Der Podcast für Gründer und Solo-Selbständige mit Günter Schmatzberger und Camillo Patzl. Jede Woche: 1 Frage, 15 Minuten, 2 Sichtweisen.
Selbstständig als Introvertierter, geht das überhaupt.m4a
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Speaker 1
00:01 - 00:33
Selbstständig als Introvertierter – geht das überhaupt? Hallo liebe Hörerinnen, liebe Hörer. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Live und Gründen. Wir sind die Gründungsberater Günther Schwarzberger und Camillo Patzl.
Speaker 1
00:33 - 00:54
Hallo lieber Günther. Der Gründungsberater Deluxe an meiner Seite wollte ich sagen, aber ich habe mich dahin gespielt. Ja, wahrscheinlich, weil wir beide Gründungsberater Deluxe sind. Zumindest sind wir die Gründungsberater mit dem Podcast Leihwand gründen.
Speaker 1
00:54 - 01:27
Und in dieser Folge von Leim und Gründen geht es um die Frage, die ich mitgebracht habe jetzt für unsere Diskussion. Wie ist das denn, wenn man selbstständig ist und introvertiert? Wenn man eher ein ruhiger Mensch ist, wenn man die Öffentlichkeit gar nicht so gern mag, wenn man gern seine Ruhe hat, wenn man das Gefühl hat, naja, Dieser Kontakt mit den vielen Menschen, das überfordert mich schnell, Networking und so weiter, das ist alles gar nicht meins. Hat man dann überhaupt Chancen als Gründer, als Selbstständiger erfolgreich zu sein?
Speaker 1
01:27 - 01:45
Und diese Frage möchte ich mit dir diskutieren. Kurze Selbstoffenbarung, ich würde sagen, ich würde mich eher als introvertierten Menschen bezeichnen. Das heißt, alles, was ich jetzt sage, spricht auch ein bisschen aus meiner eigenen Erfahrung. Und ich bin gespannt, Kamilo, was du dazu sagst.
Speaker 1
01:45 - 01:58
Was wäre der erste Gedanke? Selbstständig und introvertiert. Bei mir schießt gerade sehr viel hoch im Kopf. Selbstständig und introvertiert, ja, ist möglich.
Speaker 1
01:58 - 02:38
Ist sicherlich ein Weg, der seine Vor- und Nachteile bringt. Ich hänge halt bei dem Wort introvertiert deshalb, weil ich glaube, dass von Lebenssituation zu Lebenssituation dieses Introvertiertsein und Extrovertiertsein manchmal ein bisschen schwankt. Oder auch über das Leben hinweg betrachtet, kann es einfach Lebenssituationen geben, wo man etwas introvertierter sich verhält oder agiert, im Gegensatz vielleicht zu manch anderen. Ja, ich glaube, es ist ganz hilfreich, wenn ich zum Anfang ein paar Definitionen stelle und sage, was bedeutet das eigentlich.
Speaker 1
02:38 - 03:08
Ich habe mich nämlich damit mal beschäftigt, weil das ein sehr interessantes Thema ist. Also introvertiert und extrovertiert sind ja zwei Gegensatzpole, das ist ja ein Kontinuum. Das ist ja nicht entweder oder, sondern das bewegt sich sozusagen auf einer Skala mal hin und mal her. Die Idee grundsätzlich der Unterscheidung ist die Frage, wenn du Wenn du nach einem Tag, wo du viel zu tun hattest, müde bist, dann ist die Frage, wie erholst du dich?
Speaker 1
03:08 - 03:47
Und die introvertierten Menschen würden sagen, ich gehe nach Hause und ich lese ein Buch und bin froh, wenn ich meine Ruhe habe. Also wenn ich das sage, das ist mein normaler Zugang, wo ich Kraft schöpfe, wo ich meine Energie auflade, dann bin ich eher introvertiert. Oder wenn ich sage, nach so einem anstrengenden Tag, dann ziehe ich los, dann gehe ich tanzen, gehe ich aufs Konzert oder sonst irgendwo hin, gehe ich irgendwo hin, wo Menschen sind und habe meine Energie sozusagen aus diesem Umfeld heraus, dann ist man eher extrovertiert. Und eine wichtige Unterscheidung ist auch noch ganz wichtig, dass man unterscheidet zwischen introvertiert und scheu.
Speaker 1
03:46 - 04:02
Oder schüchtern. Das ist auch nicht das gleiche. Scheu oder schüchtern bedeutet, man mag nicht so gerne auf Menschen zugehen und man kann, das klingt ein bisschen paradox, man kann extravertiert sein und trotzdem schüchtern. Das ist jetzt kein...
Speaker 1
04:02 - 04:36
Das Wichtige, was du hier ausgeführt hast, dass man ja oft Introvertiertheit oder introvertiert sein damit verbindet, dass man schüchtern ist, nicht auf Leute zugeht und da vielleicht sogar diesen Nachteil in einem Business-Kontext für sich sieht, weil man sagt, wie soll ich, wenn ich mit keinem reden möchte, zu Kunden kommen, meine Angebote präsentieren und all diese Dinge. Genau. Und deswegen würde ich Gründerinnen und Gründern, die uns jetzt zuhören, mal sagen, was ist es denn genau?
Speaker 1
04:36 - 05:02
Bist du introvertiert oder bist du schüchtern oder beides? Damit man sozusagen da mal ein gutes Gefühl bekommt dafür, was eigentlich die Herausforderung ist. Und eines, was auch noch ziemlich spannend ist, das habe ich in meinem früheren Podcast, der hat Projekt Leben geheißen, da habe ich mich um Personal Projects gekümmert. Ein interessantes Thema ist, was du auch schon gesagt hast, man kann auch als introvertierter Mensch, das nennt man dann extrovertieren.
Speaker 1
05:02 - 05:43
Das heißt, in bestimmten wichtigen Situationen, bei bestimmten ganz wichtigen Projekten kann man auch ein bisschen aus sich herausgehen und kann man ein bisschen außerhalb seiner normalen Herangehensweise arbeiten. Und allein das würde jetzt sozusagen eine kurze Antwort auf die Frage geben, kann ich als introvertierter Mensch selbstständig sein? Kurze Antwort wäre ja, weil du nämlich, auch wenn du grundsätzlich introvertiert bist, in bestimmten Situationen sehr wohl auch anders sein kannst, wenn es dir besonders wichtig ist, wenn du da irgendwas hast, was dir besonders am Herzen liegt, dann kannst du sehr wohl ein bisschen aus dir herausgehen. Du brauchst dann zwei Erholungsphasen, damit du wieder sozusagen auf dein normales Level kommst.
Speaker 1
05:43 - 06:14
Aber das hältst du schon aus, ein Verkaufsgespräch zu führen oder bei einer Networking-Veranstaltung dabei zu sein für ein paar Stunden, das bringt dich nicht um. Im Gegenteil, da wirst du gut damit zurechtkommen und danach erholst du dich halt wieder. Und das, was ich da vielleicht auch ergänzen kann, ist, dass man ja den Rahmen, also das Setting, auch ein Stück weit für sich gestalten kann. Also wenn man für sich ja schon diese Reflexion oder diese Erkenntnis sammeln durfte, bin ich eher introvertiert oder extrovertiert unterwegs.
Speaker 1
06:15 - 06:55
Und was bedeutet das jetzt für mein Ziel, das ich verfolge? Dann kann ich mir vielleicht entsprechend den Rahmen oder das Setting so gestalten, dass ich sage, Ich bin in einem geschützten Raum, unter Anführungsstrichen. Ich habe vielleicht wirklich meine Lokalität, meinen Besprechungsraum, meinen Meetingraum so gewählt, dass ich mich auch dort einigermaßen wohlfühle, egal ob wir jetzt ein 1 zu 1 Gespräch führen oder wir vielleicht sogar ein Gruppensetting haben. Aber das ist für mich in einem Rahmen als Introvertierter, wo ich quasi gestalten, walten und performen kann.
Speaker 1
06:55 - 07:30
Im Gegensatz, wie wenn ich jetzt spontan auf eine Bühne raufgehen müsste, irgendwo in der Öffentlichkeit sprechen müsste oder sozusagen da an einen Ort eingeladen werde, wo mich der Ort schon überrascht und wo ich dann sozusagen mit meinem Fokus oder halt mehr mit anderen Dingen beschäftigt bin als mit meinem eigentlichen Ziel oder Aufgabenstelle. Richtig, genau, das sehe ich genauso. Also wir haben grundsätzlich schon die Möglichkeit oder auch, ich würde fast sagen die Verantwortung, dass wir uns den Rahmen unserer Arbeit wählen, so dass er für uns passt.
Speaker 1
07:30 - 08:19
Günther Faltin sagte immer stimme ich zur Person, stimme ich zum Markt und diese stimme ich zur Person ist ganz einfach wichtig, wenn ich weiß, dass ich bestimmte Eigenschaften habe und wir besprechen das jetzt für Introvertität oder Extrovertität, aber es gilt ja für ganz viele andere Eigenschaften genauso. Wenn ich mich gut kenne, dann weiß ich, was mir entgegenkommt, wo ich gut in meiner Kraft bin, wo ich gut arbeiten kann und was Situationen sind, Orte, Umstände, die mich Energie kosten, wo ich nicht wirklich Rückenwind verspüre. Und klarerweise sinnvoll ist zu sagen, die Momente oder die Situationen, in denen ich gut arbeiten kann, davon mache ich mehr und das, was mir nicht entgegenkommt, davon mache ich weniger. Und diese Wahl haben wir, und ich würde sagen, auch diese Verantwortung haben wir.
Speaker 1
08:19 - 08:38
Wir müssen uns unsere Arbeitsumgebungen so schaffen. Und wenn ich introvertiert bin, dann habe ich auch Möglichkeiten, Dinge zu tun, die mir entgegenkommen, und Dinge zu lassen, die mir nicht so entgegenkommen. Genau. Und weil du es eben auch vorhin angedeutet hast, Man kann ja auch sozusagen damit arbeiten und damit spielen.
Speaker 1
08:38 - 09:24
Das heißt, sich vielleicht wirklich hin und wieder aus dieser Komfortzone rausziehen und sagen, für diesen gegebenen Anlass teste ich, probiere ich, versuche zu lernen, versuche auszuprobieren, ob das vielleicht auch so in dieser Form funktionieren kann. Ich denke da gerade an ein konkretes Gründerbeispiel. Die Gründerin hatte halt sozusagen ein Thema, ihr Gesicht auf Social Media zu zeigen oder da sozusagen rauszugehen und in den Markt zu sprechen. Weil sie der Meinung war, dass sie da introvertiert ist im Sinne von, sie traut sich nicht, sie ist da vielleicht ein bisschen schüchtern oder hat halt irgendwas damit verbunden.
Speaker 1
09:25 - 10:03
Und dann haben wir halt da ein bisschen länger und tiefer gesprochen und herumexperimentiert und haben gesagt, ja gut, aber vielleicht braucht es das in dieser Form nicht, so wie sie es sich vorstellt, sondern es gibt vielleicht alternative Wege, Workarounds, wo man sagt, Vielleicht reicht ein Standbild auf, wie man es früher vielleicht vom Nachrichtensprecher gehabt hat und man hört vielleicht nur die Stimme, wie in einem Podcast. Vielleicht ist das auch ein Werkzeug. Oder es braucht vielleicht einfach nur Ein bisschen Übung, ein bisschen ein vertrautes Umfeld, dass es funktioniert.
Speaker 1
10:03 - 10:32
Oder es geht in die Richtung, dass man sagt, na ja, ich habe jetzt alles probiert, ich nehme es zur Kenntnis, das ist nicht mein Weg. Ja, genau. Ich glaube das was du gesagt hast ist für introvertierte Personen ein guter Weg was das eigene Marketing betrifft. Podcasts funktionieren meistens gut, weil diese Videokomponente weg ist und weil introvertierte Menschen auch ganz gerne längere Gedanken Folgen ausformulieren wollen.
Speaker 1
10:32 - 11:00
Also diese ganz kurzen Dinge sind oft ein bisschen schwierig, aber diese längeren Gespräche, so wie wir sie auch haben zum Beispiel, das funktioniert meistens ganz gut. Und wenn die Videokomponente dann halt nicht so optimal ist, dann lasse ich es weg halt vielleicht für immer oder zumindest für den Anfang mal, bis ich mir da sicherer bin. Wir haben jetzt sehr über introvertierte Personen gesprochen. Was ist denn mit den Externen?
Speaker 1
11:00 - 11:22
Sind die fähig ein Business zu führen? Ja, ich glaube, dass sich diese Frage oft nicht stellt, weil man ja dieses Unternehmertum mit Extroversion sehr stark verbindet. Also, dass man sagt, okay, um selbstständig zu sein, dann muss man auf Leute zugehen, dann muss man verkaufen können und so weiter. Das heißt, ich glaube, das klassische Bild, das man hat von einem Unternehmen, von einem Selbstständigen...
Speaker 1
11:22 - 11:40
Ich muss aber auch tun und nachdenken auch. Also, es ist ja nicht nur die eine Seite. Genau, es braucht eh beides. Die Herausforderung ist halt auch für extrovertierte Personen genauso, dass man ja auch dann mit Momenten der Stille umgehen muss.
Speaker 1
11:40 - 12:02
Das ist besonders für Ein-Personen-Unternehmen im Homeoffice oft gar nicht so einfach. Was tue ich denn, wenn ich zu Hause sitze in meinem Homeoffice und den ganzen Tag keinen Kontakt mit irgendjemand anderen habe? Und das nicht nur einen Tag, sondern vielleicht über mehrere Tage. Und ich habe nicht erst einen Gründer kennengelernt, der gesagt hat, mich macht das wahnsinnig, das allein zu Hause sitzen.
Speaker 1
12:02 - 12:22
Für introvertierte Menschen wäre das natürlich ein Traum, wenn ich den ganzen Tag Ruhe habe und einfach meine Arbeit machen kann. Aber für viele extrovertierte Menschen ist das tatsächlich schwierig. Und die scheitern sozusagen am Gegenteil. Also die scheitern nicht, aber die kämpfen sehr stark mit der Ruhe und mit diesem Für-Sich-Sein-Müssen.
Speaker 1
12:22 - 12:59
Mhm. Ich glaube, diese beiden Sachen können sich ein bisschen auffüllen. Man kann sich ein bisschen in die andere Richtung bewegen, man kann ein bisschen raus aus seiner Haut gehen. Aber wenn ich merke, dass ich zu Hause nicht gut zurechtkomme, dann gibt es Coworking Spaces, wo ich sozusagen immer Menschen um mich habe und wo ich auch aus dieser Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu gehen, meine Energie wiederziehen kann und neue Motivation bekommen kann, damit ich einfach
Speaker 1
12:59 - 13:32
nicht vor mich hin dahin zumpere. Also im wahrsten Sinne des Wortes sozusagen meine Energie verliere in der Einsamkeit. Also wenn ich das jetzt so höre und für mich reflektiere, dann braucht es auch hier wieder eine Art der Balance. Und das, was ich unseren Hörern und Hörerinnen jedenfalls mitgeben kann, ist, aus eigener Erfahrung, die Selbstständigkeit oder sich selbstständig machen ist die beste Persönlichkeitsreise, die man sozusagen gehen kann.
Speaker 1
13:32 - 14:06
Und man wird früher oder später eben mit genau diesem Thema konfrontiert, introvertiert sein, extrovertiert sein, wann brauche ich was oder was heißt das eigentlich für mich in der Definition. um entsprechend darauf zu reagieren oder umgehend zu lernen damit. Genau. Und mein Appell ist halt an alle Menschen, die sich als introvertiert wahrnehmen und glauben deswegen nicht geeignet zu sein für die Selbstständigkeit, denen möchte ich Mut zusprechen und zu sagen, das stimmt nicht.
Speaker 1
14:06 - 14:31
Im Gegenteil, in einigen Bereichen hat man als introvertierte Person sogar große Vorteile gegenüber extrovertierten Menschen. Es ist nicht so, dass man damit einen Startnachteil hätte. Und wenn man sozusagen ein bisschen scheu ist, an die Öffentlichkeit zu gehen, dann gibt es Podcasts, dann gibt es Blogs, man kann sich schriftlich ausdrücken, man muss ja nicht überall Video sein. Eine große Stärke von introvertierten Menschen ist, dass sie auch gern zuhören mögen.
Speaker 1
14:31 - 15:03
Das heißt, Menschen zuhören kann oft interessanter oder zum Erfolg, viel besser zum Erfolg führen, als immer nur zu reden und andere sozusagen da nieder zu quatschen. Das heißt, auf die eigenen Stärken zu setzen, ist in jedem Fall eine gute Idee. Und gerade die introvertierten Stärken sind eigentlich für einen Business Erfolg grundsätzlich mindestens genauso gut geeignet wie extrovertierte Stärken. Ja, fast eine Punktlandung, weil ich hätte heute nichts mehr hinzuzufügen.
Speaker 1
15:03 - 15:22
Camillo, dann lassen wir es gut sein für diese heutige Folge von Leiber und Gründen. Ich hoffe, dass für dich in dieser Folge was dabei war. Besonders dann, wenn du selber introvertiert bist, aber vielleicht auch, wenn du extrovertiert bist und Menschen kennst, die introvertiert sind. Vielleicht hat es dir einen Blick gegeben in die Gedankenwelt.
Speaker 1
15:22 - 15:49
Wenn es so war, dann würde es mich freuen. Bei uns gibt es viele Dinge, die du zusätzlich noch bekommen kannst. Schau auf unsere Webseite www.leihwand.business.de, da gibt es alle Podcastfolgen zum Nachhören, da gibt es einen Leihwand Newsletter, in den du dich eintragen könntest und da gibt es auch einen gratis Gründungscheckup, wenn du mit uns einmal über deine Gründungsidee sprechen möchtest. Ansonsten Camillo, würde ich sagen war es das für heute.
Speaker 1
15:49 - 16:00
Ich freue mich schon wieder auf die nächste Woche mit einer neuen gemeinsamen Folge und wünsche allen Zuhörerinnen und Zuhörern alles Gute und bleibt leibend.