Der Podcast für Gründer und Solo-Selbständige mit Günter Schmatzberger und Camillo Patzl. Jede Woche: 1 Frage, 15 Minuten, 2 Sichtweisen.
Selbstständig und endlich mehr Zeit für die Familie .mp3
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Speaker 1
00:18 - 00:43
Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, zu unserer wöchentlichen Folge von Leihwand Gründen. Wir sind im Sommer 2026 angekommen. Wir sitzen im Wiener Augarten und haben uns vorgenommen, dass wir uns in jeder Folge eine Halbwahrheit zur Brust nehmen und sie genauer anschauen und sagen, was wir davon halten. An meiner Seite, wie immer, Gründungsberater Deluxe, Camillo Patzl.
Speaker 1
00:43 - 00:58
Vielen Dank, lieber Günther. Günther Schwarzberg an meiner Seite. Wir haben Hintergrundgeräusche, wir haben Wind, aber wie gesagt, wir freuen uns, dass ihr alle so erfolgreich dabei seid. Wir haben Kinder, wir haben Fahrradfahrer, wir haben Jogger, alles Mögliche.
Speaker 1
00:58 - 01:18
Also wer sich das aufs Video anschaut, sieht das vielleicht ein bisschen. Genau, also wir sehen nicht, wer hinter uns steht und uns quasi über das Schulter schaut. Das könnt ihr machen, wenn ihr uns auf Spotify oder YouTube vielleicht auch in den Videos folgen wollt. Aber so ist es im Business, man muss mit unterschiedlichen Herausforderungen dealen.
Speaker 1
01:18 - 01:38
Und es muss einem auch vieles Wurscht sein. Und eine Herausforderung, mit der man vielleicht gerade in der Startphase dealt, sind Halbwahrheiten, wo man nicht genau einschätzen kann, Stimmt das jetzt? Stimmt das nicht? Und der liebe Günther hat uns heute so eine Halbwahrheit wieder mitgebracht.
Speaker 1
01:38 - 01:47
Genau. Und die Halbwahrheit ist, wenn ich mich selbstständig mache, habe ich endlich mehr Zeit für die Familie. Juhu! Genau.
Speaker 1
01:47 - 01:54
Und wie bei allen Halbwahrheiten stimmt das schon, würde ich sagen. Das ist jetzt nicht ganz verkehrt. Ich kann dann arbeiten, wann ich will. Richtig.
Speaker 1
01:55 - 02:14
Ich muss nicht mehr 40 Stunden oder 50 Stunden in meinem Dienstverhältnis verbringen, obwohl ich vielleicht weniger zu tun habe oder es gerade sitzt, dass ich zwischen zwei Projekten hänge. Ich kann am Montag nachmittags frei machen, wenn ich möchte. Dafür kann ich auch am Samstag arbeiten. Ich kann mir meine Zeit selber einteilen.
Speaker 1
02:14 - 02:19
Das stimmt alles. Das ist alles korrekt. Und auch nicht. Und auch nicht, ja.
Speaker 1
02:21 - 02:45
Ich weiß, dass die zeitliche Flexibilität ständig jedes Jahr unter den Top 3 Gründungsgründen ist. Wenn man einen Gründer fragt, warum sie es selbst nicht machen, dann ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch die zeitliche Flexibilität ein Hauptmotivator. Ja, das ist tatsächlich ein Grund, warum sich viele selbstständig machen. Das wissen wir seit Jahren in der Gründungsberatung.
Speaker 1
02:45 - 03:05
Das gilt natürlich ganz besonders für Eltern und in besonderer Weise natürlich auch für Mütter, die sagen, ich kann nicht 30 Stunden im Büro arbeiten. Das geht sich nicht aus. Aber ich kann, keine Ahnung, ein paar Tage in der Woche auf selbstständiger Basis zu meinen bestimmten Zeiten arbeiten. Das geht sich schon aus.
Speaker 1
03:06 - 03:18
Und diese zeitliche Flexibilität habe ich heute in den meisten angestellten Verhältnissen nicht. Das ist Fakt. Das ist natürlich die Frage, ob das gut oder schlecht ist. Darüber kann man in einer anderen Folge diskutieren.
Speaker 1
03:18 - 03:31
Aber ich habe natürlich potenziell in der Selbstständigkeit mehr Flexibilität und mehr Möglichkeiten als in der Anstellung. Das glaube ich kann man so stehen lassen. Genau. Stimme ich dir zu.
Speaker 1
03:31 - 04:22
Das, was ich beobachte, ist, dass es auch eine Frage des Typs ist, wie man selber mit dem Thema Zeit oder Management oder Organisation von Zeit umgeht. Es gibt Menschen, die brauchen sozusagen einen Stundenplan, eine Vorgabe, fixe, geregelte Arbeitszeiten, dass sie ihr Leben oder ihren Fortschritt oder ihre Wünsche entsprechend oder Ziele abarbeiten oder sukzessive erreichen können. Und dann gibt es andere Menschen, die sozusagen eine hohe Selbstdisziplin reinbringen, die sich Selbstsachen organisieren. Also ganz krasses Beispiel, zu meiner Zeit hat es die Leute gegeben, die auf die Universität studieren gegangen sind und dann hat es die Leute gegeben, die auf die Fachhochschule gegangen sind.
Speaker 1
04:22 - 04:54
Und der krasse Unterschied halt, runtergebrochen war. Ja, bei der Fachhochschule hast du einen Stundenplan, hast du deine Prüfungen und du weißt planbar, ich bin in drei, vier Jahren jedenfalls fertig mit meiner Ausbildung und mit dieser Richtung, die ich hier einschlage. Bei einer Universität, wenn ich mir das nicht selbst organisiere, mich um meine Prüfungen kümmere, auch ein bisschen Glück habe, dass das alles so von der Hand geht, wie ich es mir vorstelle. hat kein fixes Zeitfenster.
Speaker 1
04:54 - 05:15
Du hast zwar eine Mindeststudienzeit, aber hinten raus ist es offen und du hast auch keine Garantie. Und im Business ist es ähnlich. Und das ist diese Haltbarkeit, die du da heute gut aufs Tablet bringst, lieber Günther, weil, dass es diese Möglichkeiten gibt in der Selbstständigkeit. Ja, die sind da.
Speaker 1
05:15 - 05:58
Nur wenn du als Person jemand bist, der vielleicht ein bisschen in den Tag hineinlebt oder der vielleicht so ein bisschen den Impuls von außen braucht und du diese Selbstdisziplin nicht mit reinbringst, dann ist man sehr schnell fremdbestimmt und dann hängt man in einem anderen Hamsterradl drinnen, wo man dann sagt, eigentlich arbeite ich jetzt mehr, eigentlich stehe ich vielleicht nicht so für meine Familie zur Verfügung, weil ich auch dieses Abgrenzen nicht wirklich im Griff habe. Und dann ist man da irgendwo gefangen, wo man sagt, naja, wäre es für diesen Typ Mensch oder für dich persönlich nicht doch besser, einem Dienstverhältnis wieder einzugehen. Also das ist total witzig.
Speaker 1
05:58 - 06:23
Ich habe heute ein Beratungsgespräch mit einer Gründerin gehabt, wo auch das Thema war, wie gehe ich mit diesen Möglichkeiten und mit dieser Flexibilität um. Das ist ja gar nicht so leicht. Also ich habe zwar sozusagen vielleicht den Tag unverplant oder ich kann mir den selber einteilen, aber das ist ja deswegen noch nicht besser. Und diese Gründerin hat zu mir gesagt, sie hat vollkommen unterschätzt, wie hart es ist, wie schwierig es ist, sich selber zu strukturieren.
Speaker 1
06:23 - 06:40
Also sie hat sich auch darauf gefreut. Sie ist auch eine junge Mutter mit einem Kind, das gerade im Kindergarten anfängt und hat gesagt, das ist genau das, was sie sich vorgestellt hat. Aber sich selber Struktur zu geben, verbindlich zu bleiben dabei und sozusagen dann auch diese Dinge... in das Mail rein, weil sie nicht die Auszeit genommen hat.
Speaker 1
06:40 - 06:51
Ja, und dann auch Nein zu sagen und zu sagen, ich bin zwar zu Hause, aber ich bin trotzdem im Business. Also ich bin nicht erreichbar. Und sag das mal einem dreijährigen Kind. Die Mama ist zwar da, aber sie ist nicht da.
Speaker 1
06:51 - 07:13
Also das ist ja alles nicht so leicht. Ich muss das immer neu ausverhandeln. Ich habe zwar Möglichkeiten, aber diese Möglichkeiten sind alle Also diese Flexibilität hat auch diese Unverbindlichkeit dabei oder ich muss selber immer dahinter sein und das kann mit Unterhalt ziemlich anstrengend werden. Vor allem ausverhandeln, gute Stichwort, mit sich selbst in erster Linie, aber dann eben auch mit der Familie.
Speaker 1
07:13 - 07:32
Richtig. Weil selbst wenn man sagt, na ich habe mir meine Zeit so eingeteilt und so geplant und so möchte ich jetzt meinen Fortschritt für die Woche abarbeiten, heißt das noch lang nicht, dass das akzeptiert wird von deinem Umfeld, weil wenn du jetzt im selben Raum sitzt, in der selben Wohnung, dann bist du ja vielleicht in manchen Augen auch verfügbar. Richtig, bist ja da.
Speaker 1
07:32 - 08:23
Genau, weil du körperlich in der Nähe bist, aber vielleicht geistig oder mental einfach mit anderen Herausforderungen kämpfst, weil du in die Luft schaust aus dem Perspektive, aber eigentlich an deiner Strategie oder an deinem Marketingplan oder an irgendwelchen kreativen Ansätzen arbeitest, wie du ein Kundenangebot vielleicht schickter darstellst. Und wenn du dann deinen Partner oder Partnerin gewinnen willst für deine Gründung und deine Selbstständigkeit mit Versprechen, dass du dann mehr Zeit hast für deine Familie oder für die Partnerschaft, dann wäre ich vorsichtig dabei, weil das schwierig ist einzuhalten. Vor allem dann, wenn ich mit einem Partner oder Partnerin zusammen bin, die vielleicht in einer Anstellung ist und die hat sozusagen fixe Arbeitszeiten. Und selber hat man dann aber, keine Ahnung, am Abend dann doch noch was zu tun.
Speaker 1
08:23 - 09:01
Dann kann es sein, dass man zwar Untertagszeit hätte, keine Ahnung, zwischen 10 und 12, weil gerade ein Zeitfenster ist, aber was mache ich denn, wenn die Kinder in der Schule sind und die Frau in der Arbeit ist? Dann habe ich im Prinzip schon Zeit, aber nicht für die Familie, sondern vielleicht für mich ist es auch schön, aber ich kann dieses Versprechen nicht einlösen. Und was ich noch einwerfen möchte, Es ist halt auch dein Produkt oder Dienstleistungsangebot oder deine Kunden konkret, die das mit beeinflussen. Also wir im Beratungsgeschäft, im Dienstleistungsgeschäft hast du die Möglichkeit, vielleicht dir wirklich etwas freier die Zeit einzuteilen.
Speaker 1
09:01 - 09:42
Aber wenn du ein Gastrogewerbe hast, wenn du, weiß ich nicht, Physiotherapeut bist, wenn du, keine Ahnung, Taxifahrer Grafikdesignerin oder auch IT-Consultant bist, dann hast du ja Kunden, die ja nicht am Samstag oder am Sonntag was von dir brauchen, sondern der braucht das vielleicht am Montag zwischen 9 und 16 Uhr. Genau. Oder noch schlimmer, es gibt vielleicht Kunden, die brauchen das viel später.
Speaker 1
09:42 - 10:15
Meine Zielgruppe sind Jugendliche und die sind von 8 bis 15 Uhr an der Schule und haben dann nachher Zeit. Das heißt, meine Arbeitszeiten beginnen erst um 15 Uhr und dauern dann vielleicht bis 19 Uhr und das wäre genau die Zeit, wo meine Kinder dann nach Hause kommen von der Schule. Das heißt, ich muss ja auch aufpassen, wie ist die Zeitstruktur meiner Kunden, wann muss ich meine Leistungen anbieten, damit ich auch Nachfrage bekomme und krieg sozusagen eine Taktung herein, die vielleicht gar nicht meiner eigenen Zeit entspricht. Es bringt nichts, wenn du in der Nacht arbeiten kannst, aber du mit keinem Kunden sprechen kannst oder irgendwas ausmachen kannst.
Speaker 1
10:15 - 10:40
Natürlich gibt es das E-Mail und alles mögliche an Zusatzoptionen, aber irgendwann brauchst du den persönlichen Kontakt, den Austausch, um irgendwas zu fixieren oder zu vereinbaren oder zu klären. Und dann ist man auch ein Stück fremdbestimmt und kann auch mit Reisezeiten verbunden sein. Aber das ist oft etwas, was man ausblendet, wo man sagt, ja, aber dann kann ich mir das komplett freienteilen. Stimmt bis zu einem gewissen Grad.
Speaker 1
10:42 - 11:02
Auch wieder nicht, weil eben deine Familie oder deine Kunden andere Bedürfnisse haben oder Voraussetzungen haben, wo es einfach die Anwesenheit von einem erfordert. Genau. Also zeitliche Flexibilität ja, aber mit Einschränkungen verspricht dir nicht zu viel davon. Es ist ziemlich hart diese Flexibilität auch zu verteidigen.
Speaker 1
11:02 - 11:19
auch gegenüber Kunden, gegenüber Familie, auch gegenüber sich selbst. Und andererseits wieder ist es ziemlich leicht, dass man in einen Hamsterrad reinkommt, wo man sagt, okay, das ist jetzt auch nicht so viel besser als in der Anstellung. Das habe ich auch schon gehört. Wo ich sage, das war in der Anstellung richtig entspannt.
Speaker 1
11:19 - 11:52
Es gibt auch nicht die ideale Lösung. Der Günther und auch ich, wir arbeiten mit sehr vielen Gründern und haben mit sehr vielen Gründern gearbeitet in diese Richtung, wo wir von Regeln, was die Arbeitszeiten betrifft, wie kann ich mich selbst organisieren, Time Management, immer wieder solche Themen auch in der Tiefe bearbeitet haben. Ich nehme mich selbst nicht aus, dass ich da perfekt bin, weil wir immer wieder auch an unseren eigenen Selbstorganisationsthemen arbeiten. Die Dinge verändern sich ja auch.
Speaker 1
11:53 - 12:20
Die Familie verändert sich, der Job verändert sich, die Kunden verändern sich. Das macht einen Unterschied, ob du ein frisch geborenes Kind hast, ein zwei-, dreijähriges Kleinkind oder dann vielleicht ab zehn oder sechzehn Jahren. Das hat einen Impact auf dich als selbstständige Person. Genauso ob dein Partner voll berufstätig, Teilzeit beschäftigt oder zu Hause für Betreuung zur Verfügung steht.
Speaker 1
12:20 - 12:37
Das sind ja oft Krankheitsfälle, Pflegesachen, so viele Dinge, die da privat noch mit reinschwingen können, die dann auch Auswirkungen auf dein Business haben. Ja, definitiv. Ja, mehr Zeit für die Familie wünsche ich euch in eurer Selbstständigkeit. Ehrlich.
Speaker 1
12:37 - 12:52
Also es soll so sein, dass es auch ein Effekt ist, der euch in eurer Selbstständigkeit begleitet. Und ich weiß, dass viele von euch das auch als großen Plunsch und als großes Ziel haben. Dafür wünschen wir euch viel Glück. Wenn ihr Hilfe dabei braucht, vielleicht hilft euch ein Gründungscheckup.
Speaker 1
12:52 - 13:15
Den bieten wir kostenlos an. Oder Camille und ich mit euch reden, wenn ihr sagt, okay, vielleicht kannst du mir ein bisschen helfen. Hilfe geben. Unkompliziert, unverbindlich, einfach in einem kurzen Erfahrungsaustausch, wenn wir doch den einen oder anderen Gründer oder Gründerin schon begleiten dürfen und auch unsere Selbsterfahrung in der Selbstständigkeit kann da vielleicht etwas für euch mitbringen.
Speaker 1
13:15 - 13:51
Nächste Woche schnappt man uns die nächste Heilbarheit. Ich würde mich freuen, wenn ihr diesen Podcast zumindest einer weiteren Person empfehlt oder teilt, wenn euch das gefällt, was wir hier machen. Wir haben jetzt doch schon über 125 Folgen als Audio, teilweise auch als Video zur Verfügung. Das würde uns jedenfalls helfen und wir freuen uns, wenn wir leibernde Gründungsfragen sozusagen, die in euren Köpfen sind, beantworten dürfen und euch da eine Mehrwertlieferung dürfen.
Speaker 1
13:51 - 13:57
Genau. Das ist ja ein sehr schönes Schlusswort. Ich würde sagen, bleibt nur mal eines zu sagen, bleibt's Leinwand.