intro/Outro:Das war Goldrausch. Anders glücklich leben. Danke, dass Du dabei warst. Katharina, Sebastian und ihre Gäste freuen sich, wenn Du den Podcast abonnierst und die Reise weiter mitgehst.