GOLDRAUSCH

Was haben ein gutes Foto, Architektur, Design und menschliche Bewegung gemeinsam?
Vielleicht mehr, als man zunächst denkt.

Ralph Wentz ist Sportwissenschaftler, Fotograf, ehemaliger Creative Director, Unternehmer und vor allem jemand, der sich nie besonders für geradlinige Lebensläufe interessiert hat. Sein Weg führte ihn durch Sport, Journalismus, Fotografie und Design – und schließlich zurück zu seinen Wurzeln: der menschlichen Bewegung.

In dieser Folge von GOLDRAUSCH sprechen wir über einen ungewöhnlichen Lebensweg, über Kreativität und die Kunst des genauen Hinschauens. Über Bilder, die Spannung brauchen. Über Architektur, die sich am Menschen orientieren sollte. Und über die Frage, warum sich unser Körper vielleicht ganz anders bewegt, als wir ihn über Jahrzehnte trainiert haben.
Es geht um Rotation und Rhythmus, um Kraft und Beweglichkeit, um Prävention und Rehabilitation – aber auch um Körperwahrnehmung, Selbstverantwortung und darum, warum wir wieder lernen sollten, unserem eigenen Körper zuzuhören.
Ein Gespräch über Bewegung, das weit über Sport hinausgeht.

Und über einen Menschen, bei dem Fotografie, Design, Wissenschaft und Bewegung am Ende vielleicht gar keine unterschiedlichen Welten sind.

Links:
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Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts dienen der Inspiration und persönlichen Reflexion und ersetzen keine individuelle Beratung oder Therapie.

Was ist GOLDRAUSCH?

In Goldrausch sprechen wir mit Menschen aus Spitzensport, Business und dem echten Leben über das, was hinter Leistung wirklich passiert: Fokus, Zweifel, Rückschläge – und die Frage, was Erfolg jenseits von Medaillen, Titeln und Zahlen bedeutet.

Wir glauben an hohe Ansprüche, ehrliche Gespräche und daran, dass man leistungsfähig sein kann, ohne sich selbst zu verlieren. Goldrausch ist kein Motivationstheater, sondern ein Raum für Klarheit, Tiefe und neue Perspektiven.

Für alle, die etwas erreichen wollen – und dabei ein andersglücklichleben suchen.

Die Inhalte dienen der Inspiration und ersetzen keine individuelle Beratung.

Intro/Outro:

Willkommen bei GOLDRAUSCH. Anders glücklich leben. Der Podcast von Katharina Naumann und Sebastian Hess über die Balance zwischen Leistung, Leben und Leidenschaft.

Sebastian:

Manche Lebensläufe verlaufen ziemlich gerade und dann gibt's Lebensläufe, so wie der von meinem heutigen Gast. Ralph Wentz hat als Fotograf gearbeitet, hat Bezüge zum Design, das kommt son bisschen auch familiär, war Creative Director. Er hat Menschen, er hat Architektur und er hat Sport fotografiert und sich über viele Jahre mit Themen wie Gestaltung, Ästhetik, Formen und Funktionen beschäftigt. Heute beschäftigt ihn vor allem eine Form von Gestaltung, nämlich die menschliche Bewegung. Ralph ist Sportwissenschaftler, Movement- und Performanceexperte und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie unser Körper eigentlich wirklich funktioniert.

Sebastian:

Mit Rotation, Rhythmus, Kraftübertragung. Mit Prävention und Rehabilitation und aktuell auch mit Ramp im Heirox Konzept und ganz anderen spannenden Themen. Und vielleicht sind das am Ende gar nicht so viele unterschiedliche Welten, wie es jetzt klingen mag. Wir gucken mal. Denn vielleicht geht es bei einem guten Foto, bei gutem Design, bei Architektur und bei guter Bewegung etwas sehr Ähnliches, nämlich genau hinzuschauen, Zusammenhänge zu erkennen und einzelne Elemente so miteinander zu verbinden, dass am Ende irgendwas funktioniert.

Sebastian:

Darüber möchten wir heute sprechen. Über Fotografie und Bewegung, über Ästhetik und Funktion und über einen ungewöhnlichen Lebensweg, über Veränderung und Wachstum und über die Frage, warum unser Körper vielleicht viel weniger gerade funktioniert, als wir lange gedacht haben. Ralph, es ist so schön, heute mit dir in Köln hier zusammen sitzen zu können und deswegen ein herzliches Willkommen. Willkommen bei GOLDRAUSCH.

Ralph:

Vielen Dank. Vielen Dank.

Sebastian:

War es war denn jetzt War denn viel falsch? Wir hatten im Vorfeld so gesagt Falsch

Ralph:

war da gar nichts, nee, falsch war überhaupt nichts da dran. Es fehlen ein paar Teile, die auch in meinem Lebenslauf nicht so nicht so auftauchen. Wir haben ja heute im Verlauf des Tages schon darüber gesprochen, dass ich auch mal als Unternehmensberater in' Projekt unterwegs war, dass ich eigentlich immer da reingesprungen bin, wo ich angefragt worden bin, wo Leute kamen, könntest Du dir vorstellen, das mitzumachen? Und wenn ich da das spannend fand, hab ich das einfach gemacht und das ist eben nicht linear, das hast Du vorhin sehr schön beschrieben. Das ist viele Kurven auf und ab, mal rechts abgebogen, mal links abgebogen.

Ralph:

Aber im Endeffekt fühlt es immer an ein Ziel und das Ziel ist die Bereicherung deiner eigenen Selbst, deines eigenen Selbst und deines deines deines Selbstwerts und deiner Selbsteinschätzung und auch deines Wissens. Und ich glaube, Wissen kann man nie genug haben und sich zu bereichern und Menschen kennenzulernen, zu kommunizieren mit anderen Menschen, egal in welchem Bereich, ist immer spannend und hat mir eher immer was beigetragen als als als weggenommen, sag ich mal. Also Da kommt der Tee.

Sebastian:

Genau und jetzt kommt der Tee von deiner lieben Frau. Vielen herzlichen Dank.

Ralph:

Vielen Dank.

Sebastian:

Wir haben schon gesagt, das schneiden wir nicht raus, das gehört einfach dazu. Ralph, wenn dich wenn dich heute jemand fragt, was machst Du eigentlich? Was antwortest Du dem?

Ralph:

Dann würde ich wirklich im Moment ganz klar sagen, das was ich aktuell mache ist eben, dass ich eine Trainingslehre entwickelt hab, eine Bewegungslehre entwickelt habe, dass ich dazu Trainingsgeräte entwickelt habe und eigentlich auf dem Weg bin als Sportwissenschaftler eine Rückkehr und eine Rückbesinnung auf das zu vollziehen, was den Mensch in seiner Bewegung eigentlich ausmacht. Also eigentlich bin ich zurückgekehrt zu den Wurzeln, die ich mal studiert hab, zum zum zur Sportwissenschaft. Es war immer mein Begleiter über mein Leben, aber das ist das, was ich im Moment mache, wo wir ein Start-up haben, wo wir natürlich versuchen, auch am Markt Fuß zu fassen, Erfolg zu haben, das weltweit irgendwie auszurollen, mit verschiedenen Partnern zu verbinden und das nimmt mich natürlich komplett ein. Klar, ich habe diese Vorgeschichte, die hast Du ja auch erwähnt, als Designer mit' eigenen Agentur, mit meiner Frau Nora zusammen, die uns den Tee gebracht hat gerade hier. Nicht, weil sie so häuslich ist, sondern weil sie den gerade für sich gemacht hat und uns auch einen möchte, nicht, dass hier nicht falsche Bilder aufkommen, wie das bei uns hier abläuft, die auch einen ganz großen Anteil an dieser Entwicklung unserer Trainingsgeräte hat.

Ralph:

Das möchte ich hier direkt mal vorwegschicken, weil sie die handwerkliche Expertise hat, weil sie das Produkt gemacht hat. Also das war eine absolute familiäre Aktion. Sie ist auch komplett in dieser Firma verankert. Sie war auch vorher eine der Triebfedern, dass wir diese Kreationenagentur gegründet haben, weil ich eigentlich aus den Sportwissenschaften kam, ich journalistisch noch gearbeitet hab. Ich hab auch Publizistik studiert, ne.

Ralph:

Sportwissenschaftler Publizistik, war dann ganz viel im Fernsehen, im Sport unterwegs, hab geschrieben, hab fotografiert, hab das alles zusammengebracht und dann wirst Du ja irgendwann mal, weil das ist ein Leben, wo Du sehr viel unterwegs bist. Sport findet meistens am Wochenende statt. Das heißt, bist immer unterwegs. Sport findet für mich fand für mich immer auch weit über den Ozean weg statt, weil ich mich total immer für die für die amerikanischen Sportarten fasziniert habe. Selbst auch Baseball gespielt hab bis hoch in die Nationalmannschaft.

Ralph:

Ich bin, glaub ich, achtundsechzigfacher Nationalspieler irgendwie im Baseball. Und das ist natürlich etwas, was nicht familienfreundlich ist. Und als wir dann darüber nachgedacht haben, wie kann das denn weitergehen? Noah ist ist ist ist Grafikdesignerin, ist unfassbar in in der Anwendung von Materialität, von Form, von Farben, von der Zusammenstellung. Da haben wir gesagt, das könnte doch gut zusammenpassen.

Ralph:

Ich bring die Fotografie mit, ich bring meine journalistische Expertise mit, das Schreiben vor allen Dingen von Texten und wir packen das mit Kreativität zusammen und machen da eben eine Agentur drauf. Und da so sind wir eigentlich in die in das in die diese Kreationsagentur eingestiegen, die dann natürlich am Anfang erst mal für irgendwelche kleinen Mountainbike Profiteams gearbeitet hat. Da haben wir Trikots entworfen und solche Geschichten. Ja und so ging das da ging das mal los.

Sebastian:

Das ist eine lange Antwort auf die Frage, was machst Du

Ralph:

eigentlich Ich mach mich ja, das ist mir wahr. Ich bin natürlich mal wieder ein bisschen vom Weg abgekommen, aber das ist ja auch mein Lebensweg, Also deshalb, das ist so, natürlich fließt alles, wenn Du so ein Start-up hast, suchst Du ja auch nicht nur bei dir selber, sondern auch bei denen, die mit dir das starten, Leute, die möglichst viele Talente in sich vereinen, sodass sie viele Rollen ausfüllen können. Wir sind ein Start-up, das wirklich sich sozusagen aus sich selbst fandet und dementsprechend auch mit vielen Freelancern arbeiten und da füllen die Leute natürlich auch mehrere Rollen aus und so genau ist es bei uns. Mir hat natürlich jetzt unheimlich geholfen, dass ich fotografieren kann, dass ich auch noch das gesamte Equipment hier hab, ne, weil wir haben wirklich Studiofotografie auch teilweise gemacht, Peoplefotografie mit richtig Equipment, bevor die digitale Fotografie auch aufkam. Das heißt, wir haben hier noch richtig Licht rumstehen und wir wissen auch mit Licht umzugehen.

Ralph:

Das war natürlich jetzt, ich konnte meine eigenen Produkte fotografieren, so dass es eben absolut hochwertigst ist. Ja, ich wir können wir können auch mit, das lass mittlerweile auch Freunde meiner Söhne machen, die auch sich vielleicht oft ein bisschen durch mich inspiriert für die Fotografie oder für die Kreation entschieden haben. Die haben ja auch hier teilweise Praktikum bei uns gemacht. Die helfen uns jetzt auch dabei, ne. Und das in in in die unsere Bewegung, die wir machen, in in Formsprache und Bildsprache umzusetzen.

Ralph:

Und natürlich stell ich da mein Equipment zur Verfügung ab, mach das mit den zusammen, wir entwickeln das, aber ich guck auch, dass ich dann abgeben kann. Aber so kommen natürlich all die Talente, die wir irgendwie entwickelt haben, auch jetzt in diesem einen Ding zusammen. Ich sag eigentlich, eigentlich ist so die Kulmination von allem, was ich bis jetzt gemacht hab, fließt jetzt in dieses Produkt, weil auch das Produkt ist ja ein Designobjekt. Ja, Du musst ja ein Produkt designen. Das geht ja nicht einfach von, das ist ja nicht von heute auf morgen da.

Ralph:

Du musst ja denken, okay, was für was für Aspekte muss das erfüllen? Was muss das können? Okay, was für was können wir noch drum herum packen? Was können wir noch modular dazu bauen? Das ist ja alles Endeffekt ein Design wird ja völlig falsch verstanden auch.

Ralph:

Design ist ja nicht nur etwas Schönmachen. Auch wenn wir sprechen, folgt das gewissen Regeln und das ist ganz häufig auch Kommunikationsdesigns eine der schwierigsten Disziplinen, glaube ich. Wie wird Kommunikation im Unternehmen zum Beispiel betrieben? Wer spricht mit wem über was? Ja, auch das hat ganz viel mit Design.

Ralph:

Das haben wir in der Agentur damals gemacht zu tun, ne. Also wir verstehen Design immer völlig falsch. Ich kann einem nur raten, der mal wirklich wissen will, was für Designdisziplinen alles möglich sind, im Oktober nach Eindhoven zu fahren und auf die Dutch Design Week zu gehen.

Sebastian:

Erzähl mal, was Das ist die

Ralph:

größte Designvorstellung.

Sebastian:

Was wird er dort erleben oder sehen?

Ralph:

Ja, das ist die größte Designstellung Europas, aber nicht eben in dem Zusammenhang, dass wir sehen nur, oh, das ist eine schöne schönes Möbel, das ist eine schöne Tasse, das ist ein schöner Tisch, das ist ein schönes Modeobjekt, sondern da finden alle Disziplinen des Designs statt und das ist zum Beispiel ökologisches Design. Wie kann ich Sachen ohne großen Energieaufwand kühlen? Dann siehst Du irgendwelche Rotunden, die halb im in der Erde versenkt werden, wo immer die gleiche Temperatur drin ist. Dann siehst Du Philips, die irgendwelche Lampen entwickelt haben, die das Wachstum von Pflanzen befördern, die dann aber mit Fischdünger gedüngt werden, ja, sodass wir eben unsere Überpopulation auf der Welt, ne, vielleicht ernähren können. Da siehst Du, wie sieht ein leer, wie sieht ein Zimmer oder wie sieht ein Raum aus, in dem wir optimal lehren können oder lernen können?

Ralph:

Ja, das sind alles Disziplinen des Designs. Und das siehst Du da vor Ort. Das ist unfassbar inspirierend. Das sind 10 Tage im Oktober und die ganze Stadt ist Design. Und Du kannst von einem Ort zum anderen gehen.

Ralph:

Die Hochschulen stellen sich alle dar. Ich sage natürlich auch, weil ich sehr stolz darauf bin, dass 1 meiner Söhne an dieser Hochschule, die die mal der Initiator der ganzen Sache war, studiert hat. Und das ist auch 1 der Kernfaktoren dort vor Ort, dass die Abschlussarbeiten dort gezeigt werden. Das ist so der Nukleus und dann bildet sich das alles drum herum. Und da kommen 400000 Leute in den 10 Tagen hin.

Ralph:

Und das ist irre, wie Du dann siehst. Wir wohnen ja hier im Westen Deutschlands und eigentlich ist Holland von uns aus hier eine Stunde weg. Aber die Holländer haben den ganz anderen Zugang zu Design. Warum, wieso, weshalb? So viel anders können die ja nicht sein als wir, weil sie so nah dran sind.

Ralph:

Aber ich hatte ein unglaubliches Erlebnis, was das vielleicht ein bisschen darstellt. Du hast unseren Oldtimer vor der Tür gesehen. Also nicht, dass wir ihr denkt, hier ich hab hier irgendwas ganz besonderes stillen. Das ist ein Volvo Amazon Kombi von 64, der auch gar nicht fährt im Moment leider. Den hab ich aber direkt hinter der Grenze in Aachen gekauft bei' Holländer.

Ralph:

Und Du fährst diese Straße lang in Aachen und kommst über die Grenze. Der gibt's ja gar nicht mehr, die Grenze. Die Straße geht einfach nur auf einmal ins fließt.

Sebastian:

Genau, es fließt. Ja.

Ralph:

Und schlagartig verändert sich Materialität auf der Straße. Du hast in Holland ja häufig diese wunderbar gesetzten Straßen so aus aus aus aus Ziegelsteinen, ne. Die Farben, Türen, das Licht in den Räumen, die Fenstergröße. Es ist unglaublich, es ist 50 Meter aus Nanosis völlig anders aus. Und das ist, glaube ich, erstaunlich, wie wie stark die Holländer und da kommen Kind und Kegel und Familien, die diese Ausstellung besuchen, die sich dafür interessieren.

Ralph:

Das finde ich einfach hochspannend. Und diese Bandbreite von Design, ich ich hab meine Kinder da immer mit hingeschleppt und die haben mir gesagt, wie ist das Design? Das sind alles Erfinder hier. Ja, wir haben da ein Typen getroffen, das war 1 für mich 1 der berührendsten Geschichten. Der hat ein Gerät entwickelt, wie man in landminenverseuchten Gebieten diese Minen detonieren lassen kann, ohne dass man Menschenleben da reinschicken kann.

Ralph:

Was hat der gebaut? Der hat einen einen Nukleus gebaut aus einem Ball, in dem ganz lange Bambusstöcke steckten. Und am Ende der Bambusstöcke waren Frisbeescheiden. Und weil Bambus sehr leicht ist, wird das durch den Wind nach dem Chaosprinzip über die Ebene bewegt. Und wenn dann eine Landmine detoniert, wird vielleicht ein Bambus stark mit einem mit einem Frisbee zerstört, der Rest bleibt aber intakt, sodass das Ding weiterrollen kann.

Ralph:

So konnten die mit einem ganz preiswerten System, was aus nahezu natürlichen Materialien, bis auf die Frisbees natürlich, gebaut worden, diese Landminengebiete reinigen. Der hat alle Preise gewonnen. Aber irre. Wie kommen Menschen auf solche Ideen? Ja, und das siehst Du da.

Ralph:

Deshalb kann ich das nur empfehlen.

Sebastian:

Also wir merken auf jeden Fall jetzt schon, Ralph ist völlig begeistert von verschiedenen Welten und auch von. Wenn wir mal ganz an den Anfang von deinem Leben springen, Du bist ja aufgewachsen, dein Vater war Architekt. Hast Du mir auch heute einige schöne Geschichten im Lauf des Tages erzählt. Wir sind ja auch schon ein paar Stunden gemeinsam heute unterwegs. Wann bist Du denn zum ersten Mal oder wann kannst Du dich dran erinnern, zum ersten Mal so in Berührung gekommen mit was Kreativen, wo was entworfen wird, wo vielleicht irgendwas Ästhetisches, wo Du vielleicht als Kind auch schon irgendwie davorstellst und Du gedacht hast, Mensch, das sieht irgendwie anders aus oder schöner aus.

Sebastian:

Kannst Du dich an irgend eine Szene erinnern?

Ralph:

An eine, ich kann mich nicht wirklich an eine spezifische Szene erinnern, aber es war ganz früh. Wir komm aus Düsseldorf. Meine Eltern sind in Düsseldorf sesshaft gewesen, obwohl sie gar keine Düsseldorfer waren. Mein Vater ist Berliner, meine Mutter ist Hannoveranerin. Mein Vater wollte eigentlich, glaub ich, nur nach Düsseldorf, irgendwas Architektonisches da für eine kurze Zeit zu machen, wollte eigentlich da gar nicht bleiben, ist da hängen geblieben.

Ralph:

Düsseldorf in den Siebzigerjahren, ich bin ja 67 geboren, in den Siebzigerjahren war aber schon so ein Nabel der Kunstwelt. Die Serogruppe kennt man vielleicht mit Ücker, Mack, Pine war da extrem verankert, war weltweit erfolgreich. Der Düsseldorfer Kunstverein war extrem populär. Da traf sich Architektur, Musik, Kunst und meine Eltern... Früher hattest Du ja keine Babysitter.

Ralph:

Meine Eltern haben uns überall mit hingeschleppt. Wir waren auf jeder Kunsteröffnung, ja? Wir waren auf jeder Vernissage. Wir waren auf, was weiß ich nicht, Lesungen, keine Ahnung. Und wenn Du müde warst, hast Du dich irgendwo unter die Treppe gelegt, weil da waren ja auch andere Kinder und hast dann halt einfach gepennt.

Ralph:

Wir haben ja vorhin auch schon drüber gesprochen, wir brauchen was für ein Segen es ist für Kinder, dass sie eigentlich überall schlafen können. Und das war genauso bei uns und da hast Du natürlich immer diesen Input gehabt, weil Du hast ja irgendwie schon die Bilder auch mal angeguckt, nicht so wirklich bewusst als Kind, weil das hat dich nicht so richtig, aber gesehen hast Du's ja trotzdem und Du hast ja auch diese Umgebung wahrgenommen. Plus, dass mein Vater eben in' Architekturbüro damals arbeitete, Paulschneider Essleben, der sehr sehr erfolgreich war und sehr aber ein sehr offenes Büro geführt hat. Das heißt, wir waren da ganz häufig, ne. Die hatten auch unten, waren wir noch heute, ich war letzte Woche bei meiner Mutter in Frankreich und da haben wir noch drüber gesprochen.

Ralph:

Es gab dieses, wir nennen das das die Tersteegenstraße in Düsseldorf. Da gab's ein Bürogebäude von Schneider Essleben, son eigentlich Brutalismusbau, ne, also Betonarchitektur mit so terrassenförmig. Und unten drin war dann sogar ein Schwimmbad, was wir benutzen durften. Der Zugang zu dem Schwimmbad war aber eigentlich durch einen Gang, wo rechts die die Modellwerkstatt war. Damals wurde ja alles noch händisch Modell gebaut.

Ralph:

Wir hatten ja keine drei-d-Animationen wie heute. Und da wurde mit Holz gearbeitet, da wurde mit verschiedenen Materialien gearbeitet. Und mein Vater hat sich für uns damals von dem Modellbauer eine ganze Regentonne voll Bauklötze bauen lassen. Und mit diesen Bauklötzen haben wir vom frühesten Kindersalter an SkyScraper gebaut, Welten entstehen lassen, unsere unsere Matchbox Autos durchfahren lassen. Und das ist so, würd ich sagen, das war so der 1.

Ralph:

Kreative Prozess, den wir wirklich als Kinder von der Pike auf mit etwas, was uns absolut alle Freiheiten gelassen hat, dann durchgeführt haben. Also das wär so der 1. Punkt, wo ich sagen würde, das ist die 1. Aktion. Aber die ist erwachsen aus dem, was mein Vater gemacht hat und glaube ich auch dann bedingt natürlich durch die durch das Ganze, was wir was wir so darum herum erlebt haben.

Ralph:

Also es war schon sehr, sehr kreativ künstlerischer, freiheits liebender Haushalt mit vielen Gästen und ja. Also von daher, aber dass die Bauknöpfe, ich frag mich heute noch, wo die abgeblieben sind, ehrlich gesagt. Weil ich fand die so so, wir konnten wirklich, die waren so viele, dass wir ein Bau ein 1 Skyscore bauen konnten, der bis an die Decke bei uns ging und die war 2 fuffzig hoch, glaube ich, in der Wohnung damals, wo wir gelebt Wir

Sebastian:

haben auch vorher darüber gesprochen, denn wenn jetzt alle denken natürlich, wenn man in so einem kreativen, von Architekten auch geprägten Umfeld aufwächst, dann liegt nahe, dass man am Ende selber genau dort landet und das ist bei dir aber nicht passiert. Du hast vorher schon erzählt, dass es ein bisschen abschreckend auch war, wie viel dein Vater in diese Architektur auch an Zeit und Energie investiert hat und Du hast dann einen ganz anderen Weg auch eingeschlagen. Am Ende hast Du hier in Köln an der Sporthochschule Sportwissenschaften studiert. Was hat das Umfeld gesagt, als der Ralph gesagt hat, ich studiere jetzt Sport?

Ralph:

Ja, da muss ich meinen Eltern wirklich dankbar sein. Die haben eigentlich und das ist natürlich auch son bisschen den Werdegang meines Vaters und dieser Passion, der hat Architektur nie als Arbeit verstanden. Obwohl der wirklich, ich behaupte, das war wahrscheinlich nicht so, das ist jetzt meine Erinnerung, so jeden Tag bis 4 Uhr am Reißbrett gesessen hat, ne. Also, ja, der war immer Freiberufler, war aber Freiberufler in in großen Strukturen fest verankert, hat dann aber immer seine eigenen Projekte noch nebenher gemacht. Und die hat er natürlich nach der Arbeit gemacht, die er im Büro gemacht hat.

Ralph:

Und das ist auch noch mal son Kreativaspekt. Bei uns in der ersten Wohnung hat der Wettbewerbe gemacht und dann waren da 8 andere Architekten, die das mit ihm zusammen gemacht haben oder 6 und die schliefen teilweise unter den Reißbrettern. Ja, das war natürlich irre, weil er immer im Trubel war, ne und das waren teilweise Japaner, Düsseldorf war ja damals schon so, war grade in in der im Entstehen, dass es diese japanische Hub wurde in in in Deutschland oder in Zentraleuropa eigentlich. Und da kamen ganz viele Japaner hin, eben dieses Deutsche gut zu lernen. Da gab's eben die Firmen, die sich angesiedelt haben, aber kamen auch ganz viele Architekten nach nach nach Deutschland, zu gucken und der Schneider Isleben war halt dann jemand, der der die angezogen hat und mein Vater hat die dann mitgenommen, hat hat mit denen Projekte gemacht.

Ralph:

Die schliefen dann bei uns halt da irgendwie und haben weitergearbeitet und haben die ganze Nacht durchgearbeitet. Das war ja und deshalb, ich glaube, weil das so... Also mein Vater hat's im Endeffekt, glaube ich, gar nicht so interessiert, was wir machen. Der hat gesagt, macht das, was euch nahe steht. Der war auch so in seiner Welt auch gefangen.

Ralph:

Ich glaub, das ist son bisschen, wenn Du so passioniert bist, ist es dann schwer aus aus diesen Strukturen auch rauszudenken. Meine Mutter kam eigentlich aus' aus' Bankerfamilie, hatte eigentlich auch eine Banklehre gemacht, ist dann aber eigentlich völlig ausgebrochen schon in den Fünfzigerjahren, hat in Paris und London studiert, auf eigene Kosten wirklich diese Sprachen gelernt, hat als Dolmetscherin gearbeitet. Düsseldorf ist auch eine große Messestadt gewesen und Köln ja auch, also von daher ganz viele Messen gemacht. Die hätte, glaube ich, schon ganz gern gesehen, dass sie auch eine Banklehre machen hätte sollen, weil das ist ja, ne, eine Lehre ist ja was Schönes, was das hat man dann so und darauf kann man aufbauen. Die war aber auch völlig fein bei uns allen, dass sie gesagt hat, macht das, was euch wirklich nahesteht und diese Toleranz muss man erst mal haben, also viel, viel vor meiner Freunde oder auch selbst der Freunde meiner Söhne und Kinder noch mussten irgendwelche Lehren machen, wo sie eigentlich diese gar nicht machen wollten, aber weil's die Eltern irgendwie wollten.

Ralph:

Und deshalb, weil ich aber auch, das wussten meine Eltern ja, ich war ja völlig passionierter Sportler, ja. Also ich war Leichtathlet, ich hab aber, lass mich nicht lügen, in 8 Schulmannschaften gespielt. Also Sport war mein Leben.

Sebastian:

Und Du warst ja auch, wenn ich das kurz ergänzen und da reingrätschen darf, in vielen Sportarten recht erfolgreich. Ja,

Ralph:

durchaus, ne. Also das war nie so schlecht, ja. Also das das war ganz gut. Also im Tennis, dann kam Boris Becker, da musste man Tennis spielen. Da haben wir Tennis gespielt, das habe ich so lange gemacht, bis ich im Clubmeisterschaftsendspiel von meinem Bruder wirklich 6 0 6 0 auf die Hose bekommen hab.

Ralph:

Das muss ich aber zu meiner Ehrenrettung sagen, der ist wirklich ein sensationell talentierter Tennisspieler gewesen. Spielt heute noch Tennis und Paddel vor allen Dingen jetzt auch. Der war aber vorher im Trainingscamp von BOLDRAUSCH, der damals der Schleifer war in in hat hat meine Eltern oder meine Mutter eben eben finanziert und der kam gerade frisch aus dem Tenniscamp und hat völlig vom Platz geschnallt. Hab ich gedacht, okay, diesen Sportart diese Sportart überlasse ich meinem meinem Bruder, obwohl ich's nach wie vor eine faszinierende und tolle Sportart finde. Aber das ist immer mein Drang, die Leichtathletik ist ja die Mutter aller Sportarten, weil sie alle Talente, die wir haben, als Mensch fördert.

Ralph:

Und ich hab ja nicht nur eine Disziplin gemacht, sondern ich hab ja alle Disziplinen gemacht. Das hast Du ja früher, gut, hast sowieso mehr Kampf gemacht, ne, über den, ich glaub, Dreikampf haben wir angefangen, Vierkampf, Fünfkampf. Nachher gab's bei uns, glaub ich, 8 Kampf, bevor es den 10 Kampf gab. Und von daher, ich konnte im Endeffekt, ich konnte werfen, ich konnte rennen, ich konnte springen. Und das sind alles Disziplinen, die Du auch im Basketball brauchst, die Du auch im Handball brauchst.

Ralph:

Und wir hatten eine, ich hatte das Glück, auf ein Gymnasium zu gehen in Düsseldorf, was unfassbar sportlich orientiert war. Also wir hatten Gisela Kießling als, die war damals Rekordnationalspielerin im Basketball. Die war eine unserer Sportlehrerinnen. Wir hatten Klaus Walter, der war, glaub ich, 1 der ganz wenigen Medaillengewinner in Europa in Badminton als Deutscher. Ja, solche Leute.

Ralph:

Wir hatten Leute, die bis Bundesligahoch Handball trainiert haben als Sportlehrer. Das heißt, Sport war hoch angesehen. Wir waren zweimal mit der Leichtathlet Lady bei Jungturnier für Olympia in Berlin. Wir waren zweimal mit Handball, glaube ich, bis im NRW Finale, ja. Und da guckten die Trainer natürlich auch nach Leuten, die aus anderen Sportarten kamen, die sie vielleicht da mit einbringen.

Ralph:

Und deshalb warst Du da praktisch in jeder Sportart mit willkommen und als Handballer war ich halt schnell, links außen, ich konnte werfen, ne. Also deshalb spielteste dann auch mit. Basketball, klar, konnte man auch irgendwie in der Bewegungswelt und die ganzen anderen Sportarten haben wir uns dann auch eben drauf geschafft. Es war eine ganz enge Infrastruktur eben des Sports. Deshalb war es für meine Eltern, glaube ich, auch gar keine so eine Überraschung, als ich gesagt hab, ich mach Sportwissenschaften und man muss ja auch sagen, dass Sportwissenschaften damals ja noch noch noch kein Bachelor- und Master in

Sebastian:

der Das war noch Magistodiplom hat man da.

Ralph:

Diplom und Diplom war halt extrem weit gestreut und Du konntest dir unglaubliche Kurse herausfinden, weil ich bin ja noch zu der Zeit von Wildo Holmann an die Sporthochschule gekommen, Gott hat seine Seele, aber was für ein Typ, ja, also unglaublich. Wildo Holmanns Idee war ja immer das Sportstudium als Studio Generale. Und was ist denn ein Studium? Eigentlich, die Studium ist eigentlich, je breiter Du dich aufstellst, desto besser. Deshalb ich hab da Soziologie, Philosophie, was nicht alles belegt.

Ralph:

Und Philosophie zum Beispiel war 2 Studenten mit dem Professor, der noch ein Professor von der Kölner Uni als Fakultät eingeladen hat. Die beiden unterhielten sich und wir hörten zu. Da hast Du so viel über Philosophie gelernt, wie Du es sonst wahrscheinlich im Philosophiestudium nicht mal mitbekommst. Das war das Sportstudium. Ja, weil der Holmann das ja immer angesehen hat als so die das das Nukleus des oder das Gerüst für ein gesundes Leben.

Ralph:

Und ein gesundes Leben ist halt nicht nur der Körper, sondern auch der Geist. Und was konnte dir Besseres passieren als das? Und deshalb glaube ich, meine Eltern haben sich da keine Gedanken darüber, die haben wir, die machen das schon und dann wird schon irgendwas bei rauskommen. Das Spannende an den Sportstudenten ist ja auch, dass ganz viele in ganz anderen Bereichen gelandet sind nachher, weil Du so vielfältig aufgestellt warst. So ein bisschen auch für die Zehnkämpfer, die nachher ja, die ja auch alles können und dementsprechend auch in ganz vielen, ich hab ganz viele Zehnkämpfer nachher getroffen, die die in unfassbare Bereiche im im in ihrem Leben abgedriftet sind und irre Dinge gemacht haben.

Sebastian:

Ja, Du hast, das merken wir schon, ganz schön viele Kurven schon am Anfang deines Lebens son bisschen geschlagen. Wir können heute tatsächlich nicht alles im Detail beleuchten. Es ging dann weiter. Du hast als Journalist gearbeitet und bist dann über diese journalistische Arbeit auch zur Fotografie gekommen. Erinnerst Du dich noch so an ein Bild oder ein Moment, wo Du zum ersten Mal gedacht hast, das ist Ralph Wentz, das ist meins?

Ralph:

Ja, ich... Also zur Fotografie muss ich ganz ehrlich sagen, bin ich viel früher gekommen. Mein Vater hat mir mit, vielleicht zur Konfirmation 14, glaube ich, die 1. Kamera geschenkt. Und wir haben mit meinem Vater, der auch Architekturbücher geschrieben hat, viele Reisen gemacht, wo er halt selbst auch die die Fotos gemacht hat.

Ralph:

Das war für das Kind nicht immer erbaulich, weil das war mal so, oh, wir gehen durch eine Stadt, er macht die Fotos von den Gebäuden, die er da in diesem Buch haben wollte. Am nächsten Tag war das Licht besser, da haben wir das gleiche Ding noch mal gemacht. Also das Da

Sebastian:

freut man sich als Kind. Hast drin, freust Du

Ralph:

dich als Kind irre. Am Ende sage ich immer, weil ich weiß eine Menge Architektur, das hätte ich alles nicht mitbekommen, wenn das nicht so gewesen wäre. Und da gab mir bekam ich diese alte Kamera, die mir relativ schnell aus dem Auto beim Familienurlaub in London geklaut worden ist, gesagt. Deshalb, das war meine 1. Kamera.

Ralph:

Dann bekam ich aber zur Konfirmation, das stimmt gar nicht. Hab vor die schon vor der Konfirmation gehabt und das 1. Bild, ich hab direkt angefangen zu inszenieren. Und das 1. Bild, an das ich mich wirklich erinnere, ist, dass wir wir waren jeden Sommer auf Sylt in Hörnum, da hat mein Großvater immer ein sehr schönes Rieddachhaus gemietet, wo wir uns die ganze Familie eingeladen.

Ralph:

Das war ganz toll für uns, da bin ich bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr jeden Sommer gewesen über einen längeren Zeitraum. Und da habe ich eine Pyramide gebaut, hab da einen Turnschuh draufgestellt und hab den mit meinem Bruder im Hintergrund als Silhouette im unten gehenden Sonnenlicht fotografiert. Das würde ich sagen, ist das 1. Ralph Wentz Foto, was den Namen auch verdiente, weil es wirklich durchdacht war. Ich wollte es genauso, wie es nachher rausgekommen ist, fotografieren.

Ralph:

Und ja, und dann hatten wir auch das, Was hatten wir für Schulen früher, ne? Also das Gymnasium hatte ein unfassbares Fotolabor. Und wir hatten Kunstlehrer, die so offen waren, dass sie sagen haben, hier ist der Schlüssel und ihr könnt da einfach rein. All das Vertrauen hatten die Lehrer früher zu uns. Das muss man sich heute mal vorstellen, ja.

Ralph:

Und wir hatten wirklich 8 Vergrößerer da stehen. Von' Farbvergrößer, 7 Schwarz Weiß Vergrößerer, eine Trockenmaschine, ja. Die haben uns das nur gezeigt und haben uns dann losgelassen. Und dann sind wir halt losmarschiert, haben inszeniert, fotografiert und haben die dann entwickelt und vergrößert und und und so ging die Fotografie bei mir los. Und das beim journalistischen kam es eigentlich so, dass ich dann bei der Westdeutschen Zeitung neben meinen Fernsehtätigkeiten bei der Westdeutschen Zeitung wirklich Lokalsport gemacht habe im Bereich Düsseldorf Neuss und dann auf der Tribüne saß und mir das wirklich langweilig war, son Spiel meistens ja da auch Fußball, beim Lokalsport Dormagen war ja mit drin, da gibt's ja schon etliche, wir hatten Handball Bundesligafechten, da gab's ja tolle tolle Sportarten ehrlich gesagt, da haben wir eine ganze Menge gemacht, in Neuest gab's Ringen.

Ralph:

Aber mir war's zu langweilig, da oben auf der Tribüne zu setzen. Und dann hatte ich auch teilweise die Fotografen, das muss man bei der Zeitung wissen, die kommen dann für 10 Minuten bei' Spiel vorbei, weil sie ja 5 Spiele gleichzeitig abfrühstücken müssen und machen dann das Bild. Und ich fand immer, dass die Bilder nicht das waren, was ich eigentlich gerne gehabt hätte. Hab gesagt, ich meine Kamera selber mach das selber. Und hab dann festgestellt, dass Du bei so Lokalsport, wenn Du neben dem Platz stehst, der unter Umständen auch am Tor stehst und mit dem Torwart, wenn Du auf der anderen Seite warst, einfach mal ins Gespräch kriegst und dass Du viel internere Informationen bekommst, als Du das jemals in den öffentlichen Pressemeldungen bekommen würdest.

Ralph:

Und dann dachte ich, das ist doch eine super Verbindung und hab dann immer Schreiben und Foto zusammen gemacht, was natürlich im im Lokalsport super ist, weil die dann eben eine Arbeitskraft sparen, die sie nicht bezahlen müssen. Das war wirklich eine irre irre Zeit ehrlich gesagt. Da hast Du natürlich wahnsinnig viel gelernt. Du musstest unfassbar schnell sein, ne. Also damals muss man ja irgendwann...

Ralph:

Du hast geschrieben, musstest ins Labor, die Filme entwickeln, musstest die Filme trocken, musstest dann die Abzüge machen. Die Abzüge mussten mit der Post von Düsseldorf nach Wuppertal ins Druckzentrum. Die musstest Du genau... Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wenn Du irgendwas digital machst und das sofort im System ist, was das für eine Arbeit damals war.

Sebastian:

Du hast als Fotograf ganz verschiedene Arten von Fotos auch gemacht. Du hast Menschen fotografiert, Du hast Gesichter fotografiert, Du hast aber auch Objekte fotografiert, aber Du hast auch, wie Du grad schon son bisschen erzählt hast, auch Sport fotografiert. Was ist anders, wenn sich das Motiv bewegt, als wenn es still ist?

Ralph:

Na ja, es bewegt sich ja nicht nur, weil Du... Es gibt ja 2 Arten von Sportfotografie. Du kannst Sportfotografien inszenieren, dann weißt Du genau, was passiert. Das haben wir natürlich auch für Kunden gemacht, ja. Dann sagst Du genau, ja, ich hab den Rollerblader, der soll von a nach b fahren.

Ralph:

Ich will das eben in' gewissen Art nicht einfrieren. Ich möchte die Bewegung sehen, das inszenierst Du dann. Dann hast Du totale Kontrolle dadrüber. In der Sportfotografie, wo Du eigentlich nur dokumentierst, reagierst Du ja auf das, was vor dir stattfindet. Das heißt, Du weißt gar nicht, was passiert.

Ralph:

Du bist genauso Beobachter wie der Zuschauer Und Du fällst auch genau auf die Finden rein, die unter Umständen der Absperrspieler drauf reinfällt. Also Handball sitzt Du hinterm Tor, Du hast die 2 Meter Hünen vor dir stehen und musst dann erahnen, wo der hochsteigt und wirft. Wenn er natürlich da im letzten Moment hinterm Rücken noch ein Pass quer spielt, bist Du mit der Kamera an der falschen Stelle und und erwischt das Bild eben nicht. Aber das ist irre, wie Du dann auch son Spiel anfängst zu lesen.

Sebastian:

Genau, das wäre nämlich eine Frage, die habe ich mir hier grad noch mit meinem Stift markiert, da hake ich kurz ein. Ich hab mich nämlich gefragt, kann ein guter Sportfotograf Bewegung oder Bewegung eventuell hier und da vorhersehen?

Ralph:

Ich glaube, dass ein sehr guter Sportfotograf, der sich extrem mit der Sportart beschäftigt, das durchaus kann. Und natürlich auch, wenn man regelmäßig zu den Vereinen geht und immer bei den gleichen Vereinen fotografiert, weil man für die zuständig ist, bekommst Du ja, wenn Du wenn Du da offen für bist und natürlich, ich hatte den sportwissenschaftlichen Background, dann beschäftigst Du ihn damit und dann bekommst Du natürlich auch eine Idee. Plus, dass ich nicht nur Fotograf war, sondern auch ja auch geschrieben hab. Das heißt, ich hab mich ja noch zusätzlich mit den Trainern und mit den Spielern unterhalten und hab ja auch eine Vorstellung bekommen, was die Vision oder deren Vision war, wie das Spiel ablaufen soll. Und dann fängst Du schon an, das Spiel lesen zu können.

Ralph:

Und dann ist es natürlich auch manchmal ein totaler Glücksgriff. Also ich hab ein Foto gemacht, das mir noch wirklich heute in Erinnerung ist von Andreas Thiel, einem der absolut jemals weltbesten Handballtorhüter, ja. Und den nannte man ja den Hexer. Und ich hab ein Bild, das ist sogar, glaub ich, Dormagen Europapokal damals gewesen. Und ich hab keine Ahnung über den Ball.

Ralph:

Ich glaube, er hat den Ball gehalten mit beiden Händen und er dreht die Hände offen und der Ball schwebt zwischen seinen Händen, ohne dass er ihn berührt. Mhm.

Sebastian:

Weil er in dem Moment

Ralph:

das voll.

Sebastian:

In dem Moment hat er ihn noch nicht

Ralph:

GOLDRAUSCH Ja. Abgeklatscht und dann ruhte der Ball sozusagen, aber er hat ihn nicht in der Hand. Ja. Und das in der voller Bewegung, ja, in sonem Spreizschritt. Das war ja der Ausdruck seines Namens.

Ralph:

Das war der Hexer. Der hält die Bälle, ohne dass er sie berührt, so nach dem Motto, ja. Das ist son Bild, was mir was mir lebhaft in Erinnerung bleibt. Ich war auch in Amerika, bin da viel durch die Gegend gefahren, hab dann NBA fotografiert, was eine völlig neue Erfahrung war, weil in Deutschland bist Du als Fotograf ja so das notwendige Übel. In Amerika bist Du derjenige, der das Bild transportiert, mit dem die Geld verdienen, weil Du das Bild in die Welt setzt.

Ralph:

Und das Bild ist das, was die Leute erinnern. Ja, das ikonische Michael Jordan Bild, wie er ja von der Wohley, wo auch nachher die die Silhouette für seinen Schuh draus entstanden ist, erinnert jeder, ja? Das ist ein ikonisches Bild. Die NBA hat ganz früh begriffen, je besser das Foto, desto mehr Verkäufe. Irre.

Ralph:

Und dann kamst Du dahin in die Hallen und die hatten in jeder Ecke Blitzanlagen installiert. Und so und so viel Fotografen konnten sich da einloggen. Das war natürlich erst mal kam, was weiß ich, Sports Illustrated, dann die großen großen überregionalen Zeitungen, die bekamen den Zugang. Wenn die aber nicht da waren, das Spiel vielleicht nicht so von Interesse war, hatte man auch eine Chance, sich da andocken zu können. Und da hast Du natürlich eine Bildqualität bekommen.

Ralph:

Da müssen wir immer überlegen, wir haben damals auch Film fotografiert. Und natürlich in den Hallen hier haben wir mit 1600 AsA fotografiert. Diese waren relativ grobkörnig, dementsprechend konntest Du bis zu' gewissen Größe hochblasen. Durch die Blitzanlage konntest Du mit 100 Aser fotografieren. Das heißt, da waren Fotografen, die haben Mittelformatkameras hinter die hinter die transparenten Rückscheiben gehängt von dem Basketballkörben.

Ralph:

Überleg mal, Michael GOLDRAUSCH kommt angeflogen, Du hast ein Mittelformatfoto mit 100 Aser mit Blitzlicht. Das ist, als ob Du im Studio fotografiert hast. Das geht aber die Welt. So ist MBA groß geworden. Das ist ein Geschäftsmodell gewesen.

Ralph:

Plus, dass Du in den Hallen Labore hattest, Du gabst dir eine Filme ab und bekam sie entwickelt wieder.

Sebastian:

Mhm.

Ralph:

Das war Serviceorientierung. Und da ist mir klar geworden, was uns in Deutschland fehlt. Deshalb hätte ich sehr gern, ich hab eine Zeit lang als Unternehmensberater gearbeitet, hätte ich sehr gern so die Deutsche Fußball Bund oder die die Deutsche Fußballliga beraten, weil die weit weg von diesen professionellen Strukturen waren.

Sebastian:

Wenn wir zurück zum eigentlichen Foto gehen von den Strukturen, jetzt schlagen wir vielleicht so auch ein bisschen die Brücke von Fotografie zu Design über Architektur. Welche Rolle von in' guten spielen, so was wie Linienproportionen, vielleicht sogar ein Stück weit Rhythmus oder so was wie auch Spannung?

Ralph:

Alles. Also klar, es gibt diese diese klassischen Fotoregeln, goldener Schnitt und und und. Die haben ja alle ihre Berechtigung. Und natürlich fotografierst Du auch, wenn Du das Foto konzipieren kannst, nach diesen Regeln, weil sie einfach eine Spannung auslösen. Also ein Bild, was keine Spannung hat, ist es eigentlich nicht wert fotografiert zu werden.

Ralph:

Das ist son bisschen unsere Krux, glaube ich, unserer heutigen Zeit mit dem Handy, wir fotografieren alles und jedes, aber es ist im Endeffekt kein wenig Bilder dabei, die änderungswürdig wirklich sind. Und natürlich versuchst Du, nach all diesen Regeln zu arbeiten. Ich hab sie nie gelernt. Ich war Autodidakt. Ich hab aber sehr früh mit Fotografen auch zusammengearbeitet.

Ralph:

Durch meine Sport Aktivität hatte ich einen relativ athletischen Körper und Düsseldorf ist auch eine Modestadt, deshalb wurde man schnell da mal als als als Model irgendwie engagiert und und stand dann vor der Kamera. Das hat mich dann eigentlich getriggert, dass ich auch gerne gucken wollte, wie die Fotografen arbeiten. Und ich hab relativ schnell von denen mitbekommen, hab den dann auch hospitiert, hab da ausgearbeitet, assistiert, dass die gesagt haben, ja, Du kannst natürlich Foto studieren, aber dann wird dir dein dein Blickwinkel auf die Szene eigentlich aberzogen. Dann kriegst Du all diese Regeln mit. Wir können dir aber das Rüstzeug geben, wie son Shooting organisiert wird.

Ralph:

Und dann machst Du aber dein Bild daraus. Und das find ich nach wie vor, die Kunstfotografen und die ganzen Studiertenfotografen möchten mir das nachsehen, ist für mich wirklich, dass ich gesagt hab, ich hab meine Regeln entwickelt, die sind wahrscheinlich am Ende trotzdem sehr nahe der Regeln, die die die Du normalerweise auch lernst oder lernst, aber ich hab's für mich selber entwickelt so, ne. Und deshalb hat das für mich eine ganz große Bedeutung. Also, ne, also hinter dir hängt ja mein Bild vom Kölner Dom, ja, was ein wahnsinniger Aufwand war, was eine wahnsinnige Vorarbeit war. Aber das folgt natürlich im Endeffekt den Regeln der Becherschule aus Düsseldorf, mit denen ich mich natürlich vorher auseinandergesetzt habe, dass Du ein monochromen Himmel hast, dass Du ein gewissen Blickwinkel hast, dass es schwarz weiß ist und solche Geschichten guckst Du dir natürlich an und davon machst Du dich auch naheliegend frei.

Ralph:

Und außerdem sind wir extrem visuelle Menschen. Ja, wir gucken ja oder wir sind ja mit Fotobüchern ausgewachsen. Ich hab immer behauptet, dass ich eigentlich viel mehr noch beeinflusst wurde vom von den Filmen, die ich gesehen habe. Als wir aufgewachsen sind, war ja Kino, hatte ja noch unheimliche Bedeutung und klar, durch Christopher Nolan kommen wir jetzt wieder in diese Wahnsinnsbildwelten, ja, der ja auch auf diese Bildqualität so unheimlich wahr 8 gibt. Aber ich glaube, dieses 70 Millimeter Bild, wer da schon mal im Kino war und wirklich 70 Millimeter gesehen hat, wo Du von rechts nach links gucken kannst und wie Du das konzipieren musst, was eigentlich ein Panoramaformat ist, das hat mich, glaub ich, noch mehr beeinflusst als als das klassische Foto an sich.

Ralph:

Mhm.

Sebastian:

Wenn wir so auf deine Regeln der Fotografie schauen, Du hast grad son bisschen beschrieben, sie sind wahrscheinlich gar nicht so weit weg, wie auch das, was hier und da gelehrt wird, aber vielleicht noch ein paar Freiheitsgrade von Ralph hinzugefügt, sage ich jetzt einfach mal in meinen Worten. Nach diesen Regeln, wann ist ein Bild für dich schön?

Ralph:

Für mich ist ein Bild, Schönheit spielt gar nicht sone Rolle, weil Schönheit ist im Endeffekt langweilig. Schönheit ist vergänglich. Es braucht ein Spannungsfeld, weil dann ist es interessant, immer wieder anzugucken. Für mich ist ein Foto dann, wie wie immer man es benennen will, schön, gut, interessant, wenn ich da tausendmal drauf gucken kann und es vielleicht immer wieder eine neue neue Sichtweise drauf gibt. Also ich hab das Kölner Dom Bild, klar, der Kölner Dom ist so ornumental, da kannst Du Wochen drauf gucken und Du denkst immer noch was Neues, ja?

Ralph:

Also da ist mir aufgefallen, dass der überhaupt nicht symmetrisch ist, dass da Fenster fehlen, die auf einem anderen Turm sind und und und. Das ist für mich zum Beispiel ein Turm, obwohl es völlig statisch ist, ein Objekt, was Du ja glaubst, schon tausendmal gesehen zu haben, entdeckst Du daran immer was Neues. Für mich war es immer wichtig, wenn ich zum Beispiel Personen fotografiert hab, dass ich, auch wenn ich wenn ich Mode fotografiert hab oder oder Beauty Shots gemacht hab, dass ich am Ende noch ein Foto bekomme, was völlig anders ist. Also ich hab viel mit mit Models gearbeitet und beim letzten, das letzte Bild haben wir gesagt, okay, und jetzt verwischst Du das komplette Make-up. Ja, und und lass zeig dich einfach, wie Du dich jetzt fühlst.

Ralph:

Und als Model bist Du teilweise wirklich total erschöpft nach sonem Fototag. Und da sind wirklich irre Fotos entstanden. Und ich hab ganz viel Porträts fotografiert in' ganz klassischen Licht, also ganz, ganz starr ausgearbeitetem Lichtkonzept, was aber die Konturen des des Gesichts extrem rausarbeitet. Und das ist wirklich Gesicht und das in sehr groß dann meistens auch abgezogen. Das hängt bei ganz vielen Leuten zu Hause als Kunst.

Ralph:

Und da war mir immer wichtig, dass der Mensch mich ganz gerade und eigentlich fast ohne jegliche Regung oder nur so mit ganz wenig Regung anguckt. Ich wollte, ich hab ganz viele Kinder fotografiert und mir war ganz wichtig, dass das Kind nicht lacht, weil das Lachen häufig inszeniert, es ist komplett inszeniert. Und dann hab ich auch Kinder gehabt, die haben sogar eine Träne vergossen, weil sie eigentlich gar nicht da sitzen wollten, weil der Aufbau so war. Aber das sind Bilder, an die erinnert sich das heute 20 Jahre ältere Kind immer noch und die Eltern sowieso. Und das ist son Blick, dass mein Assistent damals sagte, weil die so in sich ruhen, hast Du den Eindruck, dass Du durch die Augen in ihre Seele guckst, weil es sie selber waren.

Ralph:

Und das ist für mich Schönheit. Aber Schönheit bedeutet nicht, dass es nett ist. Schönheit ist, die Individualität zu sehen. Und das fand ich total spannend, vor allen Dingen mit Kindern zu arbeiten, dass es da eben auch schon sehr früh im Stadium diese Individualität eindeutig zu sehen ist, dass 1 völlig anders ist als anders. Und für mich war immer das größte Lob nach, wenn die Familien das sich aufgehängt haben, dann hingen 3 Kinder nebeneinander und die sagten alle, Du hast genau die den den Charakter getroffen.

Ralph:

Ja, und darauf kommt es an. Dafür brauchst Du entweder Zeit, aber nicht unbedingt im Foto selber, sondern mit den Menschen. Und ein großes Porträt entsteht nicht, indem Du schnell schnell machst, sondern indem Du Zeit mit den Leuten verbringst, was Du meistens mit den Leuten nicht hast, weil die Leute sind ja alle wichtig, sie brauchen alle keine Zeit, Du kriegst 5 Minuten, hier mach schnell ein Foto. Dann machst Du von den Menschen ein Foto, aber es ist kein Porträt.

Sebastian:

Wir machen jetzt ein ganz ganz ganz großen Sprung, weil von Fotografie bis heute ist noch ganz viel anderes passiert. Du hast eine Agentur gehabt mit vielen vielen Mitarbeitern und und wir springen jetzt oder machen uns auf den Weg, dass wir in der heutigen Zeit in deinem Leben ankommen und das beginnt eigentlich in in der Pandemie. Da hast Du dich irgendwie oder bist Du dazu gekommen, dich wieder und ich sag wieder, weil Du hast es ja schon mal getan, dich intensiver mit Bewegung, mit menschlicher Bewegung ein Stück weit auseinanderzusetzen. War das am Ende ein bewusster Schritt oder war das Zufall oder ein Stück weit vielleicht erst Zufall und dann ein bewusster Schritt?

Ralph:

Letzteres. Es war Zufall und dann ein bewusster Schritt. Zufall dahingehend, dass ich eigentlich eine Initialzündung brauchte, darüber nachzudenken. Weil es war ja nicht so, dass ich mich nicht mit Bewegung beschäftige, aber ich hab mich immer bewegt, ja. Bewegung ist mein Gesundbrunnen.

Ralph:

Ja, Bewegung ist für mich das, was die Grundlage für meine Gesundheit ist. Deshalb hab ich das immer gemacht. Mit den Kindern mal zwischenzeitlich ein bisschen weniger als die 3 Kinder aufwuchsen, weil man da eben auch andere Sachen mit Firma aufbauen und bla bla bla. Aber eigentlich hab ich mich immer bewegt. Und aber in der Pandemie war es halt so, dass ich durch ein Zufall, dass mein Sohn wieder aus vom College Football aus Amerika nach Hause kam, da eben nicht an der Uni sein konnte, hier aber ein Trainingsplatz brauchte, weil er eben ja irgendwann wieder zurückkehren wollte und in die Mannschaft weiter sein wollte und ich hier den Kontakt wieder zu' alten Studienkollegen bekam, bei dem ich auch früher gearbeitet hab, weil ich meine Diplomarbeit geschrieben hab, Achim Dener, der das FPZ mit seiner Frau Inam aufgebaut hatte und der wusste ich, dass er eine eigene private Trainingshalle hat.

Sebastian:

Na also FPZ ein 1 Trainingszentrum damals mit verschiedensten, zum Teil auch damals innovativen Geräten muss man sagen.

Ralph:

Ja, genau, genau. Ist

Sebastian:

ein anders. Gab's schon oder gibt's schon sehr, sehr lange. Gibt's auch immer noch. Ja. Nur kurzer Einschub von mir.

Ralph:

Ja. Nee. Damit alle Absolut. Absolut. Das und und das das zeigt auch son bisschen, wieso das dann so außergewöhnlich war, dass als Achim eben sagte, hier natürlich, ihr könnt den Schlüssel haben, 24 7, wann immer ihr da reinwollt.

Ralph:

Der Luk ist herzlich willkommen. Folgt son paar Regeln der Hygiene, weil man wusste ja nicht, wie wie sich das Coronavirus da so festsetzt. Da sagt er zu mir, Ralph, sei aber nicht überrascht, da stehen in der Halle keine Maschinen mehr rum. Und er hat ja wirklich mit David zusammen mit den Finnen diese Maschinen, die für MFPZ auch für für die Diagnostik und fürs Training verwendet, wohl selber entwickelt. Ja, Wahnsinn, was der was was der geleistet hat.

Ralph:

Und das war schon ein einschneidender Bereich und da hab ich mich natürlich gefragt, warum stehen da bei dir keine Maschinen mehr rum? Sagt er, ja, hab mich immer wirklich mit noch mal mit Bewegungslehre und mit unterschiedlichen Arten auseinandergesetzt. Und ich hab festgestellt, dass wir damals einen Fehler gemacht haben und wir haben die Leute mal hingesetzt. Wir sind aber keine sitzenden Wesen. Wir sind stehende Wesen.

Ralph:

Und im Stehen entwickeln wir Kräfte eigentlich auch nicht linear, sondern rotierend. Und ich hab hier eben Tools gefunden, die diesen Schwung und diese Schwungradien und diese Rotation zulassen. Und guck dir das noch mal an, wenn Du schon mal da bist, lass uns noch mal darüber sprechen. Und dann hatte der da nur schwer da rumstehen. Ja, der hatte natürlich auch noch andere Geräte, so heißt der Luke Dow, der hatte natürlich auch ein Langhantel und und so Sachen, wo Du auch auch seriöses Krafttraining machen konntest.

Ralph:

Aber eben auch diese Sachen Und er nannte das Health Weapons und sagte, ja, und das gibt eben Kulturen, die haben immer schon geschwungen. Und wenn Du schwingst, löst Du Kräfte aus, die auf den Körper wirken, die eigentlich alle alle Mechanismen ansprechen, die der Körper zur Bewegung braucht. Und das war so der Trigger für mich und das hat er auch initiiert. Er hat gesagt, so, guck doch mal weiter, wie das verankert ist, wo das herkommt, wie alt das ist, was für Möglichkeiten es das gibt. Und dann hab ich eigentlich für mich in der Pandemie, weil Du ja auch kein Gerät mehr kaufen konntest, über diese Trainingslehre des Schwungs und der Rotation einfach angefangen zu sagen, oh, ich muss mir hier irgendwelche Trainingstools bauen.

Ralph:

Und dann ist daraus eigentlich diese diese ganze Idee entstanden, sich darüber noch mal komplett neu zu orientieren und auch aufzustellen. Das war aber noch gar nicht gedacht, als daraus ein Geschäft zu machen. So, es war eigentlich nur für mich selber, weil es mich unglaublich interessiert hat, da der Sportwissenschaftler wieder rauskommt, ich einfach rausfinden wollte, warum hab ich davon im Sportstudium eigentlich nichts gehört. Mhm.

Sebastian:

Wir kommen gleich auch und wir gehen auch noch näher auf diesen Bereich ein. Es ist ja dann auch dazu gekommen, dass Du dich intensiv damit beschäftigt hast. Wir werden gleich darüber sprechen. Heute bist Du mit dieser Art von Bewegung selbstständig, hast ein Start-up gegründet. Hast Du dich irgendwann mal auf dem Weg dem Start-up, als dann irgendwann klar war, Mensch, ich glaub, ich mach jetzt was ab jetzt was anderes, hast Du irgendwann mal darüber nachgedacht oder hast Du dir mal die Frage gestellt, musste ich irgendwas zurücklassen in meinem alten Leben, was ich jetzt nicht mitnehmen konnte?

Ralph:

Na, es war ein fließender Übergang. Wir mussten uns ja erst mal noch selber von finanzieren, das heißt, wir haben eigentlich beides gemacht. Wir haben die Trainingslehre hab ich so entwickelt, dass ich jeden Morgen, was ich jetzt seit ewigen Zeiten schon mache, jeden Morgen mach ich meine Stunde bis anderthalb Stunden Sport. Und da hat sich einfach nur das, wie ich das mache, verändert, ja? Ich hab schon immer etwas anders trainiert als die meisten anderen Leute, hab immer was gesucht, was transportabel, mobil war.

Ralph:

Ich wollte immer draußen trainieren, weil ich ungern in neonbeleuchteten Räumen bin mit vielen anderen Menschen. Das hat man früher vielleicht ganz gerne gemacht, aber irgendwie bin ich gern draußen und hab die Umgebung und die Natur mich rum und ich hab das Glück hier das eben auch bei uns zu Hause im Garten zu haben und hab dann schon immer Sachen, TX Bänder und was weiß ich nicht genutzt und und dann gab's auf einmal Scruops, das sind so schwere elastische Seile, die man schleudern konnte und hab halt immer da schon dieser Bereich gearbeitet, sodass es dann einfach der nächste Schritt war, den wir aber wie gesagt, na ja, haben sone uralte Nähmaschine gekauft und da hat ein Rohr angefangen da mit, wir machen das ja auch so aus Feuerwehrschläuchen. Auch das war ein purer Zufall, dass hier ein Feuerwehrmann heiratete und so Torbögen aus Feuerwehrschlauch aufgestellt wurde. Oh, das ist ja ein interessantes Material, da können wir ja vielleicht diese länglichen Tools draus machen, weil uns klar war, dass Mensch eben in seiner Menschwerdung beim Aufrichten eben das 1. Tool, was an die Hand genommen war, ein Stock.

Ralph:

Und alles, was wir sportlich heute eigentlich bewegen, ist dem Stock nachher empfunden, ja? Ein Tennisschläger ist Stock mit' Schlagkopf dran, Golfschläger, Alles, was wir im Martial Arts machen, hat irgendwas mitm Stock zu tun. Ein Speer ist praktisch wie ein Stock, ne. Baseballschläger. Baseballschläger, ne.

Ralph:

Also ganz viel ist im Stock nahe am Boden, deshalb wollten wir diese und das schwingt halt unheimlich gut, Auch die Keulen und alles, was in Indien wird, ist im Stock nachm Pfund. Deshalb wollten wir das nur in eine moderne Form bringen und da sind wir zu Zufall auf diese Feuerwehrschläuche gekommen. Dann hat Nora angefangen zu nähen. Wir haben ich hab die ausprobiert morgens in meinem Training und währenddessen haben wir ganz normal noch unsere Agenturtätigkeiten weiter ausgeführt, auch zu leben. Bis dann eben wir gesagt haben, eigentlich wär's glaub ich gut daraus ein Geschäft zu machen und uns ein Freund dann gesagt hat, ich stelle euch Geld zur Verfügung, dass ihr das praktisch tun könnt, ja, dass ihr das euch drauf konzentrieren könnt, dass dann mein Anteil an der Firma, die wir zusammen gründen.

Ralph:

Und da war dann so der Shift, dass wir gesagt haben, okay, weniger... Ich konnte ja nicht meinen Kunden so von heute auf morgen sagen, ich mach nichts mehr von euch, sondern ich muss das halt so peu à peu auslaufen lassen, dann in das andere Geschäftsfeld einsteigen zu können.

Sebastian:

Wenn Du heute auf Bewegung schaust, wir kommen noch gar nicht so arg zur Rotation, da kommen wir gleich, aber also es ist schwer, das merken wir Ralph von Rotation erst mal fernzuhalten. Das ist alles hier mit drin und auch wenn er jetzt so erzählt, ich sag das einmal für alle, die jetzt zuhören. Er bewegt sich, er rotiert, er macht die Bewegungen einfach hier am Tisch auch so nach. Es ist es ist wunderbar, aber wenn Du wenn Du erst mal nur auf Bewegung schaust. Mhm.

Sebastian:

Früher vielleicht als Fotograf Mhm. Durch die Kameralinse irgendwas bewegt sich. Vielleicht hast Du's mal eine Art, dann hast ein gutes Bild mal mal mal nicht. Heute schaust Du vielleicht auch ohne Kamera, manchmal vielleicht aber auch irgend eine Videoaufnahme drauf. Auf was schaust Du zuerst?

Sebastian:

Wie jemand geht? Wie jemand steht? Wie jemand irgend einen Winkel hat?

Ralph:

Interessante Frage. Interessante Frage. Hey, worauf 8. Ich als Erstes? Ich glaube, ich gucke wirklich auf das Gesamtbild und das Gesamtbild siehst Du am ehesten am Gang.

Ralph:

Und das der Gang sagt schon eine ganze Menge auch über einen Menschen aus. Das sagt eine Menge über über seinen, ich glaub schon, über seinen Gesundheitszustand aus, über seine Elastizität aus, über sein Selbstverständnis oder sein sein, wie will ich wie will ich gesehen werden? Das ist ist, glaub ich, eine der Grundlagen. Ja, ich glaube, da 8. Ich 8.

Ralph:

Ich wirklich drauf, wie geht der Mensch, weil das ist auch auch ein Teil seines Selbstverständnisses. Und das ist auch beim Fotografen extrem wichtig. Wie steht der, ne? Also ganz häufig hast Du als Fotograf das Problem, dass der Mensch sich vor deine Kamera stellt und sobald die Kamera auf ihn gerichtet ist, nicht mehr er selber ist. Mhm.

Ralph:

Und dann fängst Du natürlich an, ihm auch erst mal zu erklären, was er machen kann, diese Lockerheit, die er eben noch hatte, während so wie wir jetzt gesprochen haben, so unterhältst Du dich ja, bevor Du ein Foto machst, dann nimmst die Kamera und der Mensch ist völlig anders. Und da gibt's son paar Mechanismen, die viel mit Bewegung zu tun hast. Wie kann ich in der Hüfte mich in die Muskelschlinge fallen lassen, damit ich bequem stehe, wie was normalerweise immer mache, ja. Wenn ich in der Kneipe stehe, stehe ich ja nie beide Beine ganz parallel, sondern ich hab immer eine Belastung eher. Das ist aber etwas, was relativ relaxt sein soll.

Ralph:

Genauso das ist, der relaxte Stand gibt das relaxte Porträt. Das heißt, das findet gar nicht hier oben statt, sondern es findet im Endeffekt im unteren Teil des Körpers statt. Mhm. Und dann sind wir auch ganz schnell bei der bewegten Bewegung, ja. Also bei der Bewegung, wenn Du wenn Du im Gang bist, das findet ja alles von unten nach oben statt.

Ralph:

Wie schiebt 1 das Becken vor? Wie hat wie ist der Beckenschwung? Ist es elastisch? Ist es steif? Ist es, ne, hat er den den typischen Bodybuilder Gang, wo er die Schultern vorkippt, ja, größer zu wirken, als er vielleicht ist?

Ralph:

Und das ist, da gibt's so unfassbar Unterschiede und das beobachtet man. Also ich beobachte das schon eigentlich gerne. Ich guck aber Menschen auch extrem gerne bei der Bewegung zu.

Sebastian:

Gibt es für dich auch eine Bewegung, die vielleicht schön aussieht und trotzdem schlecht ist oder schlecht funktioniert und genau der umgekehrte Fall, dass eine Bewegung furchtbar aussieht, aber für den Menschen trotzdem sehr passend ist und gut.

Ralph:

Du stellst Fragen. Boah, ich glaube, solange wir der natürlichen Art der Bewegung folgen und uns nicht in etwas zwingen, was wir eigentlich nicht sind, also wenn wir Hilfsmittel verwenden, ist eine natürliche Bewegung immer etwas, was was in sich geschlossen ist und auch so 1 Schönheit eine Schönheit innewohnt, ja. Also eine 1 Bewegung, klar, eine Bewegung ist immer, wenn sie nicht rund ist, wenn sie abgehackt ist. Das hat aber dann schon wieder was mit degenerativen Strukturen zu tun, ja, dass sie dass sie nicht mehr ist und oder kompensatorischen Strukturen zu tun. Aber prinzipiell glaube ich, dass der Mensch so gebaut ist, dass er sich, dass es eigentlich immer eine Bewegung ist, die die gut ist und wenn wir der Natur folgen, auch von von von ein positiven Einfluss hat.

Ralph:

Ich glaube eher, dass wir versuchen, uns mit irgendwelchen Hilfsmitteln zu bewegen oder oder unsere Bewegung zu befördern. Ich finde ich finde zum Beispiel das Laufen mit den modernen Laufschuhen sie teilweise nicht wirklich, wenn Du's nicht beherrscht, wie die Weltklasseläufer, was die meisten Leute, die diese Schuhe kaufen, nicht sind. Ja, deshalb sind diese Schuhe eigentlich auch nichts für sie. Sie aber die Industrie sagt ihnen natürlich, dass sie trotzdem diese Schuhe kaufen sollen, was sie auch fantastisch gut machen. Das Marketing ist hervorragend.

Ralph:

Aber sie können damit gar nicht umgehen. Und dann siehst Du schon gerade im Laufen, im Joggen, die meisten Leute laufen nicht, die meisten Leute joggen. Ich sag, ich sprech immer von verschiedenen Phasen des Laufens, ja? Wir wollen hier mit ein Geher wollen wir zum Jogger machen, Jogger wollen wir zum Laufen machen, vorm Laufer wollen wir zum Runner machen, ja? Also das sind völlig unterschiedliche Phasen und sind auch unterschiedliche Disziplinen, ja?

Ralph:

Und grade die Jogger, da sind ganz viele Sachen dabei, wo ich mich immer frage, warum tust Du dir das an? Weil die Schuh... Also das ist nicht nur bedingt durch die Schule, sondern weil die... Wir glauben ja immer, weil wir gehen können und auch gehen ist ja... Wir gehen ja nicht so, wie wir natürlich gehen würden, sondern wir werden ja auch von den Schuhen in gewisse Gehmuster gezwungen.

Ralph:

Das ist ja schon teilweise unnatürlich. Aber wenn wir das laufen, ist ja natürlich mehr mehr mehr Gewicht, ne, mehr Input, mehr mehr mehr Kräfte, die sich entwickeln. Ja. Und das sind natürlich Strukturen, wenn Du wenn die Leute so mit dem Ferse aufsetzen, wenn die in die Hüfte knallen, wo Du dich fragst so, dann geh doch lieber schnell. Das hat den gleichen metabolischen Effekt, ja?

Ralph:

Warum musst Du hier joggen? Du das das ist weit entfernt von dem, was Du tun sollst und es fördert auch nicht deine Gesundheit. Mhm. Da bin ich dann häufig, wo ich sage so, das braucht man eigentlich nicht und das da tun sich die Leute auch nicht. Nur das sieht auch nicht gut aus, Ja, also das ist so und nur weil wir glauben, dass wir uns auf 2 Beinen vorwärts bewegen, heißt das noch lange nicht, dass wir das dass wir das auch wirklich können, dass auch das bedarf 1 Trainings.

Ralph:

Ich

Sebastian:

hab noch eine abschließende Frage und dann kommen wir wirklich zur Rotation Und ich merk auch schon, dass dieser Podcast vermutlich länger wird als eigentlich geplant, aber das ist überhaupt gar kein Problem. Du hast grad son bisschen beschrieben auch, ich sag einfach mal als Überbegriff die Ästhetik von Bewegung. Du hast von natürlich gesprochen von so wie wir gebaut wurden. Kannst Du einen Zusammenhang ziehen von der Ästhetik der Bewegung zu Ästhetik von Architektur und eventuell sogar, wann ist ein Bild schön?

Ralph:

Ja, also Ästhetik der Bewegung geht ja immer davon aus von den Dimensionen des menschlichen Körpers. Ne, Du siehst hinter mir diese diese Holzmännchen, die ja für für die so, das sind die ersten, damit wir lernen, wie die Proportionen des menschlichen Körpers sind. Eine gute Architektur ist ja für den Menschen gemacht und nicht Selbstzweck. Der Mensch muss sich darin wiederfinden. Die Dimension des Menschen müssen in der Architektur aufgegriffen werden.

Ralph:

Der muss sich wieder... Das haben wir in vielen Teilen verlernt, weil wir glauben immer, dass zum Beispiel Fläche und große Fläche ist natürlich imposant, aber es ist das, was der Mensch an Geborgenheit braucht, an an an an etwas wir brauchen, eigentlich wollen wir ein Nest haben. Und das muss natürlich zu uns passen, ja? Also klar und das ist dann auch in in Kulturen ja anders, ne? Manche sind kleiner, manche sind größer.

Ralph:

Das muss also zu den menschlichen Dimensionen passen. Ich glaub, eine gute Architektur ist Ausdruck der menschlichen Dimension und schafft es aber, Räume zu schaffen, in dem er sich in denen er sich wohlfühlt, ohne anbiedern zu sein. Ja, ist schwer zu sagen. Also es ist 1 1 1 Architektur folgt auch gewissen Mechanismen, aber sie muss menschlich bleiben. Und das hat natürlich was mit menschlicher Dimension, menschlichen Körperbau auch zu tun, ja?

Ralph:

Also ich hab mal für einen Teppichhersteller aus Asien fotografiert, der sehr, sehr teure Teppiche gemacht hat, sehr teure Teppiche, so Seide geknüpft, Hand geknüpft. Das kauften zum Beispiel extrem viele sehr wohlhabende Menschen aus dem Ostblock, die jegliche Dimension des menschlichen Maß verloren haben durch ihren Wohlstand auch. Und da gab's diese eine Geschichte, die mir der der der Besitzer des der deutschen Niederlassung oder der Geschäftsführer der deutschen Niederlassung erzählt, dass sie 1 1 1 unfassbares Haus ausgestattet haben, wo ein Kinderzimmer so groß war, dass die da rein eine Holzhütte bauen mussten, damit das Kind eine geborgene Situation vorfinden konnte.

Sebastian:

Wahnsinn.

Ralph:

Und das sind natürlich dann Sachen, wo ich sage, da verlieren wir das Maß der menschlichen Dimension. Ich war immer großer Fan der japanischen Architektur, wo wenig Raum ist für viele Menschen und die Raum extrem sinnvoll nutzen müssen. Und da siehst Du Konzepte, ich war mal in' Haus in Tokio, wo die Leute mich nachher gefragt haben, wie grau schätzt Du dieses Haus ein? Ich hab gesagt, ich glaube, das war 140 Quadratmeter groß. Es war aber nur 80.

Ralph:

Es war aber so unfassbar gut genutzt, dass Du das Gefühl von Größe hattest, obwohl es gar nicht die Größe wirklich beinhaltete. Das sind so Sachen, wo ich sage, da hat jemand, da arbeitet jemand mit der menschlichen Dimension und er schafft Räume, in denen wir uns wohlfühlen können und die dann trotzdem uns mehr Raum suggerieren, als eigentlich wirklich da ist. Und das ist, fand ich hochgradig spannend. Zu dem perfekten, Du sprachst auch von dem perfekten Bild, ne, am Ende.

Sebastian:

Na ja, aber Du hast ja schon, also Dimension, Proportion, das sind ja entscheidende Dinge, die und ich bin kein Fotograf, aber ich sag einfach mal, die finden sich wahrscheinlich auch auf' guten Bild wieder.

Ralph:

Ja, es kommt auf' guten Bild an und dann folgend natürlich folgst Du Mechanismen, zum Beispiel die Modeindustrie, wenn Du Mode fotografierst. Wir können ja einen Körper größer erscheinen lassen oder kleiner erscheinen lassen und in der Mode war es eigentlich immer so, dass Du sone Regel hattest, Du fotografierst eigentlich aus der Körpermitte. Du warst halt relativ tief drüber, ne, damit Du eben auch eine Gleichberechtigung zum Beispiel vom Beinkleid zum Oberkörper hattest. Wenn Du aber jetzt eben ein Model noch mal mit längeren Beinen darstellen wolltest, gingst Du natürlich immer tiefer. Das heißt, Du hast die Perspektive verändert, ja?

Ralph:

Das heißt, Du hast mehr von unten nach oben fotografiert, ja? Im Porträt bist Du auf Kopfhöhe. Du schaffst dir schon Winkel und kannst dadurch den menschlichen Körper auch ganz anders darstellen. Und das war natürlich dann Mittel zum Zweck. Wie will ich den Körper darstellen?

Ralph:

Was für eine Wirkung will ich erzeugen? Aber wenn Du den menschlichen Körper eigentlich sehr neutral darstellen willst, gehst Du eigentlich wirklich in die Mitte des menschlichen Körpers von der Höhe her.

Sebastian:

Jetzt haben wir ganz lange Anlauf genommen und kommen endlich zur Rotation. Aber ich finde, es hat sich jetzt schon absolut gelohnt, diesen Anlauf zu nehmen. Warum ist Rotation so fundamental wichtig für uns?

Ralph:

Warum ist Rotation so fundamental wichtig für uns? Weil wir ein Wesen sind, was sich dreidimensional bewegt. Alles, was wir tun, findet im in in 3 Dimensionen statt. Und jede Bewegung, die wir ausführen, hat immer ein Element der Rotation. Das heißt, selbst wenn wir eine gerade Linie laufen, Von a nach b bewegen sich unsere Körperteile rotieren zueinander.

Ralph:

Zudem sind alle unsere Gelenke Rotationsgelenke. Alles, was wir machen, ist auf Rotation aufgebaut. Der menschliche Körper ist gebaut eigentlich, präzise zu schwingen, Kraft zu erzeugen und daraus dann nachher abgeleitet, einen Wurf auszuüben. So haben wir gejagt früher, ne. Entweder wir haben versucht etwas, hört sich jetzt blöd an, zu erschlagen, ja, aber das war ja unsere Jagd, nachdem wir festgestellt haben, dass tierisches Protein ein wahnsinnig guter Nahrungsspeicher ist, ja.

Ralph:

Vorher haben wir uns ja komplett vegan ernährt. Aber auch da war ja schon, Du musstest die Erde aufhaken. Was ist das denn? Das ist eine rhythmische, rotierende Bewegung, wo Du die Körper, wo Du eben den Körperschwerpunkt von einem Bein aufs andere schifftest, ja. Das ist ja schon in unserem alternierenden unilateralen Schrittmechanismus angelegt, dass wir irgendwo rotieren müssen, weil wir, ne, unsere Hüfte bewegt sich gegen unsere Schulterachse, damit wir eben grade auslaufen können.

Ralph:

Und das ist etwas, wo der Mensch dann verstanden hat, dass er daraus besonders große Kräfte erzeugen kann durch den. Was wir heute ja immer noch in den Sportarten haben, Tennis, Vorhand, ist eine komplette Rotationsbewegung über die Hüfte beschleunigt. Der Golfschwung, der Baseballschwung, der Handballwurf, der Speerwurf. Das ist ja alles, was wir machen, wo wir über Rotation Kräfte entwickeln.

Sebastian:

Ja, haben früher vorher auch über Boxen gesprochen ganz viel, wo wir auch unglaubliche Kräfte auch entwickeln können. Wenn wir nur den Arm isoliert betrachten würden, könnten wir niemals diese Niemals. Schlagwirkung erzielen, als wenn wir in diese rotierenden Bewegungen von der Hüfte ausgehen und ich glaub, die Hüfte, das Im

Ralph:

Endeffekt geht's vom Fuß aus, alles, wir an Kraft entwickeln, kommt vom vom vom vom Grund hoch, weil das ist das Einzige, wo wir als aufrechtes Wesen uns abdrücken können. Da erzeugen wir die Mechanismus. Das Fußgelenk allein ist schon mal ein Mobilitätsgelenk, das heißt, hat es ist dreidimensional. Und wenn Du über das Fußgelenk schon eine rotierende Bewegung über das Knie in die Hüfte, die Hüfte beschleunigt das Ganze, Dadurch verdrehst Du die Wirbelsäule. Die Wirbelsäule hat, es gibt diese Theorie des Spinal Engine, des des Motors in der Wirbelsäule durch die Verdrehung, in die Schulterachse, in den Arm.

Ralph:

Das ist im Endeffekt erzeugen wir die kinetische Energie am Boden, leiten sie durch den ganzen Körper durch Spiralmuster und sie kommen nachher in der anderen Extremität an. So funktioniert der menschliche Körper in der Kraftentwicklung und in der ganzen Motorik an sich und in der Athletik sowieso, ja? Also und das ist halt basierend eben auf auf auf ganz vielen verschiedenen Rotationsmustern, die aber ein Ganzes bilden am Ende.

Sebastian:

Und was ich heute auch gelernt hab, ist, dass immer ein Mobilitätsgelenk einem Stabilität sgelenk folgt. Das heißt, unten geht's los erst mal mit Beweglichkeit, Ja. Mit Mobilität und dann geht's hoch zum Knie. Das ist das 1. Gelenk, was stabilisiert.

Sebastian:

Und so geht es im Prinzip die Kette weiter nach oben Ja. Bis zu unserer Halswirbelsäule.

Ralph:

Ja. Bis zu unserer Halswirbelsäule oder eben noch weiter, wenn wir sagen, wir gehen über das Mobilitätsgelenk Schulter, in das Stabilitätsgelenk Ellenbogen über das Mobilitätsgelenk Handgelenk und dann sind wir zum Beispiel, ich habe Baseball gespielt. Das Handgelenk hat einen so unfassbaren Peitschenhieb, wenn ich ihn richtig einsetze und erzeugt dann zum Beispiel die Rotation auf dem Ball, die mittlerweile messbar ist. Also die haben zweieinhalbtausend Umdrehungen pro Minute auf dem Ball. Die Umdrehung erzeugt natürlich wieder die Geschwindigkeit und auch Auftrieb oder Abtrieb im Ball.

Ralph:

Das Interessante ist ja, warum können wir überhaupt auf der Erde leben? Weil sie rotiert. Und ganz spannend ist zum Beispiel, wenn Du Autos fotografierst, bist Du ja häufig selbst in' fahrenden Objekt, das heißt, Du sitzt häufig in dem in dem Kofferraum 1 anderen Fahrzeugs und ich hab ein Freund, der als Autofotograf. Und das zu stabilisieren, dann willst Du zum Beispiel, dass sich die Räder auch bewegen im Bild. Aber das Auto siehst Du halt nicht, dass es sich bewegt.

Ralph:

Also brauchst Du eine gewisse Belichtungszeit. Das kannst Du aber normalerweise in' fahrenden Fahrzeug nicht ruhig halten. Es gibt einmal ein System, das kannst Du unter die Kamera schrauben, da ist ein 1 sich rotierendes Objekt drin. Und die Rotation des Objekts stabilisiert die Kamera. Das heißt, Rotation ist immer etwas, was mit Stabilität und gleichzeitig Mobilität hat.

Ralph:

Und das ist genauso beim Körper auch.

Sebastian:

Wenn das alles so klar ist, wie Du das jetzt hier in den letzten paar Minuten beschrieben hast, warum beschäftigen wir uns dann nicht schon lange damit oder beschäftigen wir uns vielleicht schon lange damit, aber wir haben's hier leider in unserer Gesellschaft komplett vergessen?

Ralph:

Ja, das ist der Fall. Das ist genau der Fall und das ist das, was mir wirklich in meiner Recherche fast unglaublich vorgekommen ist. Ich hab in Sportstudium Ende 80 an der Achtzigerjahre angefangen, in die Neunzigerjahre rein. Klar, wir haben auch Rotationen mit Medizinbällen gemacht, aber es war nicht wirklich Thema in in der Anatomie, in der funktionellen Anatomie. Wie bewegen wir uns?

Ralph:

Und wenn Du in die Historie einsteigst des menschlichen Trainings, dann ist das etwas, was sich schon vor Tausenden von Jahren wiederfindet. Der Mensch hat selten gehoben, sondern er hat sehr früh verstanden eben aufgrund der Tätigkeit, wie wie jag ich, wie wie bewege ich etwas, wie erzeuge ich wie erzeuge ich Kräfte, dass die Rotation genau das ist. Und dann hatte er natürlich den Stock, den beschwerten Stock, den Kampfstock und da hat er schon gemerkt, dass es eben 2 Rotationsmechanismen gibt. Der eine Kreis ist vor dem Körper, der andere ist über den Kopf hinter dem Körper, wo er eben besondere Kräfte erzeugen kann. Und das hat er als Training genutzt.

Ralph:

Wir wissen leider nicht, ich hab keine Belege gefunden, wie zum Beispiel die Ritter trainiert haben. Ich weiß, dass immer ganz viele Leute sagen, fangen nicht schon wieder von den Rittern an. Aber ich halte die Ritter für das fitteste, wahrscheinlich mit die fittesten Wesen, die jemals auf dieser Erde rumgelaufen sind, weil man muss überlegen, son Schwert und ich hab das ja beim Achim in der Hand gehabt, ne, ist 5, 6 Kilo schwer. Wenn Du in 5, 6 Kilo... Du hast heute 2 Kilo, ne, ja oder ein paar Sachen geschmungen, die deutlich leichter waren.

Ralph:

Die erzeugen natürlich durch die Rotation extrem höhere Fliehkräfte. Und 5 Kilo Schwert erzeugt halt locker mal das Vier-, Fünffache seines Gewichts, wenn Du wenn Du es schwingst. Gleichzeitig bist Du eine Rüstung und hast auch noch ein Schild in der Hand, Du dich verteidigen musst und das in voller Bewegung. Das kann man sich überhaupt nicht vorstellen, was das für Kräfte sind, die Walten. Plus, wenn Du nach Südindien guckst und da sind diese diese Trainingsformen halt wirklich Jahrtausende alt.

Ralph:

Die haben ja schwingen seit Jahrtausenden diese diese Keulen, lange Stäben mit schweren Köpfen dran. Das ist hat was sehr viel mit Spiritualität zu tun, das hat viel mit Ring dem Ringersport da zu tun, so haben die trainiert. Die haben ja immer früher auf Sand gerungen, was ein viel langsameres Ringen ist, als wie es auf der Matte stattfindet. Und das hat alles mit Rotationskraft zu tun. Da so haben die sich gekräftigt.

Ralph:

Und und das ist wirklich fast so alt wie Yoga. Yoga ist die älteste Trainingslehre, die es gibt auf der Welt und das ist fast ähnlich alt. Und Du findest es immer wieder und selbst wenn wir uns mal wirklich an die Nase fassen und mal gucken, die nationalsozialistischen Filme, die wir so kennen vom Nürnberger Reichsparteitag, wo so weiße Jünglinge und Mädels mit Holzkeulen geschwungen haben. Selbst bis da rein war das ja. Oder wir haben da vorne als Türstopper son Schleuderball.

Ralph:

Mhm. Das heißt, wir hatten immer diese Trainings Trainingsgeräte, ja, die irgendwas mit Rotation und Schleudern zu tun hatten. Und die der Effekt, dass wir auf diese Trainingsform gekommen sind, wie wir sie heute eigentlich ausm Fitnessstudio kennen, ist ist eigentlich eine ganz frappierende. Ich hab letztes Jahr Boyd Eppler getroffen, das ist schon 2 Jahre her. Das ist der Begründer der NSCA, National Strength Conditioning Association aus den USA, 1 der größten organisierten Verbände von Trainern, von Wissenschaftlern, die unheimlich wissenschaftliche Publikation.

Ralph:

Der war der 1. Strength and Conditioning Coach im American Football. Die haben vorher kein Krafttraining gemacht. Das ist fand ich ein unheimlich spannendes Thema, weil er das auch so explizit erwähnt hatte als Boyd Eppler, wie gesagt, ist der Begründer der National Strength and Conditioning Association aus den USA, die mittlerweile weltweit unterwegs sind. Und er war der 1.

Ralph:

Strength Coach im American Football, im College in der in den USA. Und das fand ich erst mal schon mal irre, weil das eher das auf das auf die Siebzigerjahre terminiert hat, dass vorher die American Footballspieler kein Krafttraining gemacht haben. Das kann man sich ja heute überhaupt nicht mehr vorstellen, weil das ist ja son Sportart, die heute Du sofort mit mit Krafttraining und Kraftraum verbindest und das wird natürlich auch grade in den Colleges immer so hergestellt, wie toll und wie stark die ganzen Spieler sind und das natürlich zurückführend auf ihr Training. Der hat aber eine Cholerialation festgestellt zwischen dem olympischen Gewichtheben und der Spieldauer 1 American Football Spiels. Also der Spieldauer, nicht der Gesamtspieldauer, sondern 1 Spielzugs.

Ralph:

Der dauert nämlich meistens nicht länger als 2 bis 3 Sekunden, bis der Spieler Impact hat mit seinem Gegenspieler. Also vor allen Dingen die Line Spieler. Klar, die laufen längere Routen, der kauft sich Zeit, das zu werfen, aber die Line Spieler sind halt relativ schnell mit Impact. Das dauert 2 bis 3, 3 Sekunden. Das ist ziemlich genau die Zeit, wo Du ein Umsetzen machst und ein Ausstoßen machst, die Du dafür brauchst.

Ralph:

Und dann habe ich gesagt, oh, das ist ja auch sehr ähnlich da dran, ne. Die müssen die Leute blocken. Die haben diese Bewegung. Also hat das etwas miteinander zu tun und ich trainier die jetzt, ich fang ja jetzt mal an, die so zu trainieren. Damit hat er sehr viel Erfolg gehabt mit der Uni, die er so gemacht hat.

Ralph:

Dann kamen natürlich alle, was machst Du denn da? Und daraus entstand dann im Endeffekt die moderne Art des Krafttrainings basierend auf der Idee, wie mache ich American Football Spieler stärker und das basierend auf dem olympischen Gewichtheben. Olympisches Gewichtheben ist aber in der menschlichen Bewegungslehre eigentlich für eine Sache gut, für olympisches Gewichtheben. Weil kein Mensch mit 2 Beinen auf der Erde stehend eine Bewegung ausführt. Außer er muss was hochheben.

Ralph:

Aber wie häufig machen wir das möglich? Und wie häufig machen wir das aus dieser statischen Position? Selbst wenn Du irgendwie schwere Taschen aus deinem Kofferraum hast, beugst Du dich da drüber und kommst aus' Rotation. Wenn wir gucken, wie Leute früher auf der Farm gearbeitet haben, wenn Du einen Heuballen auf einen auf einen Anhänger von einem Traktor werfen willst, gehst Du ja nicht in die Kniebeuge und wirfst den hoch wie jetzt mal bei Hirox ein Wallball, Sondern Du gehst seitlich, greifst den, rotierst an und schmeißt das mal schmeißt den Ballen hoch. Das heißt, es ist eine sehr unnatürliche Bewegung im Endeffekt, die aber die einzige Bewegung ist, in der wir so stark sind, eben diese Gewichte zu bewegen in dieser linearen Bewegung.

Ralph:

Aber in dieser Form der Bewegung sind wir eigentlich, auch wenn es martialisch und wahnsinnig stark aussieht, sind wir nicht im Gegensatz zu anderen Spezies auf dieser Erde. Ich bringe mal das Beispiel, dass die Ameise ja bis zu dem Vierhundertfachen ihres Gewichts selber tragen kann, ja. Wenn wir das Dreifache unseres eigenen Körpergewichts stemmen können, zählen wir schon zu den stärksten Menschen, die auf dieser Erde rumlaufen, ja? Und deshalb ist diese lineare Bewegung nichts, was uns wirklich entspricht. Aber wenn ein Golfer mit' Golfschläger aus der Rotation über die Vorspannung, über das fasziale System seinen Schlägerkopf beschleunigt, erzeugt er halt Kräfte, die weit über dem liegen.

Ralph:

Und der Impact ist halt auch viel größer und es ist viel natürlicher als das, was was der Gewichtheber macht.

Sebastian:

Wir sehen, dass in den Fitnessstudios wird viel sitzend trainiert, viel linear trainiert. Wenn ich jetzt meiner Mutter, die wird im Oktober 80 oder meinem Schwiegervater mit Mitte 70 erzählen soll, warum Rotation für ihn so extrem wichtig ist. Was würdest Du mir raten, ihm zu sagen oder ihr?

Ralph:

Weil es alle Elemente des menschlichen Körpers anspricht, die für die Gesunderhaltung wichtig ist. Das heißt, Du schulst nicht nur deine Bewegungsvorstellung, Du kräftigst dich dabei, Du mobilisierst dich dabei, Du schulst Balance, Du schulst aber auch, weil Du rotierst, hast Du ja eine Beschleunigung. Du hast eine Counterrotation. Das heißt, Du bremst ab unter Umständen. Du beschleunigst wieder.

Ralph:

Das heißt, es ist etwas, was dich schult, dich natürlich zu bewegen. Und grade im Alter ist das ja extrem wichtig, diese diese elastische, natürliche, runde Bewegung zu haben, weil dann bin ich auch auf alles vorbereitet, was mich vielleicht dazu verleiten könnte, zu zu fallen, weil das ist der Anfang vom Ende im Alter. Der Hüftbruch ist der Anfang vom Ende. Und das hat etwas auch mit Kraft zu tun und das ist das, wo ich immer mit der Lungivity Thematik fremdele, weil die einem immer erzählen, dass nur das Krafttraining das Ausschlaggebende ist, dass ich das eben nicht habe, dass ich stolpere und falle. Aber Krafttraining alleine macht mich nicht schnell und macht mich nicht reaktionsschnell.

Sebastian:

Ja. Ich hab früher auch schon vor vor 15 Jahren gesagt, eigentlich müssen wir propräzeptiv anfangen. Wir müssen über Nervenleitgeschwindigkeiten, Kommunikation zwischen Gelenk und Gehirn reden, denn wenn unten was passiert, also zum Beispiel der Stolperer, die die alten Leute brechen sich ja nur etwas, weil quasi diese Verbindungsstruktur über Faszien, Nerven zu unserem Gehirn so langsam ist, dass bis das Gehirn merkt, bin gestolpert, liegt der alte Mensch schon aufm Boden und hat sich etwas gebrochen. Heißt, die Rückkopplung zwischen meinem Fuß und meinem Gehirn und der Weg wieder zurück, nämlich das Gehirn sendet ein Signal, Fuß mach mal so oder mach mal Körper, mach mal dies, damit nichts Schlimmes passiert, ist zu langsam. Ist das so?

Ralph:

Das ist so. Das ist so und auch ein Training der Bewegungsgeschwindigkeit, gibt's grade neue, sehr interessante Studien zu, ist eher in diesen Strukturen effektiver, als die Kraft zu schulen. Und das heißt ja nicht, dass wenn ich rotiere, ich nicht auch mich kräftige. Du hast es heute ja selber ausprobiert. Ich erzeuge ja, und zwar mit wenig Gewicht eigentlich, ja?

Ralph:

Also unsere leichtesten Gewichte, wir haben ja darüber gesprochen, dass wir noch leichter werden müssen. Wir werden bei einem halben Kilo anfangen. Ich verspreche es,

Sebastian:

aber Okay.

Ralph:

Fangen wir bei einem Kilo an, ja? Das ist unsere unsere Range ist von ein bis 10 Kilo, aber die meisten für ein für ein Rotationswinkel reicht ein bis anderthalb bis 2 Kilo. Weil durch die Rotation das Gewicht ja nicht das Gewicht bleibt. Durch die Fliehkräfte multipliziere ich das Gewicht. Das heißt, ich kann hier auch noch mal kurz diese Robert Hatting Geschichte erzählen, weil es so schön illustrativ ist.

Sebastian:

Ein relativ erfolgreicher Diskuswerfer.

Ralph:

Ein relativ ist gut. Ich glaub, der erfolgreichste aller Zeiten, ne. Vierfacher Weltmeister und Olympiasieger. Wer kann das von sich sagen? Mit dem ich ein Telefonat hatte und ich hab ihn gefragt, Robert, kannst Du quantifizieren, wie viel Kraft Du auf dem in deiner Hand hast, wenn Du den 2 Kilo Diskus loslässt, einen 70 Meter Wurf durchzuführen.

Ralph:

Was ja vorher nur durch Rotation, ne. Er rotiert ja, beschleunigt über die Hüfte und dann schleppt er den Arm hinterher und lässt das Ding los. Und er hat mir gesagt, dass sie das dass sie's messen messen konnten und dass bei seinen 70 Meter Würfen er 750 Newtonmeter Kraft erzeugt hat, was rechnerisch das Sechsunddreißigfache ungefähr des Gewichts ist seines Diskos. Das ist nur durch Rotation. Und das erzeuge ich ja mit meinen Tools auch, je nachdem der Bewegungsimplitude.

Ralph:

Jetzt sag ich mal, mit' siebzig- oder achtzigjährigen Dame würd ich natürlich kleinere oszillierende Bewegungen machen, aber es quantifiziert trotzdem quantifiziert trotzdem das das multipliziert, Entschuldigung, multipliziert das Gewicht, das und dem muss sie widerstehen. Und das baut Kraft aus. Aber gleichzeitig muss sie beweglich bleiben dabei. Gleichzeitig schult sie die Propriozeption, weil sie ja die Bewegung steuern muss. Gleichzeitig das Nervensystem bekommt ganz andere Informationen, weil nicht jeder Schwung der gleiche ist.

Ralph:

Das heißt, es Du musst es immer wieder ausbalancieren. Du musst es koordinieren. Das heißt, wir schulen eigentlich alle Talente des menschlichen Körpers in 1 Bewegung und das, ohne die Gelenke zu belasten.

Sebastian:

Wir haben in diesen Tagen, wo ich jetzt hier sein darf in Köln, diesen Stunden haben wir ja jetzt auch und werden das wahrscheinlich in Zukunft auch noch des Öfteren tun über über Sport, über Leistungssport auch viel gesprochen, heute auch viel über Sprint. Du hast ein, ich sag mal, ein 1 eigentliches Aufwärmvorbereitung multifunktionales Programm für Hyrogs entwickelt, Ramp. Das basiert son bisschen auf deiner eigentlichen Trainingsidee, aber lass uns diesen Part einfach komplett überspringen, weil das würde, glaube ich, für viele

Ralph:

da sprechen wir noch eine Stunde Minimum.

Sebastian:

Einfach zu tief auch in die Materie einsteigen. Lass uns am Ende noch mal son bisschen vielleicht Rehabilitation und Prävention beleuchten. Wo beginnt Prävention und wo beginnt Rehabilitation? Und brauchen wir überhaupt eine Trennung zwischen Prävention und Rehabilitation oder können wir es ein Stück weit vielleicht auch auflösen? Du hast schon gesprochen davon, wie Du so in den Tag reinstartest.

Sebastian:

Ich glaube nicht, dass Du deinen Tagesstart als das mein Präventionsprogramm bezeichnen würdest und wahrscheinlich würdest Du es auch nicht als mein Rehabilitationsprogramm bezeichnen und trotzdem tust Du dir etwas, was in beide Richtungen einzahlt ein Stück weit.

Ralph:

Ja, definitiv. Für mich ist das dieser Start in den Tag, also ich starte immer mit' Training in den Tag, Training draußen, selbst im Winter. Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Ich trainiere so weit es geht, barfuß zum Beispiel, auch die Fußstrukturen zu kräftigen. Das hat natürlich ganz viel mit Prävention zu tun.

Ralph:

Aber für mich ist das einfach auch der Start in den Tag, bei mir selber zu sein, meine Zeit für mich zu haben, Energie zu erzeugen. Das ist auch das ist sehr schön, das können wir von den Indern auch lernen. Die starten morgen, sich zu, wie sagt man das über auf Deutsch? Im Englisch würde man sagen,

Sebastian:

Energetisieren. Wir laden uns ein Stück weit auf

Ralph:

Wir laden uns für

Sebastian:

den Tag. Vielleicht ist das

Ralph:

Das ist sehr gut, das ist sehr gut. Wir laden uns für den Tag auf, ist super. Genau das ist es, weil wir kommen aus dem Bett. Wir haben die ganze Nacht gelegen, ja. Dafür sind wir auch nicht wirklich gemacht, ja.

Ralph:

Klar, wir ruhen uns so aus, aber dann haben wir ganz viele Leute, wir sagen, wir sprechen immer von dieser Bettschwere, die ich, seitdem ich so trainiere, übrigens nicht kenne. Ich kann ausm Bett springen, ich bin sofort da. Aber dann erzeuge ich Energie, Energiefluss, die ich ja nachts nicht habe. Und der Mensch und wir sind alle Energie. Und Energiefluss ist etwas, was extrem wichtig ist, sauber durchs Leben zu kommen, sauber durch den Tag zu kommen.

Ralph:

Das heißt, morgens energetisieren wir uns. Und das Spannende ist, dass Sie abends ein etwas anderes Rotationsprogramm machen, genau die gegenseitige Wirkung zu haben, dass sie sich sozusagen müde trainieren, dann eben gut und erholsam zu schlafen. Das heißt, die haben diese beiden beiden Zentren morgens und abends. Und das ist besonders spannend, weil wir arbeiten mit Professor Schleif zusammen, einem der großen Fasziengurus. Der sagt, dass die Faszienadaption etwas mit unserem Tagesrhythmus zu tun hat.

Ralph:

Wir adaptieren morgens, abends, als er sagt immer nachmittags, aber wenn wir überlegen, der Mensch hat ja früher gelebt, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang. Und wir leben natürlich heute durch künstliche Beleuchtung ganz anders, ja, so wie jetzt auch. Draußen ist es dunkel. Wir sitzen hier schon beim Licht. Wir haben aber beim Hellen angefangen.

Ralph:

Normalerweise wären wir jetzt ja schon in ins Ruhezustand. Das heißt, wir sprechen über Nacht. Und das hat was mit der Faszie zu tun, die adaptiert morgens anders als abends. Du kannst sie dementsprechend auch im Training anders triggern. Komischerweise haben das die Inner, ohne darüber wahrscheinlich Bescheid zu wissen, intuitiv schon vor 1000 Jahren gemacht.

Sebastian:

Wenn wir wenn wir jetzt hier auf die Gesellschaft schauen, dann sehen wir oft, dass wir einfach dort behandeln und rehabilitieren, wo es wehtut. Ist das oder ist das der Weg? Oder was hat das vielleicht auch, frag ich mich son bisschen mit, haben wir eigentlich ein Stückchen verlernt, unserem Körper zuzuhören und unseren Körper wahrzunehmen. Weil ich sag einfach mal, Schmerz zu empfinden irgendwo, das ist zwar vielleicht nachher die Auswirkung, aber das muss noch lang nicht die Quelle dessen sein. Und vielleicht, wenn wir ein bisschen mehr Körperwahrnehmung hätten, hätten wir die Quelle schon viel früher wahrgenommen, aber wir haben's vielleicht verlernt.

Sebastian:

Ist das son bisschen in die Richtung oder denkst Du anders drüber?

Ralph:

Nee, denke nicht anders drüber. Ich hab das sehr gut dargestellt. Es ist einerseits, dass wir unsere Körperwahrnehmung, unsere Selbstwahrnehmung ja auch gerne heute an Geräte abgeben. Meine Uhr sagt mir, wann ich gut geschlafen habe. Meine Uhr sagt, wann ich wieder erholt bin.

Ralph:

Meine Uhr sagt mir, das und dies und jenes. Dadurch gebe ich die Verantwortung ab ungefähr, ja. Ich hab aber gar kein Gefühl mehr dafür, was fürn Pacing ich habe, ne. Ich fand das total spannend jetzt bei Josh Curve vor seinem Meilenweltrekord. Der ist ja bei seinem Meilenweltrekord die Splittimes teilweise auf die Zehntelsekunde gleich gelaufen.

Ralph:

Das hatte er vorher trainiert, diesen Weltrekord zu laufen. Und er wusste ja genau, was er laufen wollte. Da guckt er aber nicht auf seine Uhr. Das heißt, er er hat seine innere Uhr, seine Selbstwahrnehmung so trainiert, dass er exakt auf die Zehntelsekunde genau die 200 Meter Splittimes getroffen hat. Jede 200 Meter war, glaub ich, 4 Zehntelsekunde auseinander über die gesamte Meile.

Ralph:

Wir haben ja so Rhythmen. Ich wach immer zur gleichen Zeit aus. Das ist teilweise auf die Minute exakt. Ja, wir haben Rhythmen und die müssen wir ja nur wahrnehmen. Und das ist in der Bewegung genauso.

Ralph:

Ich merke doch, wann ich einen Rhythmus habe, wann ich mich treffe. Wir waren ja vorhin auch, wo ich gesagt hab, denk an den Speerwerfer, der das Ding abwirft, sich umdreht und jubelt, ohne zu gucken, wo das Ding landet, weil er genau weiß, den hab ich 100 Prozent erwischt. Wir haben vorhin mit Jannik Wolf eine Trainingseinheit gemacht. Der sagt, ich weiß, wenn ich meinen ersten Schritt treffe, das wird ein guter Lauf, ja? Weil er genau diese die die die diese Spannung spürt.

Ralph:

Wir haben dieses Gefühl, wir müssen uns nur drauf verlassen und wieder dahin kommen, sich drauf verlassen zu können. Und deshalb hat das ganz viel mit Selbstwahrnehmung natürlich zu tun. Und auch Selbstwahrnehmung, ob wir wirklich degenerative Strukturen wahrnehmen und wissen, weil der Schmerz übertüncht natürlich vieles. Ich hab diese Geschichte vorhin schon erzählt, ich erzähl sie gern noch mal von dem Läufer, der der zu zu Joseph Schwarz, einem herausragenden Physiotherapeuten in in Kalifornien kommt und er sagt, dass er eigentlich seit 2 Jahren nicht mehr richtig laufen kann, weil er Knieprobleme hat. Wo haben die Ärzte hingeguckt auf das Knie und haben versucht, den Fehler im Knie zu finden?

Ralph:

Joseph Schwarz hat ihn hat ihn gehen lassen, hat er Ganganalyse gemacht, hat festgestellt, es ist nicht das Knie, es ist der Gluteus, der linke mediale Gluteus, der komplett verkürzt ist, verhärtet ist, hat den gelockert und der Mann war beschwerdefrei ohne Intervention von Medikation, von irgendetwas. Ich glaube, die westliche Medizin hat das Problem, dass sie nur in Disziplinen denkt. Wir müssen anfangen, den Menschen ganzheitlich zu betrachten. Deshalb bin ich großer Verfechter dieser dieser Strömung der funktionalen Medizin wieder, ja? Die natürlich von der klassischen Medizin immer so, ja, ihr wisst von allem ein bisschen, aber nicht von allem was.

Ralph:

Aber sie betrachten den Menschen die ganze Zeit, sie gucken auf Ernährung, sie gucken auf Gewohnheiten, ja? Sie sie sie beschäftigen sich mit dem Menschen. Die klassische Medizin beschäftigt sich ja mit dem Menschen nicht wirklich. Meine Frau hat Migräne, hat Kopfschmerzen, das alles basierend auf einem Autounfall, den wir vor, boah, über 30 Jahren hatten, 40 Jahren fast, ja? 35 Jahren.

Ralph:

In' Ente ohne Kopfstück nach hinten, Kopf nach hinten durchgeschlagen. Seit dieser Zeit versucht sie zu ergründen, warum das so ist. Das Einzige, was die klassische Medizin macht, was ist dein Schmerzbild? Wie können wir das Schmerzbild beheben? Aber nicht, wo das das die Ursache.

Ralph:

Mhm. Jetzt war ich in Berlin auf' Longivity Kongress, hab ein funktionellen Mediziner aus Köln getroffen, der sagt, es gibt dieses und diese ins Buch. Das könnte sein, das nennt sich instabile Halswirbelsäule. Das passiert bei solchen Unfällen wie in' wie in' Autounfall mit ohne Kopfstütze, dass die Bänder reißen. Das kannst Du aber nur in' Upright MRT sehen, sonst kannst Du das nicht erkennen und das macht nie jemand.

Ralph:

Das ist aber der 1. Mal, der versucht hat, einen Ansatz zu Überhaupt

Sebastian:

ein Ansatz zu finden, ja.

Ralph:

Genau. Und das ist, glaube ich, unser großes Problem und das ist der Unterschied dann natürlich zu den asiatischen Ländern, die natürlich aus der aus ihrer Kultur heraus ein ganz anderen Ansatz zu Medizin und zu Gesunderhaltung haben. Das ist ja eine ganz interessante Geschichte, dass die chinesischen Mediziner früher, die ja für Communities zuständig waren, Die wurden nur bezahlt, wenn die Communities nicht krank wurden.

Sebastian:

Genau, gesund. Also Die Gesunderhaltung.

Ralph:

Gesunderhaltung. Gesunderhaltung. Und heute bezahlen wir Leute, dass sie uns von der Krankheit heilen im Endeffekt, was sie meistens nicht tun, sondern sie bekämpfen ja nur die Symptome. Ja. Ja, wir müssen wieder dahin kommen, in diese Prävention zu denken.

Ralph:

Wir müssen es schaffen, unsere Communities und uns und unser Umfeld gesund zu halten. Das hat viel auch mit Selbstwahrnehmung zu tun, aber auch mit Selbstverantwortung.

Sebastian:

Ich hab, müssen ganz, ganz allmählich son bisschen zum Schluss kommen, auch wenn ich absolut überzeugt bin, dass ich in ein paar Jahren wieder mit dir am Tisch sitz und Sehr gerne. Noch mal ein Podcast aufnehmen. Ich hab ein paar, ich sag mal, schnelle Fragen zum Schluss, die Du wahrscheinlich doch noch ausführlich beantworten willst.

Ralph:

Ich versuch's gut zu

Sebastian:

so ist alles gut. Wir waren vorher draußen in deinem Garten, da liegen verschiedene Sachen und wenn von dir verlangen müsste, Du musst hier weg und Du darfst eine Sache mitnehmen und eine Bewegung für den Rest deines Lebens. Die darfst Du auch jeden Morgen weiterhin machen. Was würdest Du mitnehmen und welche Bewegung würdest Du auswählen?

Ralph:

Ich... Einzige? Ja. Okay. Ich würde...

Ralph:

Das ist ein Prototyp immer noch, den habe ich dir vorhin gezeigt. Das ist ein 1 sehr kurzer schwerer Sticksitz, der der an einem längeren Band ist, mit dem ich aber alle Bewegungsebenen abbilden kann. Das heißt, ich kann ihn in alle Richtungen schwingen über den Kopf, hinterm Körper, vor dem Körper. Der erzeugt unheimlich hohe Kräfte und ich kann im Endeffekt fast alles damit trainieren und es erzeugt eine tanzähnliche Bewegung. Ich kann das zur Musik machen, das ist unglaublich erhebend, das zu machen.

Ralph:

Ich glaube, das ist die kompletteste Bewegungslehre, die man machen kann. Ist auch relativ komplex in der Anwendung. Da muss man lange trainiert haben, das hinzukriegen. Aber das wär das Teil, was ich mitnehmen würde, weil es eigentlich in der Rotation keine Limitationen hat.

Sebastian:

Wenn Du so an die letzten 5, 6 Jahre zurückdenkst, wo Du dich noch mal ganz anders auch mit Bewegung auseinandergesetzt hast, mit ja, viel auch Neuem, mit auch Historie. Wo kommen wir her? Was ist vielleicht auf dem Weg verloren gegangen? Was könnten wir vielleicht wieder gut gebrauchen und implementieren? Gibt es eine Überzeugung, die Du immer hattest, von der Du dich in diesen Jahren trennen musstest, weil Du mittlerweile denkst, das war eigentlich blöd, was ich da an Überzeugung hatte?

Ralph:

Nein. Nee, ehrlich gesagt nicht, weil ich ja eben durch meine sportlichen Werdegang sehr früh und auch durch die, kann man's vielleicht Glück nennen, ich konnte nie richtig Kraft aufbauen. Das heißt, das klassische Krafttraining hat bei mir keine große Wirkung erzeugt. Ich hab zwar relativ viel davon gemacht, aber es war eben, es hatte nicht den Effekt. Und dann bin ich sehr früh auf andere Trainingsformen gekommen.

Ralph:

Also wir haben ganz viel schon in meiner Sporthochschule, in den Achtzigerjahren wahnsinnig viel mit Medizinball gearbeitet und immer in der Rotation. Und ich hab immer noch Amerikaner, die damals hier waren, im American Football hier gespielt haben, die ich mit denen ich noch noch noch Kontakt habe in den USA, die erzählen heute noch von diesen von diesen Medizinball Sessions. Das heißt ja, ich hab sehr früh angefangen, anders zu arbeiten. Ich glaube auch, weil ich viele Coaches hatte, die anders gedacht haben. Wir haben vorhin schon über Eckart Hood gesprochen, der der Sprungtraining ganz anders gedacht hat, der Krafttraining für Sprung ganz anders gedacht hat.

Ralph:

Das war mir damals gar nicht so bewusst, wie innovativ dieser Mann war. Und es ist eigentlich heute erst geworden, weil das relativ nah an dem ist, wie was ich heute denke mit Rotation. Er hat es halt nur auf diese wahnsinnig hohen Belastungen des Dreisprungs übertragen und des Weitsprungs übertragen, ne. Und deshalb hat mich eigentlich keine Überzeugung eben musste ich aufgeben auf dem Weg.

Sebastian:

Wir werden natürlich, wer jetzt richtig neugierig geworden ist, wie das alles heißt. Wir werden das alles in den Shownotes natürlich verlinken, deine Firma, auch die Produkte. Wie gesagt, ich durfte sie hier in den Tagen in Köln kennenlernen und bin fasziniert. Ich hab noch 2 Fragen zum Schluss. Ralph, wenn dein Leben ein Bild wäre, wäre es heute schon fertig?

Sebastian:

Oder würdest Du sagen, nee, da fehlt noch was und hättest Du, musst dich konkret benennen, aber hättest Du eine Ahnung, in welche Richtung das gehen könnte, was da noch fehlen könnte? Also

Ralph:

ein Leben ist ja nie fertig. Also es ist dann fertig, wenn wir unseren letzten Atemzug ausgehauft haben. Und und mein Ziel ist es, bis zu diesem letzten Atemzug aktiv zu sein. Es gibt dieses wunderbare Bild, dass wir sein wollen wie ein Löwe. Ein Löwe stirbt dann, wenn er eigentlich zu müde ist zu jagen.

Ralph:

Das heißt, und dann ist er ganz schnell tot. Genauso möchte man ja eigentlich, ne, ich möchte keine, ne, und das ist ja das Ziel der Prävention, so lange eben leistungsfähig zu sein, dass wir dann ganz schnell abtreten. Und bis dahin hoffe ich, es ist noch relativ lang. Dafür tue ich natürlich auch, das ist ein Grund, weshalb ich natürlich dieses Training mache, das ist ja, ne, natürlich auch zur Gesunderhaltung, aber das ich glaube, dass ich da noch eine ganze Menge an dem Bild malen werde. Also und und wer weiß, ob das hier das der letzte das letzte Ding ist.

Ralph:

Ich hab zwar immer gesagt, das ist jetzt mein letztes letztes Ding, aber Du, das macht ja Spaß. Ich für mich ist das ja keine Arbeit. Also der Tag jetzt zum Beispiel mit dir und mit Jannik heute, ah, das gibt einem so viel, ja. Man interagiert mit Leuten, man zeigt Leuten, man kriegt ein Feedback, ne. Da kannst Du hast Du wieder neue Anregungen.

Ralph:

Was kann ich denn vielleicht noch mit? Du beschäftigst mit neuen Dingen. Ich hatte mich vorher nicht intensiv mit Sprint beschäftigt. Ich beschäftige mich ja allgemein mit der Rotation und mit welcher Auswirkung das auf auf die Allgemeinathletik hat, ja, aber nicht speziell auf den Sprint, das könnte ich ewig weitermachen. Also von daher hoffe ich, dass da noch ganz viele Pinselstriche dazukommen, ehrlich gesagt.

Sebastian:

Du hattest mir heute im Lauf des Tages auch erzählt, ja, könntest dir auch vorstellen, in Portugal dich zur Ruhe zu setzen und da einfach ein bisschen Personal Trainer zu sein. Ich kann's mir tatsächlich nach der Zeit hier in Köln nicht vorstellen, dass Du nur ein bisschen Personal Trainer, irgendwas wirst Du wahrscheinlich auch in Portugal in deiner Garage noch forschen und machen. Ich ich hab noch eine letzte zum Schluss, die stellen wir übrigens jedem Gast, den wir eingeladen haben. Und zwar ist das folgende Frage, stell dir vor, Du hast son Mikrofon vor dir, wie Du's jetzt vor dir hast, aber dieses Mikrofon ist nicht mit sonem Kasten verbunden, sondern mit einem Lautsprecher und die ganze Welt hört, was Du in dieses Mikrofon sagst. Und Du hättest 30 Sekunden Zeit, dieser Welt eine Message zu geben von dir.

Sebastian:

Was würdest Du den Menschen gerne mal sagen?

Ralph:

Seid nett zueinander, respektiert euch, toleriert die Menschen euch herum. Ich glaube, wir sind von Grund auf gut. Geht mit diesem mit dieser Einstellung auf Menschen zu, weil dann ist alles, was danach kommt, Offenheit, Toleranz und hoffentlich am Ende Liebe. Und wenn wir das hinkriegen, haben wir, glaub ich, eine ganz andere Welt. Und lasst uns nicht von den negativen Einflüssen einfach übermannen.

Sebastian:

Vielen herzlichen Dank für deine Zeit und für das wunderschöne Gespräch. Vielen Dank.

Ralph:

Vielen Dank, Simone.

Intro/Outro:

Das war Goldrausch. Anders glücklich leben. Danke, dass Du dabei warst. Katharina, Sebastian und ihre Gäste freuen sich, wenn Du den Podcast abonnierst und die Reise weiter mitgehst.