Der einzig wahre skeptische Podcast der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) mit dem legendären Blogger Onkel Michael.
Wir widmen uns vielen verschiedenen Themen aus dem Bereich der Parawissenschaften und berichten, was wirklich dahinter steckt. Egal ob die so genannte Alternativmedizin, Verschwörungstheorien oder andere Mythen: wir sagen euch Bescheid!
(00:00) Herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen im weiten Podcast-Land. Mein Name ist Michael Scholz und dies ist die sechste Folge des Skepti-Talks des einzig wahren skeptischen Podcasts der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften.
(00:34) Wie immer gilt, wenn ihr Vorschläge, Anregungen, Wünsche, Lob, Kritik oder Beschimpfungen habt, schickt sie mir an skeptitalk.gwup.org oder meldet euch auf unseren Social Media Kanälen. Heute sprechen wir über ein Thema, bei dem sich historische Realität und moderne Mythen oft in einem schwer entwirrbaren Geflecht überlagern. Die vermeintliche Mystik der SS. Der sogenannte Schwarze Orden, ein Begriff, den Heinrich Himmler selbst liebte, steht bis heute für eine Mischung aus Terror, Ideologie, pseudoreligiösen Symbolen und einer bewusst konstruierten Aura des Geheimnisvollen.
(01:18) Doch hinter diesem Nebel aus Runen, Ritualen und archaischen Anspielungen steckt eine nüchterne Realität. Die SS war vor allem ein Instrument der Gewalt, der ideologischen Indoktrination und der Durchsetzung eines totalitären Staates. Die Mystik war Mittel zum Zweck psychologisch, politisch und propagandistisch.
(01:47) Was war inszeniert und was war tatsächlich Bestandteil dieses Systems? Wie entstand der Mythos der okkulten SS? Warum hält er sich bis heute und wie können wir ihn kritisch und historisch korrekt einordnen? Um zu verstehen, warum Mystik und Symbolik für die SS so wichtig wurden, müssen wir zunächst dorthin zurück, wo alles begann.
(02:10) Die SS, die Schutzstaffel, entstand 1925 als kleine abgeschottete Schutztruppe Hitlers. Zunächst war sie kaum mehr als eine uniformierte Begleitgruppe des Parteiführers. Doch mit der Zeit begann sie sich von der SA abzusetzen. Sie wurde elitärer, strenger, disziplinierter. Die frühen Rekruten wurden anhand vermeintlich rassischer Kriterien ausgewählt.
(02:38) Was heute grotesk wirkt, war damals Teil einer sich radikalisierenden Ideologie, die Vorstellung eines künstlich konstruierten arischen Elite-Kaders, der sich von der restlichen Bevölkerung abheben sollte. Etwa ab 1931 mit dem Aufstieg Himmlers begann die SS eine völlig neue Rolle anzunehmen. Sie wurde nicht nur zu einem militärischen Instrument, sondern zu einem ideologischen Experimentierlabor des Nationalsozialismus.
(03:16) Die SS war eine streng hierarchisch und nach militärischem Vorbild gegliederte Organisation, die sich als Eliteverband zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Rassenideologie verstand. An ihrer Spitze stand der Reichsführer SS seit 1929 Heinrich Himmler, dem die gesamte Organisation direkt unterstellt war. Die SS gliederte sich in mehrere Hauptbereiche, die Allgemeine SS, die für Verwaltung, Ideologie und innere Organisation zuständig war, die Waffen-SS als militärischer Arm, der im Zweiten Weltkrieg an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war,
(03:55) sowie die SS-Totenkopfverbände, die für die Bewachung und Organisation der Konzentrations- und Vernichtungslager verantwortlich waren. der Konzentrations- und Vernichtungslager verantwortlich waren. Hinzu kamen der Sicherheitsdienst SD als Geheimdienst der SS und das Reichssicherheitshauptamt RSHA, das Polizei- und Sicherheitsapparate vereinte.
(04:19) Charakteristisch für die SS war das Prinzip der doppelten Unterstellung. Viele Einheiten und Funktionsträger waren gleichzeitig mehreren Instanzen untergeordnet, was die Kontrolle und Durchsetzung der NS-Ideologie zusätzlich verstärkte. Die SS verstand sich als Sippengemeinschaft und Eliteorden, in dem strenge rassenideologische Auswahlkriterien galten und der durch Symbole, Rituale und eine eigene Verwaltungskultur geprägt war.
(04:51) Himmler selbst sprach davon, dass die SS eines Tages eine neue Adelskaste stellen soll. Eine Gruppe von Männern, die in der Lage wären, die Ideale des Regimes über Generationen hinweg zu sichern. Die SS war früh mehr als nur eine bewaffnete Organisation, sie wurde zu einem Orden, einem Gefüge aus Ritualen, Symbolen, Erzählungen und strikten Verhaltensnormen.
(05:20) Genau hier beginnt die Tür zu dem, was wir später oft als SS-Mystik bezeichnen werden. Es ist fast unmöglich über die Mystik der SS zu sprechen, ohne über Heinrich Himmler zu reden. Er war nicht nur Reichsführer SS, er war der selbsternannte Hüter einer neuen Ideologie, die er sich aus Versatzstücken von Germanenkult, okkulten Strömungen, Rassentheorien und romantisierten Vorstellungen einer vermeintlich glorreichen Vergangenheit zurechtlegte.
(05:58) Himmler war kein Historiker, er war kein Mystiker im klassischen Sinne. Er war vor allem ein Funktionär mit einem enormen Hang zur Selbstinszenierung und einer tief verwurzelten Sehnsucht nach Bedeutung. Viele seiner Ideen basierten auf fragwürdigen Quellen esoterischen Autoren des 19. Jahrhunderts und einer Faszination für alles, was alt, geheimnisvoll oder unverständlich wirkte.
(06:28) Er glaubte an eine Reinkarnation, beschäftigte sich mit Astrologie und suchte nach vermeintlichen Spuren einer arischen Urreligion. Er gründete das Ahnenerbe, eine Organisation, die archäologische, ethnologische und rassenkundliche Forschungen durchführen sollte. Oft pseudowissenschaftlich, manchmal brutal, manchmal völlig absurd.
(06:54) Expeditionen nach Tibet, Island, Skandinavien oder in den Kaukasus sollten Beweise für eine konstruierte arische Weltgeschichte liefern. Der Zweck war klar, Legitimation der Ideologie. Mystik war für Himmler kein Selbstzweck, sie war ein Werkzeug, mit dem er eine geschlossene Weltanschauung konstruieren konnte.
(07:16) Eine, in der die SS nicht nur eine paramilitärische Organisation war, sondern ein Orden, der sich in spirituelle oder metaphysische Bereiche ausdehnte. Die SS nutzte eine sorgfältig kuratierte Auswahl an Symbolen, die ihre Mitglieder täglich umgaben. Beginnen wir mit den Runen. Die berühmteste ist vermutlich die Doppelsieg-Rune, das SS-Logo könnte man so sagen.
(07:48) Sie wurde nicht aus alten germanischen Funden übernommen, sondern von einem Grafiker der NS-Zeit entworfen, der sich lose an runischen Formen orientierte. Wichtig war nicht Authentizität, sondern Wirkung. Runen wirkten alt, mystisch und bedeutungsschwer. Ideal, um eine Aura der Geschlossenheit, Exklusivität und Ursprünglichkeit zu erzeugen. Dann der Totenkopf.
(08:16) Er hatte lange Tradition im Militär, aber Himmler gab ihm eine neue Bedeutung, eine Mische aus Todesnähe, neue Bedeutung, eine Mische aus Todesnähe, Opferbereitschaft und der Bereitschaft zum rücksichtslosen Handeln. Uniformen, Abzeichen, Rangzeichen, Rituale, all das war streng durchdacht. Die SS sollte sich sichtbar von allen anderen trennen. Optik wurde zur Propaganda.
(08:49) Die Symbolik und die Symbole dienten dazu, Identität zu stiften, Loyalität zu erzwingen, eine unnahbare, elitäre Aura aufzubauen, Angst zu erzeugen, den Eindruck einer jahrhundertealten Tradition zu vermitteln. Die Mystik war dekoriert, nicht entdeckt. Sie wurde erfunden für politische Wirkung. Und es gibt kaum einen Ort, der mehr Mythen anzieht als die Wewelsburg.
(09:17) In Filmen, Romanen und Verschwörungstheorien wird sie oft als Zentrale einer angeblichen okkulten SS dargestellt. Die Realität ist wie so oft weniger spektakulär, aber nicht weniger brisant. Himmler plante die Wewelsburg als ideologisches Schulungszentrum. Die Architektur wurde verändert, um einem Ritterordensdomizil zu ähneln.
(09:50) einem Ritterordensdomizil zu ähneln. Der zentrale Nordturm wurde umgebaut und teilweise mit ornamentalen Symbolen versehen. Besonders bekannt der sogenannte Obergruppenführersaal. Ein runder Raum mit zwölf Nischen. Keine Einzelnen, altgermanische Kultstätte, sondern ein repräsentativer Raum, vermutlich für Feiern und Treffen gedacht.
(10:07) Das Bodenmosaik, das später als Schwarze Sonne bekannt wurde, war damals kein SS-Symbol und wurde nie als solches verwendet. Es hatte dekorativen Charakter und spielte keine zentrale Rolle. Es besteht aus zwölf radial angeordneten Speichen, die an Siegrunen erinnern und wurde während des Umbaus der Burg unter Heinrich Himmler von Zwangsarbeitern in den Marmorboden eingelassen.
(10:43) Ursprünglich war das Ornament kein offizielles SS-Symbol, wie gesagt, und hatte keine feste Bedeutung. Es diente vielmehr der Inszenierung einer mystischen, pseudogermanischen Atmosphäre, wie sie Himmler und sein Berater Karl Maria Williguth für die SS anstrebten. Die Gestaltung sollte die Wewelsburg als ideologisches Zentrum und Versammlungsort der SS aufwerten und eine Aura von Exklusivität und Geheimnis schaffen.
(11:12) Wer war aber dieser Karl Maria Willigut, der an der Seite Himmlers hier die Wewelsburg ausgestaltete? Ja, er wurde geboren 1866 in Wien, verstarb 1946 in Arolsen und war ein österreichischer Okkultist, wandte er sich völkischen und ariosophischen Kreisen zu und entwickelte eine eigene mystisch aufgeladene Weltanschauung, die Elemente germanischer Mythologie, Runenkunde und Atlantismythen miteinander verbannt.
(12:10) Willigut behauptete von den Aßen, also einem Teil der germanischen Götterwelt abzustammen und Zugang zu geheimen Wissen zu haben. In den 1920er Jahren wurde er wegen einer psychischen Erkrankung in einer Salzburger Nervenklinik behandelt. 1933 trat Willigut der SS bei und wurde enger Berater von Heinrich Himmler in weltanschaulichen und okkulten Fragen.
(12:36) Er beeinflusste die Symbolik und die Rituale der SS maßgeblich, insbesondere bei der Umgestaltung der Wewelsburg zum ideologischen Zentrum der SS. Willigut entwarf unter anderem den Totenkopfring der SS und beschäftigte sich intensiv mit Runen, Heraldik und Symbolkunde. Aufgrund seines Einflusses wurde er auch als Himmlers Rasputin bezeichnet. 1939 musste Willigut die SS verlassen, nachdem seine psychische Instabilität und sein Hang zum Okkultismus öffentlich bekannt wurden.
(13:15) Aber kommen wir zurück zur Wewelsburg und dem Ornament, das erst in den 1990er Jahren als schwarze Sonne identifiziert und von Rechtsextremen sowie esoterischen Kreisen als Ersatz- und Erkennungssymbol aufgegriffen wurde. Heute ist die schwarze Sonne international eines der bekanntesten Zeichen der rechtsextremen Szene und wird in diesem Milieu mit rassistischen, okkulten und verschwörungsideologischen Bedeutungen aufgeladen.
(13:48) Ihre Popularität zeigt, wie ein ursprünglich dekoratives Element durch Mythenbildung und politische Instrumentalisierung eine neue gefährliche Symbolkraft entwickeln kann. Viele Legenden stammen aus der Nachkriegszeit, teils durch Sensationspresse, teils durch esoterische Autoren der 1950er und 1960er Jahre. In diesem Zusammenhang müssen wir uns auch mit Wilhelm Landig beschäftigen.
(14:13) Wilhelm Landig, geboren 1909 in Wien, verstorben 1997 ebenfalls in Wien, war ein österreichischer rechtsextremer Schriftsteller und ehemaliges SS-Mitglied. Bereits in seiner Jugend Anhänger Adolf Hitlers trat er 1926 der Hitlerjugend und im Herbst 1933 der SS bei. Nach dem gescheiterten NS-Putsch in Wien 1934 floh Landig ins Deutsche Reich und schloss sich dem Sicherheitsdienst des Reichsführers SS sowie später der 8.
(14:52) SS-Kavallerie-Division Florian Geier an, wo er bis zum Oberscharführer aufstieg. Während des Zweiten Weltkriegs war er unter anderem an der Partisanenbekämpfung auf dem Balkan für die Waffen-SS tätig und wurde 1944 in Belgrad verwundet. Nach Kriegsende geriet er in britische Gefangenschaft und wurde 1947 freigelassen.
(15:26) Nach dem Krieg engagierte sich Landig in verschiedenen rechten Parteien und gründete den Volkssturm Verlag in Wien, in dem auch seine eigenen Bücher erschienen. Besonders bekannt wurde er durch seine Thule Trilogie. Diese Thule Trilogie besteht aus den Romanen Götzen gegen Thule, erschienen 1971, Wolfszeit um Thule, erschienen 1980 und Rebellen für Thule, das Erbe von Atlantis, erschienen 1991. Die Werke sind vor allem in rechtsextremen und esoterischen Kreisen verbreitet und verbinden rassistische Mythen mit okkulten und verschwörungstheoretischen Inseln.
(16:09) Mythen mit okkulten und verschwörungstheoretischen Inseln. Im Mittelpunkt steht die Idee einer blauen Insel in der Arktis, von der aus das traditionelle Leben und Wissen zurückerobert werden soll. Landig greift dabei auf Motive wie die Reichsflugscheiben, Atlantismythen und die Vorstellungen einer geheimen Elite zurück.
(16:28) Die Romane sind als Abenteuer- und Verschwörungsromane angelegt und schildern die Flucht deutscher Soldaten und Wissenschaftler nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre geheimen Technologien und ihre Suche nach verborgenen Ursprüngen der Menschheit. Technologien und ihre Suche nach verborgenen Ursprüngen der Menschheit.
(16:53) Besonders im dritten Band Rebellen für Thule werden Atlantis-Mythen, die Herkunft der schwarzen Sonne und die Wanderungen alter Völker thematisiert. Die Bücher ziehen eine Brücke von der NS-Zeit über die Gegenwart bis in eine angeblich 4000-jährige Vergangenheit und versuchen, Gemeinsamkeiten in Überlieferungen und Überzeugungen verschiedener Völker aufzuzeigen. Die Thule-Trilogie ist literarisch umstritten und gilt als Schlüsselwerk für die sogenannte Landig-Gruppe, die nach dem Krieg rassistische und okkulte Ideen weiter verbreitete.
(17:31) Die Romane sind geprägt von einer Mischung aus Fakten, Fiktion und politischer Ideologie und haben in rechtsextremen Kreisen bis heute Einfluss. Ich habe mal einen Teil dieser Bücher gelesen, immer wieder mal reingelesen und diese als krude zu bezeichnen, ist noch milde ausgedrückt, aber viele Vorstellungen über die okkulte SS, über den okkulten Nationalsozialismus gehen auf diese Bücher und auf die Erzählungen dieser Landeck-Gruppe zurück.
(18:05) Aber kommen wir zurück zu unserem eigentlichen Thema. Die SS arbeitete intensiv an einer ideologischen Identität, aber keine Hinweise deuten darauf hin, dass die Wewelsburg ein Ort ernsthafter okkulter Praktiken war. Die Mystik entsteht oft dort, wo der Schrecken nicht reicht, um das Unbegreifliche zu erklären. Aber das Grauen der SS war real und das ganz ohne Zauberei.
(18:37) Die wahre Gefahr liegt darin, dass pseudohistorische Symbole eine falsche Aura von Bedeutungen erhalten, die sie nie hatten. Die SS führte zahlreiche Rituale ein, aber diese waren weniger geheimnisvoll als oft behauptet. Belegte Rituale waren hier zum Beispiel die Sonnenwendfeiern, pseudogermanische Hochzeiten, Pseudotaufen mit arischen Namen, Ahnenforschung war Pflicht, Jahrestage und Totengedenktage.
(19:13) Diese Rituale dienten der Gemeinschaftsbindung, der ideologischen Einbindung, der Abgrenzung von christlichen Traditionen und der Inszenierung eines angeblich arischen Urerbes. Es war eine neue Religion, aber keine spirituelle Religion, sondern eine politische. Die SS wollte eine Symbol- und Ritualwelt schaffen, die das Alte ersetzte und das NS-Weltbild in alltägliche Gewohnheiten überführte das Ahnenerbe gilt heute oft als der okkulte Arm der SS die Wahrheit ist weniger aber nicht weniger erschreckend. Es war eine Organisation, die Wissenschaft instrumentalisierte
(20:07) oder besser die Wissenschaft pervertierte. Archäologie wurde zur Suche nach Beweisen für Rassentheorien. Ethnologie wurde zur Rechtfertigung kolonialer und militärischer Gewalt, anthropometrische Forschungen wurde zur Grundlage rassistischer Propaganda. Und das Ahnenerbe war an medizinischen Verbrechen beteiligt.
(20:37) Das ist kein Mythos, das ist bitte Realität. Die Mystik, die mit dem Ahnenerbe verbunden wird, ist oft eine Überhöhung der Nachkriegszeit. Viele Expeditionen hatten eher folkloristischen als okkulten Charakter. Aber die Organisation war ein zentraler Teil des SS-Systems, weil sie die ideologischen Grundlagen schuf, die die Gewalt legitimieren sollten. Das Ahnenerbe wurde 1935 von Heinrich Himmler und Hermann Wirth als Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte Deutsches Ahnenerbe gegründet und war ab 1937 als Forschungs- und Lehrgemeinschaft das Ahnenerbe e.V., bekannt.
(21:30) Die Organisation war dem persönlichen Stab des Reichsführers SS angegliedert und wurde ab 1939 von Heinrich Himmler als Präsident und Wolfram Sievers als Geschäftsführer geleitet. Später übernahm der Indologe Walter Wüst die wissenschaftliche Leitung. übernahm der Indologe Walter Wüst die wissenschaftliche Leitung.
(21:52) Das Ahnenerbe gliederte sich in verschiedene Abteilungen und Institute, die sich mit archäologischen, anthropologischen, ethnologischen und rassenkundlichen Forschungen beschäftigten. Ein besonders berüchtigtes Teilinstitut war das Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung, das unter anderem medizinische Menschenversuche in Konzentrationslagern durchführte. Der Zweck des Ahnenerbes bestand darin, die Ideologie des Nationalsozialismus wissenschaftlich zu untermauern und die angebliche Überlegenheit des arischen Menschen zu belegen.
(22:27) Dazu wurden Expeditionen, Ausgrabungen und Forschungsprojekte durchgeführt, die oft pseudowissenschaftlichen Charakter hatten und der Legitimation rassistischer und völkischer Weltanschauungen dienten. Neben der Forschung war das Ahnenerbe auch an systematischem Kunstraub und der Konstruktion einer arischen Weltgeschichte beteiligt.
(22:51) Die Organisation diente somit als Instrument nationalsozialistischer Kulturpolitik und als ideologisches Fundament für die Gewalt und Verbrechen der SS. Fundament für die Gewalt und Verbrechen der SS. Die Vorstellung der okkulten SS hat in der Popkultur eine lange Karriere gemacht.
(23:15) Von Indiana Jones über Computerspiele bis hin zu Serien, Iron Sky den Kinofilmen und Mystery-Literatur. Die Idee eines düsteren, magisch aufgeladenen Geheimordens ist attraktiv für Autoren wie für Zuschauer. Doch diese Popkultur hat Konsequenzen. Sie verschiebt das Bild der SS von einer realen, brutalen, ja brutalsten Täterorganisation hin zu einer Art Fantasy-Antagonist.
(23:51) Die Faszination ersetzt die Analyse, das Unheimliche verdrängt das Menschliche und damit natürlich auch die Verantwortung. Gleichzeitig nutzen rechtsextreme und verschwörungsideologische Gruppen diese Mythen, um eine eigene Weltanschauung aufzubauen. Die Mystik der SS wird romantisiert, um ihr eine scheinbare Tiefe zu verleihen.
(24:10) Deshalb ist es wichtig, diesen Mythos immer und immer wieder zu entzaubern, nicht um ihn zu verharmlosen, sondern um ihn richtig zu verstehen. Wenn wir heute über die Mystik der SS sprechen, geht es weniger darum, Geheimnisse zu lüften, sondern darum, eine Ideologie zu verstehen, die sich selbst verhüllte und mystisch inszenierte. Die SS war kein okkulter Orden. Sie war eine Organisation des Terrors, die mystische Elemente zur Selbstlegitimation einsetzte.
(24:48) Mystik war kein Ziel, sondern ein Werkzeug zur Bindung, zur Abgrenzung, zur Machtausübung, zur Identitätsstiftung und zur Einschüchterung. Die reale Geschichte ist brutal, kalt und erschütternd. Und sie braucht beileibe keine mythische Überhöhung. Ich danke euch fürs Zuhören. Wenn wir uns mit diesen Themen beschäftigen, tun wir das nicht aus Faszination für das Dunkle, sondern aus Verantwortung gegenüber der Geschichte.
(25:21) Nur durch kritische Einordnung lässt sich verhindern, dass Mythen neue Macht erhalten. Und genau deswegen solltet ihr auch Mitglied der GWUP werden, damit ihr euch auch diesen Mythen entgegenstellt und für eine kritische Einordnung sorgen könnt. Den Link findet ihr wiederum in der Shownotes und ich sage auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal, euer Onkel Michael.