Skeptitalk

Ähnlich wie die Germanen oder Kelten, dienten die Arier als Projektionsfläche für so ziemlich jeden historischen Unsinn der letzten gut 200 Jahre. Aber wer waren die Arier tatsächlich? Was steckt hinter diesem Mythos? Das klären wir in dieser Folge.

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Hier findest Du noch einen Ergänzungsartikel beim Humanistischen Pressedienst über den Arier-Mythos.

Creators and Guests

Host
Onkel Michael
Blogger und Podcaster

What is Skeptitalk?

Der einzig wahre skeptische Podcast der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) mit dem legendären Blogger Onkel Michael.
Wir widmen uns vielen verschiedenen Themen aus dem Bereich der Parawissenschaften und berichten, was wirklich dahinter steckt. Egal ob die so genannte Alternativmedizin, Verschwörungstheorien oder andere Mythen: wir sagen euch Bescheid!

Herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer da draußen im weiten Podcast-Land. Mein Name ist Michael Scholz und dies ist die neunte Folge des Skeptitalks, des einzig wahren skeptischen Podcasts der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften.
Wie immer gilt, wenn ihr Vorschläge, Anregungen, Wünsche, Lobkritik oder Beschimpfungen habt, schickt sie mir an skeptitalk.gwup.org oder meldet euch auf unseren Social-Media-Kanälen.
Unser heutiges Thema ist mit allerlei Mythen, Erzählungen und sonstigem Unsinn behaftet. Wir beschäftigen uns heute mit dem Mythos der Arier. Gerade im Dritten Reich wurde dieser Begriff mit allerlei Überhöhung aufgeladen, sodass die Arier als Superrasse dargestellt wurden.
Der Arier wurde damals als Großblond genannt. blauäugig dargestellt, flink wie Kruppstahl, zäh wie Windhunde oder flink wie Leder.
Oder so ähnlich jedenfalls. Man kennt ja die einschlägigen Zitate. Aber was steckt tatsächlich hinter diesem Mythos? Das wollen wir heute klären. Über den Ursprung der Arier ist sich die Forschung nicht einig.
Ob es sich um eine tatsächliche Ethnie, die sich selbst den Namen Arier gegeben hat, handelte oder um verschiedene Völker, die einen kulturell-sprachlichen Verbund bildeten, wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr restlos klären lassen.
Zwischen 2000 v. Chr. und 1500 v. Chr. drang ein Teil der Arier in das Gebiet des heutigen Iran vor, während ein anderer Teil das nordwestliche Indien besiedelte.
Ab dem 5. v. Chr. wird Volk und Begriff »Arier« So bezeichnet sich der achemenidische König Darius I., als ich zitiere, Perser, Sohn eines Persers, ein Arier, welcher eine arische Abstammung hat.
Gleichzeitig nannte er die persische Keilschrift arisch. Jedenfalls dürften die eingewanderten arischen Gruppen zu dieser Zeit sowohl in Persien als auch in Indien in der bereits angesiedelten Bevölkerung wohnen.
An den Ariern war also nichts besonders mystisch-mythisches. Es waren keine Übermenschen, sondern einfach nur ganz normale Leute ihrer Zeit und ihrer Region.
In Europa wurde der Begriff des Ariers erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts bekannt, als Abraham Hyacinthe Anquetil du Perron, das Saint-Avesta, die Sammlung der heiligen Bücher der Zoroastrischen Religion ins Französische übersetzte.
Im Deutschen finden wir den Begriff erstmals in den religionshistorischen Schriften von Johann Gottlieb Rode.
Friedrich Schlegel wiederum dehnt den Begriff Arier 1819 auf die alten Inder, die Griechen und die Germanen aus und der norwegische Indologe Christian Lassen wendet den Begriff Arisch als erster speziell für die Indoeuropäer an.
Eine Ausdehnung, die hauptsächlich auf Lesefehler und Übersetzungsirrtümer zurückgeht. Die Begriffe Indogermanisch und Indoeuropäisch und Arisch werden zu dieser Zeit gleichwertig in der Sprach- und Kulturforschung benutzt.
Der Begriff Indogermanen sorgte und sorgt ja gelegentlich für Irritationen. Wie auch der Begriff Arier bzw. Arisch stammt Indogermanen aus der Linguistik.
Die Wikipedia fasst die Definition prägnant zusammen. Ich zitiere, als Indogermanen oder Indoeuropäer werden nach linguistischem Verständnis die Sprecher der heutzutage rekonstruierbaren indogermanischen Ursprache bezeichnet.
Es handelt sich also nicht um Germanen, die Bezeichnung ist vielmehr ein Klammerbegriff, gebildet aus den Namen der beiden zur Zeit der Entdeckung am weitesten auseinanderwohnenden bekannten Sprechergruppen.
Bis 1853 wird der Begriff Arier bzw. Arisch auch nur im Kontext der Sprach-, Religions- und Kulturwissenschaft benutzt.
Erst durch Joseph Arthur de Gobineau wurden die Begriffe in andere Fächer wie beispielsweise die Anthropologie, die Vorgeschichte oder die sogenannte Rassenkunde eingeführt.
Gobineau war ein französischer Diplomat, der sich auch als Schriftsteller und Rassenideologe betätigte.
Sein Standardwerk hierzu ist das aus vier Bänden bestehende Werk »Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen«.
Hierin spricht er erstmals von einer arischen Herrenrasse, und legte so den Grundstein zu der im Lauf der Zeit erweiterten und veränderten Rassentheorie, die 90 Jahre später Millionen Menschen das Leben kosten sollte.
Dieses Werk ist durchzogen von dem pessimistischen Weltbild Gobineaus, das aus seinem Lebensweg entstand.
Er fühlte sich nämlich oft von der Welt betrogen, war schwer krank, schmerzhafte Nervenleiden hatte er, und das über Jahre hinweg, und das sorgte nicht gerade für ein positives Weltbild.
Gobineau führt zu Anfang seines Essays aus, dass der wahre Grund zu Zerfall und Untergang von Reichen bzw.
Staaten nicht etwa, wie viele seiner Zeitgenossen schrieben, Verweichlichung, Dekadenz und Sittenlosigkeit seien, sondern wenn eine Mischung der Rassenerfolge und diese dann aus degenerierten oder entarteten Mischlingen bestünde.
Dies begründet er eben aus der Tatsache heraus, dass die, seiner Meinung nach drei existierenden großen Menschenrassen, nicht gleichwertig seien, sondern aufgrund von physiologischen Unterschieden verschiedene Wertigkeiten besitzen würden.
So steht auf der untersten Stufe der Leiter die schwarze Rasse, die Gobineau mit einem Charakter von Tierheit, wie er schrieb, ohne oder höchstens nur mit mittelmäßigen Denkvermögen ausgestattet, der die fehlende Intelligenz mit seinen niederen Instinkten ausgleicht und nur einen außergewöhnlichen Geschmacks- und Geruchssinn als Besonderheit sein Eigen nennt.
Die Angehörigen der schwarzen Rasse sollen eine enorme Lust am Töten nur um des Tötens Willen auszeichnen, die wegen der ebenso ausgeprägten Feigheit nur aus dem Hinterhalt erfolgen würde.
Auf der zweiten Stufe seiner sogenannten Rassenleiter steht die gelbe Rasse, die als mittelmäßig beschrieben wird.
Im Gegensatz zum Schwarzen, der den Exzess lieben soll, wird den Gelben ein, ich zitiere, beständiger, aber ruhiger Sinn für materielle Genüsse attestiert.
Genauso wie eine, ich zitiere wieder, Liebe zum Nützlichen, Achtung vor der Regel, Bewusstsein von Vorteilen einer gewissen Dosis von Freiheit.
Ihre Wünsche beschränken sich darauf, so angenehm und so bequem als möglich zu leben. Die Gelben sind laut Gobineau ein quasi rassegewordener Kleinbürgerstand.
Die höchste Stufe ist natürlich die Weiße Rasse, die laut Gobineau Völker mit besonnener Energie, einem Sinn sowohl für das Nützliche als auch für das Höhere, Kühnere, Idealere, mit einer ausgeprägten Liebe zum Leben, einem ausgeprägten Ehr- und Kulturenrecht, allerdings auch mit einem gegenüber den Schwarzen und Gelben schlechter ausgeprägten Hang zur Sinnlichkeit.
Gobineau begründet diese Charakterisierung in der Folge zum größten Teil nicht. Er stellt Behauptungen auf über rassische Merkmale, die er gelegentlich aus der Physiognomie und dem Körperbau ableitet.
Aber, wie gesagt, größtenteils zaubert er diese Behauptungen komplett einfach aus dem Hut. Die Arier kommen aber erst dann wieder ins Spiel, wenn Gobineau die zehn menschlichen Zivilisationen aufzählt, die seiner Meinung nach alle auf einen arischen Einfluss zurückgehen.
An erster Stelle ordnet er die indische Zivilisation ein. Diese habe sich vom indischen Ozean aus über den Brahmaputra hinweg nach Norden und Osten auf das asiatische Festland ausgebreitet.
Ihr geistiges und gesellschaftliches Zentrum habe in einem Zweig des weißen Volkstammes der Arier gelegen.
Als zweite Zivilisation nennt er die ägyptische. Um sie herum hätten sich die Äthiopier, Nubier sowie mehrere kleine Völker angesiedelt, die westlich der Oase von Amon lebten.
Entstanden sei diese Gesellschaft nach seiner Darstellung durch eine arische Ansiedlung aus Indien, die sich im oberen Niltal niedergelassen habe.
Als drittes beschreibt er die assyrische Zivilisation, zu der er auch Juden, Phönizier, Lüder, Karthager und Himyariten zählt.
Ihre sozialen Vorstellungen hätten sie so der Autor den prägenden Einflüssen jener Weisen zu verdanken, die weiterhin als Nachkommen Hams und Sems bezeichnet würden.
Die iranischen Zoroastrier, die in Vorderasien unter dem Namen Meder, Perser und Bakterer Herrschten seien ebenfalls ein Zweig der arischen Familie gewesen.
Als vierte Zivilisation führt er die griechische an. Auch sie seien aus demselben arischen Stamm hervorgegangen, erst durch den Einfluss semitischer Elemente habe sich ihr ursprünglicher Charakter verändert.
Fünftens zieht er einen Vergleich zwischen Ägypten und China. Auch in China habe nach seiner Ansicht eine aus Indien kommende arische Ansiedlung geschaffen, die soziale Entwicklung angestoßen.
Aber anders als im Niltal habe diese sich nicht mit schwarzer Bevölkerung vermischt, sondern sei in malayischen und sogenannten gelben Bevölkerungsgruppen aufgegangen.
Zusätzlich habe es aus dem Nordwesten erhebliche Zuwanderungen weißer Elemente gegeben, die ebenfalls arisch, jedoch nicht mehr indischer Herkunft gewesen seien.
Sechstens beschreibt er die frühe Zivilisation der italischen Halbinsel, aus der später die römische Kultur hervorging, als ein vielgeschichtiges Gefüge aus Kelten und Iberern, Arien und Semiten.
Als siebte Zivilisation nennt er die germanischen Stämme, denen er zuschreibt, im 5. Jahrhundert den Charakter des Abendlandes grundlegend verändert zu haben.
Auch sie ordnet er der arischen Herkunft zu. Unter den Nummern 8, 9 und 10 fasst er schließlich die drei Zivilisationen Amerikas zusammen, die der Alleghenianer, der Mexikaner und der Peruaner.
Zusammenfassend stellt der Autor fest, dass es von den sieben Zivilisationen der alten Welt sechs, zumindest teilweise der arischen Rasse angehörten.
Die siebte, die Assyrische, verdanke der gleichen Rasse ihrer iranische Wiedergeburt die er als den glänzendsten Abschnitt ihrer Geschichte beschreibt.
Er führt weiter aus, dass nahezu das gesamte europäische Festland seinerzeit von Menschengruppen bewohnt werde, deren Ursprung weiß sei, auch wenn die nicht-arischen Bestandteile zahlenmäßig überwögen.
Eine wirkliche Zivilisation habe es bei den europäischen Völkern seiner Auffassung nach nur dort gegeben, wo arische Gruppen die politische und gesellschaftliche Vorherrschaft ausgeübt hätten.
Abschließend erklärt der Autor, dass unter den zehn von ihm genannten Zivilisationen keine sei, die von der schwarzen Rasse als kulturschaffende Kraft erschaffen wurde.
Kultiviertheit hätten nur Mischlinge erreicht, ebenso entstehe seiner Ansicht nach keine eigenständige Zivilisation bei den sogenannten gelben Völkern und es komme zum Stillstand, sobald das arische Blut als erschöpft gelte.
Gobineau zeigte sich die edelste Ausbildung des Ariertums im französischen Adel und so versuchte er auch fast manisch die Abstammung seiner eigenen Familie vom germanischen Gott Odin zu beweisen.
Im Laufe seines Textes versieht Gobineau die Arier mit den höchsten und edelsten Eigenschaften, die sie durch ihre Wanderbewegungen bzw. an die germanischen Stämme weitergegeben haben. Dabei bildet er den Begriff einer Herrenrasse heraus, der alle kulturtragenden Völker angehören sollen.
Was seinem Werk allerdings komplett fehlt, ist eine antisemitische Komponente. Diese sollte erst später durch Houston Stuart Chamberlain hinzugefügt werden.
Gobineaus Werk wurde gerade in Deutschland gut rezipiert, vor allem da es im Bayreuther Clan um Richard Wagner geradezu begeistert aufgenommen wurde.
Richard Wagner selbst veranlasste Karl Ludwig Scheemann, das Buch ins Deutsche zu übersetzen und setzte sich selbst in seiner 1881 erschienenen Schrift »Heldentum und Christentum« ausführlich mit den Theorien des französischen Adligen auseinander, wenn er darin auch in einem grundlegenden Punkt Gobineau widerspricht.
Nicht im französischen Adel sei die edelste Ausbildung des Ariertums zu finden, sondern in den germanischen Stämmen des Nordostens und er begründet dies so, einmal durch die Annahme des römisch-katholischen Christentums und das ausgeprägte Ehrgefühl, wie es in der ritterlichen Minne des Mittelalters zu finden ist.
Cosima Wagners war es auch, die dem Freund der Familie und späteren Schwiegersohn Houston Stuart Chamberlain die Lektüre von Gobineau's Essay empfahl.
Chamberlain, ein gebürtiger Brite und Verehrer Deutschlands und ganz besonders Wagner, schrieb daraufhin das zweibändige Buch die Grundlagen des 19. Jahrhunderts, indem er die Thesen Gobinos mit einem primitiven und vulgären Antisemitismus vermischte und damit die Grundlagen für den rassischen Antisemitismus, der Alfred Rosenberg und Adolf Hitler prägen sollte, schuf.
Chamberlain führte aus, dass alleine die arischen Germanen als Schöpfer einer neuen Kultur in Europa zu sehen sind.
Insbesondere die in Anführungszeichen germanische Treue ist ein Wesenszweig auf denen der Autor seitenweise herumreitet.
Dem Germanen gegenüber steht der Jude, auch in Anführungszeichen zu lesen, der in Europa ein fremdes Element sei.
Die vermeintliche Minderwertigkeit der Juden gegenüber den germanischen Völkern führt Chamberlain auf die Physiognomie, Körperbau und andere körperliche Merkmale der Juden zurück.
So versteigt sich der Autor in die Behauptung, dass bereits ein arischer Säugling sofort anfängt zu weinen, wenn sich ihm ein in Anführungszeichen Rasse-Jude nähert.
Auch sei Jesus Christus zwar Angehöriger der jüdischen Religion, aber kein rassischer Jude gewesen, lediglich einzelne Juden könne ein Adel im vollsten Sinne des Wortes, so Stuart Chamberlain, zugestanden werden.
Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts wurden ein großer Erfolg in Deutschland und konnten auf 24 Auflagen bis 1944 blicken.
Aber auch in England wurde es begeistert aufgenommen, als es 1910 in einer Übersetzung erschien. Zum herausragenden Erfolg des Buches konstatierte Wanda Kampmann, ich zitiere, »Man war am Ende des positivistischen Jahrhunderts der Detailforschung und ihrer widersprüchlichen Ergebnisse müde.« Und dann war es wohl der Kulturenthusiasmus, die Verklärung von Kunst, Kultur und Religion als schöpferische Leistung des germanischen Geistes, die der Bildungsschwärmerei einer breiten Leserschicht entgegenkam.
Ferner die Rassentheorie, die eine unsicher gewordene Generation in ihrem Selbstgefühl stärkte und nicht zuletzt die Überredungskraft, die von Simplifikation jederzeit ausgeht.
Zitat Ende 1930 veröffentlichte Alfred Rosenberg, einer der führenden NS-Ideologen und geistiger Priester der Herrenrasse, wie er während der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesse bezeichnet wurde, sein Hauptwerk »Der Mythos des 20. Jahrhunderts«, das als direkte Fortsetzung von Chamberlains Grundlagen des 19. Jahrhunderts konzipiert war. Bevor wir uns aber mit Rosenberg auseinandersetzen, müssen wir uns mit den Ausführungen von Helena Petrovna Blavatsky, der Erfinderin der Theosophie, zum Thema Arier auseinandersetzen.
In ihrem Buch »Die Geheimlehre«, einem Standardwerk der Theosophie, formuliert sie auch den Mythos der sogenannten Wurzelrassen, der bald auch schon in anderen Lehren wie eben der Anthroposophie oder der Ariosophie aufgegriffen und für die eigenen Zwecke umgearbeitet wurde.
Helena Blavatsky hat sich tatsächlich einen komplett neuen Schöpfungsmythos ausgedacht, in der der Mensch als älteste Lebensform auf der Erde diese beherrscht.
Entstanden ist er daraus, dass der göttliche Geist in Materie gefahren sei und seitdem bestrebt ist, die materielle, menschliche Hülle wieder abzustreifen und in das Stadium des reinen Geistes zurückzukehren.
Laut Frau Blavatsky erfolgt diese Rückkehr in das Stadium des reinen Geistes dadurch, dass die Menschheit eine Entwicklung durch sieben aufeinander abfolgende Wurzelrassen durchlaufen muss, wobei sich jede Wurzelrasse wieder in sieben sogenannte Zweig- oder Familienrassen aufteilt.
Dies geschieht in einem mehrstufigen System aus Reinkarnationen, die auf dem Gesetz des Karmas beruhen.
hat eine Wurzelrasse, die ihr gestellte Aufgabe erfüllt, geht sie unter und nimmt ihren Kontinent, auf dem sie gelebt hat, gleich mit.
In der ungeschönten Sprache der damaligen Zeit erklärt sie, dass, ich zitiere, Rothäute, Eskimos, Papuaner, Australier, Polynesier usw. alle sterben aus. Und ihre Auslöschung ist eine karmische Notwendigkeit. Übrig blieben nach ihrer Überzeugung nur drei Rassen. nämlich der Arie, der Gelbe und der Afrikanische Schwarze.
Wir sehen also, auch hier finden wir die gleiche Rassenaufteilung, wie sie Gobineau gut 30 Jahre früher formulierte.
Diese Entwicklung ist in ihrer Vorstellung nicht spontan, wie es beispielsweise die Evolutionslehre kennt, sondern beruht auf einem Zuchtprogramm, welches von übernatürlichen Wesen für die Menschheit entwickelt wurde.
Insgesamt geht es bei ihr andersherum. Nicht der Mensch passt sich an seine Umwelt an, sondern der Mensch passt seine Umwelt an sich an.
Ganz besonders angetan war Helena Blavatsky von den damals populären Atlantis-Erzählungen von Ignatius Donnelly.
Insgesamt bedient sie sich munter aus allen möglichen Bereichen der Esoterik und der damaligen Wissenschaft wie Atlantis-Erzählungen, Arier, Mythos, Theologie, Medizin oder Paläontologie.
Die fünfte Wurzelrasse besteht aus den Arien, die nach der Blavatsky vor etwa einer Million Jahren in Nordasien entstanden.
Nachdem Atlantis untergegangen war, soll sich der europäische Kontinent aus dem Meer erhoben haben, den die Arie besiedelten.
Mit dieser Wurzelrasse sei, ich zitiere, »der perfekte Meridianpunkt der perfekten Ausrichtung von Geist und Materie überschritten worden«, oder das Gleichgewicht zwischen dem Hirnintellekt und der spirituellen Wahrnehmung sei geschaffen.
Die Hauptvölker der Arier sind laut Blavatsky die Europäer und die Inder. Aktuell bilden die Europäer die fünfte Unterrasse der fünften Wurzelrasse.
Mit dem Erscheinen der nächsten beiden Unterrassen soll auch ein neuer Lehrer der Menschheit die Bühne betreten.
Allerdings sollte dies bereits im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts geschehen sein. Ist die Erzählung von den Wurzelrassen von Frau Blavatsky rassistisch?
Ja, auf jeden Fall. Sie reproduziert die damals gängigen rassistischen Stereotypen. So waren die Schwarzen in Afrika für sie nur Kinder, die die Anleitung durch überlegenere Rassen benötigten.
Asiaten, mit Ausnahme der Inder, wurden als gottgegebene Dienstboten oder wie sie sagte Kulis, Allerdings muss man auch feststellen, dass die Blavatsky in Relation zu anderen Schriftstellern ihrer Zeit, die sich mit ähnlichen Sujets beschäftigten, nicht besonders extrem war in ihren Äußerungen.
Genauso war es mit ihren antisemitischen Äußerungen. Zwar rechnete Helena Blavatsky die Juden zu den arischen Völkern, doch behauptet sie bereits in ihrem Buch »Die Entschleierte Isis«, dass die Semiten das am wenigsten spirituelle Volk seien, das nicht imstande sei, moralische oder allgemein intellektuelle Gedanken durch ihre Sprache auszudrücken.
Ihre gesamte Kultur sei eine Sammlung von verschiedensten Anleihen höher stehender Völker. Die Juden seien ein Hybridvolk, das es darauf anlege, sich mit möglichst vielen anderen Völkern zu vermischen.
Damit deutet Blavatsky laut dem israelischen Historiker Isaac Lubelsky an, dass das Judentum selbst keine originäre, sondern nur eine Mischkultur hätte entwickeln können.
Lubelsky erklärt diese Polemik mit Blavatskys Absicht, das auf dem Judentum basierende Christentum zu delegitimieren.
Im Vergleich zu den antisemitischen Vorurteilen, die in dem russischen Milieu, aus dem Blavatsky stammte, Gang und Gäbe waren, erscheine ihre Haltung tatsächlich eher zurückhaltend.
Im Kielwasser der Theosophie entstanden neben der Anthroposophie noch einige andere abstruse esoterische Strömungen.
Eine dieser Ableger war die sogenannte Ariosophie, die sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Guido von List und Jörg Lanz von Liebenfels ausdachte.
Grundstock waren die zentralen Lehren der Theosophie in Kosmologie, Symbolik und Wurzelrassen, die sie mit den Rassentheorien von Arthur de Gobineau, pseudischen Runenglauben und ähnlichen esoterischen Unsinn vermengten.
War Helena Blavatsky, die Erfinderin der Theosophie, noch der Meinung, dass es keine Unterschiede zwischen den Rassen gäbe, und die höchste Evolutionsstufe der Menschheit eine Rasse sei, die aus der Vermischung aller bisherigen Rassen hervorging, so sahen die Ariosophen die Erfüllung der Menschheit in einer aristokratischen Rassentrennung, in der die einzelnen Rassen verschiedene Entwicklungsstufen inne hätten und in einer okkulten Hierarchie übereinander stehen würden.
Gewürzt wurde diese krude Mischung dann noch mit ein bisschen Kabbala und Zahlenmystik und Astrologie und anderem, esoterischen Kokolores.
List und Lanz verschmolzen also die esoterischen Elemente mit beinharten Rassismus und völkischem Nationalismus.
Die am höchsten entwickelte Rasse war natürlich die der Arier, die in einem goldenen Zeitalter in vorgeschichtlicher Zeit von einer weißen Priesterschaft angeführt worden seien.
Durch die Vermischung mit niederen anderen Rassen verloren sie ihre spirituelle Reinheit. Lanz von Liebenfels verknüpfte seine Rassenlehre mit der Idee eines arischen Christentums und stellte dann den Kampf der Arier gegen die Niederrassen in den Vordergrund.
Ganz konkret ging es ihm um die Verhinderung von Rassenmischung und der aus dieser Vermischung resultierenden Schwächung der arischen Herrenrasse.
Um dies zu verhindern, schlug er weitreichende Zuchtprogramme für Arier und Sterilisationsmaßnahmen für minderwertige Rassen vor.
Liebenfels deutete die Bücher der Bibel und die Geschichte des Christentums in Zeugnisse eines angeblichen Rassenkampfes um.
Kommen wir nun zum bereits angesprochenen Alfred Rosenberg mit seinem Buch »Der Mythos des 20. Jahrhunderts«. Rosenberg kann mit Fug und Recht als einer der Chefideologen der nationalsozialistischen Bewegung benannt werden und der »Mythos« war als direkte Fortsetzung von Houston Stuart Chamberlains die Grundlagen des 19. Jahrhunderts konzipiert. In diesem Buch fordert Rosenberg nicht nur eine neue Religion des Blutes, die dem von jüdischen Einflüssen zersetzten Christentum entgegengesetzt werden soll, sondern zementierte auch die von Chamberlain begonnene Feindschaft zwischen dem edlen, reinen, arischen Germanen auf der einen Seite und seinem durchtriebenen Antagonisten, dem Juden, auf der anderen Seite.
Dazu teilte er die Völker in kulturschaffend natürlich ausnahmslos die arisch-germanischen Völker, kulturbewahrend die slawischen oder keltischen Völker und kulturzerstörend die jüdisch-semitischen Völker ein.
Diese Einteilung wird auch öfters von Adolf Hitler in seinen Reden angeführt. Rosenberg sah in den arischen Deutschen ein Volk, das nur durch seine Stärke dazu prädestiniert sei, andere Völker zu unterdrücken und zu führen.
Diese Stärke begründete er mit einer arisch-germanischen Rassenseele, die eine besondere Kraft in sich tragen soll, die nur durch die brutale Durchsetzung ihres Willens andere Völker beherrschen soll.
So schreibt Rosenberg, ich zitiere, »Auf alle Zweifel und Fragen«, kennt der neue Mensch des kommenden Ersten Deutschen Reiches nur eine Antwort.
Allein ich will. Zitat Ende. Was nach Rosenberg durch das Allein ich will geschah, wissen wir heute. Millionenfacher Mord, Verschleppung, Leid, Kummer und Tod.
Nach der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden mit Einrichtungen wie dem Ahnenerbe und unzähligen Publikationen egal ob Bücher, Zeitschriften oder Zeitungen, das antisemitische Ariertum immer tiefer ins Bewusstsein der Menschen eingebrannt, wo es heute dann noch sitzt.
Der aktuelle Antisemitismus hat seine Wurzeln noch immer in dem hanebüchenen Unsinn, den die Nationalsozialisten damals in die Welt trugen.
Tja, ein Schlusswort. Zur Vorbereitung dieses Podcasts habe ich vier Bände Gobineau, zwei Bände Chamberlain, einen Band Blavatsky, zwei Bände Rosenberg und zahlreiche Aufsätze beispielsweise aus den Schulungsbriefen der NSDAP durchgearbeitet.
Zusammen mehr als sicherlich tausend Seiten. Dazu gibt es noch tausende und aber tausende Publikationen, die im Laufe der Zeit herausgebracht wurden und die nur einen Zweck haben den Menschen zu erklären, dass es verschiedene Rassen gibt und diese verschiedenen Rassen wiederum verschiedene Wertigkeiten besitzen.
Und wisst ihr was? Diese Millionen und Abermillionen Seiten von Papier, die beschrieben wurden, sind heutzutage vollkommen obsolet.
Warum? Weil wir durch die Entdeckung der DNA wissen, dass der Mensch ein Mensch und nur ein Mensch ist.
Zwar haben sich aufgrund der verschiedenen Lebensbedingungen verschiedene Phänotypen herausgebildet, die für ihre Umgebung am besten angepasst sind.
Aber das hat absolut nichts damit zu tun, ob die Menschen schlau oder dumm, nett oder doof, freundlich oder unfreundlich sind.
Wenn man unter die Haut schaut, ist der Mensch der gleiche wie der andere, egal ob er aus Afrika, Europa oder Asien stammt.
Natürlich gab es auch schon damals Stimmen aus der Wissenschaft, die davor gewarnt haben, dass man wie bei den Arien rein sprachliche Kategorien nicht in die Anthropologie übertragen kann.
Aber das wurde einfach ignoriert. Ein Fakt, der sich auch heute nicht wirklich geändert hat. Tja, was bleibt noch zu sagen zum Schluss? Machen wir es mal so, überlassen wir das Wort dem Neguse Negest, Kaiser Haile Selassie, dem ersten von Äthiopien, der am 4. Oktober 1963 vor die UN-Vollversammlung in New York trat und eine viel beachtete Rede hielt, in der er unter anderem sagte, ich zitiere, Solange nicht die Denkweise, die eine Rasse für überlegen und eine andere für minderwertig hält, endgültig diskreditiert und überholt ist, solange es Bürger erster und zweiter Klasse in irgendeiner Nation gibt, solange bis die Hautfarbe eines Menschen nicht mehr von Bedeutung ist als die Farbe seiner Augen, bis zu dem Tag, an dem die Menschenrechte für alle gleichermaßen garantiert sind, ohne Rücksicht auf ihre Herkunft, solange wird der Traum vom dauerhaften Frieden und Weltbürgertum eine flüchtige Illusion bleiben, der man beständig nachjagt, die aber nie erreicht wird.
Und ich denke, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.