Leiwand gründen

Mit dem besten Freund gründen – kann da wirklich nichts passieren? In dieser Folge von „Leiwand gründen“ sprechen die Gründungsberater Günter Schmatzberger und Camillo Patzl darüber, warum gemeinsame Gründungen viele Vorteile haben, aber gerade bei Freundschaften klare Regeln besonders wichtig sind.
  • Zu zweit zu gründen kann vieles leichter machen: Man teilt Aufgaben, ergänzt sich fachlich und motiviert sich gegenseitig.
  • Auch Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmer profitieren davon, Kooperationen zu suchen und nicht alles alleine machen zu wollen.
  • Die Gefahr bei Gründungen mit engen Freunden liegt darin, dass Erwartungen, Zuständigkeiten und heikle Themen oft nicht klar ausgesprochen werden.
  • Kleine Konflikte können schleichend wachsen, wenn sie aus Rücksicht auf die Freundschaft zu lange nicht angesprochen werden.
  • Schriftliche Vereinbarungen helfen, Rollen, Verantwortlichkeiten, Eigentumsfragen und Trennungsszenarien frühzeitig zu klären.
  • Eine professionelle Haltung schützt nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Freundschaft.
  • Besondere Vorsicht gilt auch beim Anstellen guter Freunde, weil berufliche Konflikte schnell private Beziehungen belasten können.
Viel Inspiration beim Anhören!

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Was ist Leiwand gründen?

Der Podcast für Gründer und Solo-Selbständige mit Günter Schmatzberger und Camillo Patzl. Jede Woche: 1 Frage, 15 Minuten, 2 Sichtweisen.

Mit meinem besten Freund Gründen da kann nichts passieren.mp3
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Speaker 1
00:19 - 00:44
Hallo liebe Hörerinnen, lieber Hörer, willkommen zu der heutigen, wöchentlichen, sommerlichen Podcast-Folge aus dem wunderschönen Augarten mit Wind, Nebengeräuschen und auch Tauben. Richtig, Bienen, alles mögliche. Wir sind im Freien, wir sind am Busen der Natur im Wiener Augarten und haben uns gedacht, wir nehmen die Sommerfolgen halt einfach draußen auf, weil wir können. Wir sind ja selbstständig.

Speaker 1
00:44 - 01:04
Wir können tun, was wir wollen. Und um das auch auszukosten, sind wir jetzt hier im Augarten und haben uns in diesem Sommer vorgenommen, dass wir Halbwahrheiten rund ums Gründen um die Selbstständigkeit so ein bisschen entpacken und uns ein bisschen genauer zur Brust nehmen. Genau. An meiner Seite bin ich mit der liebe Günther Schwarzberger, Gründungsberater Deluxe.

Speaker 1
01:04 - 01:25
Mein Name ist Camillo Patzl. Der liebe Günther hat uns heute wieder so eine Halbwahrheit mitgebracht und ich bin schon ganz neugierig, Ja, Camillo, die halbe Wahrheit ist folgende. Mit meinem besten Freund kann ja beim Gründen nichts passieren, kann nichts schiefgehen. Ja, woher denn auch?

Speaker 1
01:25 - 01:49
Ja, genau. Wer, wenn nicht der beste Freund, wer, wenn nicht der langjährige Begleiter oder die junge Begleiterin, der Kollege, die Kollegin, mit der man sich gut versteht, man kennt sich, man versteht sich gut. Man zieht an einem Strang. Genau, man hat eine gleiche Vision für das Unternehmen, man kann sich die Arbeit aufteilen, jeder bringt unterschiedliche Kompetenzen ein.

Speaker 1
01:49 - 02:14
Und so wie das bei Halbwahrheiten ist, das stimmt alles. In vielen Bereichen, würde ich sagen, ist es zu zweit einfacher als alleine. Wir machen den Podcast ja auch zu zweit, aus gutem Grund. Und das ist einfach, weil wir uns die Arbeit aufteilen können, weil es lustiger ist, das gemeinsam zu machen, weil man nicht so einsam ist, weil man sich ergänzt, weil einfach das Ergebnis besser wird, wenn man es nicht alleine versucht.

Speaker 1
02:14 - 02:48
Weil man sich auch gegenseitig insofern ergänzt, wenn der andere gerade sozusagen ein bisschen müde ist im Kopf oder sich gedanklich verläuft, man kann sich stützen, man kann den anderen mitziehen, man kann sich neu motivieren und ist auch sozusagen schneller in Dingen, die man für sich verarbeiten muss. Ja, genau. Also das stimmt alles. Und in ganz vielen Fällen macht es Sinn, selbst wenn man jetzt nicht in einer Gemeinschaft gründet, sondern wenn man so ein Einzelunternehmen ist, macht es trotzdem Sinn.

Speaker 1
02:48 - 03:07
Und das meine ich uneingeschränkt. Das stimmt immer. Kooperationen zu suchen, Partner zu suchen, sich auszutauschen, nicht alleine zu bleiben. Es ist einfach viel einfacher, Dinge, einzelne Projekte, einzelne Aufgaben, einzelne Produkte gemeinsam zu entwickeln und Dinge einfach gemeinsam zu tun.

Speaker 1
03:07 - 03:29
Bleibt nicht alleine, nur weil ihr jetzt Einzelunternehmer oder Ein-Personen-Unternehmer seid. Es ist auch nicht das Ziel, alles alleine machen und können und wissen zu müssen. Es macht auch keinen Spaß. Trotzdem ist es so, dass die Grenze zur Halbwahrheit in dem Moment überschritten ist, wo wir sagen, da kann nichts schiefgehen.

Speaker 1
03:29 - 04:12
Richtig. Ich weiß aus eigener Gründungserfahrung, also ich habe zwei Freundinnen in der Gründung einer UG begleitet und habe vorige Woche auch das Gespräch geführt, wie sie diese UG jetzt wieder auflösen können. Das heißt, ich habe von der Wiege bis zur Bahre zwei gute, sie sind immer noch gute Freundinnen, das heißt, das passt immer noch, sie sind sich jetzt nicht persönlich, haben nichts persönlich gegeneinander, aber man muss halt sagen, dass die Die Gefahr, wenn man mit jemand anderem ein Unternehmen gründet, und dieser zweite ist eine sehr enge Person, hat das auch Gefahren, wirklich echte Gefahren, weil man in diesem Fall sehr vertrauenswürdig ist.

Speaker 1
04:13 - 05:13
Und auf Basis dieser langjährigen Bekanntschaft, dieser Freundschaft auch viele Entscheidungen vielleicht nicht so detailliert trifft, viele Regelungen vielleicht nicht explizit ausspricht, viele Erwartungen an das gemeinsame Business nicht explizit ausspricht, wenig dokumentiert, keine schriftlichen Verträge hat oder nicht in der Form, wie es vielleicht wäre, wenn man mit jemand vollkommen Fremden Du sprichst diese Regelungen an und auch in meinen Gründungsberatungen, wo ich das miterleben durfte, ist genau das der Knackpunkt, weil man sagt, naja, als beste Freunde, wir kennen uns, wir wissen voneinander, da wird nie was sein. Und dann habe ich schon Beziehungen sozusagen auseinandergehen gesehen, weil zwei Partner, Mann und Frau, sozusagen in eine Gründung hineingegangen sind und dann sich herausgestellt hat, dass andere Zielvorstellungen mit da reingeschwungen sind, die man nicht ausdefiniert hat. Und man hat keine vertraglichen Vereinbarungen gehabt, wem gehört jetzt sozusagen was von der Marke, was von den Kunden, wie auch immer.

Speaker 1
05:13 - 05:53
Und das führt dann letztendlich zu einem Konflikt, zu einem Streitthema und endet dann meistens nicht sehr angenehm, weil man das ja dann wieder rückauflösen will und dann der andere vielleicht gar nicht so zugänglich ist für das. Und das Problem bei diesen Freundschaften, bei diesen sehr engen persönlichen Beziehungen ist, dass diese Probleme schleichend entstehen. Es ist ja nicht so, dass von einem Tag auf den anderen das Problem entsteht, sondern es gibt so kleine Uneinigkeiten, kleine Reibereien, die werden aber nicht offen angesprochen. Man will ja keinen Konflikt erzeugen, sondern man denkt sich, okay, das wird sich schon ergeben und wichtig ist, dass wir gut zusammenarbeiten.

Speaker 1
05:53 - 06:10
Aber das ergibt sich nicht von selber, es klärt sich nicht von selber, sondern dieses Thema wächst sich aus. Es wird immer schwerer zu handeln und irgendwann kommt der Punkt, wo sogar die besten Freunde darüber sprechen müssen, weil sie es nicht mehr ignorieren können. Das dauert halt wahnsinnig lang. Und dieses Hinauszögern dieser schwierigen Gespräche.

Speaker 1
06:11 - 06:47
Also wenn man das von Anfang an besprechen würde, wenn das Problem noch ganz klein ist, dann wäre das vielleicht in einer halben Stunde ausdiskutiert. Aber weil wir zuwarten, bis das Problem so groß ist, dass man es nicht mehr ignorieren kann, werden das dann Mördergespräche, wo man sich zwei Wochen schon davor fürchtet, das anzusprechen und man Angst hat natürlich, dass jetzt nicht nur das Unternehmen in Gefahr ist oder dass es ein unternehmerisches Problem ist, sondern wo es natürlich auch darum geht, bedeutet das für die Freundschaft. Weil dann oft das Private mit dem Beruflichen irgendwo die Grenzen verschmilzen und dann auch gar nicht mehr so leicht zum Aufdrüsseln sind.

Speaker 1
06:47 - 07:45
Und wenn dann irgendwelche Vorwürfe im Raum stehen, dann wird es wahnsinnig schwierig. Die große Chance und der Vorteil, den man aber schon in dieser Konstellation hat mit Freunden oder mit Bekannten, ist, dass man eben genau das sich dokumentieren, verschriftlichen kann, am Anfang, bei einer Startphase oder wenn solche Themen aufkommen. Im Gegensatz zu Familienunternehmen, die diesen Generationswechsel vor sich haben, da gibt es ja einen ganz eigenen Markt, der sich damit beschäftigt, wie kann man sowas aufsetzen, wie kann man so quasi als Mediator oder Moderator agieren, dass die zusammengehörigen Parteien da miteinander sprechen, also alte Generation, junge Generation. Das kann man abfedern sozusagen als Gründer, Gründerin, wenn man einfach am Anfang nicht hineingewachsen in ein Unternehmen sich einfach da schon Gedanken macht.

Speaker 1
07:45 - 08:00
Wir raten nicht ab, mit guten Freunden zu drücken. Überhaupt nicht. Aber es bräuchte die professionelle Haltung zu sagen, wir müssen das genauso regeln, wie wenn wir es mit einem wildfremden haben würden. Also wir können nicht Dinge unausgesprochen lassen.

Speaker 1
08:00 - 08:22
Das sind wir unserer Freundschaft schuldig. So muss man es eigentlich sehen, dass wir das genau regeln, dass wir Vorsorge treffen, dass nicht aufgrund unserer gemeinsamen Gründung dann auch unsere persönliche Freundschaft leidet, sodass im schlimmsten Fall die Gründung halt vielleicht dann doch nicht funktioniert, aber wir beide trotzdem Freunde bleiben können. Das wäre die Zielsetzung. Und das schaffen wir dann, wenn wir die Dinge explizit machen.

Speaker 1
08:22 - 08:48
Wenn wir es reichen auf Kleinigkeiten, also ganz offen gesprochen. Der Günther und ich, wir haben uns zwei, drei Seiten aufgesetzt, die wir uns durchgelesen haben. Am Anfang, wie dieser Podcast gestartet hat, wer sozusagen wofür zuständig ist, wem was gehört, wie wir es in einem Trennungsfall sozusagen aufteilen oder handhaben wollen. Dass ich dieses Papier verändern kann, das steht nicht zur Debatte, aber sowieso.

Speaker 1
08:49 - 09:13
Ich kann mich nicht mehr hundertprozentig an das Gespräch erinnern von damals, weil nach der 125. Folge sind ja doch schon Jahre vergangen mittlerweile. Das stimmt. Und das ist aber was Positives, dass man trotzdem hier was auf einem Zettel stehen hat, wo man sagt, das ist mal eine Gesprächsgrundlage und an der kann man ansetzen und dann schauen, was man damit macht, wenn man es braucht.

Speaker 1
09:13 - 09:40
Genau, absolut. Und vielleicht ein Nebenaspekt, der da auch gut dazu passt. Vorsicht auch beim Anstellen von Mitarbeitern und diese Mitarbeiter sind gute Freunde. Also das eine ist das Gründen gemeinsam, aber auch den ersten Mitarbeiter zu sagen, ja du bist mein Freund, ich kenne dich gut, du bist mein erster Mitarbeiter, das ist auch nicht unproblematisch, weil man bei diesen Konstellationen über Gebühr nachsichtig ist.

Speaker 1
09:40 - 10:09
Ich würde konkret davon abraten. Ja, wahrscheinlich. Wenn ich gefragt werden würde in dieser Situation, dann würde ich sagen, lass es, bitte mach es nicht. Impe lerne erst sozusagen mit tatsächlich fremden Personen, wie das sich für dich anfühlt, wie du der Typ dafür bist, jemanden einzustellen, jemanden sozusagen zu koordinieren, anzuleiten, weiterzuentwickeln oder vielleicht sich dann auch von dieser Person zu trennen.

Speaker 1
10:09 - 10:30
Dass diese Erfahrungen, die du da sammelst, sind so wertvoll und ob du vielleicht später irgendwann einmal dann sagst, okay, da kommt jetzt jemand, der macht Feralpraxis oder da kenne ich jemanden, den stelle ich ein oder mit dem arbeite ich zusammen, kannst du dann viel besser damit umgehen. Schmeiß einmal deinen besten Freund raus. Viel Spaß. Wahnsinn, ja.

Speaker 1
10:30 - 10:39
Also ob dann eine Freundschaft noch hält. Ja. Und was alles passieren muss, dass es zu diesem Punkt kommt. Ich würde das auch nicht raten.

Speaker 1
10:39 - 10:53
Mit großer, großer, großer Vorsicht. Gründen ja, natürlich. Gründen auch mit Unterstützung natürlich. Sei vorsichtig, wen du dir ins Boot holst bei deiner Gründung, wenn ihr zu zweit gründet oder zu dritt oder zu viert.

Speaker 1
10:53 - 11:04
Eine Gründung gemeinsam ist wie eine Ehe. Da ist praktisch kein Unterschied, also auch vertraglich nicht. Das ist ein ähnliches Bindungsverhältnis, das ist eine ähnliche Gütergemeinschaft. Das muss genauso gut überlegt werden.

Speaker 1
11:04 - 11:19
Das muss auch aus meiner Sicht genauso gut überlegt werden, was tun wir, wenn es nicht funktioniert. Das sind sozusagen, da steht was auf dem Spiel. Und auch vorsichtig sein bitte beim Anstellen von guten Freunden. Das kann sich Böse erreichen in dem Fall, wenn es dann doch nicht so gut klappt.

Speaker 1
11:22 - 11:59
Ja, wenn du jetzt viele Fragen im Kopf hast und das Gefühl hast, ich möchte mit jemandem darüber reden, wir stehen zur Verfügung. Es gibt den kostenlosen Gründungscheck-up, wo du das vielleicht mit uns unverbindlich reflektieren kannst, bezogen auf deine Geschäftsidee, auf deine berufliche Entwicklung in Richtung Selbstständigkeit. Wir sind auch unter leihwand.business zu finden auf unserer Webseite. Und wir würden uns freuen, trotz Lärm und Nebengeräuschen, dass du diesen Podcast mit einer Person aus deinem näheren Umfeld teilst, der über sich selbstständiges Machen nachdenkt.

Speaker 1
11:59 - 12:14
Genau, weil dann hätten wir vielleicht sogar bei der nächsten Folge einen neuen Hörer oder Hörerin. Und bei der nächsten Folge nächste Woche treffen wir uns wieder mit einer neuen Halbwahrheit. Wir sind mitten in den Sommergesprächen und werden die auch fortsetzen. Und bis dorthin, würde ich sagen, bleibt Platz.