Backbone – Der Podcast über Haltung, Wandel und unternehmerische Stärke.
Hier spricht Dominik Göttler mit Unternehmern, Führungskräften und Machern aus der Industrie über Entscheidungen, Werte, persönliche Wendepunkte und Geschäftsmodelle.
Es geht um Leadership, Verantwortung und das, was Unternehmen wirklich trägt – ihr Rückrat.
👉 Neue Folgen alle vier Wochen, freitags.
🎧 Produziert von der Dominik Göttler Consulting GmbH.
(0:00 - 0:10)
Ja Lars, freut mich, dass du hier heute im Backbone-Podcast mit dabei bist. Wir schauen nach draußen, sind in Frankenthal, vor Ort von der COGD. Aber jetzt lass uns mal bei Backbone um dich gehen.
(0:11 - 0:30)
Vielleicht zum Beginn sag ein paar Sätze über dich, was soll man über dich wissen, Lars? Hi Dominik, grüß dich, vielen Dank, dass ich am Podcast dabei sein darf. Zu mir, Lars Kierer, ich bin einer der beiden Geschäftsführer und Gesellschafter der RTS Elektronik. Wir sind Industriedienstleister für die Schaffung elektronischer Baulemente, d.h. wir beliefern EMS-Dienstleister, OEMs in Deutschland und weltweit.
(0:31 - 0:50)
Ansonsten bin ich verheiratet, bin wohl auf den Dortmund-Liebe reisen, d.h. andere Länder entdecken, Kulturen entdecken und da auch viel für mich mitnehmen. Und ansonsten fahre ich mittlerweile auch Gravelbike. Mein Geschäftspartner ist ein bisschen angesteckt, der fährt sehr viel Rennrad und ich versuche mich da auch mal ein bisschen in Gefilden.
(0:50 - 1:01)
Ja, wie das immer so ist, wenn dann jemand einen Umpferz macht, dann hat man immer so ein bisschen so angefixt und kommt dann auch so rein. Definitiv. Ja, lass uns vielleicht gleich mal so starten, so zum Start.
(1:01 - 1:25)
Wie bist du eigentlich so in die Elektronikbranche reingerutscht? Was ist das für dein Background? Das ist ein bisschen zufällig passiert. Also ich sage mal, meine erste Erfahrung mit Elektronik oder auch Stromspannung, das war, als ich kleiner war. Was hat der kleine Lars gemacht? Hat bei seinem großen Bruder in der Kiste rumgekramt beim PC-Bedarf, hat da so einen Lüfter gefunden mit zwei Drähten und gedacht, ja gut, wenn ich die beiden Drähte jetzt in eine Steckdose packe, dann kann ich mir noch einen kleinen Lüfter bauen.
(1:25 - 2:11)
Na gut, der Knall war natürlich entsprechend groß, der Schock war groß, das waren meine ersten Berührungspunkte mit Stromspannung und so ein bisschen, dann hieß es mal Elektronik. Aber der weitere Werdegang war dann, dass ich nach meinem Realschulabschluss entsprechend Werbung geschrieben habe, wollte eine Ausbildung machen, bin dann zufällig, sage ich mal, zur Telekom gekommen, habe dort eine Ausbildung als IT-Systemelektroniker gemacht, war dann derjenige, wenn jemand noch einen Internetanschluss braucht, das fertiggestellt hatte oder wenn ein Bagger zum Beispiel auf einer Straße das Kabel kaputt gemacht hat, das er geflickt hat, damit alle Leute wieder fröhlich surfen konnten, habe für mich aber entschieden, ich will da nicht bleiben. Habe dann mein Fachabitur nachgeholt im Bereich der Elektrotechnik, habe dann Elektrotechnik studiert in Dortmund, habe für mich erkannt, dass ich Technik und alles, was so Elektrotechnik und Elektronik umfasst, sehr interessant finde, aber nur so bis 80 Prozent.
(2:11 - 2:46)
Also ich habe für mich erkannt, ich bin nicht derjenige, der selbst Schaltungen designt oder irgendwelche Software schreibt, und dann bin ich auch da durch einen Zufall oder einen Headhunter zum technischen Vertrieb gekommen und habe dann entsprechend damals bei der Wirth Elektronik angefangen und dann elektronische Bauelemente vertrieben, Steckverbinder, Taster, Schalter, und so war mein Beginn eigentlich in der Elektronikwelt. Okay, lass uns da vielleicht nochmal so ein bisschen auch bei der Telekom tiefer einsteigen. Wenn du so zurückblickst, was ist dir aus dieser Zeit so hängen geblieben? Es war jetzt nicht so deins, habe ich jetzt mitgenommen, aber vielleicht trotzdem, Wassersteige Lönn, das hat dich vielleicht auch ein bisschen weitergebracht.
(2:46 - 2:58)
Also grundsätzlich fand ich es gar nicht uninteressant, dort zu arbeiten. Was einen schon abschreckt ist, wenn gestandene Leute natürlich dann sagen, Lars, wenn du fertig bist, mach was anderes. Studiere, geh woanders hin, bleib bloß nicht hier, mach nicht den Fehler wie ich.
(2:58 - 3:12)
Das schreckt natürlich eine junge Person ab. Aber gleichzeitig habe ich für mich auch erkannt, okay, ich will nicht derjenige sein, der dauerhaft draußen rumfährt. Und jeder Tag hat sich doch ein bisschen manchmal geglichen in der Arbeit, und ich wollte ein bisschen mehr Flexibilität halt haben, unterschiedliche Tagesthemen.
(3:12 - 3:49)
Was ich aber mitgenommen habe aus meiner Ausbildung, ist vor allem das Thema, Verantwortung zu übernehmen, und auch selbstständige Arbeitsweise, und natürlich auch zu wissen, ich muss hier hinkommen. Also das, was man ja oft immer so sagt bei einer Ausbildung, ich muss pünktlich da sein, ich muss meine Arbeit gut verrichten halt, ansonsten funktioniert das Ganze nicht, dann kriege ich natürlich ganz viel negatives Feedback, da habe ich viel gelernt. Was man auch sagen muss, ehrlicherweise bei der Telekom damals, wir Auszubildenden haben sehr viel schon alleine gearbeitet, also gemeinsam, war vielleicht nicht so ganz rechtens damals, aber deswegen sehr schnell auch selbstständig geworden, und hat für mich vielleicht auch nicht geschadet für meine heutige Zukunft.
(3:49 - 4:03)
Kann ich mir gut vorstellen. Ich denke, gerade wenn man auch so ein bisschen gestalten muss, und so ist der Verantwortung, das prägt einen auch einfach. Und ich denke, es ist auch eine gute Überleitung, weil du bist gerade zu erwähnen, du bist dann im technischen Vertrieb gelandet, und da ist natürlich auch deine Verantwortung.
(4:04 - 4:21)
Fahre ich zu den Kunden raus, mache ich meine Calls, bleibe ich dran? Klar, es gibt Ziele, die dir vielleicht dein Vorgesetzter vorgibt, aber du musst trotzdem dahinterbleiben und es vorantreiben. Absolut, man ist in dem Moment ja auch selbstständiger in einem Unternehmen. Das heißt, man ist zwar angestellt, aber dennoch für sich selbst verantwortlich.
(4:21 - 4:39)
Wie du richtig gesagt hast, man hat seine Kundenbasis, aber in dem Moment seine Ziele, aber dann die Freigestaltungsmöglichkeit. Klar, es gibt so ein paar Parameter, man sagt z.B. Montags, Freitags Homeoffice, Dienstags, Mittwochs, Donnerstag zum Kunden rausfahren, 10 bis 12 Besuchstermine die Woche, so und so viele Angebote, Muster verschicken am besten. Aber wie du es machst, ist deine freie Entscheidung.
(4:40 - 4:49)
Ich könnte ruhig auch sagen, gut, ich mache einen Tag mal gar nichts, aber das fällt mir hinten dann auf die Füße. Deswegen, da musste man sich selbstständig organisieren. Man saß alleine im Homeoffice oder war draußen auf der Straße.
(4:50 - 4:59)
Man war nicht in einem Büro in dem Moment, wo jemand hinter dir sitzt und sagt, jetzt mach mal hier. Deswegen, da war Selbstständigkeit natürlich das große Thema in dem Moment. Ne, kann ich mir gut vorstellen.
(4:59 - 5:12)
Ich denke aber auch, du musst auch der Typ dafür sein. Es gibt dann den einen oder anderen, der tut sich dann wirklich schwer, in dem Moment auch die Verantwortung zu übernehmen und sich selber auch zu fühlen. Das Thema Selbstführung haben wirklich viele Herausforderungen.
(5:12 - 5:30)
Aber ich denke, es ist auch schon so ein bisschen, es hat sich schon angekündigt, wo deine Reise hingeht. Wenn wir jetzt auch noch mal so ein bisschen tiefer einsteigen, ich sage mal, davor warst du eher, ich sage mal, mehr so der technischen Seite, Elektronikseite. Klar, dann Vertrieb, aber das ist dann auch schon so ein bisschen die Brücke zur wirtschaftlichen Seite.
(5:30 - 5:47)
War das schon früher, dass du gesagt hast, ich will jetzt auch ein bisschen drüber hinausgehen, auch mal die wirtschaftliche Seite kennenlernen? Wie ging es dir da? Ehrlicherweise war das nicht auf meiner Agenda. Also das ganze Thema auch, wo es natürlich jetzt hingegangen ist, bis zur Selbstständigkeit, war nicht in meinem Lebensplan verankert. Ich komme aus einer klassischen Arbeiterfamilie.
(5:48 - 6:02)
Also ich habe drei Geschwister und keiner hatte bis dato auch so viel studiert. Selbstständigkeit kannte ich gar nicht so in dem Punkt, dass es eine Möglichkeit wäre, das zu machen. Dann fand ich es immer schade, dass es damals nicht, auch in der Schule zum Beispiel, kundgegeben wurde, das könnte ein Weg für dich sein.
(6:03 - 6:31)
Natürlich kannte ich aus meiner Umgebung andere Schüler, Mitschüler, die Väter hatten, die zwar schon Dachdeckerbetriebe gehalten haben, aber es war für mich irgendwie gar nicht denkbar, selbstständig zu werden. Deswegen, ich vergleiche mich da auch so mal ein bisschen wie der Straßenmusiker, der in der Straße Musik spielt und auf einmal kommt das Plattenlabel um die Ecke und sagt, das, was du da spielst, das klingt ja gar nicht mal so schlecht. Wie wär's denn mal? Und so kam ich ein bisschen in die Selbstständigkeit rein und dann natürlich klar ins kaufmännische Meer, was einherkommt als Geschäftsführer.
(6:32 - 6:50)
Aber so ist das Ganze ein bisschen reingekommen, um es mal ein bisschen anzuteasern. Lass mich da tiefer reingehen. Was mir aufgefallen ist auch, wenn ich mit anderen Unternehmern und Selbstständigen spreche, dann ganz oft, dass schon in der Kindheit irgendwie ein bisschen man anders war oder vielleicht auch so ein bisschen Dinge ausprobieren wollte, Dinge kreieren wollte.
(6:50 - 6:58)
Fällt dir da was bei dir ein? Gute Frage. Also habe ich mir noch nie so richtig Gedanken gemacht, was in der Kindheit anders war. Was ich ganz klar noch weiß, also ich bin Scheidungskind.
(6:59 - 7:09)
Ich war, ich glaube, acht oder neun Jahre alt. Das heißt, meine Mutter hat uns alleine großgezogen, vier Kinder, hat, also ziehe ich hier immer noch den Hut vor, alles sehr gut gestemmt. Sie war Erzieherin im Kindergarten, ist dann auch noch putzen gegangen.
(7:09 - 7:21)
Das heißt, sie war fast den ganzen Tag auch weg. Und wir wurden sehr früh zur Selbstständigkeit halt auch erzogen. Und das heißt, vieles war für mich selbstverständlich, dann halt zu Hause selbst mehr Essen fertig zu machen, zu bügeln.
(7:21 - 7:28)
Das habe ich schon, ich sage mal, in der Grundschule gemacht. Das heißt, wo Mitschüler sich beschwert haben, ach, ich musste den Müll raustragen. Da konnte ich nur müde drüber lächeln.
(7:28 - 7:39)
Ja, klar. Deswegen, da glaube ich, das war ein Punkt, wo meine Kindheit vielleicht anders war. Wo es im Rückblick vielleicht das so ein Punkt war, was dazu geführt hat, wo ich halt heute bin.
(7:39 - 8:03)
Aber dir ist jetzt nichts aufgefallen, so dass du jetzt irgendwie angeeckt wirst, so auch in der Schule, weil du einfach ein bisschen anders warst oder die Dinge anders gemacht hast? So was in der Art? Angeeckt nicht. Ich hatte immer das Faible dafür, mich eigentlich mal mit älteren Personen mich gerne zu beschäftigen oder zu umgeben. Das heißt, Leute, die sitzen geblieben sind, die sind zwar dann manchmal auch, da gab es Gründe dafür, aber die waren trotzdem manchmal in gewissen Punkten auch reifer.
(8:03 - 8:21)
Und ich habe mich gerne mit reiferen Menschen umgeben, weil ich manche Sachen damals schon dachte, okay, das bringt mir gerade nicht so viel für mein Leben irgendwie und das finde ich gerade irgendwie unnötig. Und da habe ich mich gerne auch schon mit älteren Menschen unterhalten. Da bin ich vielleicht anders gewesen, aber ansonsten großartig angeeckt bin ich jetzt eigentlich nicht.
(8:21 - 8:32)
Also ich bin eh nicht gerne, ein bisschen vielleicht Everybody's Darling, der gerne allen Menschen freundlich begegnet. Ich gebe allen erstmal die Chance, ich möchte mich mit allen erstmal verstehen. Wenn man es sich mit mir verscherzt, das kommt eigentlich selten vor.
(8:33 - 8:40)
Und wenn es aber ist, dann ist es auch meistens halt wirklich der dauerhafte Bruch und dann gibt es auch keinen Weg mehr zurück. Aber erst einmal ist alles erstmal offen auch. Ja, sehr spannend.
(8:40 - 8:57)
Gegen mir erinnere ich auch ähnlich, dass ich es mit den Älteren immer ein bisschen besser konnte. Und ich muss auch sagen, von meiner Seite bin ich immer recht ambitioniert. Ich wusste schon recht früh, dass ich eigentlich irgendwie mehr machen möchte als so das Durchschnittsleben, ohne es abzuwerten oder zu bewerten, was so für mich.
(8:58 - 9:13)
Lass uns mal tiefer einsteigen an der Stelle, wo so 2020, wenn ich es richtig im Kopf habe, ihr so die Übernahme gemacht habt von der ATS Elektronik heute. Was war da so ein bisschen der Kontext? Rund uns da ein bisschen ab. Also eigentlich hat es 2019 begonnen.
(9:14 - 9:25)
Beziehungsweise ein bisschen schon 2015. Weil 2015 habe ich bei der Wirt Elektronik angefangen, im technischen Vertrieb. Und die RTS Elektronik war zum damaligen Zeitpunkt auch einer meiner Kunden.
(9:26 - 9:38)
Und immer so auch der Problemlöser, wenn ich selbst meinem Kunden nicht helfen konnte. Das heißt, ich war natürlich bei meinem Kunden. Ich hatte meinen Katalog mit Steckverbindern, Tastanschalter und natürlich meine Kollegen, Induktivitäten und andere Produkte.
(9:38 - 9:44)
Aber der Kunde hat viel mehr Themen. Das kennst du ja auch. So eine Stückliste umfasst ein bisschen mehr Produkte, ICs, Relais, Displays.
(9:45 - 9:50)
Und da konnten wir von unserer Produktwelt nicht helfen. Aber ich fand es immer schön zu sagen, hey, da gibt es eine Firma. Die sitzt in Waltrop, nähe Dortmund.
(9:50 - 9:55)
Die sind herstellerunabhängig. Schaut euch das doch mal an. Und so hat man gut zusammengearbeitet.
(9:55 - 9:58)
Ich habe meinem Kunden geholfen. Ich habe der RTS Elektronik geholfen. Der Kunde war glücklich.
(9:59 - 10:16)
Und so hat man gemeinsam profitiert. Und das hat dann auch natürlich den Leuten bei der RTS Elektronik imponiert. Und 2019 hat dann mein jetziger Geschäftspartner, der Oliver Bakilzadeh, entsprechend mich gefragt, ob ich es mir nicht vorstellen könnte, ebenfalls in die Geschäftsführung mit einzusteigen.
(10:17 - 10:35)
Das heißt, da war so der Beginn eigentlich, oh, hier gibt es die Thematik Selbstständigkeit, was bis dato, wie vorhin gesagt, gar nicht auf meiner Lebensagenda stand. Aber ja, 2019 hat er mich dann gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, mit der Geschäftsführung einzusteigen, aber auch als Gesellschafter, weil er ist schon vorher eingestiegen. Und es gab einen mehrstufigen Jahresplan mit den Vorgängertümern.
(10:36 - 10:45)
Aber das war so ein bisschen leider zum Scheitern, war schon vorprogrammiert. Ja, Nachfolge ist kein einfaches Thema. Absolut, das ist halt sehr emotional.
(10:45 - 10:59)
Und gerade wenn natürlich ältere, junge Generationen zusammenkommen, unterschiedliche Interessen und Ziele, das knirscht, um es freundlich auszudrücken. Und er hat jemanden gesucht, der aus der Branche kommt und der mit dem was zusammenführen kann. Und der auch nach dem Mut natürlich beweist, sich auch zu beteiligen.
(10:59 - 11:06)
Und so hat er mich 2019 gefragt. Dann fand ich das Thema super spannend. Klar, es ist auch eine Chance once in a lifetime.
(11:06 - 11:19)
Das kommt nicht so schnell nochmal. Aber ich fand es auch spannend, denn ich habe auch damals bei der Wirth Elektronik, das ist natürlich auch ein Konzern, viele Dinge gesehen, wo ich dachte, das kann man doch anders machen, kann man besser machen. Aber du weißt, wie es ist, das wird halt natürlich nicht so schnell umgesetzt wie Mittelstand.
(11:20 - 11:31)
Und ich habe da die Chance gesehen, mal zu probieren, sind die Ideen, die ich habe, mein Kopf wirklich so gut? Oder stellt sich vielleicht nachher heraus, okay, das ist gar nicht doch so gut, was ich mir hier vorstelle. Und ich wollte einen Schritt wagen. Ich kannte aber auch schon die Menschen, die natürlich dort arbeiten.
(11:31 - 11:39)
Das ist immer das Herzstück einer Firma. Und so begann die Reise natürlich. Und wie gesagt, ich habe wohl mit meiner Regierung noch zu Hause gesprochen, die sich auch mitzieht.
(11:39 - 11:49)
Du weißt, es ist so eine Selbstständigkeit. Das Zielschein trifft man schon gemeinsam. Und ja, dann begann 2019 die Reise der Verhandlung und der Weg in die Selbstständigkeit.
(11:50 - 11:57)
Und ich teaser mal ein bisschen kurz an. Du weißt, 2019 war die Welt noch in Ordnung. Ende 2019.
(11:57 - 12:05)
Und die Übernahme war dann fix August 2020. Und in den Monaten ist einiges passiert auf der Welt mit Covid. Und das war eine spannende Zeit.
(12:06 - 12:19)
Also definitiv. Das kann ich mir vorstellen. Ja, was mir gerade auch so in den Sinn kam, ich habe mir damals die Frage gestellt, was kann im schlimmsten Fall passieren? Damals war es so, ich war noch nicht verheiratet, kein Haus, kein Kind.
(12:19 - 12:27)
Was soll schon groß schief gehen, so bin ich damals gestartet. Bei mir war es das allererste Unternehmen 2019 nebenher. 2023 dann Vollzeit selbstständig.
(12:28 - 12:45)
Aber das ist immer so eine Frage, die man sich erstellen kann. Was kann im schlimmsten Fall passieren? Und meistens kommt man zu dem Schluss, es ist gar nicht so schlimm, was an Konsequenzen kommen kann. Gibt es vielleicht eine Sache, vor der du großen Respekt hattest, so einen Nachfolgeprozess? Also erst mal, das, was du machst, das mache ich genauso.
(12:45 - 12:56)
Sich wirklich zu überlegen, was ist das Schlimmste, was passieren kann. Damals war ich allerdings auch so, vom Typus her, das Glas ist immer halb voll, wenn nicht super voll. Und ich habe immer gedacht, das wird klappen.
(12:57 - 13:00)
Ich habe nie an mir gezweifelt. Da bin ich heute auch ein bisschen anders. Reifer vielleicht auch geworden.
(13:00 - 13:16)
Und sehe natürlich auch als Unternehmer die Sachen ein bisschen kritischer, weil man natürlich auch eine Riesenverantwortung trägt, wie du auch selbst weißt, auch für viele Mitarbeiter. Damals beim Übernahmeprozess, was ich mir Gedanken gemacht habe, was schief gehen kann. Ich habe gar nicht da wirklich so viel gezweifelt.
(13:16 - 13:22)
Natürlich, ich wusste, dass Dinge schief gehen können. Privatinsolvenz, Pleite. Ich habe mich beteiligt mit Geld, das kann futsch gehen.
(13:23 - 13:29)
Das war Covid. Also wie gesagt, die Welt war aus dem Funken geraten. Die Wirtschaft war aus dem Funken geraten.
(13:29 - 13:33)
Es gab Kurzarbeit. Keiner wusste, wie es weitergeht. Man kannte auch keine Erfahrung damit.
(13:34 - 13:37)
Das heißt, ich konnte auch niemandem zugehen. Ich glaube, du warst mein Nachfolger. Ja, genau.
(13:37 - 13:50)
Und ich konnte auch niemandem zugehen. Du, sag mal Martin, wie war es denn bei dir eigentlich bei der letzten Pandemie? Wie habt ihr das gemeistert oder so? Das heißt, man ist natürlich auch A, ich war zum ersten Mal Unternehmer in dem Moment, habe mich damit beschäftigt. B, es gab in dem Moment eine Krise.
(13:50 - 13:59)
C, es gab eine Pandemie. Und diese Kombination, natürlich hatte ich da meine Sorgen und Bedenken. Warum habe ich mich trotzdem dafür entschieden? A, weil ich an mich geglaubt habe, meine Fähigkeiten.
(13:59 - 14:08)
B, weil ich an meinen Geschäftspartner geglaubt habe und ich gewusst habe, mit dem werde ich es schaffen. Mit dem wird das funktionieren. Und vor allem, weil ich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kannte schon vorher.
(14:09 - 14:18)
Und ich einfach wusste, die sind gut. Und die ATS Elektronik hat einen guten Ruf. Und die Elektronik, das ist kein Nischenmarkt, wie du auch weißt.
(14:18 - 14:26)
Wir verkaufen keine Grubenlampen, wo man sagt, okay, Backbone ist vielleicht am absteigen. A, so eine Elektronik, das hat Zukunftsfähigkeit. Und deswegen habe ich daran geglaubt.
(14:26 - 14:37)
Aber Sorgen gab es immer natürlich im Hintergrund irgendwo. Aber keine großen. Fällt dir so eine Entscheidung ein, die du treffen musstest, die sehr schwierig war, direkt nach dem Start? Direkt nach dem Start.
(14:38 - 14:55)
Direkt nach dem Start ging es eigentlich noch. Also natürlich erstmal musst du so reinkommen. Für mich war wichtig gerade, ist ja der Klassiker, was man gerne hat, in die ersten 100 Tage erstmal reinkommen, bei den Leuten dabei sitzen, die anderen Leute kennenlernen, die Prozesse kennenlernen, wie läuft das Ganze halt.
(14:55 - 15:02)
Ich habe zusammen mit meinem Geschäftspartner in einem Büro gesessen. Das heißt, er hat mir viele Dinge gezeigt. Ich war bei den Meetings sofort überall mit dabei, habe erstmal viel zugehört.
(15:02 - 15:23)
Und es gab gar nicht so kritische Entscheidungen. Die kritischen Entscheidungen kamen erst alles so später, wo ich auch viel daraus gelernt habe. Gerade was das Thema angeht, auch so Mitarbeiter, vielleicht auch mal früher die Reißleine zu ziehen, was ich erst lernen musste, wo ich glaube ich zu viel, da kommt der Punkt an, ich sehe erstmal das Gute in den Menschen.
(15:23 - 15:29)
Da habe ich manchmal vielleicht zu viel das Gute gesehen. Das hat sich erst später herauskristallisiert. Aber diese unangenehme Entscheidung war eigentlich noch überschaubar.
(15:31 - 15:48)
Aber dennoch, wenn ich die ganzen Jahre zurückblicke, es ist halt viel passiert. Und wir mussten immer irgendwo kritische, wichtige Entscheidungen treffen, schnelle Entscheidungen treffen. Also ein paar Punkte, die ich kurz erläutern kann, das war am Anfang die Pandemie, dann ging die Weltwirtschaft auf jeden Fall nach oben.
(15:48 - 16:00)
Große Allokation im Elektronikbereich, die größte, die wir bis dato da erlebt haben. Das heißt, wir mussten viele Entscheidungen treffen, schnelle Entscheidungen treffen. Wir hatten damals Cyberangriff, Ransomware-Angriff, alle Dateien verschüsselt, Backups gelöscht.
(16:00 - 16:10)
Das war wirklich ein absolutes Horrorszenario. Das war mein persönliches 9-11 damals. Das kann ich wirklich als Unternehmer auch sagen, als Mensch, das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Nervenzusammenbruch hatte.
(16:11 - 16:17)
Ich lag heulend auf dem Badezimmerboden. Es kam so viel zusammen. Es war sehr viel Stress, beruflich natürlich, was zusammengekommen ist.
(16:17 - 16:25)
Privat, was viel passiert ist in dem Moment. Du hattest die Pandemie um die Ohren. Dann kommt so eine Thematik her, was deine Firma in den Ruin treiben kann.
(16:26 - 16:29)
Gott sei Dank wunderbar geschafft. Nach zwei Wochen war man wieder laufend. Es gab keine Probleme.
(16:30 - 16:37)
Aber in dem Moment war es natürlich eine Jobsbotschaft. Das waren viele Themen auf einmal. Der Ukraine-Krieg kam auch noch dazu.
(16:37 - 16:45)
Jetzt mit Donald Trump und jetzt Iran-Krise. Man kann noch so viel mehr erzählen. Und das war schon heftig.
(16:45 - 16:56)
Das waren keine leichten Jahre. Nein. Wenn man sich mit anderen Unternehmern und Unternehmen unterhalten hatte, die schon ein bisschen länger Unternehmen hatten, die haben gesagt, okay, was in den fünf Jahren passiert ist, das hatten wir vielleicht mal in 30 Jahren erlebt.
(16:57 - 17:04)
Das heißt, man ist sehr schnell, auch natürlich hat man schwimmen gelernt in dem Bereich Unternehmer zu. Aber das Gute ist, du kannst jetzt schon richtig gut schwimmen. Da muss jetzt viel weiteres kommen, was dich umhaut.
(17:05 - 17:15)
Das ist so. Man reagiert gelassen. Ich habe auch gemerkt, gerade am Anfang, wenn natürlich etwas unvorhergesehenes passiert, dann beginnt erst mal, oh Gott, ich bin jetzt in der Verantwortung.
(17:15 - 17:25)
Oh Gott, ich muss jetzt die Entscheidung treffen. Und das ist jetzt wichtig. Da habe ich manchmal eine innere vielleicht Anspannung, Panik gefühlt, die mein Geschäftspartner mir auch mal wieder gespiegelt hat.
(17:25 - 17:29)
Das habe ich nie vergessen. Er sagt, hey Lars, in dem Moment bist du ein bisschen panisch. Das steht dir überhaupt nicht gut.
(17:29 - 17:34)
Du bist doch gar nicht so. Das hat so Klick gemacht. Da dachte ich, da hat er recht, mehr die Ruhe bewahren.
(17:34 - 17:41)
Aber jetzt heutzutage, ja, das lässt einen kaum noch etwas wanken. Man ist gelassener. Man wird resilienter.
(17:42 - 17:55)
Genau. Fällt dir etwas ein, was du anders machen würdest? Das Thema vor allen Dingen, früher die Reißleine ziehen bei gewissen Mitarbeitern. Ich glaube, das werden viele Unternehmer und Unternehmerinnen auch kennen, wie wichtig diese Chemie in einem Unternehmen halt ist.
(17:55 - 18:04)
Wir sind halt über 30 Leute bei uns. Und wir haben auch neue Leute eingestellt. Und da würde ich im Nachhinein früher die Reißleine ziehen.
(18:04 - 18:13)
Da waren Leute dabei, da hat man schon gemerkt, das passt nicht so richtig, das knirscht so ein bisschen. Meistens merkt man schon recht früh, aber man will es nicht so richtig wahrhaben. Und man will, man glaubt ja auch wieder an den Leuten.
(18:13 - 18:21)
Und manche waren es aber auch so, die haben am Anfang super performt, dann hinten heraus haben die sich verändert. Und da hätte ich auch schon die Reißleine ziehen müssen. Und das ist etwas, was ich anders machen würde.
(18:21 - 18:30)
Aber wie gesagt, man lernt dazu. Und das ist auf jeden Fall mein größter Lerneffekt gewesen. Ich sage immer so gern, wo gehobelt wird, fallen Späne.
(18:30 - 18:37)
Ja. Das gehört dazu. Oder schlussendlich lernt ein Mensch, das Laufen nur durchs Hinfallen.
(18:37 - 18:45)
Ja. Wer keine Fehler macht, der lernt halt nicht, wie man läuft. Das ist super wichtig, ist aber das etwas, was leider wir in Deutschland leider viel zu selten machen.
(18:45 - 18:55)
Diese Fehler gestehen, mutig mal sein, einfach mal zu probieren und sagen, ja, es ist fast schief gegangen. Das wird in Amerika natürlich, gibt es ja dieses, mach ruhig mal einen Fehler. Das ist vielleicht okay, wir lernen aus Fehlern.
(18:56 - 19:06)
Da gibt es ja ganze Events, wo mir die größten Fehler berichtet werden. Und das ist etwas, glaube ich, da spricht man auch zu selten drüber. Ich glaube, das ist so ein Mentalitätsthema vielleicht auch ein bisschen.
(19:06 - 19:14)
Definitiv. Aber ich glaube, wir ticken auch so, wir wollen ungern eine Schwäche zeigen. Und deswegen auch, auch wenn wir heute sprechen, ich möchte auch alles erzählen.
(19:14 - 19:20)
Deswegen auch wieder das Thema, wo der Cyberangriff war, Nervenzusammenbruch. Es ist nicht alles schön. Unternehmertum ist nicht nur toll.
(19:20 - 19:24)
Viele glauben da, ach mein Gott, das ist ja klasse. Immer am Strand. Immer am Strand.
(19:24 - 19:27)
Tonne Autos oder irgendwas. Keine 20-Stunden-Tage. Genau.
(19:27 - 19:35)
Klasse. Da steckt so viel mehr dahinter. Und auch mal offen zu sprechen und auch zu sagen, wo macht man einen Fehler? Und man ist ja nicht irgendwie perfekt, überhaupt nicht.
(19:35 - 19:43)
Das ist das Schlimmste, was man auch als Geschäftsführer machen kann, wenn man glaubt, man ist der Experte von allem. Man trifft immer die richtige Entscheidung. Und das möchte ich nie machen.
(19:43 - 19:55)
So zu sagen, ich bin jetzt Experte und meine Leute, wenn die auf mich zukommen, ich weiß alles besser oder sowas, dann nein, ich bin doch kein Orakel oder eine KI. Da läuft eine KI oder sowas halt. Weil die KI auch jemand braucht, der sie füttert.
(19:55 - 20:05)
Richtig. Ja, lass uns so einen kleinen Switch machen. Was denkst du, was ist so besonders am Mittelstand hier in Deutschland? Ihr seid ja, ich sag mal, auch ein kleiner Mittelständler.
(20:05 - 20:20)
Was ist so besonders am Mittelstand hier in Deutschland? Im Vergleich zu anderen Ländern kann ich es nicht so gut vergleichen. Also ich kenne jetzt nicht den Mittelstand in Spanien, Portugal, Amerika, Israel oder sonst wo. Deswegen, das kann ich nicht gut vergleichen.
(20:20 - 20:33)
Wenn ich generell aber in Deutschland gucke, Mittelstand und Konzern, das ist mal so der Klassiker, was man gerne vergleicht, ist A, diese weitreichenden Entscheidungen mehr und Nachhaltigkeit. Also nicht das Thema Nachhaltigkeit jetzt für entsprechend natürlich. Nachhaltiges Wirtschaften.
(20:33 - 20:41)
Genau, nachhaltiges Wirtschaften. Das heißt, wir denken mehr in Dekaden. Konzerne denken natürlich gerne Quartalsabschlüsse, Jahresabschlüsse und so werden die Entscheidungen getroffen.
(20:42 - 20:58)
Und das ist im Mittelstand anders und das gefällt mir auch gut. Weil wenn wir jetzt Entscheidungen treffen und eine Strategie aufbauen, dann guckt man in 5 Jahren oder in 10 Jahren. Und genauso, wenn auch mal schwierige Zeiten sind und auch die letzten 2 Jahre waren nicht einfach, dann machen wir keine Reißlein-Aktionen und sagen, doch, gut, jetzt läuft es mal schlecht.
(20:58 - 21:11)
Jetzt schmeißen wir unsere ganze Strategie wieder über den Haufen, drehen alles auf links, schmeißen die Leute am besten noch raus und dann, dass die Zahlen schön sind. Das mag ich am Mittelstand vor allem. Und diese kurzen Wege und schnellen Entscheidungen, also das ist das, was wir natürlich machen wollen.
(21:11 - 21:15)
Agilität. Genau, Agilität. Man muss auch gucken, was ist die Stärke eines Mittelstands.
(21:16 - 21:20)
Der Konzern hat seine Stärken. Der Mittelstand auch. Und die muss sich ausspielen halt.
(21:20 - 21:28)
Und das mag ich halt. Das heißt, wir können viel probieren, testen, schauen, eigene Ideen reinbringen. Wir können von den Mitarbeitern Ideen reinholen und die auch mal umsetzen.
(21:28 - 21:34)
Das ist ja auch das Schlimmste, was im Konzern ist. Die Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen, die haben so tolle Ideen. Ja, es wird nichts verändert.
(21:34 - 21:48)
Genau, bleibt einfach, wie es ist. Ja, bin nicht ganz bei dir, aber ich denke, auch so die Liquidität, mit der man einfach auch ein bisschen anders umgeht, heißt, zu sagen, ich habe halt mal ein bisschen Liquiditätsreserve. Ich denke so an die EMSler.
(21:48 - 22:05)
Diejenigen, die halt Inhaber geführt waren und ein bisschen Geld auf der Kante haben, die haben auch die Krisenzeiten viel besser durchlebt, als sich mal ein bisschen das Material in den Lagern gestapelt hat, als die, die halt, ich sage mal, spitz auf Knopf genäht waren. Gebe ich zu 100% Recht. das gehört für mich einfach dazu.
(22:05 - 22:20)
Ist ja beim Privaten genauso. Ich kann auch mein privates Konto nicht so führen, dass wenn ein, zwei, drei Monate oder ein halbes Jahr lang einfach schiefläuft, dass mein ganzes Leben brach liegt. Genauso muss das, muss eine Firma auch aufgebaut sein, dass es egal, ob es ein Mittelstand oder ein Konzern ist, es wird immer Krisen geben.
(22:20 - 22:37)
Es wird immer Phasen geben, wo es nicht gut läuft. Da kann es meiner Meinung nach nicht sein, dass eine Firma, wenn man komplett ins Wanken gerät, alles in Frage gestellt wird und dann wirklich nochmal zigtausend Leute rausgeschmissen wird, alles gekürzt wird und das macht der Mittelstand im Regelfall sehr gut. Vieles ist schwierig.
(22:37 - 22:46)
Also ich muss auch sagen, dass was du gesagt hast, EMS-Dienstleister, entschuldige die Wortwahl, aber ist für mich immer noch die ärmste Sauna Supply Chain. Das ist ein bisschen eine Brügelknabe. Ist leider so.
(22:46 - 23:19)
Die sind an einer so ungünstigen Stelle, wo sehr viele negative Faktoren, egal was Standort Deutschland zusammenkommt, da sind wir in einer einfacheren Situation, aber wir gucken halt auch immer nachhaltig zu agieren. Also wir haben eine sehr hohe Eigenkapitalquote, versuchen sehr viel aus eigenen Mitteln entsprechend zu finanzieren und das hilft uns auch. Da sind wir die letzten zwei Jahre, die waren auch nicht einfach, aber wir sind sehr gut durchgekommen und mussten auch keine Leute entlassen, keine Kürzungen oder sowas halt vornehmen und konnten einfach weitermachen und haben sogar Leute eingestellt und auch dann Investitionen weiterhin getätigt, weil das ist halt auch ein Klassiker natürlich.
(23:20 - 23:34)
Investieren in Zeiten, wo es nicht einfach ist und profitieren nachher doppelt oder dreifach davon, wenn es wieder gut läuft. Ich denke auch, jede Krise hat auch immer Gewinner und man kann auch vielleicht in der Krise dann zum Gewinner werden, wenn man einfach ein bisschen einen anderen Spielraum hat. Korrekt.
(23:35 - 23:50)
Lass uns so ein bisschen das Bild größer machen, auch im Mittelstand. Ich glaube, wir hatten schon vorhin thematisiert, ihr habt ein Unternehmen übernommen. Lass mich mal so eine These ausstellen, beziehungsweise aktuell ist es halt so, dass es extrem viele Unternehmen gibt, die übernommen werden wollen.
(23:51 - 24:12)
Viele Geschäftsführer, Gesellschafter, vielleicht im Alter so 55 bis 60, 65 und die finden keine Nachfolger. Lass mich mal die These ausstellen. Also ich nehme es zumindest so wahr, dass viele Junge heute in Deutschland einfach nicht mehr so Lust haben, Verantwortung zu übernehmen und dann auch diese potenziellen Unternehmen zu übernehmen.
(24:13 - 24:26)
Nimmst du das vielleicht auch so wahr oder was denkst du, wo lang das liegen könnte? Ich bin da zwiegespalten. Also zum einen glaube ich schon, dass viele junge Leute auch Verantwortung übernehmen möchten und auch machen. Es gibt viele Startups, da übernehmen die Leute auch Verantwortung und sind mutig, diesen Schritt zu gehen.
(24:27 - 24:41)
Ich glaube nur, dass das Thema Unternehmensnachfolge, es ist leider, es klingt so unsexy und es ist nicht bekannt. Das heißt, viele junge Leute wissen das ja gar nicht, dass es eine Option sein könnte. Wie ich auch vorhin schon gesagt habe, bei mir damals, das Unternehmertum war gar nicht bei mir vergänglich.
(24:41 - 24:52)
Ich habe so eine Schule gar nicht als potenziellen Weg genannt bekommen. Und wenn du nicht selbst eine Familie hast, wo Unternehmertum gelebt wird, kriegst du das gar nicht so mit. Und auch heutzutage, ja, Startups ist in aller Munde.
(24:52 - 25:03)
Ah, einen Startup kann ich gründen, hier eine eigene Firma gründen. Aber haben die Leute mal vielleicht überlegt, eine Firma zu übernehmen? Die allerwenigsten. Also ich glaube, da ist schon der erste Knackpunkt, dass wir das frühzeitig mal ranbringen und den Leuten so sagen, hey, das könnte ein Weg sein.
(25:04 - 25:14)
Wir brauchen es auch. Wir brauchen es unbedingt. Ja, für die Zuschauer und Zuhörer, gerade hat die Kamera versagt, weil wir haben hier gerade eine wunderbare Hitzeperiode in Deutschland und natürlich haben wir keine Klima hier im Hotel.
(25:14 - 25:24)
Deswegen hat gerade auch die Kamera ein bisschen nachgegeben. Aber wir machen es auf jeden Fall weiter. Wir waren gerade so bei einem Thema stehen geblieben, rund um Nachfolge und auch so Mittelständler.
(25:25 - 25:44)
Gibt es vielleicht, auch wenn du so in Richtung Bürokratie schaust, was sind so die größten Herausforderungen für euch Mittelständler, mit denen ihr euch so rumschlagen müsst? Ach gut, das Thema Bürokratie. Ich glaube, da könnte man auch natürlich ganze Abende füllen. Und bei unserer Unternehmensgröße geht es ja sogar noch, wenn man noch größer wird, dann wird es ja teilweise noch komplexer.
(25:44 - 25:56)
Die ganzen Pflichten, die man erfüllen muss, die ganzen Betriebsheft, die man schreiben muss, Nachweise, die man geben muss. Das ist schon viel. Und was ich, ich will gar nicht so viel darüber reden, aber die Methoden ist halt auch so mühselig.
(25:56 - 26:16)
Also, wenn es um das Thema geht, hast du Mitarbeiter mit einer Behinderung? Ja, nein. Musst du eine Abgabe zahlen? Ja, nein. Um das Ganze zu beantworten, auszufüllen, da gab es wirklich entweder, du musst jetzt ein Programm installieren, dort füllst du das aus, um nachher quasi ein Dokument zu erstellen.
(26:16 - 26:28)
Und wenn du das quasi nicht runterladen kannst, dann kriegst du eine CD-ROM zugeschickt. Und das ist halt, wo ich auch schon merke, das eine sind quasi die Pflichten selbst, aber auch die Art und Weise, wie wir die erledigen müssen, wie kompliziert das ist. Intuitiv, aufwendig.
(26:28 - 26:36)
Genau, nicht digital genug, nie einfach genug. Das kennen wir alle aus dem privaten Gebrauch halt auch. Das heißt, gewisse Nachweise und Pflichten sind ja auch okay und auch wichtig.
(26:37 - 26:49)
Aber dann wäre es schön, wenn die einfach einfach gehen. Ne, bin nicht bei dir. Ja, jetzt lass uns so ein bisschen einen Switch machen, so mehr auch in das Thema so Führung, Unternehmertum.
(26:50 - 27:00)
Wenn du so einen Blick machst auf deinen Führungsstil vielleicht, wie würdest du den beschreiben? Vielleicht möglichst knapp. Ja, also möglichst knapp. Ich gebe Leuten Chancen, ich gebe Leuten Verantwortung.
(27:00 - 27:19)
Das heißt, das ist mir immer wichtig. Ich möchte nicht der Dreh- und Angelpunkt sein und auch nicht der Flaschenhals. Ich habe es sehr früh bei uns auch gemerkt in der Firma, die erste Woche kam ein Mitarbeiter bei mir rein mit einem Zettel, halb zitternd, weil das ist ja auch ein Geschäftsführerbüro, muss ja quasi schon Angst haben, was da kratscht ist, und brauchte eine Unterschrift für eine Bauteilverschrottung von 68 Cent.
(27:21 - 27:32)
Das ist ja völlig sinnbefreit. Und da hat man gemerkt, natürlich, einer der Voreigentümer, der war so die Kategorie, ich möchte alles überwachen, alles bestimmen, überall einen Blick darüber haben, bin ich kein Freund von. Ich gebe den Leuten Chancen, Verantwortung, die dürfen frei entscheiden.
(27:34 - 27:51)
Aber wenn sie Unterstützung brauchen, dann können sie auf mich zählen, auf mich zukommen und dann bin ich da und ich bin erreichbar und dann kümmere ich mich auch um die. Das ist mein persönlicher Führungsstil. Wie vorhin schon erwähnt, ich gebe Leuten Chancen und ich gebe Leuten Freiräume, sich zu entfalten, aber das muss natürlich auch gelebt werden und erfüllt werden.
(27:51 - 28:01)
Wenn das nicht funktioniert, dann ist es natürlich schwierig. Ja klar, aber ich bin bei dir. Es ist wichtig, dass man KPIs hat, Ziele, aber wenn man dann ins Mikromanagement verfallen muss und Leute überwachen muss, dann macht es keinen Spaß.
(28:01 - 28:40)
Wir wollen am Unternehmen arbeiten und dann nicht den Leuten auf die Finger gucken und schlussendlich, ich habe es immer wahrgenommen, wenn ich auch Freiräume habe, wo ich noch Angestellter war, dann macht es viel mehr Spaß, weil du kannst dich frei entfalten und vielleicht auch das so mal lösen, wie du möchtest und im Nachhinein hast du einen ganz neuen Lösungsweg entdeckt, der so gar nicht möglich gewesen wäre, wenn es nicht diesen Freiraum gegeben hätte. Ich möchte ja keinen interessierten Affen in der Firma haben, sondern ich möchte Leute haben, die strategisch arbeiten, weitreichend denken, weil, seien wir auch mal ehrlich, die ganz, ganz einfachen, stupiden Sachen, hier klicken, da klicken, da was ausfüllen, da werden wir in Zukunft andere Lösungen vorhaben. Ja, ich denke, da kann uns die KI auf jeden Fall helfen, gerade so alternierende, langweilige Prozesse zu machen.
(28:41 - 29:07)
Es soll da draußen Leute geben, die haben daran Spaß. Ich gehöre nicht dazu. Ja, ich bin mir sicher, dir geht es ähnlich und ich mache immer gerne das Beispiel, es wäre doch toll, wenn ein strategischer Einkäufer wieder mehr dazu kommt, die Verträge zu verhandeln mit seinen Kunden, mit seinen Lieferanten, anstatt sich nur darauf zu fokussieren, das Ganze administrativ außen rum zu machen, Systeme, Prozesse zu befriedigen, sodass es ja auch wirklich zu dem kommt, wofür er da ist.
(29:07 - 29:13)
Korrekt. Strategisch halt arbeiten, nicht nur operativ abarbeitend. Richtig, richtig.
(29:14 - 29:50)
Ja, vielleicht auch da noch mal so die Frage, gibt es nur noch darüber hinaus Werte, die dir ganz wichtig sind? Also ich bin 36 Jahre alt im Moment, mein Geschäftspartner und ich, ich sage mal, wir gehören zu jungen Unternehmern, vielleicht nicht ganz so jung wie bei Startups, aber wir pflegen beide die alten Tugenden. Das heißt, so was wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Verbindlichkeit, Kritikfähigkeit, das sind all so Dinge, die sind mir auch wichtig. Aber selbst auch so Klassiker-Themen wie Umwelt, die nicht belasten, Mülltrennung oder sowas halt, da legen wir auch bei uns sehr viel mehr Wert darauf, dass nicht jetzt, ich sage mal, beim Biomüll Plastik eingeschmissen wird.
(29:50 - 30:06)
Das klingt jetzt mal banal, aber es ist so das Thema auch Mensch irgendwie, wie wir sein sollen. Aber wir hatten das davor, diese alten Tugenden, das ist mir besonders wichtig. Wenn ich zum Beispiel so einen Termin mit jemandem um 15 Uhr habe, ja, dann bin ich auch da 15 Uhr oder natürlich ein bisschen früher, weil das ist eine Wertschätzung gegenüber.
(30:07 - 30:19)
Klar, es geht auch viel darum, die Zeit des Anderen wertzuschätzen. Hängt auch immer ganz oft bei so alten deutschen Sprichwörtern. Man tut zwar immer so ein bisschen drüber schmunzeln, aber an vielen ist da sehr, sehr viel dran.
(30:20 - 30:41)
Beispielsweise, wer anderen in den Krubel gräbt, geht selbst hinein. Oder wenn ich so denke, einfach diese Aufrichtigkeit und auch einfach dran zu glotzen und dann auch mal die Themen voranzutreiben. Also was mir auch wichtig ist, also Technik generell in der Firma, aber auch so grundsätzlich ist mir auch wichtig, diese Extrameile gehen.
(30:41 - 30:55)
Das heißt, auch Dinge ernst nehmen, gerade in unserem Umfeld, Elektronik, B2B. Wenn ein Kunde auf mich zukommt und sagt, es ist wichtig, die Produktion steht in diesem Bereich still, dann muss ich auch agieren und darf das nicht einfach abwischen. Ja, mein Gott, ist halt so.
(30:55 - 31:05)
Und ich gucke mal, wenn ich Zeit habe, dann gehe ich die Extrameile. Und selbst, wenn es immer länger dauert, wenn ich am Wochenende noch mal Gedanken mir mache, das ist mir dann auch egal. Das ist auch etwas, was mir wichtig ist, wie wir generell ticken.
(31:07 - 31:17)
Wirklich über den Tellerrand hinausschauen, um die Ecke denken halt. Und nicht nur einfach, ja, ich sage mal, den einen Plan A gibt es nur und daraus gibt es halt nichts mehr. Verstehe.
(31:17 - 31:29)
Wie gehst du damit um, wenn du vielleicht doch selber mal unsicher bist? Unsicherheit ist etwas, was wir alle haben. Also wenn jemand sagt, ich bin nie unsicher, das ist Quatsch. Ich bin unsicher, ich bin teilweise unwissend.
(31:30 - 31:38)
Das heißt, es gibt Themen, da fühle ich mich auch nicht wohl. Ich bezeichne mich auch mehr so als den sehr guten Generalisten. Ich habe überall ein sehr gutes Basiswissen, aber ich bin nie so der richtige Experte.
(31:38 - 31:49)
Das heißt, es gibt immer die Punkte, wo ich dann auch ins Schwimmen komme und dann denke, oh, hier komme ich jetzt nicht weiter. Und da muss ich auch dann, wenn dann die Unsicherheit da ist, das auch eingestehen. Mir selbst, aber auch dem Gegenüber.
(31:50 - 32:09)
Weil ich finde es ganz, ganz schlimm, wenn ich dann versuche, es zu verschleiern und es zu überspielen und so zu tun, als könnte ich es. Dann muss ich sagen, nein, ich sage mal, Dominik, du, es ist schön, dass du mich gerade fragst, ob ich deine Elektrik zu Hause im Haus verlege, weil ich habe ja Elektrotechnik studiert. Da würde ich dir sagen, Dominik, nee, nee, so ist es nicht.
(32:09 - 32:15)
Das lassen wir mal lieber. Geh mal zum Profi hin. Das ist, so versuche ich mit Unsicherheit umzugehen.
(32:15 - 32:31)
Einfach ehrlich sein. Ja, ich denke auch, das ist so eine Eigenschaft, die viele Unternehmer auch oftmals haben, die jetzt nicht dieses Riesenteam haben aus, keine Ahnung, fünf gemeinsamen Gründern, dass man so Generalist ist. Weil man muss in den verschiedenen Bereichen, bei denen man zuständig ist, eintauchen, so ein gewisses Basiswissen aufbauen.
(32:32 - 32:44)
Ich sage mal, klar, dein Steuerberater wird dich auch in Steuern immer nochmal in den Schatten stellen, aber du musst die Grundkenntnisse verstehen, damit du auch die richtigen Fragen stellen kannst. Das Gleiche ist es auch in Richtung Mitarbeiterführung, aber auch, wenn es dann um Fachthemen geht. Ja, ich muss die Basics haben.
(32:45 - 32:54)
Vielleicht habe ich bei mir einen Unternehmer, einen Experten, der macht ganz leise nichts anderes und das ist sein Kerngebiet. Klar, der ist da noch bewandert, aber ich muss so diese Grundkenntnisse haben. Ich muss schon auf Augenhöhe sprechen können.
(32:54 - 33:22)
Natürlich, wenn ich in irgendeinem Meeting bin, mit jemandem spreche und es kann, darf natürlich nicht sein, dass er irgendwie irgendeinen Quatsch erzählt, was völlig falsch ist, aber ich denke einfach, ja, das passt schon, weil ich keine Ahnung habe. Das darf nicht sein. Deswegen muss schon ein gewisses Grundlevel da sein, aber es wäre utopisch zu glauben, wenn ich der Beste in Logistikprozessen bin, der Beste in Zollthematiken, der Beste im Einkauf, der Beste im Verkauf, der Beste in Programmierung, in Buchhaltung, Marketing.
(33:22 - 33:26)
Das ist ja Quatsch. Das geht gar nicht halt. Also ich bin ja nicht Lionel Messi oder sowas.
(33:27 - 33:45)
Ich habe halt das Gefühl, dass ich alles kann, aber auch, dass ich bestimmt immer so eine Schwäche habe. Ja, da bin ich ganz bei dir, aber ich glaube, man braucht auch diese Eigenschaft so in gewisser Weise, damit man sich gerade auch, wenn man so ein kleines Unternehmen muss, in den verschiedenen Bereichen auch tätig werden und wenn du kein Interesse hast, so die verschiedenen Bereiche kennenzulernen, dann wird es auch sehr schwierig. Ja, definitiv.
(33:45 - 33:54)
Ein ganz interessanter Punkt. Und ich glaube, du hast mich am Anfang vorher nochmal eine Frage gestellt, was fiel dir am Anfang schwer oder sowas, als du halt auch begonnen hast. Ich habe, eine Thematik ist schon anders.
(33:54 - 34:02)
Also ja, ich beschäftige mich mit vielen in der Firma. Mein Geschäftspartner und ich haben uns die Themen ein bisschen aufgeteilt. Mein Hauptgebiet ist Sales, Einkauf, Verkauf, Subway Chain.
(34:03 - 34:12)
Mein Geschäftspartner Marketing, IT, Personalwesen, Rechtswesen. Aber es ist alles überlappend. Wir sprechen über Dinge gleichzeitig und das ist ein ständiger Switch.
(34:12 - 34:33)
Du musst auf einmal über klassische Einkaufsthemen sprechen, dann über Verkauf, dann über Logistik, dann über Gebäudethemen, dann Marketing, dann Personal, dann musst du die Weihnachtsfeier machen oder sowas vorbereiten vielleicht. Es gibt zig verschiedene Sachen und jedes Mal ist ein ständiger Switch im Kopf. Und das habe ich gemerkt, das ist auch sehr anstrengend, auf Dauer, immer sich wieder neu reinzudenken und auch dann natürlich schnell da zu sein.
(34:33 - 34:46)
Das ist mir übrigens auch, bis heute noch, das ist nicht immer einfach. Da merke ich auch, das ist auch schlauernd. Aber dennoch ist es halt wichtig, überall dabei zu sein, weil du kriegst auch ein Gefühl und du merkst halt, blockiert dir vielleicht irgendwas diese klassischen Zahnrädchen.
(34:46 - 35:07)
Wenn ich mir nur in meinem eigenen kleinen Minikosmos bin und ich interessiere mich für den Rest des Unternehmens nicht, dann verpasse ich viel und ich verpasse auch Synergieeffekte, wo vielleicht Prozesse ineinandergreifen könnten, wenn ich nur wüsste. Ja, es erinnert mich an eine spannende Next Cycle-Folge, die jetzt am Freitag kommt mit der Jasmin und da haben wir ganz viel drüber gesprochen. Also Next Cycle, ein anderer Podcast über das Thema Datenziels zwischen Abteilungen.
(35:07 - 35:23)
Ja. Ganz oft auch im Obsolescence-Management braucht jemand, müsste eigentlich der Einkauf und die Entwicklung gut zusammenarbeiten, weil die einen suchen die Teile aus, die anderen haben die Preise und die Verfügbarkeit und das ist ganz oft das Problem, dass so Synergien nicht gehoben werden. Ich sage es immer ganz platt, es wird halt geschissen geschafft, das wäre gar nicht notwendig.
(35:25 - 35:37)
Nee, das ist da ganz, ganz wichtig. Lass uns vielleicht da jetzt auch noch so zum Abschluss von dem Bereich so einen Blick mal so jetzt auch zurück bei dir wagen. Du bist jetzt seit 10 Jahren im Elektronikbereich.
(35:37 - 37:41)
Was reizt dich immer noch? Vor allem die verschiedensten Projekte bei den Kunden, weil das ist das Schöne daran, wenn man natürlich auch wie damals im Vertrieb begonnen hat, du hast halt nicht nur das, deine eigenes, das eine Projekt in deiner Firma, du machst ja schon nur Torsteuerung, sondern du bist bei verschiedensten Unternehmen unterwegs, du hast Küchenmaschinen, du hast entsprechend Gebäudeautomation, du bist im Semi-Kontaktbereich, das heißt es ist sehr vielfältig und es ist auch toll zu sehen, was für Produkte draußen hier in Deutschland auch entwickelt und auch gefertigt werden und das macht einen auch stolz, wenn man draußen rumläuft und dann einfach mal irgendwo rumschaut und denkt, oh, das Projekt kenne ich doch, da liefern wir rein, da habe ich mit einem Wiggler an der Platine gesessen und das macht einen schon auch stolz, denn Elektronik ist halt einfach ein Zukunftsfeld, es ist wichtig und man merkt halt irgendwo, ja, man arbeitet auch an der Verbesserung, hoffentlich, wenn es eine Verbesserung ist, mit, weil du weißt auch, es gibt Elektronikprodukte, die braucht die Welt nicht, schafft eher nur Elektronikschrott, aber dennoch ist es ein super spannendes Feld und ich mag auch das Miteinander, weil ich finde, das Elektronikfeld ist ein sehr nettes, gutes Miteinander, ehrliches Miteinander und nicht so diese Mentalität, ja, ich arbeite jetzt mit dir, aber morgen nicht mehr sondern auch eine gute Partnerschaft und auch sehr strategisch und sehr abwechslungsreich und kein Tag gleich dem anderen, also wir alle kennen es, Marktphasen, sonst was, der eine Hersteller kauft den anderen aus, es wird einem nie langweilig und das Jahr geht so unfassbar schnell um, der Tag, also es ist toll. Wenn du jetzt nochmal so guckst, wie dein Leben vor 10 Jahren war, vielleicht auch noch so die Zeit, wo du noch bei der Telekom warst oder kürzest danach und heute hinguckst, was macht dir besonders Freude im Vergleich zu früher? Es ist natürlich eine viel selbstständigere Arbeit, der Klassiker selbstständiger, selbstständig arbeiten, freie Gestaltung, wie planst du deine Tage, wie verknüpfst du alles miteinander, wo wir es auch versuchen, unseren Mitarbeitern genauso Verübungen zu stellen in flexiblen Arbeitszeiten, aber wenn ich es von früher vergleiche, es ist eine weitreichende Dimension oder ein größerer Scope, was die eigene Tätigkeit mit sich bringt. Vorher ja, man hat seine Tätigkeit und man hat die Dinge gemacht, aber die hatten keine große Tragweite und ich habe einen Internetanschluss fertig gemacht.
(37:41 - 38:56)
Für diejenigen war es gut und war toll, aber meine Arbeit hat mir Spaß gemacht, war völlig schön, aber wenn ich es jetzt heute in meiner Arbeitsfläche betrachte, ich bin für über 30 Leute meinem Geschäftspartner zusammen verantwortlich, die Leute kriegen Lohn, die Leute können damit ihr Leben finanzieren, für ihre Familien finanzieren, wir beliefern Firmen, die Elektronik bauen können, dass die wiederum zukunftsfähig sind, dass die Produktion läuft, dass die erfolgreich sein können, deren Firmen wieder funktionieren und das hat eine ganz andere Tragweite und da bin ich auch stolz drauf und gleichzeitig hast du als Unternehmer auch die Chance, gewisse Dinge voranzutreiben, die noch eine andere Mehrwert haben, also jetzt sind wir auf das Thema Nachhaltigkeit, nicht nachhaltiges Wirtschaften, sondern einfach die Umwelt, da haben wir auch das getan, was wir machen konnten, Photovoltaik, LED-Beleuchtung, Verpackungsmaterialien, da geguckt, wo es geht, auf nachhaltige Elemente zu setzen, haben eigene Bienen am Standort, also da kann man auch was machen und kreieren, wo du natürlich, wenn du bei der Telekom einfach ein Servicetechniker bist, ja, kannst du nicht viel schaffen und kreieren und das ist anders. Verstehe ich. Lass uns so zum Abschluss noch wieder einen kleinen Switch machen, ganz am Anfang hast du angeschnitten, das Thema Fahrrad, aber auch vielleicht zum Camper ein bisschen reisen, wie gibt es das ganze jetzt auch, das Reisen vielleicht auch mit deiner Frau gemeinsam, die einen Ausgleich nicht richtig im Kopf hat, warum du dich gerade frisch aus dem Urlaub gut erholt.
(38:56 - 38:58)
Das ist korrekt. Hoffentlich gut ausgeglichen. Ja.
(38:59 - 39:51)
Was gibt es dir? Es ist halt eine andere Perspektive, also korrekt, am Freitag sind wir zurückgekommen von Bornholmen, dänische Insel, waren wunderschöne Temperaturen, 20, 21 Grad, also perfekte Zeit. Absolut, am Freitag sind wir zurückgekommen und zu Hause war es nicht schön, ich habe eigentlich gedacht, ich hätte nur partiell eine Fußbodenheizung, aber anscheinend haben wir im ganzen Haus doch überall Fußbodenheizung, Spaß beiseite. Nein, um darauf zurückzukommen, das Thema Reisen, ich finde es super spannend, den Horizont zu erweitern, für mich als Mensch, privat, aber auch geschäftlich, das ist ja alles überlappend und ein Beispiel zu nennen, wir beschweren uns über viele Dinge natürlich auch gerne, das ist so ein bisschen eine deutsche Mentalität, manche Sachen sind auch berechtigt, da darf man eigentlich so in den Teppich kehren, aber wir glauben gar nicht, wie unfassbar gut es uns geht und ich glaube, jeder kann es bestätigen, der schon in Ländern war, denen es nicht so gut geht, was da für Probleme sind.
(39:51 - 40:45)
Also ich war in Nepal, waren wir auf Wandern und da haben wir auch eine Geschichte gehört, ein anderer Unternehmer war dort auch vor Ort und die Schulen, die Kinder müssen teilweise mehrere Kilometer dorthin laufen, um zur Schule zu gehen und wieder zurück und wenn Regenzeit ist, laufen die durch den Regen, ohne Regenjacke oder dergleichen, kommen durch ein Nest in ein Schulgebäude an, sitzen da durch ein Nest und dann nachher wieder durch den Regen zurück, undenkbar irgendwo, und da hat er auch z.B. mehrere tausend Regenkelbs dorthin gespendet, aber das sind so Dinge, wo du merkst, oh, das ist anders. Meinen auf hohem Niveau. Ja, es ist absolut jemand auf hohem Niveau oder wie selbstverständlich es für uns ist, einfach zum Wasser zu gehen und sauberes Wasser zu haben und das bringt mir viel, allein da den Blickpunkt zu setzen, okay, was ist wichtig, was ist vielleicht auch mal übertrieben, wo müssen wir mal sagen, komm, bis hierhin und nicht weiter, und lass mal die Kirche im Dorf, wie man so schön sagt, aber der Ausgleich ist dennoch natürlich gegeben.
(40:45 - 41:29)
Bist du mal woanders, du siehst einfach eine andere Landschaft, du lässt die Seele mal ein bisschen baumeln, ein anderer Alltag, machst du die Schollklappen wieder auf, das kennt jeder von uns, sind wir im Alltagstrott, gehen die Schollklappen zu, man macht seine Dinge, man macht seine Tätigkeiten, die machen wir auch gut, aber man verkennt vielleicht auch mal neue Ideen und Chancen, wo man vielleicht mal, wenn man sich zurücknimmt, glaubt in dem Moment, oh, ich leiste zu wenig, aber wie der Klassiker so ist, das ist ja wie die Axt im Walde, die muss auch mal geschärft werden, sonst dauert es ein bisschen lange, bis man baumelgefällt ist, und so ist es halt wie beim Reisen, und das ist halt echt, ja, hat viele Vorteile, und ist wichtig, und es tut gut, und es ist schön. Ja, da knüpft meine nächste Frage auch sehr gut gleich dran an. Wo kommen dir die besten Ideen? Wahrscheinlich auch beim Reisen, wenn man ein bisschen Ruhe hat, ein bisschen rauskommt.
(41:30 - 41:38)
Das ist auch vielfältig, also es ist teilweise, wache ich nachts auf, zwei Uhr bin ich auf der Wache, dann habe ich eine Idee. Ausschreiben, schnell aufschreiben. Absolut.
(41:40 - 42:09)
Podcast hören, das hilft auch viel beim Autofahren, einfach mal andere, aus verschiedensten Podcasts, die gar nicht was mit der Branche zu tun haben, aber da lernt man auch viel. Dann, klar, im Urlaub, im Gespräch mit anderen Menschen, ich sage mal, wenn wir uns unterhalten, zum Beispiel hier bei der COPD mit den anderen Leuten, da kommen die Ideen. Wenn ich mit meiner Frau unterhalte, mit Freunden unterhalte, das können willkürliche Dinge sein, das kann der ein Impuls sein, wo du irgendwas hörst, und denkst, oh, das klingt ja mal interessant, und dann kommen so Ideen zustande, und dann entwickelst du das weiter, und dann ist es auch wichtig, das aber auch irgendwann niederzuschreiben.
(42:09 - 42:28)
Ich glaube, wir Leute haben, wir Menschen haben so viele gute Ideen, aber wir legen die erstens nicht irgendwo nieder, dass wir daran denken, und wir setzen die meist leider auch nicht um, weil wir dann wieder im Alltagstrott sind. Und das ist, glaube ich, noch eine Sache, da könnte ich auch noch mehr lernen und umsetzen. Ich würde an den Satz erinnern, wer schreibt, der bleibt.
(42:29 - 42:42)
Absolut. Ich bin mit Computern groß geworden, ich liebe auch digitale Dinge, Software, Computer, alles. Aber dennoch habe ich auch einen klassischen Blockstift, nur ich schreibe gerne Sachen auf, mache mir kurze Notizen, und ja, wer schreibt, der bleibt.
(42:43 - 43:02)
Ja, definitiv. Gibt es so einen Rat, den du dir geben würdest, wenn du heute zurückgeschaut auf dein 25-jähriges Ich, was du dir gern mitgeben würdest, im Nachhinein? So viele Ratschläge hätte ich, glaube ich, gar nicht. Ich mag gar nicht so die Gedanken, was würdest du anders machen? Weil alles, was ich getan habe, habe ich hingebracht.
(43:03 - 43:09)
Jede Falschentscheidung, jede gute, richtige Entscheidung. War alles für dich? War alles richtig. Ich bin dahin gekommen, wo ich sein möchte.
(43:09 - 43:30)
Ich bin bei der RTS Elektronik, ich bin mit meiner Frau zusammen. Deswegen, ich möchte gar nicht so viel umändern. Aber wenn ich dennoch was wählen würde, dann sich wirklich mal mit dem Thema Unternehmertum auseinanderzusetzen, weil hätte ich mich früher auseinandergesetzt, dann hätte ich den Schritt, glaube ich, auch schon früher gewagt und wäre vielleicht auch schon tiefer in der Thematik gewesen.
(43:31 - 43:36)
Das heißt, das war sehr kurzfristig alles. Das wäre so der einzige Rat. Hey, beschäftige dich doch auch mal damit.
(43:36 - 43:49)
Schau über den Tellerrand hinaus. Denn auch als ich jünger war, ich war so manchmal die Kategorie ein Pferd springt nicht höher, als es muss. In dem Moment, ich kann mich noch erinnern, Realschulabschluss, achte Klasse, erstes Halbjahr, glaube ich.
(43:50 - 44:00)
Superschlechte Noten, meine Mutter, oh Gott, oh Gott, oh Gott, was machst du da? So brauch ich doch nicht. Die Bewerbung für die Ausbildungsstätte bräuchte das zweite Halbjahreszeugnis. Dann habe ich auch wirklich ein recht gutes Zeugnis auch gemacht.
(44:01 - 44:13)
Erste Bewerbung auch geschickt. Und da stand dann nämlich auch dann, bitte schicken Sie Ihre letzten drei Zeugnisse zurück. Und da habe ich auch gemerkt, okay, es ist doch mal ganz gut, immer gute Leistung zu bringen und nicht nur in dem Moment, wenn man es abrufen muss.
(44:14 - 44:42)
Wenn wir jetzt um die Zukunft gucken, was ist vielleicht auch so da deine Vision oder was möchtest du über RTS auch sagen können, wo ihr euch hin entwickelt habt in den zehn Jahren? Also mein größter Wunsch ist, dass nahezu alle aus der Elektronikwelt die RTS-Elektronik kennen. Die RTS-Elektronik, wie auch unsere Tochterfirma XPE, X Project Engineering GmbH. Wenn ich die RTS-Elektronik sehe, jeder kennt den Arrow, EWV, FNIRD oder die Hersteller.
(44:43 - 44:51)
Aber in unserer Welt kennen uns nicht viele. Wir arbeiten mit riesigen, großen, namhaften Firmen zusammen, also in Europa, weltweit. Das ist ein bisschen Hidden Champion.
(44:51 - 45:03)
Ja, das ist wirklich super spannend und welche Applikationen wir liefern. Ins Frontend, ins Backend, in den Semi-Contactor-Bereich liefern wir ein. Aber dennoch kennen uns viele nicht und stecken uns auch in eine falsche Schublade rein.
(45:03 - 45:07)
Ihr seid so ein Broker oder sowas. Nein, bitte nicht, nein. Wecken, hau hoch.
(45:07 - 45:17)
Und das ist mein Wunsch, dass uns die Leute kennen, respektieren und auf uns noch aktiv mehr zugehen. Das würde ich mir wünschen. Aber weiterhin unserem Werten treu bleiben.
(45:17 - 45:26)
RTS steht für Real-Time Service, also Service weiterhin oben halten. Den Faktor Mensch weiter auf den Mittelpunkt setzen. Also ja, wir wollen viel digitalisieren, KI einsetzen, automatisieren.
(45:27 - 45:36)
Aber ich möchte nie dahin kommen, wie ich es im Privaten kenne, Chris-Kananer-Leitung. Du wirst von ihm KI-Chat-Roboter irgendwie bedienen. Du sollst in den FHQ reingucken, Chris-Kananer-Strippe.
(45:37 - 45:43)
Da möchte ich nie hinkommen. Mieter-Service einfach. Ja, und das möchte ich mit meinem Geschäftspartner, da ticken wir beide gleich, diese alten Werte beibehalten.
(45:43 - 45:48)
Da nie diesen Weg einschlagen. Ja, einfach nur, diesen digitalen Weg. Aber trotzdem ins Moderne reingehen.
(45:48 - 46:06)
Das heißt, gerade im Mittelstand quasi so modern und technologisch fortschrittlich sein wie ein Konzern. Aber so flexibel und nah am Menschen und nachhaltig wirtschaftend wie Mittelständler, das dahin zu kommen. Und entsprechend, dass die RTS-Elektronik einfach nah am Markt ist, dass die Leute uns kennen.
(46:08 - 46:22)
Zum Abschluss noch die Frage, was heißt für dich Erfolg? Gute Frage, sehr vielschichtig. Erfolg ist A, erstmal für mich, dass ich am Ende des Tages immer in den Spiegel gucken kann und sagen kann, den, den ich da sehe, den schätze ich. Den respektiere ich.
(46:22 - 46:46)
Denn, ja, ich könnte es an irgendwelchen Umsatzzahlen festmachen oder Wachstumsgrößen, A, E, Kundenanzahlen, aber das finde ich, das ist zu ein, weiß ich nicht. Leben ist ja auch mehrdimensional. Ja, das ist mehrdimensional.
Das Wichtigste ist, dass ich immer noch mich selbst respektiere und mich nicht zu sehr verändere. Wir entwickeln uns immer weiter. Mein Geschäftspartner, mein Freund, muss ich auch mal sagen, der sagt immer weiter, hey, du hast dich nicht verändert, du hast dich weiterentwickelt.
(46:47 - 47:06)
Und da hat er recht. Aber ich möchte trotzdem am Kern immer noch der Last bleiben, der ich war und den Leuten weiterhin helfen, unterstützend dabei sein, während wir am Ende des Tages in den Spiegel gucken können und sagen, hey, den mag ich, den ich da sehe. Ja, ich denke schlussendlich, im Leben ist eigentlich immer so, auch in der Natur, wenn man so rausguckt, Dinge sind eigentlich immer in Bewegung, in Entwicklung.
(47:07 - 47:25)
Was sich nicht mehr weiterentwickelt oder nicht mehr in Bewegung ist, ist tot. Und so ist es immer wichtig, auch weiter an sich zu arbeiten, besser zu werden, vielleicht auch den Weg zu korrigieren, wenn man in eine falsche Richtung gegangen ist. Absolut.
Lars, ich danke, dass du da warst, hier bei Backbone. Eine tolle Folge. Ich schaue so auch in Richtung der Zuhörer, Zuschauer.
(47:26 - 47:36)
Bleibt weiter dran. Es kommen auch, ja, Schrankenteile zwar nicht mehr, aber weitere spannende Folgen. Ich denke, es war heute wieder, hat mir sehr viel Spaß gemacht, war toll.
(47:36 - 47:41)
Und abonniert fleißig und kommentiert auch drunter, wie euch die Folge gefallen hat und macht's gut. Tschüss.